Rekonstruktionen im Fadenkreuz

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    • Gut, ein Propagandavideo der Amerikaner von 1945, das den „bösen Deutschen/Preußen“ bereits im 18. Jahrhundert verortet, ändert nichts an der Praxis, wie mit dem preußischen Erbe seitens der Alliierten tatsächlich umgegangen wurde. Ihnen schwebte in erster Linie Wilhelm II und die Klischees der Propagandaschlachten von 1914-1918 vor Augen, und sicherlich nicht Friedrich der II. oder Kant. Eine kausale Notwendigkeit oder gar Gleichsetzung Preußen=>Nazideutschland erkannten sie jedenfalls nicht, auch wenn sie es hier konstruieren. Und 74 Jahre danach erwarte ich von den Nachgeborenen ein etwas differenzierteres Bild und ein sorgfältigeres Quellenstudium, als es die Donnerstimme im Video und ein paar Pickelhauben samt Stechschritt vermitteln.
    • Ich möchte an dieser Stelle darum bitten mit dem Thema "3.Reich" sensibler umzugehen, oder es besser ganz sein zu lassen. Eine falsche Ausdrucksweise oder fehlende Distanzierung wird sehr schnell als NS Verherrlichung angesehen - und das ist dann keine Frage mehr der Moderation/Administration sondern des Staatsanwaltes.
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • Ja, ist gut. Ich bedaure, wenn ich oder Andere an irgendeiner Stelle diesen Eindruck gemacht habe, da das nicht meine Intention ist. Wobei ich nicht denke, dass an irgendeiner Stelle eine Glorifizierung stattfand. Ich wollte nur bzw. will mir selbst manche Entwicklungen verständlich und bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar machen, um verstehen zu können, weshalb wir heute sind, wie wir sind. Dazu gehören historische Prozesse, die man auch als solche betrachten muss oder dürfen sollte, nach Möglichkeit nüchtern. Und die nachhaltigsten historischen Einschnitte finden sich, ob man will oder nicht, „dort“. Dass das heutzutage bereits als „Verherrlichung“ oder Relativierung dieser Zeit angesehen wird oder werden kann, hat seine Ursachen ebenfalls in historischen Prozessen. Aber das Thema ist nun durch (wobei es sicherlich öfters wieder hervorkommen könnte, wenn man sich mentalitätsgeschichtlich mit der heutigen Architektur bzw. deren Ursachen befassen möchte).

