Berlin - Schlossplatzumgebung und DDR Vergangenheit

  • Wurde der "Kessel" nicht im Friedrichstadtpalast aufgenommen?

    Ja auch, fand ich auch angenehmer als in Erichs Lampenladen.

    Aber seien wir doch froh, daß dieses monströse Ding weg ist und endlich wieder da steht, was dahin gehört - das Berliner Stadtschloß.

    Aber Rastrelli (auch wenn OT) noch mal für Dich aus dem PDR:

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  • Ich finde diese Doppelmoral bemerkenswert: das Kuppelkreuz und einige Attikafiguren mit den Porträtzügen der damaligen Königsfamilie findet man inakzeptabel, Rossebändiger und Schlütersches Treppenhaus wären zu viel Preußen, aber die Reminiszenz an eine menschenverachtende Diktatur ist zulässig.

    Es geht nicht um die Reminiszenz an eine Diktatur, sondern es geht um die Reminiszenz an ein Gebäude, das nun einmal dort gestanden hat und deshalb zur Geschichte des Ortes gehört. Gebäude, die in ihrer Funktion mit dem Palast der Republik vergleichbar sind, blieben in den anderen Hauptstädten ehemals sozialistischer Länder erhalten. Der Abriss des PdR ist ein Sonderfall, der sich mit dem Wiederaufbau des Berliner Schlosses rechtfertigen lässt. Das Schloss steht nun, einschließlich Kuppel und Kreuz und preußischer Inschriften. Das ist gut so. Und die Verantwortlichen des Humboldt Forums stehen zu diesem Bauwerk. Kulturstaatsministerin Grütters hatte seinerzeit in der Kuppeldebatte das Kreuz explizit und positiv als christliches Symbol gewürdigt. Die Kulturstaatsministerin fördert zudem in vielfältigster Weise die Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Errichtung des Freiheits- und Einheitsdenkmals auf der Schlossfreiheit ist ein weiteres Zeichen gegen das Vergessen oder einen unkritischen Blick auf die Vergangenheit.

    Dafür ist ein anderes Gerüst wieder aufgebaut worden - am Portal 1.

    Wohl endgültige Reinigungsarbeiten und Reparatur beschädigter Steine

    Hoffentlich kriegen sie das wieder hin! Die bisherigen Bemühungen zur Beseitigung der Brandschäden hatten ja nur durchwachsene Ergebnisse gebracht.

  • Rastrelli:

    Genau darum geht es: Diejenigen, die gegen das Kuppelkreuz polemisierten und die Rekonstruktion von Nationaldenkmal und Gigantentreppe verhinderten und die sich nun gegen einige Attikafiguren und gegen die Rückführung der Rossebändiger aussprechen, tun dies explizit mit dem Argument, solche Maßnahmen enthielten Reminiszenzen an die Herrschaftsformen ihrer Zeit: an das Gottesgnadentum eines FW IV, an den Imperialismus des Kaiserreiches usf. Doch bei der Vergegenwärtigung des Palastes der Republik spielt die Reminiszenz dann plötzlich keine Rolle mehr. Genau das halte ich - höflich formuliert - für scheinheilig. Man biegt sich die Argumente so zurecht, wie es einem ideologisch in den Kram passt....

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Während des Studiums hab ich vor 6-7 Jahren ein Praktikum bei der BStU-Außenstelle auf dem Erfurter Petersberg gemacht. Schon damals hieß es, man sei bereit, aber der politische Wille fehle.

  • Lieber Seinsheim,

    sehe ich genauso. Aber ich sah das auch mal ganz anders. Und zwar so wie die von Dir Kritisierten. Und ein Grund ist eben das Unfaire an dieser Wiedervereinigung. Da man im Westen keinen Systemwechsel hatte, konnten die unter den Regeln von 40 Jahre BRD angesparten Vermögen zum Kaufen des Ostens verwendet werden. Wer in der DDR nicht bei der Stasi oder kein Funktionär war, hatte demgegenüber sehr schlechte Karten, weil kein Geld. Und dann kamen plötzlich Leute, die auch noch den Ton angaben, wie Ost-Berlin aussehen sollte: Straßenbahn abschaffen, Schloss aufbauen, DDR-Hochhäuser und Palast der Republik abreißen.

    Das ist ungefähr so, als wenn nach dem Fall der Mauer (nach dem Beitritt der BRD zur DDR) in München plötzlich die Sachsen die Behörden neu aufbauen und beschließen, die Frauenkirche abzureißen und an deren Stelle die SED-Parteizentrale München zu stellen. Das Oktoberfest wandelt sich zum Fest der Oktoverrevolution. Gleichzeitig würde in München nur noch Wohnungen bekommen, wer in die SED eintritt und sächsisch spricht. Das führt zu Aggression, Frust und Resignation. Und vor allem Trotzreaktionen.

    Der Schlüssel aber ist die Teilhabe. Erst durch meine Feststellung, dass die Rekos auch von DDR-Bürgern ausgegangen sind (z. B. in Dresden) wurde mir schlagartig klar, dass diese Gebäude auch ein Teil von mir sind. Ein völlig verlorener Teil, zerhäckselt erst von Bomben und später auch der SED. Wer diese Brücke nicht bauen kann, dem bleibt das ewig fremd.

  • Lieber Goldstein ,

    ich kann das in Teilen absolut nachvollziehen, würde Deinen Vergleich mit München aber leicht ändern. Die Sachsen wären nach Nürnberg gekommen und hätten beschlossen, das Stadtarchiv abzureißen und das Pellerhaus wiederaufzubauen. Diese Art von Wiedervereinigung hätte mir gefallen.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • konnten die unter den Regeln von 40 Jahre BRD angesparten Vermögen zum Kaufen des Ostens verwendet werden. Wer in der DDR nicht bei der Stasi oder kein Funktionär war, hatte demgegenüber sehr schlechte Karten, weil kein Geld.

    Dass die privaten Grund- und Geldvermögen in Westdeutschland deutlich größer als im Osten waren, ist unbestritten. Von "kein Geld" kann aber keine Rede sein, zumal die DDR-Bürger im Zuge des 1:2-Umtauschs bei Einführung der D-Mark im Osten in der Kaufkraft deutlich gestärkt wurden.

    Die Ungleichheit privater Vermögen zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Eine historische Ursachenanalyse

    https://www.grin.com/document/387749

    Sparguthaben in der DDR: https://de.statista.com/statistik/date…ben-in-der-ddr/

  • Aufarbeitung der DDR: Für mich und andere Ösis ein Augenöffner:

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    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • auch klar, aber mit "kein Geld" meine ich auch die sich anschließende Zeit der Arbeitslosigkeit, die Einkommen wurden immer geringer und damit ging es an die Substanz....

  • Dass die privaten Grund- und Geldvermögen in Westdeutschland deutlich größer als im Osten waren, ist unbestritten. Von "kein Geld" kann aber keine Rede sein, zumal die DDR-Bürger im Zuge des 1:2-Umtauschs bei Einführung der D-Mark im Osten in der Kaufkraft deutlich gestärkt wurden.

    Die Ungleichheit privater Vermögen zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Eine historische Ursachenanalyse

    https://www.grin.com/document/387749

    Sparguthaben in der DDR: https://de.statista.com/statistik/date…ben-in-der-ddr/

    Die genannten Durchschnittseinkommen von DDR-Bürgern sind keine realen Löhne oder Gehälter. Es sind auf unbekanntem Wege zustande gekommene Werte, die nicht vergleichbar sind.

  • Der Durchnittslohn eines DDR Bürgers lag bei etwa 800 Ostmark, also umgerechnet (1:4 offizieller Wechselkurs) bei 200 DM oder auch bei 100 €.

