Rekonstruktionen im Fadenkreuz

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    • Nein, aber es wird suggeriert, dass es eine „Verbrechernation“ (bis 1945, alles davor war das „Vorspiel“ darauf und insofern auch abzulehnen) war (eben nicht erst ab 1933) und dadurch keine Anknüpfungspunkte zu der Zeit vor 1949 mehr möglich sind. Das liegt tief im deutschen Bewusstsein, dieser Strich, der die Zeitrechnung beinahe christlich in ein „vor Braunauer“ und „nach Braunauer“ einteilt. Dadurch wird eine Identifikation mit sich selbst als geschichtlichem Subjekt unmöglich. Es sind „wir“ und „die Anderen“. In keinem Land der Erde ist eine solche Selbstentfremdung festzustellen. Ich persönlich kann das nicht als positive Entwicklung deuten, wenn ein Land mit einem Rucksack voller Steine auf einem millimeterdünnen Drahtseil Entscheidungen im eigenen Interesse für die Zukunft fällen muss. Dieser Balanceakt ist beinahe unmöglich.

      Der unbeschwertere Umgang der genannten Länder und Bundesländer ist m.E. positiv zu werten und zeigt vor allem eines: der Umgang in den 60er Jahren mit den dunklen Kapiteln war elementar für die folgende mentalitätspolitische Entwicklung aller beteiligten Länder. Diese Weichenstellung lässt sich nicht rückwirkend simulieren (wie es der Westen vom Osten verlangt), sondern hat sich eingeprägt. Österreich ist heute auch nicht minder attraktiv, als Deutschland, zumindest kulturell.

      Im Gegenteil wird ihr Umgang vom Ausland als sympathisch wahrgenommen. Und es befähigt dieses Land auch, an die (unbefangenen) Mentalitäten anderer Nationen anzuknüpfen und eine gemeinsame Basis zu finden.

      Deutschland hat sich hingegen isoliert, eben weil es die sehr eigenen moralischen und eben historisch bedingten Maßstäbe auf die gesamte „Welt“ übertrug. Und hier zeigte sich auch das starke und dominante Deutschland, das mit vordergründiger Bescheidenheit die Weichen für den gesamten Kontinent stellte. Berlin mag Touristenstadt für Junge sein, aber nicht vorrangig aufgrund der Schönheit oder Kultur, sondern aufgrund der Parties, des reinen „Jetzt und Hier“- und diese Mode wird, spätestens sobald die Mietpreise internationales Niveau erreichen, eines Tages vorübergehen. Was bleibt dann von dem „Zauber“? Der alte Beton, die alte Nachkriegsmoderne (an der man immer noch fleißig weiterarbeitet).

      Und selbstverständlich betrachte ich alle Entwicklungen im Kontext der Zeit und kann die Jugend der 60er Jahre gut nachvollziehen (aber eben auch die österreichische) und deswegen versuche ich auch 1914, die 20er, 30er und 40er aus ihrer Zeit heraus zu verstehen- nur bin ich nicht dazu bereit, historisch gewordene 60er Jahre-Nachkriegsdebatten erneut zu führen oder sie sogar (wie es heute geschieht) auf ein neues Empörungs-Level zu bringen bzw mich daran anzuschließen. Es sind für mich historische Debatten, die in ihrer Zeit unmittelbar nach dem Krieg berechtigt waren. Heute sind sie es nicht mehr, zumal nicht von den Wortführern (unter anderem sog. „Millenials“, also Dreikäsehochs ohne jegliche geschichtliche Bildung, aber gleichzeitig einem enormen Sendungsbewusstsein), die heute am Lautesten die alten Kampfbegriffe neu aufkochen und eitel und selbstgerecht mit Verdächtigungen, Moralisierungen und Mahnungen um sich schmeißen.
    • Heinzer wrote:

