Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe

  • Aber immerhin stimmt die Geschichte mit den Emails teilweise. Die Staatsanwaltschaft hat die Sache völlig verpennt. :kopfschuetteln:

    https://www.bild.de/regional/d…enraub-67298228.bild.html

    Das ist ja abstrus. Die Erpresser haben einen Protonmail Account. Das ist ein schweizerischer Anbieter. Sie sind auch nicht in der Lage Interpunktion richtig zu nutzen. Das spricht dafür, dass sie keine Standardtastatur nutzen. Die Schreibweise ist sehr auffällig, vor allem das "Please note" Gibt es Experten unter uns, die raten welche Nationalität der oder die Schreibende hat?

    Der Terminus "Polish Order of the White Eagle" ist eher unüblich. Er ist aber auf der englischen Wikipediaseite zum Dresden Heist Diebstahl prominent zu finden, wo sich die Formulierung findet : "The stolen items include the 49-carat Dresden White Diamond, the diamond-laden breast star of the Polish Order of the White Eagle which belonged to the King of Poland," Die Ermittler sollten sich die zugehörigen Logdateien von der Wikipedia aushändigen lassen.


    Man kann sehen, dass der Artikel auf Englisch erst etwa 160 000 mal angesehen und 230 mal editiert wurde.
    https://tools.wmflabs.org/page…&pages=2019_Dresden_heist

    Den Fehler im Englischen Gestar statt Star habe ich schon mehrfach gesehen. Seltsam ist auch die Formulierung Green Vault German Heist.

  • Aber immerhin stimmt die Geschichte mit den Emails teilweise. Die Staatsanwaltschaft hat die Sache völlig verpennt

    Nein, die Staatsanwaltschaft hat da nichts verpennt. Ein Oberstaatsanwalt darf schließlich auch mal Urlaub machen. Bei seinem persönlichen E-Mail-Postfach war eine Abwesenheitsnotiz eingestellt. Dadurch hatte Herr Perry die Information, dass eine Bearbeitung seiner E-Mails vom 6. und 7. Januar bis zum 13. Januar nicht möglich war. Wie üblich, war in der Abwesenheitsnotiz ein Alternativkontakt für dringende Fälle benannt. Wenn Herr Perry diese Infos nicht nutzt und seine Erkenntnisse nicht an die richtige Stelle weiterleitet, dann ist das seine Schuld. Oberstaatsanwalt Schmidt hat die Nachricht an seinem ersten Arbeitstag jedenfalls umgehend weitergeleitet.


    Im Übrigen hatte sich Herr Perry an die Pressestelle der Staatsanwaltschaft gewandt. Herr Schmidt fungiert als Pressesprecher, nicht als leitender Ermittler in dem Fall. Finde ich etwas eigenartig. Bei einer Sicherheitsfirma, die ihre "Erkenntnisse" immer zuerst an die "Bild"-Zeitung gibt, ist das aber vielleicht nicht ganz überraschend.


    Ich habe mal versucht, an die richtige Kontaktadresse für Hinweise zum Juwelenraub zu gelangen. Dazu habe ich die Internetseite der "Polizei Sachsen" aufgerufen. Dort ist gleich auf der Startseite ein Link zu dem Fall, und wenn man den anklickt, kommt man auf die Seite mit den richtigen Kontaktdaten. Man soll sich an die Soko "Epaulette" wenden oder das Hinweisportal der sächsischen Polizei nutzen. Hier der Link:


    https://www.polizei.sachsen.de/de/69046.htm


    Liebe Leute, nutzt bitte diesen Link, wenn ihr sachdienliche Hinweise zur Aufklärung des Falles habt!


    Hier der Link zum Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Dresden: https://www.justiz.sachsen.de/stadd/content/839.htm

    Auf dieser Internetseite ist das allgemeine E-Mail-Postfach der Pressestelle angegeben, auf das auch Lorenz Haase Zugriff hat, der Anfang Januar in Meißen (tolle Altstadtkulisse vor seinem Bürofenster) die Stellung gehalten hat.


    Hier der Link zur gemeinsamen Medieninformation von Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion vom 10. Januar 2020: Klick. Wer konnte denn auch damit rechnen, dass eine Sicherheitsfirma mit israelischer Geheimdienstexpertise zu blöd ist, die richtige E-Mail-Adresse zu ermitteln. Was aber jedem zu dem Zeitpunkt klar war: Perrys Rückkaufangebotskontakt war wertlos.


    Aktuelle Infos des MDR zur CGI-Posse.

  • Ich habe jetzt die Fahndungsliste der Polizei überprüft. Es sind 8 Rockknöpfe gestohlen worden, 8 von 10. Sie sind hier einzeln, mit Vorder- und Rückseite abgebildet. Aus der Diamantrosengarnitur wurden also 15 von 34 Einzelstücken gestohlen. Schmuck der Königinnen 4 von 22 und Brillantgarnitur 3 von 42 Einzelstücken gestohlen. Insgesamt wurden also von 98 einzelnen Objekten, die sich zum Tatzeitpunkt in der Vitrine befanden, 22 Stücke gestohlen, wobei von 2 Stücken (Brillantkollier der Königin und Epaulette aus der Diamantrosengarnitur) Fragmente zurückblieben.

  • Lieber Rastrelli,
    die reinen Zahlen vermitteln mir jetzt erst mal das Gefühl: "alles nicht so schlimm".

    Wenn man aber mal anschaut, was noch da ist, und was fehlt, dann wird klar, dass dem in keinster Weise so ist.


    Kannst Du zur Erhellung vielleicht eine aktuelle visuelle Übersicht zu den erhaltenen Stücken geben? Oder anders gefragt, hat sich etwas zu den Darstellungen des MDR anhand der Vitrine geändert?

    Degenscheide, Knöpfe, 2 Perlenketten, immerhin ein Brillant-Orden.... und der tropfenförmige Diamant von Maria Josepha.
    Viel mehr ist es doch nicht, was noch da ist? Oder irre ich?



    Anders gefragt, was hat sich im Vergleich zur Darstellung hier


    Diamantrosen-Garnitur


    Brillantgarnitur


    Königinnen-Schmuck


    geändert?

    Ich habe die Übersicht verloren.

  • Neu ist jetzt die genaue Zahl der gestohlenen Rockknöpfe. Ich hatte mich bislang an die von den SKD veröffentlichten Angaben gehalten (wie auch der MDR und andere Medien). In der am 2. Januar herausgegebenen Medieninformation der SKD wurde die Zahl der Rockknöpfe immer noch nicht genau benannt. Aber die Polizei verwendet für ihre Fahndung Inventarfotos von Vorder- und Rückseite jedes einzelnen Rockknopfes und danach sind es 8 Knöpfe, die gestohlen wurden.


    Mit dieser Angabe konnte ich meine zahlenmäßige Übersicht aus einem früheren Beitrag präzisieren. Ich habe genau gezählt, und zwar nur das, was zum Tatzeitpunkt in der Vitrine war. Die Haarnadel der Maria Josepha ist in den Zahlen daher nicht enthalten, weil sie zum fraglichen Zeitpunkt woanders weilte. Es sind 76 einzelne Stücke sowie Fragmente unbekannten Ausmaßes zweier weiterer Stücke aus der aufgebrochenen Vitrine im Juwelenzimmer zurückgeblieben. Ich hatte auch die Inventarnummern gezählt. Ergebnis: Die Diamantrosengarnitur ist zu etwa einem Drittel noch vorhanden. Die Brillantgarnitur ist zu drei Vierteln noch da und der Schmuck der Königinnen zu zwei Dritteln. Dies ist zumindest ein kleiner und bescheidener Erfolg der Sicherheitsvorkehrungen des Grünen Gewölbes.


    Die MDR-Grafik mit dem Vorher-Nachher-Vergleich der Vitrine taugt nichts. Das schrieb ich damals schon. Der Grafiker hatte die beiden Diamantgarnituren nicht auseinandergehalten. Wer sich einen visuellen Vergleich wünscht, worum soll es dabei gehen? Um Quadratzentimeter Liegefläche des jeweiligen Objektes?


    In der Vitrine befanden sich zwei Degen. Beide wurden zur gleichen Zeit vom selben Juwelier gefertigt. Die Gefäße beider Degen sind der Form nach gleich. Der Unterschied besteht nur im Edelsteinbesatz. Ein Degen wurde gestohlen (Diamantrosengarnitur), der andere ist noch vorhanden (Brillantgarnitur). In der Vitrine befanden sich zwei Bruststerne des Weißen Adlerordens. Beide waren ungefähr zur gleichen Zeit (um 1750) vom selben Juwelier (Pallard in Genf) gefertigt worden und sahen fast gleich aus. Auch hier bestand der Unterschied in den verwendeten Edelsteinen. Ein Bruststern wurde gestohlen (Brillantgarnitur), einer ist noch vorhanden (Diamantrosengarnitur).


