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Weissach reißt grundlos die halbe Ortsmitte ab

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    • Zitat:
      Der Bürgermeister betonte mehrmals, dass die Substanz aller betroffenen Gebäude marode und eine wirtschaftliche Sanierung ausgeschlossen sei.

      Ja klar, wie immer. Bürgermeister Ulbricht hat große Pläne. Komische Bürger, die im reichen Baden-Württemberg regelmäßig ihre Häuser so stark verkommen lassen, dass eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich ist. Ist Baden-Württemberg schon DDR, noch bevor die nächste Euro- und Konjunkturkrise angebrochen ist?
    • Heimdall wrote:

      Zitat:
      Der Bürgermeister betonte mehrmals, dass die Substanz aller betroffenen Gebäude marode und eine wirtschaftliche Sanierung ausgeschlossen sei.
      Ja klar, wie immer. Bürgermeister Ulbricht hat große Pläne. Komische Bürger, die im reichen Baden-Württemberg regelmäßig ihre Häuser so stark verkommen lassen, dass eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich ist. Ist Baden-Württemberg schon DDR, noch bevor die nächste Euro- und Konjunkturkrise angebrochen ist?
      Hier in Baden-Württemberg sieht es in der Tat in manchen Ortskernen furchtbar gammelig aus. Man glaubt bei so einem Anblick gar nicht, dass das hier eine der reichsten und wirtschaftsstärksten Regionen in der BRD ist. Ich verstehe auch nicht, warum hier viele Grund- und Hausbesitzer ihre Güter so dermaßen verkommen lassen. Ich komme hier viel rum und mir fällt immer wieder auf, wie nach und nach jahrhundertealte Gebäude einfach so plattgemacht werden und es offenbar auch keine große Gegenbewegung zu geben scheint. Man schaue sich nur das neueste Scheusal (so nenne ich es nun mal, weil das für mich keine Architektur, sondern ein Verbrechen ist!) in Marbach an:

      stuttgarter-nachrichten.de/inh…9a-bc2b-bdeab4527c37.html

      Kein Feingefühl für Ästhetik und Geschichte. Irgendwann haben wir in Württemberg keine historischen Ortskerne mehr, weil jedes Kuhkaff meint, unbedingt en vogue sein zu müssen, was den neuesten architektonischen Schrei angeht. Von gefühlt 15 historischen Gebäuden eines durchschnittlichen schwäbischen Kleinstädtchens, verschwinden innerhalb 20 Jahre im Schnitt gefühlt 5 bis 7. In Plüderhausen im Remstal wurde vor bestimmt schon 9 bis 10 Jahren ein altes Walmdachgebäude aus dem 18. Jahrhundert abgerissen, was man sicher hätte renovieren/restaurieren können. Was machte man? Man riss es innerhalb weniger Tage komplett ab und seitdem befindet sich auf exakt derselben Fläche ein geschotteter Parkplatz für 15 Autos. Gab es dagegen Proteste oder Aufregung? Nein! Es wurde stillschweigend hingenommen. Wahrscheinlich applaudierten viele Einwohner innerlich sogar noch, weil dieses "alte Glomp" endlich nicht mehr das Ortsbild verschandeln konnte. Das traue ich den Leuten hier ehrlich zu.

      :gehtsnoch:
    • Ich kenne solche Diskussionen auch aus vielen Ortschaften meiner Region. Manchmal hat man das Gefühl, dass der Erhaltungswille im ländlichen Raum viel weniger ausgeprägt ist als in manchen Städten. Altbauten werden dort mit einer Vergangenheit der Armut verknüpft, die man auch symbolisch hinter sich lassen will. Dazu kommen Horror-Vorstellungen über die angeblich unrealisierbare Sanierungs- und Nutzungsmöglichkeit von Altbauten im Allgemeinen, oft genug befeuert durch die Schikanen vieler Denkmalämter. Hier muss zunächst noch sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, bevor man an den eigentlichen Erhalt denken kann.


