Am 9.November findet unser großes Initiativentreffen in Frankfurt am Main statt. Unter der Rubrik "Aktuelles und Allgemeines" finden Sie alle Informationen vor.

Rekonstruktionen im Fadenkreuz

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    • Rekonstruktionen im Fadenkreuz



      Rekonstruktionen im Fadenkreuz von Globalisten und Terroristen

      Daß Rekonstruktionen für Architekten, Bauverwaltungen und Politik in der Regel ein rotes Tuch darstellen, ist auf diversen Themensträngen hier im Forum bereits hinlänglich thematisiert worden. Was bisher – soweit ich es überblicken konnte – dabei weniger Beachtung fand, ist der Aspekt, daß die von uns beförderten stadtbildheilenden Rekonstruktionen sowohl Globalisten als auch Terroristen ein Dorn im Auge sein könnten und zwar aus demselben Grunde: Rekonstruktionen sind Zeichen des Willens zur kulturellen Selbstbehauptung, der weder den - letztlich alle Besonderheiten nivellierenden - total ungehinderten Waren-, Finanz- und Personentransfer als alleinige Richtschnur für das gesellschaftliche Handeln akzeptieren, noch sich im Sinne von Houellebecq außereuropäischen Einflüssen unterwerfen will.
      Der geradezu verbissenen Widerstand, dem jedes neue Rekonstruktionsvorhaben ausgesetzt ist, mag auch insofern erklärlich sein. Und die Gefahr, daß bereits realisierte Reko-Juwelen vom Schicksal des Tales von Bamiyan ereilt werden, ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.

      Wie ist die Meinung der verehrten Mitforisten zu dieser Frage ? Ist diese Problematisierung zu weit hergeholt ? Sehe ich die Dinge vielleicht zu schwarz ?
    • Hallo Pagentorn,

      ich habe deinen Text zweimal gelesen und es mag an der Uhrzeit liegen, doch verstehe ich die Kernaussage nicht und wohin du damit möchtest — was genau hat Terrorismus mit Reko zu tun?

      Zum Globalismus und auf die Gefahr hin, dass wir ein sehr weites Feld beschreiten und sich spätestens auf Seite zwei die Mitglieder non-verbal an die Wäsche gehen werden: Es dürfte auch dem Letzten aufgefallen sein, dass nationale Identitäten ausgetrieben werden — die Abschaffung der Individuen unter dem Deckmantel von #Vielfalt. Aus europäischen Vaterländern wird ein Europa, aus den Großmächten die "neue Weltordnung". Angeführt durch globale Konzerne, deren Produkte nicht oder nur begrenzt auf die Unterschiede der Völker eingehen. Zur Not klebt man auf dem Exportweg eben noch einen Zettel in der Ziellandessprache drüber.

      Klar ist, der globale Markt führt zunehmend zu einem Einheitsmenschen, einer Einheitskultur — McDonalds, Starbucks, IKEA, KFC, Burger King, Dunkin Donuts, H&M, ZARA, Apple, Google, Mircosoft, Spotify, Netflix, YouTube, Instagram, Twitter, Facebook, Snapchat, WhatsApp, Skype … da kann niemand erwarten, dass sich Kulturen individuell entfalten, gesund wachsen und vermehren können. Jede individuelle Ausrichtung kostet zusätzlich Geld. Man muss sich nur mal überlegen was es an Einsparungen bedeuten würde, wenn alle nur noch das Gleiche essen, trinken, hören, sehen, sprechen … ja von mir aus sogar riechen würden.

      Und da alles mit allem zu tun hat: Klar, ebenso wird auf individuelle Architektur und Rekos keinen Wert mehr gelegt, geschweige denn Geld ausgegeben. Die Investoren bauen möglichst günstig und kassieren möglichst viel, ohne Ehre, Stolz und Ansehen den Nachfahren etwas Wertvolles überliefert zu haben. Das erinnert mich ein wenig an Waisenkinder, die nach der Geburt in eine Babyklappe gelegt wurden und es ihnen verbogen bleibt, behutsam bei der eigenen Mutter und dem eigenen Vater aufzuwachsen und durch die Familie wie Bruder und Schwester, Cousins und Cousinen, Onkels und Tanten, Groß- und Urgroßeltern einen Teil des Eigenen vermittelt zu bekommen um die Identität der eigenen Vorfahren zu übernehmen und durch das eigene Leben zu individualsieren.



      Wie man merkt, steht man bei diesen Themen schnell mit beiden Beinen im Treibsand an Gründen und der Themenkomplex ließe sich um vieles erweitern. Es kämen sicher noch bauspezifische Gründe wie Bauverordnungen, "grünes Bauen" usw. hinzu, aber an der Stelle können andere Mitglieder sicher kompetener ergänzen als ich. ;)

      Letztlich ist es der Status quo den wir haben und die Neubauten (aber auch Rekos) sind die Zeichen unserer Zeit. Die Richtung steht seit vielen Jahren fest und die Uhren werden auch zukünftig nicht langsamer drehen. Es liegt an uns ob wir uns dem hingeben oder entgegen stellen möchten. Und ich glaube bei vielen schon die eigene Haltung erkannt zu haben, sonst wären sie nicht hier.

      Auf dass noch viele Rekos gebaut und die Architekten-Nachkömmlinge den Wert ihrer Vorfahren erkennen und nutzen werden!

      The post was edited 2 times, last by tachMarkus ().

    • Dass Rekonstruktionen u.a. deshalb bekämpft werden, weil sie Ausdruck kultureller Selbstbehauptung und darüber hinaus Verstärker kultureller Selbstfindung sind, leuchtet sofort ein. Dass man die Rekonstruktionen wieder abreißt, glaube ich nicht, man wird versuchen, sie anderweitig zu dekonstruieren: so, wie man es nach dem Krieg auch schon mit historischen Überresten getan hat: man isoliert die Bauten, verfremdet ihre Umgebung, musealisiert sie, stellt sie unter Quarantäne. Aus diesem Grund soll ja auch das Berliner Schloss keine Terrassen bekommen usf.
      Ich sehe eher die Gefahr, dass Bauten die wie Frauenkirche in 200 Jahren als Moscheen dienen werden. Ich erinnere mich, als ich 1989 in Rom war: Da stellte ich meinen Kommilitonen folgende Frage: "Hätte sich ein Römer zur Zeit der Kaiser Augustus oder Hadrian jemals vorstellen können, dass die Marmorplatten und Säulen der heidnischen Tempel irgendwann einmal als Spolien für die Kultbauten einer galiläischen Sekte dienen würden? Dass aus dem Pantheon die Kirche S. Maria ad Martyres würde?" Für den antiken Römer, so fuhr ich fort, sei diese Vorstellung so abwegig gewesen wie für uns - Jahre 1989- die Aussicht, dass die römischen Kirchen einmal zu Moscheen würden (wie das ja in Konstantinopel/Istanbul und auch andernorts vielfach schon gesehen sei). Ich erntete damals empörtes Kopfschütteln. Aber wenn wir uns ansehen, wie rasch das Christentum in Europa abstirbt, wie bereitwillig die Amtskirchen in ihrer Naivität Gotteshäuser hergeben, und wenn wir ferner bedenken, dass es nirgendwo in der Welt ein religiöses Vakuum gibt, sondern schwindende Religionen stets durch vitalere, meist auch aggressivere, ersetzt werden, und wenn wir uns darüber hinaus die demographische Entwicklung vor Augen führen - dann möchte ich keine Wette darauf eingehen, was in hundert oder zweihundert Jahren aus der Dresdner Frauenkirche werden wird.

      The post was edited 1 time, last by Seinsheim ().

    • Lieber tachMarkus und lieber Seinsheim,

      schön, daß Sie sich jeweils eines der beiden von mir angesprochenen Probleme angenommen haben. Die mich umtreibenden Beweggründe sind von Ihnen präzise erfaßt und konzise umschrieben worden. Wenn die Sensibilisierung der Gesellschaft für die Thematik weiter voranschreitet, ist es vielleicht noch nicht zu spät dafür, die Weichen der Entwicklung so zu stellen, daß die Rekonstruktionen unserer Tage keine kurzen Halbwertzeiten haben, bzw. zukünftig nicht zweckentfremdet verwendet werden. Das Schicksal der Apostelkirche und der Kirche der Heiligen Weisheit im Zweiten Rom sollte uns insofern Mahnung genug sein. Wenn der Geist vom Krakauer Wawel und der Wiener Kapuzinerkirche uns bei dieser Weichstellung behilflich sein wird, dann – so glaube ich – besteht noch Grund zur Hoffnung !

      The post was edited 2 times, last by Pagentorn ().

    • Begrenzte finanzielle Ressourcen.

      Die immensen Summen die zur Behebung solch gezielter Zerstörungen aus jüngster Zeit eingesetzt werden müssen, werden andernorts für Rekonstruktionen fehlen. Insofern sollten uns diese Vorgänge hier im Forum schon angehen…
      Denn durch diese werden unsere Reko-Vorhaben gewissermaßen mittelbar ins Visier genommen und zumindest verzögert.




      The post was edited 1 time, last by Pagentorn ().

    • Ich finde Deine Wortwahl ("Trollzoo", "Kindergarten", "rumheulen"), lieber @erbse, auch ein wenig trollig/drollig:

      Es geht doch hier schlichtweg um drei historische Prozesse:
      1.) Kulturen verlieren infolge materieller oder geistiger Dekadenz, infolge von Identitätskrisen oder wirtschaftlicher, militärischer oder politischer Schwäche die Fähigkeit, sich zu behaupten. Über kurz oder lang werden sie von vitaleren bzw. aggressiveren Kulturen verdrängt. Das war schon immer so und wird auch immer so sein - und am wenigsten werden daran irgendwelche kunterbunten Kinderträume oder Pippi-Langstrumpf-Phantasien etwas ändern.
      2.) Wenn andersartige Kulturen oder Ideologien aufeinanderprallen, ist das immer auch ein Kampf um die Bilder bzw. ein Kampf gegen die Bilder.
      3.) Siegt eine Kultur über die andere, verdrängt oder zerstört sie häufig deren Bilder. In diesem Sinne haben ab Konstantin d. Gr. Christen heidnische Bauwerke, Muslime buddhistische, hinduistische und christliche Kultbauten, fränkische, spanische und portugiesische Conquistadoren Heiligtümer der Sachsen, Azteken und Inka entweiht sowie byzantinische und reformatorische Ikonoklasten orthodoxe und katholische Heiligenbilder zerstört.

      Angesichts dieser historischen Gesetzmäßigkeiten ist es nur logisch, dass infolge der demographischen Entwicklung, der generellen Bilderfeindlichkeit des Islam, des Fanatismus religiöser Fundamentalisten und militanter Atheisten, aber auch der moralischen Verwahrlosung von Teilen unserer Bevölkerung* wesentliche Teile unseres kulturelle Erbes einer zunehmenden Bedrohung ausgesetzt sind. Dies festzustellen, hat nichts mit irgendeiner politischen Gesinnung zu tun, die ein "fatales Außenbild" erzeugen oder Ausdruck kindischen Verhaltens wäre, sondern es ist schlichtweg ein Fakt, dem man sich stellen muss. Und auch wenn es einigen nicht schmecken mag: Wir werden nicht nur immer mehr unsere Weihnachtsmärkte umzäunen müssen, sondern auch unsere Kirchen durch Gitter schützen müssen. Und wir werden uns die Frage stellen dürfen, was in 200 Jahren mit den Bauwerken geschehen wird, die wir jetzt rekonstruieren bzw. inwiefern wir durch Rekonstruktion einen Beitrag zur Stärkung unserer kulturellen Identität leisten können und inwiefern aus diesem Grund Rekonstruktionen auch ins ideologische Fadenkreuz gewisser Kreise geraten.

      * Fallbeispiel: Seit in der Balthasar-Neumann-Kirche von Kitzingen-Etwashausen ein Pornofilm gedreht wurde, ist diese Kirche - aus gutem Grund - für die Öffentlichkeit nicht mehr allgemein zugänglich.
    • Wo bleibt dann die Nachhaltigkeit unserer Bestrebungen ?

