Bremen - Altstadt - Steffensstadt

  • Neuenstraße 75 - 70




    Vom Eckhaus Neuenstraße/ Spielleutestraße geht der Blick bis zum Eckhaus an der Töferbohmstraße.



    (Großherzoglich Oldenburgische Hofbuchdruckerei H.M. Hauschild: Alt Bremen anno Domini 1906, Bremen 1906: H.M. Hauschild, S.75.)

  • Neuenstraße - Vergleichsbilder


    Die folgende Bilderreiche zeigt - möglichst exakte - Vergleiche der oben bereits vorgestellten Vorkriegsansichten mit dem Istzustand der Gegenwart. Die Bilder sprechen eigentlich für sich...


    Ecke Abbentor / Neuenstraße:



    Portalzone der alten Nr. 3 in den gegenwärtigen Bestandsbau - der wohl auch bald abgerissen werden soll - hineingesetzt:




    Die folgenden zwei Vergleiche mit den aktuellen Bildern von findorffer sind wirklich ganz starker Tobak, zeigen sie doch wirklich jeweils den identischen Ort !

    (Wobei der erste Vergleich eine potentielle, additive Nachbarschaft, der zweite Vergleich hingegen eine sich gegenseitig ausschließende alternative Situation beschreibt.)









    Wer bis hierher standhaft durchgehalten hat, dem gratuliere ich !!!

  • Bamberger-Ecke


    Auch der südwestliche Eingangsbereich zur Neuenstraße, der Nordwest-Trakt des Kaufhauses von Julius Bamberger, wurde lediglich vereinfacht wiederaufgebaut. Schade um dieses Stück Expressionismus !



  • Neuenstraße Nr. 25 und Töferbohmstraße


    Auf dem folgenden Foto ist links im Hintergrund das klassizistische Eckhaus Neuenstraße 25 zu erkennen. Im Vordergrund ist ein Teil der pittoresken Ostzeile der Töferbohmstraße zu sehen. Auf einen kleinteiligen Wiederaufbau wurde nach dem Kriege verzichtet und die Fahrbahn erheblich verbreitert. Gegenwärtig steht hier der aus den 1980er Jahren stammende, westliche Erweiterungsbau des ehemaligen kaiserlichen Telegraphenamtes (Fernsprechamt Roland). Die historische Ansicht steht in nichts hinter Straßenbildern aus dem 'Schnoor' zurück !




  • Es ist immer wieder erschütternd zu sehen, wie Altstadtbereiche durch eine völlig lieblose und nicht maßstabsgerechte Neubebauung von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart überformt wurden.
    :daumenunten:

  • Das zeigt den Niedergang der Architektur durch eine investorenorientierte funktionale Bauweise, die ästhetische Prinzipien ignoriert. Investoren und Bremer Baubehörde: ein unheilige Allianz, die unsere Städte nicht schöner macht sondern verhässlicht.

  • Da ist man fast beim weinen. Ich bin jedes Jahr im Bremen und noch nie in Steffenstadt. Jetzt weiss ich warum.


    Ich gehe davon aus dass die meiste Häuser im Bombenkrieg gefallen ist. Oder?

  • Richtig, Johan v2! Hässlich war es dort: Typische phantasielose Nachkriegsarchitektur. Ich habe mich dahin selten verirrt und dachte, wie kann man nur so bauen. Aber: Die Gebäude waren in der Höhe mehr an die Vorkriegsbebauung angepasst und hatten manchmal auch (kleine) Giebel aufzuweisen. Siehe das Luftbild unter der lf. Nr. 9. Es zeigt die frühere Bebauung auf dem Grundstück, das jetzt - von mir unter Nr. 3 am Anfang dargestellt - mit dem 70er-Jahre-Bau veredelt wird. Ich wünschte mir früher, dass das meiste davon abgerissen wird und für eine bessere Neubebauung zur Verfügung steht. Aber diese Monsterbauten hätte ich mir nicht mal in meinen kühnsten Träumen vorstellen können.
    Die Bremer Baubehörde plant, als gäbe es kein Morgen. Sie ist extrem investorenfreundlich und hat keine ästhetischen Leitlinien, die Orientierung, auch für Investoren, bieten. Das ökonomische Prinzip fließt in die Stadtplanung ein und bestimmt sie inzwischen weitgehend.


