Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe

  • Du kannst bei solchen Banden, möglichenfalls gar ausländischer/osteuropäischer Herkunft, nie wissen, ob die Täter bewaffnet sind, um sich notfalls den Fluchtweg freizuschießen. Da möchtest du als kleiner Wachmann nicht den Held spielen.

    Der letzte Satz ist natürlich verständlich. In dem Fall wäre ich aber dafür, und in anderen Hochsicherheitsbereichen ist das auch durchaus der Fall, dass man eben Wachmänner einstellt, die erfahren sind sich zu verteidigen, und die ausgerüstet sind um sich zu verteidigen. Bei einer so unschätzbar wertvollen Sammlung wie dem Grünen Gewölbe, dass angeblich so gut wie Fort Knox gesichert ist, erwarte ich dann auch Wachleute wie in Fort Knox. Den Aufwand und die Kosten ist es auf lange Sicht absolut wert.
    Der jetzige Raub z.B. hätte mit solchen Wachleuten entweder verhindert werden können (solches Wachpersonal schreckt ja auch ab), oder zumindest unterbrochen werden können.

  • Welche Teile genau fehlen denn nun?


    Außerdem ist das Gerücht aufgekommen, dass einige Juwelen als Kopie (Glas?) in der Vitrine lagen. Ist da etwas dran?

  • Soeben ging eine Pressekonferenz der SKD zu Ende. Ich habe sie nicht von Anfang an gesehen. Einen Link werde ich sicher bald nachreichen können. Einige Infos daraus:


    Syndram sagte, dass zwei Stücke der 10 auf den Fotos oben gezeigten vorhanden sind. Von den 10 Objekten in meinen beiden Beiträgen oben fehlen also wahrscheinlich 8. Welche genau weiß ich jetzt nicht. Das Juwelenzimmer wurde als "Schlachtfeld" beschrieben. Auf dem Fußboden habe man noch einiges gefunden. Da Syndram pausenlos beschäftigt ist mit Medienvertretern usw. konnte er noch nicht genaue Beschreibungen herausgeben. Daran werde intensiv gearbeitet.


    Bei der PK dabei war der Kaufmännische Direktor Dirk Burghardt und SKD-Technikchef Michael John. John war zu einer Fachtagung in London, als das passierte, und ist vorzeitig zurückgekehrt. Er ist selbst Sicherheitsberater für andere Museen und in Fachkreisen zum Thema Museumssicherheit bestens vernetzt. Er bestätigte, dass es "Waffen" gibt (beim Sicherheitspersonal), wollte sich aber nicht näher dazu äußern. Einsatzkonzepte und Ausrüstung variieren nach verschiedenen Kriterien. Er bestätigte, dass die Täter außergewöhnlich gut informiert waren und man intern nachforschen müsse.


    Die Wache hat die Möglichkeit, im Museumsraum das Licht einzuschalten. Dies ist eine Ermessensfrage im Einzelfall. Sie meinen, dass es richtig war, das Licht nicht einzuschalten. Dadurch haben die Täter viele Stücke übersehen. Mehr Licht im Raum hätte beim Einsammeln der Beute geholfen. So die Einschätzung der Verantwortlichen.


    Zur Schutzklasse des Vitrinenglases: Dies sei keine Kostenfrage, sondern die Stärke des Sicherheitsglases werde durch das zulässige Gewicht beschränkt. Die Vitrinen sind vollklimatisierte Hightech-Geräte, die zum Öffnen herausgeschoben werden. Also da gibt es verschiedene technische Parameter zu berücksichtigen.


    Frau Ackermann: Im Bode-Museum hatte das Sicherheitspersonal Rundgänge gemacht. Dadurch konnte die Alarmanlage nicht scharf gestellt werden. Sie haben sich entschieden, keine Rundgänge durchs Haus zu machen, dafür Alarm anzustellen. So hat jedes Konzept Vor- und Nachteile.


    Sie gingen auch auf Vorschläge ein, Tränengas oder Vernebelung bei Alarm einzusetzen, die seit gestern zu hören waren. Ein Gegenargument: Man weiß nicht, wie sich das auf die kostbaren Materialien der historischen Objekte auswirkt. Der Gedanke war mir auch schon gekommen. Zweites Gegenargument: Bei einem Fehlalarm während viele Menschen im Museum sind, könnte es eine Katastrophe geben. Auch das war mir schon in den Sinn gekommen. Man denke an die Geiselnahme in einem Moskauer Theater vor einigen Jahren, wo zahlreiche Geiseln durch den Giftgaseinsatz starben.