      Wenn wir hier im Forum öffentlich keine Gedanken darüber anstellen dürfen, wie man die von Vielen von uns mit soviel Engagement, Zeit und auch Finanzmitteln unterstützten Rekonstruktionsvorhaben in der Zukunft gegen Zerstörung oder Zweckentfremdung möglichst absichern kann, dann empfinde ich ein solches Vorgehen als nicht gerade sehr nachhaltig.

      Dann offenbart sich das, was wir hier treiben, als purer Hedonismus der Gegenwart, dem es egal ist, ob auch noch unsere Nachkommen ungeschmälert davon profitieren können. Dann wird das Bemühen um Rekonstruktionen zum reinen Selbstzweck oder bestenfalls zu einer Beschäftigungstherapie, noch nicht einmal der Anlage buddhistischer Mandalas vergleichbar, die ja noch Vollendung umgehend wieder zerstört werden, denn bei der Erstellung der Letzteren ist ja noch ein spiritueller Mehrwert vorhanden…

      Nein, m.E. ist die hier aufgeworfene Frage existenziell für die Sinnhaftigkeit unseres Tuns und sie wird in den nächsten Jahrzehnten immer wichtiger und unausweichlicher werden, so unangenehm sie auch ist !

      Diese Frage ist nicht selbstgewählt oder einem spinnerten, parteipolitischen Hirn entsprungen, sondern sie drängt sich einem förmlich auf -siehe die obigen von mir eingestellten beiden Videos.
    • Das Grundproblem ist dass in bei diesen Themen in unserem Forum die Kausalitäten vertauscht sind. Es wird herbeigeredet, dass unsere historischen Stadtbilder und Einzelbauwerke in einigen Jahrhunderten weg sein könnten weil es gesellschaftliche und kulturelle Änderungen geben haben könnte. Wenn dem so ist, dann sollten die verschwundenen Bauwerke dann ja auch niemanden mehr interessieren, also worum geht es hier eigentlich? Richtig, um Politik, und die gehört hier nicht her. Es ist hilfreich, sich mit den heutigen Playern in der Architekturszene auseinander zu setzen, meist auf lokaler Ebene. Aber politische Prozesse, zu denen wir alle andernorts beitragen können, haben hier nichts verloren.

      Diese ganze Diskussion halte ich für einen Irrweg, da sie darauf abzielt Politik, Kultur und gesellschaftliche Fragen mit Architektur zu vermischen, sie aber kausal verkehrt herum betrachtet. Als wäre Architektur Ursache und nicht Folge. Als müsste man Kriege führen oder verhindern, eine Gesellschaft in bestimmter Weise formen um eine bestimmte Architektur zu verwirklichen. Das ist doch Unfug.
    • Danke nothor. Zum einen das. Zum anderen setzt es die Prioritäten in eine Richtung, in der wir mit unserem Anliegen kaum wirkmächtig sein können. Insofern fordere ich nochmals jeden auf, der sich für eine andere Politik engagieren will, dies zu tun. Doch wir haben hier nunmal ein, zwei ganz spezifische Koryphäenthemen - und die kriegen wir personell schon nur mit großem Aufwand abgedeckt. Was also sollen diese Debatten? Steckt die Energie doch lieber da hinein, den Verein zu unterstützen! Und wer sagt, dass ihm der Verein und das Anliegen von Stadtbild Deutschland wurst ist (was hier durch die Blume mitunter geschieht), der hat hier auch nix verloren. So einfach ist das. :whistling:

      Pagentorn wrote:

      Wenn wir hier im Forum öffentlich keine Gedanken darüber anstellen dürfen, wie man die von vielen von uns mit soviel Engagement, Zeit und auch Finanzmitteln unterstützten Rekonstruktionsvorhaben in der Zukunft gegen Zerstörung oder Zweckentfremdung möglichst absichern kann, dann empfinde ich ein solches Vorgehen als nicht gerade sehr nachhaltig.
      Ja. Nur sollten wir die Frage dann nicht ganz anders stellen? Und vor allem, betrifft das überhaupt Deutschland/Europa? Sehe ich eher nicht. Insofern weniger relevant im Forum "bundesländerübergreifend" als eher im Subforum "außereuropäische Welt".
    • Gut lassen wir es auf sich beruhen und beschränken wir uns auf Knaggen, Firsthöhen und Styropor. Und wenn wir politisch argumentieren, achten wir bitte peinlichst darauf, ja niemandem auf die Füße zu treten, bei dem wir später als devoter Bittsteller vorstellig werden könnten (und dennoch abgelehnt werden). Ich bin hier mal raus, viel Spaß noch bei eurem harmonischen Zusammentreffen
    • Das ist doch Quatsch. Weil ich nicht weiß, wie in Zukunft mit meinem Erbe umgegangen wird, verprasse ich mein Erbe und vererbe nichts mehr?
      Das wäre dann nicht Hedonismus, sondern Egoismus.

