Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe

  • Wachpersonal sollte in der Lage sein, die Gegenstände zu schützen, die es bewacht. Ansonsten ist es in meinen Augen kein Wachpersonal, sondern lediglich bezahlte Anwesenheit, die dem Ernstfall nicht ansatzweise gewachsen ist. Und ja, den Lichtschalter zu bedienen ist keine Mammutaufgabe und letztlich, sofern sie offensichtlich sowohl physisch, als auch hinsichtlich der Bewaffnung, unfähig sind, die Objekte zu schützen, rückblickend die einzige Rechtfertigung für ihre dortige Anwesenheit.

  • Man darf mich gerne korrigieren, aber die Vitrine mit Garnituren, die mit extra großen Diamanten und Brillianten besetzt war, war vom Material her eine der wertvollsten Vitrinen im historischen Grünen Gewölbe.

    Das vermute ich auch. Man kann das Grüne Gewölbe übrigens vollständig virtuell besichtigen (bis zum "Juwelenzimmer" durchklicken). Die geraubten Stücke aus dem Juwelenzimmer waren möglicherweise die wertvollsten der Sammlung.
    Hoffentlich lernen die Verantwortlichen jetzt endlich mal aus diesem Vorfall und kommen von ihrem hohen Ross ("Fort Knox") runter. Aus dem Einbruch ins Bode-Museum hat man jedenfalls bisher noch offenbar keine Schlüsse gezogen.

  • Und, warum suchen sie sich eine bestimmte Vitrine aus, nicht aber andere, die womöglich wertvolleres Material beherbergten?

  • Die Sammlungen sind - so habe ich es gehört - nur bei Verleih versichert.
    Wie will man den Wert von Objekten ermitteln, die unveräußerlich sind? Deren ideeller Wert den materiellen noch um ein vielfaches übersteigt?


    Mich würde interessieren, wie der Dresdener Grüne allein versichert ist. 100 Mio?

  • Von der Versicherungssumme könnte man höchstens Kopien anfertigen lassen, damit die Garnitur wieder vollständig ist.

    Eben. Jetzt wird man das wahrscheinlich nicht können, höchstens mit sehr viel günstigeren, unechten Materialien.

  • Also ich bin neben des Schocks trotzdem froh, dass das die Gangster keinen Brand gelegt haben, nicht mutwillig das zerstört haben, was sie nicht mitnehmen konnten und dass auch niemand zu Schaden gekommen ist. Dass die Wachleute nicht eingeschritten sind ist wohl nachzuvollziehen, sie werden dafür wohl nicht ausgerüstet und ausgebildet sein, und werden bestimmt auch nicht dafür bezahlt. Ich hoffe dass es ein Auftragsraub war, der nicht zur Folge hat dass die Schaustücke zerstört werden.


    Und das macht mir jetzt wirklich Sorgen: Anscheinend hat es neben einer Akku-Flex und einer Axt, einer Leiter und einem Auto und reichlich Ortskenntnis wohl nichts weiter gebraucht, dort einzubrechen und ohne aufgehalten zu werden abzuhauen. Das wieder lässt mich vermuten, dass neben Sorgfalt der Raub nicht viel Aufwand gemacht haben könnte und es sich lohnt. Denn das zerlegen der Teile und das Umschleifen der Edelsteine muss man ja auch erstmal können, und sie dann auf den Markt bringen ohne Herkunftsnachweis, wieviel ist das Zeug da wohl wert? Dürfte wohl nicht allzuviel sein, aber wenn der Raub halt auch nicht viel Aufwand gemacht hat, dann lohnt sichs wohl doch. Denn einen Panzer haben die wohl nicht gebraucht, auch keinen Leiterwagen/LKW oder irgend eine Laserkanone oder Nachtsichtgeräte...


