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Köln - Der Alter Markt

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    • Köln - Der Alter Markt

      Hier soll es in Zukunft um den Alter Markt in Köln gehen. Da ich mittlerweile einiges Material zusammengetragen habe, möchte ich es in einem eigenen Strang vorstellen.

      Anfangen möchte ich mit einem in den vergangenen zwei Monaten entstandenen Video, was einen recht guten Gesamtüberblick über den historischen und den heutigen Alter Markt gibt:

    • Falls es Fragen zur Entstehungsgeschichte des Videos gibt, hier eine kurze Erklärung, wie ich vorgegangen bin:

      Zunächst habe ich mir die historische Situation mit Hilfe sämtlicher Bilder, die ich vom historischen Alter Markt finden konnte, klar gemacht, was nebenbei bemerkt nicht ganz einfach ist, da in den ~90 Jahren, wo Fotomaterial vom Alter Markt existiert, doch ziemlich viel umgebaut wurde. Teilweise wurde Fassadenschmuck angebracht, teilweise wieder entfernt, und ein paar wenige Häuser wurden komplett neu gebaut. Wer im Video genau hinschaut, wird an der ein oder anderen Stelle auch inkonsistente Zustände zwischen zwei Bildern finden, das ließ sich leider nicht verhindern. Nichtsdestotrotz hat der Alter Markt in meinen Augen durch die Umbauten aber nicht wirklich seinen Charakter verändert.

      Danach habe ich die historische Karte mit der heutigen Karte überblendet und ermittelt, zu welchem historischen Grundriss welches historische Haus gehört und welches moderne Haus heute dort steht. Zum Glück sind die meisten Grundstücke von heute Kombinationen von mittelalterlichen Parzellen, sodass die Grundstücksgrenzen von heute größtenteils schon früher Grundstücksgrenzen waren. Ich werde eine passende Karte hier noch einstellen, wenn ich sie fertig aufbereitet habe.

      Die von mir geschossenen Fotos zeigen also exakt die selbe Stelle wie das zugehörige historische Bild mit exakt dem selben Bildausschnitt. Die überblendeten Häuser entsprechen genau der historischen Situation. Das so genau hinzubekommen, ist eine Mischung aus der Streuung meiner Position beim Fotografieren eines Ausschnitts (also pro Ausschnitt habe ich mindestens 10 Bilder aus leicht unterschiedlichen Positionen gemacht) und der Nachbearbeitung am Computer, wo ich die Grundstücke möglichst genau übereinandergelegt und perspektivische Verzerrungen korrigiert habe. Eine Ausnahme stellt die Detailaufnahme der Rathausfassade da, wo ich jeweils die Gebäudemitte verglichen habe, anstatt die korrekte Position beizubehalten.
      Da, wo die Überblendung nicht ganz korrekt und wie aus einer leicht anderen Position wirkt, sind tatsächlich die Straßen verbreitert worden, oder wie im Fall der Zollstraße heute nicht mehr vorhanden, teilweise ist auch die Gebäudehöhe stark unterschiedlich.

      Ein Dankeschön möchte ich übrigens noch an @Konstantindegeer und @Bert richten, die mir freundlicherweise erlaubt haben, ihre Bilder von Potsdam und Dresden für die kurze Motivation am Ende des Videos zu verwenden.
    • Werfen wir einen Blick auf die historische Karte vom Alter Markt. Vorlage war hier der Plan für die Altstadtsanierung von 1925:
      bildindex.de/document/obj05204614/mi00944b11/?part=0



      Grün eingefärbt sind die Häuser, die den Krieg überstanden haben, rot die Verluste. Man sieht, viel ist wahrlich nicht übrig geblieben.
      Da ist zum einem der Bereich in der Mühlengasse, allerdings erfolgte hier schon ein Umbau im Historismus, als generell nicht allzu großer Kritiker des Historismus muss ich aber sagen, in der Lage einfach ein unpassender und viel zu großer Bau in der damals noch sehr schmalen Gasse. Wie man sieht, wurde das vermutlich im Krieg abgebrannte Dach durch nicht besonders erbauliche Aufbauten verunstaltet:



      Zum zweiten existieren noch zwei gründerzeitliche Häuser an der Südseite des Alter Marktes im Bereich der Hühnergasse. Das linke (auch gut im Video zu sehen) hat ebenfalls ein verhunztes Dach, wäre aber ein lohnenswerter Kandidat für eine Wiederherstellung des Originalzustandes:



      Das dritte im Historismus entstandene, als solches aber nicht mehr erkennbare Haus befindet sich auf der Südseite des Eingangs zur Lintgasse. Hier wurde der Giebel nach dem Krieg an das zwei Stockwerke kleinere Vorgängerhaus angelehnt. Auf die mehrfachen Umbauten weisen die Jahreszahlen an den Mauerankern hin:



      Das einzig wirklich alte Haus ist das bekannte Doppelhaus "Zum Bretzel" und "Zum Dorn", erbaut 1580. Das Haus brannte im Krieg zwar aus und Teile der Giebel stürzten herab, es wurde aber originalgetreu wieder instand gesetzt. Ein großes Glück, dass ähnlich wie auf dem Heumarkt mit dem Haus "Zum Sankt Peter" eines der schönsten Häuser als eines der wenigen den Krieg überlebt hat:



      Die restlichen Grundstücke wurden zwar im an die Hisorie angelehnten Stil wieder aufgebaut, doch wie auch im Video zu sehen, zum Großteil ohne Bezüge zum Vorgängerhaus, viel zu groß und klotzig und teilweise mit völlig unpassender Fassadengestaltung.
      Die anderen untergegangenen Häuser möchte ich hier noch nach und nach vorstellen, aber da wird noch ein wenig geschichtliche Recherchearbeit nötig sein.
    • Centralbahnhof wrote:

      ... hat ebenfalls ein verhunztes Dach, wäre aber ein lohnenswerter Kandidat für eine Wiederherstellung des Originalzustandes:
      Auf jeden Fall! Schon öfter erwähnt, aber man stelle sich einmal vor, wie deutlich sich bundesweit die Attraktivität der Innenstädte erhöhen ließe, wenn man allein die verunstalteten Vorkriegshäuser wieder herstellen würde.

      Sooo viele Dächer, Türmchen und Kuppeln gibt es noch zu rekonstruieren. Durch ein wiederhergestelltes Dach gewinnt man in vielen Fällen auch noch Wohnraum dazu. Außerdem dürfte sich der Wert der Immobilien steigern.

      Kann die Politik da nicht etwas drehen, damit viele Hausbesitzer diese Maßnahmen durchführen lassen?
    • @Neußer und @Heimdall, ja das stimmt, da wäre mit relativ einfachen Mitteln schon recht viel zu machen. Wenn sich unsere Vorstellungen von gelungener Architektur erstmal wieder überall durchgesetzt haben, kann das alles in einer Welle erledigt werden. Wir müssen aber erstmal das schwerere Holz hacken ;)

      Betrachten wir nun die historischen Grundstücke zusammen mit der heutigen Grundstückssituation. Die schwarz schraffierten Flächen zeigen die die historische Bebauung an, die hellblauen Bereiche markieren die heutige Bebauung mit orangenfarbenen Grundstücksgrenzen:



      Man erkennt Straßenverbreiterungen im Bereich der Wehrgasse, der Mühlengasse, der Straße Richtung Heumarkt "Unter Kaiser" und der Kleinen Budengasse (links oben, nicht beschriftet). Eigentlich lässt sich keine der Straßen mehr als "Gasse" bezeichnen. Die einzig in ihrer Form halbwegs erhaltene Straße in dem Bereich ist die Lintgasse, wo man ja partiell noch an einer der ganz wenigen Orte das "alte Köln" noch erleben kann.

      Auffällig ist auch, dass (ebenfalls im Video gut zu sehen) die Zollstraße (die es so gar nicht mehr gibt), die den freien Blick vom Alter Markt auf den Chor von Groß St. Martin gewährte, mit einem zusätzlichen Haus geschlossen wurde.
      Gleichzeitig wurde auf der anderen Seite ein Durchbruch zum Rathausplatz geschaffen, der gleichzeitig einen besseren Blick vom Alter Markt auf den Rathausturm ermöglicht. Hier würden bezüglich einer Rekonstruktion vermutlich Diskussionen aufkommen, wenn man diesen Blick wieder zubauen und die Treppe zum Rathaus entfernen würde.

      Was man aber ansonsten sieht, ist eigentlich recht vielversprechend: Mehrere historische Grundstücke wurden zwar häufig zu einem größeren zusammengefasst, grundsätzlich existieren die meisten Grundstücke aber noch so wie vor der Zerstörung. Bei einer verträglichen Rekonstruktion könnte man bei Sanierungsbedarf nach und nach die 50/60er-Jahre-Bauten herausnehmen und durch Rekonstruktionen ersetzen.