Mobilität und Städtebau

  • Hmm, das ändert aber nichts daran dass es den Stromverbrauch um den Faktor 2-3 erhöhen wird. Ob wir die Infrastruktur dafür werden bereitstellen können ist bei gleichzeitiger Energiewende tatsächlich fraglich.


    Da sind wir aber schon wieder bei einem der Kardinalfehler, die im Zusammenhang mit der Förderung der Elektromobilität begangen wurden.

    Eine sinnvolle Abfolge wäre gewesen: Ertüchtigung der Netze und insbesondere der Trassen, Ausbau der Umwandlungsanlagen für regenerative Energie, Ausbau einer Ladeinfrastruktur und dann erst ist die massive Erhöhung des Anteils der Elektromobilität sinnhaft.

    Die meisten negativen Kommentare der Anfangszeit beinhalten fehlende Lademöglichkeiten. Noch heute werden "unbestätigten Gerüchten zufolge" über 30 Prozent der Anträge auf Ladeeinrichtungen wegen mangelhafter Möglichkeiten zur Bereitstellung des Stroms durch die vorhandenen Netze abgelehnt.

  • Immer dasselbe. "Erst muss x, bevor man y machen kann, deshalb klappt alles nicht". Erst muss der ÖPNV der beste der Welt sein, bevor man auch nur ein Parkhaus abreißen oder eine Straße sperren darf für den MIV. "Haha, wie sollen sich denn Benzinautos ohne Tankstellen durchsetzen"?

    So funktioniert die Welt aber nicht, Leute, hat sie noch nie. Was glaubt Ihr, wie populär der Netzausbau wäre mit seinen umgelegten Kosten, wenn man dafür gar keine spürbaren Verbesserungen erleben würde, für 10, 15, 20 Jahre, weil man ja auch keinen Fall zusätzliche Ladepunkte bauen darf vorher, keine PV-Anlage anschließen, keine Batteriespeicher? Wie genau stellst Du Dir das denn vor, erst die Ladepunkte ausbauen, bevor man Elektroautos zulässt? Wir fordern von der Industrie erstmal ein perfekt ausgebautes Tankstellennetz, das einige Jahre nutzlos rumsteht, bevor die ersten benzinbetriebenen Fahrzeuge zugelassen werden? Wie kommt man denn auf solche Ideen?

    Eine solche Entwicklung ist praktisch unmöglich perfekt zu synchronisieren. Natürlich hätte man das alles besser machen können, besser abstimmen. Nicht zuletzt wurde der jetzt zurecht bemängelte schleppende Netzausbau nach Kräften von den genau den politischen Kräften behindert, die ihn jetzt am Lautesten bemängeln, v.a. in Süddeutschland.

    Ein bisschen haken tut es bei solchen Umwälzungen immer. Aber im Prinzip funktioniert doch alles. Auch das mit den Ladepunkten? Wo sollen die denn zu wenig sein? Die schießen überall wie Pilze aus dem Boden, an jeder Autobahnraststätte, öffentlichen Parkplätzen, in Städten und auf dem Land. Ein Problem ist sicher, dass die Netze zur Zeit noch nicht überall die benötigten großen Batteriespeicheranschlüsse aufnehmen können, was wiederum den Ausbau der EE behindert.

  • Um hier auch endlich mal wieder über Städtebau zu reden:

    Quote

    Nach dem erfolgreichen Abschluss mehrerer Pilotprojekte im Ballungsraum Köln/Bonn ist [der Ladebordstein] nun serienreif.
    Die Stadtwerke Düsseldorf sind bereits Kunde: Bis Jahresende 2025 werden 20 Stück in Betrieb genommen. Die ersten sind in der Derendorfer Allee 19-21 nördlich vom Zentrum installiert. Und bereits die Hälfte der neu geplanten Ladestationen für 2026 könnte aus Ladebordsteinen bestehen, zitiert die "Rheinische Post" den zuständigen Projektmanager der Stadtwerke Düsseldorf. Dort hält man sie für ein "perfektes Mittel zur Nachverdichtung der vorhandenen Infrastruktur".

    [...]

    Ein Pilotprojekt in Köln-Lindenthal mit vier solcher Lademöglichkeiten auf Gehweghöhe hat binnen eines Jahres rund 2800 erfolgreiche Ladevorgänge ermöglicht. Auch bei Wind und Wetter bewiesen die Ladebordsteine ihre Praxistauglichkeit, waren zu 99 Prozent verfügbar.

    [...]

    Bei Straßenausbesserung könnten zukünftig in regelmäßigen Abständen Ladebordstein-Dummys verlegt werden – mit der Option, später daraus nach und nach funktionierende Ladestationen – auch für die benachbarten Haushalte – zu machen.

    Im Artikel gibt es noch viel Infos rund um die Technik und ob sie für Privathaushalte zur Verfügung steht:

    Hier gibt's den Strom fürs E-Auto aus der Bordstein-Steckdose!
    Der neue Ladebordstein von Rheinmetall ermöglicht das Laden am Straßenrand. Hier kann man bereits Strom aus der Bordstein-Steckdose ziehen!
    www.autobild.de
  • Immer dasselbe. "Erst muss x, bevor man y machen kann, deshalb klappt alles nicht". Erst muss der ÖPNV der beste der Welt sein, bevor man auch nur ein Parkhaus abreißen oder eine Straße sperren darf für den MIV. "Haha, wie sollen sich denn Benzinautos ohne Tankstellen durchsetzen"?

    So funktioniert die Welt aber nicht, Leute, hat sie noch nie. Was glaubt Ihr, wie populär der Netzausbau wäre mit seinen umgelegten Kosten, wenn man dafür gar keine spürbaren Verbesserungen erleben würde, für 10, 15, 20 Jahre, weil man ja auch keinen Fall zusätzliche Ladepunkte bauen darf vorher, keine PV-Anlage anschließen, keine Batteriespeicher? Wie genau stellst Du Dir das denn vor, erst die Ladepunkte ausbauen, bevor man Elektroautos zulässt? Wir fordern von der Industrie erstmal ein perfekt ausgebautes Tankstellennetz, das einige Jahre nutzlos rumsteht, bevor die ersten benzinbetriebenen Fahrzeuge zugelassen werden? Wie kommt man denn auf solche Ideen?

    Eine solche Entwicklung ist praktisch unmöglich perfekt zu synchronisieren. Natürlich hätte man das alles besser machen können, besser abstimmen. Nicht zuletzt wurde der jetzt zurecht bemängelte schleppende Netzausbau nach Kräften von den genau den politischen Kräften behindert, die ihn jetzt am Lautesten bemängeln, v.a. in Süddeutschland.

    Ein bisschen haken tut es bei solchen Umwälzungen immer. Aber im Prinzip funktioniert doch alles. Auch das mit den Ladepunkten? Wo sollen die denn zu wenig sein? Die schießen überall wie Pilze aus dem Boden, an jeder Autobahnraststätte, öffentlichen Parkplätzen, in Städten und auf dem Land. Ein Problem ist sicher, dass die Netze zur Zeit noch nicht überall die benötigten großen Batteriespeicheranschlüsse aufnehmen können, was wiederum den Ausbau der EE behindert.

    Ich lass mal ausnahmsweise das Vollzitat stehen, weil am Handy die Einzelargumentation nicht beantworten kann.

    Natürlich sollte man Grundvoraussetzungen schaffen, bevor man derart umfassend (erhoffte und auch mögliche) Änderungen in Angriff nimmt. Natürlich muss man die Stromtrassen und das gesamte Stromnetz ertüchtigen, wenn man zusätzliche Verbraucher in das System implementieren will. In Berlin sind die Leitungen zum Teil derart unterdimensioniert, dass man für Wärmepumpen oder elektrissche Durchlauferhitzer keine Genehmigung zur Installation und Inbetriebnahme bekommt - gleiches gilt selbstverständlich auch für die Elektromobilität. Was erwartet man denn "von oben" hinsichtlich Kaufentscheidung, wenn eine Wallbox nicht genehmigt wird und der nächste verfügbare Ladepunkt 2 km entfernt ist und das buchbare Zeitfenster von 4 Uhr morgens bis 7uhr15 möglich ist und dort wegen der Netzkapazität das Schnellladen nicht angeboten werden kann ???

    Jeder technische Fortschritt ist zu Beginn mit Einschränkungen verbunden - NUR: über die Ertüchtigung der Stromtrassen wird ja nicht erst seit dem Projekt der Elektromobilität diskutiert. Das hat doch bereits viiiiiel früher begonnen. Wäre das nicht wegen "politischer Intrigen" immer weiter verschoben worden, dann hätten wir die heutigen "Engpässe" gar nicht (oder zumindest nicht in der Mächtigkeit). Hätte "man" die Zeichen der Zeit bereits Ende der 90-er Anfang der 2.000-er Jahre richtig erkannt und für die Umsetzung gekämpft, gäbe es die heutigen Probleme mit der Bereitstellung des Stroms beim Endkunden nicht. Dabei ist es egal - um hier nur von Berlin zu reden - ob in der Frohnau die Wärmepumpe abgelehnt oder in Kreuzberg die Wallbox nicht genehmigt wird. Wenn in einer Moabiter Strasse mit über 60 Hausnummern und rund 1.000 Wohnungen in/an keinem Haus eine Ladestation genehmigt wird und nur an einem Ende der Straße 2 öffentliche Ladestationen installiert werden können, dann gib den Bewohnern EIN Argument für die Kaufentscheidung pro Elektroauto, dass nicht lautet" mit den längeren Fusswegen zur Ladestation macht man gleichzeitig etwas sinnvolles für die eigene Gesundheit.

  • Es ist zwar themenfremd, daher fasse ich mich kurz: Die deutsche Automobilindustrie wird wohl eine ähnliche Nischeinindustrie werden wie die früher weltweit führende deutsche Motorradindustrie*

    Man muß sich nur mal den gigantischen Stellenabbau (und die außergewöhnlich langen Werksferien) der Automobilhersteller (und der Zulieferer) sowie die Gewinneinbrüche ansehen ... und um den Schwenk zum Städtebau zu schaffen:

    Stuttgart hat aufgrund der eingebrochenen Gewerbesteuereinnahmen dieses Jahr ein Defizit von fast 900 Millionen Euro. In Ingolstadt wird auch gespart, außerdem kommen dort jede Menge neue Häuser und Wohnungen auf den Markt, deren Eigentümer wohl vorher bei Audi unter besseren Bedingungen beschäftigt waren.

    Entsprechend erwarte ich mir auch für die städtebauliche Entwicklung und den Wohlstand nichts gutes. Aber die Politik hat ja schon reagiert und macht in dieser Legislaturperiode über 1 Billion neue Schulden.

    *es gibt noch BMW, allerdings verkaufen die einem inzwischen teilweise originale China-Produkte unter eigenem Namen, wobei die Entwicklung auch gleich nach China verlagert wurde, Pech nur, wenn die Chinesen dann dieselben Produkte unter eigenem Namen deutlich billiger in Deutschland verkaufen. Audi macht ja schon mal den Anfang und verkauft (vorerst nur in China) unter dem Namen AUDI und ohne Ringe ein Produkt des chinesischen Kooperationspartners

    What you teach people to do is admirable, but what you teach them to believe is foolish.

    Mongkut

  • Erlaubt mir bitte auch zwei Takte hierzu: Die Branche ist richtig in der Krise, vor allem Konzerntöchter und Zulieferer spüren einen immensen Kostendruck, kurzfristig aufgekündigte Gewerke, unklare Perspektiven aufgrund Umstrukturierungen auf Seiten der OEMs etc. es gibt Insolvenzen, Kurzarbeit und Stellenabbau.

    Ausgeschriebene Gewerke werden größer, sie sind somit für kleinere Firmen nicht mehr zu stemmen, Von den finanziellen Konditionen her ist es nicht möglich die Gewerke rein in Deutschland zu bearbeiten, das Stichwort ist hier das Einbeziehen von Best Cost Country Sourcing (BCC), bspw. osteuropäischer oder asiatischer Länder, deren günstigere Fachkräfte zunehmend die Fachkräfte hierzulande ersetzen, das wird explizit vom OEM gefordert bzw. keine andere finanzielle Wahl gelassen. Das führt natürlich wiederum zu gänzlich neuen Herausforderungen. Neben BCC kommt vermehrt KI zum Einsatz, um Prozesse und Automatisierungen effizienter zu gestalten, sowie Zeit und Kosten zu sparen und Entwicklungszeiten (theoretisch) einhalten zu können. Dazu kommen geringere Produktionskapazitäten in den Werken und es entfallen vorzugsweise sehr lukrative Nachtschichten am Band (als sogenannte "Dauernachtschichtler" bezahlen viele ihre Immobilien ab).

    Die Krise betrifft ja nicht nur die bekannten Orte der Automobilindustrie wie Stuttgart oder Ingolstadt, sondern viele kleinere Standorte in ganz Deutschland, die bspw. von den Planungen seitens Conti oder ZF, und wie sie alle heißen, betroffen sein werden.

    "Seine Welt zeige der Künstler - die niemals war noch jemals sein wird“

    - Hermann Bahr (Inschrift des Ateliergebäudes der Darmstädter Künstlerkolonie)

  • Ja, aber das ist doch alles nicht die Schuld der Politik (außer vielleicht beim Thema Lohnnebenkosten, wo die letzten relevanten Reformen leider in die Schröderära fallen). Das ist das, was passiert, wenn man abgehängt wird, zu spät schaltet, politisch geschützt wird. Ironischerweise steht relativ gesehen zur Zeit ausgerechnet der Volkswagenkonzern relativ gesehen am besten da, weil er wenigstens halbwegs konkurrenzfähige E-Autos am Markt hat. Die Dinger verkaufen sich auch im europäischen Ausland exzellent.

