Paris - Notre Dame

  • Was eine Katastrophe, unglaublich. Ich war leider nicht drin und nun ists wohl für immer vorbei, auch wenn eine Rekonstruktion sicherlich kommen wird.

    Ja, man denkt auch nicht an einem Brand bei diesem bedeutenden Bauwerk. Ich besuchte die Kirche das letzte Mal in den Neunzigern und hätte sie gerne mit einem geschulten Blick auf´s Neue besichtigt. Aber schon vorbei. Nach dem Brand der Amalia Bibliothek dachte ich, jetzt würden alle daraus lernen... (das war ja auch so ein Unfall, der für mich völlig unverständlich ist).

  • Die Glasmalereien sind ebenfalls ein Werk des 19. Jahrhundert - nichtsdestotrotz ein Bedeutendes. Die Orgel ist ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert, hinter einem barocken Prospekt. Bliebe als wahrscheinlich bedeutendstes festes Ausstattungsstück das barocke Chorgestühl, zu nennen wäre noch die neugotische Kanzel.


    Von alldem werden wohl Orgel und Glasmalereien am stärksten gefährdet bzw. bereits beschädigt sein. Alles andere dürfte wohl leichtere Schäden davongetragen haben, durch Rauch und Löschwasser.

  • In den französischen Medien wurde in den letzten 30 Minuten wiederholt gesagt, dass die Struktur des Gebäudes gesichert sei und auch die Struktur der Türme gesichert sei. Auf den Türmen spazieren außerdem die ganze Zeit Menschen mit Taschenlampen herum.


    Vor über einer Stunde brannte es dort allerdings auch, angeblich ist eine Glocke heruntergestürzt.


    Laut französischen Medien wurde in den letzten 30 Minuten gesagt, dass das Feuer unter Kontrolle gebracht wurde. Tatsächlich scheint es nicht mehr so arg zu brennen wie am Anfang.


    Es gibt auch schon die ersten Gespräche über eine Rekonstruktion. Es wird zwar gesagt, dass in Frankreich nicht rekonstruiert wurde - gehört nicht zur Kultur - jedoch meinen viele, dass es hier eine Ausnahme sein sollte. Allerdings gibt es auch hier zwei verschiedene Ansichten darüber, über was für eine Rekonstruktion es sein soll. Sprich, so, wie es ursprünglich war, oder ob es irgendwie eine neue Adaption sein wird. Ich denke, sie werden es originalgetreu wieder aufbauen. Die Franzosen sind sehr getroffen von dem Ganzen.

  • Auf einem anderen Forum, fand ich folgende Erklärungsmöglichkeit

    (alles ausschließlich Zitat !)


    "Solche Brände können viele Stunden später entstehen, nach dem mit Flamme ge-handwerkert wurde.
    Beispielsweise, wenn eine Flamme das Sägemehl in den Gängen von Holzwürmern touchiert hat.
    Die Glut frisst sich dann oft in den Balken/Brettern weiter, es gibt dabei noch nicht mal deutlich sichtbare Rauchentwicklung.
    Offenes Feuer kann dann Stunden oder Tage später daraus entstehen.
    Und vielleicht viele Meter von dem Ort entfernt, wo die initiale Entzündung erfolgte.
    Bekämpfer von Hausschwamm, die u.a. Balken und Fugen im Mauerwerk abflämmen müssen, lassen nach solchen Aktionen wohlweislich eine Brandwache da.
    Gelegentlich gehen Häuser drauf, nach dem mit einem Dachdecker-Gasbrenner Unkraut abgeflämmt wurde.
    Und trotz „Aufpassen“ eines unbedarften Laien-Bedieners, der vom äußeren unsichtbaren(!!!) Teils der Flamme jedoch nichts weis, diese an Holzwurm-befallene Konstruktionsteile des Hauses gelangte (wie alte Türen, oder Garagentore).
    Wo in der Nähe von Holz (oder trockenem Gebüsch/Hecken) mit offener Flamme (oder Schweiß-Arbeiten) gearbeitet wurde, MUSS der Bereich anschließend mit Wasser abgenebelt werden!
    Und: es MUSS eine Brandwache organisiert werden!
    Wir selbst entdeckten einen Schwelbrand an einem alten Holzteil des Hauses, nachdem ein hirnloser [Mensch] mit so so einem Brenner Unkraut geflämmt hatte.
    Im Falle von Notre Dame wird auch genau das ermittelt werden:
    – [Hirnlose] at work
    – Bereich wo mit Flamme/Schweißen gearbeitet wurde, nicht vorher und anschließend mit Wasser abgenebelt
    – und keine Brandwache da gelassen!"

