Am 9.November findet unser großes Initiativentreffen in Frankfurt am Main statt. Unter der Rubrik "Aktuelles und Allgemeines" finden Sie alle Informationen vor.

Berliner Stadtschloss (Aktuelles und Baugeschehen)

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    • Die Redakteure haben es uns mit ihrer dpo(!)-Nachricht übrigens leicht gemacht: Um die Südseite erhalten zu können, muss die Südseite zurückgebaut werden....
      Ich grinse innerlich, wenn ich daran denke, wie einige Schlossgegner, die diese Nachricht erfreut zur Kenntnis genommen haben, reagieren, wenn sie merken, dass dennoch weitergebaut wird....
      Allerdings sollen die Baumaßnahme am Umfeld sich bis 2023 hinziehen - nicht zuletzt wegen der U-Bahn.
      Tja, im New York der 1930er Jahre hat man das Empire State Building in 19 Monaten gebaut....
    • Wie ich aus sicherer Quelle erfahren habe, wurde mit den Abrissarbeiten die renommierte Firma WaltUlb beauftragt, die bei der Beseitigung historisch bedeutender Bausubstanz in der Vergangenheit hohes Fachwissen sammeln konnte. Jedoch sei es das erst Mal, dass ein Gebäude abgerissen wird, das eine Rekonstruktion eines bereits durch die Firma WaltUlb beseitigtes Baudenkmal ist.
      Der Firmeninhaber hofft auch den Zuschlag für den 2049 geplanten Abriss des Garnisonkirchturms zu erhalten. Dies wäre dann das zweite Mal, dass ein Bauwerk erneut durch WaltUlb abgerissen wird. Die Kritik, dass beim ersten Abriss einiges nicht nach Plan verlief und der halbe Turm zunächst stehen blieb, wies der Firmeninhaber energisch zurück und betonte deutlich, dass dies eine Sabotage konterrevolutionärer Elemente gewesen sei.
    • Mitarbeiter der Fa. WaltUlb sollen vor dem Staatsratsgebäude Löcher für Fahnenmasten ausheben. Allerdings wissen sie nicht, wohin mit dem Aushub. Also graben sie ein weiteres Loch, entsorgen dort den Aushub, doch hat sich nun schon wieder ein neuer Haufen gebildet. Sie graben ein weiteres Loch - mit demselben Resultat, und noch ein weiteres. Der Firmenchef beobachtet das eine ganze Weile und gibt dann den entscheidenden Rat: "Ihr müsst tiefer graben, Genossen!".
    • Seinsheim wrote:

      War der BZ-Artikel Dein Meisterwerk, lieber @Henry H.? :)
      Wohl kaum, sonst wär der Schwindel ja nicht so schnell aufgeflogen :biggrin:

      Vor allem wenn man bedenkt daß es in Berlin noch immer gewisse Subjekte Leute gibt, welchen das Schloß ein Dorn im Auge ist.
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • Kaiser Karl wrote:

      Zwei Ansichten des Schlosses. Die Barockfassade und der Ostblock bei seitlicher Sonneneinstrahlung (von links). Die Barockfassade wirkt wesentlich plastischer und festlicher. Der Ostblock dagegen kalt, steril und monumental. Als rein modernes Gebäude an einem anderen Platz wäre er architektonisch nicht unbedingt schlecht. Jedoch an diesem Standort ist schon vorprogrammiert, dass er eines fernen Tages abgerissen wird.
      Das ist doch lächerlich naiv. Ich meine, ich weiß, daß hier die Traditionalisten von der Vergangenheit träumen und in seligen Zeiten schwelgen. Das sei Euch auch gegönnt. Ich freue mich auch über historische Rückbezüge.

      Aus meiner Sicht ist es aber ungeheuer weltfremd, davon auszugehen, daß die Stella-Fassade dereinst mal ersetzt wird. Zumal sie gerade das Schmuckstück des Schlosses ist. Erst durch diese Fassade wird das Schloß zum Unikum und typischen Berolinismus. Genau so paßt es wunderbar zu Berlin.

      Ich verstehe beim besten Willen diesen Drang zur Langeweile nicht, wie er bei den Schloß-Romantikern vorherrscht. Es ist eine noble Sache, daß sich Stadtbild Deutschland für Rekonstruktionen und Historisierungen etc. einsetzt. Ich empfinde diesen naiven Traditionalismus, wie er hier zuweilen zelebriert wird, aber als ähnlich weltfremd wie den blutleeren Modernismus, der alles Vergangene verteufelt und sich mittels pseudointellektueller Akrobatik seine Geschichts- und Gesichtslosigkeit schönredet.

      Also man kann die Stella-Fassade ja ruhig häßlich finden, aber man sollte doch realistisch sein.

      Ich persönlich bin sehr begeistert von dem Effekt der Stella-Fassade. So ein cooles Schloß gibt's nur in Berlin.

      PS: Und der Bezirksbürgermeister von Mitte scheint wohl ein Kulturbanause zu sein. Ist der von der Linkspartei? Von den Grünen? Ist jedenfalls immer wieder peinlich zu sehen, wie die linken Parteien an ihrer Gesinnungsethik des vermeintlich Fortschrittlichen hängen. Nach dem Motto: Wer links ist, muß gegen barocke Fassaden sein.
    • Lieber Echter Berliner,

      Lass mich kurz drei Anmerkungen loswerden.

      1) Es gibt hier schon eine gewisse Ausgewogenheit. Ich habe noch nirgendwo im Forum den Wunsch gelesen, alles Neue abzureißen und durch uralte Vorgängerbauten zu ersetzen. Hier freut man sich vielmehr ausdrücklich über Architekten, die es auch in der heutigen Zeit schaffen, interessante Bauten zu erschaffen, deren Architektur sich dem Schema Kastenbau entzieht.

      2) Beim Berliner Schloss handelt es sich um eine Rekonstruktion eines historischen Gebäudes. An diesem Maßstab werden hier alle vier Seiten gemessen. Dass dabei eine gewisse Seite schlecht abschneidet, ist nicht zu verwundern. Hier muss die Rekonstruktion auch nach objektiven Gesichtspunkten als gescheitert betrachtet werden.

      3) Der Ostblock am Schloss hat auch nach heutigen Architekturmaßstäben den Charme eines ersten Übungsstücks eines Azubis an einer CNC-Fräsmaschine.
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      Gutmensch = Gut gedacht, nicht nachgedacht, schlecht gemacht
    • Martintre wrote:

      2) Beim Berliner Schloss handelt es sich um eine Rekonstruktion eines historischen Gebäudes. An diesem Maßstab werden hier alle vier Seiten gemessen. Dass dabei eine gewisse Seite schlecht abschneidet, ist nicht zu verwundern. Hier muss die Rekonstruktion auch nach objektiven Gesichtspunkten als gescheitert betrachtet werden.

      3) Der Ostblock am Schloss hat auch nach heutigen Architekturmaßstäben den Charme eines ersten Übungsstücks eines Azubis an einer CNC-Fräsmaschine.
      Also wer meinen Beitrag ernst- und gewissenhaft gelesen hat, wird verstanden haben, daß es mir um die völlig unrealistische Vorstellung ging, daß die Stella-Fassade dereinst mal abgerissen werden wird. Das ist für mich traditionalistische Gesinnungsethik. Mir geht's um diese Realitätsfremdheit, die man ja auch bei Modernisten findet, nur eben auf modernistisch.

      Die Stella-Fassade wird angesichts der Berliner Verhältnisse frühestens in 100 Jahren abgerissen. Und dann wird sie wiederum historisch sein und noch mehr Liebhaber haben.