    Das Residenzschloss öffnet morgen wieder, einschließlich Neues Grünes Gewölbe. Das Historische Grüne Gewölbe bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen.

  • Laut Focus ist "eine unschätzbar wertvolle Perlenkette" noch da. Das dürfte diese hier sein:



    Bild 6: Diese Perlenkette (in der Vitrine oben links) scheint mir nach dem reinen Materialwert bei fehlender Provenienzangabe nicht besonders wertvoll. Es handelt sich um 177 sächsische Flussperlen, die vor 1734 gesammelt wurden (also zu Lebzeiten Augusts des Starken) und 1805 zu dieser Damenkette aufgereiht wurden.

  • @Henry, Wir wissen noch nicht genau was fehlt. Anscheinend haben selbst die Museumsleute erst nach Spurensicherung mit einer vollen Bestandsaufnahme anfangen können. Das braucht etwas Zeit und Sorgfalt.
    Ich habe aber Rastrelli gebeten, ob er uns nicht vielleicht eine Liste erstellen könnte, die auflistet was nach derzeitigem Wissen gestohlen oder gerettet ist. Diese Liste könnte immer wieder aktualisiert werden.


    Zu dem Kopiengerücht:
    Genau darüber habe ich heute mit einem Freund, einem Briten, gesprochen. Der ist der festen Überzeugung, die britischen Kronjuwelen, die im Tower ausgestellt sind, sind nur Kopien. Ich weiß nicht ob das stimmt oder nicht. Aber es wäre durchaus eine Überlegung wert für besonders wertvolle Sammlungen oder Einzelstücke. Natürlich würde die Sammlung viel an ihrem Reiz verlieren, wenn man wüsste, dass alle oder viele Stücke unecht sind. Ottonormalbürger würden es aber nicht einmal erkennen. Also vielleicht Kopien, ja, aber man erzählt es den Leuten nicht. ;)

  • @Tübinger
    Es gibt zwei "unschätzbar wertvolle Perlenketten". Das kann ich daher auf die Schnelle nicht bestätigen, dass die abgebildete gemeint ist. Es geht aus dem Focus-Beitrag nicht hervor.


    @Treverer
    Rastrelli tut sein bestes. Braucht aber auch die eine oder andere Minute noch. Ich freue mich über jedes Stück, das noch da ist.

  • Edit: Ich warte besser noch etwas länger bevor ich eine Grafik anfertige. Wir hören im Moment nämlich einige widersprüchliche Aussagen.

  • Bei einem Fehlalarm während viele Menschen im Museum sind, könnte es eine Katastrophe geben.

    Also derartige Maßnahmen sollten auch nicht während der Öffnungszeiten aktiviert werden können (Das wäre vermutlich rechtlich auch garnicht möglich) sondern die sind ausschließlich für Nachts gedacht. Zusätzlich zu simplen und günstigen Schutzmaßnahmen, wie die genannte Vernebelung, wundert es mich immer wieder, dass auf Lärm verzichtet wird.
    Wenn unschuldige Menschen zugegen sind, wie zB bei einem Banküberfall, macht ein ausschließlich stiller Alarm ja Sinn, aber in einem menschenleeren Museum erzeugt Lärm bei den Tätern einen ungeheuren Zeitdruck und extremen Stress, was die Chance erhöht die Diebe unverrichteter Dinge zu vertreiben oder wenigstens Fehler provoziert.

    98% of everything that is built and designed today is pure shit. There's no sense of design, no respect for humanity or for anything else. Frank Gehry

  • Update :

    Syndram: „Eine Achselplatte und ein Stern des Ordens des Weißen Adlers sind noch da und auch der Hofdegen ist nicht in die Reichweite der Diebe gekommen.“ Weiterhin seien aus der Garnitur der Königin zwei Perlenketten erhalten geblieben. Eine von ihnen besteht aus 177 regionalen Perlen."

  • über die Problematik unserer zukünftigen Stromversorgung gibt es bei YouTube einen hervorragenden Vortrag, dieser wird bei Betrachtung vielen Leuten die Augen öffnen auf was für einen Schlingerkurs unsere regierenden " Eliten" sich zur Zeit befinden. Da kann es einem nur in der Magengegend schlecht werden. Fazit sorgt selbst für eine autarke Stromversorgung !


    Bericht bei YouTube vom IFO Institut
    Vortragender : Dr.Dr. Hans Werner Sinn ehem. Präsident des IFO Institut in München
    Thema : Energiewende ins nichts

  • Bei Radio Dresden war gerade zu hören, dass der Degen und beide Perlenketten wohl doch nicht gestohlen wurden.
    Es wurden wohl auch viele Objekte nur von ihrer Stelle gerissen, konnten aber nicht aus der Vitrine genommen werden und lagen einfach nur zerstreut in der Vitrine.
    Dafür ist wohl definitiv der weiße sächsische Diamant weg!


    Angaben ohne Garantie!

    Wenn nicht anders angegeben, sind alle Bilder von mir.

  • Anscheinend wurden Objekte von den Dieben mit weißem Pulver besprüht (Feuerlöschpulver?) um Spuren zu verdecken. Das heißt leider, dass vor allem die beiden Perlenketten oberflächlichen Schaden davongetragen haben könnten.
    Die Diebe sind außerdem sehr brachial vorgegangen, selbst einige von den Stücken, die nicht gestohlen werden konnten, sind nicht mehr in all zu guten Zustand. Klar, die teils fragilen Objekte wurden in großer Hast und mit roher Gewalt vom Untegrund gerissen, mit dem sie vernäht waren.

  • Die Pressekonferenz der SKD von 16 Uhr. Hier der Link zum Video.


    Dirk Syndram hatte unmittelbar zuvor erstmals Gelegenheit, sich den Tatort anzusehen. Die Vitrine sei "in einem fürchterlich desolaten Zustand". Es wurden drei Löcher geschlagen. Die Vitrine hat ja keine durchgängige Glasfront. Die Stege haben also doch einen gewissen Schutz geboten. Hier nochmal das Foto (Bildrechte: SKD, David Brandt):



    Der Hofdegen der Brillantgarnitur gelangte nicht in die Reichweite der Täter und blieb liegen.


    Beim Schmuck der Königinnen blieben beide Perlenketten erhalten. Als "unschätzbar wertvolle Perlenkette" bezeichnete Syndram nur die mit den vogtländischen Süßwasserperlen. Das ist die abgebildete. Tübingers Interpretation hat sich also bestätigt. Und die andere Perlenkette ist, wie gesagt, auch noch da. Die Stücke wurden aber von den Tätern mit weißem Pulver besprüht, um Spuren zu verwischen. Wahrscheinlich Löschpulver. Syndram ist zuversichtlich, die Perlenketten wieder zum Glänzen bringen zu können.


    Es fehlen die große Brustschleife und das Collier aus dem Schmuck der Königinnen und die Achselschleife mit dem Sächsischen Weißen Diamanten aus der Brillantgarnitur. Die kleineren Teile der beiden Garnituren sind weitgehend vorhanden.


    In der Brillantgarnitur und in der Diamantrosengarnitur sind die Knöpfe vorhanden.


    Die Diamantrautengarnitur (Diamantrosengarnitur) sei "weitgehend verschwunden". Sie sei, wenn man es auf den Materialwert abgesehen habe, jedoch praktisch wertlos. Die Steine mit dem Rosenschliff, der im 16., 17. Jahrhundert mal modern war, lassen sich nicht einfach umschleifen, sagt Syndram. Das hatte ich mir ja auch schon gedacht. Die Unterseite dieser Steine ist nämlich flach.


    Der große Ordensstern (Bruststern des Weißen Adlerordens) aus der Diamantrautengarnitur "hat sich abgestürzt erhalten", so Syndram. "Da müssen wir schauen, wie weit er verbeult ist." Der ist also runtergefallen und wurde gefunden.


    Syndram hat im Juwelenzimmer Fotos gemacht und muss die auswerten, um genau sagen zu können, was fehlt.


    Von den 10 Objekten, deren Fotos präsentiert wurden, sind 2 vorhanden. Das eine ist die Perlenkette, das andere hat Syndram nicht namentlich genannt, vielleicht eines der Haarschmuckstücke für die Königin.


    Dirk Burghardt sagt, der Alarm hat dreimal in kurzer Folge ausgelöst. Das Alarmsystem hatte funktioniert. Der Diensthabende entschied sich, 110 zu wählen, um der Polizei Infos zu geben, die auch aufgezeichnet werden. Polizei über Alarmknopf zu benachrichtigen, wäre auch möglich gewesen, hätte der Polizei aber keine Infos gegeben, was wo im Residenzschloss passiert sei. Die Vorwürfe einiger Foristen, die Sicherheitsexperte spielten, werden durch die Pressekonferenz entkräftet. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass ein Sicherheitssystem auch dazu da ist, im Schadensfall den Schaden zu begrenzen. Das ist hier gelungen.


    Das Fenster wurde mit großer Gewalteinwirkung herausgestemmt. Zu möglichen Beschädigungen im Pretiosensaal wurden keine Angaben gemacht. Es gibt mehr Videobilder, als veröffentlicht wurden.


    Jährlich geben die SKD 8 Millionen Euro für die Sicherheit aus, sagt Frau Ackermann. Sowohl Personalkosten als auch Personaleinsatz für die Sicherheit der SKD sind in den letzten Jahren gestiegen. Die SKD sparen nicht an der Sicherheit. Es gibt mehrere Leitzentralen. Sicherheitskonzepte sind mit LKA abgestimmt.


    Zu DDR-Zeiten wurde das Grüne Gewölbe von der Volkspolizei bewacht. Aber heute ist das keine hoheitliche Aufgabe und wird an Sicherheitsdienste delegiert. Das ist überall in Deutschland so.


    Die Pressekonferenz war improvisiert und bot keinen systematischen Überblick über die Verluste.

  • Das ist nicht ganz aktuell, Meister Lampe. Die Perlenkette und der Degen sind nicht geraubt worden.

  • @Meister Lampe
    Der Handelsblatt-Artikel ist schon veraltet. Er nennt die 10 Objekte, die als erstes, gewissermaßen als "Schnellschuss" an Polizei und Medien gegeben wurden, und die ich in zwei bebilderten Beiträgen weiter oben vorgestellt habe.


    Danach gab es einen neuen Stand zu den Verlusten nach den Infos der SKD seit heute etwa 13 Uhr (müsste man gucken, wann ich das hier gemeldet hatte). Danach bot die Pressekonferenz der SKD ab 16 Uhr weitere Erkenntnisse, beruhend auf einer ersten Inaugenscheinnahme des Juwelenzimmers durch Dirk Syndram. Link zum Video der PK hatte ich oben gebracht und die wichtigsten Infos daraus auch schriftlich. Eine genaue Übersicht, was fehlt, was erhalten ist, soll es erst morgen geben.


    @Maecenas
    Das ist auch nicht richtig. Es waren zwei Degen in der Vitrine. Der abgebildete aus der Diamantrosengarnitur fehlt, der aus der Brillantgarnitur ist vorhanden, nach Auskunft von Syndram. Beide sind sich äußerlich recht ähnlich.



    Hier noch ein MDR-Interview mit Dirk Syndram (Radio). Darin sagt er:


    Quote from Dirk Syndram

    Es gibt zwei verschiedene Diamantschliffe. Brillant ist ja nicht das Gleiche wie Diamant, sondern es ist ein besonderer Schliff, der sehr viel vom Diamanten fordert, damit er eben so brillant blinkt. Etwas älter, im 17. Jahrhundert und von Ludwig dem 14. besonders geschätzt, sind Diamantrauten. Das sind breite, große Diamanten, aber sie sind nicht so glänzend, wie es eben Brillanten sind. Im 18. Jahrhundert hat man diese Diamanten umgeschliffen in Brillanten - aber nicht in Dresden.


    So haben wir also Diamanten, die im alten Schliff sind, und die in ihren Schmuckstücken wichtig sind als Zeugnisse ihrer Zeit. Aber eben nicht als Rohstoff für normale Diamanten. Da müsste man so viel wegschneiden, dass eigentlich nur noch ein kleiner Diamant übrig bliebe. Und wahrscheinlich würden sie in dieser Form gar nicht mehr in den Handel kommen können.

    Zur Bedeutung des Schmucks sagt er:

    Quote from Dirk Syndram

    Es ist heute eben Weltkulturerbe. Es würde sich niemand mehr mit diesen Knöpfen schmücken. Es würde niemand mehr diese Schuhschnallen haben oder den Zierdegen benutzen. Aber Sie finden diese Art von Schmuck nirgendwo anders, weder im Tower, noch im Louvre, und ganz Weniges auch nur in Leningrad oder Sankt Petersburg oder Moskau. Es ist einzigartig und insofern als Höhepunkt der Repräsentation eines Herrschers im 18. Jahrhunderts, der ganz unter dem Einfluss dessen stand, was in Versailles passierte. Es ist nirgendwo sonst erhalten und schmückt die Welt.

  • Aktuelle Meldung vom Teletext des MDR:
    Alexander Prinz von Sachsen, Präsident des Gründerkreises der Freunde des Grünen Gewölbes e.V. schlägt vor den Dieben ein Angebot zum Rückkauf der gestohlenen Juwelen zu machen. Er sei bereit eine weltweite Spendenaktion ins Leben zu rufen.