  • Es singen mitlerweile Tausende Pariser auf den Strassen um Notre Dame!
    Welche Hoffnung!

    Ich verfolge gerade die französischen Medien und habe mir auch viele der interviewten auf der Straße angehört - es gibt viel Betroffenheit, zugegebenermaßen gibt es aber auch einen Voyeurismus unter den einen oder anderen.

  • Es wurde gerade gemeldet, dass wenige Stunden vor dem Brand, (brennt seit genau vier Stunden) wertvolle Statuen von dach genommen wurden und eingelagert. Wegen der Sanierung.


    Weitere Meldung: Notre Dame soll eine der groesseten Orgeln der Welt haben. Wieder was gelernt.

  • Es wurde gerade gemeldet, dass wenige Stunden vor dem Brand, (brennt seit genau vier Stunden) wertvolle Statuen von dach genommen wurden und eingelagert. Wegen der Sanierung.


    Weitere Meldung: Notre Dame soll eine der groesseten Orgeln der Welt haben. Wieder was gelernt.

    Naja,... die Orgel ist mit 115 Registern sehr groß und durch seinen Erbauer, Cavaille - Coll, sehr berühmt, aber in Deutschland haben wir größere Instrumente!!! Passau Dom, Paderborn Dom, ... dagegen ist die Orgel in ND eher eine durchschnittliches Stadtkirchen - Instrument. Genug zu dem Thema.

  • Grosse Sorgen machen mir die wertvollen historischen Fenster. Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese die Gluthitze und das Löschwasser heil überstehen. Vielleicht der schwerste Verlust. :crying:

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Leider ist man in Frankreich in punkto Sicherheit nicht so streng bzw viel lockerer als wir.

    Den Dachstuhl der Kathedrale St. Gallen hatte man in den 1960er Jahren mittels zwei Brandwänden in drei Abschnitte unterteilt. Ums Jahr 2000 wurden dann im Dachraum Wasseranschlüsse und Stege eingebaut, die einem normalen Feuer mindestens zwei Stunden standhalten sollten. Freilich nützen bei einem Grossbrand solche Stege nichts mehr, aber es geht um die Bekämpfung eines Feuers im Anfangsstadium. Von der Länge her sind die beiden Dachstühle vergleichbar: Notre-Dame 120 m, St. Gallen 115 m. >> Bilder

  • Ein Teil des Vierungs- und Langhausgewölbes sind eingestürzt!
    Welt hatte eine Fotoaufnahme vom Inneren der Kirche gezeigt! Möglicherweise durchschlug der Dachreiter das Gewölbe. Am Boden erkennt man lange Metallteile.

  • Hat irgendwie was surreales, der singende Chor und die brennende Kirche. RT-YouTube

    98% of everything that is built and designed today is pure shit. There's no sense of design, no respect for humanity or for anything else. Frank Gehry

  • Auf dem vorhin gesendeten Luftbild kann man erkennen, dass 2 Kappen an der Grenze zwischen dem dritten und vierten Langhausgewölbe eingestürzt sind - sie scheinen aber wohl die Kanzel verfehlt zu haben. Hier dazu ein sehr gutes Innenbild.

  • Das ist genau die Stelle, wo der Dachreiter beim Hinabstürzen auch Teile des brennenden Dachstuhls zum Einsturz gebracht hat.

  • Brand in Notre-Dame de Paris. Versuch einer ersten Schadensbilanz


    Personenschäden: leichtere Verletzungen bei Einsatzkräften, keine schweren Personenschäden berichtet.


    Reliquien und andere bewegliche Güter wurden evakuiert. Offenbar wurde die gesamte Schatzkammer geräumt, die aber nicht unmittelbar in Gefahr war.



    Kathedrale Notre-Dame de Paris, Vierungsbereich, Blick nach Nordosten, Altar von 1989 und Statue Notre-Dame de Paris (14. Jh.) (Foto: Rmashhadi, Juni 2007, CC-BY-SA-3.0)


    Die berühmte Madonnenstatue wurde als gerettet bezeichnet. Trümmerteile gingen vor dem Altar in westlicher Richtung nieder.


    Kathedrale Notre-Dame de Paris, Blick in den Chor zum alten Hochaltar mit Pietà von Nicolas Coustou
    (Foto: Pawel Kotow / Павел Котов, Januar 2012, CC-BY-3.0)


    Auf den Innenaufnahmen aus der Brandnacht steht das große goldene Kreuz des Altars im Chorhaupt aufrecht. Der Bereich scheint nicht beschädigt zu sein.