    Es wurden 8 Rockknöpfe gestohlen, 2 aus derselben Garnitur sind also noch vorhanden. Außerdem sind die 10 Westenknöpfe der Diamantrosengarnitur, die nur ein wenig kleiner sind als die Rockknöpfe, noch da. Ebenfalls noch vorhanden sind die 20 Rock- und Westenknöpfe der benachbarten Brillantgarnitur. Die Schuhschnallen der Diamantrosengarnitur wurden gestohlen, die etwas kleineren Knieschnallen sind noch da. In der Brillantgarnitur sind alle vier Schnallen, die fast gleich aussehen, noch vorhanden.


    Vom Schmuck der Königinnen sind die nach meiner Einschätzung wichtigsten Stücke noch vorhanden, nämlich die Haarnadel der Maria Josepha (eine exquisite Dinglingerarbeit, das älteste Stück der Garnitur und von besonderem geschichtlichen Wert) sowie die Kette aus sächsischen Süßwasserperlen, die aufgrund des Materials einzigartig ist.


    Man kann den Sachverhalt nur auf verschiedene Art und Weise erörtern. Ich will hier nicht nochmal alle Objekte oder Objektgruppen aufzählen. Ich will nur nochmals darauf hinweisen, dass August der Starke keines der gestohlenen Schmuckstücke je gesehen hat. Viele der verwendeten Edelsteine stammten aus seiner Zeit, aber die konkreten jetzt verlorenen Juwelierarbeiten kannte er nicht.

  • Zum Fall Gotha


    In Berlin wurden heute die fünf wiedergewonnenen Gothaer Gemälde der Öffentlichkeit vorgestellt.


    Infos des MDR mit schöner Bilderstrecke und Filmbericht


    Die Werke sind ab Montag bis zum 26. Januar im Herzoglichen Museum in Gotha zu sehen und werden danach restauriert. Ihr Zustand ist den Umständen entsprechend gut. Die Untersuchungen im Rathgen-Forschungslabor bieten eine gute Grundlage für die anstehende Restaurierung. Die Zuschreibung zu bestimmten Malern hat sich bei einigen Bildern geändert. Das ist nichts Ungewöhnliches bei solchen alten Meistern. Der Wert der fünf Bilder wurde nun auf vier Millionen Euro geschätzt. Den "Erben" wurde kein "Finderlohn" gezahlt. Ihnen werden nur Kosten für die anwaltliche Beratung und den Kunsttransport erstattet. Der Kriminalfall ließ sich nicht aufklären. Der Verbleib der Bilder in den letzten 40 Jahren ist weitgehend ungeklärt. Das ist aber nichts Ungewöhnliches in so einem Fall. Freuen wir uns, dass die Bilder wieder da sind! Das kluge Vorgehen von Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch im Zusammenwirken mit der Ernst von Siemens Kunststiftung verdient unsere Anerkennung.

  • Ob die Diebe von dem bevorstehenden Kameratausch wußten? Die Zufälle häufen sich. Der Sicherheitsdirektor war im Ausland. Kenntnis über den Sicherungskasten für die Straßenbeleuchtung vor dem Schloß erlangt man auch nicht so einfach. Zudem vermutet man niemals, mit einem Hammer die Vitrinen eines "Staatsschatzes" knacken zu können und sie haben es trotzdem probiert und geschafft. Blauäugig oder Detailwissen zu wenig haltbaren Gläsern?


    Link

  • Es gab eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Sächsischen Landtag zum Sicherheitskonzept im Grünen Gewölbe, gerichtet an das Staatsministerium für Wissenschaft und Kultur (SMWK). Diese Anfrage wurde aus "Gründen des Geheimschutzes" faktisch nicht beantwortet. Für die meisten von euch ist das uninteressant. Der MDR fasst die Antwort gut zusammen.


    Es war vorher schon bekannt, dass das Sicherheitskonzept mit dem LKA und dem Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB) abgestimmt war und in bestimmten Abständen überprüft wird. Das SMWK teilte nun mit, dass ein Austausch der Kameras für dieses Frühjahr geplant war. Ich glaube nicht, dass sich die Diebe durch bessere Kameras hätten abschrecken lassen. Die haben sich vermummt und unauffällige Kleidung getragen. Für die Vitrine wurde eine Axt verwendet, kein Hammer. Das hat so beim Bode-Museum auch schon geklappt. In Trier gab es einen Fall, wo Einbrecher eine Vitrine nicht zerstören konnten. Gut möglich, dass die Täter in Dresden nur Vermutungen über die Qualität der Vitrine hatten und kein gesichertes Wissen. Ein Auslandsaufenthalt des Sicherheitschefs verringert die Sicherheit im Museum nicht. Der eigentliche Punkt ist das Eindringen ins Gebäude. Wie das - scheinbar einfach - möglich war und vor sich ging, kann der Öffentlichkeit aus Sicherheitsgründen nicht mitgeteilt werden.