    In diesem Gebiet hätte man doch folgendermaßen vorgehen müssen:


    - Analyse der baugeschichtlichen Situation
    - Analyse der Baustile, die hier dominierten - giebel- oder traufständig?
    - Vor dem Hintergrund dieser Analyse eine Wiederaufnahme der Fassadensprache und Bauhöhen (wobei hier sicher auch etwas höher als vorher gebaut werden könnte)
    - Fragestellung der Stadtplaner: Ab welcher Höhe verschatten wir die Abbentorsstraße (Rückseite der Wallbebauung) und nehmen den Bewohnern das Licht.
    Diese Fragestellung wäre der Tatsache geschuldet, dass die Baubehörde das Gesamtsystem "Nördliche Steffenstadt" betrachtet, die ästhetischen Interessen der Stadtgesellschaft sowie die Interessen der anderen Bewohner berücksichtigt. Das ist aber nicht geschehen, sondern die Investoren werden mit ihren balkonträchtigen, auf Sonne getrimmten Gebäuden und einer überbordenden Höhe auf Kosten anderer belohnt. Hier wird nicht ein Quartier geplant - also klassische Stadtplanung betrieben - sondern egoistischen Einzelinteressen wird rücksichtslos der Teppich ausgerollt und von der Politik (wir brauchen Wohnungen, Wohnungen, Wohnungen) noch belohnt.

  • Ich bin ja sonst eher der nachsichtige, nicht so absolute Typ und ecke hier mit dieser Haltung auch manchmal etwas an. Aber hier mal vollkommene und totale Zustimmung, findorffer: Was die Stadtplanung seit 1945 mit diesem Viertel gemacht hat, ist ein Verbrechen. Als am gelungensten muss man fast noch das 50er-Jahre-Viertel um die Stephanikirche bezeichnen, und das will schon etwas heißen.


    Nun gibt es diese Arten von heterogenem, hässlichem und in die Jahre gekommenen Wiederaufbauviertel natürlich auch in anderen westdeutschen Städten, aber auch die städtebaulichen Veränderungen der letzten 15, 20 Jahre, also der Periode, in der die Probleme des Viertels auch der Politik schon lange bewusst und öffentlich formuliert waren, sind allesamt katastrophal mit der kleinen Ausnahme des genannten giebelständigen Bauprojekts "Vor Stephani" an der Weser. Das Brillissimo, das genannte fürchterliche Wohnhaus an der Schlachte, der ganze Radio-Bremen-Komplex, der vollkommen verhunzte Wiederaufbau des Bamberger-Hauses mit seinen billigen Plastikfenstern mit falscher Aufteilung, die gezeigten Grosse-Bunker in der Neuenstraße und nun, fast als vorläufiger Tiefpunkt, das andere Bauprojekt in der Neuenstraße.


    In der Summe eine gruselige Aufzählung städtebaulichen Versagens der letzten 15 Jahre, völlig unabhängig von der ohnehin schon schlechten Bausubstanz der 60er und 70er. Ich kann mir das auch nicht erklären. Es muss endlich eine Gestaltungssatzung für das gesamte Areal innerhalb des Walls her. Hier scheint das Problem die extrem niedrige Erwartungshaltung an Neubauten in diesem Viertel zu sein, man ist froh, dass überhaupt etwas passiert und lässt sich so von diesem Billigmüll blenden. Anders kann ich es mir nicht erklären. Trotzdem erwarte ich vom Senat eine klare Haltung zu Neubauprojekten in der Altstadt. Wenn man klare Gestaltungsvorgaben hätte, gäbe es auch nicht jedes Mal die Diskussionen wie zum Kühne/Nagel-Neubau, dem Atlantic-Hotel oder den Projektplanungen am Brill. Höhenvorgaben, Blockrand, Giebelständigkeit, Backstein, wo es historisch so war. Selbst mit einer sehr laschen Variante, die den Investoreninteressen sehr entgegenkäme (wie beim von Dir gezeigten Grosse-Projekt in der Neustadt an der Kleinen Weser), könnte man hier viel erreichen.

  • Schaut man sich die alte Bebauung an, so waren das doch alles Ein-bis Zweifamilienreihenhäuser, die werden heute von der Politik propagiert - z. B. in den Neubaugebieten Habenhausen, Borgfeld usw. - um keine Einwohner nach Niedersachsen zu verlieren. Das wäre in diesem Viertel aus mehreren gründen die angemessenere Bebauung gewesen.


    Übrigens, zwar schon erwähnt, aber trotzdem noch mal: grandios expressionistisch, an Fritz Langs "Metropolis" erinnernd, die Ecke vom Bamberger weiter oben unter der Nr. 24!
    Pagentorn, wie wär´s - könnten wir hier noch mal die vergrößerte Version sehen?

  • Ich gehe davon aus dass die meiste Häuser im Bombenkrieg gefallen ist. Oder?

