Dresden - Wiederaufbau von Schloss Altfranken

  • Der Neubau ist immer noch nicht eröffnet, weil die Stadt wegen ausstehender Entscheidungen über drei Ergänzungsanträge, die Abweichungen von der Baugenehmigung legalisieren sollen, die Betriebserlaubnis noch nicht erteilt habe, schreibt die Sächsische Zeitung.

    Zur Architektur gibt es nicht viel neues, außer, dass der Bauherr viele Materialien aus der Toskana hat importieren lassen, z. B. Säulen aus Esskastanienholz und viel Marmor für Trinkbrunnen und Marmor-Kunstwerke. 15 Millionen Euro seien investiert worden. Kimmerle "habe sich weitgehend ans Original gehalten" und "wollte alles so, wie es jetzt aussieht". Na dann. Und so sieht's aus:

    6KXHOKHO7JAVVEPAOZYB6DH47A.jpg?auth=00e2fed251d2d62183d24965d9e368ee69a4a0f27cf1ac00d49b091ce3bd0d31&quality=70&focal=2056%2C1916
    Bildnachweis: Marion Doering in: Sächsische Zeitung

    Weitere Bilder hier und hier.

  • Leider ist es in diesem Fall vollkommen unmöglich, von einer Gesundung bzw. Heilung eines Zerstörungszustands zu sprechen. Diese Einschätzung ergibt sich aus den Bildern selbst; an den erkennbar geringen Ansprüchen an die Authentizität und Ausführung und aus weiteren Aspekten, über die man hier nicht sprechen muß. Der Import von Baumaterialien aus der Toscana ist als solches noch kein Garant für eine dem Original nahekommende Ausführung. Wohlan, so mögen die Wege denjenigen nach dort führen, den nach dort etwas verbindet.

    Kimmerle ist übrigens im Gespräch fürs HSR

    Dann vielleicht doch besser bleiben lassen.

  • Und hier haben wir sie, die vielbeschworene Disneyland-Architektur. Bevor sich selbst hier Leute gemein machen mit der Diffamierung von hochwertigen Rekonstruktionen, wie der Kuppel des Berliner Schlosses, können sie sich hier live und in Farbe ansehen, was tatsächlich minderwertige Disneyland-Architektur ist.

    Das man auf wertige Materialien verweist ist ulkig. Wahrscheinlich sind die alle nur im luxuriösen Spa-Bereich verbaut. ;)

  • Wie Treverer bereits richtig andeutete, können Rekonstruktionsfreunde fast dankbar sein für diesen Bau. Immer dann, wenn ihnen das Disneyland-Argument um die Ohren gehauen wird, können sie nun auf das Schloss Altfranken in Dresden verweisen und die Qualitätsunterschiede zwischen ernsthaften, wissenschaftlich begleiteten Rekonstruktionen und dieser Albernheit herausstellen. Was für ein geschmackloser Kitsch!

  • Wen es noch nicht genug gruselt, der kann hier noch ein Luftbild bestaunen. Der Blick auf die Dächer, den Vorplatz und die in der Landschaft herumstehende Technik ist wirklich atemberaubend:

    Schloss Altfranken

  • Ich frage mich, ob es an den zusammengestauchten Proportionen liegt - da er die gründerzeitliche Deckenhöhe nicht wollte, sondern niedrigere Decken - oder an den fehlenden Balkenköpfen unter den Zinnen, die wahrscheinlich zu aufwendig waren- vermutlich liegt es an Beidem. Der Eindruck wird noch dadurch vernichtet, dass er auch auf das aus dem Erdboden herausragende Kellergeschoss als Sockel verzichtet hat. Alles vermeidbare Fehler, die einfach dumm waren. Mit Materialien hat es nicht soviel zu tun.

  • Dresden hat mit diesem Projekt nichts hinzugewonnen, das man als eine Bereicherung ansehen könnte. Am Ende wird auch dieses Resultat den Gesetzen des Marktes unterworfen sein. Wie sehr sich das Projekt in einigen Jahren eingelebt, eingefahren hat, wird sich zeigen. Auch gut.

  • Wen es noch nicht genug gruselt, der kann hier noch ein Luftbild bestaunen. Der Blick auf die Dächer, den Vorplatz und die in der Landschaft herumstehende Technik ist wirklich atemberaubend:

    Und auf der Homepage dann: "Besonders für Romantiker, die auf der Suche nach glaubwürdiger Schlossatmosphäre sind, ist dieses Hotel am westlichen Stadtrand von Dresden ein Volltreffer." = Das muss doch bewusster Sarkasmus sein? :daumenhoch:

  • viele Materialien aus der Toskana hat importieren lassen, z. B. Säulen aus Esskastanienholz und viel Marmor für Trinkbrunnen und Marmor-Kunstwerke.

    Statt diesen teuren Firlefanz hätte er das Geld in eine äußerlich saubere Reko stecken sollen und falls das vom Platzbedarf nicht gepasst hätte hinterm Haus noch ein angepasster Anbau, und wäre damit wahrscheinlich billiger gefahren. Was für ein Griff ins Klo, dieser "Erinnerungsbau":daumenunten:

  • "Besonders für Romantiker, die auf der Suche nach glaubwürdiger Schlossatmosphäre sind, ist dieses Hotel am westlichen Stadtrand von Dresden ein Volltreffer."

    Nun, im Vergleich gefällt mir die Arwaburg dann doch deutlich besser. Manchmal kommen halt meine transsilvanischen Gene zum Vorschein; wobei die Arwaburg dort nicht liegt...

  • Das Gebäude könnte auch in einem Outlet-Center stehen.

    Wie vielen Outlet-Centern wäre das nur zu wünschen; von wegen der unbestreitbaren Aufwertung. Hier in Altfranken ist es aber leider umgekehrt. Selbst mit einem Outlet würde es leichter fallen, sich mit ihm irgendwie zu arrangieren statt mit diesem infantilen Legokasten.

  • Gerade gesehen: man bewirbt in Schloss Altfrankenstein nun auch Trauungsoptionen, wozu unter anderem ein Nachguß der "Josua", der Trauglocke der Frauenkirche, zur Verfügung steht. Der Nachguß ist im Prinzip künstlerisch genau so frei gefaßt wie der "Wiederaufbau" selbst. Hätte man Schloss Altfranken mit seinem ehemaligen Sockelgeschoß "wiederaufgebaut", wäre dort vielleicht das Geschäftsmodell der Unterbringung von Heiratswilligen realisierbar gewesen. Schade. Schon wieder ein Geschäftsmodell gescheitert... Scheitern die Ehen - naja, auch dafür ist gesorgt. Ein kleiner nächtlicher Sturz von den Zinnen...

    Die Trauglocke im Kim Hotel im Park Dresden: perfekt für die Hochzeit

  • Also. Ich finde die Diskussion nicht sehr fair. Immerhin hat sich hier jemand an einem vor fast 100 Jahren verschwundenem Gebäude orientiert. Das ist keine Selbstverständlichkeit heute. Es hätte auch ein Schuhkarton werden können.

    Wir wissen Alle nicht welche Hürden die Stadt bezüglich Abmaßen, Brandschutz und Sonstwas aufgestellt hat.

    Es ist ein ganzes Stück weg vom Idealzustand. Aber es kann daraus im Laufe der Zeit etwas werden. Evtl. wird iwann der Turm in den richtigen Maßen ersetzt. Dann der eine Flügel. Später ein Anderer.

    So ein Gebäude muss ja auch einen Umsatz bringen. Sonst ist es irgendwann wieder zerfallen. Und der Umsatz ermöglicht dann die Verbesserung.

    Ein bischen mehr Demut auch vor solchen Projekten sollte sein.

    Schöne Städte werden letztlich auch glückliche Städte sein.