    Das Modell Deutschland, basierend auf einem Knowhowvorsprung beim Verbrennerantriebsstrang, den wir tatsächlich wie niemand sonst bauen konnten, und den wir mit einer künstlich unterbewerteten Währung und vergleichweise niedrigen Löhnen mit einem durch die USA kontrollierten und gesicherten, regelbasierten Welthandel in die ganze Welt exportieren konnten, isch over, egal was hier noch geträumt werden mag. Man kann den Schmerz noch verlängern/die Welle noch so lange wie es irgend geht reiten, nichts wird verhindern können, dass Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor so oder so in 10 Jahren praktisch unverkäuflich sein werden.

    Es kommen unsichere Zeiten, sowohl was Handel angeht (Piraterie, Zollkriege, all die Segnungen der herbeigesehnten "multipolaren Welt") als auch was unsere Wettbewerbsfähigkeit angeht. Das Modell Deutschland steht vor den größten Herausforderungen seit Gründung der Bundesrepublik. Das muss klarsichtigen Beobachtern auch schon vor 10 Jahren zwingend erschienen sein, aber nun überschlagen sich die Ereignisse halt, Kriege, Energiekosten, Wegfall der USA als gieriger Abnehmer von allem "made in Germany" treffen auf eine sich verschärfende demografische Krise. Wenn die jetzige Regierung das Thema Rente und Gesundheit nicht beherzt angeht, und zwar jenseits der Reförmchen der letzten 20 Jahre, sondern mindestens auf dem Niveau der letzten disruptiven Reformen unter rotgrün Anfang/Mitte der 2000er und eher noch härter, dann wird unser Wohlstand endgültig dahin sein.

    Und nichts und niemand auf der Welt wird die Zeit zurückdrehen können und einen superaufgeladenen Turbodiesel von BMW mit 540 Nm Drehmoment und 8-Gang DKG wieder zu einem Renner machen, den die ganze Welt haben will.

  • Ehrlich gesagt: Nein.

    Nicht, so lange Deutschland nicht aus seinem „Besitzstand-Bewahrungsmodus“ herausfindet.

    Wir möchten technologieoffen den Verbrenner retten und verdrängen lieber, dass „unsere Autos“ in einer Welt, in der futuristische Vehikel leise und fahrerlos durch die Gegend surren und nur noch als Service zu vermarkten sind, den Coolnessfaktor einer analogen Schallplatte haben werden: Nett, aber irrelevant.

    Raumfahrt und Roboter? Spinnereien verrückter Multimilliardäre. Kann man mal als Forschungsprojekte unter „ferner liefen“ durch die EU fördern lassen, aber das ist doch nichts, wovon eine erwachsene Industrienation ernsthaft leben kann, oder?

    Künstliche Intelligenz, RZ Grosscluster - bekommt Brüssel mit der weltstrengsten Regulierung in den Griff, wir können uns wieder hinlegen.

    Die Rente? Kranken- und Pflegeversicherung? Da sind wir ganz bei Norbert Blüm, die sind sicher. Es gibt zwar nur halb so viele junge Leute, wie wir bräuchten, um das System am Leben zu halten. Aber notfalls stopfen wir eben das eine Loch mit dem anderen, machen mehr Schulden oder erhöhen die Steuern - echte Reformen nein danke.

    Ja, das ist deprimierend. Manchmal kommt mir unser Land vor wie ein Alkoholkranker, der sich weigert, den ersten Schritt zu gehen: Anzuerkennen, dass er ein ernstes Problem hat.

    Unsere Zukunft kann nicht darin liegen, festzuhalten zu versuchen, was ohnehin verloren ist.

    „Mehr Elon Musk“ wagen, wäre dringend angebracht, aber wer das ausspricht, wird hierzulande angeschaut, als ob er soeben den Leibhaftigen beschworen hat.

  • Nett, aber irrelevant.

    Genau - jeder kann sich künftig einen Kleinwagen wie den VW ID2 leisten, der nur 25.000 Euro kosten wird und dafür auch gut 200 km Reichweite hat. Klar, daß man für solch niedrige Preise nicht mehr in Deutschland fertigen kann. Auch Indien wird künftig eine stabile Stromversorgung aufbauen (natürlich ohne Kernkraft, dafür mit Windkraft und Wärmepumpen), flächendeckend Ladestationen errichten und dann den ID2 massenhaft kaufen - ein riesiger Exporterfolg. Wobei Indien mit 1,5 Mrd. Einwohnern ja irrelevant ist :smile:

    Einen leichten Sarkasmus kann ich mir nicht verkneifen, wobei mir Autos persönlich völlig egal sind (die Entwicklung der Wirtschaft aber nicht), ich habe auch keines.