      Anderes Thema: Das Schloß ist keine Rekonstruktion. Ich empfinde es auch als anmaßend zu behaupten, hier sei irgendetwas "objektiv" gescheitert. Klingt nach Merkels Alternativlosigkeit. :)

      Noch etwas Positives zum Schluß: Ich befürworte es durchaus, dereinst mal die Apotheke isoliert neben der Stella-Fassade aufzubauen und dort ein Schloßmuseum unterzubringen. Falls genug Platz ist.

      Das sähe noch mal richtig cool aus und wäre ein schöner Berolinismus. Ein eigenes Museum über das Schloß in der Apotheke. Das wäre absoluter Kult und würde noch mal das ästhetische Schloß-Erlebnis enorm steigern. Wie Ihr seht, bin ich ein Fan von Dialektik und Ganzheitlichkeit und gegen ideologische Schwarz-Weiß-Sichtweisen.
    • @ Echter Berliner: Als ein waschechter Berliner fühle ich mich mehr als sonst berufen zu kommentieren.

      Wie nur kannst du bestimmend behaupten, dass Menschen mit dem Wunsch nach Abriss der Stellafassade realitätsfremd wären?

      Die Geschichte hat unlängst aufgezeigt, wie schnell sich Realitäten ändern können.
      Alles eine Frage des Zeitgeistes.

      Es gab Zeiten, da hat womöglich kaum einer getraut sich vorzustellen, dass dieses grandiose Kunstwerk Stadtschloss mutwillig vernichtet werden könnte.

      Es gab Zeiten, da hat wohl kaum jemand mit der Wiedervereinigung Deutschlands gerechnet usw.

      Das Schloss ist durch diese Ostfassade erst ein Unikum, durch sein vermeintliches Schmuckstück?
      Im Ernst?

      Was bitte war es in seinem ursprünglichen Zustand?
      Kein Unikum?
      Kein Schmuckstück?
      Kein harmonisches Gesamtkunstwerk?

      Ich identifiziere mich nicht mit Begriffen wie Ewiggestriger oder Traditionalist oder sonstwie.

      Ich bin beides nicht aufgrund einer bewussten Entscheidung, sondern aus sich aus dem weitreichenden städtebaulichen und architektonischen Versagen der Moderne ergebender Konsequenz.

      Denn wenn ich die barocken Fassaden des Stadtschlodsses betrachte bin ich alles, aber keinesfalls gelangweilt.
      Im Gegenteil, im schönsten Sinne inspiriert.


      Gruß aus Berlin.
    • @Echter Berliner:

      Also, ich finde es ja schön, wenn man intolerante Bevorzugung von Extremen zu vermeiden versucht. Ich bin auch kein Freund davon, eine extreme Sicht zur einzig wahren zu erklären. Und mir gefallen auch einige moderne Gebäude recht gut.

      Aber ebenso deutlich bin ich dagegen, mit aller Gewalt die Mitte zwischen zwei Extremen zur einzig wahren, weil maximal toleranten Sicht zu erklären. Man sollte also diesen, sagen wir mal, „Hybridismus“ nicht über Traditionalismus oder Modernismus erheben. Sonst schafft man letztendlich nur eine andere Form von Gesinnungsethik.

      Das ist so, als wenn man zwischen Marmeladenliebhabern und Bratwurstliebhabern zu vermitteln versucht, indem man Bratwurst mit Marmelade zum einzig wahren, weil ganzheitlichen Gericht erklärt.

      Natürlich ist das Berliner Schloss eine historische Rekonstruktion, und zwar eine der genauesten, die mir aus der jüngeren Geschichte bekannt sind. Der dafür betriebene Aufwand war atemberaubend. Ebenso objektiv klar ist, dass die Ostseite als einzige Außenseite keinerlei Ähnlichkeit mit dem Original aufweist.

