Schwebefähren

  • Anlässlich dieser Meldung dachte ich mir, mal einen Strang zum auf den ersten Blick etwas abseitigen Thema "Schwebefähren" zu starten. Es gibt weltweit nur noch 8 betriebsbereite Schwebefähren, davon 2 in Deutschland, 2 in Argentinien, 2 in Großbritannien und je eine in Frankreich und Spanien. Die älteste befindet sich in Bilbao im Baskenland von 1893, alle anderen sind in der recht kurzen Blütezeit zwischen etwa 1900 und 1915 entstanden.


    Die Schwebefähre Osten (mit langem O!, wie auch der Fluss Oste, den sie überquert)-Hemmoor ist eine lokale Attraktion, die seit dem Bau einer Brücke nur noch touristischen Wert hat:



    (wikimedia commons)


    Sie ist Anfang der 2000er Jahre recht aufwändig saniert worden, da der Stahl typisch für seine Alterung deutliche Ermüdungserscheinungen aufwies. Die andere Schwebefähre ist insofern einzigartig, als dass sie unter einer Eisenbahnbrücke eingerichtet wurde, sie ist die letzte Schwebefähre in Deutschland mit einem großen verkehrlichen Nutzen, allerdings seit einem Unfall (Havarie mit einem Schiff) 2016 außer Betrieb. Die Gondel wird aber gerade komplett neugebaut (als Rekonstruktion des Originals) und soll ab 2020 wieder Rendsburg mit Osterrönfeld verbinden:



    (wikimedia commons)


    Rechts am Ufer des Nord-Ostseekanals sieht man die Schwebefähre unter der Brücke hängend. Hier wird auch der Sinn der Konstruktion sichtbar: Sie ist ein konstruktiver Kompromiss zwischen einer aufwändigen Hochbrücke mit den entsprechend notwendigen hohen Rampen und ebenso aufwändigen Klapp- und Drehbrücken, wenn Schiffe mit großer Höhe die zu überbrückende Wasserstraße befahren. Das Konzept hat sich aufgrund verschiedener Limitationen nie wirklich flächendeckend durchsetzen können, wobei das Beispiel Rendsburg eine sehr gute Lösung darstellt. Man könnte sagen, das Konzept verbindet die Nachteile einer Fähre (niedrige Kapazität) mit denen einer Brücke (hoher konstruktiver Aufwand). Ähnlich etwa dem Schwebebahnsystem Eugen Langen in Wuppertal war es eine sehr zeitspezifische Antwort auf eine spezielle Fragestellung und ein interessantes Zeichen der Leistungsfähigkeit der Ingenieurskunst der Jahre vor dem ersten Weltkrieg.


    König Juan Carlos I. von Spanien ist übrigens Ehrenvorsitzender des Weltverbandes der Schwebefähren, von denen alle verbliebenen Exemplare unter Denkmalschutz stehen und das älteste Exemplar in Spanien, der Puente Colgante in Bilbao sogar UNESCO-Welterbe geworden ist. Es waren aber auch nie viel mehr, es gab kein Massensterben, in Deutschland gab es noch die Schwebefähre Kiel, die aber schon Anfang der 1920er Jahre wieder demontiert wurde.


    Wenn man wie ich auch ältere Verkehrsinfrastruktur immer sehr interessant findet, eine interessante Sache.