Bietigheim -Hornmoldhaus, Rekonstruktion der Fenstererker

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    • Bentele wrote:

      Sind mit den „stark geschmückten“ Fenstererkern der Zeit der Renaissance, also bis zum Dreißigjährigen Krieg, nur die „Rhein nahen“, also vor allem elsässischen gemeint?
      Ja, die meinte ich. Es ist einfach eine Feststellung aufgrund der Bilder hier im Forum, die ich gemacht habe.

      Bei Bauten mir reichem Zierfachwerk sehen einfache (rekonstruierte) Fensterterker ein bisschen fad aus. Von daher frage ich mich, ob am Hornmoldhaus so einfache Erker wie im Modell die Richtigen sind. Man müsste gezielt nach Fenstererkern aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts suchen.

      Ein Fenstererker ist mir In Limburg an der Lahn aufgefallen, dort aber eher als exotisches Exemplar; auch über das Alter kann ich nichts aussagen: Fachwerkbauten in Limburg an der Lahn, Bilder 90 und 91.

      Vor allem müsste als erstes eine allfällige Baudokumentation über die Restaurierung des Hornmoldhauses gesichtet werden, welche die Befunde an den noch nicht restaurierten Fassaden festhält. Da muss doch irgendwo was vorhanden sein in einem Archiv.

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    • Mit einem kleinen Gang durch das Haus will ich zeigen, wofür die Fenstererker die Fassaden verschönern sollen.
      Im Unteren Ern (schwäbisch/fränkisch für Flur) schauen diese Grotesken auf den Besucher herab und sollen ihn möglicherweise einschüchtern auf seinem Weg zur Obrigkeit. Für den unteren Ern und das Erdgeschoss - es handelt sich um ein gestelztes Haus, d.h. das Erdgeschoss war nicht bewohnt - konnte ich die Zeit um das Jahr 1557 für die Ausmahlung erschließen. Im Erdgeschoss war eine "Weinhantierung, Hornmold war Weinhändler, die Staatsämter waren zumindest dem Wesen nach Ehrenämter.

      Die Bilder sind alle von mir




      Zwei eindrucksvolle Fratzen





      Diese Mischwesen aus Pflanze und Mensch nennt man nach den Grotti in Rom, wo in der Casa Aura des Nero, seinem Palast, zuerst solche Mischwesen gemalt gefunden wurden, Grotesken. Sie verbreiteten sich als Dekor damals rasch über das ganze Abendland. Wobei sich die verschiedensten Wesen mischen konnten - eine Sphinx ist letztlich auch eine Groteske. Wenn in der Literatur Dinge zusammengebracht werden, , die nicht zusammen gehören, so nennt man das in Anspielung auf den Ursprung ebenfalls grotesk.





      Im Südteil des unteren Erns finden sich bemerkenswerte florale Muster, insofern bemerkenswert, als sie über die Randlinien hinüber gemalt worden sind. Nicht durch Zufall oder Pfusch, sondern offensichtlich absichtsvoll an vielen Stellen und auf jeden Fall mit Zustimmung des Auftraggebers. Sollte jemand irgendwo Ähnliche entdeckt haben, dass Renaissance-Ornamente die Rahmung durchbrechen, wäre das für mich von größtem Interesse.






      Weiteres folgt
    • Riegel wrote:

      Bentele wrote:

      Sind mit den „stark geschmückten“ Fenstererkern der Zeit der Renaissance, also bis zum Dreißigjährigen Krieg, nur die „Rhein nahen“, also vor allem elsässischen gemeint?
      Ja, die meinte ich. Es ist einfach eine Feststellung aufgrund der Bilder hier im Forum, die ich gemacht habe.
      Bei Bauten mir reichem Zierfachwerk sehen einfache (rekonstruierte) Fensterterker ein bisschen fad aus. Von daher frage ich mich, ob am Hornmoldhaus so einfache Erker wie im Modell die Richtigen sind. Man müsste gezielt nach Fenstererkern aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts suchen.

      Ein Fenstererker ist mir In Limburg an der Lahn aufgefallen, dort aber eher als exotisches Exemplar; auch über das Alter kann ich nichts aussagen: Fachwerkbauten in Limburg an der Lahn, Bilder 90 und 91.

      Vor allem müsste als erstes eine allfällige Baudokumentation über die Restaurierung des Hornmoldhauses gesichtet werden, welche die Befunde an den noch nicht restaurierten Fassaden festhält. Da muss doch irgendwo was vorhanden sein in einem Archiv.
      Es leuchtet ein, dass bei so kunstvollem Fachwerk wie das des Hornmoldhauses die Fenstererker wahrscheinlich nicht schmucklos waren. Wie das aber hätte aussehen können, dazu müssten tatsächlich erst viele Beispiele aus unserer Gegend gesammelt werden.

      Archivalisch können die wohl schon im 18. Jhd. entfernten Erker am Hornmoldhaus nicht erschlossen werden: Die Rekonstruktion wird also doch wohl schlicht sein müssen.
    • Nun habe ich eben im Link freundeskreis-hornmoldhaus.de/galerie/ (6. Bild) eine Innenaufnahme der Bohlenstube im 1. Obergeschoss gefunden. Also auch von Innen sehen diese Zwillingsfenster völlig unpassend aus!

      Bentele wrote:

      Die Fensterker im Hornmoldhaus wurden als solche bei der Restaurierung des Hauses nachgewiesen, auch ihr Umfang, aber keine Details,
      Da muss ich jetzt nochmals nachhaken: Gibt's denn keine Doku (Manuskript) beim Landesamt für Denkmalpflege, beim damals ausführenden Architekten oder beim Bauforscher, der die Fassaden untersucht hat? Diese Resultate würden mich interessieren; wahrscheinlich waren es noch kleine Balkenreste, die überdauert hatten, oder Farbnegative auf den Eck- und Bundständern.
    • Ich kann dem nur zustimmen: Bohlenstuben brauchen Fensterbänder und nicht diesen Pfusch! Auch eine räumliche Absetzung.

      Ich habe damals den Abbruch der beiden alten Außenwände - nicht mehr der originalen von 1536 - genau verfolgt, es gab noch Balkenschlitze in einem erhaltenen Eckständer für die Bohlenwände und, ich meine, auch Reste alter Riegelansätze.

      Mit dem sehr behutsamen und einfühlsamen Architekten der Restaurierung Hans Noller bin ich in Kontakt.

      Wir wollen gemeinsam die Befunde durchsehen, die er alle in seinen Akten aufbewahrt hat. Ich glaube aber nicht, dass wir etwas über Schmuck oder gar Schmuckformen finden. Im Inneren der Stube war die Balkenbohlendecke noch perfekt und die Bohlenwände in umfangreichen Flächen erhalten, leider die wohl sehr schöne Bemalung überall bis auf geringe Reste abgezogen. Rekonstruieren ließen sich übereinanderstehende Bogenfelder und darin geringe Reste von Arabesken.

      Die beiden Außenwände waren nicht mehr original erhalten.

      The post was edited 1 time, last by Bentele ().

    • Der obere Ern war die "Chefetage", hier finden wir besonders reiche Ausstattung mit Malereien. Dieser Teil des Hauses wurde 1575 ausgemalt, im selben Jahr, als das Sommerhaus errichtet worden ist. Diese Ausmalung hält sich noch ganz an die Konstruktionsvorgaben: Gebälk als Grundlage des Systems - Begleitlinien und Ausmalung von Gefachen.

      Um 1620 wurden die Türumrandungen dazu gefügt. Sie halten sich nicht mehr an die Konstruktion, überdecken zum Teil frühere Bemalungen und sind bereits ganz frühbarocke illusionistische Architekturmalerei. Fruchtgirlanden und Ähnliches machen den barocken Charakter perfekt.














      An einem Ständer findet sich ein bärtiger Kopf, dem von der gegenüberliegenden Seite die Sonne ins Gesicht scheint. Die besondere Lage am Kreuzungspunkt des Treppenhauses und die Sonnensymbolik legt die Vermutung nahe, es handle sich um den 75jährigen Sebastian Hornmold



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    • Zur Ergänzung den Blick in den Oberen Ern, den man leider nicht besser bekommt. Man sieht hier nur etwa die Hälfte, die Lichtkästen sollte man sich wegdenken, die Höhe ist einiges größer, als es aussieht.

      Es ist übrigens deutlich erkennbar, dass die Fensterzwillinge trotz äußeren Fassaden-Zierfachwerks 1536 noch ganz alemannisch zwischen Kopf- und Brustriegel eingespannt sind. Das Material der Bodenplatten entspricht den aufgefundenen Originalplatten, nur waren die viel kleiner.

    • Diese Ausmalung könnte man schon beinahe 'Pop-Art' nennen! Ich entdeckte mal einen ehemaligen Saal in einem Bürgerhaus von 1563 (St. Gallen, Spisergasse 19) mit einer Mitte des 17. Jahrhunderts ausgemalten Decke mit den Massen von acht auf zehn Metern. Die Balken und Bretter waren blau gestrichen und mit weisser und schwarzer Farbe Jagdszenen und Embleme dargestellt. Die Balken waren mit wilden Fruchtgirlanden und Vögeln bemalt. Von den 24 Feldern war ein Drittel noch in Situ, einen Sechstel fand ich im Estrich des Museums (seit 1903 dort eingelagert, aber nicht beschriftet) und die Hälfte fehlte.

      Freilich wurde der Saal nicht wiederhergestellt, aber ich überlegte mir, wie man mit den fehlenden Stellen bei einer Restaurierung umgehen würde. Ich hätte einen Art-brut-Künstler angestellt, der mit denselben Farben und Pinselbreiten eine wilde Malerei kreieren hätte können. So wäre das Bild des Saales wiedergewonnen worden, und erst bei näherem Hinsehen hätte man bemerkt, dass es sich zum Teil um eine moderne Malerei handelt.

      Bentele wrote:

      Es ist übrigens deutlich erkennbar, dass die Fensterzwillinge trotz äußeren Fassaden-Zierfachwerks 1536 noch ganz alemannisch zwischen Kopf- und Brustriegel eingespannt sind.
      Und genau hier vermute ich, dass die beiden Felder über dem Fenster ursprünglich Oblichter waren. Solche Befunde müssten sich an der Unterseite der Rähme befunden haben, trotz rigoroser Erneuerungen im 18./19. Jahrhundert. Ich dokumentierte solche Fensteröffnungen mit Kreuzstöcken an Burggraben 23 in St. Gallen, bei dem nur ein Teil der Oblichter wieder ausgebrochen wurde. Bei den Zugemauerten sieht man teilweise, dass dort die Balken jeweils auf einer Seite 3 cm schmaler sind, weil der Falz für das Oblicht-Vorfenster (Kastenfenster) durch den Gefachverputz zugedeckt ist.

      Bei Salzgasse 21 in Limburg an der Lahn erklärte ich diese Zusammenhänge von Balkenbreiten und Ladenfälzen auch.

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    • Der Fronhof in Epfenbach von 1718 zeigt sehr schön, wie aus dem im Süden verbreiteten alemannischen Fenstererker mit umlaufenden Fensterband in späterer Zeit und neuer, vom Barock beeinflusster Ästhetik zwei fränkische Erker geworden sind, die als architektonische Schwerpunkte sich geradezu für Zierat anbieten und hier zu kleinen dem Ganzen dienenden Kunstwerken geworden sind. Wann das aber einsetzt und wie es sich bereits über hundert Jahre zuvor anfängt zu gestalten - dazu nächstens mehr.

      Es wird auch nötig sein, wie Riegel sagt, Beispiele ohne Ende zu sammeln, die nicht auf Rekonstruktionen beruhen. Wer hilft mit?
      Die ästhetischen Hintergründe könnte Seinsheim sicher besser erfassen als ich

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    • Fenstererker am Grolandhaus, Nürnberg Ende 15. Jhd.

      Noch ist in der Form der alemannische Erker dominierend, aber bereits tauchen erste Ornamente auf, Eierstab im oberen Rähm und geschnitzte Konsolen. Beides dürfte aus der Zeit sein. Inwiefern es ursprünglich noch eine Bohlenwand als Grundlage eines nicht mehr vorhandenen umlaufenden Fensterbandes gab, ist mir unbekannt. Auch werden die Fenster mit ihren Läden im Laufe der Zeit ursprüngliche Schiebefenster ersetzt haben. Dennoch scheint dieser Erker Riegel recht zu geben, der Schmuckformen auch an traditionellen alemannischen Erkern vermutet.

      Leider konnte ich kein besseres Foto auftreiben.

    • Ein wirklich traumhaftes Fachwerkhaus, das Hormoldhaus in Bietigheim-Bissingen! Und diese großartigen Innenmalereien, aus dem 16-17. Jh., ein Gedicht, sind die wirklich alle original erhalten?

      Zum Thema Fentserker in der Region Niederschwaben fallen mir auch ein paar Bsp ein. Das Rathaus von Großbottwar zb hat im dritten Obergeschoss mehrere schlichte Fensterker in "alemannischer Tradition". Sie sind aber auch das Ergebnis einer Rekonstruktion während der Renovierung 1984-86:

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      Vorzustand ohne Fenstererker mit fränkicher Gefügeordnung:


      geo.hlipp.de/photos/08/15/081572_172101be.jpg


      Am Marktplatz des selben Ortes, die Stadtschänke von 1434 mit einfachen alemannischen Fenstererkern an der Bohlenstube:


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      Siehe auch Großbottwar (Galerie)


      In Dettingen/Erms der Zwiefaltener Hof aus dem 16. Jh. Im 1 OG in der Mitte ein fränkischer Fenstererker:


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      Rechts angeschnitten:


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      Siehe auch Dettingen an der Erms (Galerie)


      In Sindelfingen, in der kleinen aber feinen Altstadt finden sich noch einige alemannischer Fenstererker:


      Untere Burggasse 3 (Mein Profilbild)


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      Rechter Nachbar, untere Burggasse 5 ganz rechts:

      stadtbild-deutschland.org/bild…7/IMG_20150827_134519.jpg


      Haus am Hexensprung, Hintere Gasse 9 mit Bohlenstube:

      stadtbild-deutschland.org/bild…7/IMG_20150827_135058.jpg

      stadtbild-deutschland.org/bild…7/IMG_20150827_135203.jpg



      Une eher fränkischere Exemplare:

      Hintere Gasse 5:

      stadtbild-deutschland.org/bild…7/IMG_20150827_134913.jpg

      Kurze Gasse 2:

      stadtbild-deutschland.org/bild…7/IMG_20150827_135712.jpg

      Corbeil-Essonnes-Platz 9 (wohl erneuert?)


      stadtbild-deutschland.org/bild…7/IMG_20150827_142208.jpg

      Siehe auch Sindelfingen (Galerie)
    • Hier noch einmal der Obere Ern, jetzt in besserer Sicht (aus meinem Buch: Fachwerkhäuser im Kreis Ludwigsburg, Bietigheim 1981, Fotos von Alfred Drossel)

      Ich mache auf ein Detail aufmerksam: Die meisten Rosetten zeigen in der Mitte den Blütenstempel. Das Hornmoldhaus hat im Oberen Ern und in der Sommerstube diese rare Form der Rosetten gemeinsam mit dem Goldenen Saal im Schloss der Württembergischen Grafen und Herzöge in Urach. Dort allerdings ragen sie in aufwendiger Arbeit vollplastisch aus der Wand und sind vergoldet.

      Ich denke, dass dies ein guter Beleg dafür ist, wie die Großbürger bei der Ausstattung ihrer Häuser die Residenz ihrer Herren und Arbeitgeber zum Vorbild nahmen. Insofern mag das Hornmoldhaus auch eine gewisse Ahnung bieten von den fast ganz verlorenen Räumen des Alten Schlosses in Stuttgart.

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    • @Fachwerkliebhaber Die Frage nach der Erhaltung der Malereien ist berechtigt und wichtig.

      Ich war beim Aufdecken der Malereien und ihrer Restaurierung fast täglich dabei. Das ausführende Restauratorenehepaar Malek nahm mich als „Befundzeugen“, nachdem ich aufgrund gewisser Beobachtungen die Suche nach Malereien überhaupt erst initiiert hatte, gegen die Meinung des Landesdenkmalamtes. Auch wurden die zutage tretenden Befunde in unzähligen Fotos auch beim Landesdenkmalamt festgehalten.

      Die Malereien, wie sie sich nach der Restaurierung darstellen, sind an keiner einzigen Stelle erfunden, sondern entsprechen korrekt dem Befund. Selbstverständlich gab es im Laufe der Jahrhunderte Beschädigungen und Verluste. Traten solche im Rapport von Ornamenten auf oder in symmetrischen Bezügen, so konnte leicht erschlossen werden, wie das Fehlende ausgesehen hatte: Hier durfte rekonstruiert werden.

      Fehlten Stellen, zu denen es keine Entsprechungen gab, wurde die Stelle leer gelassen - z.B. fehlte eine Rosette, so blieb die Stelle leer, weil es keine zwei völlig übereinstimmende Rosetten im Haus gibt. Auch die Kreisflächen in den gemalten Portalen mussten mangels Belegen leer bleiben, möglicherweise waren hier klassische Köpfe wie an der Westwand des Oberen Erns. An dem Grundsatz, nur das Nachweisbare zu zeigen, wurde mit größter Strenge festgehalten. Musste ein bemalter Balken ausgewechselt werden, so wurde die Bemalung auf den neuen Balken übertragen; die Farbpigmente, meist Ockererden, gibt es heute noch, gemalt wurde wie damals mit Kalk-Kasein-Farben.
      Da man die Bemalung der Türen nicht kannte, wurden sie zunächst leer gelassen, was aber die Raumwirkungen zerstörte. Nachdem man die Bemalung der Türe zur Sommerstube freigelegt hatte, diente ihre Außenseite als Vorbild vorsichtiger Rekonstruktion.

      Im Haus findet man immer wieder unrekonstruirte Stellen an den Wänden als Belege für die Zuverlässigkeit der Restaurierung.

      Dennoch wurden Fehler gemacht: Rekonstruierende Ergänzungen wurden oft nicht, wie das heute Standard wäre, durch die Art des Farbauftrags kenntlich gemacht, wodurch der Eindruck von einer Perfektion der Malereien entsteh, wie sie nach Jahrhunderten nicht sein kann. Auch sind viele wunderbar farbkräftige Befunde, vor allem am Gebälk im Zuge der Restaurierung übermalt worden. Dies gilt nicht für die Deckenfelder im ganzen Haus und in der Sommerstube. Hier wurde nichts übermalt.

      Insgesamt darf man sagen, dass die Malereien im Hornmoldhaus dem entsprechen, was ein Besucher im Jahre 1625 sehen konnte.

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    • Hier ein Beispiel von Fenstererkern aus meiner alten Heimatstadt Tauberbischofsheim.

      M. E. handelt es sich um zwei Fenstererker im 1. Obergeschoss eines sehr schönen und reich gestalteten Fachwerkhauses aus der Renaissance.Das Haus steht in der St.-Lioba-Str. (vor 1955 : Pfarrgasse). Vielleicht waren bei dem Zwillingsfenster links früher Schiebefensterläden angebracht. Das Fachwerk wurde anlässlich der 1200-Jahr-Feier von Tauberbischofsheim im Jahre 1955 freigelegt.

      Es gibt in "Büscheme" noch das Jägerhäusle von 1612, das zum Schloss gehört. Dort sind an den Fenstererkern als Konsolen bärtige Männerköpfe geschnitzt. Leider habe ich jedoch keine Nahaufnahme davon.
      Deshalb derzeit nur das obige Beispiel von Fenstererkern aus der St,-Lioba-Straße in TBB:




      Hier als Ausschnitt aus dem obigen Bild zur Verdeutlichung die beiden Fenstererker:

      The post was edited 1 time, last by Villa1895 ().

    • Ich möchte hier die Bietigheimer Fensterker versammeln
      Die Schieringerstraße mit dem Kameralamt links angeschnitten.

      In der Hauptstraße das Wohnhaus des Bietigheimer Malers und Kupferstechers Conrad Rotenburger, gest. 1630. Er hat mit seinen Biblischen Summarien ein sehr kurioses Werk geschaffen mit 1444 kleinformatigen Radierungen, die begleitet werden von zweizeiligen gereimten Sinnsprüchen in emblematischer Form. Er hat auch während der ersten Jahre des 30jährigen Kriegs eine Chronik der Kriegs- und Wetterereignisse geschrieben, voll angeblich übernatürlicher Erscheinungen.



      Die alte Bietigheimer Lateinschule wurde 1476 errichtet als Stadthaus des Ritters Georg von Nippenburg des Reichen, der im Wehr der Bietigheimer Enzbrücke von 1460 das Floßloch als Privileg hatte. Nach seinem Tod erwarb Sebastian Hornmold weitblickend das große Haus und richtete die bis dahin winzige Lateinschule darin ein.

      Die Fassade zur Stadt ist nach Befund-Resten rekonstruiert samt einem umlaufenden sehr repräsentativen Fenstererker, wie er 1476 hätte aussehen können.

      The post was edited 5 times, last by Bentele ().

    • Die „ Versammlung“ ist noch nicht ganz gelungen. Hier eine Ergänzung:

      Schieringer Straße, das graue Haus im Hintergrund. Hier waren die Fenstererker in beiden Geschossen dokumentiert durch jeweils eine Konsole im Eckständer und Resten offenbar einer ähnlichen Konsole in den Bundpfosten. Die mit Resten von Zahnschnitt und weiteren Ornamentresten beschnitzten Konsolen verraten, dass die Erker des Hauses, wohl Mitte des 16. Jhd. mit Schmuckwerk verziert waren. Man hat sie dennoch in dieser schmucklosen Weise rekonstruiert, die wohl heute eine Art Standard darstellt.



      Das rote Haus, Kachelsches Haus, in der Mitte ist kurz nach dem Hornmoldhaus errichtet worden. Es ist ähnlich wie das Hornmoldhaus ausgemalt, in ähnlichem Umfang, aber bis auf wenige Details von weit geringerer Qualität. Der gute Herr Kachel hat, so scheint es, alle Verschönerungen ein Jahr später abgeguckt und bei sich nachgemacht.

      Die Fensterker sind Rekonstruktionen, der Umfang richtet sich nach Eck- und Bundpfosten

    • Bentele wrote:

      Rekonstruierende Ergänzungen wurden oft nicht, wie das heute Standard wäre, durch die Art des Farbauftrags kenntlich gemacht, wodurch der Eindruck von einer Perfektion der Malereien entsteh, wie sie nach Jahrhunderten nicht sein kann. Auch sind viele wunderbar farbkräftige Befunde, vor allem am Gebälk im Zuge der Restaurierung übermalt worden.
      Aber das Ganze wirkt durch die verwendeten Farben und Pigmente trotzdem sehr authentisch! Bei dieser Menge an geometrischen Mustern und Begleitlinien mag es diesen Umgang meiner Meinung nach leiden. Bei der figürlichen Malerei hat man die Ursprungsfassungen respektiert.

      The post was edited 1 time, last by Riegel ().