Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe

  • Das ist missverständlich ausgedrückt.


    Es besteht das Recht auf eine gerichtliche und gutachterliche Prüfung, ob der Rest einer lebenslangen Haftstrafe nach einer Mindesthaftdauer von 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

    Deshalb habe ich ja "im Regelfall" geschrieben. Wenn keine "besondere Schwere der Schuld" vorliegt (und der Straffällige einwilligt), muss die Strafe ja nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden.
    Und was die Möglichkeit angeht, bei "besonderer Schwere der Schuld" auf die Aussetzung der Strafe auf Bewährung zu verzichten: Gab es denn seit 1977 irgendeinen Fall, in dem die Strafe (sofern der Straftäter nicht frühzeitig verstorben ist), nicht irgendwann auf Bewährung ausgesetzt wurde? Meines Wissens nicht. Also ist die lebenslange Freiheitsstrafe eben de facto keine. Das ganze ist eine Mogelpackung.


    Selbst der Massenmörder Christian Klar wurde nach 26 Jahren entlassen. Das OLG Stuttgart hatte festgelegt, dass Klar aufgrund der besonderen Schwere der Schuld mindestens 26 Jahre verbüßen müsse. Und mit Ablauf dieser 26 Jahre wurde er dann auch prompt entlassen.

    Die Richter unter meinen Bekannten, die ich damals danach gefragt habe, haben mir auch bestätigt, dass das praktisch immer so gehandhabt wird: Wenn ein Gericht eine "Mindestverbüßungsdauer" festlegt, werde die von denjenigen Gerichten, die über die Strafaussetzung zu entscheiden haben, de facto als "Höchstverbüßungsdauer" behandelt. Da man aber keine "Mindestverbüßungsdauer" von "lebenslänglich" festlegen kann, heißt das doch, dass es de facto keine lebenslängliche Freiheitsstrafe gibt.

  • Kurz gesagt:

    De iure wäre es möglich, dass eine lebenslange Freiheitsstrafe tatsächlich als lebenslange Freiheitsstrafe ausgeführt wird. Da hat C.A. Rotwang recht.


    De facto ist das Zusammenspiel von Gesetzgebung, Verfassungsrechtsprechung und einfacher Rechtsprechung aber darauf angelegt, dass das nie passiert.

  • Wenn wir schon mit "de iure" und "de facto" argumentieren, dann sollte nicht verschwiegen werden, dass eine Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung "de facto" einer lebenslangen Freiheitsstrafe gleichkommt. Und das kommt durchaus vor - "nie" ist also falsch.

  • Wie es aussieht, bin ich hier im Forum "Jura pro homine" gelandet, abgekürzt JPH.


    In dem uns hier konkret interessierenden Kriminalfall geht es übrigens um schweren Bandendiebstahl und Brandstiftung. Eine tiefschürfende Erörterung der Frage, wie lang "Lebenslänglich" sei, dürfte sich damit erübrigen.


    Hier ist noch ein Video aus der MDR-Sendung "Umschau" vom 17. November 2020 über die Festnahmen in Berlin:


    mdr.de/sachsen/dresden/dresden-radebeul/video-466208_zc-c8c59624_zs-8b18b853.html


    Und noch eines aus der Sendung "Fakt" vom 24. November 2020 zur Clankriminalität:


    mdr.de/video/mdr-imersten-videos/c/video-468364.html

  • dass eine Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung "de facto" einer lebenslangen Freiheitsstrafe gleichkommt

    Falsch. Die Sicherungsverwahrung ist weder de iure, noch de facto eine Strafe. Strafen sind Reaktionen auf begangene Straftaten, d.h. sie setzt Schuld voraus.

    Die Sicherungsverwahrung dient dagegen dem Schutz der Allgemeinheit vor möglichen Straftaten, die ein Mensch in der Zukunft eventuell begehen könnte. Sie hat also mit Strafe so viel zu tun wie Bieber mit Fischen.

