Das Kaiserreich im Rückblick

  • Hm, der Link führt zu einem Artikel auf der Seite des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb). Daß dieser Regionalsender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eher kritisch gegenüber dem Deutschen Kaiserreich eingestellt ist, würde ich als gesetzt annehmen und überrascht auch nicht weiter.

    Dass dieser Regionalsender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bemüht ist, eine seriöse Dokumentation mit transparenten wissenschaftsbasierten Quellen zu schaffen, würde ich als gesetzt annehmen und überrascht auch nicht weiter.


    Quote

    2001: 300 Jahre Preußen

    Im Jahr 2001 wurde im Rahmen eines Preußen-Jahres der dreihundertjährigen Geschichte Preußen gedacht. 300 Jahre Preußen - Anlass für eine aufwändige, informative und zugleich höchst unterhaltsame Dokumentationsreihe in der ARD, einer Gemeinschaftsproduktion der damaligen ARD-Sendeanstalten ORB, SFB (jetzt Rundfunk Berlin-Brandenburg rbb) und WDR, die den Auftakt des Preußen-Jahres 2001 bildete.

    Gedreht wurde "Preußen - Chronik eines deutschen Staates"an Schauplätzen von Potsdam-Sanssouci bis Berlin, dem ostpreußischen Königsberg bis Köln, von Schleswig bis Schlesien. Die Moderations- und Spielszenen entstanden mit Katharina Thalbach. Als "jeborene Preußin" begleitet sie mit Mutterwitz und Nachdenklichkeit die Zuschauer bei der filmischen Zeitreise durch Preußens Geschichte.

    Das Internetangebot http://www.preussenchronik.de ist als Begleitangebot zur sechsteiligen Fernsehdokumentation entstanden, die 2000/2001 im Ersten Programm der ARD, im ORB-Fernsehen, im WDR-Fernsehen, auf B1 (SFB) und Phoenix gezeigt wurde.

    https://www.preussenchronik.de/service/fernsehen_jsp.html


    Quote

    Fachberatung:

    Prof. Dr. Wolfgang Ribbe,
    Historiker an der Freien Universität Berlin und Vorsitzender der Historischen Kommission zu Berlin.

    https://www.preussenchronik.de…sp/key=beitrag_25047.html


    Literaturhinweise (vorbildlich): https://www.preussenchronik.de/service/literatur_jsp.html


    Besser kann man es kaum machen. Aber es wird immer Menschen geben, die auch eine solche Quelle pauschal diskreditieren.

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Zur Politik gegenüber der Sorbischen Minderheit in Preußen zur Zeit des Kaiserreiches:


    http://www.sorbe.de/repressionen.html


    Festzustellen ist, dass gerade das oft als tolerant bezeichnete Preußen zurzeit des Kaiserreiches eine höchst restriktive Politik gegenüber den nicht als "staatstragend" angesehenen Bevölkerungsgruppen, wie sprachliche Minderheiten, Katholiken, aber auch der größer werdenden Arbeiterschaft ausgeübt hat.

  • Besser kann man es kaum machen. Aber es wird immer Menschen geben, die auch eine solche Quelle pauschal diskreditieren.

    Es ist wirklich mühsam mit euch. Ich hatte nach einem Quellenbeleg für eine konkrete Aussage gebeten, woraufhin als Reaktion ein bloßer Link zu einem Artikel gepostet wurde. In diesem Artikel fand ich nichts, was diese Aussage (s. oben) bestätigte.


    Das ist doch nicht seriös, auch wenn du diesen Post unbelesen mit einem Daumen nach oben markiert hast.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Festzustellen ist, dass gerade das oft als tolerant bezeichnete Preußen zurzeit des Kaiserreiches eine höchst restriktive Politik gegenüber den nicht als "staatstragend" angesehenen Bevölkerungsgruppen, wie sprachliche Minderheiten, Katholiken, aber auch der größer werdenden Arbeiterschaft ausgeübt hat.

    Das dürfte sicherlich auf Wechselwirkungen beruht haben. Sprachliche Minderheiten waren in jener Zeit potenzielle Staatsgefährder, denn sie hätten im Zeitalter der Nationalstaatsbildung für eine Abspaltung ihrer Territorien an andere Staaten eintreten können (wie dann nach 1918 teils blutig geschehen). Die Arbeiterschaft wurde wiederum durch den noch jungen Marxismus zu radikalisieren versucht. Die SPD war ja noch die Sozialdemokratie vor Godesberg, die viel weitergehende gesellschaftliche Umbaupläne hatte. Heute würde jemand, der die staatlichen Eliten so herausfordert, umgehend mindestens vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Es war noch keine sozialstaatliche Antwort auf das neue Phänomen der Proletarisierung gefunden worden.

    Also, Du hast sicher Recht. Es ist aber eine logische Folge der Zuspitzung gesellschaftlicher Konflikte, die so zu Zeiten Friedrichts II. nicht bestanden hatten.

  • Es ist wirklich mühsam mit euch. Ich hatte nach einem Quellenbeleg für eine konkrete Aussage gebeten, woraufhin als Reaktion ein bloßer Link zu einem Artikel gepostet wurde. In diesem Artikel fand ich nichts, was diese Aussage (s. oben) bestätigte.

    Das war doch gar nicht das, was ich an deiner Aussage moniert habe. Ich habe eine ganz andere Passage zitiert, mit der du pauschal den ÖRR als unseriös abgestempelt hast. Dabei ist diese Dokumentation in ihrem Anspruch wirklich bemerkenswert. Allein die Literatur- und Quellenliste beinhaltet hunderte Titel und dürfte eine weitgehend vollständige Bibliographie zum Thema "Preußen" darstellen.


    Das ist doch nicht seriös, auch wenn du diesen Post unbelesen mit einem Daumen nach oben markiert hast.

    Wenn wir jetzt damit anfangen, unsere Likes zu erläutern, hätten wir hier viel zu tun. Aber ich will es dir gerne erklären: Ich kannte die Seite noch nicht und war @Berkowitz dankbar, uns auf diese vorzügliche Arbeit hingewiesen zu haben. Dafür hat er mein Like bekommen. Reicht dir das als Erläuterung?

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Du hast sicher Recht. Es ist aber eine logische Folge der Zuspitzung gesellschaftlicher Konflikte

    Diese Konflikte hätten aber auch zu Zeiten des Kaiserreiches anders gelöst werden können. Die "gesellschaftlichen Konflikte" waren ja Folge des im 19 Jahrhundert in vielen Staaten vorherrschenden Auffassung, dass es einer sprachlich, religiös und letztendlich (vermeintlich) ethnischen Einheit bedürfe. Das waren in Preußen nun mal die deutsch sprechenden Protestanten. In anderen Nationalstaaten Europas (allen voran Frankreich) war dies selbstverständlich nicht anders. Ob das in Europa mit seinen vielen Völkern, die in ineinandergreifenden Territorien lebten, die beste Staatsideologie war sei dahingestellt. Letztendlich hat die nämlich dazu geführt da, worauf du ja zu Recht hinweist, jedes Volk seinen Staat wollte und in Folge dessen, die die man als Angehörige eines anderen Volkes ansah, hieraus vertrieben hat. Das hat - da wirst auch du Heimdall mir Recht geben müssen- zu sehr viel Leid für sehr viele Menschen geführt.


    Allein diese Folge lässt bei mir schon ein Unbehagen an dem wie man sich im 19. Jahrhundert Staatswesen vorgestellt hat, aufkommen.

  • Hm, der Link führt zu einem Artikel auf der Seite des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb). Daß dieser Regionalsender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eher kritisch gegenüber dem Deutschen Kaiserreich eingestellt ist, würde ich als gesetzt annehmen und überrascht auch nicht weiter.


    Allerdings kann ich dort keine Stelle ausmachen, an welcher zu entnehmen wäre, dass im Kaiserreich die "polnische Intelligenz verachtet (missachtet) " wurde.


    Also bitte die betreffende Passage des verlinkten Artikels posten.

    3.Absatz des Links:

    Allein einem Volk oder ethnisch und kulturell anders orientiertem Volksteil die Sprache, Zeichen einer ethnischen Verbundenheit, und/oder die Religion zu verleiden oder sogar zu verbieten, war in der Historie leider zu oft der Anfang vom Ende, oder einer der Sargnägel für das interkulturelle Zusammenleben. Folglich eine klare Missachtung.

