Das Kaiserreich im Rückblick

  • Und auch ich bin wieder auf's Kaiserreich gestoßen (ohne danach konkret zu suchen) Ausgelöst durch die Diskussion Autogerechte Stadt die mich brennend interessiert.


    Mir war es gar nicht bewusst, welch ein großes Eisenbahnparadies das dt. Kaiserreich gewesen sein musste. Während dieser Zeit wurden die Hauptbahnen der Städte und Regionen miteinander vernetzt. Aber auch verästelte Neben- und Kleinbahnen, abgelegene Dörfer sowie touristische Zentren mit den Hauptlinien verbunden. Es wurden damals so viele Bahnknotenpunkte geschaffen wie in keinem anderen europäischen Land.



    Betrug die deutsche Streckenlänge im Jahre 1840 circa fünfhundert Kilometer, waren es 1870 schon mehr als 20 000.

    1873 rief Otto von Bismarck wurde das Reichs-Eisenbahnamt ins Leben. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, mit dieser Behörde ein einheitliches Eisenbahnnetz, nebst einheitlicher Staatseisenbahn aufzubauen. Der Versuch, den Ländern ihre Staats- und Privateisenbahnen abzukaufen, scheiterte jedoch am Widerstand von Baden, Bayern, Sachsen, Württemberg, Hessen, Elsass-Lothringen, Mecklenburg und Oldenburg. Nichtsdestotrotz, 1911 hatte das Eisenbahnnetz Deutschlands – einschließlich der nebenbahnähnlichen Kleinlängen – eine Gesamtlänge von 72 400 Kilometer. Eine Engmaschigkeit von 134 km Bahnen auf tausend Quadratkilometern. Die Beförderungsleistung der deutschen Eisenbahnen wuchs nicht minder beeindruckend– zwischen 1840 und 1913 allein im Personentransport von 62 Millionen auf knapp 41 Milliarden Personenkilometer. (Quelle: Winfried Wolf, Eisenbahn und Autowahn).


    Zwischen 1850 – 1890 – also in nur vier Jahrzehnten wurden mit über 200 000 Schienenkilometern gut neunzig Prozent des europäischen Gesamtnetzes fertig . Das deutsche Kaiserreich erwies sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts als absolut vorbildliche Eisenbahnnation. So verfügen die überwiegend effektiv geführten Zügen ausgestatteten deutschen Bahnen bei weitem den größten Überschuss in Relation zu dem verwendeten Anlagekapital bei im europäischen Vergleich außerordentliche günstigen Tarifen und standen generell für die ökonomische Leistungsfähigkeit und die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft, der deutschen Industrie, die sich anschickte England zu überflügeln. (Lothar Gall und Manfred Pohl: Die Eisenbahn in Dschl.)


    Werner Somart pries das Geschehen als größte produktive Tat wohl aller Geschichte – im Wortlaut: Was nun aber den Nationalökoomen, der sich in das Problem der Eisenbahnen versenkt, immer wieder zum Nachsinnen anregen wird, ist die Frage: wie war es denn überhaupt möglich, dass in der kurzen Spanne Zeit von zwei Menschenaltern so etwas unglaublich Riesenhaftes entstehen konnte, wie das Eisenbahnsystem in einem modernen Kulturstaat. Als größte produktive Tat nicht nur des neunzehnten Jahrhunderts, sondern, wie mir scheint, aller Geschichte sollten die Eisenbahnen immer in erster Linie gewürdigt werden. Machen wir uns einen Augenblick klar, was sie an Arbeitsleistung darstellen! Die deutschen Eisenbahnen haben bis zum Schlusse des Jahres 1910 rund 17 Milliarden Mark gekostet. Rechnen wir davon auf Arbeitslohn auch nur drei Viertel (…), so würden wir auf eine Arbeitsleistung von rund 25 Millionen Arbeitsjahren oder etwas 7 ½ Milliarden Arbeitstagen kommen (..) Auf die geschichtliche Zeit berechnet: in den 70 Arbeitsjahren sind jährlich 100 Millionen Arbeitstage auf den Bau von Eisenbahnen verwendet worden, eine Drittelmillion Menschen hat Jahr für Jahr nichts anderes getan, als Eisenbahnen gebaut oder hergestellt, was zum Eisenbahnbetrieb gehört: Bahnhöfe, rollendes Material usw. Das setzt einen sehr hohen Produktivitätsgrad der nationalen Arbeit voraus, der sich selbst wiederum nur erklärt aus der beständigen Produktivitätssteigerung, die die Eisenbahnen selbst im Gefolge hatten.


    Nicht zu vergessen, die herrlichen Bahnhöfe, die damals gebaut wurden.


    Ulrich Land über den 1894 eingeweihten Kölner Hauptbahnhof, in dessen gigantischer Bahnsteighalle ein zweistöckiges Wartesaalgebäude entstand: Die mittleren Gleise stoppten vor einem orientalisch anmutenden Palast: bunt gekachelt, mit Stuckschmuck, Türmchen und Erkern ausstaffiert, bekrönt von zahllosen Kuppeln, eröffnet von opulenten Portalen, verziert mit glasierten Terrakotten und farbigen Glasrosetten. Oben unter der Dachzone die Wappen all jener Städte, die man Anfang der 1890 Jahre von Köln aus erreichen konnte. Ein Taj Mahal des Wartens in der Tag für Tag, Zug um Zug rußiger werdenden Bahnsteighalle. Und unter den großen Oberlichtern aus Kathedralglas mit mattierten Verzierungen, unter den Agrafffen und Fruchtgehängen in Stuck: ein nicht weniger erlesenes Salonmobiliar.




    Nach dem 2. Weltkrieg musste durch den Versailler- Friedensvertrag, die dt. Eisenbahnen einen heftigen Aderlass hinnehmen. Einzug von 8000 Lokomotiven, 13 000 Personenwagen, 280 000 Güterwagen – die mehr als vierzig Prozent des Bestandes abforderten. Da Reparationsverpflichtungen nicht termingerecht erfüllt wurden, besetzten 1923 französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet und entzogen der Reichsbahnverwaltung mehr als fünftausend Kilometer hochfrequentierter und ertragreicher Strecken. 1924 setzte die Reperationskommission die dt Staatsbahn Schachmatt, durch Umwandlung in eine Reichsbahn-Gesellschaft mit privatwirtschaftlichen Charakter (DRG). Mitglieder des Parlaments wurden im Verwaltungsrat nicht zu gelassen. Die DRG musste den Großteil der verlangten Reparationen beschaffen, welche sich in sieben Jahren auf fünf Milliarden Mark summierte. Durch die hohen jährlichen Geldabflüsse waren keine notwendigen Investitionen möglich. Gewinner am Bedeutungsverlust war die Automobilindustrie, die keinen Pfennig für die Reparationsverpflichtungen zu entrichten hatten. Zumal der Staat schon damals außerordentlich den Straßenbau subventionierte. Mit dem Diktator H. und der Autobahn nahm dann alles seinen Lauf…

  • Als Lieblingskind des Kaisers sei noch die Bagdadbahn genannt. Hier musste er sich gegen die Bankaufsicht durchsetzen.

    Dem gegenüber blieb man beim Eisenbahnbau in Deutsch-Südwestafrika sehr zurückhaltend. Transporte fanden dort grundsätzlich per Ochsenkarren statt und erwiesen sich als wesentlich teurer, als der Bahnbau gekostet hätte.

  • ...


    Im Gegensatz dazu scheint sich der Wert dieses Threads hier darauf zu beschränken, das Kaiserreich eine gewisse Glorifizierung angedeihen zu lassen. Das mag dem einen oder anderen am Herzen liegen, aber mit einer differenzierten Sichtweise, gar mit einem wissenschaftlichen Anspruch hat das wenig zu tun. Das kann man in so einem Forum sicher auch nicht erwarten, aber dieses ständige Wissenschafts-Bashing hinterlässt keinen kompetenten Eindruck.

    Was soll man denn von einem Wissenschaftler halten, der nicht einmal in der Lage ist, zu erkennen, dass es hier nicht um Glorifizierung einer überlebten Monarchie geht. Es geht vielmehr um die Entfernung des tiefen Schmutzes, der nach dem WK1 über die Tätigkeit unserer Altvorderen geschüttet wurde und der heute von so genannten, in der Regel linksorientierten, Historikern in z.T. öffentlich gefördertem Auftrag immer wieder aufgewühlt wird.

  • Gegenüber neuen wissenschaftlichen Auslegungen sollte stets eine gewisse Skepsis gezeigt und immer die Frage gestellt werden "zu welchem Zweck und wem nützt es?"

    Ich glaube nicht, dass du jemals als Protagonist in der Wissenschaft in Erscheinung getreten bist, denn sonst würde dabei nicht so eine eigentümliche Sicht auf unser rationales Wissensgerüst dabei herauskommen. Zunächst einmal nützt wissenschaftlicher Fortschritt der Disziplin selbst und den nachfolgenden Forschergenerationen. Darüber hinaus zieht unsere Gesellschaft Nutzen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen. Und manchmal werden diese auch politisch missbraucht, leider.


    Dieser Tage stieß ich auf eine kurze, nachvollziehbar quellenbasierte Darstellung der wirklichen Ereignisse während des Hereroaufstandes in Deutsch Südwest Afrika(Namibia).

    Du zitierst da einen längeren Text, gibst aber keinerlei Quelle an. Ich dachte, dass zumindest diese Mindeststandards hier im Forum eingehalten werden.


    Was soll man denn von Historikern halten, die die von Giftköchen selbst schamhaft dementierten und zurückgezogenen Machwerke wieder zu neuem Leben erwecken, mit dem damals wie heute vorgegebenen Ziel der Verunglimpfung der (Bundes)Deutschen?

    So, so, heutige Historiker, die Deutsche verunglimpfen. Das ist eine steile und unverschämte These, die du einfach mal in dem Raum setzt.


    Was soll man denn von einem Wissenschaftler halten, der nicht einmal in der Lage ist, zu erkennen, dass es hier nicht um Glorifizierung einer überlebten Monarchie geht.

    Nun, dann sind solche Bekundungen sicherlich nur der berühmten Objektivität geschuldet:


    für den genialen großen Bismarck

    Bitte nicht falsch verstehen. Ich habe mit solchen Verherrlichungen grundsätzlich kein Problem, solange man diese nicht als Produkt einer differenzierten wissenschaftlichen Analyse verkauft. Können wir uns wenigstens darauf verständigen?


    Auch habe viele nicht mehr die Courage zu freiem Denken (stattdessen zeigt man "Haltung"). Es herrscht bei vielen Angst, man könne irgendwie anecken oder sich "nicht korrekt" äußern. Provoziert wurde und wird diese Entwicklung durch das Bologna-System, die schleichende Ideologisierung der Geistes- und Sozialwissenschaften seit 1968 sowie die Abhängigkeit von Nachwuchswissenschaftlern von der Drittmittelakquise, die wiederum zunehmend an gesellschaftspolitische Vorgaben gekoppelt ist (betreutes Denken auch hier). Die Ministerien und Stiftungen geben Themenlisten aus, die gefördert werden - und das auch nur, wenn Richtung und Zielsetzung stimmen.

    Dass Stiftungen bestimmte Themenschwerpunkte benennen, die ihrem Stiftungszweck entsprechen, ist üblich und selbsterklärend. Alles andere wäre auch kaum mit dem Stiftungsrecht vereinbar. Auch meine Dissertation ist gefördert worden, weil sie einem bestimmten Themenspektrum zuzurechnen war. Das hat weder mit Ideologisierung, noch mit Angst zu tun, wie du es behauptest. Überhaupt frage ich mich, woher du deine Erkenntnisse beziehst. Bist du selbst in den Geisteswissenschaften tätig oder glaubst du als Außenstehender diesen einfach mal eine politische Ideologie zuordnen zu müssen? Ich teile deine Auffassung jedenfalls nicht.

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    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • tegula Ach, ich glaube schon, hinlänglich informiert zu sein. Und wenn ich sehe, nach welchen Richtlinien gefördert wird, dann hat das wenig mit dem Profil der Stiftungen zu tun als vielmehr mit gesellschaftspolitischen Tendenzen. Ich denke, wer mit offenen Augen durch die akademische Landschaft geht, kann das eigentlich nicht übersehen.

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • @ tegula: Wer lesen kann ist klar im Vorteil: "Quellenverzeichnis (mit herzlichem Dank an K. Weichhaus, welcher der Redaktion diese Information zur Verfügung stellte)"

    ... und dann folgen eine ganze Reihe von Literaturangaben. Mehr gibt's nicht!

    Ach, nach gehöriger Forumsabstinenz meinereits muß ich feststellen, daß hier es wie eh und je abläuft. Herr Tegula ist sich zu fein einmal vom Türmchen seiner Weltsicht herunterzukommen und sich mit unsereins auf dem Boden der Tatsachen und auf Augenhöhe zu begegnen.

  • @ tegula: Wer lesen kann ist klar im Vorteil: "Quellenverzeichnis (mit herzlichem Dank an K. Weichhaus, welcher der Redaktion diese Information zur Verfügung stellte)"

    ... und dann folgen eine ganze Reihe von Literaturangaben. Mehr gibt's nicht!

    Na, dieser Text, den du da zitierst, muss ja irgendwo stehen. Wer ist denn diese ominöse Redaktion? Wenn wir übrigens davon ausgehen, dass dieser Text eine gewisse Schöpfungshöhe erreicht (und das dürfen wir hier wohl), begehst du zudem eine Urheberrechtsverletzung. Und wer ist dieser K. Weichhaus, dessen Urheberrecht du missachtest?

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  • Der Text, den Schortschi zitiert, ist ein Beispiel für den rechten Geschichtsrevisionismus. Das ist nicht wirklich neu. Den Forschungsstand bietet der Wikipedia-Artikel:


    Völkermord an den Herero und Nama


    Dort auch weiterführende Literatur und eine umfangreiche Diskussion zu dem Thema.


    Auch zu empfehlen: Schlacht am Waterberg


    in Deutsch Südwest Afrika

    Zu Kaisers Zeiten wusste man noch, wie der Name zu schreiben ist: Deutsch-Südwestafrika. Und diese Kolonie wurde nicht auf der Berliner Konferenz 1884/85 zugesprochen, wie in Schortschis Zitat aus unbekannter Quelle behauptet. Auch hier hilft Wikipedia weiter.

  • Apropos Eisenbahn.


    Die Französische Regierung hatte bereits 1911/12 stolze 2,5 Milliarden Francs Kredit an Russland gegeben, der ausschließlich zum Ausbau der militärisch wichtigen Eisenbahnverbindung an der russischen Westgrenze eingesetzt werden sollte (um die größte Armee Europas schnell nach Dtl bringen zu können). Nichts mit Schlafwandlern, Herr Clark. Frankreich hat explizit Russland hochgerüstet, um Dtl. im Zwei-Fronten-Krieg zu überrennen. Aus den franz. Archiven:

    „Das russische Kommando erkennt Deutschland als Hauptgegner an.“...

    Joffre und seine Generalskollegen gingen davon aus, dass der „Angriff bis zum Übermaß“ die zahlenmäßige Unterlegenheit schon wettmachen würde, die zumindest herrschen würde, solange die russischen Truppen noch nicht einsatzbereit sein würden. „Plan XVII“ sah vor, mit mehreren Armeen über Lothringen in die Pfalz vorzurücken und damit den erwarteten deutschen Angriff im Elsass buchstäblich aus den Angeln zu heben und damit zurückzuwerfen."


    Direkt begann der Erste Weltkrieg unabwendbar am 30. Juli 1914 mit der Generalmobilmachung der russischen Armee. Der Kaiser versuchte nochmals mit einem Telegramm nach Moskau zur Diplomatie aufzurufen aber vergebens. Der Russische Zar schrieb etwas merkwürdig am Vorabend: "Ich sehe voraus, daß ich sehr bald dem auf mich ausgeübten Druck erliegen und gezwungen sein werde, äußerste Maßnahmen zu ergreifen, die zum Kriege führen werden." Wer auch immer diesen Druck auf ihn ausgeübt hat?

  • Alle politischen Systeme, die seit 1918 auf deutschem Boden existierten, inklusive des gegenwärtigen ‚vereinten’ Deutschlands, haben das Kaiserreich grundsätzlich negativ dargestellt. Möglicherweise lag das ja daran, daß ihnen da etwas vorausgegangen war, dessen Kragenweite sie weder gemeinsam noch einzeln je erreichen konnten.


    Das ist mE zutreffend und wenn ich mir Frankas Einlassung zu den enormen Aufbauleistungen betreffend Schienenverkehr im Deutschen Kaiserreich vor Augen führe, dann fällt mir schon eine gewaltige Diskrepanz zur zeitgenössischen Bundesrepublik auf und mir wird abermals bewusst wie tief wir seitdem gesunken sind.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Der Text, den Schortschi zitiert, ist ein Beispiel für den rechten Geschichtsrevisionismus. Das ist nicht wirklich neu. Den Forschungsstand bietet der Wikipedia-Artikel:


    Was ist an einer Neueinordnung historischer Ereignisse aufgrund einer neuen Datenlage, beispielsweise resultierend aus der Freigabe bisher versiegelter Dokumente, auszusetzen?


    Elbegeist nannte die Fälschungen im sog. englischen Blaubuch und ich brachte einen Auszug aus Christopher Clarks "Schlafwandler" zu den Fälschungen der Russen und Franzosen zu Ihren diplomatischen "Farbbüchern".


    Der in Cambridge lehrende Historiker Clark ist demnach ein Revisionist, denn er bricht eindeutig mit insbesondere in der BRD Jahrzehnte vorherrschenden Lehrmeinung, dass es Deutschlands "Griff nach der Weltmacht" und ein vermeintlich preußisch-deutscher Militarismus - gewesen sei, welcher zum 1. Weltkrieg führte.


    Die russische Generalmobilmachung zählte zu den schwerwiegendsten Entscheidungen während der Julikrise. Es war bislang die erste Generalmobilmachung.


    Dieser entscheidende Sachverhalt wurde sowohl von den Franzosen, als auch von den Russen frisiert, d.h. grob verfälscht und erhielt nach dem 1.WK Einzug in die offizielle Geschichtsschreibung.


    Nichts mit Schlafwandlern, Herr Clark. Frankreich hat explizit Russland hochgerüstet, um Dtl. im Zwei-Fronten-Krieg zu überrennen.


    Auch ich sehe das tatsächlich anders als Clark. Insbesondere zur aktiven, englischen Rolle schweigt sich Clark aus.


    Germania est delenda

    In the 1890s, the magazine published several articles that expressed an anti-German sentiment, summed up in the quote Germania est delenda (Germany needs to be destroyed)[which was modeled after Cato's "Carthago delenda est" (Ceterum censeo Carthaginem esse delendam).


    Page 8: But she [i.e. England] must discriminate in her equanimity. And most certainly she must discriminate against Germany. For Germany has entered into a deliberate and deadly rivalry with her, and is battling with might and main for the extinction of her supremacy.


    Page 44: It is but too clear, then, that on all hands England's industrial supremacy is tottering to its fall, and that this result is largely German work. But in no branch of our commerce is an approaching downfall so patent as in Iron and Steel.


    Page 166: At present we are losing our grip of our own colonies and dependencies, which are steadily falling into the hands of the German. German goods enter India and Canada and Australia and the Cape on equal terms with English goods


    Interessant ist hier der Begriff: supremacy (Vormachtstellung)


    Nachfolgend ein Auszug eines Gesprächs des britischen Spitzenpolitikers und Chef-Diplomaten Arthur Balfour (1902 - 1905 British Prime Minister, 1915 - 1916 First Lord of the Admiralty, 1916 - 1919 British Foreign Minister) mit US-Amerikanischen Diplomaten Henry White aus dem Jahr 1907.




    Frankreich, Russland und England sprachen sich ab, das deutsche Herz Mitteleuropas mit einem Krieg zu zerschlagen.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Der Text, den Schortschi zitiert, ist ein Beispiel für den rechten Geschichtsrevisionismus. Das ist nicht wirklich neu.

    Ich habe mir den Text nicht einmal detailliert angeschaut, da er sich geweigert hat, eine Quelle zu benennen. Jetzt weiß auch warum. Das passt dann ja wie die Faust aufs Auge zu einem Artikel, denn ich zu Geschichtsrevisionismus am Beispiel des Völkermordes an den Herero im letzten Jahr verfasst habe. Er wird zur Zeit hundertfach über Google aufgerufen: https://www.zeilenabstand.net/…lkermordes-an-den-herero/


    Quote
     

    Das Internet ist voller Webseiten, die die Kolonialzeit – insbesondere die deutsche – verharmlosen und die Kaiserzeit glorifizieren. Von Schutzgebieten ist fast zynisch die Rede. Der Völkermord wird als typisches Kriegsgeschehen infolge eines Aufstandes beschrieben. Ein kritisches Hinterfragen der deutschen Rolle findet nicht statt. So verwundert es auch nicht, dass in den Quellenhinweisen fast ausschließlich zeitgenössische deutsche Sekundärliteratur genannt wird.


    Die Literaturhinweise im von Schortschi von irgendwo kopierten Text nennen aber immerhin jüngere Sekundärliteratur.

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Der Text, den Schortschi zitiert, ist ein Beispiel für den rechten Geschichtsrevisionismus. Das ist nicht wirklich neu. Den Forschungsstand bietet der Wikipedia-Artikel:


    Völkermord an den Herero und Nama

    Man sollte keine Quelle empfehlen, über welcher steht:

    "Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst."

  • ...

    So, so, heutige Historiker, die Deutsche verunglimpfen. Das ist eine steile und unverschämte These, die du einfach mal in dem Raum setzt.

    ...

    In der DDR war das im Auftrag der SED üblich. Siehe Beispiel. Du hast übrigens mein (Bundes) vor dem Deutschen weggelassen. Die Absicht ist unverkennbar.

  • Ach, nach gehöriger Forumsabstinenz meinereits muß ich feststellen, daß hier es wie eh und je abläuft.

    Und mich ärgert es, wenn man sonst im Forum architektonisch nichts beiträgt, dann hereinschneit und solch ein Fass aufmacht.

    Soll man alle darauffolgende Beiträge entfernen oder lässt man sie stehen? Es geht ja um einen Rückblick im Guten wie im Schlechten.

    Allerdings ist es ja nicht so, dass das Thema ein heißes Eisen wäre. Und man darf nicht vergessen, wir sind ein Architekturforum. Ich möchte wissen wie die Parameter gestellt waren, dass gute Architektur damals möglich war.

    Und das andere, wiki hin oder her, ich teile jedenfalls nicht die Erfahrung, dass man Gegner oder Befürworter des Imperalismus einer politischen Richtung zuordnen kann. Das Thema ist bis heute aktuell.


    Es wäre auch ein Wunsch, nicht auf bereits veraltete Beiträge einzugehen. Wenn man die Diskussion verpasst hat, selberschuld. Dann muss man sich vorher überlegen, wenn man in eine Diskussion einsteigt. Dieses ständige Springen von einem Thema zum anderen ist anstrengend zu lesen.

  • Dieses ständige Springen von einem Thema zum anderen ist anstrengend zu lesen.

    Vor allem führt es zu den immer gleichen ideologischen Grabenkämpfen. Die Positionen sind ohnehin klar und unversöhnlich.


    Bloß sage ich dazu immer, dass diejenigen, die gerne das Schlechte in der Geschichte des eigenen Landes hervorheben möchten und sich zu einer "Schuld" oder "besonderen Verantwortung" bekennen möchten, dann doch auch selbst mal Konsequenzen zeigen sollen. Sie könnten z.B. dauerhaft auf 50% ihres Einkommens verzichten und es an diejenigen als Dauerspende per Bankeinzug überweisen, denen gegenüber sie stetes Verlangen haben, sich aufgrund ihrer miesen Geschichte oder Volkszugehörigkeit als schuldig und rechenschaftspflichtig zu empfinden. Dadurch wären sie wirklich ein moralisches Vorbild, das man respektieren könnte. Die politischen, seelischen und finanziellen Folgelasten aber auf andere abwälzen zu wollen (also auch diejenigen, die diese Aufarbeitungslust nicht teilen), worauf es grundsätzlich immer hinausläuft, ist bequem. Aber das findet sich ja mittlerweile in ganz vielen Politik-Diskussions-Feldern.


    Mich langweilen diese Diskussionen immer mehr, weil sie eh nichts mehr bringen. Jedes Mal, wenn ein solcher Thread aufgemacht wird, stöhne ich mittlerweile auf, weil ich schon weiß, wie er endet. Von mir aus kann zugemacht werden.