Rekonstruktionen im Fadenkreuz

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    • In welchem Bauhaus-Strang?

      (Ich habe schon länger vor, die Bauhaus-Architektur mit heutiger Architektur zu vergleichen. Inwieweit steckt Bauhaus in in heutiger Strichcode-Fassade? Meint der Betonbrutalismus Bauhaus? Was war der Nutzen von Bauhaus damals? Ist Bauhaus nützlich in eng besiedelten Stadtgebieten? Ich habe das Gefühl, dass in Bauhaus ein bisschen viel von allen Seiten hineingeheimnist und hineininterpretiert wird).
    • Wobei ich denke, daß ein gesondertes Thema Unterschied zwischen Bauhaus und restlicher Moderne sehr interessant wäre. Selbst im postmodernen Bereich gibt es Unterschiede und selbst da gibt es Bauten aus den 20iger Jahren wo ich mir bei einigen ne Reko vorstellen könnte und bei anderen sagen würde "das ist jetzt nicht so schön"
      Amateure bauten die Arche, Profis die Titanic...
    • Bei "nicht-öffentliche Sitzung" bekomme ich immer Bauchschmerzen. Wozu macht man einerseits aufwändige Wettbewerbe mit Ausstellungen der Ergebnisse, und andererseits entscheidet man dann unter völliger Geheimhaltung. Ich verstehe dass es einen Datenschutz geben muss, und das es wirtschaftliche Interessen gibt, und schützenswerte Geschäftsgeheimnisse.
      Aber es muss doch ein Weg gefunden werden die Öffentlichkeit bei Gestaltungsfragen einzubinden, v.a. wenn es um öffentliche Stadträume geht.

      Aber zurück zum Thema:
      ich höre zunehmend auch von Architekten, dass man eingesteht, das die heutige Architektur überwiegend auf Ablehnung treffe und die Menschen wenig anspreche. Dann wird geklagt, ob denn Rekonstruktionen das richtige Mittel sind, um einen Gegentrend abzubilden. Vergangenes sei vergangen usw.
      ich für meinen Teil stehe moderner Architektur nicht grundlegend ablehnend gegenüber, deswegen ist mir das Argument zu kurz gegriffen. Ich denke mir meist, Rekonstruktionen sind auch ein Megatrend, der gegen die ständige Bedrohung auch den faktischen Verlust noch existierender Denkmale gerichtet ist.
      Eine Gesellschaft, die Denkmale abreißen lässt, die muss es auch ertragen dass andere wieder aufgebaut werden. Es vergeht ja kaum ein Tag, an dem man nicht hört dass irgendwo eine historische Landmarke fallen soll, sei es in Hamburg oder in Karlsruhe. Das geht ununterbrochen so.
    • nothor schrieb:

      Aber es muss doch ein Weg gefunden werden die Öffentlichkeit bei Gestaltungsfragen einzubinden, v.a. wenn es um öffentliche Stadträume geht.
      Ich erinnerte ja bereits beim Einstieg in dieses Forum daran, dass die Frage Reko oder nicht eine rein politische Frage ist. Die mehrheitliche Meinung des Bürgers ist z.Zt. für Reko und damit heute i.A. unerwünscht. Deshalb hat er außen vor zu bleiben.
      Deshalb schreibt man hier eine zeitgenössische Gestaltung aus und bemerkt dann scheinheilig, dass sich ja auch historisierende Bewerber hätten melden können. Und deshalb lässt man die Bürgerinitiative am langen Arm verhungern, weil man vermutlich allein schon die Prüfung der Namenslisten so lange hin ziehen lassen wird (max 6 Wochen) bis alle Eulen verflogen sind.
      Dabei ist der Wunsch der Einwohner nach einer Rückkehr zur Gemütlichkeit und Geborgenheit in einer Stadt, die zu über 80 Prozent zerstört und zusätzlich abgerissen und verbaut wurde, nur zu gut verständlich. Aber es gibt eine politische Richtung, die das nicht will sofort mit der großen Keule droht. Am ganz äußeren Rand dieser Richtung finden wir dann das ganz Extreme: Keine Tränen für Krauts und Bomber Harris tu es nochmal!
      Das ist auch der Grund, weshalb jede Diskussion mit Vertretern dieser Richtung völlig nutzlos ist, da diese keinen Fußbreit von ihrer Überzeugung abzubringen sind. Auch Kompromisse sind ausgeschlossen.
      Leider wird es noch Jahrzehnte dauern, bis man das hier begreift. Dann wird eine Korrektur der architektonischen Verfehlungen um so teurer sein.
    • Elbegeist schrieb:

