Potsdam - Verkehrsführung in der Innenstadt

  • Das hat mit "alteingesessen" nichts zu tun - Freunde des Interhotels gibt es junge und alte, Zugezogene und Alteingesessene.


    Das Interhotel ist allerdings - so ist die Ansicht auch vieler sonst zur Rekonstruktion neigenden Potsdamern - momentan nichts das Problem an seiner Stelle. Selbst wenn es weg wäre und die banale Gestaltung des Lustgartens fortgeführt würde verbesserte sich die Aufenthaltsqualität im Lustgarten dank 55.000 Kfz/Tag genau gar nicht. Dieses Thema wäre zuerst zu lösen - das will aber Potsdam nicht, jedenfalls nicht durch den Bau einer weiteren Havelbrücke. Damit wird die Situation bleiben wie sie ist.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Wo könnte denn eine solche neue Havelbrücke (und eine Alternativstrecke) gebaut werden ??

    „Die Freiheitsliebe ist bei den Deutschen nicht entwickelt“ (Madame de Stael)

  • Hier ist die Seite der überparteilichen Initiative. Wurde vorgestern von der SVV erneut abgelehnt. Havelspange.

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    Richard David Precht

  • Wo könnte denn eine solche neue Havelbrücke (und eine Alternativstrecke) gebaut werden ??

    Vielleicht parallel zur Eisenbahn? So könnte man die gesamte Breite Straße zurückbauen.


  • Keine Spange und die Straßen auf die alten Querschnitte zurückbauen.
    Einfach das Angebot verkleinern. Irgendwann gibt dann der letzte Autofahrer auf.

  • ^^So ähnlich war es ja mal vor 15 Jahren geplant. Derweil haben alle eingesehen, daß es bizarr wäre das südliche Havelufer mit einer überörtlichen Bundesstraße hinzurichten. So ist für Kfz die Havelspange bei Pirschheide für die Einwohner von Potsdam Nord, die morgens nach Babelsberg oder Berlin wollen, die beste und in der Relation preiswerteste Alternative. Um diesen Bevölkerungsteil geht es ja - der steht morgens am Neuen Garten oder in der Breiten Straße und fährt abends zurück.


    Parallel müsste natürlich der ÖPNV ausgebaut werden. Aber selbst mit den neuen Straßenbahnen wird das Gros der neuen Einwohner von Potsdam Nord und Nordwest den Hauptbahnhof erst mit über 20-minütigen Fahrzeiten erreichen können. Die Kfz-Alternative über Spandau ist schon lange genauso hoffnungslos verstopft.


    Deshalb bliebe nur der Ausbau der DB-Bahnhöfe Golm und Charlottenhof. Hier müssten die Verbindungen nach Berlin und Babelsberg attraktiver werden und ausreichend P&R-Plätze zur Verfügung stehen. Allerdings braucht bei der DB die Einfügung eines zusätzlichen Zugpaares schon 5 bis 7 Jahre - über eine weitere Taktverdichtung reden wir ja gar nicht. Die letzten P&R-Flächen am Bahnhof Charlottenhof werden gerade zugebaut - da ist dann kein Platz mehr. Deshalb habe ich hier kaum Hoffnung, daß sich etwas zum Guten ändert.

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    Richard David Precht

  • Eigentlich wäre die Lösung ganz einfach:
    Man leitet den Verkehr direkt nördlich an der Bahnbrücke entlang, dann weiter ganz an der südlichen Seite des Lustgartens, wo sich aktuell ein Parkplatz befindet und nutzt im Anschluss die bereits bestehende Infrastruktur Am Lustgartenwall und dann über die heute schon sehr breite Kiezstraße und führt den Verkehr dann auf die Breite Straße zurück.
    Diese Lösung hätte viele Vorteile:


    1. Es würde weitgehend vorhandene Infrastruktur genutzt


    2. Durch die Bahnlinie existiert sowieso eine Geräuschkulisse, hinzu kommt, dass am Lustgartenwall kaum Wohnbebauung stehen dürfte.


    3. Der Lustgarten könnte wieder ans Stadtschloss herangeführt werden, es entstünde eine wirkliche Verbindung


    4. Die aktuelle Straßennutzung rund ums Schloss ist dann nur noch dem öffentlichen Nahverkehr vorbehalten


    Ich fände das die beste Lösung, weil es auch die kostengünstigste wäre, so aber trotzdem das historische Zentrum vom Verkehr befreit werden könnte. Aber Konstantin wird sicher erklären können, warum man diese Lösung seitens der Stadt nicht sieht.

    APH - am Puls der Zeit

  • Könnte man nicht auch einen Tunnel bauen ?? Kurz hinter der Langen Brücke unter die Erde, im Bereich westlich der Garnisonkirche wieder hoch. Immerhin handelt es sich um eine hoch frequentierte Bundesstraße.

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  • Also die Kiezstraße ist 1. deswegen so breit, weil sie in der Mitte eine doppelte Baumreihe besitzt (ehemaliger Dorfanger - hier war vor der Stadterweiterung die slawische Fischersiedlung vor den Toren der Stadt), ist 2. ein bedeutender Bestandteil der historischen Innenstadt mit mehr historischer Bausubstanz als die gesamte Breite Straße inklusive Marstall/Filmmuseum (ein Großteil der Häuser stammt zumindest im Kern von 1780 - Architekt Unger, vgl. Friedrich Mielke, Das Potsdamer Bürgerhaus) und 3. mündet sie am Ende in die Breite Straße, womit das Problem nicht einmal verlagert, geschweige denn gelöst würde. Ganz abgesehen davon, dass sie eine Wohnstrasse ist, deren Bewohner sich bedanken werden, wenn man ihnen eine vierspurige Autobahn vor die Nase setzt...


    Apollo will also, um die Breite Straße zu entlasten, an der wenig historische Bausubstanz existiert und kaum Menschen wohnen, die beinahe vollständig historisch bebaute Kiezstraße zur Bundesstraße machen, die schätzungsweise 50 völlig gesunden Kastanien und Linden abhauen, und dann an der einzigen stelle, wo an der Breiten Straße nennenswerte Wohnbebauung in Form von drei Punkthochhäusern existiert, eine Kreuzung mitsamt damit einhergehender Feinstaubbelastung durch stop-and-go-Verkehr einrichten.


    Muß da Konstantindegeer wirklich noch was zu sagen??

  • @UrPotsdamer


    du kannst dir deinen Sarkasmus ruhig sparen. Wenn man eine neue Bundesstraße, egal wo in der Stadt baut, wird es immer negative Aspekte geben. Eine Lösung, die alle zufrieden stellt und null Nachteile hat, die kann es in einem besiedelten Gebiet gar nicht geben.
    Die Bäume könnte man dann problemlos an die Breite Straße versetzen und dort sogar noch weitere Bäume pflanzen. Und ja, die Bewohner in der Kiezstraße würden belastet, das ist nicht schön, dafür würden alle Anwohner der Breiten Straße (allein die ganzen Studenten in ihrem Wohnheim) entlastet. Aber es ist wie überall in Deutschland, alle wollen Neue Energien, aber die Leitungen und die Windräder bitte beim Nachbarn, nicht bei mir. Die Gesellschaft ist teils so zynisch und voller Doppelmoral geworden, dass es einen manchmal echt anekelt.
    Deutschland war mal das Land der Dichter und Denker, wir sind mal Risiken eingegangen, haben revolutionäre Technologien entwickelt. Ein neues System wie die Eisenbahn könnte man in Deutschland heute doch gar nicht mehr bauen, denn die ganzen Ökologen, die ständig den öffentlichen Nahverkehr in den Himmel heben, wären doch die ersten, die neue Bahntrassen verhindern würden.
    Aber was soll man sich aufregen, man lässt eben alles, wie es ist, nur dreht sich die Welt um uns weiter. Und während wir für 10 Mio die nächste Krötenbrücke über die ach so böse Autobahn mit dem ach so bösen Diesel bauen, ist man in China schon mit künstlicher Intelligenz am Werke. Nur das will in Europa keiner wahrhaben, weil .. ja, wir müssen ja unsere Kastanien schützen und es könnte vorm Haus ja etwas zu laut sein :gehtsnoch:

    APH - am Puls der Zeit

    Edited once, last by Apollo ().