    Ich auch, allerdings weiß ich es nicht 100%ig. Die Gegend um die Stephanikirche (also weiter westlich) war wirklich verwüstet, im Weseler Stil mit diesem völlig aufgehobenen Straßenraster und riesigen Kratern. Viel besser wird es hier auch nicht gewesen sein, aber Luftfotos aus der unmittelbaren Nachkriegszeit/nach den Bombenangriffen sind mir von dieser Gegend, der "Landside" (Waterside und Landside sind übrigens keine Anglizismen, sondern die niederdeutschen Begriffe), leider nicht bekannt. Kann aber durchaus sein, dass einzelne Gründerzeitgebäude durchaus rettbar gewesen wären, die kleinen Giebelhäuschen aber hatten den Bomben natürlich gar nichts entgegenzusetzen und sind wahrscheinlich wirklich fast alle unrettbar zerstört gewesen. Findorffer, Du hattest doch mal von einem Jugendstilgebäude gesprochen, das an der Ecke gestanden haben, wo nun das Parkhaus steht, wenn ich mich recht entsinne? Gibt es davon noch Fotos aus der Zeit nach dem Krieg?


    findorffer: Ja, an die verlorene Eckgestaltung des "Bambüddels" zur Neuenstraße musste ich als großer Freund des Expressionismus auch denken! Allein die Wiederherstellung der Bambergerfassade wäre wirklich viel wert für die Gegend.

  • Heinzer, ich hatte mal ein etnsprechendes Bild in einem der Stränge veröffentlicht, da, wo ich auch die Radio-Bremen-Bebauung mit der Bebauung der Vorkriegszeit verglichen hatte. Allein: ich finde weder den richtigen Strang geschweige denn die Bilder wieder. Vielleicht kannst Du Dich noch erinnern.

  • Herzlichen Dank, Mantikor, für den phänomenalen Link zum Farbfilm-Rundflug über das zerstörte Innen- und Altstadtgebiet. Dieser war mir noch nicht bekannt.

  • Lieber findorffer,


    ich habe - Ihren Wunsch aufgreifend - die alte Ansichtskarte des expressionistischen Eckbaus von 'Bamberger' etwas vergrößert und Letzterem das vom Architekten Carl Heinrich Behrens-Nicolai entworfene Gebäude der - seit jüngster Zeit leider nicht mehr als Apotheke genutzten - Centaurenapotheke an der Ecke 'Außer der Schleifmühle' / 'Dobbenweg' an die Seite gestellt. Im Anschluß daran noch zwei Ansichten verschiedener Baustufen des Kaufhauses an der Ecke Neuenstraße. Julius Bamberger war lange Jahre ständig am umbauen...





  • Ich bin dann heute selber noch einmal durch die Neuenstraße gewandert, um die von findorffer vorsgestellten Neubauten sowie aktuell anstehenden Baumaßnahmen in Augenschein zu nehmen. Die dabei entstandenen Fotos folgen hier - ohne große Beschreibung...


    Die Wanderung beginnt im Westen (an der Bamberger-Ecke) - mit Blickrichtung nach Osten.





    Das von den Neubauten fast erdrückte ehemalige kaiserliche Telegraphenamt / 'Fernsprechamt Roland':




    Nur die sperrigen und kernigen Straßennamen erinnern daran, daß hier eigentlich noch ein Stück der Bremer Altstadt ist:



    Blick an der Kreuzung Neuenstraße / Töferbohmstraße nach Norden.



    Blick von der Kreuzung Abbentorstraße / Neuenstraße / Ölmühlenstraße / Altenweg nach Westen in die Neuenstraße.




    Es tut mir leid, aber da fällt mir nur der gute alte Max Liebermann ein: " Ick kann jar nich so viel fressen, wie ick ...


    <X

  • Am Ostende der Neuenstraße hat man es in letzter Zeit tatsächlich vermocht, einen eh schon unattraktiven Stadtraum noch häßlicher zu machen:





  • Ecke Abbentorstraße / Am Wall


    Westlich neben einem der wenigen wirklich gelungenen Nachkriegsbauten in der Steffenstadt, an der Ecke 'Am Wall' / 'Abbentorstraße', ist nun ebenfalls eine Baugrube ausgehoben worden.


    Das in Rede stehende Areal auf der Stadtkarte von 1938 (rot eingekreist):



    Auch schon nicht mehr ganz aktuelles Luftbild mit Blick von Nord in die Abbentorstraße.



    Fotos vom 24.11.2019. Blick von Nord in die Abbentorstraße (rechts im Bild) hinein.



    Der an dieser Ecke geplante Neubau (wohl das neue Verwaltungsgebäude der 'brepark', der Betreiberin der innerstädtischen Parkhäuser).
    (Bildquelle: http://www.bof-architekten.de/…e/verwaltung/brepark.html)



    Und hier noch der Blick in die Abbentorstraße aus Richtung Wall, so wie sie er sich vor der Zerstörung präsentierte [Blick nach Süd kurz vor der Kreuzung Schwanengatt (links) / Abbentorstraße (geradeaus) / Abbentorswallstraße (rechts)].