    Mal ganz im Ernst - wer von euch würde heute noch für 100 € im Monat arbeiten gehen?

  • Diese Umrechnung funktioniert so natürlich nicht, allein schon, weil die Lebenshaltungskosten in der D"D"R weitaus geringer waren als heute. Am einfachsten rechnet man mal, was die Miete pro qm gekostet hat oder ein Pfund Butter oder ein Pfund Brot. Womit ich die Lebensverhältnisse in der D"D"R natürlich keineswegs beschönigen möchte.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Diese Umrechnung funktioniert so natürlich nicht, allein schon, weil die Lebenshaltungskosten in der D"D"R weitaus geringer waren als heute.

    Ähm ja....Miete für eine 2 Zimmerwohnung 46 Mark im Monat - Hinterhaus und Scheißhäuserl halberte Treppe höher.

    125 Mark, "4 Zimmer Vollkomfortwohnung " - übelste Plattenbauweise mit engen Räumen, äußerst hellhörig (man wußte wann der Nachbar auf Kloo war) und eine durchschnittliche Luftfeuchtigkeit von etwa 20%.

    So wie in der DDR würde heute niemand mehr "hausen" wollen.

    Und eine Wohnung zu kriegen, erwies sich auch nicht als so einfach - selbst wenn man bereit gewesen wäre 500 Mark Miete zu bezahlen.

    Das Vollkornbrot 45 Pfennige, das Brötchen 5 Pfennige....so man sich rechtzeitig anstellte und es noch bekam.

    Fernsehapparat 5000 Mark - so man einen gekriegt hat.

    PKW Trabant: 12.000 Mark - gesetzt den Fall man hatte die Geduld über 10 Jahre zu warten.

    Klavier: 3000 Mark, ebenfalls mit langen Wartezeiten, und Instrumente bei denen hingegen billige "Chinaböller" mit dem Qualitätsmerkmal "sehr gut" abschneiden würden.

    Wollte man qualitativ hochwertige DDR Produkte, mußte man sich die aus dem Westen besorgen lassen und dort hat es auch schon ne Kleinigkeit mehr gekostet.

    Natürlich gab es auch die Exlusiv und Deli Läden, wo das Angebot schon wesentlich reichhaltiger war - die Preise allerdings übertrafen denen westlicher Bekleidungs - und Supermärkte.

    Mit einem Durchschnittsgehalt von 800 Mark, konnte da ein gewöhnlicher DDR Bürger kaum einkaufen.

    Wer allerdings "im Dienste des DDR Regime" arbeitete, konnte sich das schon dank zusätzlicher Zuwendungen von Seiten staatlicher Organe, sich da schon das eine oder andere leisten.

    So manch widerliche Petze durfte sich so mach zusätzlicher Annehmlichkeit und Zuwendung eines gewissen Ministeriums glücklich schätzen.

  • Der Durchnittslohn eines DDR Bürgers lag bei etwa 800 Ostmark, also umgerechnet (1:4 offizieller Wechselkurs) bei 200 DM oder auch bei 100 €.

    Mal ganz im Ernst - wer von euch würde heute noch für 100 € im Monat arbeiten gehen?

    Nebeneinkünfte durch Vermietung waren für ostdeutsche Vermieter nicht möglich, da ein reines Verlustgeschäft. Zusatzverdienste gab es durch Schwarzarbeit (Nachbarschaftshilfe) und durch Wucherverkäufe (PKW, Ersatzteile, Mangelware). Normale Rentner lebten am Existenzminimum. Die Spareinlagen waren trotzdem relativ hoch, da das Warenangebot fehlte.

  • Und trotz all dieser Widrigkeiten ist es absolut bemerkenswert, was aus diesem Teil Deutschlands geworden ist. Schrottreife Industrieanlagen verwandelt und heute wie neu - diesmal wirklich weltmarktfähig - abrißreife Gebäude aufs Schönste saniert. Giftdeponien und verseuchte Böden Altlasten-saniert. Telefon immer und überall (außer an den Ländergrenzen innerhalb des Landes). Autos für jeden Geldbeutel und sofort in 100 Farben. Und dann die Straßen. Alles neu.

