• Wer glaubt, dass jeder einzelne Baum in einer Stadt heilig ist, versteht etwas anderes unter Stadt als ich. Es werden ja für jeden gefällten Baum locker zwei neugepflanzt. Auch auf dem Krankenhausgelände wurde sich extreme Mühe gegeben, möglichst alle Interessen unter einen Hut zu bekommen......


    Sogar an dem unfassbar hässlichen fast noch postbrutalistischen Bundesbankgebäude in der Kohlhökerstraße hängst Du, nur weil Du keine Neubebauung von Wohnungen in dem Bereich willst und obwohl der Neubau mittlerweile soweit gestutzt wurde, dass er fast gleich hoch ist wie der Bestandsbau. Das ist auch das Verdienst der Bürgerinitiative dort, wobei bei mir da immer ein schaler Nachgeschmack bleibt, wenn die maximal etablierten Herren Anwälte, Lehrer und Ärzte aus der Kohlhökerstraße in ihren millionenschweren Altbauten nun an ihre Spontizeiten zurückdenken und dringend nötigen Wohnungsbau im Ostertor verhindern. Vielleicht wähl(t)en diese Leute auch die Grünen, aber ich bin froh, dass die Grünen etwas realistischer geworden sind. Im Prinzip finde ich die Fundamentalopposition gegen Neubauten in etablierten Wohngebieten, das NIMBYtum, wirklich unverständlich. Im Prinzip ist dieser Konflikt ein kleiner Krieg der Besitzenden gegen die Nichtbesitzenden.

    Schon als Kind hatte ich eine intensive Beziehung zu Bäumen. Wir wohnten in der Nähe eines Mischwaldes und große Teile meiner Freizeit verbrachte ich dort. Sogar der Geruch der Nadelbäume ist mir heute noch als Erinnerungsspur gegenwärtig. Das hatte sich auch nicht geändert, als ich älter wurde. Mein Faible für die Grünen hing mit der Hoffnung zusammen, dass Bäume anständig behandelt werden. Das waren für mich die Baumschützer. Werden Bäume gefällt, geht es mir nicht gut. Aber das Schicksal teile ich glücklicherweise mit sehr vielen Menschen. In jeder Stadt regen sich Leute auf, wenn Bäume gefällt werden. Aber bei meinem Bedauern über den Verlust von Bäumen in Vegesack ging es auch um die Widersprüchlichkeit der Grünen.

    Pro Minute verliert die Welt eine Fläche von 27 Fußballfeldern. Und während Bremen unter grüner Führung abholzt, forstet Niedersachsen auf. Da will Bremen natürlich nicht nachstehen. Das Umweltressort will nun 20 ha neue Baumflächen in Bremen schaffen. Grundstücke werden gesucht bzw. vorgehalten. Da fass ich mich nur noch an den Kopf. In dichtbesiedelten Gegenden wie das Viertel oder auch in Vegesack werden viele Bäume gefällt, um dann anderswo wieder aufzuforsten? Da sollte man doch die Bäume gleich da lassen, wo die Menschen wohnen. Gerade große, alte Bäume sind ideale CO2-Speicher. Da kann man nicht mal eben 2 Jungbäume pflanzen.


    Bäume haben auf Menschen eine gesundheitsförderliche Wirkung. Umweltpsychologen haben hier geforscht. Wenn Krankenhauspatienten durch das Fenster Bäume sehen, werden sie schneller gesund und brauchten weniger Schmerzmittel als Personen, die auf Betonwände starrten. Bäume wirken blutdrucksenkend und bauen Stress ab (Cortisolstatus). Schon ein Baum im Garten wirkt beruhigend. Unser Denken und unsere Stimmung werden bei einem Aufenthalt in der Natur positiv beeinflusst, die Forschungsergebnisse der Amerikaner Frances Kuo und William Sullivan haben ergeben, dass sich in Innenstadtbezirken mit Grünanlagen Menschen sicherer und wohler fühlen. Sie reden mehr miteinander und lernen sich besser kennen. Bäume, kleine Parks oder Gärten sind also gute Voraussetzungen für Wohngebiete. Gerade dort wirken sie kommunikationsfördernd. Man sollte, um noch mal zum Thema Nord zurückzukommen, lieber die Gebäude etwas höher bauen (z. B. durch Walmdächer) und dann im Krankenhausgarten auf eine Abholzung verzichten.


    Mir ist nicht klar, was Du gegen meine Kritik an den Gebäuden hast. Um ein GEFÄLLT MIR zu bekommen, hätten nur zwei Bedingungen erfüllt werden müssen: unterschiedliche Gestaltung der 6 Gebäude statt Gleichförmigkeit. Und Walmdächer statt Flachdächer.


    Was das Krankenhauses Mitte angeht, so sollten wir die Diskussion nicht hier, sondern im entsprechenden Strang weiterführen. Jetzt antworte ich darauf, dann wieder Du, es entstehen immer neue Schleifen, die mit dem Thema dann nichts mehr zu tun haben.


    Nun zu Deinen Ausführungen zum Bundesbankgelände: ich glaube, ich war wohl der Erste, der hier im Forum dazu einen kritischen Beitrag gebracht hat und zwar im Zusammenhang mit dem Abriss der Villa von Franz Schütte, Bremens größtem Mäzen. Ich habe mich, als ich im Ostertor wohnte, über das Gebäude schon geärgert, da wusstest Du noch nicht mal, dass Du einst in Bremen wohnen wirst. Ich dachte seinerzeit: wie kann man so einen Klotz, der die rückwärtigen Wohnhäuser total verschattet, in eine Wohnstraße setzen. Warum baut man Wohnhäuser am lauten und emissionsstarken Rembertiring, während das Bankgebäude in Ruhe vor sich hindümpelt? Warum baute man das Bundesbankgebäude nicht am verkehrsreichen Rembertiring, auch als Lärmschutz? Die Bremer Stadtplanung ist mir nach wie vor ein Rätsel.


    "Sogar an dem unfassbar hässlichen fast noch postbrutalistischen Bundesbankgebäude in der Kohlhökerstraße hängst Du". Das ist natürlich totaler Quatsch!!!

    Du bist schnell dabei mit Unterstellungen, z. B. auch, als Du andeutetest, ich hätte extra ein älteres Foto vom Hochhaus genommen und nicht die neuere Version mit den etwas niedriger gehaltenen Bauten. OK, als Anhänger des positiven Denkens wirst Du es mir nicht Übel nehmen, wenn ich sage, Deine falschen Meinungen sprechen doch für eine sehr phantasievolle Persönlichkeit. Und das ist doch positiv, oder.

  • War vielleicht etwas scharf geschossen, findorffer, nichts für ungut. Mich wundert nur manchmal, was denn für Dich mal akzeptabel wäre. Wenn man eine Skala von -10 (ganz schlimm) bis + 10 (unglaublich gut) nehmen würde, habe ich das Gefühl, dass Du Dich ausschließlich im Bereich zwischen -8 und -10 aufhältst bei den Dingen, die architektonisch in unserer Stadt seit 1920 passiert sind.


    Grundsätzlich ist es natürlich auch gut, wenn mal jemand Tacheles redet, aber für mich persönlich wäre das einfach nichts. Dafür bin ich zu sehr Optimist und sehe auch ein paar moderne Projekte ganz positiv. Gerade bei diesen Umnutzungen unter Erhalt der Altbebauung steht Bremen eigentlich ganz gut da, finde ich, dazu zählen das Tabakquartier, die Überseeinsel, das Hachez-Gebiet und auch das Areal des Klinikums Bremen-Mitte.


    Aber Du hast natürlich recht, dass das nicht in diesen Strang gehört.

  • War vielleicht etwas scharf geschossen, findorffer, nichts für ungut. Mich wundert nur manchmal, was denn für Dich mal akzeptabel wäre. Wenn man eine Skala von -10 (ganz schlimm) bis + 10 (unglaublich gut) nehmen würde, habe ich das Gefühl, dass Du Dich ausschließlich im Bereich zwischen -8 und -10 aufhältst bei den Dingen, die architektonisch in unserer Stadt seit 1920 passiert sind.


    Grundsätzlich ist es natürlich auch gut, wenn mal jemand Tacheles redet, aber für mich persönlich wäre das einfach nichts. Dafür bin ich zu sehr Optimist und sehe auch ein paar moderne Projekte ganz positiv. Gerade bei diesen Umnutzungen unter Erhalt der Altbebauung steht Bremen eigentlich ganz gut da, finde ich, dazu zählen das Tabakquartier, die Überseeinsel, das Hachez-Gebiet und auch das Areal des Klinikums Bremen-Mitte.


    Aber Du hast natürlich recht, dass das nicht in diesen Strang gehört.

    Jeder kann Projekte kritisieren, ohne gleich eine Alternative zu liefern oder liefern zu wollen. Jeder kann bestimmte Entwicklungen im Gesundheitssystem kritisieren, ohne gleich ein Medizinstudium absolviert zu haben. Jeder kann die Entscheidungen der Vereinsführung und die Spieler von Werder Bremen kritisieren, ohne gleich selbst auf eine Fußballkariere zurückschauen zu müssen. Und jeder kann insbesondere bei der Architektur eine kritische Haltung einnehmen.


    Was mich betrifft, so habe ich ja auch ein Gebäude in der Neustadt an der Kleinen Weser ganz gut gefunden. Mir gefiel, dass ein Satteldach und rote Klinker verwendet wurden. Eigentlich nichts Großartiges (solche Bauten gibt es in Bremen auch seit den 1920er-Jahren. siehe Beispiel Gröpelingen, von Dir mal vorgestellt. Auch die gefallen mir). Wer hat nun meine positive Einlassung zu diesem Bau kritisiert? Nein, nein, nicht die Schweizer, sondern der Heinzer. Tja, wenn man schon mal über seinen Schatten springt....................


    Was spricht dagegen, beim Hartmannstift eine andere Position einzunehmen? Meine wäre gewesen:


    - keine Flachdächer

    - unterschiedlich Gestaltung der Blöcke

    - erhalt des Krankenhausgartes aus den oben schon geschilderten Gründen.


    Nun scheint es aber so, dass der Krankenhausgarten ein Problem für den Investor -der Gewoba, die übrigens mehrheitlich in Bremer Eigentum - ist. Wie das? Nun, unter Investitionsgesichtspunkten liegt der Krankenhausgarten südlich., und das bedeutet V e r s c h a t t u n g. Dabei werben doch die Baugesellschaften und Makler immer mit sonnigen Balkons als Urlaubsersatz. Also weg damit.


    Hätte man es besser machen können? Ich meine JA. Statt 6 Haus-Riegel nur 4, die Grünanlage bliebe erhalten. Der Investor muss natürlich wirtschaftlich auf seinen Schnitt kommen. Die restliche 4 Riegel bekommen eine Etage mehr plus das von mir schon erwähnte Satteldach. Das wäre doch eine Lösung gewesen, mit der auch Kritiker leben könnten. Die müsste man dazu - mit ihren vielen Ideen - auch einladen. Läuft hier aber nicht in Bremen.


    So, das war jetzt ein ganz konkretes Beispiel aus dem Bremer Norden. Allgemein ist zu sagen, dass ich mit der gesamten ungeliebten Moderne, bis auf solitäre Ausnahmen, ästhetisch nichts anfangen kann. Immer, wenn ich durch die Überseestadt gefahren bin, habe ich schlechte Laune danach. Woran das wohl liegt? Und dass so gebaut wird, soll alles nur an der Bauordnung liegen? Mir passt nicht, dass so einem ehrwürdigen Gebäude wie dem alten Wasserturm auf die Pelle gerückt und meist noch von den Architekten bejubelt wird, die sich dafür dann irgendeinen Euphemismus ausdenken.


    Mir gefällt, wie sensibel in Lübeck mit Satteldächern und Klinkern gebaut wird. Auch am Dresdener Neumarkt entsteht Gutes. Man lässt sich hier auf einen Ort ein, das hätte man auch noch mehr beim Hartmannstift machen sollen.


    Ich selbst mag auch ganz gerne moderne Hochhäuser, wie wir sie in Bremen zurzeit in der Überseestadt entstehen. Aber nicht alle dort. Aber Hochhäuser brauchen auch einen geeigneten Standort. Die Überseestadt passt, das Unigelände auch. Aber bestimmt nicht die Bremer Innenstadt oder das Viertel. Da sollte man sich an den historisch übermittelten Traufhöhen orientieren.


    Na, was meinst Du, Heinzer - alle Klarheiten beseitigt.................

  • Der Bahnhof Blumenthal


    Das Bahnhofs-Empfangsgebäude an der Landrat-Christians-Straße in Blumenthal ist im Mai 2021 zum Kulturdenkmal erklärt worden. Er wurde 1888 errichtet. Im Gutachten zum Denkmalwert heißt es: "Der Bahnhof ist ein anschauliches Zeugnis der Verkehrsgeschichte des Landes Bremen im Allgemeinen und der Ortsgeschichte Blumenthals im Besonderen, da der Anschluss an das Bahnnetz die städtebauliche Entwicklung des Ortsteils von einer eher ländlich geprägten Gemeinde zu einem Industriestandort maßgeblich befördert hat." Neben seinem orts- und verkehrsgeschichtlichen Wert sei das Bauwerk weiterhin eine städtebauliche Dominante im historischen Zentrum von Blumenthal. Der prominente Standort und die zeittypische Gestaltung des Bauwerks seien ortsbildprägend.



    Zu sehen ist der Bahnhof, ein Schuppen und am Ende ein Anbau. Alles passt harmonisch zusammen. Es sieht sehr idyllisch aus. Leider entspricht das nicht mehr der heutigen Wirklichkeit. Ein Investor hat die beiden Gebäude rechts gekauft und tut das, was ein Investor so macht: er investiert, um einen Mehrwert zu erhalten. Da freut sich die Politik natürlich, aber das Gebäudeensemble, welches so wunderbar zusammenpasste, das gibt es danach nicht mehr.



    So wird das zukünftig aussehen:



    Ich kann mir nicht helfen, der Bahnhof wirkt mit dem Neubau schwachbrüstig, hat seine herausragende Stellung verloren und rückt nun durch das neue, glatte Gebäude in die zweite Reihe der Aufmerksamkeit. Der Neubau drängt sich zu sehr in den Vordergrund, dabei hat er ästhetisch nichts zu bieten. Wo vorher eine Einheit bestand, ist diese Einheit, trotz der roten Klinker des Neubaus, verloren gegangen. Die beiden vorherigen Anbauten hatten wenigstens noch flachte Sattel-/Walmdächer, aber kein Flachdach.


    Dies ist ein gutes Beispiel, wie durch eine Neubebauung neben einem historischen Gebäude mit den Mitteln der modernen Architektursprache dieses historisches Gebäude beschädigt werden kann. Die Wirkung ist dahin, es gibt keine Verbindung zwischen diesen beiden Bauten. Mich erinnert das an den Bahnhofsplatz, wo, so empfinde ich es, durch den Bau der Dudlerblöcke der Hauptbahnhof beschädigt worden ist. Es gibt ja in der Denkmalpflege den Begriff des Umgebungsschutzes, will sagen, man muss, wenn man in der Nähe eines denkmalgeschützten Gebäudes neu baut, schon sehr sensibel mit der Situation vor Ort umgehen, weil die Neubebauung das historische Gebäude durch ihre Anwesenheit beschädigen kann.