      Und ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, dem die Zwangsvermischung dieser Baustile ungefähr so gut gefällt wie Bratwurst mit Marmelade.
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      Gutmensch = Gut gedacht, nicht nachgedacht, schlecht gemacht
    • Martintre wrote:

      Das ist so, als wenn man zwischen Marmeladenliebhabern und Bratwurstliebhabern zu vermitteln versucht, indem man Bratwurst mit Marmelade zum einzig wahren, weil ganzheitlichen Gericht erklärt.
      Martin, jetzt hast du was in die Welt gesetzt! Du wirst sehen: Bratwurst mit Marmelade wird der ultimative obercoole Berlintrend. Damit wird Berlin endlich zum echten Berlin. Geheimtipp: Am authentischsten schmeckt Bratwurst mit Marmelade, von echten Berlinern liebevoll "Brawumamel" genannt, im Dachrestaurant des Humboldt Forums sowie auf der Spreeterrasse des HuFo.

      Aber jetzt wieder ernsthaft. Ich denke, ob das Schloss als cool wahrgenommen wird, dürfte eher von dem Kulturprogramm abhängen, dass dort geboten wird. Wenn das HuFo eröffnet, wird man erst mal genug damit zu tun haben, dieses riesige Kulturzentrum zum Laufen zu bringen, und die Kulturfeuilletons werden das sehr kritisch begleiten. Wenn das moderne Nutzungskonzept aufgeht und viele Leute tolle Erlebnisse mit dem Humboldt Forum verbinden, werden auch die modernen Fassaden des Gebäudes und vor allem das Miteinander von historischer und moderner Architektur von vielen positiver wahrgenommen werden als derzeit noch. Andererseits werden die Barockfassaden des Schlosses nach Eröffnung des Hauses noch präsenter werden, da die Innenportale und der Schlüterhof dazukommen und keine Baustelleneinrichtungen die Menschen von den stadtseitigen Fassaden fernhalten. Und wir sollten auch die Schlosskuppel nicht vergessen, die ihre Wirkung ja erst noch entfalten muss. Wenn echte Berliner und andere Leute aber auch durch die moderne Architektur und modernes Design im Innern für das neue Schloss eingenommen werden, sollte uns das recht sein. Das Berliner Schloss bleibt spannend.
    • Martintre wrote:



      Das ist so, als wenn man zwischen Marmeladenliebhabern und Bratwurstliebhabern zu vermitteln versucht, indem man Bratwurst mit Marmelade zum einzig wahren, weil ganzheitlichen Gericht erklärt.
      Das ist irgendwo der Zeitgeist - es würd mich nicht wundern wenn Bratwurst mit Marmelade in Berlin den Renner macht - ein bayrischer Leberkaskrapfen ist mindestens genau so grausam - aber hier sieht man doch auch mal wie sich Gesellschaft und Architektur irgendwie gleichen - etwas modernistisches mit etwas historischen zusammenschmeißen ist zwar keine kulinarische Grausamkeit, wohl aber eine optische. Wenn ich hier vielleicht mal einen musikalischen Vergleich ziehen darf - akustisch wäre es in etwa wenn jemand was Klassisches auf dem Klavier in Des Dur spielt und ein Saxofonspieler haut gleichzeitig was modernes in a.moll rein.
      Modernistisches sollte im modernistischen Umfeld zu finden sein und Historisches im historischen.
      Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf daß der Ostblock des Schlosses als Provisorium irgendwann mal vom Original (der älteste Tel des Schlosses) ersetzt wird.
      Mit Ziegelsteinen kann man Fensterscheiben zerstören, mit Glas, Stahl und Beton ganze Städte.
    • Echter Berliner wrote:

      [...] wird verstanden haben, daß es mir um die völlig unrealistische Vorstellung ging, daß die Stella-Fassade dereinst mal abgerissen werden wird. Das ist für mich traditionalistische Gesinnungsethik. Mir geht's um diese Realitätsfremdheit, die man ja auch bei Modernisten findet, nur eben auf modernistisch.

      Die Stella-Fassade wird angesichts der Berliner Verhältnisse frühestens in 100 Jahren abgerissen.
      Bei der Eröffnung des Palastes der Republik 1976 wird auch niemand gedacht haben, dass damit in 30 Jahren bereits wieder Schluss ist...