    Das soll allerdings nicht heißen, dass sich die polnische Nation zwischen den Kriegen und nach 1945 gegenüber der deutschen Minderheit, trotz deren loyalen Votums zum polnischen Staat, diesbezüglich klüger verhalten hat.

  • Die Verhältnisse innerhalb eines Staates sind meiner Auffassung nach immer unter Berücksichtigung der Epoche und der allgemein umgebenden Verhältnisse zu betrachten.


    Wie sah es beispielsweise mit Arbeiter-Rechten oder auch mit Sozialgesetzgebung um 1900 in anderen industrialisierten Ländern Europas aus: z.B. Belgien, Frankreich, England?


    Wie stand es um 1900 um die irische Sprache und wie stand es um die vielzähligen Regionalsprachen in Frankreich? Ein maßgebliches Prinzip der französischen Revolution lautete schließlich: "une nation, une langue!" (Das war eben originär keine preußisch-deutsche Erfindung).

    Wie erging es den Minderheiten im zaristischen Russland, wie den Ureinwohnern in Nordamerika?


    So oder so: Menschen, die im Kaiserreich aufwuchsen (sagen wir mit Geburtsjahrgängen 1850 bis 1880) , wuchsen in großer Mehrheit in einer als positiv empfundenen Zeit auf, in einer Zeit, in der es aufwärts ging. Soziale Mißstände wurden nach und nach abgemildert. Das Deutsche Reich verzeichnete mW weltweit die höchste Alphabetisierungsquote. Deutsche Universitäten genossen auf dem ganzen Globus einen hervorragenden Ruf.


    Der wissenschaftliche, industrielle und wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands in dieser Zeit 1871 - 1914 war enorm und im Grunde genommen beispiellos in der Geschichte. Aber das wurde ja hier schon ausgiebig diskutiert.


    Aber man kann mE mit Fug und Recht konstatieren, dass die große Mehrheit der Deutschen um 1910 stolz darauf waren Deutsche zu sein und sich mit ihrem Staatsgebilde (Reich und "Bundestaat") identifizierten.


    Ein weiterer Aspekt, der wenig Beachtung findet, war die innere Sicherheit im Deutschen Kaiserreich. Die Wahrscheinlichkeit beispielsweise von einem psychisch Kranken auf offener Straßen abgestochen oder vor einen fahrenden Zug gestoßen zu werden, war zweifellos um ein Vielfaches geringer als heute. Mir sind keine solchen Fälle aus dem Kaiserreich bekannt. Auch die allgemeine Kriminalität war wohl deutlich geringer.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Wie sah es beispielsweise mit Arbeiter-Rechten oder auch mit Sozialgesetzgebung um 1900 in anderen industrialisierten Ländern Europas aus: z.B. Belgien, Frankreich, England?

    Nicht gut, aber was sagt uns das über die Verhältnisse im Kaiserreich aus?

    Ein weiterer Aspekt, der wenig Beachtung findet, war die innere Sicherheit im Deutschen Kaiserreich. Die Wahrscheinlichkeit beispielsweise von einem psychisch Kranken auf offener Straßen abgestochen oder vor einen fahrenden Zug gestoßen zu werden, war zweifellos um ein Vielfaches geringer als heute.

    Das mag sein. Die Wahrscheinlichkeit in einem Krieg zu sterben dafür aber sehr viel höher. Gerade was die äußere Sicherheit angeht hat die Politik im Kaiserreich letztendlich völlig versagt. Und was schließen wir daraus?

  • Diese Konflikte hätten aber auch zu Zeiten des Kaiserreiches anders gelöst werden können. (....) Ob das in Europa mit seinen vielen Völkern, die in ineinandergreifenden Territorien lebten, die beste Staatsideologie war sei dahingestellt. Letztendlich hat die nämlich dazu geführt da, worauf du ja zu Recht hinweist, jedes Volk seinen Staat wollte und in Folge dessen, die die man als Angehörige eines anderen Volkes ansah, hieraus vertrieben hat. Das hat - da wirst auch du Heimdall mir Recht geben müssen- zu sehr viel Leid für sehr viele Menschen geführt.

    1. Kann alles anders gemacht werden, es ist dann nur die Frage, ob es dann besser gelöst worden wäre... Das will sagen, wenn ein Zeitgeist in eine bestimmte Richtung tendiert, kannst Du den natürlich ignorieren oder zu unterlaufen versuchen. Du kannst das Spiel mitspielen oder nicht. Du kannst am Pokertisch einfach Deine Karten zeigen, weil Du Heimlichtuerei ablehnst. Ob das aber sinnvoll ist, ist eine andere Geschichte.

    In der Zeit des Kalten Krieges hätte natürlich eine Seite einseitig erkären können, seine Atomraketen oder vielleicht sogar die komplette Armee abzuschaffen. Es wäre ein interessantes Experiment gewesen, zu sehen, was dann passiert.

    In der Zeit der Industrialisierung hätte ein Land erklären können, alle Fabriken wieder abzureißen, um fortan nur noch Landwirtschaft zu betreiben. Der Natur hätte es gut getan. Was aber wäre mit dem Land passiert?... Fragen über Fragen.

    2. War und ist die Idee der Nationalstaaten keinesfalls schlecht. Es geht um die Umsetzung. Eine so restriktive Sprachpolitik und Zentralisierung wie in Frankreich heute noch lehne ich ab. Ebenso Vertreibungen im Sinne eines integralen Nationalismus a la Polen und Tschechien (oder Türkei). Ein gemäßigter Umgang mit Minderheiten und deren Sonderrechten ist nötig, ohne deshalb die Leitkultur zu verwässern. Italien hat das nach 1945 irgendwann relativ gut hinbekommen. Die Spanier im Prinzip nach Franco auch, aber dort sind die Absetzbewegungen eben stark. Doch das schweift jetzt sehr weit ab.

    3. Österreich-Ungarn war ein Vielvölkerstaat mit relativer Toleranz gegenüber den Minderheiten. Es hat diesem Staat nichts genutzt. Die Zeit der Vielvölkerreiche war zu Ende.

    4. Du weißt noch nicht, welches Leid, die heute propagierte gegenteilige Ideologie der "Buntheit" erzeugen wird. Anfänge haben wir dieser Tage wieder erlebt. Das könnte langfristig das Leid der Nationalstaaten-Bildung übersteigern, da nicht mehr durch Grenzziehungen lösbar. Aber ehe jetzt die üblichen Fronten ausbrechen und die Moderation hellhörig wird, breche ich das ungeliebte Thema wieder ab.

  • Und das kann man erst recht sehr gut übertragen auf die politischen (historischen) Verhätnisse von Nationalstaaten!

    Oder man kommt zu dem Schluss, dass dieses Konzept vielleicht seine Schwächen hat.

    Kann alles anders gemacht werden, es ist dann nur die Frage, ob es dann besser gelöst worden wäre... Das will sagen, wenn ein Zeitgeist in eine bestimmte Richtung tendiert, kannst Du den natürlich ignorieren oder zu unterlaufen versuchen.

    Das mag ja alles sein. Was ich nur sagen möchte ist, dass das Kaiserreich nichts anderes war, als ein Staat mit allen seinen guten und schlechten Seiten und das als Vorbild wie alles historische nur sehr bedingt geeignet ist. Das schließt aber natürlich nicht aus, (und hier wiederhole ich mich)dass es im Kaiserreich Vieles gegeben hat, was auch für die nachfolgenden Generationen noch von Bedeutung ist.


    Heimdall: Ehrlich gesagt denke ich, dass wir in er Beurteilung des Kaiserreiches insoweit gar nicht soweit auseinander sind.

  • Oder man kommt zu dem Schluss, dass dieses Konzept vielleicht seine Schwächen hat.


    Als ob es das "aktuelle" Konzept keine Schwächen hat siehe Würzburg.

    Aber wir drehen uns im Kreise: du siehst das Kaiserreich halt sehr kritisch und ich sehe die aktuelle Globalisierung sehr kritisch


    Vielleicht sollte man doch sich hier auf Bauwerke konzentrieren aus dieser würdevollen Zeit! Dann gibt es weniger Zoff...

  • Die Preußen-Seite des rbb bietet einen populärwissenschaftlichen Einstieg in das Thema. Von da kann man weiter recherchieren. Was @Berkowitz da zur preußischen Polenpolitik verlinkt hatte, stimmt schon. Ich kenne den Sachverhalt aus anderer Literatur.


    Zu empfehlen ist: Jörg K. Hoensch: Geschichte Polens. Stuttgart 1990. Dort Seite 230-235 zur preußischen Germanisierungspolitik. Man vergleiche dazu die ganz anders gelagerten Verhältnisse in Galizien (S. 226-230)!


    Unter Bismarck wurde Polnisch als Unterrichtssprache verboten, später auch als Unterrichtsfach an höheren Schulen. Polnisch wurde aus dem Amts- und Geschäftsverkehr verdrängt. Der Kulturkampf wurde gegen die polnische katholische Kirche mit besonderer Härte geführt. Es wurden staatliche Mittel bereitgestellt, um polnischen Grundbesitz aufzukaufen und in deutsche Hände zu bringen.


    Bismarcks Polenpolitik wurde schon von Zeitgenossen kritisiert. Sie führte dazu, dass sich die polnische Bevölkerung immer mehr vom Staat abwandte und ihr nationales Leben auf dem Wege der Selbsthilfe organisierte. Der Germanisierungsdruck beförderte die nationale Bewusstwerdung immer größerer Teile der polnischen Bevölkerung, zum Beispiel in Oberschlesien.


    In Galizien erhielten die Polen im Zuge des österreichisch-ungarischen Ausgleichs weitgehende Autonomie. Das sicherte Wien ihre Loyalität. Mehrere Ministerpräsidenten waren polnischer Nationalität (Potocki, Badeni). Polnisch war Unterrichtssprache an zahlreichen Schulen. Die Universitäten Krakau und Lemberg wurden polonisiert. Die katholische Kirche wurde im Habsburgerreich natürlich nicht verfolgt.


    Die Donaumonarchie funktionierte als Staat bis in die Endphase des Weltkrieges hinein. Problematisch war aus Sicht der nichtdeutschen Völker jedoch, dass Österreich-Ungarn im Kriegsverlauf gegenüber Deutschland immer weiter herabsank. Es drohte eine preußisch-deutsche Hegemonie. Am Ende nahmen die Völker das Heft des Handelns in die Hand.

  • Franka

    Closed the thread.
  • Ich habe alle Beiträge entfernt, die auf Pagentorns provokanten Beitrag eingegangen waren. (Fragen zur Wahl) Sowohl auch alle Beiträge entfernt, die aktuelle politischen Ereignisse beleuchten. Die Beiträge über irgendwelche (???) Schusswaffen ohne Belege/Beispiele wurden auch entfernt. Wir drehen uns Kreis. Es tut mir leid, wenn auch erhellende Beiträge deaktiviert werden mussten. Sie können gerne an einer anderen Stelle gepostet werden.

  • Bitte nicht wieder Würzburg.

    Apropo Statistik:

    Aus dem Buch: Pünktlich wie die Eisenbahn? Johann-Günther König

    "Für die preußische Eisenbahnen, über die ausführliche Statistiken vorliegen, galten bis zum Ersten Weltkrieg nicht etwas sekundengenaue Werte oder die heute von der Deutschen Bahn genutzten 5:59 Minuten als Grenzmarke zum Befund einer Verspätung, sondern für Schnell und Coupierzüge gleich zehn Minuten, für Personenzüge zwanzig Minuten und für gemischte Züge dreißig Minuten.

    1857 zum Beispiel wurden auf den preußischen Bahnen 206371 Züge in 779656 Stunden Fahrzeit expedirt. Ihre Verspätungen betrugen in dem ganzen Jahr 7027 Stunden, 41 Minuten oder 1 Prozent der Gesammtfahrzeit inkl. Aufenthalte. Heutzutage sammeln sich bei der Deutschen Bahn täglich über 7900 Stunden Verspätungen an und werden seit Jahren gut zwanzig Prozent aller Halte der täglich rund 40000 Züge nicht pünktlich erreicht. Der Vergleich steht hier gleichsam auch zur Demonstration dafür, wie schwer die In-Beziehung-Setzung historischer und aktueller sowie übrigens auch nationaler und internationaler Pünktlichkeitsquoten"

    Dies als Aufhänger was die Kriminalstatistiken betrifft. Und ja, ich erwarte, dass die Kriminalität bei einem Sozialstaat wie dem unseren zurückgeht. Jeder Mensch in Deutschland hat ein Anrecht auf ein Dach über dem Kopf ( und sei es nur ein kleines Zimmer in einem ehemaligen Hotel weit draußen) und ein Anrecht auf genügend Nahrungsmitte. Die Grundversorgung ist gegeben und für Habenichtse ist es heute sicherlich weitaus besser als im Kaiserreich. (Ich möchte aber nicht wissen was passiert, wenn der Sozialstaat wackelt, wird es dann auch Gated communitys geben wie in den USA?).. Amokläufer gab es damals jedenfalls noch nicht, aber andere Formen von Kriminalität. Die Frage ist nur die, ob man das hier behandeln muss?

  • Die Frage ist nur die, ob man das hier behandeln muss?

    Selbstverständlich muss man dies hier nicht diskutieren. Allein, es verhält sich doch so, dass bei jedem vorsichtig-positiven Beitrag zum Thema deutsches Kaiserreich (und wir sprechen hier zunächst über unpolitische Themen wie beispielsweise die Leistungen beim Ausbau des Eisenbahnnetzes) bestimmte Leute meinen sogleich negative Aspekte für diese Zeit hinzufügen zu müssen.


    Insofern freue ich mich auf weitere interessante (unpolitische) Beiträge von Pagentorn zum Thema "Das Kaiserreich im Rückblick"

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Ich stelle mir immer die Frage: Was war das Markenzeichen des Kaiserreiches?

    Dabei streite ich nicht ab, dass es widerliche Hotelbesitzer gab, auch ignoriere ich nicht das Unrecht von grausamen imperialistischen Taten.

    Der Imperialismus ist eine Geisel der Menschheit und alles demonstrieren nützt bis heute nichts.

    Aus heutiger Sicht hätte man Minderheiten besser behandeln können. Wobei ich das Gefühl habe, dass sich in dieser Zeit keiner groß etwas schenkte. Man beachte die panslawistische Bestrebungen.

    Und damals würde ich lieber als Angehöriger der wohlhabenden jedoch missachteten polnischen Intelligenz in Kaiserreich leben, als ein Ruthener unter der polnischen Oberschicht in Galizien. Auch möchte ich nicht wissen, wie das Leben als Pole unter russischer Herrschaft verlief.

  • Zu den Sorben bzw. Wenden habe ich mal über Anwerbungsversuche des russischen, zaristischen Geheimdienstes aus der Zeit vor dem I. Weltkrieg gelesen. Es war wohl ein Zeitungsartikel anlässlich des Ausbruchs des I. Weltkriegs bezogen auf die Lausitz. Sinngemäß meine ich mich zu erinnern, dass sämtlichen Anwerbungsversuche des zaristischen Geheimdienstes scheiterten, zumal die Sorben/Wenden sehr wohl wussten, unter welchen erbärmlichen Verhältnissen und in welcher Not die Bauern und Gutsarbeiter in Russland lebten. Bei uns in Deutschland hatte jeder Bauer, Guts- oder Fabrikarbeiter zumindest ein Paar Schuhe aus Leder. In Russland hingegen, trugen die Leute anstatt Schuhen Lumpen um die Füße gewickelt, selbst in den bitter kalten russischen Wintern. Das ist nur ein Beispiel von sicherlich vielen. In Russland war die Infrastruktur, was Straßen, Wasserversorgung etc. anbetrifft, weit hinter den deutschen Zuständen zurückgeblieben, was auch für die ärztliche und medizinische Versorgung zutraf.