    Die Sicherungsverwahrung ist im Übrigen in einem demokratischen Rechtsstaat ein absolutes Unding und gehört eigentlich umgehend abgeschafft. Ich kann in einem demokratischen Rechtsstaat niemanden wegsperren, weil er vielleicht einmal in der Zukunft ein Verbrechen begehen könnte. Kein Wunder, dass die Gesetze zur Sicherungsverwahrung auf die Nazis zurückgehen ...

  • Frag mal die Menschen in Sicherheitsverwahrung. Ich vermute mal, die sehen keinen großen Unterschied "de facto".


    Aber darum geht es ja hier eigentlich gar nicht. Ich möchte gerne noch darauf hinweisen, dass ein Diebstahl oder gar Raub, so schwer er uns auch kulturell trifft, gewöhnlich nicht mit Höchststrafen bewehrt ist. Dass es noch einen Unterschied zwischen Mord und Diebstahl gibt und auch in der Bestrafung geben sollte, ist hoffentlich Konsens (obwohl ich mir da nicht sicher bin)...

  • Falsch. Die Sicherungsverwahrung ist weder de iure, noch de facto eine Strafe. Strafen sind Reaktionen auf begangene Straftaten, d.h. sie setzt Schuld voraus.

    Die Sicherungsverwahrung dient dagegen dem Schutz der Allgemeinheit vor möglichen Straftaten, die ein Mensch in der Zukunft eventuell begehen könnte. Sie hat also mit Strafe so viel zu tun wie Bieber mit Fischen.

    Die Sicherungsverwahrung ist im Übrigen in einem demokratischen Rechtsstaat ein absolutes Unding und gehört eigentlich umgehend abgeschafft. Ich kann in einem demokratischen Rechtsstaat niemanden wegsperren, weil er vielleicht einmal in der Zukunft ein Verbrechen begehen könnte. Kein Wunder, dass die Gesetze zur Sicherungsverwahrung auf die Nazis zurückgehen ...

    Wie der Rechtsstaat seine Gesellschaft vor Wiederholungstätern schützt, ist seine Sache, aber seine Pflicht und Schuldigkeit. Tatsache ist aber, dass er das nicht schafft, indem er nur auf Erziehung und nicht auf Strafmaßnahmen setzt. Ersteres ist eine besondere Marotte linksgrüner Politik, die den Täter als Opfer der Gesellschaft hinstellen will. Wiederholungstäter sind nicht erziehbar. Und die psychologischen Einschätzungen von Tätern mit dem Ziel vorzeitiger Entlassung lagen z.B. im Bereich der Sexualstraftäter zumeist daneben.

  • Der MDR brachte zum Jahrestag des Einbruchs in das Grüne Gewölbe eine Fernsehdoku (30 Minuten, verfügbar bis 25. November 2021) und eine Radiosendung (60 Minuten). In beiden Sendungen wird der Kriminalfall detailliert behandelt. Empfehlenswert!


    Zwei Anmerkungen:

    In der Fernsehdoku "Kripo live" ist eine bestückte Vitrine im Juwelenzimmer zu sehen. Diese Aufnahmen entstanden nach der Wiedereröffnung des Historischen Grünen Gewölbes. Die beiden rechten Kompartimente der Vitrine enthalten gerettete Stücke aus der vom Diebstahl betroffenen Vitrine. Links davon folgen dann Stücke der Karneolgarnitur.


    Im Radiogespräch "Die Spur der Täter" wird irrtümlicherweise behauptet, drei Juwelengarnituren seien gestohlen worden. Das stimmt nicht. Es wurden "nur" Teile der drei Garnituren gestohlen. Welche Stücke nun fehlen, welche noch da sind und wie das Verhältnis zwischen beiden Gruppen ist, hatte ich in früheren Beiträgen hier detailliert dargestellt.


