Was sind eure Lieblingskirchen?

  • Nachdem es von @Sir Moc schon das Thema Lieblingsgebäude gab hier nun das Sakrale Gegenstück.


    Jeder darf Mindestens 7 Kirchen sagen.
    Bitte mit kurzer Begründung.
    Egal ob Deutschland oder andere Länder.
    Zerstörte (sprich St.Ansgarii Bremen oder Garnisonkirche Potsdam) gehen natürlich auch.


    Ich fang mal an:


    1.St.Nikolai Stralsund.
    Die Kirche sticht durch ihre 2 Verschiedenen Türme heraus und hat eine wunderbare Ausstattung.


    2.St.Jacobi Göttingen.
    Die Ungewöhnlichen Säulen Bemalung,der Hochaltar und Fenster aus der Neogotik Reichen schon.


    3.St.Blasius Hann.Münden.
    Sie hat eine Herrliche Austattung.
    Und sie wirkt von Aussen Recht klein im Gegensatz zur Ausstattung.


    4.Hauptkirche Wolfenbüttel.
    Eine der schönsten Kirche Norddeutschlands.
    Besitcht besonderst durch ihre Renaissance Architektur.


    5.Universitätskirche St.Nikolai Göttingen.
    Eine kleine Kirche die durch das wunderschöne Kreuzigungs Gruppe aus einem Dom (welcher hab ich vergessen) im Inneren ins Auge fällt.


    6.Schlosskirche Weilburg.
    Die Kirche ist aussen wie innen Wunderschön.
    Typische Barock Kirche mit viel Stuck und Fürstenloge.
    Aber Protestantisch.


    7.Stadtkirche Bad Hersfeld.
    Von der einst Reichen Ausstatung der Kirche blieb nach den Bilderstürmen nicht viel.
    Trotzdem Wunderschön.
    Mag den Turm auch sehr.

  • Es ist natürlich schwierig, Kirchen zu bewerten, deshalb ist die folgende Liste keineswegs als total strenge Rangfolge zu betrachten. So, dann hier einmal meine sieben (zahlensymbolisch sehr passend ausgewählt :D ) Lieblingskirchen:


    1. Auf dem ersten Platz steht bei mir der Kölner Dom, den ich für die großartigste Kirche der Welt halte. Wenn man vor der gigantischen Fassade steht, hinaufblickt zu den überreich geschmückten Riesen-Türmen und währenddessen bedenkt, dass mittelalterliche Menschen mit den damaligen technischen Möglichkeiten diesen Bau ersonnen und gewagt haben, es ihnen sogar gelang, die Arbeiten teilweise zu vollenden, dann kann man gar nicht anders, als vor dem Mut und dem Ehrgeiz unserer Vorfahren in Ehrfurcht zu erstarren. Der Kölner Dom erschlägt mit seiner unbegreifbaren Größe, er wirkt trutzig, fest, wie mit der Erde verwachsen. Gleichzeitig streben seine Mauern filigran in den Himmel, schlank und grazil, den Eindruck von Schwere und Stärke mit einem Zug der Leichtigkeit verbindend. Trotz seiner gewaltigen Baumasse wirkt der Kölner Dom keineswegs plump, wozu sicherlich auch der überbordende Schmuck und der Detailreichtum des Bauwerks beitragen. Der Kölner Dom ist für mich vielleicht sogar das großartigste Bauwerk der Menschheit.


    2. Auch auf dem zweiten Platz befindet sich ein Bauwerk der Gotik, das dieses Mal jedoch nicht in Deutschland zu suchen ist, sondern sich im Ursprungsland dieses Architekturstils befindet: Die Kathedrale von Amiens in Nordfrankreich. Ich habe die Kirche als 13- oder 14-Jähriger im Zuge einer großen Normandiereise mit meinen Eltern besucht und ihr Bild hat sich mir tief eingeprägt. Ich weiß noch, wie ich abends von der Veranda des Hotels hinab auf die Stadt blickte, wo dieser riesenhafte, steinerne Koloss mächtig aus dem Häusermeer aufragt. Der helle Farbton der Kathedrale wirkt sehr edel, auch verfügt der Innenraum, was in Frankreich nach den Zerstörungen der Revolution ja leider keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt, über eine sehr reichhaltige, prächtige Ausstattung aus verschiedensten Epochen. Amiens mag zwar als Stadt nicht mehr wirklich schön sein, doch alleine aufgrund der Kathedrale lohnt sich ein Besuch allemal.


    3. Nun geht es wieder zurück nach Deutschland und auch auch in Bezug auf den Stil tut sich etwas: Der nächste Bau entstammt nämlich nicht der Gotik, sondern ist das wohl bedeutendste erhaltene Werk der Romanik: Der Dom von Speyer. Der Speyerer Dom ist ein absolutes Highlight, sowohl architektonisch als auch geschichtlich. Wenn man durch die ehrwürdigen, hohen Hallen wandelt, die, kühn emporragend, von der Macht ihrer Erbauer zeugen, dann spürt man noch den Pulsschlag deutscher Geschichte, bekommt einen Eindruck von Glanz und Gloria des mittelalterlichen Kaisertums. Speyer verfügt auch noch über eine wunderschöne, historische Altstadt, die einen würdigen Rahmen für den Dom bildet. Die geschlossen historische Maximilianstraße, an deren Ende der wuchtige Dom aufragt, gehört sicherlich zu den herrlichsten Szenerien, die in Europa zu finden sind.


    4. Jetzt geht es einmal in eine ganz andere Zeitepoche: Auf dem vierten Platz steht bei mir die St. Michaeliskirche in Hamburg, der Michel, ein Hauptwerk des norddeutschen Barocks. Normalerweise hat sich der Barockstil ja eher in beschaulicheren Sakralbauten verwirklicht, die gewaltigen Dimensionen des Michels machen ihn jedoch fast schon zu einer Art barocken Kathedrale. Der riesige Turm ist einfach unglaublich schön und elegant, so herrlich hanseatisch-kühl, eine überaus gelunge Interpretation eines eigentlich südländischen Stils in nordischen Gefilden. Auch der Innenraum ist sehr edel komponiert, der Schmuck setzt bewusste Akzente, ohne zu sehr zu dominieren.


    5. Wir bleiben bei barocken Großbauten, denn auf dem fünften Platz befindet sich der Dom zu Passau. Zwar ist der Passauer Dom derselben Stilepoche zuzuordnen wie der Hamburger Michel, doch stellt er, was Grundessenz und Grundgefühl anbelangt, einen totalen Gegensatz zu diesem dar. Der Michel ist das Musterbeispiel für protestantischen, nordischen Barock, der Passauer Dom hingegen wirkt total katholisch, italienisch und verleiht dem sowieso südländischen Ambiente der Stadt den letzten Schliff. Der Passauer Dom beeindruckt nicht nur durch sein prächtiges Schmuckwerk, sondern auch durch seine schiere Größe, schließlich verfügt er über den größten barocken Kircheninnenraum nördlich der Alpen. Ich bin eben, was Architektur anbelangt, sehr hin- und hergerissen zwischen Nord und Süd.


    6. Auf dem sechsten Platz folgt der Berliner Dom. Auch hier vermengen sich architektonische Gründe mit geschichtlichen, schließlich bewerte ich ein Bauwerk nicht nur rein nach ästhetischen Erwägungen, sondern auch nach seiner Atmosphäre, nach der Energie des Ortes, um es einmal etwas esoterisch auszudrücken. Jeder Ort vermittelt ein gewisses Grundgefühl, weckt Assoziationen, lässt über sich hinausdenken. Die Seele einer Kirche wird natürlich maßgeblich von ihrer Geschichte geprägt, und ich als Preußenfan muss den Berliner Dom, der schließlich eine Art Prunktempel dieser Dynastie ist, einfach lieben. Der unglaublich prächtige Innenraum mit der riesigen Kuppel hat mich bei meinem Besuch vor ein paar Jahren total beeindruckt, man spürt wirklich den Geist des Wilhelminismus, diesen Optimismus, diesen Ehrgeiz und, ja, auch den Größenwahn. Wenn man dann vorbeischreitet am Kaiserlichen Treppenhaus, die Augen hebt zur pompösen Kaiserloge oder zu den Gräbern der großen Hohenzollern hinabsteigt, dann wird man Zeuge der historischen Strahlkraft, die dieser Kirche innewohnt. (Diese Satzkonstruktionen haben es mir heute Abend irgendwie angetan :biggrin: )


    7. Es geht wieder zurück zur Gotik, nun wird es aber eher biographisch. Auf dem siebten Platz steht die Marienkirche zu Reutlingen, die ich für die großartigste Kirche meiner Heimat halte und die mich schon seit meiner frühen Kindheit begleitet. Die Kirche ist einfach nur herrlich und spiegelt als ein vollkommenes Werk edelster Gotik das Selbstbewusstsein der einstigen Freien Reichsstadt Reutlingen wieder. Der großartige Turm, der wohlgemerkt noch im Mittelalter vollendet wurde, grüßt schon aus der Ferne und ist mit der Achalm, dem Hausberg, das wichtigste Wahrzeichen der kleinsten Großstadt Baden-Württembergs.


    Natürlich gibt es noch sooo viele weitere Lieblingskirchen, die ich hier erwähnen könnte, aber dann würde ich noch morgen hier sitzen und schreiben. :biggrin:

  • Schönes Thema. Die, die mein Vorredner genannt hat, könnte ich auch alle aufzählen. Es gibt so viele tolle Kirchen, dass eine Auswahl wirklich schwer fällt und ich wirklich nachdenken musste, welche mich ganz besonders fasziniert haben.
    Ich versuche es mal chronologisch nach ihrer Entstehung:


    1. Pantheon in Rom: (heute als katholische Kirche geweiht). Das wahrscheinlich am besten erhaltene antike Bauwerk überhaupt und mit seiner Kuppel jahrhundertelang Vorbild zahlreicher Bauten, wenn nicht sogar aller Kuppelbauten dieser Welt. Bis heute unglaublich beeindruckend.


    2. St. Gereon in Köln: vielleicht der am meisten unterschätzte Kirchenbau in Deutschland, da er im Schatten des Doms steht. Sehr ungewöhnlicher Zentralbau mit antiken Wurzeln, sehr erhabener Innenraum, in dem die Geschichte förmlich atmet.


    3. Aachener Dom: Sehr ungewöhnlicher Bau, sehr faszinierende, große und lange Geschichte. Der Kaiserdom Karls des Großen mit seinem Oktagon hat mich sehr beeindruckt.


    4. Dom zu Mainz: von den 3 romanischen Kaiserdomen am Rhein beeindruckt er mich am meisten, auch wenn der Speyerer Dom von außen monumentaler wirkt. Besuche ihn mit seinen zahlreichen Nebenkapellen und dem Kreuzgang immer wieder gerne.


    5. Kathedrale von Chartres: Der Prototyp der großen Kathedralen der französischen Gotik. Gerade wegen seiner Asymmetrie und nicht ganz perfekten Form gefällt er mir - und natürlich wegen den berühmten, tollen blau scheinenden Fenstern. Außerdem verstehen sich die Franzosen auf die Illumination ihrer Fassaden.


    6. Wells Cathdral: Von den englischen gotischen Kathedralen gefällt mir die in Wells am besten. Beeindruckt haben mich vor allem die Scherenbögen in der Vierung. Die Kathredrale in Salisbury ist wegen seinem monumentalen Vierungsturm aber ebenso faszinierend. Und um noch schnell nach Italien abzuschweifen: Als Gesamtkunstwerk ist der Dom von Pisa einmalig.


    7 Vierzehnheiligen: Balthasar Neumann hat hier ein barockes Meisterwerk geschaffen. Vor allem den ovalen Hauptraum mit dem Altar in der Mitte fand ich toll.

  • Das Thema ist zu kompliziert, um gleichzeitig aus der ganzen Welt ausgewählt zu werden. Es ist besser, in jedem Land separat auszuwählen. Auf diese Weise bleibt der kulturelle Kontext erhalten. Daher werde ich mich darauf beschränken, Top-5-Kirchen aus großen europäischen Ländern auszuwählen - Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und natürlich Deutschland. Das heißt nicht, dass andere Länder keine wunderbaren Edelsteine haben, die ihr kulturelles Erbe präsentieren. Vielleicht werde ich in einem anderen Beitrag auch einige ausgewählte Länder vorstellen.
    Ich werde mit den Franzosen beginnen und dann unter der Woche weitere hinzufügen.



    Frankreich


    1. Straßburger Münster - meiner Meinung nach die schönste unter den schon wunderschönen französischen Kathedralen. Bewundert von Franzosen und Deutschen gleichermaßen. Eines der größten Stücke unserer gemeinsamen Kulturen und ein Zeichen dafür, dass Frankreich und Deutschland trotz der vielen Jahre der Feindseligkeit Schwestern sind.


    2.Kathedrale von Rouen - eine andere französische Schönheit. Wenn der Kölner Dom in seiner vertikalen Schwere schön ist, ist der Rouener Dom ein Symbol für vertikale Leichtigkeit.


    3.Kathedrale von Albi - Es steht wie ein Felsen am Tarn. Albi war einst ein Zentrum der Katharer-Religion, und nach der berüchtigten Unterdrückung wurde diese Kathedrale als katholische Festung gegen die Einheimischen erbaut. Es kann überraschend sein, dass diese brutale Festung ein solch majestätisches Interieur hat, wahrscheinlich die schönste aller französischen Kathedrale. Überzeugen Sie sich selbst - Bild 1 und Bild 2.


    4.Sainte-Chapelle - Die französischen Monarchen haben unendlich viel Geld für ihre persönliche Kirche ausgegeben. Das Buntglas ist erstaunlich - alles original aus dem Mittelalter - was faszinierend ist, wenn Revolutionäre alles zerstörten, auch wenn es etwas mit der Monarchie zu tun hatte. Vorhangfassade richtig gemacht!


    5.Kathedrale von Beauvais - Symbol für unersättlichen Ehrgeiz und grenzenlosen Stolz. Wenn fertig, wäre dies ohne Zweifel die größte hochgotische Kathedrale der Welt. Es ist ironisch, aber auch demütig, dass Beauvais nicht über seinen Kopf springen konnte. Aber zumindest für einige Zeit in der Vergangenheit, als der zentrale Turm stand, war dies ein Anblick. Es gibt einige Visualisierungen, wie es aussehen würde, wenn es abgeschlossen wäre. Nur die Kathedrale von Amiens zeigt ungefähr den Eindruck, den man in diesem aufragenden Tempel Gottes fühlen könnte.

  • Dann will ich mal eine Lanze brechen und den Kölner Dom als eine meiner Lieblingskirchen nennen:
    Ich weiß leider nicht, wie man die Namen direkt mit dem Link verbindet, daher hier getrennt:


    Kölner Dom:


    Aachener Dom
    (wurde hier aber schon genannt)


    St. Michaelis in Hamburg


    Berliner Dom
    (es kommt ja auf die Lieblingskirchen an, nicht auf die Bedeutung)


    Dresdner Frauenkirche


    Die St. Bavo Kathedrale in Gent

  • Straßburger Münster
    Frauenkirche Dresden
    Frankfurter Kaiserdom
    Ulmer Münster
    Kölner Dom
    Mainzer Dom
    Magdeburger Dom


    Reihenfolge variiert, da jede der Kirchen großartig ist.

  • Tja, Qual der Wahl. Die meisten von uns wählen die großen Kirchen, ja die monumentalen Dome und Kathedralen. Oft erlebte ich allerdings auch in kleinen Kirchen und Kapellen intensive Stimmungsmomente. Die unscheinbaren Orte berühren manchmal mehr im Innern. Das wären allerdings viele an der Zahl, die ich nicht mal mehr alle benennen könnte. So entschied auch ich mich für eine vorübergehende Präferenzenliste großer bekannter Kirchbauten, bei der mir auffällt, daß viele Klosterkirchen dabei sind. Na, sowas auch!?


    1. Abteikirche Neresheim,
    das letzte Werk von Balthasar Neumann, von Nachfolgern verändert vollendet. In meinen jungen Jahren prägte diese wundervoll beschwingte Architektur durch viele mehrtägige Gastaufenthalte im Kloster mein Kunstverständnis maßgebend.


    2. Frauenkirche Dresden,
    durch familiäre Wurzeln in Dresden bedingt, fieberte ich schon in jungen Jahren sehnsuchtsvoll ihrer Rekonstruktionsvollendung entgegen. Von meiner Mutter hörte ich noch mündliche Schilderungen der originalen Frauenkirche.


    3. Klosterkirche Maulbronn,
    nicht allzu weit von meinem Geburtsort entfernt, prägte auch dieses wundersam erhaltene mittelalterliche Ensemble mein frühes architektonisch-geschichtliche Verständnis und Wertschätzung. Besuche waren stets eine Zeitreise.


    4. Altenberger Dom,
    kaum zu glauben, aber ursprünglich ein Zisterzienserkloster, der kleine Kölner Dom könnte man sagen, ohne eine Stadt, in der einsamen Waldlandschaft gelegen. Faszinierend! Kloster Eberbach könnte hier auch stehen.


    5. Fontenay Burgund, Zisterzienserklosterkirche,
    sie soll stellvertretend für alle weiteren so herrlich klar auf das nötigste beschränkte Architekturen des Ordens in Frankreich stehen.


    6. Dorfkirche Steinhausen, Oberschwaben von Dominikus Zimmermann,
    ein Fest des Rokoko, unübertroffen beschwingt und heiter. Ebenfalls schon als Junge dort gewesen und oftmals später. Immer wieder allerliebst das Getier, die Vöglein die in den Stukkaturen sitzen und gleich durch den Gewölbraum zu fliegen scheinen,.. hier könnte auch die Birnau am Bodensee noch stehen!


    7. Und zuletzt 2 Klosterkirchen auch aus Oberschwaben, stellvertretend für das reichhaltige oberschwäbische Barockerbe. Das wir das noch haben, welch' eine Gunst: Obermarchtal und Zwiefalten(siehe mein Avatar)!

  • 1. Kölner Dom
    2. Frauenkirche Dresden
    3. Parochialkirche Berlin
    4. Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin . . . trotz aller Verhunzungen


    Alle bereits sehr ausreichend dokumentiert.


    Aus sentimentalen Gründen und weil ich dort aufgewachsen bin, auch noch folgende Kirchen:


    5. Johanniskirche Schwäbisch Gmünd, mit seinem 1 Meter aus dem Lot stehenden, markanten Turm:


    https://de.wikipedia.org/wiki/…hw%C3%A4bisch_Gm%C3%BCnd)



    Creative Commons Share Alike 1.0, Bild von "Thorsten"



    6. Heilig-Kreuz-Münster, Schwäbisch Gmünd


    Eine der größten Hallenkirchen Süddeutschland und Ausgangswerk der Baumeisterfamilie Parler, die später maßgeblich am Bau des Kölner Doms beteiligt waren. Kaum zu glauben, aber Peter Ustinov wurde im Gmünder Münster getauft.


    https://de.wikipedia.org/wiki/…hw%C3%A4bisch_Gm%C3%BCnd)



    Wikimedia, Bild von Gmünder


    7. Abteikirche Neresheim






    Eigene Bilder

    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • Aufgrund meines ganz persönlichen, völlig subjektiven Geschmacks mag ich gotische Kirchen wesentlich lieber als barocke, gerade was die Innenräume betrifft. In einer gotischen Kathedrale empfinde ich mehr Ehrfurcht als in den manchmal überladenen, fast schon kitschig wirkenden Räumen barocker Kirchen. Ganz umgekehrt ist es bei weltlichen Gebäuden, hier gibt es für mich nichts Schöneres als lebendige barocke oder neobarocke Fassaden.

    In dubio pro reko

  • Kathedrale Mariä Himmelfahrt und St. Andreas (Frombork , Frauenburg)
    Ludwigskirche (Saarbrücken)
    Domkirche (Marienwerder) im heutigen Kwidzyn
    Dom zu Cammin (Kamień Pomorski)
    Dom Speyer
    Frauenkirche Dresden
    Marienkirche Beeskow
    Ulmer Münster
    Klosterkirche Chorin
    Clemenskirche (Münster)

  • .. hier könnte auch die Birnau am Bodensee noch stehen!

    Als Ergänzung und weil ich zufällig Vorgestern dort war:








    Sehr schöne, große Krippe


    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • Suebicus, das hast du sehr präzise und treffend beschrieben. Soweit war ich gedanklich bisher gar nicht vorgedrungen, da ich mich eigentlich wenig mit Sakralbauten beschäftige.

    In dubio pro reko

  • Interessanter Thread, dazu schreibe auch ich gerne was. Für mich gibt es nur eine einzige Kirche, die ich über viele Jahre lieb gewonnen habe. Das ist die Kirche St. Josef in Essen-Kupferdreh, die mittlerweile leider abgerissen wurde. Hab sie hier im Forum mehrfach erwähnt. Es war ein großer Verlust für diesen Stadtteil. Da wurde ich getauft und Messdiener war ich bis kurz vor Schluss ebenso. Das war für die Kupferdreher und mich die Heimat. So richtig begriffen, dass die Kirche geschlossen wurde, habe ich erst, als es zum Abriss kam. Davor kam mir das alles so surreal vor. Dann aber wusste ich, jetzt ist es endgültig vorbei.


    St. Josef wurde Anfang der 1900er Jahre in Neugotik erbaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche um ein Querschiff erweitert und der alte Chorraum dafür niedergelegt. Wenn man nicht mit dieser Kirche vernetzt war, kann man auch nicht über sie urteilen. Aus dem Grund mache ich keine Auflistung mit weiteren Gotteshäusern, die mir gefallen. Für mich gab es nur dieses eine. Die sechs Glocken neben der Kirche haben auch echt einiges dazu beitragen, dass wir uns auf Gottesdienste freuen konnten. Sie klangen einfach so wunderbar und ich hatte selbst mal das Vergnügen sie per Schalttafel in der Sakristei anzustellen. Leider hab ich aber auch hautnah miterlebt, wie sie mit der Zeit zu Bruch gingen. Wir verzweifelten damals in der Sakristei und haben uns immer wieder gefragt, warum können die Glocken nicht mehr ordentlich einläuten und keinen wirklichen Schwung aufnehmen? Hatte alles mit dem Rost zu tun. Sie hingen auf einem Glockengerüst freihängend neben der Kirche. Vermutlich trug die Feuchtigkeit dazu bei, dass der Glockenstuhl und später auch die Glocken eingerostet waren.


    Jedenfalls war es ein herber Verlust für uns Bürger. Ich finde extrem bedauerlich, dass Kirchen in der heutigen Zeit so an Bedeutung verloren haben. Ich hoffe inständig, dass Kirchen im nächsten Jahrhundert wieder beliebt sind und die Leute gerne dort hingehen und Messen mit anderen feiern. Es soll wieder so sein wie vor 20 Jahren. Niemand kann in die Zukunft schauen. Hoffentlich schätzen unsere Nachfahren Gotteshäuser mehr, als wir es zurzeit tun.


    Das musste ich einfach loswerden. Sorry, falls mein Beitrag zu lang ist.

  • @ Sebastian


    du sprichst das große Dilemma der Kirchen an. Hierzu trägt sicher die gesellschaftlich Entwicklung bei. Hierauf will ich nicht näher eingehen, weil .. ihr wisst schon, das führt wieder in Themenbereiche, die extrem schwierig sind. Und ich sehe das auch nicht als Hauptgrund, denn die eigentliche Schuld am Niedergang der Kirchen trägt die Kirche bzw. die Institution Kirche selbst.


    Denn eins ist doch klar. Gerade in diesen unsicheren Zeiten ist das Bedürfnis nach Halt und Sicherheit doch zu greifen, nur muss man betrübt feststellen, dass die Kirchen eben dieser moralische Kompass gar nicht mehr sein wollen. Dabei sprießen aktuell andere Lebenshilfangebote, Motivations- und Sinngebungstouren ja wie Pilze aus dem Boden, dass heißt, der Bedarf ist da, vielleicht sogar mehr denn je.


    Aber was ist die Anwort der Kirchen auf diese gefühlte innere Leere bei so vielen Menschen? Und hier bin ich unendlich ratlos. Wofür steht die Institution Kirche heute noch, was will sie, welche normativen Anker geben sie vor und wie gehen sie mit aktuellen Herausforderungen um. Und hier muss ich sagen, dass das Ergebnis vernichtend ist.


    Programmatisch ist man völlig entleert, Gottesdienste sind so weit weg vom realen Leben der Menschen, dass es teils schon komisch wirkt, wenn man den Pastoren oder Priestern heute zuhört. Es ist beinahe von der Wirklichkeit entrückt. Junge Leute holt man mit dieser antiquierten Art jedenfalls nicht mehr ab.


    Aber es ist nicht nur diese antiquierte Aufmachung, es ist vor allen die inhaltliche Leere, ja die Selbstaufgabe der eigenen Positionen. Ohne bösen politischen Hintergedanken, sondern voller Trauer und Betroffenheit muss ich feststellen, dass ich die christlichen Kirchen im öffentlichen Diskurs nur noch dann wahrnehme, wenn diese andere Religionen oder Minderheiten verteidgen. Was man aber völlig vergessen hat, ist für sich selbst und die eigenen Positionen zu werben. Man muss als Religionsgemeinschaft ja zuforderst für den eigenen Glauben, die eigenen Überzeugungen, ja das eigene Selbst eintreten, stattdessen definiert man sich seit Jahrzehnten nur noch über die Offenheit und Toleranz gegenüber anderen.


    Ich halte das für einen fatalen Fehler, nicht, weil man auch Respekt gegenüber anderen haben sollte, aber eine Religion einzig und allein über die Beziehung zu anderen zu definieren, das ist weder eine Religion noch ein Konzept, es ist schlicht biedere Anpassung an einen vordergründigen Zeitgeist.


    Das Ergebnis sehen wir alle, man schafft sukzessive das eigene Fundament ab, weil man sich thematisch so beliebig gemacht hat, dass der Markenkern völlig verloren gegangen ist. Ich habe es schonmal geschrieben, man kann nur dann barmherzig und respektvoll sein, wenn der eigene Glaube stark ist. Nur wenn man weiß, was man selbst ist und wo man hin will, dann kann man auch souverän mit anderen Ideen und Konzepten umgehen. Der Niedergang der christlich abendländischen Kultur ist eine Katastrophe, nicht weil es um die Instituion geht, die ist erst mal sekundär, aber weil das grundlegende Wertesystem erodiert und die Menschen sich woanders Alternativen suchen. Und so zerfällt eine Gesellschaft sukzessive in kleine Gruppen und das einende, der gesellschaftliche Konsens geht verloren. Und ja, diese gesellschaftliche Erosion ist zuforderst auch die Schuld der Kirche, die es nicht vermocht hat, eine passende Antwort auf die Herausforderungen der Jetztzeit zu geben, weder programmatisch noch institutionell. Und ich habe große Zweifel, ob man das, was schon verloren gegeangen ist, wieder zurück holen kann.


    Und somit ist der Leerstand unserer Kirchen eine logische Folge. Mit dem Rückzug der Kirche aus der Gesellschaft verschwindet sie auch zunehmend aus den Stadtbildern, erst in den Städten und zunehmend auch auf dem Land. Es ist damit nicht nur ein institutioneller Tod, sondern auch der Tod von architektoischen Ankerpunkten unserer Städte. Neben dem Marktplatz waren die Kirchen der städtebauliche Grundpfeiler jeder Stadt. Dieses Kapitel neigt sich nun dem Ende entgegen, es ist eine Zäsur aller erster Ordnung. Bleiben wird die Kirche wenn überhaupt als touristisches Kuriosum, als Event, dass man sich anschaut wie ein Museum oder die Schlösser der Könige. Fakt ist, die Kirche ist Vergangenheit und nicht Zukunft.


    PS: Sorry, dass es so lang wurde ;)

    APH - am Puls der Zeit

  • @ Apollo, das scheint mir zu stimmen!
    Auf den Punkt gebracht: die Zeit der Priester ist vorbei und damit das, was sie vertreten, den kirchlich organisierten Ritus der Glaubensvermittlung. Das erübrigt dann auch die architektonische Manifestation dieses Ritus.
    Der Mensch ist aufgerufen, das Göttliche in sich selbst zu entdecken.
    Vielleicht werden viele Kirchen zu alternativen Begegnungsräumen, zu Kulturstätten oder zu Meditationsräumen umfunktioniert. Ich hoffe man wird Wege und Nutzungskonzepte finden die großen bedeutsamen Bauten, aber auch viele der Kleinodien in irgendeiner würdigen Weise umzunutzen. Das ist eine Entwicklung, die schon begonnen hat und die die vielleicht nächsten einhundert Jahre und länger anhalten wird. In Mittel-Westeuropa wird es schneller gehen!
    Ganz ohne äußere Revolution oder Bilderstürme, schlicht durch geistige Evolution.

  • Das stimmt, aber das Problem ist nicht, dass die Kirchen der Vergangenheit angehören, sondern dass die moderne Gesellschaft keinen Weg findet, sich architektonisch auszudrücken. Kirchen waren oft ein gemeinschaftlicher künstlerischer Ausdruck. Sie waren das Beste, was die Region bieten konnte. Gleiches gilt für Rathäuser.


    Diese Orte waren für gesellschaftliche Zusammenkünfte sogar noch wichtiger.
    Es ist nicht wirklich notwendig, heute neue Kirchen zu bauen, um architektonische Meisterwerke zu bringen. Sie könnten andere wichtige Strukturen mit den gleichen Prinzipien aufbauen. Leider ist die moderne Gesellschaft nicht bereit, sich zu engagieren. Vielleicht liegt es daran, dass die Gesellschaft nicht mehr stolz auf ihre lokale Kultur, ihr Land und ihre Stadt ist.


    Nun aber zurück zu den Kirchen. Ich werde mit einer kleinen Liste Spanischer Kirchen fortfahren. Spanien hat ein so reiches Erbe, dass es fast unmöglich ist, sich zu entscheiden. Ich werde mich auf nur fünf Beispiele beschränken, egal wie schwer es ist, eine Wahl zu treffen.



    1. Die Kathedrale von Sevilla



    Symbol für Spanien und seine früheren Ambitionen Das zweitgrößte Kirchengebäude nach der Petersdom von Rom. Es ist ein Schaufenster aller architektonischen Tradition Spaniens, sowohl innen als auch außen, einschließlich des mächtigen Glockenturms / Minaretts Giralda, das ein Überbleibsel aus muslimischen Zeiten ist.





    2. Basílica del Pilar



    Eine der schönsten Barockkirchen der Welt. Saragossa hat viele architektonische Meisterwerke, und Basílica del Pilar ist ein Juwel in einer Krone.




    3.Almudena-Kathedrale in Madrid



    1993 fertiggestellt! Passt perfekt zum gesamten architektonischen Ensemble. Es hat auch ein wunderschönes Interieur.







    4. Kirche von San Nicolás, Valencia.



    Das spanische Barock war schon immer das am meisten dekorierte, das aufwendigste, das extremste und verrückteste. Diese kleine Kirche ist vielen unbekannt, und doch hat sie eine der schönsten und beeindruckendsten Innenräume.





    5. Sagrada Familia



    Natürlich muss die Liste es enthalten. Es ist unmöglich, diese Kirche aus Bildern zu verstehen. Tatsächlich hat Gaudi geplant, dass die Kirche das ausdrucksstärkste Theater ist, das jemals in Stein gemeißelt wurde. Die Sagrada Familia ist ein perfektes, nachdrückliches Beispiel dafür, was unsere Vorfahren empfanden, als sie Zeuge der Entstehung großer Kathedralen waren.

  • Boah, ja! Spanien ist in weiten Teilen für mich noch eine terra incognita, außer Andalusien. Bitte mehr noch von der Basilica del Pilar, z.B. Innenaufnahmen!


    Ich würde für Spanien noch El Escorial hinzufügen wollen. Das gesamte Kloster-/Palastareal!



    Von Turismo Madrid Consorcio Turístico from Madrid, España - Monasterio EscorialUploaded by Ecemaml, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6581920

  • Ich würde die Kirche gar nicht so sehr abschreiben, wie ihr es hier tut. In der Geschichte gab es immer ein Hin und Her zwischen Wissenschaft und Religion, zwischen Materialismus und Metaphysik. Das meine ich nicht wertend, sondern rein historisch-analytisch. Auf die magische Barockfrömmigkeit folgte die rationalistische Aufklärung, die aber ihrerseits wiederum von der spirituell-religiösen Romantik abgelöst wurde. Ist die Religion einer Epoche alt und welk geworden, hat sie ihre Vitalität verloren, so wird sie nach und nach von einem kalten, pragmatischen Skeptizismus abgelöst, der in Opposition zum Vorangegangenen jegliche Transzendenz anzweifelt. Der Glaube ist jedoch nicht tot, wie die Sonne nach antiker Vorstellung sammelt er bei Nacht die Kräfte, um am nächsten Morgen in alter Macht wiederzukehren. Die Menschen der rationalistischen Phase spüren einen tiefen Mangel, den sie vielleicht gar nicht einmal wirklich identifizieren können, ein wichtiger Seelentrieb wird nicht befriedigt und die Lücke versuchen sie mittels radikaler Ideologien zu schließen. Der Thron Gottes bleibt eben nicht unbesetzt. Irgendwann schließlich gibt es die Wiedergeburt einer neuen Frömmigkeit, die sich von der Religion der Spätzeit gerade dadurch unterscheidet, dass sie nicht zu Konzessionen und Kompromissen bereit ist. In Bezug auf den Gegensatz Religion - Wissenschaft wäre natürlich ein Mittelweg ideal, aber oft fallen leider auch die positiven Aspekte der vorherigen Elite der Radikalität einer Machtübernahme zum Opfer. Diese Polarität aufeinanderfolgender Epochen lässt sich historisch häufig beobachten, nicht nur in der Religion, sondern auch zum Beispiel in der Architektur. Auf Epochen prächtiger Ornamentik folgt die Idealisierung von reduzierter Schlichtheit und umgekehrt. Das schwelgende, verschnörkelte Rokoko wich zugunsten eines geraden, klaren Klassizismus. Der Historismus trieb Ornament und Schmuck auf die Spitze, dies beinhaltete beinahe eine unausgesprochene Aufforderung an die nächste große Epoche, Bauhaus, es ihm gleichzutun und sich auch im Extremen zu verwirklichen.


    Das heutige Christentum ist praktisch keine wirkliche Religion mehr. Anstatt sich auf die Transzendenz und das Jenseitige zu konzentrieren, ist die Kirche total in irdischen Sphären verhaftet, hat sich in suizidaler Selbstaufgabe dem materialistischen Zeitgeist angepasst und selbst säkularisiert. Im Endeffekt erscheinen die Kirchen heute mehr als politische Vereine denn als spirituelle Heilsanstalten. Das Christentum muss - und wird - sich wieder auf seine Wurzeln zurückbesinnen, dann traue ich der Kirche durchaus eine neue Blütezeit zu.


    Aber nun zurück zu den Kirchenbauten: Spanien ist wirklich herrlich! Fast erscheint es mir so, als hätte die maurische Ornamentik sich den Spaniern tief eingeprägt und in späteren Werken der Renaissance und des Barocks Rückkehr gefeiert. Spanien neigte zu einem sehr mystischen Katholizismus, dementsprechend sind die Kirchenräume oft eher düster und entfesselt. In den Bauten kommt jene dramatische Majestät zum Ausdruck, die man auch im Klang der spanischen Sprache zu erkennen gemeint hat (ich erinnere an das wohl bekannteste Zitat Kaiser Karls V.).

  • Vielleicht sollte klarer zwischen Glaube, Kirche als Organisation, Religion und Spiritualität unterschieden werden!? Worum geht es zukünftig?

  • In welcher Art und Weise sich die Rückkehr der Religion gestalten wird, weiß ich nicht. Ich hoffe inständig, dass es der Kirche gelingt, das Steuer noch einmal herumzureißen, da mir das Christentum, was die Lehre anbelangt, die sympathischste Religion ist und es auch einfach mit all seinen Traditionen und Kulturwerten zu uns Deutschen und Europäern gehört. Abseits dieser Erwägungen bin ich auch - mal mehr, mal minder - gläubiger Christ. Geht die Kirche unter, so bedeutet das nicht, dass der von der Kirche propagierte Religionsbegriff verschwindet, es treten dann lediglich neue Akteure auf den Plan, die ihre Rolle einnehmen. Die Versuche, einen Kult individueller Spiritualität als neuen Glauben zu etablieren, mögen zwar an sich gut gemeint sein, ich halte sie jedoch nicht für ausreichend, um den Hunger nach sinnstiftender Religion zu stillen, der viele Menschen befallen wird, wenn sich eine materielle Krise zu der schon bestehenden, sich dann aber noch verschlimmernden geistigen Krise gesellt. Institutionalisierung der Religion bedeutet einen evolutionären Vorteil, denn sie ermöglicht koordiniertes Vorgehen. Eigentlich kann (komplexe) Religion gar nicht so wirklich ohne Institution funktionieren. In Zeiten wiedererstehender Frömmigkeit wollen die Menschen eben keine Freiheit in der Religion, sondern urwüchsigen, mystischen, absoluten Glauben, das Erlebnis der Gruppe, das Gefühl, einer auserwählten Gemeinschaft von Wissenden anzugehören. Ich will das gar nicht als positiv darstellen, ich beschreibe es lediglich als historisch-gesellschaftlichen Mechanismus. Was ich mir generell wünschen würde, wäre eine wirklich skeptische, rationale Gesellschaft. Begriffe wie Skeptizismus/ Rationalismus werden heutzutage nicht wirklich im Sinne von echter Objektivität verwendet, sondern man hat ihnen einen atheistischen, materialistischen Stempel verpasst. Selbst wenn man nicht von der Existenz eines Gottes ausgeht, so muss man doch anerkennen, dass Religion in einem gewissen Rahmen der Gesellschaft nützt, sogar in meiner atheistischen Phase habe ich das eingesehen. Es sollte also einen Mittelweg geben zwischen Religion und Wissenschaft, zwischen einer materialistischen Weltsicht und einer spirituellen, denn beide Pole haben ihre Vorzüge als auch ihre Gefahren. Angesichts meiner Ausführung ist es wahrscheinlich unmöglich, ich weiß. Das ist eine große Tragödie der Menschheit, dass wir immer so zu Extremen neigen müssen...


    Auch die Tristesse heutiger Architektur hängt mit unserem Mangel an Spiritualität zusammen. Stirbt die Idee absoluter Wahrheiten, so muss zwangsläufig auch die alte Vorstellung einer transzendenten Schönheit fallen, folglich endet man im Relativismus. Da es die Schönheit per se dann nicht mehr geben darf, muss sich die Kunst eben einen neuen Zweck suchen und der ist dann Gesellschaftskritik. Schöne Kirchen, wie wir sie in diesem Strang betrachten dürfen, waren immer auch der Versuch, sich einem objektiven Bezugspunkt, nämlich der Schönheit in Gott, anzunähern. Dieses alte Ideal der Schönheit mag zwar nicht tot sein, da es fest in den meisten Menschen verankert ist, an Strahlkraft hat es jedoch ohne Zweifel eingebüßt, da es seine Unantastbarkeit verloren hat. So ist es nicht verwunderlich, dass, abgesehen von der Sagrada Familia, alle Lieblingskirchen, die hier bisher von den Usern genannt wurden, aus prämodernen Zeiten stammen.