      Was wir machen, ist Hedonismus: wir erschaffen Rekonstruktionen. Und doch wohl zu allererst zu unserer eigenen Erbauung und Freude. Ich hoffe doch, dass dies hier niemand nur altruistisch tut. Denn dann hieße dass auch, dass das Gebäude gar keinen eigenen Gefallen findet. Dann könnte ich mich dann auch für die Rekonstruktion der gerade abgerissenen Potsdamer FH stark machen...

      Luftpost
      Wenn Bilder nur in absoluter Verfügungsgewalt des Forums geduldet werden, gibt's halt keine Bilder mehr. Natürlich auch keine alten Bilder ...
    • @ Pagentorn (Beitrag 35): Ich für meinen Teil engagiere mich nicht für ein schönes Stadtbild, weil ich es irgendwelchen künftigen Generationen hinterlassen will. Nein, ich will es für mich, meine Mitstreiter und weil ich meine dass es meinen Mitmenschen gut tut. Aber wer weiß denn was künftige Generationen mit dieser Welt machen wollen? Wollen wir denen das diktieren? Falscher Ansatz würde ich sagen.
    • Luftpost wrote:

      Hier werden Rand-parteipolitische Themen in einen Topf mit sozialpolitisch oder sogar noch mit sozialem Wohnungsbau geworfen und deftig durch gequirlt. Was hat bitte der soziale Wohnungsbau mit der Asylpolitik zu tun? Asylbewerber-Wohnheime? Aha, da werden jetzt also auch Sozialhilfeempfänger einquartiert? Und was haben sozialer Wohnungsbau mit dem Rekonstruktionsthema gemeinsam? Das die so gut wie nicht zusammengehen?
      Jetzt muss ich - leider - doch mal etwas schreiben. Ich mache es kurz.

      Was sozialer Wohnungsbau mit der *unsagbares Thema*-Politik zu tun hat?
      Antwort: Sehr viel. Welche Bevölkerung wächst denn? Woher kommt das Wachstum? (Vielleicht nicht in Potsdam, da Speckgürtel von Berlin, aber in anderen Wachstumsstädten.) Für wen werden zunehmend Sozialwohnungen benötigt?

      Und was haben sozialer Wohnungsbau mit dem Rekonstruktionsthema gemeinsam?
      Antwort: Durchaus viel. Im sozialen Wohnungsbau leben sozial Schwache Menschen. Das heißt, Menschen mit geringem Steueraufkommen, eventuell sogar Bezieher staatlicher Hilfe. Das heißt, diese Menschen kosten den Staat Geld. Sie belasten also die öffentlichen Kassen. Und über diese Kassen heißt es dann im Ernstfall: Für Luxusprojekte a la Rekonstruktionen haben wir keine Steuergelder mehr übrig.
      Und die Initiativen werden es auch schwerer haben, Rekonstruktionen privat zu finanzieren, wenn die meist aus der Mittelschicht stammenden Spender weniger werden, da diese für die Kosten von Punkt 1 und 2 zunehmend zur Kasse gebeten werden. Zum Beispiel durch massive Erhöhungen der Grundsteuer.

      Nun soll das nicht als Bashing armer Leute oder Arbeitsloser missinterpretiert werden. Ganz im Gegenteil. Die Verantwortung liegt bei der Exportwirtschaft, die den steten Strom an Billiglöhnern in prekären Arbeitsverhältnissen benötigt, um ihre Maschinerie am Laufen zu halten. Die Profite werden eingestrichen. Den Ausschuss und die sozialen Kosten überlässt sie der Gemeinschaft.

      Merke: Alles hängt mit allem zusammen!

      (Ich weiß, jetzt wird sich "erbse" gehörig über mich aufregen. Der Beitrag kann auch gerne von der Moderation wieder gelöscht werden. Aber "Luftpost" stellte Fragen. Und ich wollte ihm eine Antwort darauf geben.)
    • Ich setze mich für Rekonstruktionen ein, damit sie auch nach meinem Ableben bleiben und als Zeugnisse unserer Kultur den Nachfahren jene ästhetischen und identitätsstiftenden Leitsterne bieten, die uns noch fehlen. Reiner Hedonismus bestätigt leider das Disneyland-Argument der Gegenseite, die Rekonstruktionen zum Jahrmarktrummel degradieren möchte. Schade, dass dies von einigen hier die einzige Motivation dafür ist.
    • Luftpost wrote:

      Was wir machen, ist Hedonismus: wir erschaffen Rekonstruktionen. Und doch wohl zu allererst zu unserer eigenen Erbauung und Freude. Ich hoffe doch, dass dies hier niemand nur altruistisch tut. Denn dann hieße dass auch, dass das Gebäude gar keinen eigenen Gefallen findet. Dann könnte ich mich dann auch für die Rekonstruktion der gerade abgerissenen Potsdamer FH stark machen...

      nothor wrote:

      Ich für meinen Teil engagiere mich nicht für ein schönes Stadtbild, weil ich es irgendwelchen künftigen Generationen hinterlassen will. Nein, ich will es für mich, meine Mitstreiter und weil ich meine dass es meinen Mitmenschen gut tut.
      Interessant. So unterschiedlich sind die Beweggründe.

      Ich habe vielleicht noch 10 Jahre (wenn ich so alt wie mein Vater werde) oder 30 (wenn ich ca. so alt wie meine Großmutter werde) zu leben. Da werde ich manche Rekonstruktionen nicht mehr erleben oder gar selbst sehen können. (Ich war noch nie in Neustrelitz, werde vielleicht auch nie dort hinkommen.)

      Wenn es mir um mich persönlich ginge, könnte ich das Engagement in der Reko-Szene sein lassen. Man hat nur Mühe und Ärger damit, gegen den Strom zu schwimmen. Es kostet nur Zeit, im Stadtbild-Forum Diskussionen zu führen.

      Und viele meiner Mitmenschen goutieren meine Haltung für Rekonstruktionen auch nicht sonderlich. Sie zucken mit den Schultern oder lachen mich aus (zumindest am Anfang), zumindest halten sie mich für einen komischen Kauz.

      Auch bräuchte ich, wenn es um mein persönliches Wohlergehen ginge, wohl besser nie meine (abweichende) Meinung sagen. Wozu? Es schadet einem nur persönlich. Wenn also Hedonismus mein Beweggrund wäre, würde ich leben wie viele meiner Bekannten. Geld verdienen, jeden Tag schön essen gehen, viel fi...., immer mal einen Joint reinziehen, 3x im Jahr Fernreise, aus Prinzip möglichst keine Kinder. Und möglichst nirgendwo durch falsche Äußerungen anecken, da man davon keine Vorteile hat. Ich würde den Teufel tun, für irgendein Berliner Stadtschloss oder einen Pellerhof zu spenden, die ich vielleicht ein- oder zweimal im Leben selbst sehen werde. Ich kann doch nach Rom fahren und mir Höfe angucken. Oder durch Schloss Neuschwanstein laufen.

      Insofern sind mir oben zitierte Äußerungen völlig fremd. Aber, der Mensch ist eben verschieden.
    • @ East_Clintwood: Das kannst du ja gerne hoffen, dir wünschen und es ist auch nichts schlechtes. Aber dafür wirst du nicht viel tun können. Niemand schaut kritischer auf Hinterlassenes als die nachfolgende Generation. Das kann man sowohl im privaten Umfeld als auch gesamtgesellschaftlich beobachten. Ich wette dass die vielen Betonmonster, Stadtautobahnen usw. die wir heute in Frage stellen, von unseren Vorgängern mit dem Gedanken geschaffen wurden, dass hier etwas für die Zukunft gebaut wurde wovon auch "die Kinder noch etwas haben würden". Dieser zunächst ehrenrühig daherkommende Gedanke ist aber tatsächlich ziemlich bevormundend und einengend. Ich habe mich davon verabschiedet, es ergibt nämlich schlicht keinen Sinn. Genauso wie wir uns hier gemeinsam dazu entschließen, etwas schön zu finden, das eine abzureißen oder das andere zu rekonstruieren, so werden es künftige Generationen tun. Das hoffe ich inständig, ansonsten tun mir die Kinder von morgen heute schon leid.

