Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe

  • Ich bringe hier die gesicherten Erkenntnisse:
    Betroffen ist das Juwelenzimmer (wie ich befürchtet hatte). Dessen Fenster gehen zum Hof. In den Großen Schlosshof dürften die Täter dann vermutlich über das Grüne Tor unter dem Hausmannsturm eingedrungen sein. Das ist (nur) als Baustellenzugang gesichert. Die Hoffenster des GG haben Gitter und eiserne Fensterläden. Ob die Läden geschlossen waren, weiß ich nicht.


    Betroffen sind 3 Diamantengarnituren. Insgesamt in den Vitrinen 37, 37 und 20 Objekte. Die Museumsleute konnten sich den Schaden noch nicht genau ansehen, wegen Spurensicherung. Es besteht Hoffnung, dass nicht alles aus den Vitrinen verschwunden ist. Ich würde zum Beispiel vermuten, dass Paradedegen zurückgelassen wurden. Insgesamt ist der ideelle Wert viel höher als der materielle Wert der Stücke. Die Schliffe selbst der Brillanten sind als historische Schliffe des 18. Jh. erkennbar. Insgesamt gibt es, glaube ich (habe das jetzt auf die Schnelle nicht nachgesehen) 10 Juwelengarnituren. Die gestohlenen Stücke sind auf dem Kunstmarkt unverkäuflich.


    Es ist sinnlos, einen Wert in Geld anzugeben. Da die Stücke für kein Geld der Welt irgendwo gekauft werden könnten. Sie sind nicht versichert, weil der Staat sich nicht selbst versichert. Direkter Staatsbesitz.


    Der Dresdner Grüne Diamant befindet sich normalerweise im Neuen Grünen Gewölbe eine Etage höher. Das Neue Grüne Gewölbe ist nicht betroffen. Dort befindet sich der größte Teil der besonders wertvollen und bekannten Stücke. Insgesamt ist das ein komplettes Schatzkammermuseum für sich.


    Mit Spekulationen zum Sicherheitssystem sollte man sich zurückhalten. Man darf auch die Funktionsweise nicht öffentlich ausplaudern. Nach meinem Geschmack haben sie da auf der Pressekonferenz schon ein bisschen viel dazu gesagt. Das Sicherheitssystem hat schon mal insofern funktioniert, als es den Tätern sehr wenig Zeit ließ. Dadurch wurde der Schaden begrenzt.


    Bewaffnetes Sicherheitspersonal (Pistole) habe ich schon gesehen während der Öffnungszeiten im Bereich Grünes Gewölbe, abends im Außenraum des Zwingers.

  • Aber man weiß, dass sie die Polizei erst informierten, als sie die Einbrecher im Raum sahen (eben auf dem Video). Das wurde während der PK mehrfach wiederholt. Die Fenster sind nicht mit Alarm gesichert (der doch eigentlich direkt mit der Polizeizentrale verbunden sein müsste, oder ist es üblich, auf einen Anruf zu warten, der mehr oder weniger während des Einschlagens der Vitrine erfolgt?), wohl auch nicht mit einer Kamera. Das sind 5-10 Minuten, die flöten gingen. Angesichts einer der größten Schatzkammern Deutschlands ist das meines Erachtens -sorry- unter aller Kanone.

  • @East_Clintwood
    Doch du spekulierst. Niemand ist durch die Gänge geschlichen. Du kennst die Situation vor Ort nicht und hast ne große Klappe. Die Täter sind durch das Fenster des Juwelenzimmers rein, also nicht durchs Haus gewandert oder so. Alles ging sehr schnell. Ob Wachpersonal, dass auch erstmal dort hingehen muss, in so einer Situation was ausrichten kann, ist auch fraglich. Der Alarm kann ausgelöst haben und sie haben gleichzeitig das Video gesehen. Die genauen Vorgänge können in so einem Fall nicht im Detail vor der Öffentlichkeit ausgebreitet werden, und sie sind Gegenstand der Ermittlungen.


    Die Schränke, in denen die Juwelengarnituren gezeigt werden, sind Nachbauten historischer Schränke. Ich denke, dass da das Sicherheitsglas auch nicht unbegrenzt dick sein kann.


    Ich vermute, dass das Grüne Gewölbe in den nächsten Tagen geschlossen bleiben wird. Sicherheitssystem kompromittiert, Reparaturarbeiten notwendig.


    Das Sicherheitskonzept eines Museums hat auch viele andere Gefahren zu berücksichtigen - Hochwasser, Brand usw. Meines Wissens gilt Feuer als die größte Gefahr unter Experten für Museumssicherheit. Absolute Sicherheit gibt es nicht. Denn wenn man Stücke zeigt, ist auch eine gewisse Zugänglichkeit gegeben.

  • Über die schnoddrige „große Klappe“ sehe ich mal hinweg. Gut, dann warten wir mal ab. Ich spekuliere nicht, sondern interpretiere lediglich das, was bislang bekannt wurde. Dass das Sicherheitskonzept nun arg in der Kritik steht, sollte aber außer Frage stehen und dass alle Beteiligten in der PK eine miserable Figur machten, ebenfalls. Ich ging von den Informationen aus, die kommuniziert wurden. Wenn am Ende alles gaaanz anders ist, als es dort gesagt wurde und die in der Kritik stehenden Ungereimtheiten als ermittlungstaktische „Kunstpausen“ gedeutet werden müssen, entschuldige ich mich natürlich.

  • Es scheint sich um diese Juwelengarnituren zu handeln:




    Was ein Verlust... Die Chancen sind extrem gering, dass man diese zurückbekommt. :(

  • den Informationen ist zu entnehmen, dass EINE Vitrine aufgebrochen wurde und DREI Garnituren (Brilliant- und Diamant-Garnituren) geraubt wurden


    Es wird sich somit um (evtl. "nur" große Teile?) der folgenden 3 Ensemles handeln:



    Diamantrosengarnitur


    Brilliantgarnitur


    Diamantschmuck und Perlen der Königinen



    Die von mir hier auf die Schnelle aus dem Buch "Die Juwelen der Könige" schlecht fotografierten Abbildungen entsprechen NICHT dem tatsächlichen Bestand der Vitrine.


    Der Dresdner Grüne Diamant ist regulär im Neuen Grünen Gewölbe bzw. derzeit in New York.
    Ein Bruststern einer Diamantgarnitur ist hoffentlich ebenfalls verliehen. Oder war der aus der Rubin-Garnitur?
    Die Degen waren evtl. tatsächlich zu sperrig? Die Hoffnung stirbt zuletzt.


    Es ist natürlich klar, dass diese Diamantschmuckstücke einer Material-Verwertung zugeführt werden sollen und nicht am Stück veräußert werden. Denn das ist vermutlich wirklich unmöglich.


    Die Nebraer Himmelsscheibe hat einen nur geringen Materialwert und musste damit erhalten bleiben. Hier liegt die Sache leider ganz anders.

  • Es wurde hier von einem großen Blauen Auge geschrieben, mit dem man davon gekommen sei.
    Stimmt. Es hätte noch schlimmer kommen können.


    Die nachfolgenden Garnituren sind wohl unversehrt.



    Rubin-
    Smaragd-,
    Saphir,
    Schildpatt-,
    Achat-,
    Carneol-



    Dazu sind wohl auch NICHT betroffen: diverse Vlies-Orden mit Opal, Topas, Granat.
    Teile der Onyx und Topas-Garnitur. Zahlreiche ungefasste Edelsteine.


    All diese ohne Abbildung.

  • Die Himmelscheibe von Nebra tauchte dann auch wieder in Basel auf!

    Schlechter Vergleich. Die Himmelsscheibe hatte neben einem immateriell hohen Wert kaum materiellen Wert. Daher wurde sie so belassen wie sie war, nicht zerstört und nicht in Stücken weiterverkauft.
    Diese Juwelengarnituren haben neben einem immateriellen hohen Wert auch einen hohen materiallen Wert. Man wird die Stücke schwer als Ganzes weiterverkaufen können, das sorgt für zu viel Aufsehen, daher wird man die Stücke höchstwahrscheinlich in ihre Einzelteile zerlegen und somit zerstören und in alle Welt verkaufen.

  • Bleibt zu hoffen, dass das ein Privatsammlerauftrag war, und die Preziosen nicht als Hochzeitsschmuck enden.
    Vielleicht gelingt ja noch ein Überraschungs-Coup, aber diesmal von der richtigen Seite.
    Kommissar Zufall, oder?


    PS: Gold ist nach dem Einschmelzen nicht mehr nachzuverfolgen. Die Steine sind im Schliff und im Ursprung bekannt. Aber auch das wäre die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

  • @eryngium Auf deinen Bildern, die die gestohlenen Stücke zeigen sollen, befindet sich auch der Dresdener Grüne Diamant. Wir können uns wohl mehr als glücklich schätzen, dass dieses Stück zur Zeit in New York verweilt und nicht in Dresden.

  • Aber dieser wurde doch sowieso im Neuen Grünen Gewölbe gezeigt und nicht im historischen oder? (Nicht das es da nicht auch passieren hätte können, aber noch ein paar weitere Türen/ein Stockwerk zu überwinden, wäre etwas schwieriger gewesen)

  • Vermutlich schrub ich zu langsam: Hier nochmal mein Text zu den 3 Bildern:


    Die von mir hier auf die Schnelle aus dem Buch "Die Juwelen der Könige" schlecht fotografierten Abbildungen entsprechen NICHT dem tatsächlichen Bestand der Vitrine.



    Der Dresdner Grüne Diamant ist regulär im Neuen Grünen Gewölbe bzw. derzeit in New York.
    Ein Bruststern einer Diamantgarnitur ist hoffentlich ebenfalls verliehen. Oder war der aus der Rubin-Garnitur?
    Die Degen waren evtl. tatsächlich zu sperrig? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • man sieht deutlich im Bild von Treverer das die betroffenen 3 Brilliant Garnituren in einer Vitrine ausgestellt waren, die Täter brauchten also nur eine Scheibe zu zerstören um an diese ranzukommen. Es gab keine Zwischenscheiben, warum auch, mit diesem Einbruch konnte keiner rechnen. Aber das hat man beim Bodemuseum und der 2 Zentner schweren Goldmünze auch nicht vermutet. Was mich aber verwundern tut, wie lax die Sicherheitsmassnahmen an einem der bedeutendsten Kunstschätze auf der Welt sind. Als Warnung an alle Museen auf der Welt nimmt Geld in die Hand und sichert eure Kunstschätze, da darf auf keinen Fall gespart werden. Ich hoffe das die Bemühungen des Staatsapparates und für die hervorragende Kunststadt Dresden, das alles noch ein gutes Ende nimmt.


  • Pressekonferenz der SKD von heute 13.oo Uhr


    Der "Sächische Weiße Diamant", der Tropfenförmige Diamant Maria Josephas. Schleifen, Haarschmuck, Ketten, die mit sonst wenig präsenten Königinnen in Verbindung stehen.
    Ein Anschlag auf die kulturelle Identität Sachsens und Verlust unwiederbringlicher Schatzkunst. Ich bin erschüttert.

  • Es ist natürlich klar, dass diese Diamantschmuckstücke einer Material-Verwertung zugeführt werden sollen und nicht am Stück veräußert werden.

    Apropos Spekulationen: Das ist natürlich auch erst einmal Humbug.


    Die meisten Kunstdiebstähle sind Auftragsarbeiten.


    Dafür spricht in diesem Fall auch, dass laut PK gezielt eine Vitrine angegangen wurde.


    Aber auch das ist pure Spekulation.

  • Liebe Leute, lest doch erstmal die früheren Beiträge! Nicht nur eryngium, auch ich hatte vor ihm schon geschrieben, dass der Dresdner Grüne Diamant im Neuen Grünen Gewölbe aufbewahrt wird. Jetzt ist er für eine Sonderausstellung in New York.


    Die Fotos, die eryngium gezeigt hat, sind Aufnahmen des bedeutenden Fotografen Jürgen Karpinski. Die Objekte wurden nur für die Fotos so zusammengestellt. Wie wir eryngiums Beiträgen entnehmen können, gibt es insgesamt 9 Juwelengarnituren. Das habe ich so auch gerade bei Joachim Menzhausen in einer älteren Publikation nachgelesen.


    Betroffen ist einer von elf Räumen des Historischen Grünen Gewölbes. Verloren sind, vorsichtig geschätzt, 90 Objekte. Im Historischen Grünen Gewölbe sind insgesamt derzeit rund 2.500 Objekte ausgestellt. Im Neuen Grünen Gewölbe, eine Etage höher, werden noch einmal etwa 1.000 Objekte gezeigt. Damit ihr eine Vorstellung von den Größenordnungen habt.


    Zwischenscheiben innerhalb einer Vitrine gab es nicht, weil das schlecht aussehen würde.


    Betroffen ist unter anderem die Diamant-Rosen-Garnitur. Sie hat ihren Namen vom altertümlichen Rosenschliff der Diamanten. Sie gilt als die bedeutendste Kollektion mit dem auffälligen Rosenschliff weltweit. Diese Steine neu zu schleifen würde einen erheblichen Material- und Wertverlust bedeuten. So wie sie sind, sind sie unverkäuflich und lassen sich auch nicht in moderne Schmuckstücke integrieren. Dazu sind sie zu auffällig anders. Wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben, dass sie gegen Lösegeld oder durch Fahndungserfolg noch auftauchen.

  • Das es den Dieben hier um den reinen Gewinn ging, glaube ich auch nicht. Dafür muss man nicht ein weltberühmtes und (dachte ich zumindest bisher...) eines der am besten gesicherten Museum einsteigen. Dem Medienecho will sich ja niemand aussetzen, der zeitnah Stücke zu Geld machen will. Das könnte er bei einem größeren Juwelier viel ruhiger bekommen. Hier ging es anscheinend um eine Machtdemonstration. Ähnlich wie seinerzeit im Bodemuseum.


    Gleichwohl habe ich wenig Hoffnung, dass wir die Stücke unversehrt wiedersehen werden. So sind sie unverkäuflich. Die wird man auseinandernehmen, die Steine umschleifen etc. und das wars dann.


    Entsetzlich das Ganze....