Frankfurt am Main: Stadtentwicklungskonzept 2030+

  • Wie entwickelt sich Frankfurt am Main bis zum Jahr 2030 und darüber hinaus? Der Magistrat der Stadt Frankfurt hat in seiner Sitzung am 5. August 2019 das Integrierte Stadtentwicklungskonzept als strategischer Orientierungsrahmen und als Handlungskonzept für die mittelfristige Stadtentwicklung beschlossen:
    https://www.stadtplanungsamt-f…v7alpolnq3m376mkkaos5lvp1


    Zum Stadtenwicklungskonzept 2030+ gibt es zwei bemerkenswerte Punkte anzumerken:


    • Eine der wichtigsten zentralen Leerstellen der Stadt, die mit 50iger Jahren Kammbauten, Leer- und Parkplätzen überzogene "Altstadt West" (zwischen Limpurgergasse und Alte Mainzer Gasse) findet keine Erwähnung im Konzept. Im Zeichen der Wohnungsnot wäre hier, im Zuge einer altstadtgerechten Verdichtung, eigentlich ein extrem hoher Handlungsbedarf.
    • Besonders stolz ist man beim vorgestellten Konzept auf die hohe Bürgerbeteiligung. So durften die Bürger auf einem Portal Vorschläge einreichen und bewerten. Die sechs am besten bewerteten Vorschläge befassten sich mit Rekonstruktionen. https://www.fnp.de/frankfurt/w…ich-buerger-10533736.html Im verabschiedeten Stadtentwicklungskonzept wird das Thema Rekonstruktionen allerdings mit keinem Wort erwähnt.
  • Das zeigt einmal mehr, dass solche "Bürgerbeteiligungen" eine Farce sind. Damit wird demokratische Teilhabe vorgetäuscht, die Entscheidungen fallen am Ende doch wieder in geschlossener Gesellschaft. Nur starke unabhängige Bürgerinitiativen können etwas bewirken.

    In dubio pro reko

  • Von Seite 1 Bis Seite 66 ist das eigentlich primär inhaltlich wenig konkretes Geschwafel. Einige Feststellungen zur Ist-Situation verbunden mit inhaltsleeren Allgemeinplätzen, die künftige Richtlinien darstellen sollen. Da sind sogar manche Wahlprogramme detaillierter.


    Konkrete Projekte werden nur auf den faktisch letzten Seiten 67 und 68 genannt, und das nur Stichpunkt-artig.


    Also, da haben sich die Projektleitung, die Projektgruppe und die beratende Begleitung eine goldene Nase mit dem Füllen von Seiten dieser Broschüre verdient. Beschäftigungstherapie, um dem Steuerzahler irgendetwas vorzuzeigen. Kaum jemand wird sich darin vertiefen, weil da auch keine Tiefe existiert.

  • Besonders stolz ist man beim vorgestellten Konzept auf die hohe Bürgerbeteiligung. So durften die Bürger auf einem Portal Vorschläge einreichen und bewerten. Die sechs am besten bewerteten Vorschläge befassten sich mit Rekonstruktionen. https://www.fnp.de/frankfurt/w…ich-buerger-10533736.html Im verabschiedeten Stadtentwicklungskonzept wird das Thema Rekonstruktionen allerdings mit keinem Wort erwähnt.

    Zu dieser Angelegenheit gab es eine parlamentarische Frage der Bürger Für Frankfurt (BFF). Der Magistrat behauptet in seiner Antwort, dass sämtliche Beiträge in das Konzept eingeflossen seien... Ich würde das als glatte Lüge bezeichnen.


    https://www.stvv.frankfurt.de/download/F_2453_2020.pdf

  • Mein Bild was Frankfurt an Rekonstruktionen braucht ist 100% identisch mit was die Bürger gerne haben wollen:


    Unter anderem geht es um das jüngst stark diskutierte alte Schauspielhaus und um das Viertel rund die Alte Mainzer Gasse am Römer.

    Die Modellen die hier am Forum gezeigt wurden, sind doch wirklich wunderbar!!!! Ein Juwel der Stadt Frankurt könnte das wieder sein.

    Aber auch die Dächer der Rathaustürme „Langer Franz“ und „Kleiner Cohn“ wünschen sich die Frankfurter zurück.
    Und dazu wünsche ich mir, dass ALLE Dächer des Rathauses wieder im alten stil rekonstruiert werden. Das ewige aufstocken macht die meiste Gebäuden nicht besonders schön.....


    Am Bahnhofsvorplatz sollen die alten Kandelaber wieder aufgestellt werden und die umliegenden Häuser ihre Dächer und Kuppeln zurückbekommen. cclap:):applaus:(sehr wünschenswert).

    Am Weckmarkt hinter dem Dom soll der historische Garküchenplatz wieder hergestellt werden. Karen Wrigley setzt sich dafür ein, früher vorhandene Türme am Eisernen Steg wieder zu errichte


    Der riesigen Erfolg der neuen Altstadt bei Bürger und Touristen könnte weiter ausgedehnt werden ......

  • Wie gesagt, es ist fast überall im Lande dasselbe: Rekonstruktionen sind riesige Erfolge, die Leute gewöhnen sich in nullkommanichts daran und nach 20 Jahren weiß schon nur noch die Hälfte, dass es Rekos sind, wenn sie auswärtigen Besuchern stolz ihre Altstadt/Rathaus etc. zeigen.


    Trotzdem werden diese Erfolge nicht systematisch wiederholt, sondern fallen immer nur und nach langen Kämpfen unter glücklichen Umständen ab, während sonst weiter gemacht wird, als wäre nichts gewesen. Das ist das eigentlich Frustrierende für Menschen, die sich für angepasste Neubauarchitektur und Rekonstruktionen einsetzen. Dass es weiterhin vollkommen dem Zufall überlassen wird, was geschieht und dass die Vertreter der modernen Architektur auch 70 Jahre nach dem Krieg und mit den offenkundig katastrophalen Ergebnissen vor Augen immer noch sagen, "aber diesmal klappt's bestimmt", das ließe sich nicht vergleichen mit der Architektur der _____ er Jahre (Nachkriegsjahrzehnt der Wahl einsetzen). Es ist diese offene Lernunfähigkeit, die so frustriert.


    Man sagt nicht etwa, doll, das klappt ja richtig gut mit klassischer Architektur und Stadtreparatur, sondern will immer wieder seine blöden Akzente setzen, die immer wieder und vorhersehbar scheitern. Kann mir einer einen relevanten, gelungenen innerstädtischen modernen Neubau aus den 2000er Jahren nennen, ganz spontan? Auch wenn jetzt vielleicht dem einen oder anderen etwas einfällt, zeigt doch die Tatsache, dass man überlegen muss schon, wie trist die Lage ist.

  • Problem dabei sind leider auch die Politiker (bis tief in die CDU, von den ganzen sich selbst als dufte progressiv sehenden linken Strömungen ganz zu schweigen) und viele Journalisten (tendenziell sowieso eher links). Keinerlei Auge mehr für Schönheit und Stadtbild. Identität und Tradition sind ja generell was bös reaktionäres, man will ja bloß nicht als rückwärtsgewandt (was immer auch das sein soll) dastehen.

    die Vertreter der modernen Architektur auch 70 Jahre nach dem Krieg und mit den offenkundig katastrophalen Ergebnissen vor Augen immer noch sagen, "aber diesmal klappt's bestimmt"

    Wie heißt es so schön: "Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten."