Architektur der Musik

  • Quote from Klinker

    Als plebejischer Laie finde ich, dass diese Musik zu dieser Architektur wie die Faust aufs Auge passt.

    Versteh ich im Zusammenhang mit dem Folgenden nicht.
    dieser Meinung, nämlich, dass das nicht zusammenpasst bzw dass zwischen Musik und Architektur Welten liegen, bin ich ja letztlich auch.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Meine Erfahrung ist, dass viele Musikstudenten diese gewollt “moderne” Musik nicht mehr leiden koennen. Bach, Mozart, Beethoven, Chopin, Tchaikowsky und Debussy sind aber nach wie vor sehr populaer! Also...

  • Was sind "Musikstudenten"? Wohl kaum Studenten, die sich auf Neue Musik spezialisieren? Und was heißt nicht "mehr"? war neue Musik jemals "populärer"?
    Und die genannten Klassiker sind sicher weniger populär denn je...
    schau die das Konzertpublikum an, was seine Altersstruktur betrifft.
    Nein, so einfach ist die Welt wieder auch nicht...


    Und... sind diese "klassischen" Werke "leichter" verständlich?




    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Es ergibt sich, ähnlich wie in der Architektur allerdings die Frage, wie weiter, wenn nicht modern?
    Das ist keine rhetorische Frage, ich wüsste wirklich gerne eine Antwort, wie Musik sich weiterentwickeln kann als "Ernste Musik" (jenseits von Pop), ästhetisch und doch nicht immer auf der Stelle tretend.


    Ist sowas hier wirklich der Weisheit letzter Schluss?




    Beides zwischen in den 1970ern bis 1980ern entstanden.


    Nett, sehr nett, aber was hebt diese Musik über reines Handwerk, macht sie von der Gebrauchsmusik zur Kunst? Ähnlich lauwarm ergeht es mir bei britischen Herrenhäusern im Neoklassizismus des 21. Jahrhunderts.
    Vielleicht ist es ja gerade jener Genie-Kult und das Kunstverständnis, die sich im 19. Jahrhundert entwickelt haben, die uns so viel geschenkt haben und die Gleichzeitig zu jenen intellektualistischen Elfenbeintürmen und ideelen Sackgassen geführt hat, deren Stellung von den Modernistinnen heute so vehement vertreten wird. Vielleicht müssen wirklich zurück zu gutem Handwerk, zum Schaffenden, zum Schöpfenden im Vertrauen darauf, dass dabei Kunst entsteht.


    Ein Stück Neuer Musik, dass ich sehr schätze, so kraftvoll, dass es nur von einer Frau komponiert sein kann...und Russin noch dazu ;) :


    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

  • Als Musikstudent habe ich es auf jeden Fall so erlebt. Alle lieben die klassischen Werke (und nein, damit meine ich nicht die Große Fuge), aber nur die wenigen, die sich, wie du es sagst, spezialisierten, lieben auch die Musik des 20. Jahrhunderts ebenso sehr. Die junge Generation sehnt sich vor allem wieder nach romantische Musik, ist meine (auch meine eigene) Erfahrung!

  • ustvolskaja war aber keine Feministin, Kaoru. Sie hat sich gegen Festivals für Frauenmusik ausdrücklich ausgesprochen. IN diesem Falle würde sie sich für Festivals von ausschließlich männlichen Komponisten einsetzen.
    Gespalten bin ich bei manchen Werken von P. Vasks, wobei sie bei intensiverer Befassung jedenfalls sehr rasch verlieren.


    Niederländer, deine junge Generation kannst du dir weißt eh wohin abschreiben. als generellen Trend sehe da nur Überfordertheit, sogar mit den allergewöhnlichsten Schätzen der klass. Musik, incl Romantik. Das sich Zurück-Sehnen kann überhaupt nicht stattfinden, weil dies bedeuten würde, dass man eine Entwicklung gemacht hätte, die man nun überdenkt oder auch erweitert. Davon kann aber keine Rede sein.


    Überhaupt bin ich sehr skeptisch, gerade was die Liebe zur "klassischen Musik" betrifft.
    Wer interessiert sich für solche Werke, wer kennt, wer versteht sie?


    Meistens ist diese behauptete Liebe zur klassik nur oberflächliches Geschwätz. Grundsätzlich gilt: wer das



    nicht versteht, versteht auch das



    nicht!