      Selbstverständlich sollte es uns aber Ansporn sein, nur das Beste und das besondere zu wollen.

      Im Übrigen ist dieser Ewigkeitsanspruch in der Architektur auch Ursache für ihre Probleme. Sind nicht diejenigen unsere hartnäckigsten Gegner, die etwas unbedingt erhalten wollen obwohl es weder schön ist, sich bewährt hat oder selten ist, sondern einfach nur damit es bleibt und sich künftige Generationen ein Bild davon machen können (wie hässlich, nutzlos, deplaziert und überflüssig es war)? So geht es mir zumindest in der Pellerhausfrage.
    • nothor wrote:

      ...

      Im Übrigen ist dieser Ewigkeitsanspruch in der Architektur auch Ursache für ihre Probleme. Sind nicht diejenigen unsere hartnäckigsten Gegner, die etwas unbedingt erhalten wollen obwohl es weder schön ist, sich bewährt hat oder selten ist, sondern einfach nur damit es bleibt und sich künftige Generationen ein Bild davon machen können (wie hässlich, nutzlos, deplaziert und überflüssig es war)? So geht es mir zumindest in der Pellerhausfrage.
      und so ging es mir in der FH-Frage und geht es immer noch beim "Rechenzentrum" und Staudenhof...
      Wenn Bilder nur in absoluter Verfügungsgewalt des Forums geduldet werden, gibt's halt keine Bilder mehr. Natürlich auch keine alten Bilder ...
    • erbse wrote:

      An der Stelle mal die (etwas ketzerische) Frage, Heimdall: betrachtest du Diskussionen hier im Forum allen Ernstes schon als "Engagement" für Rekonstruktionen?
      1. Es ist schon ein Engagement. Denn es kostet Zeit. Es versorgt bisweilen andere Personen mit Informationen (Presselinks, Fotos, Erlebnissschilderungen z.B. von Veranstaltungen usw.), die diese für ihre weitergehende Arbeit (z.B. in Initiativen) nutzen können.

      2. Ich habe trotz begrenzter Einnahmen auch schon für diverse Objekte gespendet.

      3. Ich habe mehrfach Vorträge zum Thema Rekonstruktion gehalten. Z.B. auch mal bei der Gesellschaft Historisches Berlin.

      4. Habe ich mich auch anderweitig engagiert. Ich bin z.B. Mitglied von "Pro Altstadt" in Frankfurt.

      Das nur als kurze Antwort auf Deine Frage.
    • @East_Clintwood Genau das ist es, was ich meine: allgemeine kuturgeschichtliche Feststellungen werden willkürlich einer parteipolitischen Grundhaltung zugeschrieben. Und dann wird die politische Verbotskeule hervorgeholt. Also erst politisiert man eine Meinung, und dann will man sie mit Verweis auf das Politische verbieten.
      Offenbar haben einige hier bereits vollkommen die Taktik jener verinnerlicht, die unser Anliegen bekämpfen:

      Man setzt sich für den Wiederaufbau der Frauenkirche ein - schon ist man Pegida.
      Man wirbt für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses - schon ist man preußischer Militarist.
      Man freut sich über den Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt - schon ist man ein Neurechter (was immer das sein soll).
      Man argumentiert für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche - schon ist man Nazi.
      Man wagt die - ziemlich wahrscheinliche - Prognose, dass künftig immer mehr Kirchen in Moscheen umgewandelt werden - schon ist man Islamfeind.

      Aber ich habe ja immer noch die Hoffnung, dass es hier einige Leute gibt, die an differenzierten kulturgeschichtlichen Betrachtungen interessiert sind und es nicht nötig haben, in billige Polemik zu verfallen.