    Ein Raub der Flammen wurde der historische Dachstuhl.


    Kathedrale Notre-Dame de Paris, Dachstuhl vor der Zerstörung (Foto: Bernard Hasquenoph, Februar 2018, CC-BY-SA-4.0)


    Für den Dachstuhl wurden 1300 Eichen verbraucht. Das entspricht einer Waldfläche von 21 Hektar. Die Fällung der Stämme wird auf die Zeit um 1220 datiert. Einige der verwendeten Balken stammten sogar vom ersten Dachstuhl des Chores, ihre Fällung wird auf die Zeit um 1160/70 datiert. Der Dachstuhl war 120 Meter lang, über dem Mittelschiff 13 Meter breit und 10 Meter hoch. Über dem Querhaus betrug die Länge 40 Meter.


    Kathedrale Notre-Dame de Paris, Dachstuhl vor der Zerstörung (Foto: Bernard Hasquenoph, Februar 2018, CC-BY-SA-4.0)


    800 Jahre hat dieser Dachstuhl gehalten. Der nächste wird wohl aus Eisen sein.


    Kathedrale Notre-Dame de Paris, Dachstuhl vor der Zerstörung (Foto: Bernard Hasquenoph, Februar 2018, CC-BY-SA-4.0)


    Das Dach war mit 1326 Bleiplatten, jede 5 Millimeter stark, gedeckt.


    Kathedrale Notre-Dame de Paris, das Chordach vor der Zerstörung (Foto: Chabe01, November 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Zerstört wurde der Dachreiter.


    Kathedrale Notre-Dame de Paris, Apostelfiguren am Fuße des Dachreiters (Foto: Schezar, April 2014, CC-BY-2.0)


    Die Apostelfiguren am Fuß des Dachreiters stammen von der Restaurierung unter Viollet-le-Duc. Sie wurden für die aktuell laufende Restaurierung abgenommen und deponiert. Diese Figuren sind also erhalten.


    Das Feuer begann am Fuß des Dachreiters, erfasste dann das Dach des Südquerhauses. Danach brannte das Dach des Nordquerhauses und des Chores nieder. Zuletzt fraß sich der Brand im Dachstuhl über dem Mittelschiff nach Westen vor. Die menschlichen Aktivitäten in den Westtürmen, von denen berichtet wurde, dienten dem Schutz der Türme vor einem Übergreifen der Flammen. Berichte über Rauch aus den Türmen müssen nicht bedeuten, dass es wirklich in den Türmen gebrannt hat. Die obersten Turmgeschosse sind offen. Der Rauch des Dachstuhlbrandes konnte also durch die Türme hindurchziehen. Über Schäden an den Glocken wurde nichts berichtet. Das Geläut verteilt sich auf beide Westtürme.


    Kleinere Teile des Mittelschiffsgewölbes sind eingestürzt, im Bereich der Vierung und/oder westlich davon sowie möglicherweise im mittleren Bereich des Chores. Die Löcher betrafen in der Nacht einzelne Gewölbefelder oder waren noch kleiner. Das Pfeilersystem ist offenbar stabil, die Statik des Gesamtgebäudes soll gesichert sein. Die Querhausgiebel sind stehen geblieben, haben aber Brandschäden und bedürfen der Sicherung, nachdem das Dach hinter ihnen weg ist.



    Kathedrale Notre-Dame de Paris, die Nordrose aus dem 13. Jahrhundert
    (Foto: Krzysztof Mizera, August 2008, CC-BY-SA-4.0)


    Die Nordrose ist noch ein Original aus dem 13. Jahrhundert und ein wahres Wunderwerk. Hoffen wir, dass sie die Katastrophe übersteht!



    Kathedrale Notre-Dame de Paris, das Dach des Mittelschiffs von Westen (Foto: Ana Paula Hirama, März 2015, CC-BY-SA-2.0)


    Ob der westliche Dachgiebel mit der Engelsfigur stehen geblieben ist, weiß ich nicht. Abschließend noch eine Detailaufnahme des Dachs vor der Zerstörung. Die Fassadenabschnitte darunter sind aber wohl nicht beschädigt.



    Kathedrale Notre-Dame de Paris, Detail der Dachlandschaft am Südquerhaus, Blick nach Westen
    (Foto: Peter Haas, Juli 2013, CC-BY-SA-3.0)