Bürgerschaftswahl 2019 - Wahlprüfsteine von ANSCHARI



  • Am 26.Mai 2019 findet die Wahl zur 20. Bremischen Bürgerschaft statt. Der Verein Anschari i.G. – Vereinigung für das historische Stadtbild Bremens hat den sich zur Wahl stellenden Parteien, deren Spitzenkandidaten und Fraktionen fünf Prüfsteine vorgelegt.


    Die Antworten sollen – nach Fragen gegliedert – in der Reihenfolge ihres Einganges in den nächsten Tagen hier im Originalwortlaut eingestellt werden.


  • Sehr interessant! Positiv wäre zu vermelden, dass es von keiner Partei grundsätzliche Bedenken gegen Rekonstruktionen gibt. Dass die Linkspartei lieber eine Reko des Opelturms statt des Citygates gehabt hätte, war mir z.B. völlig neu und auch unerwartet. Natürlich kommen dann auch ein paar der wohl unvermeidlichen Floskeleien zum Stadtschloss und zur Frankfurter Altstadt, aber Fundamentalopposition sieht für mich anders aus.


    Im Prinzip sagen alle mehr oder minder: Wenn Ihr jemanden findet, der es machen will, das ganze auf einer breiten zivilgesellschaftlichen Basis steht und es ein gutes Nutzungskonzept gibt, haben wir nichts dagegen. Gibt sicherlich rekofeindlichere politische Umgebungen, auch wenn man natürlich viel blubbern kann, wenn es auf Wahlen zugeht.

  • Fundamentalopposition sieht für mich anders aus

    Ist halt Wahlkampf...

    98% of everything that is built and designed today is pure shit. There's no sense of design, no respect for humanity or for anything else. Frank Gehry

  • Zuerst dachte ich auch, dass das sich zumindest nicht negativ anhört. Aber nachdem ich mir das nochmal durchgelesen habe denke ich das nicht mehr. Der Frage nach konkreten Gebäuden weichen alle schon mal aus - ok, Wahlkampf, man will nichts sagen was Probleme bereiten könnte. Aber Maßnahmen die eine Reko ermöglichen/unterstützen, wenn der Rahmen stimmt, wollen im Falle des Falls nur BiW und AfD ergreifen. Die Linke achtet nur darauf ob es eine ihr genehme Reko wäre, während der Rest die Hände in den Schoß legt und ihrerseits nur schaut das es ihnen kein Geld kostet und ihrem Ansehen nicht schadet. Ansonsten ist es ihnen egal und würden sich dann nur mit freuen, wenn denn so ein Projekt mal gelingt. Besonders aus den Zeilen von SPD, CDU und Die Linke lese ich heraus, dass sie keine konkrete Vorstellung von der Thematik haben. Stattdessen beten sie lieber irgendwelche Zeilen in Zusammenhang mit alten Gebäuden und Denkmalschutz runter.

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • Ja, man merkt deutlich, dass dieses Thema für die meisten Politiker völliges „Neuland“ ist, mit dem sie sich bisher überhaupt nicht befasst haben. Dementsprechend nur unverbindliche Phrasen, bis auf die zwei genannten Parteien, die ja aber selbstverständlich unwählbar sind. ;)

  • Kornhaus - Rekapitulation


    Zum besseren Verständnis der Antworten auf den 2. Wahlprüfstein hier einige Bilder zur Erinnerung:


    1. Visualisierung des am exakten Standort rekonstruierten Kornhauses:


    Blick vom Geeren zum Westende der Langenstraße - einmal mit, einmal ohne Kornhaus.



    Blick von der Neustadt auf die Weserfront - einmal mit, einmal ohne Kornhaus.



    2. Visualisierung eines nach Axel Spellenberg leicht nach Osten verschobenen, rekonstruierten Kornhauses:


    Luftbild.



    Blick vom Geeren zum Westende der Langenstraße.



    Blick auf die Osthälfte des Langenstraßen-Giebels.



    Weitere Hintergrundinformationen:


    Bremen - Kornhaus


    Und hier noch ein Film zur Spellenberg-Planung - mit interessanten Einblicken in das Nutzungskonzept / Innenleben:


  • Jetzt differenziert sich das Bild schon sehr deutlich. Während sich die SPD weiter mit einem langen Roman durch die Thematik wurschtelt und die CDU noch starrer im merkel'schen Aussitzmodus verharrt, haben AfD und Die Linke klare Positionen die über das simple "Ja wir wollen" der BiW hinausgehen. Blick auf das große Ganze auf der einen, die klare Absage an staatliche Finanzierung auf der anderen Seite.


    Die FDP sagt nahezu das selbe wie Die Linke, hat aber nebenbei andere Ziele Blick. Da wäre interessant zu wissen welche.
    Und die vorher nur schwammig formulierenden Grünen haben sich letztlich mit einem Satz gänzlich ins Aus geschossen. Aber vielleicht muss man ihnen auch nur nochmal erklären das keine Computersimulation oder bedruckte Folien an Gerüsten gemeint sind, sondern ein Gebäude aus so richtig echten Steinen und Holz, mit richtigen Mauern und einem Dach.

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

    Edited once, last by Fusajiro ().

  • Nun, aber selbst die "Linke" ist dem Kornhaus-Vorhaben gegenüber nicht grundsätzlich gegnerisch eingestellt, sondern äußert sich zumindest durchaus wohlwollend, so lange keine Steuergelder dafür verwendet werden. Das finde ich eine positive Überraschung. CDU und SPD reden natürlich um den heißen Brei herum und sind nicht begeistert von der Idee, aber sie äußern immerhin keine kategorische Ablehnung, wären also bei privater Finanzierung eventuell offen für ein solches Projekt. Einzig die "Grünen" kristallieren sich als klare Gegner heraus. Das überrascht mich aber überhaupt nicht.


    P.S.: Kleine Korrektur. Nicht einzig die "Grünen". Die Bremer FDP positioniert sich auch eindeutig "Anti"-Reko. Tja, was soll man dazu sagen. Business über alles...

  • Sehe ich so wie "Heimdall". Insgesamt am klarsten contra wohl die FDP und die Grünen, SPD und CDU relativ mau, wobei sich Frau Sascha Aulepp von der SPD zumindest belesen zu haben scheint, die rechten Parteien pro mit variabler Qualität der Aussagen, am überraschendsten schon nach der Alternatividee für den Bahnhofsplatz auch beim Kornhaus die Linkspartei.


    Alles ziemlich interessant und auch meiner Meinung nach vorsichtig positiv zu werten. Zumindest ein Ansporn, mit dem guten Nutzungskonzept von Herr Spellenberg für das Kornhaus an den Start zu gehen... fehlt nur noch ein Investor.

  • Nicht altstadttypische Bauten - Rekapitulation


    Zum besseren Verständnis der Antworten auf den 3. Wahlprüfstein hier einige Bilder zur Erinnerung:


    1. Neubau von Kühne & Nagel zwischen Martinistraße und Großer Weserbrücke.




    2. Geplanter Neubau auf dem bisherigen Sparkassen-Areal am Brill

  • Erhöhung der Attraktivität für Touristen - Rekapitulation


    Zum besseren Verständnis der Antworten auf den 4. Wahlprüfstein hier einige Bilder zur Erinnerung:


    1. Verweildauer der Touristen in Bremen sehr ausbaufähig


    Um die Jahrhundertwende wurde Bremen überseeischen Touristen als Quintessenz der europäischen Stadt angepriesen, in der man gut und gerne mindestens drei Tage verbringen konnte. Heute besteht die ganz überwiegende Zahl der Gäste aus Tagestouristen, mit allerhöchstens einer Übernachtung !








    2. Kein stadthistorisches Museum in der Altstadt


    Unter den deutschen Städten vergleichbarer Größe verfügt nur Bremen über kein stadtgeschichtliches Museum in seinem Innenstadtbereich. Das diesem Zweck gewidmete und früher an der Westspitze der Altstadt, im ehemaligen Armenhaus, beheimatete 'Focke Museum', befindet sich seit dem Kriege im für Tagesgäste in unattraktiver Ferne gelegenen, vorstädtischen Schwachhausen. Zumindest eine repräsentative innerstädtische Dependance zu schaffen, ist deshalb ein großes Desiderat. Eine wiederaufgebaute 'Anschari' wäre eine geeignete Stätte dafür.


    a. Zeichnung des alten Focke Museums aus den 1920er Jahren.



    b. Zeichnung der wiederaufgebauten 'Anschari' von Mitforist Mündener (herzlichen Dank nochmals !)



    3. Fehlen eines Theater- / Opernhauses im Stadtkern


    Seit der Zerstörung des Staatstheaters am Wall im Kriege, fehlt Bremen ein großes Bühnenhaus im Stadtkern. Das Theater am Goetheplatz kann die potentiell vorhandene Nachfrage auch auswärtiger Gäste nur ungenügend abdecken.


    Zuschauerraum des alten Staatstheaters.


  • Architektonische Schönheit der Stadt - Rekapitulation

    Zum besseren Verständnis der Antworten auf den 5. Wahlprüfstein hier einige Bilder zur Erinnerung:


    1. Altstadtsilhouette


    Blick vom Bamberger-Haus in der Gegenwart.



    Blick vom Bamberger-Haus 1925.



    2. Altstadtstraßen


    Alte, den hanseatische Kaufmannsgeist atmende, von Kontor- und Patrizierhäuser gesäumte Altstadtstraßen gibt es heute in Bremen so gut wie gar nicht mehr. Vor der Zerstörung durch Krieg und verfehlten Wiederaufbau war die Langenstraße eine derartige gediegene Wegeverbindung. Den Vergleich mit der Mengstraße oder der Großen Petersgrube in der Schwesterstadt an der Trave, brauchte sie wahrlich nicht zu scheuen. In der Langenstraße traf man zwischen Schütting, Essighaus und Kornhaus auf Schritt und Tritt auf alt-bremischen Kaufmannsgeist, majestätisch hochragende Giebel und Prachtexemplare der Weser-Renaissance. Konsul Jean Buddenbrook hätte sich hier ebenso zuhause gefühlt, wie es Demoiselle Engel tat. Diese Straße hat unglaubliches ästhetisches Potential, welches es geschickt zu heben gilt !


    Nordseite mit Meier'schem Haus, Essighaus und Stadtwaage.



    Südseite zwischen den Geschäftshäusern von Jaeger & Eggers und Suding & Soeken.



    3. Bedrohte Schönheit jenseits des Walls


    Auch das Stadtbild in den Vorstädten und den Außenbezirken gilt es zu bewahren ! Aktuellstes Beispiel: Die gefährdete Villa von 'Heini' Gross !





  • dankt allen Politikern und Parteimitarbeitern recht herzlich für die freundliche Beantwortung unserer Fragen !