    Ein Leben unter der zaristischen/russischen Knute hätte für die sorbisch/wendischen Bauern, Guts- oder Fabrikarbeiter einen in vielerlei Hinsicht massiv schlechteren und deutlich niedrigeren Lebensstandard als in Sachsen oder Brandenburg bedeutet. Obwohl der russische Geheimdienst das Leben unter russischer Herrschaft in den heitersten Farben malte und an den Panslawismus erinnerte, ging von den Sorben/Wenden niemand auf den Leim.


    Dass ich keine Quellenangaben machen kann, wo ich das gelesen habe, möge man mir bitte nachsehen. Am Wahrheitsgehalt dieser Sache, hege ich jedenfalls keine Zweifel.

  • In den Jahren nach meinem Eintritt in dieses Forum im Jahre 2014, bereitete mir die Mitarbeit hier große Freude und den Austausch mit den seinerzeitigen Mitforisten empfand ich als anregend.

    Seit ca. eineinhalb Jahren hat sich dies in dem Maße geändert, in dem zu meinem großen Bedauern ein Klima der Unduldsamkeit, Rechthaberei und des Oberlehrertums immer weiter um sich griff.

    Als hier des 80. Todestages des Kaisers gedacht wurde, wollte ich - nach einer langen Zeit der bewußten Abstinenz - noch ein letztes Mal versuchen, ein bischen von dem einstigen liberalen Geist dieses Forums zurückzuholen.

    Wenn ich auch - neben einigen guten Bekannten aus 'der alten Zeit vor 2018' einige neue Foristen kennenlernen durfte, die erfreulich aufgeschlossen waren und die ich hiermit herzlich grüße - so muß ich mir eingestehen, daß ich letztendlich mit meinem Ansinnen gescheitert bin.


    Nicht nur das, nein, das Forum in der jetzigen Form tut mir effektiv nicht gut.


    Und deshalb habe ich - anders als bei meinem letzten Abschied im Frühjahr 2020 - jetzt nicht mehr vor, mir noch irgend eine 'Hintertür' der Rückkehr offenzuhalten.


    Ich möchte daher Administratoren und Moderatoren bitten, mich dauerhaft auf allen Themensträngen zu sperren und mir ein schreiben unmöglich zu machen.


    Leben Sie alle wohl !

  • zumal die Sorben/Wenden wohl wussten, unter welchen erbärmlichen Verhältnissen und in welcher Not die Bauern und Gutsarbeiter in Russland lebten

    In diesem Zusammenhang ist auch das Wahlergebnis der Volksabstimmungen in Ost- und Westpreußen im Juli 1920 bemerkenswert.

    Die Abstimmungsberechtigten konnten über die künftige staatliche Zugehörigkeit der Gebiete entscheiden. Im Allensteiner Abstimmungsgebiet stimmten über 97 % und im Abstimmungsgebiet Marienwerder über 92 % der Wähler für den Verbleib bei Ostpreußen und somit beim Deutschen Reich und gegen eine Abtretung an die Zweite Polnische Republik. Diese Ergebnisse waren auch insofern bemerkenswert, als ein erheblicher Teil der Bevölkerung in den Abstimmungsgebieten polnischer Muttersprache war.


    Gemäß der dem Wikipedia-Artikel beigefügten Übersicht lag der Anteil der Bürger mit polnischer Muttersprache im Gebiet Allenstein bei 44% und im Gebiet Marienwerder bei 14%.


    Das ist doch in der Tat außerordentlich bemerkenswert: aller vermeintlichen oder tatsächlichen Verachtung/Missachtung polnischer Intelligenz seitens Preußen-Deutschlands zum Trotz entschied sich die Mehrheit der polnisch-sprechenden Einwohner dieser Gebiete für einen Verbleib im Deutschen Reich.


    Im Bereich Allenstein votierten gerade einmal 2,1% für einen Anschluss an Polen und das bei einem Bevölkerungsanteil von 44%.


    Und damals würde ich lieber als Angehöriger der wohlhabenden jedoch missachteten polnischen Intelligenz in Kaiserreich leben, als ein Ruthener unter der polnischen Oberschicht in Galizien.


    Und die polnisch-sprechenden Allensteiner zogen es - in absoluter Mehrheit - vor in Deutschland zu verbleiben und das ist auch in doppelter Hinsicht bemerkenswert, da das Deutsche Reich 1920 am Boden lag.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)