    Und das wiederum ist halt auch krass, wenn man schon kein Sicherheitskonzept hat, dass solche Diebe vor Ort stellt, oder ihre Flucht verhindert, dann scheint es eigentlich kein wirksames Konzept auch gegen Vandalismus /Anschläge zu geben. Das finde ich wirklich besorgniserregend.

  • So, der nächste Tag ist da und es war leider kein Alptraum.
    Obwohl mich diese Sache doch so sehr bewegt hat, daß ich tatsächlich von dem Einbruch in Dresden geträumt habe. Und in meinem Traum, haben die Diebe ihre Tasche mit den gestohlenen Gegenständen in der S-Bahn liegenlassen. - Ja, man kann schon einen ziemlichen Blödsinn träumen.


    Aber da sind mir auch einige Ideen zur Sicherung der Kunstschätze gekommen.


    Wenn die Wachleute schon nicht körperlich eingreifen können/wollen/sollen, so muss es doch trotzdem eine Möglichkeit geben, die Einbrecher und Diebe festzuhalten. Wenn das Wachpersonal, beispielsweise, per Knopfdruck Türen und Fenster zu bestimmten Räumen verriegeln könnte, die wie eine Art Jalousie, blitzschnell herunterfährt. Oder es gibt in den Räumen mit den wertvollsten Ausstellungsstücken eine Zuleitung für ein schnell wirkendes betäubendes Gas, das die Verbrecher in kürzester Zeit einschlafen lässt, bis die Polizei da ist. - Schon fast wie in einem James Bond Film. Aber dieser Fall wirkt auch wie im Action-Film.


    Selbst wenn wir uns im Kreis drehen und es schon längst erwähnt wurde, - wenn es schon Sicherheitspersonal im Gebäude gibt, muss dieses auch in der Lage sein, kriminelles Gesindel wirkungsvoll zu empfangen. So etwas darf auf keinen Fall zur Gewohnheit werden. Unser Land darf sich einfach nicht ausrauben lassen. Unsere Museen sind schließlich keine Selbstbedienungsläden.

  • "nothor", bei aller berechtigten Sorge sollte trotzdem nicht in Panik verfallen werden. Hier ging es um einen gut geplanten Juwelenraub einer professionell agierenden Bande. Schon dass die wussten, wo sie Feuer zu legen hatten, um die Stromversorgung zu unterbrechen, zeigte, dass die durchaus aufwändig agiert haben. Laserkanone und Nachtsichtgeräte gehören da eher in Actionfilm, ebenso wie der Wunsch, Wachpersonal mit Pump-Guns auszurüsten.


    Denen ging es aber nicht zum Zerstörungswut (ich vermeide gerne das Wort "Vandalismus", weil es dem besagten germanischen Volksstamm unrecht tut). Und irgendwelche betrunkenen Jugendlichen kühlen sich ihr Mütchen doch weit ungefährlicher an irgendwelchen nächtlichen Bushaltestellen, wo sie die Reklametafeln oder Müllkörbe eintreten, oder - leider - bei leerstehenden historischen Gebäuden, bei denen sie zündeln oder Fensterscheiben einwerfen. Diese Klientel wäre beim Versuch, in das Museum einzudringen, garantiert erwischt worden.


    Ähnlich sehe ich das mit Anschlägen. Islamisten oder durchgeknallte Ego-Shooter haben es bei uns in den letzten Jahren auf Menschenleben abgesehen, nicht auf aber die Zerstörung von Museumssammlungen. Das wäre vielleicht etwas anderes, wenn Leute des "Islamischen Staates" oder andere Bilderstürmer hierzulande die Macht über einige Städte und Landstriche gewinnen würden. Dann würden die ihr Werk aber ganz offiziell und tagsüber verrichten. In absehbarer Zeit sind wir von einem solchen Szenario aber noch weit entfernt. Also insofern gebe ich auch hier Entwarnung.


