Beitzsch/ Biecz (PL)

  • Beitzsch/Biecz ist ein Dorf im heute polnischen Teil der Niederlausitz, gehörte ursprünglich zu Sachsen, ab 1815 zu Brandenburg und somit zu Preußen, seit 1945 zu Polen. Vor 1945 gehörte Beitzsch zum Landkreis Guben. Der Ort findet man, wenn man knapp nördlich der Stadt Forst/Lausitz über die Lausitzer Neiße (Grenzfluss) fährt, dann bei Zasieki (früher Forst-Berge) am Kreisel Richtung Brody (= das alte Pförten), dann Richtung Lubsko (einst Sommerfeld), doch noch bevor wir Sommerfeld/Lubsko erreichen, geht es links nach Biecz (= das alte Beitzsch). Beitzsch/Biecz liegt nur etwa 4 km nördlich von Pförten/Brody. Das Rittergut Beitzsch gehörte über 600 Jahre den Freiherrn von Wiedebach (1316-1945). Mithin sind die Freiherrn von Wiedebach das Geschlecht in der Lausitz, welches am längsten auf ein und demselben Gut, auf derselben Scholle wohnte, wenngleich es freilich Nebenlienen gab, die etwa in Rietschen, in der Oberlausitz saßen. Alle Gebäude des dazugehörigen Dorfes Beitzsch waren bis 1880 mit Stroh bzw. Schilf gedeckt. Ein Großbrand 1880 hatte das ganze Dorf vernichtet, mit Ausnahme der Kirche und des Schlosses. Beim Wiederaufbau des Dorfes wurden dann nur noch Gebäude in Ziegelbauweise und mit Dachziegeln gedeckte Häuser errichtet.


    Bemerkenswert ist die einst lutherische Kirche, ein Barockbau nach Plänen des bekannten George Bär aus Dresden, noch einige Jahre vor dem Bau der Frauenkirche errichtet, jedoch sehr daran gemahnend. Leider war die Kirche geschlossen. Zwar weiß ich wer den Schlüsel hat, doch wollte ich am Sonntagnachmitttag nicht stören. Vor 2 Jahren war ich mit einem Ausflug der Kirchengemeinde in der Kirche von Beitzsch. Kanzelaltar, Emporen in drei Rängen (wobei die obersten für die jungen Burschen bestimmt waren, dort oben ging es arg eng zu. Es befanden sich dort nur Stehplätze). Die Patronatsempore der Kirche (samt Allianzwappen über derselben) ist vollständig und sehr gut erhalten. Es befindet sich im Gotteshaus ein lebensgroßes Relief für einen Standesherrn von Wiedebach (1848-1932), welcher königlicher Kammerherr war. Dieser ist in der Galauniform der königlich preußischen höheren Hof- bzw. Staatsbeamten dargestellt, wozu als Kopfbedeckung ein "Zweispitz" gehörte. Meiner Meinung nach, könnte dieser Zweispitz das Denkmal vor der Zerstörung bewahrt haben. Es sieht auf den ersten Blick aus wie ein Hut, den Napoleon und seine Offiziere getragen haben, nur eben in Längsrichtung. Man hat die Paradeuniform ab 1945 wohl als eine französische Uniform gedeutet. Das war dann wohl "nicht so schlimm". Hätte Herr von Wiedebach stattdessen auf dem Denkmal eine Pickelhaube getragen, so gehe ich davon aus, dass dieses Denkmal in der Zeit direkt nach dem II. Weltkrieg höchstwahrscheinlich zerstört worden wäre. Die Inschrift des Denkmals ist übrigens in in deutscher Frakturschrift gefertigt und nicht zerstört worden. Übrigens gab es zu Beitzsch eine Frauentracht (Farbe schwarz und weiß), die spätestens etwa zu Beginn des I. Weltkriegs abgelegt war.


    Auf den alten Friedhof steht noch das Kriegerdenkmal für die Gefallenen Beitzscher des I. Weltkriegs. Die Namen und alle anderen Angaben sind herausgemeißelt, doch kann man noch auf der Rückseite lesen: "Das Vaterland wird eure Treue nie vergessen".


    Hier nur ein Blick auf die Kirche (aufgenommen am 17.02.2019):



    Hier eine Tafel, deren deutsch verfasster Teil leider beschädigt wurde:


    Hier nun der Turm der 1683 errichtet wurde und zum einstigen Gutshof führte (das Haus links war vor gut 2 Jahren noch nicht -teilweise- eingestürzt (damals befanden sich noch etliche Schiefertafeln auf dem Dach des Turmhelms, die jetzt vollig fehlen). Einst waren sowohl links als auch rechts bündig mit dem Turm Wirtschaftsgebäude (Ställe, Scheunen). Nach deren Abbruch sieht man rechts das frühere Kavaliershaus mit Mansarddach (einst das Gästehaus):





    Die beiden Wappen am Turm: Links von Wiedebach (Adler auf einst blauem Grund), rechts das Wappen derer von Houwald):



    Hier leider schlecht zu erkennen: über den beiden Wappen Zeus als Adler mit dem Blitzebündel:



    Hier nun das einstige "Kavaliershaus" ein Gebäude des Rokoko, welches den Gästen als Quartier diente. Nachdem, was ich gelesen habe, hat ein Privatmann das frühere Kavaliershaus erworben und ist derzeit dabei es zu renovieren:



    Das Wappen im Giebel des Kavaliershauses:



    Das Kavaliershaus von Süden mit dem Torturm (man erkennt am Torturm, wo früher die landwirtschaftlichen Gebäude angebaut waren).:




    Die Rokokotreppe an der Südseite des Kavaliershauses:





    Ein Wandbrunnen an der Südseite des Kavaliershauses:



    Schloss Beitzsch, das noch zu Kriegsende völlig unzerstört und möbliert war:



    Mittelbau in Ehrenhof Über den 3 mittleren Fenstern befand sich noch vor weingen Jahren am Dach eine barocke Balustrade mit Vasen, in der Mitte vielleicht Putten oder ein Wappen. Ziegeldiebe hatten vor einigen Jahren durch Plünderung dem Schloss sehr geschadet, da anschließend das Wasser mit verheerender Wirkung eindrang. Außerdem stahlen sie die Dchrinnen und etliche Fallrohre, das erklärt wohl auch hinlänglich auch den Zustand der Backsteinwände.:



    Mittelbau des Ehrenhofs, Erdgeschoss. Über der Haustüre des Hauptflügels das Wappentier der Wiedebachs, der Adler:





    Linker Flügel des hufeisenförmigen Ehrenhofs (relativ gut erhalten):




    Rechter Flügel des Ehrenhofs:




    Wappen am rechten Flügel des Ehrenhofs:




    Schloss Beitzsch, im Vordergrund der rechte Flügel des Ehrenhofs aus dem ehemaligen Schlosspark von der Südseite des Kavaliershauses aus gesehen:




    Der Schlosspark südlich des Schlosses ist heutzutage völlig versumpft und versteppt. Blick von Südosten auf das Schloss:



    Es gibt Pläne der polnischen Regierung, im Gebiet zwischen Brody/Pförten bis hinauf nach Guben alles wegen Braunkohle abzubaggern (und ein Kohlekraftwerk zu errichten), dann wäre auch Beitzsch für immer verloren. Gebe Gott, dass es nicht so kommen möge.



























  • Im Nachgang noch einige Bilder von Beitzsch/Biecz:




    Blick über eine Gartenmauer hinüber zum Torturm des Guts- bzw. Schlossbezirks:




    Die barocke Dorflirche (nach Plänen von George Bär, Ratszimmermann aus Dresden):







    Im alten, längst aufgelassenen Friedhof um die Kirche, gibt es noch einige wenige alte Grabsteine aus deutscher Zeit, sowie mehrere Grabkreuze aus Gusseisen, wie sie im der ersten Hälfte des 19. Jh. beliebt waren::