    Hier noch einige Fotos aus Blumenthal, zuerst die evangelisch-reformierte Kirche:



    Sturmflut an der Blumenthaler Weser:






  • Exklave Bremen


    Im Bremer Norden befindet sich die Opitzstraße. Soweit, so gut. Na und, werden die meisten fragen, das ist ja hochinteressant. Nun, bei der Opitzstraße, die nichts Aufregendes darstellt, handelt es sich um die einzige Exklave neben der Bremer Stadtgrenze. Sie liegt auf niedersächsischem Gebiet. Hier nun die beeindruckenden Bilder:


    Einmal von vorne......



    und dann von hinten


  • Das ist ja interessant ...Laut Google Maps haben die Grundstücke an der Schwaneweder Bahnhofstraße, die im Gegensatz zur Straße selbst auch zur Exklave gehören, die Adresse Meinert-Löffler-Straße, obwohl diese an der Grenze Bremischen Gebiets endet. Und am angrenzenden Hammersbecker Weg gibt es z.B. die Nummer 2 doppelt, einmal am Bremer Ende und einmal am anderen Ende in Löhnhorst. Zu Niedersächsisch-Bremischen Grenzkorrekturen ein kurzer Beitrag der Weserkurier-Geschichte.

  • Ich kann mir nicht helfen, der Bahnhof wirkt mit dem Neubau schwachbrüstig, hat seine herausragende Stellung verloren und rückt nun durch das neue, glatte Gebäude in die zweite Reihe der Aufmerksamkeit.

    Das wird man sich einmal genauer anschauen müssen, wenn der Neubau realisiert wurde. Vielleicht wirkt es dann anders als in dieser Graphik. Gleichwohl ist es immerhin doch zu begrüßen, dass der Bahnhof nicht einfach abgerissen, sondern integriert wurde. Heutzutage ja vielerorts keine Selbstverständlichkeit.

  • Hier ein Bericht über das seit Jahren verfallende Gelände der Bremer Wollkämmerei:


    Als Blumenthal ein Zentrum der Wollverarbeitung war


    Insgesamt ziemlich skandalöser Umgang mit der wertvollen Substanz, große Teile sind bereits abgerissen worden, der Rest gammelt vor sich hin. Ein paar Seiten weiter oben hatte ich eine Neubeplanung des Areals mit einem Berufsschulcampus vorgestellt, keine Ahnung, ob daraus etwas wird.

  • Den Bericht über die Bremer Wollkämmerei habe ich auch gesehen. Was mich empört hat, waren - natürlich - die Abrisse. Aber es gab noch einen anderen Aspekt. Es wurden ja auch die Wollfabriken in Delmenhorst (Nordwolle) vorgestellt. Und so entstand ein Vergleich zwischen Bremen und Delmenhorst. In Delmenhorst ist alles erhalten geblieben, steht unter Denkmalschutz. Warum in Bremen nicht. Es zeigt sich an diesem Beispiel der unterschiedliche Umgang mit historischer Architektur. In Bremen wird alles möglichst schnell abgerissen, es gibt hier einen erheblichen respektlosen Umgang mit historischen Gebäuden. Erst mal weg damit, dann sehen wir weiter, könnte man die nicht ausgesprochene Devise in Bremen beschreiben. Diskussionen mit der Bevölkerung gibt es hier nicht, alles muss mühsam erkämpft werden, wenn die Abrisskommandos nicht schneller sind. Die Empörung ist dann in der Bevölkerung ziemlich groß, ich denke nur an den Abbruch der Senatsvilla in der Parkallee oder an das Medienhaus. Die Wollkämmerei ist ja kein Einzelfall, das läuft in Bremen seit Jahrzehnten so. Ich habe ja kürzlich den Abriss des Bremer Schlachthof problematisiert. Aber es gibt in dieser Stadt wirklich so etwas wie ein für Bremen über die Jahre typisches Abrissverhalten durch die Behörden, oftmals kann man gar nicht so schnell denken, wie die Gebäude verschwinden. Oder es wird nach der Salamimethode gearbeitet. Hier ein bisschen, da ein bisschen, nach ein paar Jahren steht dann plötzlich kaum noch was. Dieses rigorose Abrissverhalten - das ist schon etwas, was ich mit Bremen verbinde. Schnelles Handeln, Druck aufbauen, wo man mehr Zeit brauchen würde. Danach wird das ganz logisch erklärt - je nach Empörungsgrad - wir wissen nicht, was jetzt los ists gibt in dieser Stadt kein Bemühen, Altes zu erhalten, kein Herzblut und kein Interesse bei den Politikern, egal in welcher Partei die sind.


    Ich schätze, von der Wollkämmerei wurde mindestens die Hälfte schon abgerissen. In Bremen setzt man sich nicht mit den Bürgern zusammen und fragt, habt ihr eine Idee, wie wir die Gebäude nutzen und retten können. Auch ich hatte ja schon weiter oben Bilder eingestellt, da sieht man riesige Lücken, die früher noch von historischer Industriearchitektur in rotem Backstein ausgefüllt wurden. Die Bremer Wollkämmerei war die größte ihrer Art - WELTWEIT, wenn das nicht ein Erhaltungsargument gewesen wäre.


    Zum Schluss: interessiert mich, wer das in die im nachhinein äußerst verschlungen wirkenden Wege geleitet hatte . Es gibt hier irgendwie keinen Schuldigen, man weiß nicht, wen man anklagen soll, man weiß nicht, ob diese Abrisse von der Politik als Fehler bezeichnet werden oder ob sie es als richtig empfinden. Sind die Abrisse dokumentiert, damit man weiß, was verschwunden ist? Viel spielt sich in Bremen im Verborgenen ab.

  • Als Fan historischer Bahnhöfe will heute den S-Bahnhof Bremen-Farge vorstellen. Es ist die letzte Station von insgesamt 12 Bahn-Stationen im Bremer Norden. Von hier sind´s dann noch geschätzte 3 - 4 Kilometer bis zur Landesgrenze, schließlich kommt noch ein ganzer Ortsteil: Rekum, Standort des Bunkers Valentin. Der Bahnhof Farge war während der Nazizeit der Endbahnhof für die Zwangsarbeiter, die den U-Boot-Bunker Valentin bauen mussten, viele verloren ihr Leben (vergl. # 29ff).

    Ich vermute, das Bahnhofsgebäude stammt aus der Zeit der Jahrhundertwende, der Turm aber kommt mir doch sehr als 1960er-Jahre daher. Kann mich aber auch irren, da die Rotsteine sehr einheitlich aussehen.







    Diese Art von Wasserspendern mit musealem Wert für Dampflokomotiven kenne ich nur aus Wildwestfilmen, allerdings doppelt so groß.



    Vor dem Bahnhof liegt die Fähre Farge mit dem Fährhaus, zwei Autofähren im Wechsel.





    An der Landesgrenze Rekum/Neuenkirchen. Die Weser wird jetzt immer breiter...



    und breiter......................................


  • Einmal war ich in Neuenkirchen und ich hatte einen leider sehr schlechten Eindruck.

    Dieser Ort ist wie ich finde komplett Verbaut und noch heute hat man dort so ein hübsches kleines rotes Backsteinhaus mit großen weißen Platten bedeckt und die Fenster Horizontalisiert.

    Vor ein paar Jahren ist dort auch ein Strohdachhaus mit Fachwerk abgebrannt und es wird viel historische Bausubstanz abgerissen.

  • Snork

    Changed the title of the thread from “Bremen - Nord” to “Bremen-Nord”.
  • So ein bisschen zwischen Galerie und normalem Strang: Ich war heute relativ zufällig auf dem Gelände der Bremer Wollkämmerei. Nach dem allmählichen Niedergang wurde die Produktion des einst größten Wollverarbeiters der Welt 2009 endgültig beendet und das Unternehmen abgewickelt. Seitdem hat die Stadt Bremen mit einer seltsamen Mischstrategie versucht, das weitläufige Gelände einer neuen Nutzung zuzuführen. Mit relativ großem finanziellem Aufwand wurde die Infrastruktur ertüchtigt (also das Kanalsystem erneuert und die Straßen neu gebaut), um Investoren anzulocken. Die unter Denkmalschutz gestellten Gebäude aus der Fertigung wurden erhalten, der Rest abgerissen und die Flächen vermarktet. Dies hat sich aufgrund der peripheren Lage und der wie gesagt etwas seltsamen Mischung aus Industriedenkmal und profanem Gewerbegebiet als schwierig erwiesen. Es haben sich zwar einige Unternehmen angesiedelt auf dem Gelände, aber insgesamt überwiegen weiterhin Brachen und Leerstand in den Bestandsgebäuden.


    Nachdem die Bremer Wirtschaftsförderung sich relativ lange gegen einen Strategiewechsel gewehrt hat, ist sie anscheinend 2018/2019 eingeknickt und es gibt nun die Neuplanung eines großen Berufsschulcampus unter Erhalt der bestehenden und Ergänzung durch Neubauten. Auch hierfür verzögert sich jedoch die Umsetzung, so dass das Gelände weiterhin vor sich hindämmert.


    Nochmal der "Masterplan" in seiner neuesten Fassung durch das Architekturbüro "De Zwarte Hond":


    doc7iktn17s0t01l8dfncgnjrc.jpg

    Quelle: weserkurier.de


    Gleich hinter dem Eingang zum Gelände liegt linkerhand die ehemalige "Kaufmännische Verwaltung":





    Das Gebäude ist in eine Kita umgewandelt worden und hat von der Optik her fast so einen "Südstaatencharme" mit dieser Art Veranda vor dem Eingang. Eigentlich wirklich ein ganz schickes Gebäude und als (fast) einziges halbwegs in Schuss. Direkt dahinter beginnen die ehemaligen Produktionsstätten und Lager:



    "Historische Hauptachse" genannte Straße durch das Gelände:



    Technische Verwaltung:



    Gegenüber ein Gebäude mit dem schönen Namen "Kammzuglager":



    Und das "Sortiergebäude":



    Recht groß:




    Geht gleich noch weiter.

  • Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was auf den jetzigen Brachflächen vorher stand (z.B. im Vordergrund auf dem letzten Bild). Ich hoffe (und glaube), dass das weitgehend Fertigungsbaracken und Nachkriegsergänzungen gewesen sein werden, aber in Bremen ist alles möglich. Weiter auf der Hauptachse, das Gebäude 56 (Lager- und Sortiergebäude) mit einer ganz pfiffigen Ecke:



    Fassadendetail, schon ziemlich verhunzt und renovierungsbedürftig, aber auch charmant:




    Ein weiteres großes Fabrikgebäude im Hintergrund, auch ziemlich runter (soll aber auch erhalten werden):



    Das einzige vollständig umgenutzte Gebäude:



    Und ein weiteres, bei dem zumindest das Erdgeschoss von einer Tischlerei genutzt wird:



    Der ehemalige Wasserturm:



    mit ein paar Nebengebäuden:



    Und eine letzte, eher einfache Fabrikhalle, die wohl zu einem Schwimmbad umgebaut werden soll:



    Das war's. Trotz der idealen Lage direkt an der Weser folgen dann nur noch ein modernes Gebäude eines sich neu angesiedelt habenden Türenherstellers und -etwas antiklimaktisch- eine profane Spundwand, die einem die Sicht auf den Fluss raubt. Allerdings finden hier gerade Arbeiten zum Hochwasserschutz statt und auf der Bauschildvisualisierung war eine Öffnung der Spundwand abgebildet mit einer Art Promenade am Wasser, so dass sich diese Situation absehbar bessern wird.


    Insgesamt ein interessantes Gelände, wie gesagt hoffe ich, dass unter den Abrissgebäuden nur minderwertige Schuppen und Nachkriegsgebäude waren. Der gesamte erhaltene Bestand ist aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Potenzial hat das Gelände auf jeden Fall, aber dafür muss auch noch einiges investiert werden. Momentan hat die Gegend einen ziemlich morbiden Charme. Hoffe, hier in 5 oder 8 Jahren mal eine deutliche Belebung dokumentieren zu können.

  • Das dachte ich auch, als ich da war. Das Problem ist mal wieder das Baurecht, das Gebiet ist als Gewerbegebiet ausgewiesen und die Verantwortlichen schauen mit Argusaugen auf die Umwidmung von Gewerbe zu Wohngebieten. Allerdings sehe ich es auch so, dass die schleppende Vermarktung nicht gerade für eine riesige Nachfrage spricht. Problem ist auch, dass dieses Gebiet Bremens und auch Bremen-Nords sozioökonomisch extrem herausgefordert ist, direkt nebenan war die riesige Werft Bremer Vulkan, die in den 90ern abgewickelt wurde, hier das Gelände der BWK ebenfalls mit tausenden Angestellten - dieser Stadtteil war 30, 40 Jahre im Niedergang, die Wende gestaltet sich schwierig.


    Vielleicht könnte man das Gebiet als "urbanes Gebiet" ausweisen, dann wäre auch ein Nebeneinander aus Wohnen, Büros und Gewerbe möglich.

  • Auf jeden Fall. Dort könnten auch gut Lofts zum Wohnen, Büros und Ateliers entsteh

    Heimdall, ich finde es wirklich erstaunlich - und dies ist keine Kritik, im Gegenteil - dass Du nach eindreiviertel Jahren - siehe Deinen Beitrag unter # 20, noch ein gleiches Meinungsbild, eine gleiche Einschätzung zur Nutzung des Gebietes, abgeben kannst. Damals schriebst Du:


    Ist nichts geplant mit diesen tollen Gebäuden? Wohnungslofts? Geschäfte?...


    Ich hätte hier allerdings eine andere Lösung vorgezogen. Es mag jetzt auch schon wieder mindestens 15 Jahre her sein, dass die Hochschule für Technik ihr beengtes Haus in der Neustadt verlassen wollte und in den Speicher 11 in der Überseestadt umziehen wollte. Da entschied man sich dann leider von Seiten der Politik für die Hochschule für Künste, die dort seitdem residiert. Es ging auch darum,. die Stadtteile Walle/Utbremen und Gröpelingen zu beleben. Die Hochschule für Technik fühlte sich dann irgendwie veräppelt, hatte sie doch erst den Prozess losgetreten und den Speicher 11 in die Diskussion gebracht, den ihr dann die andere Hochschule, so das Gefühl, wegschnappte.


    Nun zurück zum Blumenthaler BWK-Gelände. Ich hätte mir gut vorstellen können, dass die Hochschule für Technik eine zweite Chance bekommt und in den hohen Norden Bremens zieht. Hier ist ausreichend Platz , auch für Erweiterungsbauten. Eigentlich ist das sogar zu groß, sodass sich auch Räumlichkeiten zur Belebung der Kulturszene anbieten würden, besonders dann, wenn es durch den Zugewinn einer Hochschule eine große studentische Bevölkerungsgruppe im Stadtteil gibt.