    Darüberhinaus, was warst du für ein Musikstudent? Instrumentalist, Theoretiker oder Dirigent?


    Hier ein anderer Konnex zwischen Musik und Architektur: Bruckners Neunte und der Stephansdom. die "Gotik" dieser Symphonie ist oft behauptet worden und Bruckner hat sich in der Tat während der Entstehungszeit für den Dom sehr interessiert.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ich bin Gitarrist, also ein solistischer Instrumentalist. :)


    Und dass eine derartige Entwicklung noch nicht stattfindet, liegt mE. nicht so sehr an “Ueberfordertheit”, sondern einfach an der heutigen politisch-kulturellen Situation in Europa, die so eine Entwicklung einfach nicht duldet. Den bei den Musikern selbst ist die Wille dazu durchaus (wieder) da!

  • Es gibt ja auch Landschaftsarchitektur - so wächst kein Wald, und ich fand ihn aufgrund seiner Baumanordnung sehr grausig und mir fiel dann das dazu ein:



    Was ich allerdings wesentlich grausiger fand - ein paar Jahre später ist dort eine Leiche gefunden worden.....ein Flüchtling hatte sich auf messerscharfer Weise von seiner Frau getrennt....des hab ich aber nicht vertont.


    LG
    Henry

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Für mich klingt Bruckner immer am meisten nach Architektur, Assoziationen an gewaltige Kathedralen werden wach:


  • Es ergibt sich, ähnlich wie in der Architektur allerdings die Frage, wie weiter, wenn nicht modern?
    Das ist keine rhetorische Frage, ich wüsste wirklich gerne eine Antwort, wie Musik sich weiterentwickeln kann als "Ernste Musik" (jenseits von Pop), ästhetisch und doch nicht immer auf der Stelle tretend.

    Wer sagt denn, dass sich die Musik oder Architektur immer weiterentwickeln müssen bzw. überhaupt dazu in der Lage sind?


    Vielleicht ist das lineare Fortschrittskonzept der Moderne in Sachen Kunst einfach unpassend.

  • Eine sehr schöne musikalische Darstellung eines äußerst imposanten (wenn auch fiktiven) Bauwerks:


    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Als Musikstudent habe ich es auf jeden Fall so erlebt. Alle lieben die klassischen Werke (und nein, damit meine ich nicht die Große Fuge), aber nur die wenigen, die sich, wie du es sagst, spezialisierten, lieben auch die Musik des 20. Jahrhunderts ebenso sehr. Die junge Generation sehnt sich vor allem wieder nach romantische Musik, ist meine (auch meine eigene) Erfahrung!

    Ist es nicht merkwürdig, dass in den Konzerthäusern und Opern dieser Welt überwiegend Werke aufgeführt werden, die mindestens 100 Jahre alt sind?


    Aber der renovierte Altbau aus dem 19. Jahrhundert erfreut sich seltsamerweise ja auch einer ungebrochenen Beliebtheit.

  • Aber der renovierte Altbau aus dem 19. Jahrhundert erfreut sich seltsamerweise ja auch einer ungebrochenen Beliebtheit.

    Ach Du meinst auf dem grünen Hügel? Ja, das hat so seine ganz eigene Akustik welche insbesondere für Wagnerwerke geeignet sind. Da kommt auch die "Wagnertuba" , welche beim Walhallmotiv ihren Einsatz findet, besonders schön und ergreifend zum Vorschein.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Würde man einen Film wie "Berlin-Die Sinfonie der Großstadt" über Prag drehen, welche Musik würde besser passen als Janáčeks Sinfontietta? Beim Fanfarenchor zu Beginn sehe ich den zarten, grau-violetten Nebel, wie er über der Stadt liegt, bis dieser von einem fantastischen Sonnenaufgang durchbrochen wird, die Silhouetten der Türme und Dächer zu leuchtenden Flächen erhellt, ihnen Kontur und Struktur gibt, das Licht der Stadt und der Sonne in ihrem Farbenspiel auf dem Wasser der Moldau tanzen und die Stadt allmälich erwacht und das Großstadtleben mit dem Quietschen der Straßenbahnen, den von Menschen und Autos immer volleren Straßen und Gassen sich bis zur irren Extase steigernd an der eigenen Selbstberauschung erstickt, während der Strom der Moldau davon unbeeindruckt vorüberzieht und über allem in Pracht und Macht die Burg und ihr Veitsdom thronen.


    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski