Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe

  • Wer gerne Filme sieht, hier sind zwei Minuten aus dem MDR-Magazin "Brisant" von gestern zu der von eryngium oben verlinkten Meldung.


    Spiegel.de brachte nur eine Agenturmeldung. Da wir alle Rundfunkgebühren zahlen, dürfen wir diese Meldung auch werbefrei lesen:

    mdr.de/sachsen/dresden/dresden-radebeul/gruenes-gewoelbe-dresden-ermittlungen-100.html


    Es wurden also am 2. September Wohn- und Gewerberäume in Berlin-Neukölln durchsucht, die im Zusammenhang mit dem Verkauf von SIM-Karten auf gefälschte Identitäten stehen. Diese seien von den Tätern bei der Tatbegehung benutzt worden. Ich denke, dass die Staatsanwaltschaft Dresden mit der Nachricht an die Öffentlichkeit gegangen ist, weil sich die Durchsuchung in den einschlägigen Kreisen ohnehin herumspricht. Die Verdachtsmomente in Richtung Berliner Clan-Milieu verdichten sich.


    ***


    Wir hatten in diesem Strang nebenbei ja auch den Kunstraub von Gotha Ende 1979 behandelt. Die fünf Altmeistergemälde waren 2019 zurückgekehrt. Vor einigen Tagen berichtete der MDR über neue Erkenntnisse in dem Kriminalfall. Demnach waren die Bilder bis Ende der 80er Jahre in Schmalkalden versteckt und wurden erst dann nach Westdeutschland geschmuggelt. Auch ein möglicher Täter wird genannt. Er ist aber vor einigen Jahren gestorben. Spekualationen, dass die Stasi hinter dem Kunstdiebstahl steckte, sind damit wohl hinfällig. Vorsichtige Zweifel an den bisherigen Hypothesen zu dem Fall waren bereits Ende 2019, Anfang 2020 von Fachjournalisten geäußert worden. Die Sache bleibt aber mysteriös. Ein Rudi aus Schmalkalden soll die Bilder mit dem Ur-Trabi P 70 fortgeschafft haben, um sie dann auf einem Dachboden verstauben zu lassen.


    Mal sehen, wo die Ermittlungen im Dresdner Juwelenraub in vierzig Jahren stehen.

  • Mal sehen, wo die Ermittlungen im Dresdner Juwelenraub in vierzig Jahren stehen.


    Mal sehen, was in 40 Jahren überhaupt noch so im Grünen Gewölbe vorhanden ist.

    Bestimmt haben sich bis dahin noch weitere gut organisierte Banden bedient. Das würde mich in dieser kranken Zeit nicht wundern.

    Aber Gott sei Dank bin ich in 40 Jahren schon tot.

  • Es lag eher an den kranken Zeiten, die meinen Beitrag angesteckt haben und diesen binnen kürzester Zeit haben dahinsiechen lassen.

  • Meinen letzten Beitrag hat es ja schon im zarten Alter von nicht einmal 2 Stunden erwischt. Sehr schade...........

    Wenn man versucht, mit einem völlig themenfremden Trollbeitrag eine Diskussion über die Corona-Demos von letztem Wochenende zu provozieren, darf einen nicht wundern, wenn der gelöscht wird.

  • Ein solches Statement klingt für mich neu (gestern in etlichen Medien berichtet):

    Quote

    Bei den Ermittlungen zum spektakulären Juwelendiebstahl aus dem Dresdner Schatzkammermuseum Grünes Gewölbe 2019 führt eine weitere Spur nach Berlin. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dresden wurden bereits am 9. September sowie am Mittwoch Gewerberäume in der Hauptstadt durchsucht. "Wir sind zuversichtlich, die Täter identifizieren zu können, und das ist ein weiterer Schritt dazu", sagte ein Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft.

    Quelle: https://www.spiegel.de/panoram…1d-402e-8ce4-3192748366fc

  • Weil wir Rundfunkgebühren zahlen, dürfen wir diese Agenturmeldung auch werbefrei lesen.


    Hier der annähernd gleiche Text im MDR


    Doch einen Unterschied gibt es: Der von BautzenFan hervorgehobene Satz fehlt im MDR-Beitrag.


    Die zugrundeliegende Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Dresden enthält diesen Satz auch nicht. Hier der vollständige Text:

    Staatsanwaltschaft und Polizei haben am 9. und am 16. September 2020 erneut Gewerberäume in Berlin durchsucht.
    Durchsucht wurden mehrere Betriebsstätten, bei denen der Verdacht besteht, dass sie den als Fluchtfahrzeug genutzten und später in Brand gesetzten Audi S6 kurz vor der Tat im Auftrag der Täter foliiert haben, um dessen äußeres Erscheinungsbild zu verändern.
    Nach gegenwärtigem Stand der Ermittlungen ist davon auszugehen, dass die durchsuchten Betriebsstätten den Zweck der Foliierung nicht kannten. Deren Inhaber werden deshalb nicht als Tatverdächtige zu dem Diebstahl geführt. Sie wurden im Rahmen der Maßnahmen als Zeugen befragt.
    Bei den Durchsuchungen wurden umfangreiche Geschäftsunterlagen und Daten durchgesehen und teilweise sichergestellt. Staatsanwaltschaft und Polizei gehen davon aus, dass sich aus den Beweismitteln Hinweise auf die Identität der Personen gewinnen lassen, die ggf. die Foliierung des Tatfahrzeugs in Auftrag gegeben haben.
    Die Ermittlungen dauern an und werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
    Auskünfte erteilt allein die Staatsanwaltschaft Dresden.

    Man beachte: Zwei im MDR-Beitrag als Zitat gekennzeichnete Sätze finden sich exakt so in der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft. Niemand hat diese Sätze gesprochen. Es handelt sich einfach um eine journalistische Bearbeitung der Pressemitteilung, die dazu dienen soll, den Text interessanter zu machen. Ich gehe davon aus, dass der von spiegel.de zitierte Satz, den "ein Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft" gesagt haben soll, eine reine Erfindung der Journalisten ist. Ziel war es, die Meldung aufzupeppen. Es wird sich um die Bearbeitung eines Satzes aus der hier wiedergegebenen Pressemitteilung handeln. Der Satz ist für das breite Publikum einfach zu dröge.


    Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden ist Oberstaatsanwalt Schmidt. Wir kennen ihn bereits aus dem MDR-Fernsehen. Herr Schmidt äußert sich stets korrekt wie ein Staatsanwalt. Journalisten wünschen sich andere Texte. Mehr Emotion, zum Beispiel "Zuversicht". Staatsanwälte äußern sich eher vorsichtig. Sie lieben Sätze wie diesen:


    "Die Ermittlungen dauern an und werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen."

  • Hier noch der Text der Pressemitteilung vom 2. September 2019:

    Unter Leitung der Staatsanwaltschaft Dresden haben heute sieben Beamte der SOKO Epaulette Wohn- und Gewerberäume in Berlin durchsucht. Die Beamten wurden dabei durch drei Beamte des Dezernats Kunstdelikte des Landeskriminalamtes Berlin und eine Hundertschaft der Berliner Bereitschaftspolizei unterstützt.
    Die Maßnahmen richteten sich gegen einen Mann, der auf fiktive Personalien registrierte SIM-Karten für Mobiltelefone vertreibt. Neben der Wohnung des Betroffenen wurden auch die Geschäftsräume seines Arbeitsgebers durchsucht. Nach den Ermittlungen besteht der Verdacht, dass der Betroffene den Tätern mehrere SIM-Karten verkauft oder diese zum Vertrieb an ein Internet-Café an der Hermannstraße in Berlin-Neukölln weitergegeben hat. Die fraglichen SIM-Karten wurden während der Vorbereitung der Tat und auch bei der eigentlichen Tatausführung für Absprachen zwischen den Tätern genutzt. Inwieweit der Mann den Verwendungszweck der SIM-Karten kannte, ist unklar. Er wird deshalb bislang nicht als Tatverdächtiger zu dem Diebstahl geführt.
    Bei den Durchsuchungen wurden umfangreiche Gegenstände, die als Beweismittel in Betracht kommen, sichergestellt, u.a. Geschäftsunterlagen, Mobiltelefone und Speichertechnik. Staatsanwaltschaft und Polizei gehen davon aus, dass sich aus den Beweismitteln Hinweise auf die Identität der Käufer der SIM-Karten und der Täter gewinnen lassen.
    Die Ermittlungen dauern an und werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
    Auskünfte erteilt allein die Staatsanwaltschaft Dresden.

    Auch hier der gleiche Schreibstil wie in der anderen Pressemitteilung:


    "Staatsanwaltschaft und Polizei gehen davon aus, dass sich aus den Beweismitteln Hinweise auf die Identität ... gewinnen lassen." Sowas schreiben Redakteure dann um zu: "Wir sind zuversichtlich, die Täter identifizieren zu können."