    Außerdem verlinke ich hier nochmal das Video der ersten Pressekonferenz nach dem Einbruch am 25. November 2019. Es ist in der ARD-Mediathek noch vier Jahre verfügbar.

  • Damit diese sinnlose Endlosunterhaltung nicht im Schlossstrang geführt wird ;)

    Wenn nicht anders angegeben, sind alle Bilder von mir.

  • Wenn aber jedwede notwendige Sanktion gegen diese Banden immer aus bestimmten Kreisen mit dem Verweis aufs angeblich unveränderliche oder damit unvereinbare GG unterbunden wird ohne dass dann mal ein Vorschlag kommt wie sowas zu verhindern wäre braucht man sich nicht wundern wenn erstens diese Kreise den Unmut derer auf sich ziehen denen Kunstliebe vor Multikultiwut geht und in noch anderen Kreisen das GG an Akzeptanz und Reputation verliert.

    Jedes Gesetz ist nur so gut wie die Mehrheit die dahinter steht.

    Und aus liebe zum GG muss es sich ändern.

    Darum sollte schleunigst eine Änderung des gleichen her und die Blockadehaltung der so tollen Demokraten sollte aufhören sonst nimmt es wohl langfristig noch mehr Schaden.

    Es geht in der Diskussion nicht nur um Juwelendiebstahl, sondern auch um Schäden an der Architektur. Deshalb ist die Diskussion nicht überflüssig.

    Der Schaden am GG kommt aus einer ganz anderen Richtung. Zu Zeiten seiner Entstehung galt noch die herkömmliche, bürgerliche Demokratie-Definition. Heute wird diese mehr und mehr in die marxistisch-leninistische Richtung gedrängt: demokratische Freiheiten für alle Anhänger, Diktatur gegen alle Andersdenkenden. Darin besteht die Gefahr, alle Forderungen nach Strafverschärfung abzuwürgen.

  • Der rbb bringt einen Beitrag von Torsten Mandalka und Olaf Sundermeyer zum Kampf gegen die Clankriminalität in Berlin.


    Vor zwei Jahren verkündete der Berliner Senat den deutlichen politischen Willen zur Bekämpfung der Clankriminalität in Berlin. Der drückt sich jetzt auch in der Arbeit der für die Organisierte Kriminalität zuständigen Ermittlungsbehörden aus. So hat sich die Zahl entsprechender Ermittlungsverfahren gegen kriminelle Clanstrukturen im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt.

    Dabei geht die Berliner Polizei von einer eigenen Definition "Clankriminalität" aus, die nicht gesetzlich geregelt ist. Nach dieser Festlegung ist Clankriminalität die "Begehung von Straftaten durch Angehörige ethnisch abgeschotteter Subkulturen", die geprägt sei "von verwandtschaftlichen Beziehungen, einer gemeinsamen ethnischen Herkunft und einem hohen Maß an Abschottung der Täter". Dies gehe "einher mit einer eigenen Werteordnung und der prinzipiellen Ablehnung der deutschen Rechtsordnung".

  • Warum gibt es eigentlich diesen Strang hier im Forum? Juwelen haben doch nichts mit Architektur zu tun?

    Naja. Juwelen sind Architektur im Kleinen. Zur Erbauung geformte Steine aus erwähltem Material.

    Toll.


    Sollen die "Politiker" (die müssen ja alle uralt sein, wenn sie seit 40 Jahren im Amt sind) statt dessen nichts machen?


    Kommentatoren wie Henry sind sicher nicht Teil irgendeiner Art von Lösung!

    Es ist aber ein Anfang die Missstände zu benennen und durch die Äußerung festzustellen, dass es auch Andere gibt die den Eindruck teilen.

    Dann kann man das Thema bearbeiten und eine demokratische Lösung finden.

    Das wegwischen und der Versuch eine Diskusion zu verhindern ist da viel schädlicher.

    Schöne Städte werden letztlich auch glückliche Städte sein.

  • Nach Dresdner Juwelendiebstahl weitere Razzia in Berlin


    Lustig auch, dass Razzia arabisch für Raubzug ist.

  • Die Polizei hat Fahndungsfotos der Kerle veröffentlicht, die das Grüne Gewölbe für die Planung des Raubzugs ausspioniert haben sollen. Kennt jemand von euch die Typen? :wink:


    P.S. Die Bildqualität der Überwachungskameras war wirklich grottenschlecht. Das ist allenfalls Baumarktqualität. In meiner Haustürkamera kann ich jeden auf der Treppe sitzenden Spatzen besser und schärfer erkennen als die Typen in diesen Fotos. :kopfschuetteln:

  • Die Polizei hat Fahndungsfotos der Kerle veröffentlicht, die das Grüne Gewölbe für die Planung des Raubzugs ausspioniert haben sollen. Kennt jemand von euch die Typen? :wink:


    P.S. Die Bildqualität der Überwachungskameras war wirklich grottenschlecht. Das ist allenfalls Baumarktqualität. In meiner Haustürkamera kann ich jeden auf der Treppe sitzenden Spatzen besser und schärfer erkennen als die Typen in diesen Fotos. :kopfschuetteln:

    Absolute Vollprofis biggrin:) Gaaanz unauffällig haben die vier intellektuellen Kunstversteher das Museum ausgespäht :S

  • Beitrag des MDR zu der Fahndung nach dem Spähtrupp:

    mdr.de/sachsen/dresden/fahndung-verdaechtige-gruenes-gewoelbe-einbruch-100


    Hier die offizielle Meldung der Polizei dazu:

    polizei.sachsen.de/de/79456


    Es besteht Anfangsverdacht, aber kein dringender Tatverdacht gegen die vier. Erstaunlich, dass die Berliner Experten für Clankriminalität offenbar nur einen der vier Männer kennen.


    Die beiden Videos auf Youtube:

    Video 1 (Das ist am Eingang zum Historischen Grünen Gewölbe, wo die Audioguides ausgeliehen werden.)

    Video 2 (Das ist im Wappenzimmer, dem Raum zwischen Pretiosensaal und Juwelenzimmer.)


    Die Qualität der Videos leidet zusätzlich darunter, dass alle anderen Personen unkenntlich gemacht werden mussten. Man sollte bei der Gelegenheit auf die Fußböden in den beiden Räumen achten. Schön, dass das Wappenzimmer ausgewählt wurde. Das ist nämlich ein sehr edler Raum.

  • Es ist entscheidend das auch die Hintermänner dingfest gemacht werden, und auch die Kameratechnik in der heutigen Zeit ist dringend Erneuerungs pflichtig.

  • Was zum Lachen am Sonntag.


    Die Direktion des Grünes Gewölbes ist ausgeschrieben. Herr Syndram geht wohl ab Sommer in den Ruhestand.

    Falls sich jemand berufen fühlt und qualifiziert. Die Formulierungen sind teilweise echt der Hit.


    https://www.skd.museum/fileadm…gen/Direktion_2021-02.pdf


    "ist eingebunden in die Struktur des Museumsverbundes der SKD, der durch Vielfalt in der Einheit sowie Einheit in der Vielfalt zusammengehalten wird."


    oder eher Einfältigkeit im Unvermögen sowie Unvermögen in der Einfältigkeit? :zeitung:


    "Fähigkeit, Organisationen nicht mehr nur aus der Vergangenheit her zu denken und zu gestalten, sondern aus einer bereits im Entstehen begriffenen Zukunft"


    Neue Welt Ordnung? :gutenacht:


    Meistens gibts ja schon einen den man will auf den dann die Ausschreibung zugeschnitten wird.


    Hoffen wir mal das Beste.

    Schöne Städte werden letztlich auch glückliche Städte sein.