      Das ist auch der Grund, weshalb jede Diskussion mit Vertretern dieser Richtung völlig nutzlos ist, da diese keinen Fußbreit von ihrer Überzeugung abzubringen sind. Auch Kompromisse sind ausgeschlossen.
      Würde ich so nicht unterschreiben. Manche Politiker ändern lieber ihre Meinung als ihr Amt zu verlieren. Schließlich geht es nur um Steine, nur um Gebäude. In Kriegsdokus heißt es immer "Häuser kann man wieder aufbauen, aber das menschliche Leid..." Tatsächlich soll dann aber doch nicht wieder aufgebaut werden, vermeintlich, um das menschliche Leid abzubilden. Was für ein Unsinn, damit wird eine Stadt zur Gedenkstätte.
      Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass besonders jüngere Politiker ihre Karriere an ein bestimmtes Reko-Projekt knüpfen. Es ist vielmehr entscheidend, wer das Projekt vorantreibt, oder wem es im Wege steht. Sprich, wenn Politiker selbst in Seilschaften verstrickt sind, wird es kompliziert. Dann sind aber alle kulturtheoretischen Argumente ohnehin nur vorgeschoben. Solche Seilschaften lassen sich aber umso besser bekämpfen, je vielfältiger eine politische Bühne besetzt ist. Wenn man nur 3 Parteien in der Lokalpolitik hat und zwei davon eine Groko bilden, kann es für die dritte Partei dann auch zu schwer werden.

      Aber ich schweife schonwieder ab.
      Ich sehe keine dedizierte Gefahr für Rekonstruktionen im Speziellen. Aber wohl eine Gefahr, eine sehr konkrete, die attraktives Bauen verhindert. Die Gewichtung wirtschaftlicher Einzelinteressen ist gegenüber denen der Öffentlichkeit deutlich überbewertet. Wenn man sich als Unternehmen einen Bau am besten Platz der Stadt nicht leisten kann, dann sollte es besser unterbleiben anstatt durch Zugeständnisse Hässliches zu bauen und neue Probleme zu schaffen. Manchmal ist eine Brache besser als ein hässlicher Neubau. Manche Geschäftskonzepte halten nichtmal 5 Jahre.
    • Petersburg schrieb:

      Ich habe aber kein Mitleid mit den Modernisten, von denen ich schon auf übelste beschimpft wurde nur weil ich mich für Rekonstruktionen einsetze: Disneyland, Heimattümler, dummer Laie, Völkische bzw. braune Gesinnung, was musste ich mir schon alles anhören.
      Damit ist eigentlich alles gesagt. Darin besteht die Gefahr für Rekonstruktionen im Speziellen.
      Der o.g. Beschluss in D. wurde z.B. mehrheitlich vom Wirtschaftsausschuss, Bauauschuss, Gestaltungsbeirat und Verwaltungsspitze gefasst. Keiner von diesen Vertretern hatte es für nötig erachtet, die Einwohner rechtzeitig auf die Ausschreibung und ihre Folgen hinzuweisen. Es ist üblich geworden, die Bürger völlig folgenlos für die Verantwortlichen heftig vor den Kopf zu stoßen.
    • nothor schrieb:

      Sprich, wenn Politiker selbst in Seilschaften verstrickt sind, wird es kompliziert. Dann sind aber alle kulturtheoretischen Argumente ohnehin nur vorgeschoben. Solche Seilschaften lassen sich aber umso besser bekämpfen, je vielfältiger eine politische Bühne besetzt ist. Wenn man nur 3 Parteien in der Lokalpolitik hat und zwei davon eine Groko bilden, kann es für die dritte Partei dann auch zu schwer werden.
      Du nennst das Problem endlich beim Namen. Es ist vieles nur vorgeschoben. Irgendwer hat mal ermittelt, dass die "Verdienste" in der Baubranche so hoch wären, dass diese die bisher führende Waffenmafia auf Platz 2 verdrängt hätte. Die Seilschaften sitzen fest im Sattel, denn es fehlt jeder Gegendruck. Und ich gebe auch keine Empfehlungen, welche Partei hier mal aufräumen könnte, weil ich keine kenne. Also bleibt alles wie gehabt.
    • Elbegeist schrieb:

