Entstellende Dachgeschosse

  • Ich finde, es liegen Welten zwischen den beiden Beispielen. Das Gebäude der Bundesstiftung finde ich sogar ziemlich gut, man kann ihm höchstens vorwerfen, dass es nicht mehr stilistisch einheitlich ist.

    Dem Steglitzer Beispiel fehlt hingegen jegliche Feinfühligkeit. Es beschränkt sich auf die plump umgesetzte Idee, das Gebäude gefühlt modern fortzuführen und gleichzeitig abzugrenzen, und kommt dabei nicht über die erste Skizze oder das 1:500-Styrodurmodell hinaus.

  • Entstellende Dachgeschosse vielleicht nicht, aber die Giebel sind einen Beitrag in diesem Thema wert:

    (Lübeck, Königstraße)

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Darauf könnte man zu Wien neidisch werden...

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Entstellende Dachgeschosse vielleicht nicht, aber die Giebel sind einen Beitrag in diesem Thema wert:

    Ich frage mich beim Anblick dieser Giebel in der Lübecker Königsstraße: Was soll das? Wollten die Architekten eine eigene Handschrift hinterlassen, eine Art Empfehlung für nachfolgende Aufträge? Gibt es irgendeinen Druck, zeitgenössisch zu bauen? Erfordern andere Zeiten eine andere Architektursprache? Oder wollten die Architekten einfach nur mal wieder einen Beitrag beisteuern, der die Leute dazu bringen soll, zu sagen: das sieht "schick" aus. Es sieht schrecklich aus, diese Giebel haben die Fähigkeit, das historische Gebäude zu verschandeln. Und die Architekten, die das gemacht haben, sind unfähig, sich anzupassen.

  • Das Katharineum war bis 2022 meine Schule. Die Giebel wurden nach leichten Kriegszerstörungen in den 1950ern abgerissen - Bis in die frühen 2000er war auf der Schule dann ein schlichtes Zeltdach. Es gab dann jedoch bedarf nach lichten Biologie und Physikräumen, weshalb dieses Dachungetüm erschaffen wurde.

    Lübeck, mein Lübeck, an der Waterkant
    Königin der Hanse, Perle am Ostseestrand.

  • Wenn das hier Ziel war, viel Licht ins DG zu bringen (- und eine ReKo unerwünscht), hätte man dies auch mit schlichten Dreiecksgiebeln aus einer reinen Glaskonstruktion - unter Weglassung des Betons - erreichen können. Wäre IMHO weit weniger störend.

  • Würde man die Betongiebel wenigstens ziegelrot anstreichen, wäre der optische Eindruck schöner. Noch besser wäre es, die an sich ganz ansehnlichen Giebelaufsätze zu verklinkern.

  • Diese alte Fotografie zeigt die originalen Giebel des Katharineums:

    Wikipedia schreibt:

    Quote

    Die Schule befindet sich zu einem großen Teil in den historischen Gebäuden des ehemaligen Franziskanerklosters St. Katharinen. Benannt nach der Heiligen Katharina von Alexandrien wurde es 1225, noch zu Lebzeiten des Hl. Franziskus, gegründet.

    Nach kleineren Umbauten bei der Umwandlung des Klosters zur Schule wurde der Komplex 1874–1892 durch den Stadtbaumeister Adolf Schwiening neugotisch überformt. Schwienings Idee war es, unter Einbeziehung des Altbestandes dem Bau eine gewisse monumentale Einheitlichkeit und Klarheit zu verschaffen, was insbesondere durch die etwa 65 m lange, reichgegliederte Straßenfassade zur Königstraße mit ihrem Wechsel aus roten und schwarzglasierten Backsteinen sowie durch drei Risalite mit Treppengiebeln und eine durch einen Zinnenkranz bekrönte Traufe erreicht wurde.

    (...)

    Nach der Teilzerstörung 1942 wurde dieser Schmuckreichtum jedoch nicht wiederhergestellt. Das Dachgeschoss wurde 1962 und dann noch einmal 2003 für die Nutzung durch Biologie- und Physikräume umgebaut.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir