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Rekonstruktion von Fassadenbemalungen

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    • Rekonstruktion von Fassadenbemalungen

      In diesem Faden soll es um Beispiele für Rekonstruktionen von Fassadenbemalungen gehen.

      Ich suche nach Anschauungsobjekten, vor allem aus der Zeit des Historismus, die nach historischen Entwürfen in Abstimmung mit der Denkmalpflege rekonstruiert wurden? Es geht nicht um die Restauration von verblichenen Wandmalereien, die als Spuren oder Fragmente an einer Fassade erhalten blieben, sondern tatsächlich um deren Rekonstruktion nach Verlust z.B. durch neuen Verputz etc.

      Spontan fallen mir hier keine Beispiele ein. Vielleicht weiß die eine oder der andere aber solche zu nennen?


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

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    • Vielleicht nicht ganz das, was du suchst: Schloss Moritzburg bei Dresden.

      Schloss Moritzburg bei Dresden von Südosten (Foto: Stromer7, September 2015, CC-BY-SA-4.0)

      Plastisch hervortretende Fassadenelemente gibt es in dieser Ansicht nur folgende: Ganz rechts an der Seite der Balkon sowie die Fensterverdachungen der beiden darüberliegenden Geschosse. Sie zeichnen die östliche Stirnwand des Speisesaaals aus. Ferner an der Südseite zwischen den Türmen der Balkon über dem Haupteingang sowie die Verdachungen und die Gewände (Sandstein) der beiden darüberliegenden Fenster der Mittelachse sowie unter der Dachtraufe sechs Hirschgeweihe. Die übrige architektonische Gliederung der Fassade (Sockelgeschoss, Fenstergewände, Putzspiegel, Pilaster) ist nur aufgemalt. Vor der Rekonstruktion der Farbfassung war die Fassade eine ungegliederte gelblich-graue Putzfläche.

      Schloss Moritzburg bei Dresden von Südwesten
      (Foto: Kunstverlag Brück & Sohn, Meißen, Ansichtskarte von 1971, CC-BY-SA-3.0)

      Ich weiß nicht exakt, wann die barocke Farbfassung rekonstruiert wurde, kann die Rekonstruktion aber aufgrund von Vergleichsbildern ziemlich genau auf den Zeitraum 1979 bis 1982 schätzen.

      Schloss Moritzburg, Mittelteil der Südseite (Foto: Brücke-Osteuropa, Juli 2012, CC0)

      Hier sieht man es nochmal gut. Es ist fast alles nur gemalt. Lediglich an der Mittelachse finden wir Quaderputz beiderseits des Portals sowie den Balkon und die beiden Fenster darüber als plastische Arbeiten. Selbst die mittleren Pilaster und die Rahmung des dritten Fensters sind nur aufgemalt. Die Gewände der übrigen Fenster zeigen eine nach innen gerichtete, nicht aus der Fassade hervortretende dezente Profilierung, die ohne die farbliche Absetzung als Element der Fassadengestaltung nahezu unsichtbar wäre. Unter der Dachtraufe ein plastisches Gesims und die Hirschtrophäen. Die malerische Hauptleistung an der Fassade stellen sicher die Rokoko-Kapitelle der Pilaster dar.
    • Zu nennen wäre auch das Residenzschloss Dresden.


      Dresdner Schloss, Nordseite des Großen Schlosshofes mit der Loggia (Foto: Z thomas, Oktober 2011, CC-BY-SA-3.0)

      Hier werden im Großen Schlosshof Sgraffiti und polychrome Fresken des 16. Jahrhunderts rekonstruiert, die nur bis Ende des 17. Jahrhunderts vorhanden waren. Die Rückwand der Loggia wird mit Fresken geschmückt. Das ist in Arbeit. Die übrigen Hoffassaden wurden mit Sgraffiti verziert. Die Arbeiten sind abgeschlossen. Auf dem Bild ist ein Zwischenstand zu sehen: rechts der Loggia noch ohne Sgraffiti, links der Loggia mit Sgraffiti. Im Stallhof waren Sgraffiti bereits um 1980 rekonstruiert worden. Die Rekonstruktion im Großen Schlosshof stützt sich auf historische Kupferstiche, Studien zum Bildprogramm, einzelne Sgraffitoreste und Zeichnungen der Freskanten.
    • falken drogerie st.gallen

      Goliathgasse 1. Die ursprüngliche Bemalung stammte von etwa 1900 und bestand bis in die 1920er-Jahre. Sie wurde vor etwa zehn Jahren rekonstruiert. Befunde waren keine mehr vorhanden, daher erfolgte die "Rekonstruktion" nach S/W-Aufnahmen. Meiner Meinung nach ist sie hier Fehl am Platz und stört das Gesamtbild der Häuserzeile. Die Rekonstruktion erfolgte von der Bewilligungspraxis her sowieso unter fragwürdigen Umständen.

      Falls Du nähere Angaben benötigst, kann ich Dir schon was zusammenstellen.
    • Rastrelli wrote:

      Vielleicht nicht ganz das, was du suchst: Schloss Moritzburg bei Dresden.

      Schloss Moritzburg bei Dresden von Südosten (Foto: Stromer7, September 2015, CC-BY-SA-4.0)
      Doch, interessant und hilfreich, vielen Dank. Weißt Du auch worauf sich die Rekonstruktion dieser Bemalung von Schloss Moritzburg stützt? Im Fall des Dresdner Residenzschlosses erwähnst Du die einzelnen Sgraffitofragmente (Substanz), auf die sich die Rekonstruktion dort beziehen kann und nicht ausschließlich auf Stiche, Studien oder Zeichnungen.


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    • Riegel wrote:

      falken drogerie st.gallen

      Goliathgasse 1. Die ursprüngliche Bemalung stammte von etwa 1900 und bestand bis in die 1920er-Jahre. Sie wurde vor etwa zehn Jahren rekonstruiert. Befunde waren keine mehr vorhanden, daher erfolgte die "Rekonstruktion" nach S/W-Aufnahmen. Meiner Meinung nach ist sie hier Fehl am Platz und stört das Gesamtbild der Häuserzeile. Die Rekonstruktion erfolgte von der Bewilligungspraxis her sowieso unter fragwürdigen Umständen.

      Falls Du nähere Angaben benötigst, kann ich Dir schon was zusammenstellen.
      Vielen Dank, das Angebot nehmen ich gerne an. Das Genehmigungsverfahren würde mich interessieren und die Postion der Denkmalpflege.


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    • Scheint wohl so als ob "Morgen" ausfällt, weshalb auch immer nun wieder.

      Zum Thema Fassaden Malerei, kann ich nur Jugend Stil Fassaden Rektos einbringen. Ein großer Wunsch wehre für mich diese hier mit samt Gebäude Hofatelier Elvira. Es steht in so vielen dingen für Fortschritt, da wehren erstes Frauen unternehmen Deutschlands,einzig artige Architektur und gewissermaßen wehre es ein Zeichen gegen Nazis. Im 3.reich wurde die Fassadenmalerei und der Stuck einfernt,im bomben hagel ging das Gebäude dann komplett unter.

      Hier noch eine nach kolorirte aufname die, die alte pracht zeigt.

      google.com/search?client=safar…bM:&imgrc=UQQRX--J2gR01M:
    • Vermutlich kennt Zeitlos dies bereits.

      In Meßkirch wurde 2004 die Bemalung am Turm der ehemaligen Herz-Jesu-Kirche rekonstruiert. Der damals vorhandene überstrichene Außenputz war bis auf zwei Fragmente an denen die Freilegung der Malerei erfolgte, abgeschlagen worden. Zuvor als die Rekonstruktion beschlossen wurde ging man glaube ich davon aus dass die Originalmalereien abgeschlagen worden waren. Die Errichtung des Turmes, bzw. die Aufstockung eines bestehenden Risaliten erfolgte 1880. Stilistisch handelt es sich um die Beuroner Kunstschule. Im Rahmen des Umbaus zum Gemeindezentrum verschwanden alle Malereien gegen Ende der 1950er. Ergänzt wurde die Fassadenrekonstruktion durch ein freie Rekonstruktion der Eingangsüberdachung.
    • Nun zur angekündigten Präsentation einer rekonstruierten Fassadenmalerei an Goliathgasse 1 in St. Gallen:

      Die Altstadt von St. Gallen zählt heute rund 450 Häuser. Bei 30 bis 40 von ihnen konnte ich Fassadenmalereien aus den 1890er-Jahren ausmachen, die heute alle wieder verschwunden sind. Sie waren nie typisch für unsere Stadt und hatten eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren. An die letzte von ihnen, an Webergasse 15 "zu den vier Winden", mag ich mich noch erinnern. Zugunsten einer Fachwerkfreilegung im Jahr 1976 wurde damals der Verputz abgeschlagen.

      Zur Bewilligungspraxis von Fassadenanstrichen:
      In der Altstadt und besonders wertvollen Quartieren (Ortsbilder) sind alle Fassadenanstriche, also auch von Neubauten, bewilligungspflichtig. Hier liegt es im Ermessen des Amtsleiters, diese öffentlich auszuschreiben, damit allenfalls Einsprache gemacht werden kann. Er kann auch des vereinfachte Verfahren (für Bagatellfälle) wählen und selber die Bewilligung erteilen (mit der Auflage, dass die Arbeiten im Einvernehmen mit der Denmmalpflege abzustimmen seien). So wird die Baubewilligungskommission von kleinen Fällen entlastet. Nur behandelte der damalige Amtsleiter diesen Ermessenspielraum sehr nach seinem eigenen Gutdünken... Einsprache (in Deutschland 'Widerspruch') kann jedermann erheben, der ein persönliches Interesse geltend macht, also vor allem benachbarte Hausbesitzer. Zudem hatten bestimmte gemeinnützige Organisationen (wie z. B. der 'Heimatschutz') ebenfalls eine Einsprachelegitimation.

      Bei Goliathgasse 1 wurde 2005 das Gesuch öffentlich ausgeschrieben. Das Gesuch sah nur einen Fassadenanstrich vor. Also kein Einsprachegrund für irgend jemand. Nun kam aber während der Renovation der Eigentümer (ein Spekulant, der es geschafft hat, in der Öffentlichkeit gut dazustehen), auf die Idee, hier die Fassadenmalerei zu rekonstruieren, nachdem er eine alte Fotografie davon gesehen hatte.

      Die Malerei war meines Erachtens nicht qualitätsvoll, und vor allem stört sie nun das Gesamtbild der Häuserzeile. Ich hätte deshalb dem Heimatschutz zu einer Einsprache geraten. Nur aber erfolgte die weitere Bewilligung verwaltungsintern und nicht auf dem legal vorgesehenen Weg.

      Von der Malerei war nichts mehr vorhanden, auch auf älteren Putzschichten nicht. Farbaufnahmen waren keine vorhanden, da die Malerei nur bis etwa 1930 exiastierte. Die Rekonstruktion der Malerei erfolgte von einem Feld-, Wald- und Wiesenkünstler, der schon mehrere andere Arbeiten für den Bauherrn schuf.

      Zur Arbeit des städtischen Denkmalpflegers:
      Dem gleichen Bauherrn gehörte auch das rechte Nachbarhaus Nr. 3. Ein Fachwerk mit blau gestrichenen Balken, das 1974 freigelegt worden war. Ab den späten 1960er-Jahren bis in die späten 1980er-Jahren hatte St. Gallen das Glück, gleich drei nationale Koryphäen in Sachen Denkmalpflege und Bauforschung zu haben! Das blaue Fachwerk ging auf deren Initiative und Wissen zurück. - Mit der Fassadenmalerei erfolgte auch ein Neuanstrich des Fachwerkfassade, diesmal aber in Grau. Auf meine Frage an den städtischen Denkmalpfleger, weshalb man vom Blau abgekommen sei, erwiderte er, dass er bei einem Augenschein mit einem Schlüssel oder Messer selber die Farben abgekratzt hätte und nirgends auf das Blau gestossen sei... So 'fachmännisch' erfolgt bei uns nun schon seit zwanzig Jahren Denkmalpflege...

      In diesem Galeriebeitrag gibt es noch weitere Bilder der Häuserzeile (Bilder 4 und 11). Über drei weitere Malereirekonstruktionen in St. Gallen werde ich noch berichten.


      (Aufnahmen von heute Morgen)



      Ausschnitt aus einer ungelaufenen Ansichtskarte aus den 1920er-Jahren, Photo Hans Gross, St. Gallen.







      The post was edited 2 times, last by Riegel ().

    • Ein weiteres missratenes Beispiel vom selben Bauherrn und Ausführenden: Goliathgasse 30







      Die vier Figuren entstammen einem Vorlagenbuch, das ich eher dem Thatoobereich zuordnen würde. Grundsätzlich richtig ist das Absetzen des obersten Geschosses, wodurch die Fassade mit einer Attika abgeschlossen wird. Nur hängen die vier Figuren völlig in der Luft. Sie hätten unbedingt von Rahmen eingefasst werden müssen, die direkt an die Fenstergewände anschliessen. Eine Dekorationsmalerei sollte Teil der Fassadenarchitektur sein. Ursprünglich war dies hier so. Ganz schlecht ist, dass die weisse Fassadenfarbe nahtlos in die weisse Dachuntersicht übergeht. Mir ist es wirklich ein Rätsel, weshalb die Denkmalpfege das alles durchgehen liess.

      Die Eckquader aus Styropor fallen regelmässig herunter und müssen neu angeklebt werden... Zudem sind sie links und rechts nicht auf gleicher Höhe angeordnet, was zwar den wenigsten auffallen dürfte. Aber dass man nicht einmal das Gurtsims links auch bis zur Hauskante verlängert hat, spricht für die Qualität der 'Rekonstruktion'... Bei den Dachuntersichtkonsölchen konnte ich es aber nicht verkneifen, zu raten, wenigstens doppelt soviele anzukleben, was im Nachhinein mit einem Hubkran dann noch gemacht wurde.

      Das ganze darf nicht als Rekonstruktion bezeichnet werden.
    • @'Fuldataler

      Am Kämmereigebäude von Neiße wurde 2011 nur der Skulpturenschmuck und ein kleiner Bereich der Fassadenmalerei an der Seitenwand wieder hergestellt. Die sehr schöne Bemalung des Giebels leider nicht. Auf der Giebelfassade waren neben anderen Themen auch mehrere Portaits von Kaisern des Hl. Röm. Reichts dt. Nation gemalt. Wären dort stattdessen polnische Könige oder Piastenherzöge dargestellt gewesen, so vermute ich, wäre die Bemalung der Giebelfassade wohl schon vor Jahrzehnten rekonstruiert worden.
    • Zunächst möchte ich mich entschuldigen, dass ich erst jetzt dazu komme zu antworten.

      Das Kämmereigebäude zu Neiße war 1602 bis 1604 erbaut worden. Unter den Arkaden des Erdgeschosses befand sich die Waage (es ist auch von Mehlwaage die Rede) und in den oberen Stockwerken befand sich der Sitz der Verwaltung des Fürstentums Neiße. Dieses gehörte den Fürstbischöfen von Breslau. Deshalb war Breslau Fürstbistum. Als die Stadt Breslau die Reformation durchführte, floh der Fürstbischof aus Breslau nach Neiße , das weiterhin dem alten Glauben treu blieb.

      Ich habe Folgendes zur Bemalung des Kämmereigebäudes gelesen und gebe es wieder, so wie ich es in Erinnerung behalten habe, konnte aber trotz intensiver Suche leider die schriftliche Quelle nicht wieder finden:

      Die Bemalung der Fassade habe bereits im Rahmen des Erbaung des Hauses, wohl etwa 1604 stattgefunden. Der Ring von Neiße wurde im Rahmen von Kampfhandlungen zwischen Preußen und den napoleonischen Truppen um 1810 teilweise zerstört oder beschädigt. Dies erklärt auch die vielen sehr einfachen klassizistischen Gebäude, die vor 1945 am Ring standen. Das Kämmereigebäude sei im Rahmen dieser Kampfhandlungen damals zwar auch beschädigt, jedoch nicht zerstört gewesen.

      Die originale Bemalung blieb weitest gehend erhalten, war jedoch gegen Ende des 19. Jh. sehr stark verblasst. Im Jahre 1890 wurde die originale Fassadenbemalung restauriert und wieder aufgefrischt. Man hatte sich dabei so genau wie nur möglich an das Original gehalten. Unter der Brüstung des ersten Obergeschosses befinden sich an der Giebelseite und einige Meter an der Traufseite die Portraits von Kaisern des Hl. Röm. Reichs dt. Nation. Wenn man das Foto herzoomt, kann man die Portraits etwas besser erkennen. Ich meine, es sei auch ein Portrait eines Bischofs (wohl ein Bischof von Breslau) mit dabei. Ferner meine ich seitlich einiger Portraits zusätzlich noch Beschriftung zu erkennen.

      Eine Bemalung mit den Kaisern des II. deutschen Kaiserreichs, also mit Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. war auf dem Kämmereigebäude zu Neiße jedenfalls nicht angebracht.
      Das nachfolgende Foto dürfte kurz nach der Renovierung von 1890 entstanden sein, die Malerei wirkt noch sehr frisch und klar:

      The post was edited 3 times, last by Villa1895 ().