      Zumindest in guten Zeiten bin ich einfach Optimist, ich glaube, dass wir auch in Bremen noch einiges auf die Beine stellen können. Aber wir müssen es eben machen, es wird niemand anders für uns übernehmen.
      Es wäre sehr zu begrüßen wenn sich Bremens Stadtväter mehr um den Erhalt historischer Bauten einsetzen, jedoch denke ich mal, daß auch diese (ähnlich wie in München) von "Investoren" einfach mal überrumpelt werden weil irgendeine Stelle "unbedacht" mal eine Baugenehmigung erteilt. Gefragt ist vor allem die Bevölkerung, welche mittels Protestaktionen, Unterschriftensammlungen und BA Anträgen es den "Bauherren" wenigstens möglichst erschwert.
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • Richtig, das sage ich auch immer wieder: die Basis ist das Entscheidende. Man muss die Stadträume wieder zu einem Politikum machen, das ähnliches Interesse in der Breite weckt, wie tagespolitische Themen. Erst dann lassen sich die Verantwortlichen „erpressen“, wenn ihre Wiederwahl durch schlechte baupolitische Entscheidungen gefährdet ist. In Dresden ging es zum Beispiel immer mehr in diese Richtung. Damit sich hier etwas ändert, muss der Bevölkerung wieder mehr an ihrem Stadtbild gelegen sein- sie sollte aufhören, es als „naturgegebene Notwendigkeit“ oder -schlimmer- es als irrelevant zu betrachten.
    • @East_Clintwood: Auch bei diesem Thema sehe ich aber eben die positive Entwicklung, und ja, das Ausland ist da vielleicht schon weiter, ein Buch wie die "Schlafwandler" von Christopher Clark, das die eigentliche Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts in einen wesentlich ausgewogeneren Kontext stellt, hätte kaum von einem Deutschen geschrieben werden können und die Abwehrgefechte eines Teils der deutschen Historiker bestätigen Ihre Thesen zumindest teilweise.

      Insofern sehe ich auch dort doch die Durchsetzung von Vernunft über Ideologie oder Moral, aber so etwas dauert eben, und eine Aktion führt immer zu einer Reaktion. Bzgl. Berlins sehe ich die Dinge ebenfalls wesentlich optimistischer als Sie, trotz einer sagenhaft schwachen Regierung (das hat schon überparteiliche Tradition) geschieht dort sehr vieles Positives. Auch hier bitte ich immer um Geduld, man kann nicht 50 Jahre Teilung und Abwanderung fast der gesamten relevanten Industrie in 10 oder 15 Jahren aufholen. Ich bin der Überzeugung, dass Berlin auch abseits von Schlagworten wie "Party" sehr viel zu bieten hat für Touristen und junge Leute, es geht eben auch um die Gründerszene, um die Vitalität einer sich verjüngenden Stadt. Neben der Rekonstruktion des Schlosses und hoffentlich der Bauakademie wird dort auch vielfach neuklassisch und qualitätsvoll neugebaut, trotz der verhindernden und verschleppenden Bauverwaltung. Auch Berlin ist wieder ein Schmelztiegel geworden für Ideen und Erfindungen und versucht parallel, die ärgsten Narben seiner Vergangenheit zu beseitigen.

      Habt Geduld, mit Berlin wie Deutschland! Nach im Prinzip hundert Jahren schwerer Belastungen (zwei Weltkriege, Reparationen, Kriegszerstörung, Teilung, zuletzt die immensen Kosten der Wiedervereinigung, die so wohl kaum eine andere Volkswirtschaft der Welt "weggesteckt" hätte) kann es das 20. Jahrhundert auch finanziell/wirtschaftlich langsam hinter sich lassen und möglicherweise auf den alten Pfad der Prosperität zurückkehren.

      Und wird dabei viel Mist passieren? Ja, klar! Wird man sich über die eklatantesten Fehler ärgern? Sicher! Trotzdem, in der Summe fehlen mir einfach die Fakten, um mich dem Niedergangsgerede anzuschließen.
    • Bei Ihrer optimistischen Bewertung Berlins habe ich so meine Zweifel, aber verstehe Ihren Ansatz. Christopher Clark, eben. Bezeichnend, dass ein Nichtdeutscher die deutschen Narrative (die letztlich als moralisches Druckmittel dienten und weniger der nüchternen Analyse der Ereignisse) relativiert. Und selbstverständlich muss man die wechselvolle Geschichte der letzten hundert Jahre miteinbeziehen, um den heutigen Entwicklungen gerecht zu werden. Nur fände ich es schade, wenn man das Ziel lediglich in wirtschaftlicher Prosperität suchen möchte. Mir persönlich wäre das zu wenig, zumal ich mir keinen „Endpunkt“ wünsche, und wenn, ihn nicht in der Finanzkraft verorten würde.

