Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe

  • Grundsätzlich bin ich ja dagegen, mit Verbrechern zu verhandeln und sogar zu belohnen. Ich weiß auch nicht, ob ein nun international gesuchter Dieb sich auf irgendetwas einlässt, das eine Spur hinterlässt, die sich zurückverfolgen lässt. Aber einen Versuch ist es natürlich wert.

  • Dürfte wohl als Falle aufgefasst werden und lediglich Trittbrettfahrer auf den Plan rufen. Eine saftige Belohnung (50 MIO oder mehr) für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, wäre wohl zielführender, weil furchteinflößender.


    "Den Rest" des gesammelten Geldes sollte man zur Anfertigung von Repliken hernehmen.

  • Die Ursachen sehe ich auch in der lächerlichen Einstellungspraxis von Aufsichtspersonal.
    So geschehen beim Bodemuseum und ich gebe jede Wette - auch hier.
    Wer überprüft eigentlich die Zuverlässigkeit?


    Und meine erste Maßnahme:
    Es muss ein Polizeirevier dorthin.

  • Was mich stutzig macht: Auf dem Plan in der DNN müssen die Täter mehrere Räume durchlaufen, also vom ,, Eingangsfenster'' bis zur Vitrine im Juwelenzimmer. Dazwischen sind doch diese wunderschönen restaurierten (ich hoffe doch) Stahltüren, die damals 45 schon vorm völligen Vernichten der Räumlichkeiten schützten, weil sie geschlossen waren. Denke ich. Warum werden sie nicht nach Ende der Öffnungszeiten, nach Reinigung, Kontrolle etc nicht geschlossen und vor allem VERSCHLOSSEN? Vielleicht hätte das den Einbruch erschwert oder sogar verhindert? Aber auch das Fensterglas ging in null komma nix kaputt, WARUM? So eine Flex macht doch Lärm, ist das niemandem aufgefallen?
    Auch ich vermute, das das zerstörte Zaunfeld an der Herzogin Garten von den Tätern ,, zur Probe'' zerstört wurde.
    Mein Gott, zur Eröffnung damals wurde das Grüne Gewölbe als begehbarer Tresor beschworen, wie sicher alles sei! Und nun? Ich bin sehr betroffen und denke, das das eine Auftragsarbeit gewesen ist. Wollen wir alle hoffen, das diese Kunstwerke möglichst unbeschädigt zurückkommem. Wie krank muß man sein und Feuerlöschpulver auf solche Kunstwerke zu sprühen, unglaublich!!!

    In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

  • (...) Wie krank muß man sein und Feuerlöschpulver auf solche Kunstwerke zu sprühen, unglaublich!!!

    Für normal denkende Menschen schon. Aber diesen fiesen Verbrechern ist das natürlich völlig wurscht. Sie interessieren sich nicht für den Besitz anderer Leute oder für Kultur und Historie. Da zählt nur die persönliche egoistische Bereicherung, für ein besseres Luxusleben.

  • Wachpersonal sollte in der Lage sein, die Gegenstände zu schützen, die es bewacht. Ansonsten ist es in meinen Augen kein Wachpersonal, sondern lediglich bezahlte Anwesenheit, die dem Ernstfall nicht ansatzweise gewachsen ist. Und ja, den Lichtschalter zu bedienen ist keine Mammutaufgabe und letztlich, sofern sie offensichtlich sowohl physisch, als auch hinsichtlich der Bewaffnung, unfähig sind, die Objekte zu schützen, rückblickend die einzige Rechtfertigung für ihre dortige Anwesenheit.

    Da möchte ich doch deutlich widersprechen.


    Wie weit, für welche Art "Angriffssituationen" möchtest Du vor Ort bewaffnetes Personal bereithalten? Üblicherweise erfolgt bei Diebstählen keine Ankündigung. Wenn der Alarm anschlägt, weiß ja erstmal niemand, ob 1 unbewaffneter Kunstliebhaber oder eine Bande von 10 Killern mit Maschinenpistolen im Anmarsch ist. Und will man wirklich in derartigen Räumlichkeiten ein längeres Feuergefecht riskieren, das neben dem Risiko des Verlustes von Menschenleben auch entsprechende materielle Schäden nach sich ziehen würde?


    Nein, ich sehe den Sinn der Anwesenheit der Wachleute in ihrer Funktion in erster Linie als lebende Alarmanlage. Sie sollten das zu schützende Objekt überwachen und im Falle eines Falles ergänzend zu technischen Alarmen die Polizei informieren und mit möglichst präzisen Informationen auf dem Laufenden halten.


    Das ganze Sicherheitkonzept sollte darauf ausgelegt sein, Zutritt und Rückzug möglicher Täter zeitlich maximal in die Länge zu ziehen und gut beobachtbar zu machen, um den Zugriff beim Verlassen des Gebäudes oder auf der Flucht zu ermöglichen.

  • Quote

    Wenn der Alarm anschlägt, weiß ja erstmal niemand, ob 1 unbewaffneter Kunstliebhaber oder eine Bande von 10 Killern mit Maschinenpistolen im Anmarsch ist.

    Was macht ein unbewaffneter Kunstliebhaber in der Nacht im Museum? Irgendwie wird das Ganze schon grotesk.



    Quote

    Das ganze Sicherheitkonzept sollte darauf ausgelegt sein, Zutritt und Rückzug möglicher Täter zeitlich maximal in die Länge zu ziehen und gut beobachtbar zu machen


    Vielleicht sollte man noch ergänzen: um Leben und Gesundheit möglicher Täter zu garantieren.
    Irgendwie erinnert mich das an die Achgut-Aussagen:




    Weit ist das nicht voneinander entfernt...

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Wir befinden uns in der westlichen Welt eben in einer post-materialistischen und post-heroischen Zeit. Einen ehem. Direktor wie in Palmyra, der seine Schätze auch notfalls mit seinem Leben verteidigt, wirst du in Deutschland nicht mehr finden. Ganz zu schweigen von der Tendenz in den Sicherheitsdiensten, das (schlecht bezahlte) Personal oftmals aus aller Herren Länder zusammenzuwürfeln und dadurch kein richtiger Bezug zu dem bewachten Gut mehr vorhanden ist. Es ist halt ein Job, heute Schicht im Einkaufszentrum, morgen auf einem Event und übermorgen im Grünen Gewölbe...

  • @kaffeesachse
    Wenn dich diese Dinge so interessieren, dann schau dir doch einfach die Pressekonferenz der SKD von gestern 16 Uhr an. Die hatte ich hier ja verlinkt (nicht ohne Absicht).


    Zu den historischen Türen im Grünen Gewölbe sagte Syndram: "Die schließen wir nur im Kriegsfall, und den haben wir jetzt nicht."


    Die nächste Barriere innerhalb des Erdgeschosses vom Westflügel ist die Sicherheitsschleuse zur historischen Raumfolge. Da der Einbau der entsprechenden Technik erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz erforderte, wurden vor die historischen Räume jeweils ein neuer Raum vorgeschaltet. Das Dresdner Schloss ist - wie andere große Museen auch - in ein System von Sicherheitsabschnitten untergliedert. Man kann das mit den Schotten in einem Schiff vergleichen. Es ist generell üblich, dass ein einzelner kleiner Raum in einer Folge von mehreren gleichrangigen Räumen keinen solchen Sicherheitsabschnitt bildet, sondern dann mehrere Räume zusammengefasst werden. Ein Hauptziel der Einteilung in Sicherheitsabschnitte ist übrigens der Brandschutz. Wenn das Wachpersonal nachts keine Rundgänge durchs Haus macht, dann können die Alarmanlagen scharf geschaltet und alle Sicherheitstüren geschlossen sein.


    Zu dem Rückkaufangebot: Das ist der Versuch einer Kontaktaufnahme mit den Tätern. Da gestohlene Kunstwerke heutzutage am Markt nicht mehr verkäuflich sind, besteht das Ziel von Kunstdieben teilweise im Artnapping, also Geiselnahme von Kunst. Dabei kehren die Kunstwerke über Mittelsmänner und gegen Zahlung eines "Finderlohns" wieder zurück. Das hat schon öfters zum beiderseitigen Vorteil geklappt. Es ist durchaus sinnvoll, dass man das hier auch versucht.


    Im Übrigen möchte ich mal sagen, dass ich es nervig finde, dass einige Foristen den Fall für platte politische Propaganda nutzen. Kunstdiebstähle hat es schon immer gegeben. Selbst in der DDR mit sicheren Grenzen und minimalem Ausländeranteil. Die Museen reagieren auch auf Veränderungen in der Sicherheitslage und nutzen moderne technische Möglichkeiten.

