Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe

  • @East_Clintwood


    die Hoffnung stirbt zuletzt, aber bei den Bildern sehen ich förmlich schwarz. Warten wir die nächsten Tage ab, dann könnte sich die Polizei rehabilitieren. Auf jeden Fall muß in allen Museen, Kirchen o. ä. das Sicherheitssystem überdacht werden, allein was vor den jüdischen Gemeinden mit Waffen steht oder bewaffnete Polizisten in Bahnhöfe und in Flughäfen, leider ist es in unserer heutigen Zeit notwendig und sollte nicht am Geld scheitern.

  • Das Minimum wäre, dass das nächtliche Wachpersonal Waffen zur Verfügung hat und die Täter gefahrlos stellen kann. Ansonsten bedarf es keines Sicherheitspersonals vor Ort. Einen Monitor aufstellen und bei Sichtung einer Taschenlampe die Polizei anrufen könnte jeder von uns, der an Schlafstörungen leidet, problemlos von zuhause aus übernehmen. Wie wäre man in derselben Situation in der Eremitage wohl vorgegangen...?

  • Spekulativ gesprochen wäre die korrekte russische Methode Mannstärke zeigen, Einkreisen und von der Schußwaffe nur im Notfall Gebrauch machen. Nur von gestellten und lebenden Personen gibt es Informationen über Auftraggeber und weitere Hintermänner.
    Ich hoffe hier, dass geplant war über Erpressung Geld zu generieren. So bleibt die Chance alles wieder unversehrt über Bitcointransfer und Co. zurückzubekommen.
    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • Genau das meinte ich: die Möglichkeit, Täter zu stellen und der Polizei zu übergeben, nicht rumzuballern. Ich hoffe sehr, dass hier diesbezüglich ein Umdenken stattfindet.

  • Die Täter haben ja angeblich noch ein Feuer an einem Stromkasten unter der Augustusbrücke gelegt. Hoffentlich ist nicht auch noch, zu allem Überfluss, die Brücke dabei beschädigt worden.


    Es ist einfach nur unfassbar. Die Täter gehören für mich in die unterste Schublade der Gesellschaft. Durch solch ein gemeines Verbrechen an Geld zu kommen. Hätten sie sich in der Schule mehr Mühe gegeben und einen anständigen Beruf gelernt, oder mit einer tollen Idee eine Firma gegründet. Aber nein, andere Leute zu bestehlen, ist doch viel einfacher.


    Ich fühle mich gerade so wie im Dezember 2016, nach dem Terror-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Ich lese jede Meldung und höre die Nachrichten, ob es Neuigkeiten gibt. Damals war ich sehr erleichtert, als die italienische Polizei den Bastard Anis Amri erschossen hatte. Auch wenn ich es nicht glaube, hoffe ich auf gute Neuigkeiten.


    Allerdings frage ich mich auch, wieso es in dem Museum extra Wachpersonal gibt, wenn dieses im Ernstfall nicht eingreift. Die Leute werden sich wahrscheinlich jetzt auch schwarz ärgern. Eine sinnvolle Bewaffnung, um Einbrecher und Räuber zu stoppen, sollte in Zukunft unbedingt gewährleistet sein.

  • Die Taktik der Einkreisung habe ich selten so gut gesehen wie bei den russischen/sowjetischen Streitkräften. Jeder weiß wie er sich positionieren muss. Allein der minutiöse Ablauf hat ein sehr stark gewichtetes Einschüchterungspotential. Das beherrschen nur wenige Sicherheitsorgane anderer Nationen.
    Nein, die Cowboymethode ist da nicht wegweisend. Rumballern kann schließlich fast jeder.
    Ich hoffe, dass unsere Polizei das auch mit anderer Taktik noch hinbekommt. Manchmal sind sie weiter als sie uns mitteilen dürfen, und hier geht es eindeutig um mehr als 100kg Gold. Hier geht es um Vertrauen und dessen Wiedergewinnung.

  • Ja, diese Täter sind das Mieseste, das man sich denken kann. Eine Stadt, die sich nach viel Leid und schwerster Wiederaufbauleistungen mühsam kulturell regeneriert, nun auch noch ihres beweglichen und unversehrten Kulturgutes zu berauben, ist so dermaßen schäbig, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Das macht mich persönlich am Traurigsten: den Dresdnern auch noch das wegnehmen zu wollen und all die Mühe, die im letzten Jahrzehnt in den Wiederaufbau des Grünen Gewölbes gesteckt wurde, teilzerstören zu wollen. Ob ihnen das alles bewusst war oder sie fahrlässig handelten, ist mir dabei egal. Ich hoffe, sie werden in Polen oder Russland geschnappt und nach dortigen Maßstäben verurteilt.

  • So genug für heute, allen Foristen und Kunstinteressierten wünsche ich trotz der schlechten Nachrichten eine schöne Nacht, vielleicht gibt es morgen neue Erkenntnisse.

  • Vielleicht sollte man von den kostbarsten Stücken einfach Repliken aus günstigen Materialien herstellen lassen, und die unbezahlbaren Originale in einem fetten Panzerschrank verwahren. Zur Anschauung genügt auch eine Kopie. Das gibt es doch auch in einigen Museen. Da kann man das Geld für die kostspielige Sicherheitstechnik besser in die Herstellung von guten Nachbildungen stecken. Das müssen die Besucher ja nicht unbedingt wissen. ;)

  • @ Eiserner Pirat: so, hast Du jetzt für uns das Licht ausgemacht. Ist doch eines eisernen Piraten nicht würdig!?


    Wie schon vermutet wurde, könnte es ein Auftragsdiebstahl gewesen sein. Doch wenn ich das Video anschaue und sehe, wie brachial die Typen mit einer Axt auf die Vitrinenscheibe einschlagen und dabei erstens in Kauf nehmen, daß die Preciosen, die sie klauen wollen beschädigt werden und zweitens es einen Heidenlärm macht, bezweifle ich ob die zur höchsten Ebene der Profidiebe gehören. Wenn die wirklich Profis wären, hätten sie doch Schneidewerkzeuge benutzt und kreisförmige Öffnungen rausgeschnitten (wie man das von Agentenfilmen kennt!?).Na gut, das Sicherheitsglas ist freilich recht dick, das müssen schon Spezialgeräte sein!
    Beim Durchtrennen der alten schmiedeeisernen Gitter am Fenster haben sie doch auch Profizeugs gehabt. Mit einer händischen Metallsäge waren die da nicht zu Gange. Hätte viel zu lange gedauert.
    @ Neußer, nö ich will die Originale sehen. Es kommt auf die Ausstrahlung an. Diese Juwelen hatte also der August getragen!
    (Bin so froh 2006 alles gesehen zu haben!)

  • Also als jemand, der das GG mit eröffnet hat und 10 Jahre da gearbeitet: es gibt eine erschöpfende Alarmanlage mit diversen Einrichtungen.
    Wogegen aber niemand etwas schützen kann ist rohe Gewalt, Verschlagenheit und Gier. Aufgrund der präzisen Vorgehensweise kann man davon ausgehen, das Insiderwissen vorhanden war und/oder eine langanhaltende Observation stattfand - mit mehreren Besuchen im HGG.


    Ich muss sagen, mich hat der Vorfall entsetzt und die Aussagen der Museumsführung lassen mich etwas ratlos zurück. Für Sachsen wurde ein Stück Seele geraubt.

  • Vielleicht waren es die Hohenzollern? Die sind doch - auch laut Meinung von Großkomiker Böhmermann - besonders raffgierig... (Ironie aus)


    Also, ich gehe auch von einem Auftragsdiebstahl aus. Für Gelegenheitsdiebe ist das ganze zu professionell und schnell abgelaufen. Und, warum suchen sie sich eine bestimmte Vitrine aus, nicht aber andere, die womöglich wertvolleres Material beherbergten? Wenn es ihnen nur um irgendwelche Juwelen oder Edelmetall gegangen wäre, hätten sie sicher bei einem Juwelier ein Ziel gefunden, bei dem die Sicherungssysteme nicht so gut und die Gefahr, erwischt zu werden, nicht so groß gewesen wäre. In Frankfurt am Main haben sie z.B. in der Vergangenheit wiederholt einfach die Schaufensterscheiben eingefahren und die Auslage geklaut. Das ist viel risikoloser und mit mehr Fluchtmöglichkeiten verbunden als so ein Museum.
    Insofern sehe ich durchaus Hoffnung, dass das Diebesgut irgendwann, wenn auch vielleicht erst nach Jahren, recht unversehrt wieder auftaucht.

  • Was ist denn aus der Information geworden, dass die von der Kamera erfassten Täter besonders klein gewesen sein sollen?

  • Und, warum suchen sie sich eine bestimmte Vitrine aus, nicht aber andere, die womöglich wertvolleres Material beherbergten?

    Es gibt MATERIELL nichts wertvolleres, als die 3 Garnituren in der betroffenen Vitrine. Nicht in Dresden, wenn wir mal von der Hutagraffe mit dem Dresdener Grünen absehen, die aber ja ein Bestandteil der geraubten Garnituren selbst ist*.


    Der KUNSTHISTORISCHE Wert dürfte bei den verblieben Garnituren vergleichbar bis höher im Vergleich zu den geraubten sein, da solche Barock-Schmuck-Garnituren nicht mehr existieren. Ich kenne eine (den Dresdenern sehr ähnliche) in St. Petersburg (Peter der Große). Ansonsten wurde mir gesagt, dass es solchen Schmuck weltweit nicht mehr gibt. Die 3 in Dresden zum Vorbild dienenden Garnituren Ludwigs XIV wurden beispielsweise in der Revolutionszeit vernichtet.



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    *Zumindest zum Zeitpunkt der Anschaffung - also vor der Entdeckung reicher Diamanten-Vorkommen außerhalb Indiens waren diese Steine die teuersten. Und heute sind sie immer noch in Relation von Masse zu Wert das teuerste, dass man in Dresden "in der Handtasche" rauben konnte. Allein durch ihre Zahl und bedeutende Größe vieler Einzelsteine bedingt.
    Zwar sind HEUTE wohl gute Smaragde und Rubine teurer als vergleichbar große Diamanten. Aber die Smaragdgarnitur glänzt eben mit deutlich weniger Steinen als die 3 Diamant- bzw. Brilliant-Garnituren. Auch sind bei den Farbstein-Garnituren einige Steine von minderer Qualität**, teilweise - für bessere Wirkung - farbig foliert (z.B. Rubingarnitur) etc.
    Die Steine der 3 geraubten Garnituren sind wohl durchweg höchste oder zweithöchste Qualität.


    **Damit August der Starke 1697 bzw. 1719 schon mal was "anzuziehen" hatte, lies er Garnituren fertigen, verwendete teilweise zunächst Steine minderer Qualität und lies später vervollständigen. August hat immer wieder nach und nach bessere Steine für seine bestehenden Garnituren erwerben lassen. Der Markt war ja in Europa damals sehr begrenzt. Agenten kauften in Leipzig, London und sonst wo ein.


    So kommt es auch, dass man von 8 bis 12 Garnituren spricht. Denn die Frage ist, ab wann werden aus Einzelstücken mit gleichen Steinen Garnituren?
    Beispiel: Topasgarnitur. Sie besteht - wenn ich es richtig erinnere - aus Stock, zahlreichen Knöpfen (Schneckenstein) und einem Orden vom goldenen Vlies (Brasilianische! Topase) (Wer Lust hat liest nach und ergänzt mein Halbwissen, ich bin zu frustriert). Degen etc. fehlte bis zum Tod August des Starken. Eigentlich ist das noch keine Garnitur, denn man ist ohne Degen bei Hof nicht passend gekleidet.


    August III teilte die Faszination des Vaters für Juwelen nur bedingt. Er oder seine Nachfolger ließen v.a. Brillantgarnitur und Königinnen-Schmuck ändern oder neu schaffen***.
    Augusts vollständige Ensembles bleiben aber sonst 300 Jahre überwiegend unangetastet. Ein paar fehlende Brillis an der Schildpatt-Garnitur mal abgesehen...


    ***Diese Schmuckstücke sind somit deutlich jünger als die Garnituren August des Starken.
    Vergleichbare (jüngere) Schmuckstücke sind an Europäischen Königshöfen noch recht häufig zu finden. Daher ist das kunsthistorische Alleistellungsmerkmal weniger gegeben.
    Dafür besteht aber durch den hohen Material-Wert und die Verbindung zu zahlreichen Monarchen-Generationen sehr hohe Bedeutung für Sachsen. Die Haarnadel Maria-Josephas, Große Achselschleife von ich weiß nicht wem, usw. usf. …
    Es handelt sich um DEN SÄCHSISCHEN KRONSCHATZ.
    Steine der Garnituren wurden bei Krönungen in die Kronen temporär eingesetzt (Schnürkästen). Sonst kamen sie wieder in die Garnituren und wurden getragen, denn anders als im Märchen braucht man bei Hof keine Krone.




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    Und leider sind die geraubten Steine - anders als behauptet - recht leicht zu vermarkten.


    Es werden hunderte Altschliff-Diamanten in Antwerpen, Zürich etc. jährlich gehandelt, die aus zerbrochenem Barockschmuck stammen. Dr. Carl-Ludwig Fuchs - Gott habe ihn seelig - hat immer sehr darüber gewettert, dass der letzte Barockschmuck in Deutschland wegen "Untragbarkeit" unter den Hammer kommt.
    Er hatte übrigens dieses Buch als Fachmann redigiert.
    Diamanten der Queen (Hugh Roberts, Tatjana Gräfin Dönhoff (Übers.)). Gerstenberg, Hildesheim 2012, ISBN 978-3-8369-2748-2 Ich bin mir sicher, er wusste wovon er sprach.


    Auch war es immer interessant, wenn er mit Blick auf die Beiträge in Katalogen und Fachliteratur - auch die Dresdener - die dort benannten Schliffformen als "falsch bestimmt" missbilligte. (Nun konnte er Herrn Dr. Sydram nur bedingt leiden, da er diesem final in der Bewerbung um den Direktorenposten - wohl wegen fehlendem Parteibuch - unterlegen war. Wie viel gekränkte Eitelkeit in seiner fachlichen Einschätzung des Konkurrenten lag, vermag ich als Laie nicht einzuschätzen.) Ich befürchte aber, die SKD hat keinen Plan, wie Einzelsteine facettiert sind und wie man sie auf dem Diamantenmarkt erkennen könnte. Sie werden verhandelt und umgeschliffen. Und aus die Maus.

  • Immerhin ist inzwischen raus , dass keine kompletten Sets ergaunert werden konnten, dafür haben sie aber leider die größeren Teile wie den Degen zum Beispeiel mitgehen lassen, da diese sich leichter vom Untergrund trennen ließen.


    Und wenn ma sich das Video ein paar mal anschaut, sieht man auch wie sie reinstürmen (oder besser gesagt humpeln) und der eine Täter dem anderen Täter zeigt, welche Vitrine er einschlagen soll. Also ganz klar eine gezielte Tat.


    Ich sehe aber die Schwachstelle trotzdem im Wachpersonal. Ganz ehrlich jede größere Firma hat abends mehr als ZWEI Sicherheitsleute auf dem Gelände. Wie kann man bei diesem großen Komplex, wie dem Schloß, nur ZWEI Sicherheitsleute in der Nacht vor Ort haben, vovon garantiert einer in der Wachzentrale sitzt und einer Rundgänge macht.
    Und dazu unbewaffnetes Sicherheitspersonal. Klar kostet ein Wachmann mit Waffenschein ein paar Euro mehr, aber Hallo hier geht es um einen unschätzbaren Wert!
    Und was ist das für ein HighTec-Sciherheitssystem, wo bei Alarm nicht einmal das Licht angeht, bzw. können die Wachmänner von ihrer Zentrale aus nicht das Licht aus der Ferne einschalten, wenn sie schon die Täter auf dem Bildschirm sehen.


    Ich will nicht spekulieren, aber bei den Ermittlungen sollte man sich auch ganz genau den Sicherheitsdienst anschauen...

    Wenn nicht anders angegeben, sind alle Bilder von mir.

  • Und, warum suchen sie sich eine bestimmte Vitrine aus, nicht aber andere, die womöglich wertvolleres Material beherbergten?

    Man darf mich gerne korrigieren, aber die Vitrine mit Garnituren, die mit extra großen Diamanten und Brillianten besetzt war, war vom Material her eine der wertvollsten Vitrinen im historischen Grünen Gewölbe.

  • Vermutlich hatten die Wachmänner Angst, dass die Einbrecher denken, sie seien im Hause, wenn sie das Licht anschalten. So klang es zumindest in der PK: das wichtigste ist, das Wachpersonal vor den Einbrechern zu schützen...

  • Das unterschreibe ich auch hundertprozentig, dass das Wachpersonal vor den Einbrechern zu schützen ist, wenn sie sich nicht verteidigen können.
    Aber wie schon gesagt, so eine Lichtsteuerung muss von der Wachzentrale aus funktionieren...ansonsten ein klarer Planungsfehler.


    Bei mir auf Arbeit gehen Flutscheinwerfer an, sobald nur ein Tier in die Nähe des Zauns kommt.

    Wenn nicht anders angegeben, sind alle Bilder von mir.