    In Anbetracht der Tatsache, dass man Sicherheitslücken nicht offenlegen darf, ist es leider nicht möglich, öffentlichen oder medialen Druck zur Verbesserung der Sicherheit in Museen zu machen. Das ist natürlich ein Nachteil. Man kann dann nur hoffen, dass die Verantwortlichen - und die sitzen nicht nur in den Museen - ihre Arbeit gut machen. Zu glauben, Museen seien unverwundbar, ist blauäugig. Dem albernen Vergleich mit Fort Knox setze ich entgegen: So sicher wie Fort Knox ist nur Fort Knox.


  • Bezüglich der Sicherheit des "Grünes Gewölbes" war ich blauäugig, wie auch bei den Kronjuwelen im Budapester Parlament, im Veitsdom zu Prag, im Krakauer Wawel usw. usw. Und wie Prof. Syndram selbst.

    Link


    Bei "normalen" Stadt- und Regionalmuseen habe ich auch Bedenken.

  • Bild als lizenzfrei angegeben

  • Nach dem Phantombild zu urteilen würde ich diese Person eher dem osteuropäisch kaukasischem Typus zuordnen, als der Tätergruppe im Fall des Bodemuseums. Auch wenn eine Kooperation von Täterkreisen grundsätzlich nicht auszuschließen ist.

    Ich bin sicher kein Verfechter der "Traditionelle um jeden Preis", aber ich bin gegen die "Trostlosigkeit und Langeweile im zeitgenössischen Bauen". dto.

  • Der MDR berichtet gewohnt sachlich. Im Laufe des Tages bekam er Oberstaatsanwalt Schmidt, den Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, vor die Kamera, sodass wir nun Infos wirklich aus erster Hand haben: Klick


    Den Link zur schriftlichen Zusammenfassung hatte BautzenFan schon gesetzt: Klick


    Ganz interessant: Es gibt Ermittlungen gegen die beiden Wachleute, die zur Tatzeit Dienst hatten. Grundlage ist lediglich eine Privatanzeige. Das heißt: Irgendwer, der vermutlich nur die Medien konsumiert hat, hat die angezeigt, sie hätten sich nicht richtig verhalten und die Tat begünstigt. Dass die Ermittlungen noch andauern, sagt nicht viel. Solange die Staatsanwaltschaft dazu nicht völlige Sicherheit hat und der Fall insgesamt nicht aufgeklärt ist, hält sie den Vorgang offen.


    Dann gab es bereits am ersten Tag, an dem Montag, 25. November, Tatverdacht gegen einen anderen Wachmann. Und am 29. November Haftbefehl und Hausdurchsuchung. Was heute durch die "Bild" ans Licht kam, ist also nicht neu. Das zeigt, wie wenig die Öffentlichkeit erfährt. Manche meinen dann irrtümlich, die Polizei würde nicht ermitteln oder naheliegenden Verdachtsmomenten nicht nachgehen. Auch der Verdacht in Richtung Berliner Clanszene wird von Anfang an verfolgt. Berkowitz hatte anhand des Phantombildes aber eine Vermutung in eine andere Richtung geäußert, die ich ebenfalls für möglich halte.


    Schön finde ich die Formulierung "Handlung in Bezug auf die Alarmanlage". Diesbezüglich gibt es auch Verdacht gegen einen vierten Wachmann, der sich aber ebenfalls nicht erhärten ließ.


    Die israelische Sicherheitsfirma CGI hatte vor Wochen behauptet, Erkenntnisse über Mittäter im Wachpersonal an die Ermittlungsbehörden weitergegeben zu haben. Diese angeblichen Erkenntnisse sind aber offenkundig nicht die Grundlage der Ermittlungen gegen die vier Wachmänner. Erhärten ließ sich der Verdacht nicht. Es bleibt ein schwieriger Fall. Ist eben kein Fernsehkrimi.


    Unterdessen teilten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit (bereits am 27. Februar, war uns doch glatt entgangen), das Historische Grüne Gewölbe könne wohl in diesem Frühjahr wieder eröffnen: Klick.

    Details zur Verbesserung der Sicherheit werden, wie zu erwarten war, nicht mitgeteilt.