Mobilität und Städtebau

  • Bei allem Respekt aber ihr kommt mir vor wie religiöse Fundamentalisten. Ihr seid dermaßen überzeugt, ja geradezu "beseelt", dass ihr die Idee, dass es auch anders kommen könnte als von euren Experten prognostiziert, vollkommen ausblendet.

    Wir beiden hatten bis dahin eine nicht personenbezogene, sondern überwiegend sachliche Diskussion. Solche Aussagen sind für mich das Ende dieser gleichberechtigten Diskussion. Damit kannst Du Dir Deine Zeit auch viel besser nutzbar machen, als mit Menschen zu reden, denen man ja sowieso unterstellt, ein Kollektiv an an Sachargumenten uninteressierter zu sein, da unkritisch und obrigkeitshörig und ideologisch beseelt zu sein.

  • @Majorhantines: nix fir unguat / nichts für ungut.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)


  • Man sollte auch an nicht vorhersehbare Ereignisse denken. Insbesondere an zunehmende vulkanische Aktivitäten.(die man hoffentlich nicht auch dem menschlichen Einfluss zuschieben will)

    Konkret bedeutet dies eine verminderte Durchlässigkeit der Atmosphäre durch Staub und Ascheteilchen und deren Ablagerung auf Solarkollektoren. Mit dem Ergebnis verminderten Wirkungsgrads. Und dies nicht nur lokal, sondern global.

  • Großbrand Bus-Depot Stuttgart


    Der Schaden im Bus-Depot der Stuttgarter Straßenbahnen AG geht in mehrfache Millionenhöhe. 25 Fahrzeuge wurden zerstört, darunter zwei Oldtimer von unersetzlichem Wert. Nach stundenlangen Löscharbeiten galt das Hallendach als akut einsturzgefährdet. Als Brandursache deuten Experten, dass der Ladevorgang eines Elektrobusses der Auslöser war. Weitere Untersuchungen erfolgen. Von einem technischen Defekt wird jedoch ausgegangen.


    Brennende Elektroautos und Batterien stellen die Einsatzkräfte vermehrt vor erhebliche Schwierigkeiten. Dabei ist es gar nicht das Löschen des Feuers an sich, das Problem bereitet, sondern die nachträgliche Kühlung, die erforderlich ist, um eine erneute Selbstentzündung zu verhindern.


    Ausgebrannte Bus-Oldtimer in Stuttgart -

    „Dagegen ist ein Rolls Royce ein Massenprodukt“

    Quelle: https://www.stuttgarter-zeitun…BEtYYrwISSMuoTg3Whwjmye3Y



    Nach Großbrand in Stuttgart - München zieht acht E-Busse aus dem Verkehr

    Quelle: https://www.stuttgarter-nachri…_bvlCE#Echobox=1633706830


  • Die österreichische Feuerwehr warnt auch bereits vor bei Brand nicht löschbaren Batterien von E-Autos und bei Wohnungseigentumsversammlungen wird mittlerweile überwiegend gegen E-Ladevorrichtungen in Garagen für E-Autos gestimmt. In unserer Tiefgaragen ist das Abstellen von E-Autos auch bereits verboten. Jetzt verstehe ich auch weshalb.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Exilwiener Für E-Autos gibt es aber zumindest vorsichtige Indizien, dass es weniger Probleme mit Feuer gibt:

    Quote

    Trotz aller potenziellen Gefahren: Statistisch brennen E-Autos bei weitem seltener als Benziner und Diesel.

    Ich tippe also so ein bisschen auf Produktionsproblemen bei den Bussen, da mechanische Schäden, wie bei E-Autos in dem unten verlinkten Artikel eher unwahrscheinlich erscheinen.


    https://www.wiwo.de/unternehme…in-mythos/24457024-3.html

  • Für E-Autos gibt es aber zumindest vorsichtige Indizien, dass es weniger Probleme mit Feuer gibt:

    Ich tippe also so ein bisschen auf Produktionsproblemen bei den Bussen,


    Das sehe ich auch anders und verweise auf den von zeitlos dargelegten Sachverhalt erneuter Selbstentzündungen bereits geslöschter E-Fahrzeuge:

    Brennende Elektroautos und Batterien stellen die Einsatzkräfte vermehrt vor erhebliche Schwierigkeiten. Dabei ist es gar nicht das Löschen des Feuers an sich, das Problem bereitet, sondern die nachträgliche Kühlung, die erforderlich ist, um eine erneute Selbstentzündung zu verhindern.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • China hat durchaus mehrere Trümpfe in der Hand die industrielle Produktion der EU-Länder am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen.


    WELT-Online veröffentlichte interessanterweise ebenfalls am 09.10.2021 folgende Meldung:



    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Leider scheint auch dieses Thema mittlerweile ideologisch vereinnahmt worden zu sein (ich meine nicht die Diskussion hier, sondern allgemein). Irgendwie scheint es bei allem - Klima, E-Autos, Corona usw. - nur noch "Befürworter" und "Leugner" zu geben. Und es setzt sich durch, wer den Gegner (oder sollte ich sagen Feind?) zum Schweigen bringt. Dabei wäre bei all diesen Fragen sachliches Pro und Contra und Respekt für gegensätzliche Meinungen gefordert.

  • Das ist schön

    Find ich auch. Einfach schön wie du argumentierst. :)

    Und da schon der erste Teil dieser Aussage mit zwei Klicks im Internet widerlegbarer Quatsch war, muss ich Dich eben mit Fakten nerven.

    Bitte weiter mit Fakten "nerven". Das brauchen muchtige Forumsdiskussionen, die oft rein auf emotionaler Ebene oder via "Hörensagen" laufen.

    Heimdall hat in seiner Replik an erbse einen wichtigen "Nebenaspekt" aufgeworfen, welcher mE gar eine weitere Dimension darstellt.

    Hat nur mit dem übergreifenden Thema hier nix mehr zu tun.
    Daher nur kurz: Vom Überwachungsstaat halte ich auch nix. Doch darum ging's ja gar nicht, als ich den Gartner Hype Cycle verlinkt habe. Bei dem geht es schlicht um eine nüchterne Darstellung des Verlaufs von Technologietrends. Und daran kann man ablesen, wie lange es von einer initialen Innovation wie dem Elektroauto (das es schon seit über 130 Jahren gibt) bis zum massenweisen Gebrauch dauern kann.

    Dass solche Tools natürlich auch für Tech-Trends wie KI, Robotik usw. verwendet werden, ist doch naheliegend.

    Und keine Entwicklung der Zukunft ist heute festgelegt. Wer so nur in der Zukunft denkt und lebt, lebt in Sorge und Angst.
    Wir entscheiden doch als Gesellschaft und Individuen, welche dieser Dinge sich wie entwickeln.

    Nur darf man eben auch nicht naiv sein. Wenn es massive Vorteile durch Chipimplantate gibt, wie etwa eine Heilung von Demenz, dann wird man diese auch nutzen. Transhumanismus ist doch heute schon Realität, von robotischen Gliedmaßen über künstliche Augen bis Sprachcomputer usw. Selbst das künstliche Hüftgelenk, das Hörgerät oder die Kontaktlinse ist doch nix anderes als eine transhumanistische Lösung für menschliche Gebrechen.


    Dabei wäre bei all diesen Fragen sachliches Pro und Contra und Respekt für gegensätzliche Meinungen gefordert.

    Das wäre wünschenswert. "Factfulness" von Hans Rosling empfehle ich dazu als Literatur.

  • Leipzig verordnet den Taxi-Betrieben die sofortige Umstellung auf E-Autos. Ab 2025 Nur noch E-Fahrzeuge zum Personentransport zugelassen. Die Unternehmen bemängeln: keine Lademöglichkeiten für Taxis, Öffentliche Ladesäulen dürfen nicht benutzt werden. Keine wirtschaftlichen Fahrzeugangebote vom Werk. Entweder zu teuer oder zu geringe Reichweite (bis 700km benötigt). Lieferschwierigkeiten für Wallboxen. (MZ)

  • Die schrittweise ausgerollte, radikale Parkraumbewirtschaftung in Frankfurt am Main hat einen holprigen Start hingelegt. Anwohner müssen für einen Bewohnerparkausweis bezahlen und finden trotzdem keinen Parkplatz. Pendler die sich keine Wohnung in der Stadt leisten können - und mit dem ÖPNV nicht ihren Zielort erreichen - kapitulieren und kündigen ihre Stelle in der Stadt (darunter leider auch Pflegekräfte in den Krankenhäusern). Leider hat man den Eindruck, dass sich nichts gebessert hat (außer höhere Einnahmen für die Stadt, die nun von 7-19h den Parkraum bewirtschaftet. https://www.fr.de/frankfurt/pa…efuerchtung-91043453.html

    MODERNExit: Mehr Altstadt wagen!

  • Norwegen stellt ab 2022 den Verkauf von Verbrenner-Neuwagen ein.

    In Norwegen wurden auch nur noch 5% reine Verbrenner verkauft (3% Benziner, 2% Diesel).

    Anwohner müssen für einen Bewohnerparkausweis bezahlen und finden trotzdem keinen Parkplatz.

    Das ist ein durchgängiges Problem, es werden viel zu viele Parkausweise verkauft, für die Anzahl an Stellplätzen, die zur Verfügung stehen. Das ist von jeder Stadt so praktiziert und ist in meinen Augen ziemlich mies. Ich kann ja auch nicht meine Wohnung vermieten an zwei Familien, weil die eine Familie ja vielleicht ab und zu nicht zuhause ist.

  • Das wäre wünschenswert. "Factfulness" von Hans Rosling empfehle ich dazu als Literatur.

    Das wäre in der Tat jedem zu empfehlen. Das meiste ist sogar noch in den letzten 30 Jahren besser geworden, geht aber in der Flut an Alarmismus und Lust auf schlechte Nachrichten unter. Da wiederum ähneln sich rechts und links wieder mehr, als ihnen lieb sein dürfte, ich nehme ich manche Aspekte des Umgangs mit dem Klimawandel gar nicht aus.


    Auch die olle Kamelle von der "Bevölkerungsexplosion" hat der Mann schon 2010 sehr überzeugend dekonstruiert, im Gegenteil wird ein Großteil der politischen Energie in der 2. Hälfte des 21. Jahrhunderts darauf verwendet werden, wie man mit der massiv schrumpfenden Bevölkerung in vielen Ländern bei gleichzeitigem Erhalt der öffentlichen Daseinsfürsorge umgehen soll. Es wird ein regelrechter Run auf die Ressource "Mensch" einsetzen, der viele Diskussionen des frühen 21. Jahrhunderts wie ein schlechter Scherz aussehen lassen wird.


    Zuletzt China: Ist jetzt ja der neue Großgegner der westlichen Welt. Dabei werden die in den nächsten 30 Jahren wie Japan sehr stark mit sich beschäftigt sein, da ihnen ihre Demografie und damit ein Teil ihres auf Immobilien basierenden Geschäftsmodells auseinanderfliegt. China 2021 ist Japan 1991, nur natürlich 10x größer. Ich bin kein China-Apologet, glaube aber ziemlich sicher, dass der Ansatz des Dialogs wie auch mit Russland deutlich größere Chancen aufweist als der angloamerikanische der direkten Konfrontation. Nicht zuletzt erobern China und Indien ohnehin nur ihre bis ins 18. Jahrhundert unangefochtene weltpolitische Position zurück. Wenn man sich mal anschaut, wo im 15. oder 8. oder sogar 2. Jahrhundert der Großteil des weltweiten Bruttosozialprodukts erwirtschaftet wurde, waren das immer China und Indien.


    Erst der Kolonialismus hat diese Dominanz (vorübergehend) beendet, und beide Länder stürzten ab, geschwächt durch britische Ausbeutung und Angriffe wie die Opiumkriege. Nach einer sehr turbulenten Befreiung im 20. Jhdt. sind beide Länder nun nur etwa wieder an dem Punkt, an dem sie bis ca. 1800 waren. Das ist kein Wunschdenken, ich finde das auch weder "gut" noch "schlecht", es ist einfach die Realität. Nun werden wir mit dem Narrativ eines neuen "Kalten Kriegs" gefüttert und sollen immer schön viel Angst haben, aktuell wieder mehr vor China.


    Ich bin massiv für die industrielle Eigenständigkeit Europas, nicht dass das hier missverstanden wird. Wir brauchen auch die Grundstoffindustrie wieder auf dem Kontinent, hier geschieht ja sehr viel mit massiven Investitionen in Batteriefertigung und Chipfertigung (Intels Investitionsentscheidung, 80 Mrd. Dollar in mehrere europäische Chipfabriken zu investieren, unterstreicht diesen Wandel).



    Intel to invest 80 billion in European chip factories - Reuters


    Auch die Bekleidungs- und Möbelindustrie investiert zur Zeit sehr viel in der Türkei und Serbien, Kroatien und anderen Balkanländern, um Europa wieder mit heimatnäheren Produkten zu versorgen.


    IKEA to shift more production to Turkey to shorten supply chain - Reuters


    Global Supply Chains are falling out of Fashion - Reuters


    Das könnte ein Gutes sein im Nachgang der Corona-Krise: Die absurde Abhängigkeit des Westens von Ostasien als Werkbank der Welt. Mit dort steigenden Gehältern und steigenden Transportkosten wird aber auch dieser Trend nicht ewig halten, die Rückkehr vieler Produktionsstätten Richtung Europa ist bereits beschlossen und in Umsetzung.


    Gerade die angelsächsischen Länder haben ein massives Problem, ihre Abhängigkeit von China wird immer größer, da sie früh eine weitgehende Deindustrialisierung ihrer Länder zugunsten eines auf Dienstleistungen basierenden Modells gerne in Kauf genommen haben. Keines dieser Länder hat eine so ausgeglichene Handelsbilanz mit China wie Deutschland. In Hamburg und Bremerhaven gehen die Schiffe wenigstens zu 70% beladen zurück nach China. In Los Angeles und Felixstowe fahren sie lieber schnell leer wieder nach China, um neu laden zu können, da ohnehin fast nichts aus den USA oder dem UK zurückgeht. China hat großen Respekt vor Deutschland (wie im übrigen auch Russland), da müsste man eigentlich was draus drehen können, wenn man nicht blind der angloamerikanischen Eskalationslogik folgen würde.

  • Mit Kooperation kommt man praktisch immer weiter als mit Konfrontation. Abgesehen von scheinbar aussichtslosen Fällen wie wahnsinnigen Diktatoren. Aber selbst da hat Konfrontation die Situation idR nur schlimmer gemacht, von Hussein bis Gaddafi, Jong-un über Mubarak und Ben Ali.

    Das ist wie gesagt auch eine Frage der Werte. In dem Zusammenhang verweise ich nochmal auf das sehr hilfreiche Modell Spiral Dynamics, das erklärt, was Gesellschaften und Individuen auf ihrem jeweiligen Bewusstseinslevel gerade "brauchen" bzw. anstreben.


    Mit dort steigenden Gehältern und steigenden Transportkosten wird aber auch dieser Trend nicht ewig halten, die Rückkehr vieler Produktionsstätten Richtung Europa ist bereits beschlossen und in Umsetzung.

    Tatsächlich sorgen ja die Trends zur Robotik, 3D/Additiver Herstellung, mehr Design- und Service-Prozesse usw. dafür, dass schon jetzt mehr Teile in-situ für die lokalen Märkte produziert werden als vorher. Tesla z.B. baut auch sehr bewusst in verschiedenen Erdteilen seine Werke, um vor Ort liefern zu können, statt lange globale Lieferketten zu haben. Bei Solarpaneelen zeichnet sich das auch ab. Werke in China werden ebenfalls tendenziell mehr auf lokale Produktion und Binnenmarkt umgestellt.

    Auch in der Lebensmittelproduktion wird man für Versorgungssicherheit, Unabhängigkeit, Nachhaltigkeit und Qualität künftig kaum um deutlich lokalere Lieferketten kommen. Quelle 1 und Quelle 2 dazu (ohne Wertung meinerseits).

    Der Trend zur mikrolokalen Produktion und immer mehr "Manufakturen" und lokalen Direktverkäufen bzw. Online-Handel dürfte auch dafür sorgen, dass sich im Bereich Mobilität wieder einiges tut. Die Transportwege werden kürzer, die Lieferfahrzeuge kleiner und agiler. Sieht man u.a. daran, dass es in den Großstädten mittlerweile mehr Fahrradkuriere für Essenslieferungen als Transporter/PKW gibt. Beim Thema "Last Mile Delivery" tut sich gerade sehr viel.

  • So ist es. Und so etwas geht im Wettbewerb der Weltregionen nur mit einer engen europäischen Kooperation. Die meisten Länder würden sich die Finger lecken nach der Mitgliedschaft im gemeinsamen Binnenmarkt der EU. Mit einer ordentlichen Industriestrategie könnte dieser Prozess der Verkürzung von Lieferketten und "Rückholung" der abgewanderten Industrie sogar noch besser laufen. Man merke außerdem, dass das UK bei fast allen diesen wichtigen Investitionsentscheidungen der letzten 5 Jahre außen vor war, der Intel-Chef hat in einem Interview neulich sogar ganz offen gesagt, dass das UK ohne Brexit einer der Favoriten für Investitionen in eine Chipfabrik gewesen wäre:


    Intel won't invest in UK chip plant due to Brexit


    Dabei wäre Großbritannien natürlich logischerweise auf Platz 1 gewesen vor dem Brexit, englischsprachige Bevölkerung, ähnliche Kultur mit den USA usw usf.


    Parallel überschlagen sich die Nachrichten über Investitionsentscheidungen in Deutschland, das aufgrund seiner zentralen Lage in Europa und seiner starken Industrie weiterhin prädestiniert ist für Ansiedlungen internationaler Unternehmen. Ganz frisch nun das 500 Mio-Euro-Engagement einer kanadischen Lithiumfirma in Brandenburg, die dort eine Konverterfabrik bauen will (also eine Fabrik für die Umwandlung von Lithiumerzen in Lithiumhydroxid für die Batteriezellproduktion).


    Kanadische Rock Tech baut Konverterfabrik in Guben


    Damit kehrt nahezu die gesamte Wertschöpfungskette der Batteriefertigung nach Europa/Deutschland zurück. Würde mich nicht wundern, wenn da am Ende trotz der Arbeitsplatzverluste im Bereich Antriebsstrangtechnologie wieder mehr Arbeitsplätze abfallen würden in der Summe. Tesla allein ja mit bis zu 40.000 Arbeitsplätzen in der Region Berlin/Brandenburg plus eben die ganzen nachranzigen Investitionsentscheidungen, die mit einer solchen Clusterbildung einhergehen, worunter auch die oben skizzierte neue Fabrik fällt.


    Ziemlicher Kontrast zu den ewigen Abgesängen auf Deutschlands Industrie, die mich seit ich politisch denken kann, begleiten.

  • Parallel überschlagen sich die Nachrichten über Investitionsentscheidungen in Deutschland, das aufgrund seiner zentralen Lage in Europa und seiner starken Industrie weiterhin prädestiniert ist für Ansiedlungen internationaler Unternehmen. Ganz frisch nun das 500 Mio-Euro-Engagement einer kanadischen Batteriefirma in Brandenburg:
    Kanadische Rock Tech baut Batteriefabrik in Guben

    Fast in Echtzeit postest Du eine solche Jubel-/Erfolgsmeldung. Das könnte der Pressesprecher der Kanzlerin kaum besser.


    Doch was was steckt z.B. hinter dieser Meldung? Und was steht ihr in der Bilanz entgegen? Will sagen, man kann es auch genau anders sehen.


    Das erwähnte 500 Millionen Euro Engagement bringt 160 Arbeitsplätze. Voraussetzung ist voller Betrieb, der aber noch nicht gesichert scheint, da er von positiven Förderbescheiden abhängt. (Siehe hier)


    Es gibt aber ebenso auch andere aktuelle Meldungen:


    Wegen Chipmangel : Opel schließt Werk in Eisenach bis Jahresende

    https://www.faz.net/aktuell/wi…hresende-zu-17562650.html

    (Sie hoffen, die Produktion 2022 wieder aufzunehmen.)


    Caterpillar will Standort Rostock schließen

    https://www.ndr.de/nachrichten…essen,caterpillar170.html

    (betroffen: 130 Mitarbeiter)


    Vestas in Lauchhammer schließt

    Ein dreifach verheerendes Signal

    https://www.rbb24.de/studiocot…-windkraft-kommentar.html

    (betroffen: 460 Arbeitsplätze; es geht teils nach Polen)


    120 Beschäftigte betroffen

    Pumpenhersteller Wilo will Werk in Oschersleben schließen

    https://www.mdr.de/nachrichten…erk-oschersleben-100.html

    (Ein Teil der Belegschaft wird nach Frankreich verlagert, ein anderer Teil allerdings bleibt in Deutschland, nämlich in Bayern)


    Glamox-Werk in Teterow soll geschlossen werden

    https://www.nordkurier.de/meck…en-werden-0845019309.html

    (betroffen: 91 Mitarbeiter; Die Produktion wird nach Polen und Norwegen verlagert.)


    Keine Hoffnung mehr für Schaeffler in Luckenwalde

    https://www.maz-online.de/Loka…zialplan-fuer-Mitarbeiter

    (betroffen: 300 Mitarbeiter)


    (...)


    Also, wenn schon, dann beide Seiten der Medaille.

  • Immer gerne. Das mit dem Pressesprecher habe ich so schonmal gehört, vielleicht sollte ich mich in Steffen Seibert umbenennen ;).


    Deine Auflistung ist ein gutes Beispiel für den Negativbias der Mainstreammedien. In den 2010er Jahren sind in Deutschland insgesamt 650.000 gut bezahlte Industriearbeitsplätze entstanden:


    Anzahl der Erwerbstätigen im Produzierenden Gewerbe Deutschland


    Ich kann mich komischerweise nicht an entsprechende Meldungen in der Zeitung erinnern, weil gute Nachrichten immer langweiliger als schlechte sind. Somit sind anscheinend immer noch viele Menschen davon überzeugt, dass es Deutschland heute schlechter als vor 20 Jahren geht, auch wenn nahezu nichts dafür spricht. Wir haben in vielen Regionen heute de facto Vollbeschäftigung mit Arbeitslosenquoten unter 4%, diese Zahlen enthalten immer auch Menschen, die sich vor der Rente arbeitslos melden, um die Zeit zum Renteneintrittsalter zu überbrücken und Menschen, die sich nach Ausbildung oder zwischen Jobwechseln arbeitslos melden. Selbst in Ostdeutschland ist das Problem heute eher, dass massiv Arbeitskräfte fehlen, das wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen, da zum Beispiel in Thüringen jedes Jahr mehr als doppelt so viele Menschen in Rente gehen als neu auf den Arbeitsmarkt nachwachsen.


    Nahezu alle Indikatoren waren in den letzten 10 Jahren positiv, geleistete Arbeitsstunden, Gehälter, Lohnquote, Arbeitsmarktbeteiligung Älterer, Massenarbeitslosigkeit als Geißel des Deutschlands der 1990er und 2000er Jahre ist praktisch Geschichte.


    IZA World of Labor - The Labor Market in Germany


    Jetzt kann man sich an Einzelnachrichten aufhängen, die es immer geben wird. Nicht gemeldet wird natürlich, dass in der Zwischenzeit in Rostock ohnehin schon wieder 200 neue Arbeitsplätze in anderen Bereichen entstanden sind nach der Schließung des Caterpillar-Werks. Am Ende ist die Arbeitslosigkeit in Rostock natürlich weiter gesunken und nicht gestiegen.


    Ich verstehe auch Deine Motivation, es darf in einem Land, das Du insgesamt sehr kritisch siehst, natürlich nichts gut sein. Hochrangige Politiker aus einer bekannten Oppositionspartei haben sinngemäß gesagt, schlechte Nachrichten seien gut für die Partei, weswegen alle ein Interesse an möglichst vielen schlechten Nachrichten haben sollten. Das alte "es muss viel schlimmer werden, bevor es besser werden kann"-Mantra. Blöd nur, dass es gar nicht schlechter wird, sondern das meiste (nicht alles, und das trotz unglaublich trantütiger Politik und einer weltweiten Pandemie) besser.


    Lass uns lieber wieder über Stadtentwicklung und Mobilität reden, es führt ja doch zu nichts. Ich respektiere Deine Meinung, sehe die Dinge aber wirklich grundsätzlich anders.