Restitutionsforderungen der Hohenzollern

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    • Heute Abend hat auch das ZDF-Politmagazin "Berlin Direkt" über das Thema berichtet, natürlich im Gegensatz zur Herrn Böhmermann im Ton ohne Rauch und Schwefel, aber in der Sache doch ziemlich klar. Interessant war zu erfahren, dass die Hohenzollern von ihren Forderungen, also der unentgeltlichen Herausgabe von rund 5000 Kunstwerken (wie ihr ja wisst nenne ich das "maßlos") bisher offenbar keinen Millimeter abgerückt sind. Wie der Anwalt der Hohenzollern im Beitrag zugibt, je höher man pokert, desto mehr springt am Ende dabei raus ... :kopfschuetteln:

      Hier der Link zur >> ZDF-Mediathek
    • Ich Frage mich immer noch, warum das Bestehen auf Rechtsansprüchen als "maßlos" charakterisiert wird. Die wären doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie in die Verhandlungen hineingingen und von vornherein sagen würden "also diese und jene und diese Forderung lassen wir gleich mal fallen." Hier wird eine moralische Pflicht der Hohenzollern postuliert, begründet auf der Tatsache, dass deren Vorfahren bis 1918 regierende Fürsten waren. Muss ich mein Vermögen jetzt auch abgeben, wenn es von meinem Urgroßvater stammt, der Fabrikdirektor war? Denn das ist die logische Folge aus solchem Verlangen: dass jeder nur das Vermögen nutzen darf, das er selbst erworben hat. Erbschaftsteuer 100%.
      Oder haben wir hier doch wieder mal zweierlei Maß und der deutsche Michel freut sich, dass er völlig gefahrlos sein revolutionäres Mütchen an den Hohenzollern kühlen kann?
    • UrPotsdamer wrote:

      Muss ich mein Vermögen jetzt auch abgeben, wenn es von meinem Urgroßvater stammt, der Fabrikdirektor war? Denn das ist die logische Folge aus solchem Verlangen: dass jeder nur das Vermögen nutzen darf, das er selbst erworben hat. Erbschaftsteuer 100%.
      Oder haben wir hier doch wieder mal zweierlei Maß und der deutsche Michel freut sich, dass er völlig gefahrlos sein revolutionäres Mütchen an den Hohenzollern kühlen kann?
      Das ist eine gewisse verdrehte Sichtweise.
      Hier geht es nicht um dein bestehenden Vermögen, denn du wegen deinem Grossvater abgeben musst.
      Sondern um den Vermögen was deinem Grossvater zu seiner Lebzeit wegen seiner Taten abgenommen wurde.
      Das ist was ganz anderes.
      Ich folge mal deine Sichtweise ad adsurdum : nehmen wir an dein Opa wurde zu eine Geldstrafe von 1000€ verurteilt, und musste diese zu seiner Lebzeit zahlen. Würdest du nach seinem Tod zum Finanzamt gehen, und sagen "hey ist mein Erbe, Opa war Schuld, ich nicht, her mit den 1000€"?
    • Darum geht es doch nicht. Es geht darum, dass dies ein Streitfall zwischen der Bundesregierung und dem Hause Hohenzollern ist. Nicht Böhmermanns, der „Bunten“- oder uns. Wie auch immer es ausgeht: es geht den Gang rechtsstaatlicher Prozesse und nicht den, den sich höhnende Pausenclowns und deren Anhänger aus einem „Bauchgefühl“ heraus wünschen. Wenn es den Hohenzollern nicht zusteht, wird es auch ein dementsprechendes Urteil geben. Und falls ihnen etwas von dem Geforderten doch zustünde, dann ebenfalls. Aber Deutschland ist kein Ort für Lynchjustiz- genau in diese Richtung geht aber die momentane Diskussion. Nur weil einem das Haus Hohenzollern suspekt oder unsympathisch ist, kann man nicht den trockenen Weg der Justiz umgehen und öffentlich Hetze betreiben: und das auch noch mit historischem Halb- und Viertelwissen, das nicht an nüchternen Fakten, sondern an emotionalen und auf billige Weise moralisierenden Verurteilungen interessiert ist, und mit dem man bei den Menschen niederste Rache-Instinkte ansprechen möchte.

      PS: @uhugreg dein Beispiel mag auf den ersten Blick absurd erscheinen, aber: diese Person hätte das Recht, den Fall um die 1000 Euro von einem Anwalt prüfen zu lassen und -sofern an seiner Forderung tatsächlich etwas dran ist- zu prozessieren. Ohne, dass ein Böhmermann sich in das laufende Verfahren einmischt und durch seine Sendung versucht, das Urteil zu beeinflussen. So läuft das nunmal in einem Rechtsstaat. Was zur Zeit geschieht, erinnert eher an einen Western, nach dem Motto: „Hang ‘em higher!“ Die Hohenzollern sollten mal prüfen, inwiefern Böhmermann und sein gesetzlich zu politischer Neutralität verpflichteter Sender sich mit solcher ziemlich brutalen Hetze strafbar machen.

      Das einzige, was dieser Rubrik eine „satirische“ Note gab, war der Titel „Eier aus Stahl“. Alles andere war ein ernstgemeinter Propaganda-Beitrag, der nicht zwingend von der Satirefreiheit gedeckt sein muss (hier könnte man ja, ganz à la Böhmermann, Juristen aufrufen, die diese Sendung darauf prüfen können, ob es Pointen oder Humors bedarf, um noch als Satire durchgehen zu können und ob Hetze ohne humoristischen Subtext überhaupt noch Satire ist). Aber da wir weniger denunziatorisch veranlagt sind und weniger Lust dabei empfinden, Menschen öffentlich hinzurichten, wird das nicht geschehen.

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    • East_Clintwood wrote:

      Das einzige, was dieser Rubrik eine „satirische“ Note gab, war der Titel „Eier aus Stahl“. Alles andere war ein ernstgemeinter Propaganda-Beitrag, der nicht zwingend von der Satirefreiheit gedeckt sein muss (hier könnte man ja, ganz à la Böhmermann, Juristen aufrufen, die diese Sendung darauf prüfen können, ob es Pointen oder Humors bedarf, um noch als Satire durchgehen zu können und ob Hetze ohne humoristischen Subtext überhaupt noch Satire ist). Aber da wir weniger denunziatorisch veranlagt sind und weniger Lust dabei empfinden, Menschen öffentlich hinzurichten, wird das nicht geschehen.
      Als Literaturwissenschaftler möge man mir bitte einmal - außerhalb der juristisch doch eher schwammigen Definition - erklären, was denn eine "Satirefreiheit" sein solle.

      Und danach können wir gerne darüber sprechen, dass die heutige Vorstellung von Satire innerhalb der breiten Masse wirklich gar nicht dem entspricht, was Satire in der Literatur seit der Antike schon alles gewesen ist.
    • East_Clintwood wrote:

      PS: @uhugreg dein Beispiel mag auf den ersten Blick absurd erscheinen, aber: diese Person hätte das Recht, den Fall um die 1000 Euro von einem Anwalt prüfen zu lassen und -sofern an seiner Forderung tatsächlich etwas dran ist- zu prozessieren. Ohne, dass ein Böhmermann sich in das laufende Verfahren einmischt und durch seine Sendung versucht, das Urteil zu beeinflussen. So läuft das nunmal in einem Rechtsstaat. Was zur Zeit geschieht, erinnert eher an einen Western, nach dem Motto: „Hang ‘em higher!“ Die Hohenzollern sollten mal prüfen, inwiefern Böhmermann und sein gesetzlich zu politischer Neutralität verpflichteter Sender sich mit solcher ziemlich brutalen Hetze strafbar machen.
      Nun, es geht um Kulturgüter die sich im Bundeseigentum befinden (und einige sogar Unesco Weltkulturerbe), also geht es jeden Bundesbürger was an.
      Hinzu kommt : hätte diese Person die Möglichkeit hinter verschlossenen Türen mit Mitarbeiter des Kanzleramtes zu verhandeln? In einem Rechtstaat wie du sagst, sollte so etwas vor Gericht stattfinden, und nicht im Hinterzimmer der Kanzlerin ohne jegliche Tränsparenz, gar Mitwirkung des Parlaments.
      Dazu : das Recht zu Satire ist eigentlich einer der schönsten Symbole eines Rechtstaates. Und darum zu pöbeln, oder sich gewisse Vergleiche zu leisten, zeigt eher dass Rechtstaat hier auf diesen Beitrag nur sehr selektiv betracht betrachtet wird. Ein Rechstaatssystem ist nicht etwas, wo mann sich rausnimmt was dem einen gefällt.
      Ich muss ganz offen gestehen : ich hatte bis datto nie etwas von Böhmermann angeschaut. Aber je mehr einige hier über ihm ätzen, desto sympathischer wird er mir. Ich mag kein¨pöbelnder mob der sofort zum Goodwin Punkt geht, wenn es einem nicht passt.
    • Entschuldigung, aber das hat mit Pöbelei und Mob gar nichts zu tun. Im Gegenteil bedient Herr Böhmermann tiefste Pöbelmann-Instinkte, wenn er -zwecks Drücken auf die Tränendrüse- einen Herero ins Studio holt und die Sachebene verlässt, indem er den Diskurs emotionalisieren möchte.

      Wo ist hier genau die Satire? Welcher doppelte Boden, welcher geistreiche Subtext wird hier aufgezeigt? Ein Pöbelmann-Instinkt ist auch jener, aufzuwiegeln und sich aufwiegeln zu lassen.

      „Schaut, sogar sein Anwalt sieht aus wie ein Nazi!“ (und das Publikum, das sich wie Bauern auf Brueghel-Gemälden benimmt, feixt und johlt).

      „Vielleicht hat er weniger mit dem NS zu tun, als angenommen, aber da wir ihn niedermachen wollen, kramen wir einfach noch die Herero hervor!“ (Brueghels lebendig gewordene Figuren feixen und johlen natürlich erneut).

      Tut mir leid, aber der einzige, der den Pöbel zu instrumentalisieren sucht und regelmäßig einen virtuellen Pranger aufstellt, ist Herr Böhmermann.

      Ein Mann, dem es an dem Format und Geist eines Harald Schmidt fehlt und der -zwecks Kompensation seines mangelnden Talents- Aktiönchen plant, sich moralisch profilieren möchte/muss, sich mit seiner Halbbildung zum „Aufklärer“ stilisiert (und das pöbelhafte Bedürfnis nach wegweisenden Instanzen bedient, das zunehmend in der Unterhaltung unter Schauspielern und Punksängern gesucht wird), Lausbubenstreiche spielt und Fäkalgedichte vorlesen muss. Alles, um durch Krawall (und die Sensationslust der einfacher Gestrickten) von dem einen abzulenken: dass er ohne all das keine eigene Sendung stemmen kann und seine ‚Witze‘ niemanden, als ihn selbst, zum schmunzeln bringen.
    • uhugreg wrote:

      Nun, es geht um Kulturgüter die sich im Bundeseigentum befinden (und einige sogar Unesco Weltkulturerbe), also geht es jeden Bundesbürger was an.
      Und genau deswegen ist es Chefsache und wird nicht von irgendeiner untergeordneten Behörde, sondern von der Spitze behandelt. Ziel der Verhandlungen ist ein Vergleich, also eine außergerichtliche Einigung. In solchen Fällen wird per definitionem außerhalb der Gerichte, direkt mit der Behörde bzw. der politischen Ebene verhandelt (darum heisst es auch "außergerichtlich" ). Und immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
    • Herr Böhmermann ist in sofern geistfrei nach meiner Meinung, als ich ihn dafür erachte in jedem System seine speichelleckerische Kunst zu vollführen. Im Sozialismus hätte er es sicher weit gebracht. dass das nicht so weit hergeholt werden muss, macht sein SPD Eintritt deutlich. In der SPD verhöhnt jetzt der eine angeblich andere Menschenrassen und der andere verhöhnt wirklich alle. Diese Gesellschaft konnte sich nicht mal soviel Kultur bewahren, solche Leute, die offensichtlich alles unerwünschte desavourieren, zu verdrängen. Nein sie lässt sie an die Spitze und huldigt ihnen.

      Ich habe mit meinem Sohn (8.Klasse Gymnasium S-At) letztens vor einer Arbeit zur 48-iger Revolution gelernt. Bei seinem Geschichtsbuch dachte ich kurz er hätte sich meines von damals gegriffen. Soviel Hass auf die Monarchie und die Bundesrepublik quasi schon 1848 aus der Taufe gehoben. Mich wundert seit dieser Lektüre garnichts mehr in diesem Zusammenhang. Jeglicher positiver Gedanke zum früheren Herrscherhaus ist dort getilgt.
    • "Naumburg", das ist ja nichts neues.
      In meiner Schulzeit (Westen, also BRD) war es völliger Konsens, dass "Deutschland zwei Weltkriege angefangen" hat. Der Kaiser war, nach Hitler, dabei Hauptschuldiger. Hast du da widersprochen, hattest du nicht nur das Gros der emotional aufgeladenen Mitschüler gegen dich, sondern auch keine Unterstützung der Lehrer, die dich vielmehr zurechtwiesen.
      Heinrich Manns "Der Untertan" gehörte zur Standard-Schullektüre. Als ich, um bestimmte Aussagen während des Unterrichts zu relativieren, eine Informationsbroschüre einer Burschenschaft in den Unterricht mitbrachte, wurde ich umgehend von der Referendarin bei der Lehrerin gemeldet, ich hätte "Propaganda einer paramilitärischen Organisation" gezeigt... :zwinkern:

      Soviel dazu. Sie waren schon damals nicht mit viel Geist gesegnet, dafür aber mit viel innerer Überzeugung. Die Demokratie hat das aber auch nicht weitergebracht.
    • "Snitch". Es geht hier um die Kaiserzeit. Nicht um Hitler.
      Was willst Du erreichen? Unruhe verbreiten? Lust an der Exkommunikation? Den Gang nach Canossa erzwingen mit dem großen "Sorry, sorry, sorry, liebes Forum, war nicht so gemeint, verzeiht ihr"? Brauchst Du das?
      Fang also nicht wieder eine Diskussion an, die ohnehin zur Löschung führt.

      P.S.: Übrigens hast Du gerade eine Ketzertat begangen. Jetzt musst Du sehr vorsichtig sein. Du schreibst vom "Hauptschuldigen", nicht vom "Alleinschuldigen". Das impliziert, dass es noch andere Schuldige gegeben habe. Ganz, ganz dünnes Eis. Könnte in Richtung Verharmlosung gehen.
    • Heimdall wrote:

      eine Informationsbroschüre einer Burschenschaft in den Unterricht mitbrachte, wurde ich umgehend von der Referendarin bei der Lehrerin gemeldet, ich hätte "Propaganda einer paramilitärischen Organisation" gezeig
      Ach mein guter Vater war ja alter Herr. In meinem linken Freundeskreis war er deswegen tatsächlich verpönt. Aber er hat uns junge Leute eingesammelt und zu unterschiedlichen Verbindungsfesten nach München mitgenommen. Für meinen damaligen Freund, der von Burschenschaften überhaupt nichts hielt, war das sein größter Liebesbeweis und er trug zum ersten Mal einen Anzug. Wir hatten viel Spaß zusammen und der eine oder andere lernte sogar den Knotentanz. Eingetreten wäre mein Freund trotzdem nie, da „zu strange.“ Aber er möchte die Erfahrung nicht missen, ich habe heute noch Kontakt zu ihm.
      Nebenbei bemerkt, die Verbindungshäuser sind traumhaft schön.


      Naumburg wrote:

      Jeglicher positiver Gedanke zum früheren Herrscherhaus ist dort getilgt.
      Ganz kurz zu den Hohenzollern. Ich habe mich erst hier mit den Hohenzollern befasst. Ich kann mich nicht erinnern, in der Schule je von ihnen gehört zu haben. Meinen Sohn (G8-Schüler) fragte ich auch, ob er die Hohenzollern kennen würde? O-Ton: „ ja, vom Namen her“.

      Nebenbei bemerkt, historische Romane wurden in der Schule nie gelesen. Es gab nur zeitgenössiches Deprimierendes: Rolltreppe abwärts, Frag mal Alice, mit einem Bein am Leben, Niemand darf Dich hören, Heller Blitz und stummer Donner, die Welle, die letzten Kinder von Schewenborn,...etc. Zwischendurch hätte ich gerne Bücher von Terry Prachett gelesen. Das war nicht erlaubt und so las ich sie nebenher... Später las ich die Bücher von Stefan Zweig, erst da begriff ich wie spannend Geschichte sein kann.