    Und da sind wir dann schon beim zweiten Aufwertungseffekt, ähnlich wie bei den Stadtteilen neben dem Speicher 11, denn die Studenten wollen ja möglichst nahe an der Hochschule wohnen. Der Stadtteil Blumenthal droht schon seit Jahren, durch seine hohe Arbeitslosigkeit und die Veränderung der Bevölkerungsstruktur durch migrantische Zuzüge - Blumenthal ist zusammen mit dem Ortsteil Lüssum einer der kriminellen Hotspots in Bremen - umzukippen. Die Ladenzeile in der Mühlenstraße, das war mal die Einkaufsstraße in Blumenthal, ist leer, Blumenthal droht zum Gelsenkirchen Bremens zu werden.


    Studentische Zuzüge wären so was wie frisches Blut für Dracula, auch die Kulturszene würde sich verändern.


    Was die Stadt da jetzt vorhat, nämlich ein Berufsschulzentrum zu schaffen, das meines Wissens auch Berufsschüler aus Gröpelingen aufnehmen soll - immerhin eine dreiviertel Stunde Busfahrt - finde ich dagegen nicht richtig.

  • Bremen kann sich da ein Beispiel an Augsburg nehmen. Die hatten ähnliche große Industriebrachen mit formals Textil, und so sieht der Wandel heute dort aus:

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  • Wie findorffer auch schon gesagt hat, liegt das Problem des Areals in seiner Lage. Insgesamt ist die Stadtgeografie Bremens eines seiner größten Entwicklungshemmnisse. Dieses Gebiet liegt über 25 km von der Innenstadt entfernt, das wäre selbst in Berlin eine extrem periphere Lage bzw. läge in viele Richtungen schon in Brandenburg.



    Bremen zieht sich auf über 40 km Länge an der Weser entlang, erreicht aber nur ganz zentral mal einen bebauten Querdurchmesser einer Stadt der Größe Göttingens. Das heißt, es gibt -anders als zum Beispiel in Berlin oder München - vergleichsweise viel Peripherie und nur einen relativ kleinen zentralen Bereich, der auch von der Optik her eher Charakter einer 250.000-300.000-Einwohner-Stadt wie Münster oder Bielefeld hat. Die andere Hälfte der Bewohner wohnt -für die Größe der Stadt- sehr weit weg vom Zentrum. Und trotz der extrem peripheren Lage der BWK geht die Stadt dahinter nochmal fast 10 km weiter.


    Bremen-Nord ist nicht nur mental, sondern auch geografisch eine andere Stadt. Die Leute dort sagen, sie fahren "nach Bremen", wenn sie in die Innenstadt fahren und auf der Stadtautobahn steht als Entfernung nicht etwa "Zentrum 27 km", sondern "Bremen 27 km", als handele es sich um eine andere Stadt (was es ja auch tut). Das Problem ist außerdem, dass neben Gröpelingen kaum ein anderer Stadtteil stärker unter dem Strukturwandel und der Werftenkrise gelitten hat. Im Prinzip sind dort innerhalb weniger Jahrzehnte fast alle Großunternehmen, die den Stadtteil am Leben hielten, in Konkurs gegangen - und anders als in der Stadt Bremen, die durch die Ansiedlung der Universität und diverser Hochschulen viele florierende Alternativen im kaufmännischen, wissenschaftlichen und Dienstleistungsbereich stützen konnte, war dies angesichts der Dezentralität Bremen-Nords dort viel schwieriger. Eine Privat-Universität hat sich auf einem ehemaligen Kasernenareal in Grohn angesiedelt, mit einigem Erfolg - aber eben auch in einem sonst deutlich attraktiveren Umfeld an der Lesum, in der Nähe von vielen Parks und der kleinen Altstadt von Vegesack - aber das war's.


    Natürlich kommt auch Bräsigkeit der Bremer Politik dazu, aber dass ein solches Areal nicht wie geschnitten Brot weggehen würde, musste allen klar sein. Natürlich könnte das ein absolutes Traumgebiet werden, Südwestausrichtung, direkte Wasserlage - aber aufgrund eines gefühlten oder tatsächlichen Gewerbeflächenmangels tut sich die Stadtplanung im Bremer Norden schwer, solche Gebiete einfach zu Wohn- und Bürogebieten umzuwidmen (wie es überall sonst in der Stadt passiert) - man träumte hier tatsächlich nicht nur von ein bisschen Gewerbe, sondern echten Industrieansiedlungen, nicht zuletzt wegen der direkten Wasserlage mit seeschifftauglichen Kajen. Aber auch diesen stand die ungünstige Lage im Wege, Zulieferer für die Automobilindustrie siedeln sich eben lieber in den wuchernden Gewerbegebieten am Südrand der Stadt direkt an der A1 an als in Bremen-Nord. Die Planänderungen zu einem Berufsschulcampus sind so gesehen schon ein ziemliches Zugeständnis des Irrtums und können durchaus auch richtig gut werden. Trotzdem hoffe auch ich noch auf die Zulassung von Wohnen, da auch abends dringend eine Belebung nötig ist. Momentan wird das Gelände abends anscheinend von Gruppen junger Leute genutzt, deren Hauptbeschäftigung zu sein scheint, McDonalds-Müll aus dem Auto werfen.


    Dabei hat Blumenthal auch baulich eine ganze Menge zu bieten. Ich werde beizeiten nochmal durch die Hauptstraße gehen, momentan nur schnell ein paar Fotos aus der Gegend:



    Typisch verhunztes Haus:



    Leerstehende Villa:



    Kirche:



    Aufgrund seiner langen Zugehörigkeit zu Hannover hat Blumenthal einen grundsätzlich anderen architektonischen Charakter als Bremen selbst, aus der hannoverschen Zeit sind noch recht viele repräsentative öffentliche Gebäude wie Schulen, Gerichts- und Verwaltungsgebäude erhalten, insgesamt scheint es sehr wenige Kriegsschäden gegeben zu haben. Da gibt es durchaus noch einiges zu entdecken.

  • Das Steingut-Gelände in Bremen-Grohn


    Die Norddeutsche Steingut, gegründet am 2. Oktober 1869 als Actiengesellschaft Norddeutsche Steingutfabrik von Bremer Kaufleuten, war ein Hersteller von keramischen Wand- und Bodenfliesen. Die Firma lag im Vegesacker Ortsteil Grohn.


    Die Aktiengesellschaft gehört nach der Übernahme der Aktienmehrheit am 1. Januar 2001 durch die Steuler Industriewerke der Steuler Fliesengruppe an und exportiert als Norddeutsche Steingut AG in 45 Länder weltweit.

    Inzwischen werden die Fliesen in Bremerhaven produziert,

    Mitte 2014 wurde die Produktion von Fliesen in Bremen-Grohn eingestellt. Andere Unternehmensbereiche, wie Logistik, Musterfertigung, oder Unternehmenssteuerung verbleiben am Standort in Grohn.

    In der Hauptversammlung am 26. August 2021 wurde die Namensänderung in Steuler Fliesengruppe AG beschlossen. Durch die Mehrheitsanteile der Familie Steuler erfüllte die Abstimmung nur einen formalen Zweck. Die von den seit 2020 eingesetzten Vorständen eingeleitete Umstrukturierung führte im November 2021 nach 152 Jahren zum Verschwinden des Bremer Traditionsunternehmens.

    Die Norddeutsche Steingut AG war nach der Bremer Vulkan Werft (1893–1997), der Bremer Woll-Kämmerei AG (1883–2009) und der Bremer Tauwerk-Fabrik (1793–1988) das letzte verbliebene große Industrieunternehmen in Bremen-Nord.


    Der Vorstand der Norddeutschen Steingut AG hat jetzt zehn Hektar seines Firmengrundstücks in Grohn an zwei Projektentwickler verkauft. Die Bremer Unternehmen M-Projekt des in Zusammenhang mit der Schröder-Villa schon negativ aufgefallenen Baulöwen Olaf Mosel und Procon wollen auf dem Gelände ein neues Stadtquartier bauen. Ihnen zufolge ist es eines der größten Wohnbauprojekte in Bremen. Es geht um Wohn- und Gewerbeflächen für mehr als 1000 Menschen. Das Investitionsvolumen wird auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt.


    Das Gelände, oben im Hintergrund der Fluss Lesum.



    Das Bauprojekt aus der Vogelperspektive. An den dicken Blöcken oben fährt die S-Bahn vorbei.



    Neues Bauprojekt aus der Olaf-Mosel-Maschine, Blick von Nordosten. Na, liebe Foristen, wie findet ihr den Entwurf? In den abgebildeten Gebäuden direkt an der S-Bahn-Linie werden wahrscheinlich sozial Schwache untergebracht.


  • Du wirst lachen, aber ich finde das richtig gut. Es zeigt, wie weit wir in den letzten 10 Jahren gekommen sind. 2010 wäre ein solches Areal mit irgendwelchen dunkelroten Riemchen/WDVS-weiß gemischten "Stadtvillen" vollgebaut worden, wie es z.B. auf dem TÜV-Gelände geschehen ist. Auf dem Gelände wird nahezu alles, was nicht eine Blechhalle war, erhalten. Die Gebäude auf Deiner Visualisierung sollen gemischt genutzt werden und auch Sozialwohnungen enthalten, ja - wiewohl die Schokoladenseite nach Südwesten die andere Seite der Gebäude kennzeichnet. Selbst in Schwachhausen und Findorff leben Menschen an einem Bahndamm. Hier fahren zudem ausschließlich S-Bahnen, die kaum lauter als eine Straßenbahn sind.


    Diese Reihen mit giebelständigen Häusern auf der Visualisierung nach Süden hin gefallen mir richtig gut. Insgesamt finde ich, dass die Entwurfsqualität GERADE bei diesen Konversionsprojekten in Bremen in letzter Zeit stark zugelegt hat. Wie gesagt, vor 10 Jahren wäre das ein uninspiriertes Stadtvillengewürfel geworden - jetzt kann man sich, so es denn auch so ähnlich realisiert wird, dort tatsächlich Leben vorstellen.


    Ich bin gerade dabei, eine kleine Serie zu Umnutzungsprojekten in Bremen zu machen. Mangels erfreulicher Nachrichten aus der Innenstadt ist das jetzt mein Fokus. Vieles davon gefällt mir sehr gut, und das Steingutquartier gehört dazu.