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

    • Das kommt - insbesondere im deutschsprachigen Kulturraum - doch sehr darauf an, ob in der ländlichen Region eine anerkannte Baustiltradition vorhanden ist. Als positives Beispiel sei der ländliche bayerisch-österreichisch-südtiroler Bauernhaus-Stil genannt. Dort wird dann ein heruntergekommener Altbau durch einen in lokaltypischer Bauweise gestalteten Neubau ersetzt, der nicht selten noch "prächtiger" und stilreiner ausfällt als der Vorgänger. Ein weiteres Beispiel für einen sogar noch perfektionierten Lokalstil sind die Nordseeinseln, hier insbesondere Amrum, auch Sylt (wobei in Sylt das Problem besteht, dass vielfach die stilreinsten Friesenhäuser als Neubauten entstehen, es aber überhaupt keine vorhandene Siedlungsstruktur für sie gibt). Im moderateren Preissegment wird in vielen ländlichen Neubaugebieten in Schleswig-Holstein ein recht schöner Backstein-Heimatstil gepflegt und auch in den Bausatzungen vorgegeben.
      In BW hingegen gibt es anscheinend das Problem einer nicht wertgeschätzten und daher von den Bauherren auch nicht angeforderten lokalen Bautradition. So können die Architekten dann entwerfen, was sie selbst für schön und richtig halten - was dabei dann so herauskommt, wissen wir ja.
      Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt. (Blaise Pascal, 1623 - 1662)

      Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir
    • Snork wrote:

      Das kommt - insbesondere im deutschsprachigen Kulturraum - doch sehr darauf an, ob in der ländlichen Region eine anerkannte Baustiltradition vorhanden ist. Als positives Beispiel sei der ländliche bayerisch-österreichisch-südtiroler Bauernhaus-Stil genannt. Dort wird dann ein heruntergekommener Altbau durch einen in lokaltypischer Bauweise gestalteten Neubau ersetzt, der nicht selten noch "prächtiger" und stilreiner ausfällt als der Vorgänger. Ein weiteres Beispiel für einen sogar noch perfektionierten Lokalstil sind die Nordseeinseln, hier insbesondere Amrum, auch Sylt (wobei in Sylt das Problem besteht, dass vielfach die stilreinsten Friesenhäuser als Neubauten entstehen, es aber überhaupt keine vorhandene Siedlungsstruktur für sie gibt). Im moderateren Preissegment wird in vielen ländlichen Neubaugebieten in Schleswig-Holstein ein recht schöner Backstein-Heimatstil gepflegt und auch in den Bausatzungen vorgegeben.
      In BW hingegen gibt es anscheinend das Problem einer nicht wertgeschätzten und daher von den Bauherren auch nicht angeforderten lokalen Bautradition. So können die Architekten dann entwerfen, was sie selbst für schön und richtig halten - was dabei dann so herauskommt, wissen wir ja.
      In den schwäbischen Dörfern und Städten herrscht oft ein wirres Potpurri aus verschiedensten Baustilen unterschiedlicher Epochen. Es herrscht eine visuelle Unruhe, die beispiellos ist. Es kommt oft vor, dass da ein klotzhafter, seelenloser Neubau aus dem Jahr 2018 direkt neben einem ehemaligen Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert, welches wiederum neben einem 60er-Jahre Mehrparteien-Wohnhaus steht. In Urbach bei Schorndorf ist letztens das ehemalige Gasthaus "Ochsen" abgebrannt. Leider kam eine Person ums Leben. Der Grund für das Feuer konnte nicht mehr ermittelt werden. Ich habe mir das selbst angesehen und das Gebäude wurde erst vor etwa 2 Jahren renoviert und bekam einen neuen Anstrich, da es zuvor schon arg ramponiert aussah. Und nun geschah dieses Unglück. Es stehen nur noch die Grundmauern und der Rest wird jetzt komplett abgetragen. Ich denke, man wird auch hier einen kalten, weißgrauen Klotz hinstellen.
      Leider weiß ich nicht mehr aus dem Gedächtnis, wann das Gebäude errichtet wurde, aber es war eine Infotafel an dem Haus angebracht, nur habe ich vergessen, welche Jahreszahl dort stand. Es müsste aber aus dem 17. oder 18. Jahrhundert gestammt haben.

      Link:
      zvw.de/inhalt.urbach-haus-steh…a9-b3c5-365ff9fe2740.html
    • Viele schwäbische Dörfer bestehen (bzw. bestanden) zum Großteil aus maximal schlichten, verputzten Bauernhäusern ohne jeglichen gestalterischen Anspruch. Ich kann zumindest nachvollziehen, warum viele diese alten Häuser für entbehrlich halten und lieber modernen Wohnraum wollen. Ich sehe das in meiner Heimatgemeinde auf den Fildern. Hier gab es nie wertvolle Architektur, daher gab es auch nie irgendein Engagement für die alte Bausubstanz, die mittlerweile weitgehend durch Neubauten ersetzt wurde. Irgendwann bleiben halt nur noch Kirche und Rathaus übrig.
      In dubio pro reko
    • Das sehe ich nicht so: dass diese "ohne Gestaltungsanspruch" seien ist letzlich doch nur die Konsequenz der modernistischen Umbauten in den 1960-70er Jahren (Plastikfenster, Glasbaustein,...) und das ständige Verputzen der Fachwerkhäuser! Das verstehe ich sowieso nicht in Schwaben...
      Aber wenn man das Fachwerk freilegen würde und die Häuser ständig pflegen würde , wären diese Dörfer Schmuckstücke! Siehe Strümpfelbach (Stadt Weinstadt) (Galerie)