    Und was sind die Leute gereist! Dann noch dieses Internet ...

    Und erst dieser Neumarkt in Dresden

    Und dieses Potsdam / Halle / Leipzig / Quedlinburg

    Und erst dieses Görlitz

    Berliner Schloss

    Wer hätte das alles 1990 vorhergesehen? Kein Mensch!

    Aber Kritik darf und muss auch sein: Heute nerven vor allem ewig lange Planungszeiten und der Immo-Wahnsinn.

  • Dass die privaten Grund- und Geldvermögen in Westdeutschland deutlich größer als im Osten waren, ist unbestritten. Von "kein Geld" kann aber keine Rede sein, zumal die DDR-Bürger im Zuge des 1:2-Umtauschs bei Einführung der D-Mark im Osten in der Kaufkraft deutlich gestärkt wurden.

    Die Ungleichheit privater Vermögen zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Eine historische Ursachenanalyse

    https://www.grin.com/document/387749

    Sparguthaben in der DDR: https://de.statista.com/statistik/date…ben-in-der-ddr/

    Vermögen in Deutschland sind im Wesentlichen Häuser, die in der DDR enteignet wurden. Hätte man in der DDR seine Häuser intakt behalten können, wäre die Situation heute vollkommen anders.

    Sparguthaben sind dagegen nur ein kleiner Bruchteil des Vermögens. Der Mediandeutsche hat aber kein Haus und ist somit im europäischen Durchschnitt sogar relativ arm. Ca. 70% der Deutschen haben praktisch kein Nettovermögen. Zusatz: Die Lockdowns alleine haben bisher jedem Erwerbstätigen zusätzliche 6.000€ Schulden aufgehalst.

  • Mir ist doch klar, dass das Vermögen des Normalbürgers im heutigen Deutschland bei genauem Hinsehen gar nicht so riesig ist wie in den Medien behauptet. Und es ging doch ebenfalls nicht um die Beschönigung der Lebensverhältnisse der meisten DDR-Bürger incl. Plattenbauten. Es ging nur um die Behauptung, DDR-Bürger hätten 1990 "kein Geld" besessen. So stimmt das nicht, denn dann hätten sie z.B. nicht innerhalb von kürzester Zeit von Trabbis auf VW Golf, Mercedes und ähnliches umsatteln können. Es gab also durchaus größere Sparguthaben, da man sein Geld relativ wenig in Konsum hatte "investieren" können, wie "Elbegeist" richtig bemerkt.

  • Beschreibungen vom Leben in der Vorzeit von Zeitzeugen zu lesen, die alles hautnah erlebt haben, sind immer wieder sehr interessant.

    Leider hat Onkel Henry seinen letzten Beitrag zum Thema Autokauf auf Pump wieder gelöscht...

    (Das alles irgendwann mal bezahlt werden muß mit Zinsen und die Einkünfte auch gesichert sein sollten...ja, daran hatte man wohl nicht gedacht.)


    Die Autoverkäufer West und ein paar Autokäufer Ost fanden sich dann später mit dem gleichen Problem konfrontiert: Sie waren traurigen Besitzer von SCHROTTIMMOBILIEN.

    Aber es gibt auch gute Nachrichten: Gewinner war unsere Landeshauptstadt DRESDEN. Hier wurde alles richtig gemacht.

  • Leider hat Onkel Henry seinen letzten Beitrag zum Thema Autokauf auf Pump wieder gelöscht...

    Ja, ich denke mal einige EX DDR Bürger hier, sind noch nicht so weit, entsprechende Vergangenheit objektiv zu betrachten.

    Bedauerlicherweise bekommen sie auch dann noch Rückenwind, von Usern welche von der DDR nicht die geringste Ahnung haben - also laß ich es lieber.