      Aber hier sieht man wieder schön, dass die Beurteilung der Geschichte und Gegenwart stets auch eine Interpretationsfrage ist und -je nach „weltanschaulichem“ Standpunkt und jeweiligen Schwerpunkten- die Gewichtung und Deutung unterschiedlich ausfallen kann: und man sich darüber gesittet austauschen kann, ohne sich deswegen an den Hals zu gehen. Insofern: gute Diskussion. Wollte ich angesichts der „Kontroversen“ der letzten Tage auch mal anfügen ;)
    • tegula wrote:

      Polemik steht keiner Seite gut und ist kein Generator problemorienterter Argumente.

      Dieses ganze Forum ist voll von Polemik und persönlichen Angriffen. Wobei ich nachweislich schon oft versucht hatte, die Wogen zu glätten. Dabei wurde mir dann "Dummheit" unterstellt. Soll ich dir sagen,was ich an diesem Forum nicht mag? Der Aggressive Ton einiger, die glauben, sie seien Gott und allesamt Professoren für Kunsthistorik.

      Was heisst denn Polemik überhaupt? Sie kann vielerlei Formen haben. Generell bedeutet Polemik ein scharfes Streitgespräch - unter Erwachsenen üblich - dagegen ist nichts zu sagen, es hängt von der Art ab wie es vor sich geht. Ich bin dann gegen Polemik, wenn sie Gleichgesinnte nicht nur grundlos hart attackiert sondern sie sogar bloßzustellen versucht, anstatt einen Konsens zu erreichen.

      In der Antike, speziell im alten Hellas, galt die Polemik als Teil der Redekunst. Gute Polemik ist eine Kunstform. Das Problem der Polemik ist nicht ihre Existenz, sondern dass die meisten Leute zu plump und zu unsensibel sind um zu wissen bzw. zu spüren wo sie angebracht ist, und wo nicht. Auch in diesem Forum herrscht zuweilen ein rigider, starrer und verstaubter Akademischer Geist, anstatt mehr Sensiblität.

      Wenn du die Herrschenden und das Volk als zwei gleichwertige Seiten begreifst, dann hast die Machtstrukturen übersehen. Die Herrschenden darf man sehr wohl angreifen, muss man zuweilen gar. Es ist ein Unterschied, ob Personen auf der selben Hierachiestufe sich selber die Köpfe einschlagen - womit einige hier ja wenig Probleme haben - oder ob man die Herrschenden angreift.

      Wenn ein "Baukünstler" wie Herr Knerer den Dresdner Postplatz mit übelsten Containerkisten verunstaltet, dann greife ich ihn sehr wohl an - und selbstverständllich auch mit Polemik, wenn es mir angemessen erscheint. Alleine ein Bauwerk dieser "edlen Herren" als "Kiste" oder "Betonklotz" zu bezeichnen, ist doch bereits eine Form der Polemik. Willst du das anderen Menschen verbieten?

      Einer der besten Juristen Deutschlands und top-Anwälte, Rolf Bossi, sagte einmal:

      "Polemik, sogar harte Polemik, muss im Diskurs mit der Staatsmacht unbedingt erlaubt sein. Wie sonst soll sich der Bürger gegen Hoheitseingriffe des Staates in sein Leben wehren"?

      Und meine Heimatstadt mit Kuben und Kisten zu verunstalten, begreife ich sehr wohl als Eingriffe in mein Leben. Und dagegen werde ich mich auch weiterhin wehren. Ja, vorzugsweise friedlich und ohne Polemik. Aber wenn ich keine andere Möglichkeit sehe - z.B. bei der heutigen Zerstörung des geschundenen Dresdens mit inhumaner Architektur - dann erlaube mich mir, gewisse Projekte bzw. die Verantwortlichen etwas deutlicher zu kritisieren. Das ist nicht nur legal, sondern auch legitim.
      "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).
    • Polemik ist in der Sache ein zulässiges rhetorisches Mittel. Sobald es aber zu persönlichen Angriffen und Unterstellungen gegen einen Mitdiskutanten (und nicht gegen Dritte, wie politische Entscheidungsträger oder Mitglieder von Kommissionen) übergeht, die nichts mit der diskutierten Sache mehr zu tun haben, ist es kein Stilmittel mehr, sondern eine Beleidigung.

      Schmaler Grat, ich weiß (ich streifte bzw überschritt ihn selbst ab und zu), aber daran sollte man sich stets orientieren, auch wenn die Emotionen mal mit einem durchgehen- der Weg einer persönlichen Entschuldigung, wenn die Gemüter sich abgekühlt haben, steht einem immer offen und sollte in allzu krassen Fällen auch gewählt werden. Hart und auch frech in der Sache, aber ohne Tiefschläge gegen Menschen hier (ja, es sind nicht nur Nicknames, sondern Menschen mit einer Biografie- auch das sollte man sich vergegenwärtigen). Das sollte bzgl Polemik eigentlich die Devise sein.
    • @Petersburg Versuche Polemik durch Humor zu ersetzen, das ist das weitaus schärfere Schwert, und niemand kann es einen so wirklich übel nehmen. In der Hinsicht lob ich mir da Berlin - für jedes scheußliche Bauwerk haben die Berliner einen Spitznamen:
      Neubau der Gedächtniskirche - Eiermanns schlimmer Finger
      Ostberliner Fernsehturm - Sankt Walter, Protzkeule
      ehemaliger Palast der Republik - Erichs Lampenladen
      Philharmonie - Zirkus Karajani
      usw.
      Auch die Münchner haben einen recht ähnlichen Humor, so wurde der geplante Siegerentwurf der neuen Konzerthalle von den Münchnern einfach mal respekttlos als "Kunstsarg Ost" tituliert. :D

      LG
      Henry
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • Henry H, ich gebe dir Recht, dass Humor innerhalb der Polemik wichtig ist- aber es sollte dennoch eine Haltung durchscheinen, ansonsten sind es gelungene Bonmots ohne Wirkung. Polemik soll ja auch Emotionen wecken, polarisieren und beißend kritisieren. Wut darf darin durchaus erkennbar sein. Ich erinnere an Schopenhauer und seine Spottlust gegenüber Hegel, Schelling, den Hegelianern, dem „Pöbel“, den „Weibern“ usw. Das ist bösartig und witzig zugleich. Die von dir genannten Beispiele wirken hingegen beinahe liebevoll (mir angesichts des Gegenstands der Kritik einen Hauch zu liebevoll) :)
    • East_Clintwood wrote:

      Nein, aber es wird suggeriert, dass es eine „Verbrechernation“ (bis 1945, alles davor war das „Vorspiel“ darauf und insofern auch abzulehnen) war (eben nicht erst ab 1933) und dadurch keine Anknüpfungspunkte zu der Zeit vor 1949 mehr möglich sind.

      Genau das ist richtig. Traditionelle Architektur ist politisch nicht gewollt.

      Hier gibt es sicher eine Menge Experten in Kunsthistorik, aber an Politik, Medien und aktuellem Zeitgeschehen (mein früherer Beruf) haben hier viele wenig Interesse, reden aber darüber. Wobei ich das nicht schlimm finde, wenn einige keine Ahnung haben aber ständig drüber reden wollen - was mich eher beschäftigt, ist die Frage, wie man so blind sein kann und es nicht sieht?

      Gestern wurde ich belehrt, dass die Alliierten ab 1945 nur Bauwerke ab 1914 ächteten. Aber vor nur wenigen Tagen las ich, dass unsere Freunde die "Grünen" Strassennahmen in Berlin preussischer Feldherren abschaffen wollen. Nun, General Yorck z.B. starb noch vor Mitte des 19. Jahrhunderts. Er kannte also noch nicht mal Kaiser Wilhelm II, und Hitler sowieso nicht. Wir sehen also, es gibt eine Tendenz, deutsche Geschichte zu "entfernen".
      "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).
    • Bzgl der Straßennamen: damit meinte ich die sog. Millennials, also Tick Trick und Track vom Fähnlein Fieselschweif, die -finanziell und politisch abgesichert- ein bisschen „Widerstand“ spielen wollen und sich selbst als die moralische und intellektuelle Krönung der letzten 200 Jahre sehen und sich rückwirkend an ihrem eigenen kulturellen Erbe vergehen (ohne es überhaupt zu kennen). Interessant auch, dass diese Generation so viele „Nazis“ in Deutschland sieht und sie in jedem Hausmeister wittert, wie es sie wohl selbst in den 30er Jahren nicht gegeben hat. Dieser Empörungs-Spirale sollte man sich -ab einem gewissen Reifegrad- nicht anschließen. Sollen sie die Straßennamen ändern und Weiße Rose spielen (und letztlich alles bekämpfen, wofür sie stand), außerhalb ihrer eigenen deutschen Komfortzone nimmt niemand sowas ernst und blickt mit mitleidig-verachtungsvollen Augen auf diese verwöhnten und ‚altklugen‘ Kinder (oder infantilen Erwachsenen).
    • Henry:

      Ja, genau das meinte ich doch! Aber "Protzkeule" ist nicht polemisch? ;) Schwangere Auster? Ulbrichts Rache? (Ich hoffe das kennen alle, das spiegelnde Kreuz auf dem Berliner Fernsehturm im Sommer). Ich persönlich finde all diese Bezeichnungen herrlich.

      Kennt jemand den Spottnamen der Sydneyite Oper? Die Sydneyites nennen sie "French nuns playing football" - Französische Nonnen beim Fussball spielen. (Dazu muss man die Form der Hauben französischen Nonnen kennen , m.E. gelungene Ironie).

      Vieles davon könnte man auch als " Diffamierungen" bezeichnen bzw. als Polemik. Da es aber vom Volk kommt, ist es m.E. keine Diffamierung sondern Spott. Kann man auch nicht völlig von Polemik trennen. Spott, von Seiten des Volkes kommend, ist legitim. Ich weise immer wieder auf die Unterschiede der Machtpositionen hin. Die Bevölkerung hat oft keine andere Möglichkeit, sich gegen Eingriffe in ihr Leben zu wehren. Besonders interessasnt auch die Dresdner Ironie: "Zitronenquetsche" (Die Kuppel auf der Kunstakademie) , das ist eher so brav wie "Erichs Lampenladen". "Legohaus" ist schon abwertend. "Panzerkreuzer Pöppelmann" könnte als beleidigend gegenüber dem Architekte aufgefasst werden, der uns den wunderbaren "Advantariegel" gegenüber des Dresdner Zwingers gebaut hat. Pech gehabt, lerne draus und baue nächstes Mal besser, Herr "Baukünstler".

      Architekten sollen ruhig mal begreifen, dass sie viel Zerstörung und Schaden anrichten - da viele von ihnen nicht hören wollen, greift das Volk dann zu seiner eigenen Waffe und erfindet Spottnamen.

      Der Volksmund, vor allem der Berliner und der Dresdner, hat Humor. Wenn du Polemik durch Humor ersetzen willst, dann sage ich, Humor ist oft sehr polemisch.

      Die Trennlinie ist fließend.
      "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).
    • Petersburg wrote:

      Gestern wurde ich belehrt, dass die Alliierten ab 1945 nur Bauwerke ab 1914 ächteten. Aber vor nur wenigen Tagen las ich, dass unsere Freunde die "Grünen" Strassennahmen in Berlin preussischer Feldherren abschaffen wollen. Nun, General Yorck z.B. starb noch vor Mitte des 19. Jahrhunderts. Er kannte also noch nicht mal Kaiser Wilhelm II, und Hitler sowieso nicht. Wir sehen also, es gibt eine Tendenz, deutsche Geschichte zu "entfernen".
      Ich finde deine Argumentation enorm anstrengend und unplausibel. Du stellst zunächst eine These über den alliierten Umgang mit deutscher Architektur in den Raum, der dir gegenüber geäußert wurde (von wem überhaupt?). Dem trittst du mit dem Argument entgegen, dass die Grünen in Berlin etwas fordern. Da stellt sich mir schon mal die Frage des Zusammenhangs. Und gleich danach machst du aus dieser Forderung, die wohl wenig Beachtung finden wird, eine gesamtdeutsche Tendenz. Bei deinen Sprüngen bleibt die Logik auf der Strecke und deshalb kann ich den Argumenten auch nicht folgen.
      Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger
      Unterstützt den Verein ehrenamtlich als technischer Administrator und Webdesigner
    • Diese beständige Straßennamenumbenennung in Berlin - ja, das ist schon ein wenig anstrengend. Jedes mal wenn ich in Berlin bin, brauch ich wieder einen neuen Stadtplan, weil Google Maps so schnell garnicht mehr hinterher kommt. Ich frag mich, wie lange der Hindenburgdamm noch seinen Namen behält ?
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • @Petersburg ,

      ich habe Deinen letzten Beitrag nun deaktiviert - vielleicht bist Du etwas aufgebracht, mag sein. Aber hier Streitthemen wer was versteht und wer nicht - das muß jetzt nicht sein. Ich werde mit dem Team besprechen wie wir mit Deinem letzten Beitrag weiter verfahren.
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • In der Tat ist es nicht ganz fair, jemanden öffentlich als einen Wirrkopf darzustellen (darauf zielte dein Kommentar ja eigentlich ab, sein Beitrag war letztlich wohl nur ein willkommener Vorwand dafür). Er hat niemanden beleidigt, hatte nichts „Böses“ im Sinn, sondern brachte zwei Beispiele, deren Zusammenhang nicht so schwer zu ermitteln ist.