  • Das Residenzschloss ist heute wieder geöffnet. Ausnahme natürlich, das Historische Grüne Gewölbe. Neuigkeiten gegenüber Stand gestern 19 Uhr liegen noch nicht vor. Ein Beitrag des MDR-Sachsenspiegels fasst das Wichtigste zusammen (darin ein Interview mit Marion Ackermann).


    Infos zu den verlorenen Objekten werden vermutlich in einigen Stunden verfügbar sein. Das melde ich dann hier auch. Jetzt will ich aber erst mal was essen.

  • Rastrelli, gut argumentiert, aber nicht zusehr auf einem Weisheitsthron gemütlich machen. Dass der Brotpreis so hoch war war 1789 auch platte Propaganda. Es hatte trotzdem etwas bewirkt. Was ich sagen will, man soll niemals die Stimmungslage einer Masse einfach ignorieren. Diese Sache zwei Monate früher, und sicher wäre noch die Landtagswahl abgesagt worden.

  • Diese Sache zwei Monate früher, und sicher wäre noch die Landtagswahl abgesagt worden.

    Ganz sicher nicht. Die Landtagswahl war nämlich am 1. September.


    Und organisatorisch wäre sie in keinem Fall gefährdet gewesen. Was soll dieser Blödsinn?


    Mit "Merkels Energiewende" - den Unsinn hatte hier ja auch schon jemand eingestreut - hatte der Einbruch ins Grüne Gewölbe jetzt auch nichts zu tun. Die Stromversorgung im Schloss hat funktioniert.

  • Die SKD haben heute gegen 16 Uhr die Verlustliste herausgegeben, beruhend auf der Sichtung des Schadens gestern Nachmittag durch Prof. Syndram.


    Gestohlen wurden 11 Objekte und Teile von zwei Objekten sowie eine Gruppe von Rockknöpfen.


    Ich liste nachfolgend alle Stücke auf, unter Nutzung meiner früheren Beiträge.


    Für alle folgenden Fotos gilt: Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski.


    Besonders betroffen ist die Diamantrosengarnitur.


    Zu den bisher genannten Stücken kommen hinzu:


    Zwei gewölbte Schuhschnallen, Juwelier Globig, Dresden, 1782-1789


    Die Große Diamantrose


    Gruppe von zehn Rockknöpfen. Jean Jacques Pallard, Genf, 1753. Hiervon sind einzelne Stücke erhalten. Außerdem gibt es zehn Westenknöpfe. Dazu haben die SKD kein einzelnes Bild veröffentlicht. Sie sind wohl auch in Teilen verschwunden. Ganz eindeutig sind die Angaben der SKD hierzu aber noch nicht.

  • Nur 11 Stücke? Vorher ging man von 90-100 aus. Also ist der Großteil doch in den Vitrinen verblieben? Die vorherigen Angaben, dass die Brustschleife, Brustorden, das große Collier gestohlen wurden stimmt nicht? Ich bin verwirrt.


    Wäre natürlich ein unglaubliches Glück wenn wahr.

  • @Treverer
    Du bist einfach zu ungeduldig. Das war die Diamantrosengarnitur. Der Rest kommt gleich. Danach will ich auch auflisten, was von den Garnituren erhalten ist. Aber das geht nicht so auf Knopfdruck.

  • Das scheint wirklich wahr. Glück im Unglück das alles festgenäht war. Leider heißt das aber auch, und darauf lässt auch der Fakt schließen, dass einiges nur in Teilstücken erhalten ist, dass die Objekte mit roher Gewalt vom Untegrund gerissen wurden und teils zerissen wurden. Wie barbarisch... :(

  • Was aber auch bedeutete, daß einige Stücke zerrissen wurden, dadurch aber auch Teilstücke zurückblieben!
    Überblick über die gestohlenen Kunstwerke:


    Diamantrosengarnitur/ Brillantgarnitur/ Diamantschmuck und Perlen der Königinnen

    Degen Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste
    Zwei gewölbte Schuhschnallen Achselband oder Epaulette mit dem Sächsischen Weißen Brillanten Aigrette für das Haar in Form einer Sonne
    Kleinod des Polnischen Weißen Adler-Ordens Bruststern des Polnischen Weißen Adler-Ordens Teilstück eines Muffhakens
    Hutagraffe Brillantkollier der Königin Amalie Auguste (in Teilen erhalten)
    Große Diamantrose
    Epaulette (Teilstück vorhanden)
    10 Rockknöpfe (einzelne erhalten)



    https://www.mdr.de/sachsen/dre…ebstahl-tag-drei-100.html