      Das ist auch der Grund, weshalb jede Diskussion mit Vertretern dieser Richtung völlig nutzlos ist, da diese keinen Fußbreit von ihrer Überzeugung abzubringen sind. Auch Kompromisse sind ausgeschlossen.
      Leider wird es noch Jahrzehnte dauern, bis man das hier begreift.
      Das ist nur dein Glaubenssatz, keine universelle Wahrheit. Ich habe in Neustrelitz z.B. ganz andere Erfahrungen gemacht.
      Dort habe ich als Liberaler die Linken(!) und die Konservativen auf unsere Seite gebracht, sodass bis auf die unentschlossene Wabbel-SPD alle die Rekonstruktion des Neustrelitzer Schlossturmes wollen. Du musst nur mit ihnen persönlich(!) reden und die Worte weise wählen. Und ihnen das Ganze so verkaufen, als wäre es alles ihre Idee gewesen und genau im Sinne ihrer Weltansicht und ihrer Wähler.
    • erbse schrieb:

      Elbegeist schrieb:

      Das ist auch der Grund, weshalb jede Diskussion mit Vertretern dieser Richtung völlig nutzlos ist, da diese keinen Fußbreit von ihrer Überzeugung abzubringen sind. Auch Kompromisse sind ausgeschlossen.
      Leider wird es noch Jahrzehnte dauern, bis man das hier begreift.
      Das ist nur dein Glaubenssatz, keine universelle Wahrheit. Ich habe in Neustrelitz z.B. ganz andere Erfahrungen gemacht.Dort habe ich als Liberaler die Linken(!) und die Konservativen auf unsere Seite gebracht, sodass bis auf die unentschlossene Wabbel-SPD alle die Rekonstruktion des Neustrelitzer Schlossturmes wollen. Du musst nur mit ihnen persönlich(!) reden und die Worte weise wählen. Und ihnen das Ganze so verkaufen, als wäre es alles ihre Idee gewesen und genau im Sinne ihrer Weltansicht und ihrer Wähler.
      Bei einem Schlossturm in einer alten Stadt würde ich mir das auch zutrauen. Aber mit welchem zugkräftigen politischen Argument würdest Du den Vertretern der Stadt der Moderne das 18. Jahrhundert schmackhaft machen?
    • nothor schrieb:

      Ich denke mir meist, Rekonstruktionen sind auch ein Megatrend, der gegen die ständige Bedrohung auch den faktischen Verlust noch existierender Denkmale gerichtet ist.
      Eine Gesellschaft, die Denkmale abreißen lässt, die muss es auch ertragen dass andere wieder aufgebaut werden. Es vergeht ja kaum ein Tag, an dem man nicht hört dass irgendwo eine historische Landmarke fallen soll, sei es in Hamburg oder in Karlsruhe. Das geht ununterbrochen so.
      Ich denke nicht, dass das der maßgebliche Grund für die aktuelle Rekonstruktionsbewegung ist. Das würde ja einen direkten Zusammenhang konstruieren, der nicht gegeben ist. So als würde ein Rekonstruktionsbefürworter sagen: "Gerade sind sie dran, ein denkmalgeschütztes Haus in Landshut abzureißen. Dann rekonstruiere ich jetzt eben die Kellertorwache in Potsdam." Die Abrisse übersteigen die wenigen Rekonstruktionen ohnehin bei weitem.

      Die Rekonstruktionsbewegung ist vielmehr eine Reaktion auf Zerstörungen und Abrisse, die nicht aktuell stattfinden, sondern teils vor Jahrzehnten (Krieg, Nachkriegszeit) stattgefunden haben. Und die schmerzhafte Lücken in den Städten hinterlassen haben, die lange nachwehen. Und es ist eine generelle Reaktion auf die Unzufriedenheit mit den modernistischen Stadtplanungen.
    • Richtig. Rekonstruktionen sind eine gerade im zernarbten Deutschland schlicht nötige Heilung.
      Viele verspüren sicher unterbewusst einen gewissen Phantomschmerz, wenn sie durch die heutigen Städte des Landes gehen. Was natürlich durch Erzählungen der (Ur-)Großeltern sowie unzählig vorhandes Bild- und Videomaterial gestützt wird. Diesbezüglich sind wir uns ja auch alle einig, denke ich.


      Ich frage mich allerdings immernoch, was genau uns dieser Faden hier eigentlich sagen will, bzw. wie der jetzt genau zu irgendwelchen Lösungen beitragen soll. Ein wenig habe ich den Eindruck, hier wird eine Gefahr heraufbeschworen, die höchstens in ein paar Köpfen existiert... Dass fertige Rekos Opfer irgendwelcher Anschläge (und seien es nur symbolische) werden könnten.

      Das Problem was ich dabei sehe: solche Ängste werden, einmal ausgesprochen, allein dadurch schon realer, dass sie einen Raum bekommen, wie durch ein Megaphon verbreitet werden. Das bringt die Thematik überhaupt erst an die Oberfläche - und womöglich uns nicht so wohlgesonnene Mitleser erst auf dumme Ideen. Das halte ich für einen wenig fruchtbaren Ansatz. Wir kennen doch alle die Metapher: "wecke keine schlafenden Hunde". sleep:)


      Ganz kurzer psychologischer Exkurs dazu: Unser Gehirn kann Negationen wie das Wort "nicht" gar nicht visualisieren.
      Unser Gehirn denkt in Bildern. Wenn ich also mit Nachdruck sage: "denke jetzt nicht an den Eiffelturm!" - was macht ihr? Klar, ihr habt den Eiffelturm vor Augen. Also bitte Negationen in der Sprache weitestgehend vermeiden! Sprechen wir nie darüber, was wir alles nicht wollen, sondern nur noch darüber, WAS wir genau wollen! Das ist viel, viel mächtiger.
    • Neu

      Es reicht schon, wenn nur ein einziger Dummbatz mitliest, der dadurch auf die Idee kommt, dass es ja total clever wäre, Farbbeutel gegen das rekonstruierte Berliner Schloss zu werfen... und zwar oberhalb der Schutzschicht. :rolleyes:
      An der Berliner Gedächtniskirche war es mutmaßlich auch ein Einzeltäter ohne großes Netzwerk, so nebenbei.

      Und schon siehst du, das verleitet direkt dazu, hier Fantasien von möglichen Verschandelungen und Anschlägen zu entwerfen. Das führt auf keinen guten Pfad. Braucht kein Mensch.


      Zugriffsstatistiken zum Stadtbild-Forum hast du direkt auf der Startseite ganz unten rechts.
      Ganz oben rechts siehst du, dass aktuell allein gut 250 Leute hier im Forum online sind. Das ist mehr als bei diversen Medienportalen. Allein der Faden zum Berliner Schloss hat rund 3,5 Millionen Zugriffe über die Jahre, der über die Frankfurter Altstadt fast 1,5 Millionen und jene über den Dresdner Neumarkt zusammengenommen sicher nochmal mehrere Millionen, dito für Potsdam und Leipzig. Das ist ne Menge für dieses "Nischenthema" in einem "Nischenforum" über Rekonstruktionen und klassische Architektur.

      Und ich habe es schon mehrfach gesagt, es liest/schaut hier tatsächlich die "Weltöffentlichkeit" mit, ich weiß von vielen US-Amerikanern, Briten und weiteren Europäern, die hier regelmäßig reinschauen. Müsste auch in den internen Statistiken einzusehen sein.
    • Neu

      erbse schrieb:

      Es reicht schon, wenn nur ein einziger Dummbatz mitliest, der dadurch auf die Idee kommt, dass es ja total clever wäre, Farbbeutel gegen das rekonstruierte Berliner Schloss zu werfen... und zwar oberhalb der Schutzschicht. :rolleyes:
      An der Berliner Gedächtniskirche war es mutmaßlich auch ein Einzeltäter ohne großes Netzwerk, so nebenbei.

      Und schon siehst du, das verleitet direkt dazu, hier Fantasien von möglichen Verschandelungen und Anschlägen zu entwerfen. Das führt auf keinen guten Pfad. Braucht kein Mensch.
      Dazu braucht man hier nicht mitzulesen. Es gibt immer Einzel- oder Gruppentäter, die so etwas tun. Nach der bekannten Ablehnung von Rekonstruktionen, die nicht ins politische Konzept passen, ist naturgemäß mit Anschlägen zu rechnen. Dabei ist die Zahl linksgerichteter potenzieller Farbbeutelwerfer in der Regel viel höher als die der Gegenseite. Aber auch die Bauhäusler bekamen das schon zu spüren. Ihre rekonstruierte Mauer an den Meisterhäusern wurde mehrfach beschmiert.
      Es ist die Mauer, die damals ausdrücklich zur Abgrenzung von der Dessauer Bevölkerung diente.