    Es bleiben (abgesehen vom Problem Zerstörungswut, die aber Kunstwerke im öffentlichen Raum trifft) neben solchen großen geplanten Banden-Diebstählen, gegen die man in Zukunft noch bessere Sicherheitskonzepte wird entwickeln müssen, zwei hier jedoch nicht genannte Risiken.


    1. Metalldiebstahl. Das betrifft aber auch keine Museen, sondern den öffentlichen Raum. Regelmäßig werden Kunstwerke, die womöglich in abgelegenen Grünanlagen stehen, gestohlen oder stark beschädigt. Das ist oft das Werk professioneller Banden. Über deren häufige Freude an der eigenen Mobilität möchte ich mich jetzt nicht auslassen.


    2. Stromausfall. Ein bislang wenig thematisiertes Gebiet. Aber im Zuge der Veränderungen der Energiewirtschaft kann es zu einem Ende der hiesig gewohnten Stabilität des Stromnetzes kommen. Sollten hierzulande mal ein paar Tage Teile des Stromnetzes flach liegen, ist vieles möglich. Und wir kennen es ja aus manchen Ländern, in denen die staatliche Ordnung in eine Krise gerät, dass dort Museen einfach gestürmt und geplündert werden. Bekannt ist das unter anderem im Irak nach dem letzten Krieg, beim Ägyptischen Museum in Kairo, aber auch z.B. dieses Jahr in Algerien.


    Dennoch, nochmals meine Rede von oben, diese Tat war gezielt geplant. Wir sollten jetzt nicht zu viel Angst vor allen möglichen Risiken für hiesige Kunstsammlungen haben. Es gilt aber, am Sicherheitskonzept zu arbeiten.


    Außerdem gebe ich den gestohlenen Kunstgütern durchaus eine Chance, irgendwann wieder aufzutauchen. Die Möglichkeit, dass z.B. ein Oligarch die Stücke für seine Privatsammlung haben wollte, würde ich nämlich nicht völlig ausschließen. Und irgendwann werden solche Sammlungen auch mal von Dritten entdeckt oder kommen wieder ans Licht der Öffentlichkeit.

  • Beim Ansehen der geraubten Gegenstände ist mir schon wieder schlecht, gottseidank habe ich vor 2 Jahren das historische Grüne Gewölbe besucht. So kann ich besonders mit der Dresdner Bevölkerung mitfühlen für diesen Verlust ihrer Identität, der dies nicht gesehen hat kann das wahrscheinlich nicht erahnen. Zum Glück war der große grüne Diamant nicht in der Vitrine er alleine war 2,5 Mal so teuer bei seinem Erwerb wie die Baukosten des Schlosses Moritzburg. Wie komme ich als Kunstinteressierter bloss über den Tag aber ich habe trotz der deppriemierenden Meldungen die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

  • Wenn ich die PK richtig verstanden habe, haben die Wachleute die Polizei um 04:59 angerufen. Der Auftrag an einen Streifenwagen, vor Ort zu fahren, ging aber erst um 05:04 raus. In der Zwischenzeit wurden die Wachleute befragt.


    Warum brauchte es dafür 5 Minuten? Dresdner Polizisten sollten wissen, wo sich das Grüne Gewölbe befindet. Konkrete Fragen des Zugangs und des Vorgehens kann man klären, während der Wagen bereits unterwegs ist. Und warum nur 1 Wagen? Im Zeifelsfalle ist 1 ein Streifenwagen mit im Normalfall 2 Polizisten an Bord zu wenig, um ohne hohe Eigengefährdung mit einer Bande fertigzuwerden.

  • Ein bedauerlicher Enzelfall. Das wichtigste ist, dass er nicht von der falschen politischen Seite instrumentalisiert wird. Es wird unermüdlich an einer Verschärfung der Gesetze gearbeitet......

  • @Naumburg


    inzwischen sind es keine Einzelfälle mehr, das hier ist bloß der Gipfel. Es zu verniedlichen als Einzelfall ist der Gipfel des Sarkasmus. Gehe Mal mit offenen Augen über einen Friedhof oder in einen öffentlichen Park da siehst du genug Einzelfälle die natürlich nicht in der Presse erscheinen weil sie von vielen garnicht mehr wahrgenommen werden. :wuetenspringen::daumenunten::gehtsnoch:

  • Glimpflicher Ausgang in Bremen


    Vor sechs Jahren, 2013 also, hatten wir in Bremen einen ähnlich gelagerten Fall zu beklagen: Ein im Zuge der großen Dom-Grabung der 1970er Jahre geborgener, hochmittelalterlicher Ring aus dem Grab eines Bremer Erzbischofs, der seit den 1980er Jahren im Dom-Museum gezeigt worden war, wurde entwendet. Für Bremer Verhältnisse, hatte das schon die Dimension des jetzigen Dramas um das Grüne Gewölbe. An der Weser kam man aber Gott sei dank mit einem blauen Auge davon: Der Münzhändler, der in Unkenntnis der wahren Identität des Ringes diesen erworben hatte, alarmierte sofort die Ermittlungsbehörden, als er realisierte, was er da angekauft hatte. Leider hatte er aber zu diesem Zeitpunkt bereits den Bergkristall aus der Fassung herausgebrochen, weil er den Ring für ein grobes bäuerisches Produkt des 19. Jahrhunderts hielt und das Gold der Fassung anderweitig verwenden wollte. Nun, der Ring konnte leidlich repariert werden, wird aber für immer die Spuren der Beschädigung tragen.
    Die Leiterin des Dommuseums sagte seinerzeit nach erfolgter Sicherstellung des Ringes, daß man neben der Reparatur
    auch eine Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen in dem Museum abwarten müsse.


    Wir Bremer wünschen den Dresdnern jedenfalls einen ähnlich glimpflichen Ausgang für die geraubten Juwelen-Garnituren - idealerweise ohne jegliche Beschädigung !


    Hier noch drei Bilder des Erzbischofs-Rings: 1. Vor dem Herausbrechen des Bergkristalls, 2. Im zerlegten Zustand, 3. Im restaurierten, aber gezeichneten Zustand.




  • Ein Video zur Pressekonferenz wurde gestern - von eryngium, glaube ich - bereits verlinkt. Hier aber das wesentlich bessere Video des Mitteldeutschen Rundfunks, mit professioneller Bild- und Tonqualität (verfügbar bis 2. Dez. 2019):


    Pressekonferenz 25.11. - mdr


    Die PK fand übrigens im Hans-Nadler-Saal des Schlosses statt. Man sieht im Hintergrund sehr schön die moderne Wandverkleidung. Ich finde diesen Saal hinsichtlich Gestaltung und Größe angenehm. Ich war schon mal drin.


    Ebenfalls sehenswert das "MDR extra" von gestern abend:


    MDR extra: Raubzug im Grünen Gewölbe (verfügbar bis 2. Dez. 2019)


    Darin ab Sendeminute 3 Ausschnitte aus einer MDR-Doku von 2014 zu den Sicherheitsvorkehrungen. Die hatte ich damals auch gesehen. Alarm hätte ausgelöst werden müssen, als die Täter die Hauswand erreichten. Der Fokus lag damals darauf, dass man nicht unbemerkt ins Grüne Gewölbe gelangen oder während der Öffnungszeit dort etwas stehlen könne. Die Täter kalkulierten aber offenbar das Auslösen des Alarms ein und planten den Raub mit der Zeit, die ihnen bis zum Eintreffen der Polizei bliebe. Die kurze Zeit, die ihnen zur Verfügung stand, schränkte das Schadenspotenzial ein. Ich würde vermuten, dass vom Kontakt mit der Hauswand bis zur Flucht nicht mehr als 5 Minuten vergingen. Ich interpretiere die Angaben der Polizei so, dass der erste Streifenwagen 5:04 Uhr, also 5 Minuten nach Notrufeingang vor Ort war.