  • Nein, Apollo, das ist falsch. Auch nicht jede Kritik an deinen Ideen, die in Potsdam ja nun seit 15 Jahren diskutiert werden (auch deine Ideen sind schon vor 10 Jahren vorgebracht worden) hat gleich mit der Diesel-Krise oder der KP Chinas zu tun. Wenn Du etwas politisch verändern willst musst Du schon geduldiger werden und im übrigen nicht zu jedem Thema gleich den ersten Mist raushauen, der Dir einfällt.


    Deshalb systematisch:


    1. Ein Tunnel wurde mehrfach verworfen. Dieser müsste durch den sumpfigen Boden gebaut werden und über einen Kilometer lang sein. Das kann keine Stadt Potsdam bezahlen. Auch das Land will das nicht aufbringen. Zudem ist das Problem bei Straßentunnels stets der Tunnelmund, der in der Regel antiurban ist. Das will auch niemand.


    2. Der beschriebene Weg durch den Lustgarten (Stummel-ISES genannt, wenn nur am Lustgartenwall entlang) löst das Problem nicht, sondern verlagert nur den Verkehr um 50-100 Meter. Der Lustgarten bleibt genauso unattraktiv, trotzdem müsste eine neue KfZ-Brücke gebaut werden. Zudem fallen die Parkplätze für die Weiße Flotte und das Barberini weg. Das macht keinen Sinn.


    3. Die ISES (Innerstädtische Entlastungs-Straße) führt im Plan über das Areal des Bauministeriums. Die wollen kein Stück abgeben. Die ISES würde die Stadtkanaltrasse kreuzen und einen Wiederaufbau dort verunmöglichen. Und durch die Kietzstraße wird der Durchgangsverkehr sicher nicht geführt: da steht alles - auch der Mittelstreifen und die Bäume - unter Denkmalschutz. Also auch keine Option.


    Zusammengefaßt kommt man immer zum gleichen Ergebnis: 55.000 Autos am Tag passen nicht durch eine 1000 Jahre alte Altstadt. Deshalb muss mindestens die Hälfte woanders langfahren oder ihr Auto stehen lassen.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Ich wüsste ja doch gern mal, wo in Deinen Augen, lieber @Apollo, der Vorteil liegt, wenn man eine historisch beinahe völlig intakte Bausituation wie in der Kiezstraße mutwillig zerstört, um eine verlorene Bausituation wie in der Breiten Straße zu rekonstruieren. Das wäre denkmalpflegerischer Kannibalismus.
    Und es hat nichts mit NIMBY (Not in my back yard) zu tun - denn unterm Strich wird ja dadurch nichts besser. Es würden genauso viele Menschen wie vorher an einer Autobahn leben, es würde genauso viel Feinstaubbelastung geben - aber eine historische Straße wäre zerstört.

  • Wie "Konstantin" schon geschrieben hat, kommt eine Straßenumlegung oder Untertunnelung derzeit nicht in Frage. Schon früher hat er einmal geschrieben, dass der Lustgarten keine Aufenthaltsqualität wegen der vielen Autos in unmittelbarer Nähe habe. Dennoch könnte man meiner Meinung nach die Aufenthaltsqualität verbessern, indem man die jetzigen Wiesen einfach wieder dichter bepflanzt und somit optisch stärker von der Hauptstraße abgrenzt. Auch hinsichtlich Lärm und Feinstaub wäre das eine Aufwertung. Es gibt ja viele Grünanlagen, die sich in der Nähe von Hauptstraßen befinden, durch geschickte Bepflanzung aber durchaus dazu genutzt werden, mal ein Päuschen auf der Parkbank einzulegen. Andernfalls wäre z.B. die Grünanlage am Frankfurter City-Ring eine ungenutzte Fläche, was aber nicht der Fall ist. Also, es bedarf in Potsdam umfassender gartenpflegerischer Maßnahmen, um die Situation real (und ohne Luftschlösser) in eine positive Richtung zu verändern.


    Ich verlinke mal Bilder der heutigen Situation und der ehemaligen Bepflanzung. Als Orientierungspunkt diene das Neptunbassin:


    Heute: https://goo.gl/images/sDwDSB


    1713, barocke Gestaltung: https://goo.gl/images/ERqq7W


    Englische Gestaltung: https://goo.gl/images/kNg7Bn


    Zumindest gab es ja Pläne zur Umgestaltung und Aufwertung. Vielleicht lohnt es sich für die Aktiven vor Ort, sich daran in Zukunft zu beteiligen und das Machbare zur Verbesserung herauszuholen.


    https://buergerbeteiligung.pot…-lustgarten-abgeschlossen

  • Zusammengefaßt kommt man immer zum gleichen Ergebnis: 55.000 Autos am Tag passen nicht durch eine 1000 Jahre alte Altstadt. Deshalb muss mindestens die Hälfte woanders langfahren oder ihr Auto stehen lassen.

    Und da dies freiwillig niemand tun wird (und eine Maut für den Straßenabschnitt wohl kaum erhoben werden wird) bleibt alles wie es ist.

  • Wie "Konstantin" schon geschrieben hat, kommt eine Straßenumlegung oder Untertunnelung derzeit nicht in Frage. Schon früher hat er einmal geschrieben, dass der Lustgarten keine Aufenthaltsqualität wegen der vielen Autos in unmittelbarer Nähe habe. Dennoch könnte man meiner Meinung nach die Aufenthaltsqualität verbessern, indem man die jetzigen Wiesen einfach wieder dichter bepflanzt und somit optisch stärker von der Hauptstraße abgrenzt. Auch hinsichtlich Lärm und Feinstaub wäre das eine Aufwertung. Es gibt ja viele Grünanlagen, die sich in der Nähe von Hauptstraßen befinden, durch geschickte Bepflanzung aber durchaus dazu genutzt werden, mal ein Päuschen auf der Parkbank einzulegen.


    Genau das ist aber gestalterisch nicht gewollt sondern das Gegenteil: es soll der Zusammenhang zwischen Schloß, Leibreitstatt verstärkt werden, nicht das Trennende (was die Konsequenz einet solche Bepflanzung wäre). Und bei 55.000 Autos/Tag und dem dortigen Schallpegel mache ich auch mit "geschickter Bepflanzung" dort kein Päuschen, zumal mir am Barberini und am Hafen (Abschirmung durch das Mercure) und auf der Freundschaftsinsel viel schönere Plätze im direkten Umfeld zur Verfügung stehen.


    Hinzu kommt, daß die Stadt die Betonwüste in der Verlängerung der Priesterstraße (heute: Henning-von-Tresckow-Straße) noch fortwährend für jedes Proletenbesäufnis der Stadt nutzen will (Sommer-, Herbst- und Frühlingsfeste), darüber hinaus "Holländische Stoffmärkte" mit Chinawaren stattfinden und ansonsten dort kiffende Skater abhängen. Ein "moderner Volkspark" (Jann Jakobs) eben, kein königlicher Lustgarten.

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    Richard David Precht

  • Der einzige Ansatz ist eben Verkehrsreduzierung und Umgestaltung. Die Mautidee finde ich gut. Es gibt ja schon die Pförtnerampeln an der Stadtgrenze, die einfach nach einer bestimmten Zahl von Auto auf rot gehen. Deshalb gibt es natürlich einen Mordskrach mit den Nachbargemeinden, die jetzt den Stau bei sich haben.


    M.E. birgt der notwendige Neubau der Langen Brücke (nach bisheriger Planung 2022/3) die Chance, die Zahl der Kfz-Spuren auf insgesamt 2 zu verringern. Sanka/Feuerwehr fährt über die Bus/fahrrad/Strababrücke).


    Dann müsste man die namenlose Straße zur den Lustgarten mit zwei Spuren verringern und an den Grenzen zum Lustgarten klare optische Barrieren errichten (Havelkolonnade, Lustgartenzaun), die für den Kfz-fahrer deutlcih machen, daß das Auto hier nur zu Gast ist. Dafür müsste der Mastenwald raus (momentan sieht es von der Fahnentreppe aus wie an einem Grenzübergang), Betonplatten raus, zweispurige Straße nur mit Bordsteinbeleuchtung, der Rest begrünt.


    Diesen Schritt aber traut sich die Stadt nicht, weil sie den Volkszorn fürchtet.



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    Richard David Precht