    Dafür habe ich einen Motorroller, und wenn ich mir mal anschaue, was da z. B. Honda (die Konkurrenz hat auch nichts besseres) anbietet, z. B. 2,3 PS und 30 km Reichweite für 4300 Euro (dafür gibt es einen SH 125!), dann werde ich mir wohl auf Vorrat gleich noch zwei Benziner kaufen, falls auch hier das Verbot greifen sollte. Die 2 Liter Benzin auf 100 km kann ich mir auch dann noch leisten, wenn es Benzin wieder nur in der Apotheke geben sollte.

    PS Glaubt denn jemand, daß es auch nur um 0,1 Grad kälter wird, wenn Deutschland komplett "klimaneutral" wäre?

    What you teach people to do is admirable, but what you teach them to believe is foolish.

    Mongkut

  • Fällt jemandem och etwas Positives, Optimistisches ein?

    Natürlich gibt es positives, ich wollte auch nicht schwarzmalen, sondern nur den aktuellen Zustand in einem konkreten Industriebereich ehrlich darlegen, aber auch hier werden wieder bessere Zeiten kommen.

    Zum Positiven: Laut Statistischem Bundesamt ist im langfristigen Vergleich die Beschäftigung in der Industrie sogar gewachsen. Ende 2024 lag sie um 3,5 Prozent oder 185.000 Menschen höher als 2014.

    Dieses Land hat weiterhin eine hohe Innovationskraft und eine Widerstands- sowie Anpassungsfähigkeit, die es schon oft bewiesen hat. Nötige Investitionen, Transformationen (z.B. klimafreundlichere Produktionsmethoden, Elektromobilität), Digitalisierung (z.B. KI, Industrie 4.0) etc. werden endlich angegangen.

    Wir besitzen ein großartiges gebührenfreies Bildungssystem (Verbesserungen sind natürlich immer nötig), auch jenseits der Hochschulen haben wir durch das deutsche Ausbildungssystem hervorragende Fachkräfte in allen Bereichen.

    Letztlich brauchen wir innovative wettbewerbsfähige Produkte und eine Offenheit bzw. Attraktivität für Zukunftsindustrien etc. Politiker würden in dem Zusammenhang auch auf nötigen Bürokratieabbau verweisen.

    Mir wird trotz allem nicht so schnell bange um dieses Land bzw. den Wirtschafts- und Industriestandort Deutschland.

    "Seine Welt zeige der Künstler - die niemals war noch jemals sein wird“

    - Hermann Bahr (Inschrift des Ateliergebäudes der Darmstädter Künstlerkolonie)

  • Genau - jeder kann sich künftig einen Kleinwagen wie den VW ID2 leisten, der nur 25.000 Euro kosten wird und dafür auch gut 200 km Reichweite hat. Klar, daß man für solch niedrige Preise nicht mehr in Deutschland fertigen kann. Auch Indien wird künftig eine stabile Stromversorgung aufbauen (natürlich ohne Kernkraft, dafür mit Windkraft und Wärmepumpen), flächendeckend Ladestationen errichten und dann den ID2 massenhaft kaufen - ein riesiger Exporterfolg. Wobei Indien mit 1,5 Mrd. Einwohnern ja irrelevant ist :smile:

    PS Glaubt denn jemand, daß es auch nur um 0,1 Grad kälter wird, wenn Deutschland komplett "klimaneutral" wäre?

    Ganz ehrlich: Diese Haltung ist ein Teil des Problems. Du bist mit ihr nicht alleine. Du schwimmst damit mitten im Meinungs-Mainstream.

    VW ist aufgewacht, bringt endlich bezahlbare Stromer statt Luxuskarossen auf den Markt - gebaut in Europa, nicht wie Volvo & Co. es machen in China. Und was ist Deine Antwort?

    Lächerlichmachen mit falschen Angaben (200 km Reichweite). Dazu eine negativ-rhetorische Frage zum Klimaschutz und der Verweis auf Indien, wo die Leute noch ihre Atemluft vergiften dürfen bis zum Abwinken.

    Wir sind ein Land fast ohne Rohstoffe. Wir brauchen Innovationsgeist und Zukunftsoptimismus. Wir werden nicht vorne dabeisein können, indem wir technisch-industrielle Weiterentwicklung ablehnen.

    EV machen uns unabhängig von Energieimporten vom Golf und aus Russland. Sie helfen, das Klima so weit zu schützen, dass unsere Kinder und Enkel wenigstens noch eine CHANCE auf eine lebenswerte Zukunft haben.

    Nein, Deutschland wird nicht 0.1 Grad kälter werden, wenn wir vollständig auf Erneuerbare umstellen. Aber die Welt als Ganzes wird vielleicht ein einigermaßen angenehmer Platz bleiben, wenn auch wir das Thema endlich ernster nehmen. Wir können das Klima nicht alleine retten, klar. Aber wir sind schon lange nicht mehr alleine vorne weg unterwegs, sondern nur noch irgendwo mittendrin im Pulk. Wir sollten nicht auch noch zum Bremsklotz werden.

  • Glaubt denn jemand, daß es auch nur um 0,1 Grad kälter wird, wenn Deutschland komplett "klimaneutral" wäre?

    Ja. Sowas nennt sich nämlich internationalen Abkommen nachkommen. Wenn wir als eine der größten Emittenten weltweit uns nicht dran halten, warum sollten sich die anderen dran halten. Ist wie beim FCKW Verbot, Blaupause und mittlerweile typisches Verfahren, um bestimmte Stoffe international aus dem Wirtschaftskreislauf zu nehmen. Gibt es Staaten, die bis heute das Zeug produzieren. Ja. Lassen sie sich besser verfolgen, weil alle anderen sich dran halten? Ja. Man konnte so einfach auch regelkonform den Import solcher Waren verbieten.

    Solche Aussagen, wir sind eh zu unbedeutend, also ist es egal ob wir überhaupt etwas machen, haben nur ein einziges Ziel: Auf allen Seiten Stillstand zu erzeugen. Schade, wenn man sowas auf den Leim geht.

  • OK, erfreulich Nachrichten waren gewünscht:

    Der Absatz in von BEV in Deutschland hat sich im ersten Halbjahr 2025 sehr erfreulich entwickelt - wir steuern einem Rekord entgegen: Die Welt.

    Und ein Profiteur dieser Entwicklung ist ausgerechnet ist der gute alte Haudegen VW.

    Im Rest Europas (nur nicht bei uns) verkaufen sich Teslas übrigens auch wieder bestens. Wovon wir auch etwas haben, denn die werden in erster Linie in Berlin gebaut - Grünheide läuft unter voller Auslastung.

  • Klar, die ganze Welt baut keine Kohle- und Atomkraftwerke mehr, alle öffnen ihre Grenzen für Migranten, alle folgen dem leuchtenden Vorbild Deutschland. Am deutschen Wesen wird die Welt genesen.

    Grünheide läuft unter voller Auslastung.

    Im letzten Jahr waren es 51 % Auslastung, im Februar meldete Focus noch 58 % Auslastung. Aber in der Tat wesentlich besser als das Ford-Werk in Köln mit 5 % Auslastung, seitdem dort 2 Elektromobile mit VW-Plattform gebaut werden.

    Im Rest Europas (nur nicht bei uns) verkaufen sich Teslas übrigens auch wieder bestens

    Wie verträgt sich das dann mit diesem Artikel: Tesla verliert weiter an Boden, Absatzkrise in Europa verschärft sich

    Quote

    E-Auto-Pionier Tesla meldet bei seinen europaweiten Verkäufen für den Monat Mai Einbußen von 27,9 Prozent zum Vorjahresmonat. Damit sank Teslas europäischer Marktanteil bei E-Autos auf 1,2 Prozent, gegenüber 1,8 Prozent im Mai 2024.

    Mich würde mal interessieren, aus welchen Medien die von Dir und Heinzer genannten Informationen stammen.

    What you teach people to do is admirable, but what you teach them to believe is foolish.

    Mongkut

  • alle folgen dem leuchtenden Vorbild Deutschland. Am deutschen Wesen wird die Welt genesen.

    Das Gegenteil ist richtig, wir sollen nur nicht zu einem Negativbeispiel werden für andere Länder. Teils passiert das ja bereits, wenn wir ungeschickt die Umsetzung vollziehen; das zeigt vorgreifend was es für eine Wirkung hätte, wenn wir gleich gar keine aktiven Schritte täten.

  • Lächerlichmachen mit falschen Angaben (200 km Reichweite)

    Wieso? Ich hoffe, die Zeit ist seriös genug:

    Quote

    Die wohl wichtigste Frage für Interessierte ist aber wohl: Wie weit komme ich damit? Volkswagen gibt 450 Kilometer Reichweite an. Aber Vorsicht, das ist ausdrücklich ein errechneter Wert. Noch ist das Auto weder in Serie gebaut noch getestet. Und sehr wahrscheinlich gilt die Reichweite nicht für die preisgünstige Basisversion für "unter 25.000 Euro". Zu erwarten ist vielmehr, dass es eine kleine Batterie mit etwa 40 Kilowattstunden Energieinhalt, entsprechend geringerer Reichweite um 300 Kilometer und eine größere für die genannten 450 Kilometer mit rund 60 Kilowattstunden gegen deftigen Aufpreis geben wird.

    Du kannst sicherlich bei angenehmen Außentemperaturen in der Stadt 250 km weit fahren. Längere Strecken wird man eher auf der Autobahn oder vierspurigen Bundesstraße zurücklegen, und da sind die 200 km eher noch eine sehr optimistische Schätzung. Außerdem finde ich 25.000 Euro nicht günstig, sondern extrem teuer.

    Mein letzter Neuwagen war 2015 ein Mitsubishi New Space Star, und der kostete regulär inkl. Überführung 7200 Euro. Das nenne ich als Nicht-Auto-Interessent angemessen.

    Aber die Welt als Ganzes wird vielleicht ein einigermaßen angenehmer Platz bleiben

    Wir leben seit 12.000 Jahren in einer Warmzeit inmitten einer Eiszeit. Sehr langfristig wird die Europa den Garaus machen, aber das erleben wir natürlich nicht mehr (siehe auch Milankovic-Zyklen, Quelle: LMU München).

    What you teach people to do is admirable, but what you teach them to believe is foolish.

    Mongkut

  • Ich bin durchaus geneigt, mich davon zu verabschieden, dass man VOR der Einführung einer neuen Technologie die Rahmenbedingungen hierfür schaffen sollte.

    ABER: Die Problematik der unzureichend dimensionierten Stromleitungen sowohl quer durch Deutschland als auch mitten durch Berlin ist inzwischen rund 30 Jahre lang Dauerthema und hat vielen Kaufwilligen den Erwerb einer Wärmepumpe erschwert und andererseits auch vielen Kaufwilligen die Installation einer PV-Anlage erschwert. Der eine Strom stand nicht zur Verfügung und der andere Strom kann nicht ins Netz eingespeist werden. Dass dies nicht überall so ist, steht hoffentlich außer Frage - aber dass es sich bei der Problematik um "bedauerliche Einzelfälle" handelt, braucht mir keiner weismachen wollen.

    Und an dieser Stelle, lieber Mitforist HelgeK erlaube ich mir - fern von Sarkasmus und Themenvermischung - die Frage: Warum muss jetzt auf Teufel-komm-raus eine dritte Baustelle bezüglich Elektromobilität obendrauf gebunden werden, statt zuerst die bereits bestehenden Probleme zu lösen ???? Das Hauptproblem ist NICHT die Bequemlichkeit des Bürgers als Endverbraucher - das Problem ist die Abgehobenheit einiger weniger, die zwar gute Ideen zur Lösung der Klimaproblematik haben - aber ganz offensichtlich bei der Entwicklung von Lösungsansätzen zur Umsetzung ihrer Ideen die "Randfaktoren" der bestehenden Infrastruktur erfolgreich ausblenden. Das Zauberwort zur Vermeidung dieser Mängel lautet ganz einfach "die Menschen mitnehmen".

  • Zum Thema Tesla-Absatz in Europa:

    Tesla hat sein wichtigstes Model, das Model Y, das alleine für etwa 70% der verkauften Stückzahlen verantwortlich ist, rundum erneuert. Damit verbunden war ein zeitversetzter 2 1/2 monatiger Produktionsausfall in allen Werken weltweit, gefolgt vom einem mehrmonatigen Wiederhochfahren der Produktion ohne volle Stückzahlen. Grünheide war das letzte Werk, das umgestellt wurde, und läuft er seit Mitte Juni wieder mit vollem Output.

    Die Zahlen aus dem 1. Halbjahr spiegeln genau dies wieder. Die eigentlich spannende Frage war, ob Tesla nach dem Einbruch zurückommen würde.

    Die Antwort ist ein klares „Ja“. Da nahezu alle Journalisten sich darauf festgelegt, haben, über Tesla nur Negatives zu berichten, muss man zwischen den Zeilen lesen.

    Über das erste Halbjahr 25 als Ganzes gesehen belegte Tesla im Ranking der reinen EV Verkaufzahlen in Europa nur Platz 4, nach Platz 1 in 2024. Im Juni liegt die Marke aber nun wieder auf Rang 2. Quelle: Zum Beispiel dieser Tesla-kritische Bericht hier:

    „Während Tesla im Juni der am zweithäufigsten zugelassene Elektroauto-Hersteller in Europa war, belegte es in der Vollstromer-Rangliste für das erste Halbjahr den vierten Platz hinter der Volkswagen-Gruppe (28 % Anteil), Stellantis (11 %) und der BMW-Gruppe (10,3 %).“

    Rein mathematisch ist ein Rang 2 in Monat 6 gegenüber Rang 4 im Mittel für die Monate 1-6 nur durch eine sehr erfolgreiche Aufholjagd möglich. Und diese Aufholjagd ist dem Model Y zu verdanken, und das obwohl dieses im Juni noch nicht wieder in voller Stückzahl entsprechend des Vorjahres angeboten werden konnte.

    Edit: Ich habe noch einen wichtigen Punkt vergessen - die Bedeutung des Begriffes „Europa“. Häufig wird Europa mit der EU gleichgesetzt (- so auch im oben verlinkten Artikel). Damit fallen aber 2 wichtige Absatzmärkte aus der Betrachtung heraus: Großbritannien  und Norwegen. Betrachtet über ganz Europa, lag Tesla bereits im Juni wieder auf Rang 1.

  • Danke, Achim. Ich habe diesen destruktiven Nihilismus und Zynismus so satt. Wir müssen gar nicht alle einer Meinung sein, es wäre sogar schlimm, wenn wir das wären - aber dieses ewige Runterschreiben, der ewige Zusammenbruch, das kotzt mich gelinde gesagt an. Beschäftigung in der Industrie hat in den letzten 10 Jahren zugenommen, und zwei oder drei Jahre Schrumpfung sollen nun die Katastrophe sein. Das gleiche beim Bürgergeld. Über 15 Jahre ist die Zahl der Bürgergeld/HartzIV-Empfänger kontinuierlich gesunken und liegt auch heute noch deutlich unter den Ständen von 2015 oder 2010 oder 2007 - trotzdem wird der Anstieg der letzten 3 Jahre, die perfekt mit dem Zustrom von Menschen aus der Ukraine und der Wirtschaftskrise erklärbar sind und wirklich gar nichts Rätselhaftes oder gar Sinistres an sich haben, skandalisiert.

    Auch Indien wird künftig eine stabile Stromversorgung aufbauen (natürlich ohne Kernkraft, dafür mit Windkraft und Wärmepumpen), flächendeckend Ladestationen errichten und dann den ID2 massenhaft kaufen - ein riesiger Exporterfolg. Wobei Indien mit 1,5 Mrd. Einwohnern ja irrelevant ist :smile:

    Indien ist uns bereits in vielen Bereichen voraus, die stellen bis 2030 den gesamten ÖPNV auf Elektroantriebe um (während Bremen immer noch Dieselbusse neu kauft), importieren PV-Panels und Batterien wie kein anderes Land und werden mit einer für uns unvorstellbaren Geschwindigkeit dekarbonisieren. Wo habt Ihr nur immer diese Geschichten her, dass wir die einzigen sind, die was tun? Es ist mittlerweile genau umgekehrt, Europa und v.a. Deutschland hängen eher hinterher, auch aufgrund geografischer Nachteile wie der hohen Breiten. Afrika und viele andere Regionen des globalen Südens werden mit der Mischung aus PV und Batterien mit atemberaubender Geschwindigkeit dekarbonisieren. Viele afrikanische Länder haben bereits Importverbote für Verbrennerfahrzeuge.

    Woher nur kommt dieses faktenfreie Selbstmitleid? Ich frage das immer wieder: Wie glaubt Ihr, konnte Deutschland jahrzehntelang Technologieführer bleiben und v.a. wie konnte es dies werden? Ich stelle mir das Kaiserreich vor, nur dass alle im Schnitt 20 Jahre älter sind und die Möglichkeit haben, online ihre Meinung zu verbreiten. Nahezu alles wäre von diesen Geistern als unmöglich, Schwachsinn, wird sich nie durchsetzen gegeißelt worden, von der Eisenbahn über Elektrizität zu Autos, von Impfungen zu Schwebebahnen, Automatisierung der Landwirtschaft, alles Schwachsinn ohne Chance, zu teuer, nur für Eliten, kleine Leute verlieren ihre Jobs, alles immer schlimmer, der ewige Niedergang.

    92,5% der neu installierten Stromerzeugungsleistung im letzten Jahr global waren erneuerbare Energien. 92,5%. Wie kann man nur auf die Idee kommen, das sei ein teures Elitenhobby für arme Deutsche ausbeutende Politiker?

    Stories - The Bennett Institute
    Renewables evolve - fossil fuels run out of road
    bennettinstitutesussex.org