    Ab Sendeminute 8:48 gibt es kurz Einblick in den Wiederaufbau der Paraderäume. Speziell für @BautzenFan dürfte Minute 8:50 interessant sein. Ab Minute 9 wird eine Vitrine im Juwelenzimmer näher gezeigt. Das ist nicht die Vitrine, die aufgebrochen wurde. Die dort zu sehenden Objekte sind unversehrt vorhanden. Auch die folgenden Ansichten aus dem Grünen Gewölbe und einzelner Objekte bis Minute 9:44 zeigen ausschließlich Dinge, die nach wie vor vorhanden sind. Ab Minute 12 der Raub des Sophienschatzes aus dem Stadtmuseum 1977. Dieser Schatz hatte einen wesentlich geringeren Wert als das, was jetzt gestohlen wurde, und war nur von regionaler Bedeutung.


    Recht interessantes Interview mit dem Kulturjournalisten Andreas Berger (verfügbar bis 2. Dez. 2019)


    Ergänzend von mir dazu: Mittwoch wird das Historische Grüne Gewölbe natürlich nicht wieder öffnen. Syndram hatte mitgeteilt, dass es längere Zeit geschlossen bleibe.


    Einschätzungen von Korrespondentinnen aus Dresden (verfügbar bis 2. Dez. 2019)

  • Es ist sicher ein symptomatischer Vorfall für dieses kaputte Land. Irgendwer hat den Vergleich mit der Eremitage angestellt, das war gelungen. Ich hab da auflachen müssen.
    Securitys, die vor Angst toter Mann spielen, Vorgesetzte, die dieses Verhalten in Schutz nehmen, Polizeifahrzeuge, die in Anbetracht der Lage - Stromausfall, Alarm aus dem GG - noch ein paar zusätzliche Runden drehen - bei uns schon eine beliebte Methode, um gewisse Tatorte nicht zu früh zu erreichen - all das gibt es ganz sicher auch in Russland zuhauf.
    Aber sicher werden sich die Schönredner hier wieder durchsetzen.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

    Edited once, last by ursus carpaticus ().

  • Schade dass die alte Schinkelwache direkt gegenüber keine Wache mehr war. Dann wäre die Reaktionszeit wohl wesentlich kürzer gewesen. Trotzdem, ich verstehe, dass man nicht Abermillionen investiert, um das Schloss und seine Räume diebstahlsicher zu machen, mit Fallgittern oder Schlafgas, wie hier schon fantasiert wurde. Das wäre ein gewaltiger baulicher Eingriff um am Ende doch nutzlos zu sein, wenn es brennt, oder Kunstgut bei einer Renovierung/Ausleihe/Transport zu Schaden kommt oder verloren geht.


    Ich bin trotzdem durchaus zuversichtlich, dass man das Beutegut wiederfinden wird. Denn wenn es nur um die reine Masse an Edelsteinen geht, warum haben sie dann nicht noch mehr mitgenommen. Wieso hat einer der Typen dem anderen genau die Vitrine gezeigt, die aufgemacht werden soll. Auch wie gesagt kann ich es mir nicht vorstellen, dass man die Stücke auch in Einzelteilen und auch umgeschliffen gut verkaufen kann wenn man nicht gleichzeitig unterstellt, dass weite Teile der Edelsteinbranche kriminell unterwegs sind. Wer bitte legt denn dann noch sein Geld in Edelsteinen an, wenn er bei einem Diebstahl davon ausgehen muss dass alle wegschauen? Einkäufer, Händler, Börsen, die alle haben doch sicher ein großes Interesse am bestehenden Vertrauen in ihren Stand. Naja alles nur meine vagen Hoffnungen als kunstbegeisterter Laie.


    Ich selbst muss aber zugeben, wir waren letztes Jahr im Grünen Gewölbe, beeindruckt von den Sicherheitsvorkehrungen dort, aber von den Schaustücken haben mich die Juwelen am wenigsten interessiert. Ich fand die Kunstkammerobjekte, Möbel, Pokale und Tabernakel usw. alle irgendwie viel interessanter.

  • Gestern abend veröffentlichte der MDR Bilder von Objekten, die als vermisst gemeldet wurden. Da es sich um Fahndungsfotos handelt, dürfen wir sie hier auch direkt zeigen. Die Nummerierung der Bilder gibt die Reihenfolge beim MDR wieder. Ich versuche, etwas Ordnung reinzubringen. Für alle folgenden Fotos gilt: Bildrechte Staatliche Kunstsammlungen Dresden.


    Bild 1: Die betroffene Vitrine im Juwelenzimmer. Rechts die Tür zum Bronzenzimmer. Links von der Vitrine ist ein Fenster zum Hof in der Nähe. Die Täter bewegten sich im Gebäude nur in öffentlich zugänglichen Museumsräumen (anders als im Fall Bode-Museum). Dazu war kein Spezialwissen erforderlich. Der Grundriss des Historischen Grünen Gewölbes ist in entsprechenden Publikationen veröffentlicht. In der Vitrine sehen wir links den Schmuck der Königinnen bzw. die Brillant-Perlen-Garnitur (in den ersten beiden Feldern).


    Bild 6: Diese Perlenkette (in der Vitrine oben links) scheint mir nach dem reinen Materialwert bei fehlender Provenienzangabe nicht besonders wertvoll. Es handelt sich um 177 sächsische Flussperlen, die vor 1734 gesammelt wurden (also zu Lebzeiten Augusts des Starken) und 1805 zu dieser Damenkette aufgereiht wurden.


    Bild 7: Unterhalb der Perlenkette in der Vitrine diese Brustschleife, Juwelier Globig, Dresden, 1782, mit 662 Brillanten, der größte von 22 Karat. Die Brustschleife gehört zu der relativ kleinen Gruppe unter den Schmuckstücken des Grünen Gewölbes, die für die Königin bzw. Kurfürstin bestimmt waren. Zugleich ist sie Teil des Schmucks aus nachaugusteischer Zeit (also aus der Zeit nach 1763). Nach Menzhausen sind diese späten Stücke nicht mehr auf der künstlerischen Höhe der Juwelierkunst unter August dem Starken.


    Bild 9: Ebenfalls zum Schmuck der Königinnen gehört diese Mondsichel. Auf Bild 1 (Vitrine) ist sie im zweiten Feld oben rechts zu sehen. Gefertigt zwischen 1782 und 1807 in Dresden, alles Brillanten. Getragen wurde sie im Haar.


    Bild 4: Dieses Schmuckstück konnte ich auf Bild 1 nicht ausmachen. Es ist wohl relativ klein und gehört zum Brillantschmuck der Königinnen. Die stilistische Verwandtschaft zur vorher gezeigten Mondsichel ist unverkennbar. Dieses Stück symbolisiert die Sonne und wurde ebenfalls im Haar getragen.


    Bild 2: Eine Hutzier aus der Brillantgarnitur. Die Brillantgarnitur (für den König) ist auf Bild 1 in den beiden mittleren Feldern der Vitrine zu sehen. Die Hutzier liegt im linken Feld oben rechts. Sie stammt von 1746, also aus der Zeit Augusts III.


    Bild 10: Der Bruststern des Polnischen Weißen Adlerordens aus der Brillantgarnitur (auf Bild 1 im vierten Feld, Mitte). Gefertigt zwischen 1746 und 1749 für August III. Brillanten, der größte von 20 Karat, Rubine.


    Im nächsten Beitrag stelle ich die fehlenden Stücke aus der Diamant-Rosen-Garnitur vor. Sie ist auf Bild 1 in den beiden rechten Feldern der Vitrine zu finden.