      PS: das soll kein Vorwurf sein, ich verstehe deine Bedenken natürlich.
    • Reprojektionen wie die in dem von @Suebicus gezeigten Film sind leider nicht vom Tisch. Das hat man bei der Debatte um den Wiederaufbau der Garnisonkirche deutlich gesehen. Bekanntlich nutzten die Nazis den sog. Tag von Potsdam (an dem übrigens Hindenburg und nicht Hitler im Mittelpunkt gestanden hatte), um eine historische Kontinuität von Friedrich II., Bismarck, Hindenburg und Hitler zu konstruieren. Zu diesem Zweck deuteten sie auch die Garnisonkirche um: die Verabschiedung Hitlers von Hindenburg am Rand der Veranstaltung wurde zum 'Handschlag' hochstilisiert, und dieser 'Handschlag' wurde dann in Propagandagemälden ins Innere der Kirche - vor die Gruft Friedrichs II. - verlegt. Die Kommunisten griffen dieses Konstrukt dann dankbar auf und drehten den Spieß um: die Nazis nicht mehr als Vollender preußischen Erbes, sondern die Preußen als Vorläufer von Hitlers Verbrechen. Zugleich hatten sie einen architektonischen Beleg für die Antifaschismus-Doktrin von Dimitroff und Stalin gefunden: alles, was nicht kommunistisch ist, ist faschistisch - bis hin zu Adenauer und der BRD.
      Dieser Geist ist bei den Linken in Potsdam immer noch lebendig und schwebt über dem Wiederaufbau. Ähnlich verliefen die Debatten ums Potsdamer Stadtschloss und ums Berliner Schloss. Bei Dresden war die Sache etwas einfacher, weil Sachsen in der DDR-Geschichtsschreibung als künstlerischer Gegenpol zum militaristischen Preußen galt (wiewohl das DDR-Regime sich das Militärische Erbe Preußens durchaus anverwandelt hat). Und es ist zwar richtig, was @tegula sagte, dass Pegida jünger ist als der Wiederaufbau der Frauenkirche; nichtsdestoweniger versuchen die Reko-Gegner auch hier, eine atmosphärisch-diffuse Gemengelage aus Andeutungen und Assoziationen zu schaffen, nach dem Motto: die Rekonstruktion historischer Stadtquartiere ist ein Instrument der Neuen Rechten, historische Deutungshoheit zu gewinnen, rechts konnotierte Gesellschaftsräume zu etablieren. Und, so die Conclusio, kein Wunder, dass solche Rekonstruktionen im "braunen Sachsen" besonders populär sind.
      Ich würde Folgendes dagegenhalten: Wenn wir die Folgen der Zerstörung, welche die Nazibarbarei und der Weltkriegsterror über unsere Städte gebracht haben, punktuell durch Rekonstruktionen mildern, hat das weder etwas mit Revisionismus, noch mit Geschichtsvergessenheit, noch mit rechtem Denken zu tun. Im Gegenteil: wir stellen uns damit gegen jenen destruktiven Geist, der diese Barbarei hervorgebracht hat. Dass Hitler die Zerstörung Deutscher Städte billigend in Kauf genommen hat, weil er die mittelalterliche Stadt hasste und weil er - ebenso wie die Kommunisten - von einem neuen Menschen und einer neuen Stadtarchitektur träumte, ist ja bekannt. Kleinteilige barocke oder mittelalterliche Stadtkerne wieder erfahrbar zu machen, ist also ein Kampf gegen das Erbe, das uns Nazis und Kommunisten hinterlassen haben. Es ist zutiefst human, zutiefst bürgerlich, zutiefst demokratisch - und damit zutiefst zukunfstweisend. Ähnliche Gedanken finden sich übrigens schon in dem Strang über die Frankfurter Altstadt und über den Historismus (letzter m. W. auch von @Pagentorn ins Leben gerufen).

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    • East_Clintwood wrote:

      Ja, ist gut. Ich bedaure, wenn ich oder Andere an irgendeiner Stelle diesen Eindruck gemacht habe, da das nicht meine Intention ist. Wobei ich nicht denke, dass an irgendeiner Stelle eine Glorifizierung stattfand. Ich wollte nur bzw. will mir selbst manche Entwicklungen verständlich und bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar machen, um verstehen zu können, weshalb wir heute sind, wie wir sind. Dazu gehören historische Prozesse, die man auch als solche betrachten muss oder dürfen sollte, nach Möglichkeit nüchtern. Und die nachhaltigsten historischen Einschnitte finden sich, ob man will oder nicht, „dort“. Dass das heutzutage bereits als „Verherrlichung“ oder Relativierung dieser Zeit angesehen wird oder werden kann, hat seine Ursachen ebenfalls in historischen Prozessen. Aber das Thema ist nun durch (wobei es sicherlich öfters wieder hervorkommen könnte, wenn man sich mentalitätsgeschichtlich mit der heutigen Architektur bzw. deren Ursachen befassen möchte).

      PS: das soll kein Vorwurf sein, ich verstehe deine Bedenken natürlich.
      Ich kann Dich da völlig verstehen. Vielleicht zum besseren Verständnis: ich hatte 2007 mit einem meiner Foren richtig heftigen Ärger gehabt, weil ich des Thema 3.Reich nicht unterband. Es waren für meine Begriffe einfach nur historische Belange, was man mir dann vorwarf.....des mag ich hier nicht wiedergeben. Gerad noch daß ich nicht vor Gericht gezerrt wurde. Wer sich über mein altes politforum.eu erkundigen will....man könnt meinen des wär n rechtsextremes Forum gewesen - war es aber nicht. Ich hatte sowohl Nutzer der Linkspartei so wie auch der NPD - ich habe niemanden ausgeschlossen welcher sich an die Regeln hielt, ganz gleich ob von links oder rechts.
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • Petersburg wrote:

      ...Aber vor nur wenigen Tagen las ich, dass unsere Freunde die "Grünen" Strassennahmen in Berlin preussischer Feldherren abschaffen wollen. ...
      Kannst Du das irgendwie belegen? Mir erscheint das doch sehr seltsam, schließlich regieren in Berlin nicht die Grünen sondern die SPD zusammen mit den Linken.

      Grundsätzlich würde ich mir wünschen, dass dieses verallgemeinernde Bashing aufhört. Wenn man schon etwas einer Gruppierung oder einer Partei zu schreiben will, sollte man dieses mit mindestens einen Beleg (z.B. Link) auch "Nachweisen" können.

      Luftpost
      Wenn Bilder nur in absoluter Verfügungsgewalt des Forums geduldet werden, gibt's halt keine Bilder mehr. Natürlich auch keine alten Bilder ...
    • Luftpost wrote:

      Kannst Du das irgendwie belegen? Mir erscheint das doch sehr seltsam, schließlich regieren in Berlin nicht die Grünen sondern die SPD zusammen mit den Linken.
      Grundsätzlich würde ich mir wünschen, dass dieses verallgemeinernde Bashing aufhört. Wenn man schon etwas einer Gruppierung oder einer Partei zu schreiben will, sollte man dieses mit mindestens einen Beleg (z.B. Link) auch "Nachweisen" können.

      Luftpost
      Da gebe ich Dir absolut Recht! Auch wenn ich persönlich meine eigenen Einstellungen zu gewissen Parteien habe, kann man nicht einfach mal die Gesamtschuld auf eine Partei abwälzen.
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • Luftpost wrote:

      Kannst Du das irgendwie belegen? Mir erscheint das doch sehr seltsam, schließlich regieren in Berlin nicht die Grünen sondern die SPD zusammen mit den Linken.

      tagesspiegel.de wrote:

      Grüne in Berlin-Kreuzberg
      Sind Generäle in Straßennamen noch zeitgemäß?

      Ob Yorck-, Blücher- oder Möckernstraße: Einige Straßen im Bezirk erinnern an Generäle und Schlachten. Die Grünen wollen das diskutieren.
      [...]
      tagesspiegel.de/berlin/gruene-…zeitgemaess/24047170.html
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
    • East_Clintwood wrote:

      Richtig, das sage ich auch immer wieder: die Basis ist das Entscheidende. Man muss die Stadträume wieder zu einem Politikum machen, das ähnliches Interesse in der Breite weckt, wie tagespolitische Themen. Erst dann lassen sich die Verantwortlichen „erpressen“, wenn ihre Wiederwahl durch schlechte baupolitische Entscheidungen gefährdet ist. In Dresden ging es zum Beispiel immer mehr in diese Richtung. Damit sich hier etwas ändert, muss der Bevölkerung wieder mehr an ihrem Stadtbild gelegen sein- sie sollte aufhören, es als „naturgegebene Notwendigkeit“ oder -schlimmer- es als irrelevant zu betrachten.
      Sehr gut! Und wenn, wie in Dessau, jedes Denken an Historisierung sofort mit Pegida und rechts gleichgesetzt wird und keine Spur von Toleranz zu spüren ist, so muss man mit gleicher Münze heimzahlen.
      Warum stört sich, auch hier, niemand an der Vergöttlichung des Bauhauses?
      "Beim Bau von Auschwitz folgte Fritz Karl Ertl in gewisser Hinsicht genau den funktionalistischen Prinzipien, die er am Bauhaus gelernt hatte. Die Architektur des Vernichtungslagers sei eine komprimierte Version jenes baulichen »Existenzminimums« gewesen, das der modernen Architektur als Leitmotiv diente" (Jüdische Allgemeine). Reine Zweckmäßigkeit, reine Funktion, ungemütlich bis zum Exzess.
      Die Vergöttlicher sollten schnellstens vom hohen Ross steigen und auf die Bürger zu kommen!