      Was ist an diesem Örtchen bitteschön "ohne gestalerischen Anspruch"? Allein die Struktur des allemanischenn bzw fränkischen Fachwerks mit seinen Mannfiguren und anderen Verstrebungen besitzt doch einen künstlerischen Anspruch! Und die Farbgebung! Außerdem, wenn man mit "gest. Anspruch" nur Ornamente der Gründerzeit meint, da kannst Du die gesamten Dörfer in ganz Deutschland flachlegen, außer vlt. die Alpendörfer mit Lüftlmalereien, da es diese Masse an Verzierungen nicht in der Tradition dörflichen Bauens gab (ist ja auch klar, dies war eher dem Adel bestimmt)!

      Ja genau dieses Denken wird leider in Schwaben dazu führen, dass man seine ganze Baukultur vernichtet nur weil es halt "nicht so viel Rocaille" besitzt. Echt traurig das ganze :weinenstroemen:
    • Stuegert wrote:

      Viele schwäbische Dörfer bestehen (bzw. bestanden) zum Großteil aus maximal schlichten, verputzten Bauernhäusern ohne jeglichen gestalterischen Anspruch. Ich kann zumindest nachvollziehen, warum viele diese alten Häuser für entbehrlich halten und lieber modernen Wohnraum wollen. Ich sehe das in meiner Heimatgemeinde auf den Fildern. Hier gab es nie wertvolle Architektur, daher gab es auch nie irgendein Engagement für die alte Bausubstanz, die mittlerweile weitgehend durch Neubauten ersetzt wurde. Irgendwann bleiben halt nur noch Kirche und Rathaus übrig.
      Auf den Fildern sieht es größtenteils wirklich schlimm aus. Besonders das Ortszentrum von Bernhausen fällt mir da als erstes negativ ein. Einigermaßen Plieningen ist noch ganz in Ordnung, wobei auch hier viel nach dem Krieg zerstört wurde. Es wäre zwar ein gewaltiger Aufwand, vor allem in finanzieller Hinsicht, aber würde man jeden verputzten Fachwerkbau freilegen, sähen viele Ortschaften deutlich schmuckhafter aus. Für mich ist jedes einzelne ehemalige Bauern- oder Weingärtnerhaus erhaltenswert und ein wichtiger Baustein für ein gelungenes Gesamtensemble einer historischen Ortsmitte.

      Fachwerkliebhaber wrote:

      Das sehe ich nicht so: dass diese "ohne Gestaltungsanspruch" seien ist letzlich doch nur die Konsequenz der modernistischen Umbauten in den 1960-70er Jahren (Plastikfenster, Glasbaustein,...) und das ständige Verputzen der Fachwerkhäuser! Das verstehe ich sowieso nicht in Schwaben...
      Aber wenn man das Fachwerk freilegen würde und die Häuser ständig pflegen würde , wären diese Dörfer Schmuckstücke! Siehe Strümpfelbach (Stadt Weinstadt) (Galerie)

      Was ist an diesem Örtchen bitteschön "ohne gestalerischen Anspruch"? Allein die Struktur des allemanischenn bzw fränkischen Fachwerks mit seinen Mannfiguren und anderen Verstrebungen besitzt doch einen künstlerischen Anspruch! Und die Farbgebung! Außerdem, wenn man mit "gest. Anspruch" nur Ornamente der Gründerzeit meint, da kannst Du die gesamten Dörfer in ganz Deutschland flachlegen, außer vlt. die Alpendörfer mit Lüftlmalereien, da es diese Masse an Verzierungen nicht in der Tradition dörflichen Bauens gab (ist ja auch klar, dies war eher dem Adel bestimmt)!

      Ja genau dieses Denken wird leider in Schwaben dazu führen, dass man seine ganze Baukultur vernichtet nur weil es halt "nicht so viel Rocaille" besitzt. Echt traurig das ganze :weinenstroemen:
      Das Verputzen von Fachwerkhäusern hat ja auch schon eine lange Tradition, wenn ich mich recht entsinne? Wenn ich richtig liege, kam diese Mode zum ersten Mal im frühen 19. Jahrhundert auf, als man zum ersten Mal sichtbares Fachwerk als altbacken empfand. Viele wurde in den späteren Jahren des 19. Jahrhunderts wieder freigelegt, aufgrund des neu aufgekommenen Interesses am Mittelalter, aber viele Häuser verblieben auch weiterhin, bis heute, in diesem schmucklosen Zustand.
    • AntinomyX wrote:

      Es wäre zwar ein gewaltiger Aufwand, vor allem in finanzieller Hinsicht
      Ist es wirklich so teuer, Fachwerk freizulegen? Und warum haben dann Baden, Hessen, Rheinland-Pfalz, Franken und Thüringen ihre meisten Fachwerkhäuser freigelegt?
      Für Schwaben würde ich dann finanzielle Anreize geben und staatlich subventionieren, wenn jemanden sein Gefüge freilegen möchte. Und auch durch Visualisierungen den Leuten vermitteln, wie schön ihr Haus danach aussehen würde!
    • AntinomyX wrote:

      Das Verputzen von Fachwerkhäusern hat ja auch schon eine lange Tradition, wenn ich mich recht entsinne? Wenn ich richtig liege, kam diese Mode zum ersten Mal im frühen 19. Jahrhundert auf, als man zum ersten Mal sichtbares Fachwerk als altbacken empfand.
      In Württemberg hat die Regierung schon im 18. Jahrhundert angeordnet, dass Fachwerk dem Brandschutz wegen verputzt werden muss.

      AntinomyX wrote:

      Viele wurde in den späteren Jahren des 19. Jahrhunderts wieder freigelegt, aufgrund des neu aufgekommenen Interesses am Mittelalter, aber viele Häuser verblieben auch weiterhin, bis heute, in diesem schmucklosen Zustand.
      In den württembergischen Dörfern wird Fachwerk erst seit wenigen Jahrzehnten wieder freigelegt. Selbst in der Nachkriegszeit war da noch mehr oder minder alles verputzt.
    • Fachwerkliebhaber wrote:

      Aber wenn man das Fachwerk freilegen würde und die Häuser ständig pflegen würde , wären diese Dörfer Schmuckstücke! Siehe Strümpfelbach
      Strümpfelbach ist schon ein gutes Stück überm Durchschnitt. Man merkt deutlich, dass der Ort durch den Weinbau recht wohlhabend war. Die mir heimatlich vertrauten Dörfer zwischen Schwarzwald und Alb waren meistens ziemlich arm und die Häuser entsprechend schlicht. Bauschmuck und Zierfachwerk sind dort selten zu sehen.

      The post was edited 1 time, last by Tübinger ().

    • Das ist das Problem dieser Häuser. Zu den schlichten verputzten Fassaden kommen unpassende Modernisierungen (fehlende Fensterläden, ungeteilte Baumarktfenster usw.) sowie Verwahrlosung, z.B. durch Überalterung der Bewohner. Wäre ich nicht etwas sensibilisierter, würde ich auch für einen Abriss und einen Neubau mit schönen, großen Fenstern, Balkon und nicht muffelndem Keller plädieren. Viele der Häuser sind eben in einem sehr unattraktiven Zustand.
    • Es ist aufgrund der von Heimdall benannten Umstände so, dass von vielen das Ortsbild nach Abriss und Neubau dann tatsächlich als „schöner“ empfunden wird. Die wenigsten haben dafür solche Kriterien wie wir hier im Forum. Das erklärt auch das Ausbleiben jeglichen Widerstands. Man freut sich vielmehr über die Erneuerungsmaßnahmen. Auch das kann ich am Beispiel meines Wohnortes im Raum Stuttgart belegen.
      In dubio pro reko
    • Die württembergischen Dörfler empfinden keine Nostalgie für die alten Fachwerkhäuser (es gibt natürlich Ausnahmen). Ich kann das durchaus verstehen. Die Bauernhäuser sind in der Regel ärmlich eng und mit niedrigen Decken. Ab den 70er Jahren zog jeder, der es sich leisten konnte, in einen Neubau am Ortsrand. Als Kind auf dem Dorf habe ich etliche Bauernhäuser besuchsweise von innen gesehen und ich war froh, nicht so wohnen zu müssen.
    • Tübinger wrote:

      Strümpfelbach ist schon ein gutes Stück überm Durchschnitt. Man merkt deutlich, dass der Ort durch den Weinbau recht wohlhabend war.
      Soweit ich das sehe ist der hier betroffene Ort Weissach nun auch nicht fernab vom Schuss in der Schwäbischen Alb, sondern relativ nahe sogar an der unteren Enz, die ja noch eine kleine "Traditionsinsel" ist im Bezug auf den Erhalt alter Fachwerkhäuser. Weissach selbst habe ich soigar auf meine Dörferliste in Bawü gesetzt, da es eine sehr schöne Wehrkirche besitzt (sowie eine weitere im Ortsteil Flacht)... Bereits der Nachbarort Mönsheim sieht deutlich ansprechender aus und ist weder ein reicher Winzerort, noch "überdurschnittlich". Oder auch Eberdingen, Iptingen, Aurich, ... Für den wirklichen Kraichgau-Stromberg könnte ich mehrere Dutzend von Orten aufzählen, die hervorragend intakte Ortskerne bewahrt haben! Und ja: ich kann mir vorstellen, später in so einem haus zu wohnen, weil mir mitlerweile diese perfektionistischen, bequemen und kalten, "pflegeleichten" und künstlichen heutigen Neubauten stören. Wo bleibt das Authentische, Urige, Verwinkelte, die Liebe zum Detail, der Ortsbezug?
    • Mir ist nicht ganz klar, worauf Du hinauswillst. Strümpfelbach ist der Bausubstanz nach kein durchschnittliches württembergisches Dorf, sondern eines, dem man, finde ich, anmerkt, dass es ein wohlhabendes Dorf war - im Gegensatz zu den Dörfern in meiner Heimatgegend, wo die Häuser ärmlicher waren. Hier wie dort gibt es heute besser und weniger gut erhaltene Dorfkerne und selbstverständlich könnte und sollte man auch ein früher armes Dorf pfleglich behandeln - nur verbergen sich dort halt keine prächtigen Fachwerkhäuser unterm Rauhputz.

      Zu den Dörfern an der Enz fällt mir Enzweihingen ein, durch das ich einmal beim Wandern gekommen bin. Da war ich schon beeindruckt, solche Häuser zu sehen, die es, wie schon gesagt, in meiner Heimatregion auf den Dörfern nicht gibt:

      upload.wikimedia.org/wikipedia…rosses_Haus_PF1380ABW.jpg
    • Worauf ich hinaus will? Strümpfelbach und die anderen Orte waren doch nur Bsp dafür wie man es eben richtig machen kann, wenn man seine Bausubstanz erhält! Auch wenn bei Dir in den "ärmlicheren" Dörfern die Fachwerkhäuser wohl nicht so üppig ausgefallen sind, muss man finde ich für jedes Fachwerkhaus kämpfen, da sie eben zu unserem kulturellen Erbe gehören, und wenn sie verschwinden, weil sie nicht "komfortabel" genug seien, dann verschwindet auch ein Stück Heimat, ein Stück Vertrautheit, Heimeligkeit!

      Im Übrigen sehe ich gerade, gibt es auch südwestlich von Tübingen positive Beispiele, wie man eben richtig eine Dorfsanierung machen sollte siehe Nehren, Hirrlingen, Öschingen, Mössingen, Täbingen, Gößlingen, etc..

      Ja kann sein, dass es sich um die Schokoladenseiten der Orte handelt, aber dennoch dienen sie für mich als Vorbild für die Umgebung!
    • Ja, das sind Schokoladen-Photos. Mössingen (übrigens heute eine Stadt) ist definitiv kein schöner Ort (ich war da schon oft). Hirrlingen besitzt ein tolles Schloss, aber viel mehr ist dort nicht. Nehren ist tatsächlich ein hübscher Ort mit einem beachtlichen Fachwerkensemble an der Hauptstraße. Öschingen kenne ich vom Durchfahren, aber es hat keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Die anderen Orte kenne ich nicht aus eigener Anschauung.
    • Mein Heimatort war jahrhundertelang ein armer Flecken, dementsprechend „karg“ wurde auch gebaut. Es gab und gibt bis auf die ev. Kirche und das Rathaus wirklich nichts Sehenswertes. Nachbargemeinden wie Neuhausen a.d.F. oder Grötzingen im Aichtal waren wohlhabend, und das sieht man den Orten bis heute an. Es gibt dort wesentlich repräsentativere Gebäude, bei denen auch (bislang) niemand auf die Idee kam, sie abzureißen. Es erwischt zumeist die unscheinbaren Bauernhäuser, deren Erhalt die wenigsten für geboten halten, weil man an ihnen eben keinen baulichen Wert erkennt. Wohlgemerkt, ich teile diese Einstellung nicht, weil mir auch etwas an der historischen Ablesbarkeit eines Ortes liegt, kann sie aber nachvollziehen.
      In dubio pro reko