      Also: die Alliierten setzten bei ihrer ideologischen Säuberung beim Ausbruch des ersten Weltkriegs an. Man löste den Staat Preußen auf, letztlich aufgrund der irreversiblen Gebietsverluste, nahm aber das Wort „Militarismus“ als offizielle Begründung für die Auflösung. Das betraf aber nicht das preußische kulturelle und historische Erbe (z.B. in Form von Denkmälern oder Straßennamen), sondern nur den Staat. Die Säuberung war zudem von außen erzwungen, auch ein wichtiges Detail.

      Die genannten Grünen hingegen setzen vor 1933 an, unabhängig davon, ob es ideologisch verdächtig ist- Kriterium ist lediglich im ersten Schritt „alle Zeiten vor der Bundesrepublik sind per se verdächtig“. Im zweiten Schritt sagt man „das Königreich Preußen ist unter den verdächtigen Epochen und Regionen die verdächtigste“. Dass die Aufklärung in diesem Staat einen wichtigen Vertreter hatte, wird hierbei nicht beachtet, man isoliert also das Schlagwort „Militarismus“ und überträgt es auf ganze Jahrhunderte. Diese Säuberung ist freiwillig und ohne Druck von außen, man möchte den Lehrmeister also überbieten und wähnt sich in den Fußstapfen des Widerstands dadurch, dass man sich prägender Teile seiner Geschichte entledigt (ironischerweise ging es dem echten Widerstand darum, genau diese zu erhalten).

      Schlussfolgerung: Man überträgt den Braunauer auf Epochen, die selbst die Alliierten in diesem Zusammenhang als ideologisch unverdächtig einstuften und konstruiert Parallelen und Zusammenhänge, die in dieser Ausschließlichkeit nicht vorhanden sind.

      Es ist letztlich ganz einfach: Man kann Hitler nirgendwo mehr ausbürgern, kein Hakenkreuz kann mehr öffentlichkeitswirksam und unter dem Applaus der Weltöffentlichkeit abmontiert werden, die Reichskanzlei ist bereits in die Einzelteile zerlegt worden, selbst Hindenburgs Vermächtnis ist zu großen Teilen bereits gesäubert: also wählt man sich neue Objekte (in diesem Fall relativ zusammenhangslos), an denen man sein gutes Gewissen abarbeiten möchte und auch mit dem Jahrgang 2000 noch ein bisschen bequeme „Courage“ demonstrieren kann.

      Ist doch nicht so schwer, meine Güte...
    • Petersburg wrote:

      Hätte ich jetzt so wie Du den Begriff Säuberungspolitik benutzt , hätte ich längst eine Rüge vom Moderator. Aus irgendeinem Grunde akzeptieren sie bei Dir die gleichen Argumente, bei mir nicht.
      Sag mal - sticht Dich der Hafer? Dann bete daß mir keine Maus über die Leber läuft. Allzulange schaue ich mir Deine verbalen Watschn gegen die Mitarbeiter hier nicht mehr an. Sehe das als offizielle Ermahnung meinerseits.
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • East_Clintwood wrote:

      In der Tat ist es nicht ganz fair, jemanden öffentlich als einen Wirrkopf darzustellen (darauf zielte dein Kommentar ja eigentlich ab, sein Beitrag war letztlich wohl nur ein willkommener Vorwand dafür). Er hat niemanden beleidigt, hatte nichts „Böses“ im Sinn, sondern brachte zwei Beispiele, deren Zusammenhang nicht so schwer zu ermitteln ist.

      Es wäre gut, wenn du noch hinzuschriebst, wen du meinst..... Sonst denken wieder einige, ich sei der "böse"

      PS - Ich muss echt mein Profilbild ändern.....es scheint mich ja unsympathisch zu machen. 8o :lachentuerkis:

      (Selbstironie)
      "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).