Bin gespannt, ob und wie die üblichen Verdächtigen, auch das wieder schönreden...
Ich bin jedenfalls echt entsetzt. Ich habe bei allen Vorbehalten gegenüber der Stiftung HF tatsächlich nicht gedacht, dass man soweit gehen würde. Bei Bannermasten oder Sitzmöbeln gab es zumindest sowas wie eine Vorwarnung.
Berliner Schloss
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Das ist in Wien schon gang und gäbe- aber nicht so zurückhaltend - bei uns werden ganze Barockfassaden auf diese Weise entstellt.

Von Gryffindor - Eigenes Werk, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1274797
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Die müssen Geld machen. Die Kultur wird immer weniger subventioniert, da geht es offenbar nicht anders.....
Versteht mich bitte nicht falsch. Mir gefällt das auch gar nicht. Auch am Dresdner Schloss hängen zwei megagroße Banner runter....
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Das ist in Wien schon gang und gäbe- aber nicht so zurückhaltend - bei uns werden ganze Barockfassaden auf diese Weise entstellt.

Von Gryffindor - Eigenes Werk, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1274797
Fehlt nur noch Zieh-Garetten-Werbung - "Der Geschmack von Freiheit und Abenteuer".
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Ich verstehe diese küntliche Aufregung nicht. Solange an den Fassaden für Kultur geworben wird, gar für das eigene Haus, ist daran nichts auzusetzen, solange damit nicht ganze Fassaden verdeckt werden. Effektiv dürfte es allemal sein.
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Sehe ich ehrlich gesagt auch so. Das gehört halt zu einem Museum. Das Basler Kunstmuseum aus den 1920ern (schöner Bau) hat auch dauernd solche Werbung an der Fassade. Finde ich auch unnötig, da jeder halbwegs informierte Besucher letztlich weiß, was man in den Gebäuden vorfindet. Aber eben, ungewöhnlich ist es nicht. Mich stören andere Auswüchse und Geschmacksverirrungen unseres Zeitgeists wesentlich mehr, gerade auch auf Berlin und die Berliner Architektur bezogen. Man muss nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen.
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Das Foto aus Wien zeigt das Lobkowitzpalais am Lobkowitzplatz. Links ist die Augustinergasse. Im Hintergrund lugt ein Stück vom Josefsplatz hervor. Das Lobkowitzpalais ist ein Meisterwerk von Giovanni Pietro Tencalla. Offensichtlich sagen diese Namen nur wenigen etwas. Da lese ich von "Mücken" und "künstlicher Aufregung". Bin ich hier wirklich in einem Architekturforum oder habe ich mich verlaufen? Ist es noch erlaubt, sich für Bau-Kunst zu begeistern, oder zählt nur noch die vom Kulturbetrieb bereitgestellte und beworbene Kultur im Inneren der Gebäude?
Es geht ja auch anders:
In Leipzig gab es am Turm des Alten Rathauses jahrelang Bannerwerbung für die Ausstellungen des Stadtgeschichtlichen Museums. Vor einigen Jahren wurde die Fassade des Rathauses restauriert. Dabei wurde auch die Turmuhr erneuert. Nach dem Abbau der Gerüste wurde keine Bannerwerbung mehr angebracht. Und so, ohne großflächige Reklame, sieht ein Renaissance-Rathaus einfach besser aus.Die Plakate neben dem Berliner Schlossportal einfach an die Wand zu klatschen, ist derart stillos. Das hätte ich nicht für möglich gehalten.
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Der Punkt ist doch, dass solche Bannerwerbung, unabhängig ob angemessen oder nicht, keinesfalls etwas besonderes ist. So sehen nun einmal heutzutage, zum guten wie zum schlechten, Kunstmuseen aus. Darin einen weiteren Hinweis auf die Große Verschwörung gegen das Berliner Schloss lesen zu wollen ist unbegründet.
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Es ist meine Schuld, ich habe die "üblichen Verdächtigen" mit meinem früheren Kommentar herbei beschworen.

Mal ernsthaft, in diesem Forum befinden sich Menschen, die für die Schlossfassade gespendet haben, große Summen, kleine Summen, auch wenn sie vielleicht selbst nicht viel Geld im Portemonnaie übrig haben.
Menschen, denen der Wiederaufbau des Berliner Schlosses tatsächlich sehr am Herzen liegt, die über viele Jahre keinen Tag verpasst haben, um auf den Webcams den kleinsten Fortschritt ausfindig zu machen.
Es sollte jedem hier verständlich sein, dass es diese Menschen enttäuscht bis entsetzt, dass man nun diese Fassaden mit Werbebannern zu plakatiert. Und das nach allen Infostelen und Bannermasten, mit denen das komplette Umfeld des Berliner Schosses/Humboldt-Forums bereits in einem exzessiven Maße zugestellt ist. Wie soll das noch weitergehen? Was kommt als nächstes?
Etwas, was ich mich mittlerweile wirklich frage: Könnte der Marketing-Ansatz des Humboldt-Forums vielleicht das Problem des Aufmerksamkeitsdefizits sein?
"Humboldt-Forum"... Was soll das eigentlich sein? Das sagt keinem uneingeweihten Berliner und keinem Berlin-Besucher auf Anhieb etwas. Das ist viel zu abstrakt, und wenn man sich die Mühe macht und Zeit nimmt sich genauer zu informieren (und viele machen das nicht), erscheint das Konzept für viele zu abgehoben. Dann doch lieber in eines der anderen "normalen" Museen der Museumsinsel gehen.
Daher drei kleine Anregungen an die Leute vom HF:
1) Sträubt und verkrampft euch weniger, das Berliner Schloss das Berliner Schloss zu nennen. Ein Schloss ist etwas tolles, etwas aufregendes, selbst ein frisch wiederaufgebautes, besonders ein frisch wiederaufgebautes. Das zieht Besucher an und macht neugierig.
2) Macht aus dem Humboldt-Forum ganz einfach das Museum für Asiatische Kunst und das Ethnologische Museum. Darunter kann man sich etwas vorstellen.
3) Nehmt den erhobenen Zeigefinger runter oder macht es zumindest subtiler. Viele Menschen haben es satt, sich von oben herab belehren zu lassen, und sich eine Schuld einreden zu lassen.
Und viele von denen, die tatsächlich voll auf einer Linie mit diesem Schuld-Ansatz sind, boykottieren solche Museen, weil sie sich das Ganze "Raubgut" gar nicht erst sehen möchten, und diese Museen nicht unterstützen möchten.
Vor einer Weile habe ich einen Vlog auf Youtube gesehen, in dem eine Touristin aus Asien filmend durch das Asiatische Museum ging und ihren Zuschauern verkündete: "Alles was ihr hier seht wurde von uns geraubt!"
In den Kommentaren herrschte große Empörung. Da wurde das Humboldt-Forum, Berlin, Deutschland, alle Weißen beschimpft.
Die Idee, dass das Humboldt-Forum nichts als eine Zurschaustellung von kolonialem Raubgut ist, haben die HF-Leute selbst den Menschen in den Kopf gesetzt.
Der ursprüngliche Plan die Museumsinsel zu erweitern und zu vollenden, indem man im wiederaufgebauten Berliner Schloss außereuropäische Kunstwerke auf einer Augenhöhe mit europäischen Kunstwerken ausstellt, ist krachend gescheitert.
Und daran können noch zu viele grelle Plakate, Banner und Fahnen etwas ändern. -
Zu den Bannern: kann man so oder so sehen und grundsätzlich die Plakatwerbung an Museen kritisieren. Da bin ich sogar dabei. Mir ging es in erster Linie darum, zu sagen, dass das unter Museen (weltweit) keine Seltenheit ist.
Was das Konzept „Humboldt Forum“ betrifft: Ich war von Anfang an skeptisch. In meinen Augen hätte hier die Gemäldegalerie Alte Meister untergebracht werden sollen (wie es meines Wissens in der Anfangsphase zumindest als Möglichkeit im Raum stand), als Ergänzung zur Alten Nationalgalerie. Hülle und Inhalt hätten dadurch sogar gepasst. Barocke Malerei in barockem Schloss. Dieses seltsame Humboldtforum empfinde ich hingegen als undurchdachten und lediglich dem Slogan „Weltoffenheit!“ verpflichteten Krampf, bei dem Absicht und Ergebnis sich nicht decken wollen. Man hatte Bedenken, ein preußisches Schloss aufzubauen und versuchte es mit Kunsthandwerk aus der Dritten Welt ideologisch abzufedern. Man versuchte also, das Bauwerk von Anfang an durch größtmögliche Widersprüche zu konterkarieren. Wie gesagt: sehr krampfig, keinerlei Leichtigkeit will sich dabei einstellen, wie es bei solchen Kopfgeburten halt der Fall ist. Ich selbst gehe in Museen nicht, um ein „Statement“ zu setzen, sondern um Kunst zu genießen. Meistens europäische und keine Völkerkunde. Es ist auch nicht so, dass ich dagegen bin, die außereuropäische Sammlung zentraler zu präsentieren, aber ich halte den gewählten Ort für denkbar ungeeignet dafür. Aber das ist meine bescheidene Meinung dazu und ich verstehe jeden, der andere Schwerpunkte setzt. -
Erneute Stellungnahme der Stiftung Humboldtforum gegen die Stänkereien der Herren Oswalt und Zimmerer:
https://www.humboldtforum.org/wp-content/uploads/2024/05/20240513_HF_Stellungnahme-1.pdf
Die bitterböse Replik von Herrn Zimmerer wiederum erfolgte einen Tag später:
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Solange an den Fassaden für Kultur geworben wird, gar für das eigene Haus, ist daran nichts auzusetzen, solange damit nicht ganze Fassaden verdeckt werden
nein. Es wird dadurch eine Fassade, die durch öffentliche Gelder erhalten wird und aufgrund ihrer Ästhetik wie kulturgeschichtlichen Bedeutung von öffentlichem Interesse ist, in ihrer Wirkung schwerwiegend beeinträchtigt (2 Fensterachsen!!) . Man macht sozusagen MIT einem Gebäude AUF DESSEN Kosten Werbung. Abgesehen davon sind wir doch alle eher gegen Kommerzialismus. Mich regen diese Wiener Beispiele ungemein auf. Eine Barockfassade als Plakatwand zu missbrauchen (wie eine Brandmauer) ist doch letztklassig. Allein diese Idee...
Das Foto aus Wien zeigt das Lobkowitzpalais am Lobkowitzplatz. Links ist die Augustinergasse. Im Hintergrund lugt ein Stück vom Josefsplatz hervor.
Ja genau, und am Josefplatz geht es mit dem Bibliotheksaal munter weiter, das Herzstück des Platzes macht Werbung für den Saal. Fortsetzung folgt am Michaelerplatz.
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Ich finde diese Behängung von historischen Gebäuden auch nicht schön. Im Gegenteil, mich stört es auch. Mir ging es darum, dass es sich nicht um eine gezielte Attacke gegen das Berliner Schloss handelt. Auch die Albertina in Wien, das Albertinum in Dresden usw. haben Freundeskreise und Fördervereine, die viel Geld für den Erhalt dieser Institutionen sammeln, und mutmaßlich gibt es auch dort viele, die mit der Plakatierung nicht einverstanden sind. Aber in all diesen Institutionen arbeiten ähnlich geschulte Menschen, und die tun nun einmal, was Museumsleute heutzutage so tun.
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Gezielte Attacken sind das alles natürlich nicht, sondern sozusagen im Gegenteil ein parasitäres Phänomen, andersrum gesehen ein Ausfluss allgemeinen Stumpfsinns, ebenso wie der Umstand, dass sich keiner gegen den Missbrauch von Barockfassaden als Plakatwände aufregt.
Ich würde niemals in ein solches Museum gehen.
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Kann man nicht vielleicht nochmal die Bilder herauskramen, auf denen die Nazis ihre roten Banner am Schloss aufgehängt hatten? Damit könnte man argumentieren, Banner seien "rechts". Thema durch.
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Die bitterböse Replik von Herrn Zimmerer wiederum erfolgte einen Tag später:
https://kolonialismus.blogs.uni-hamburg.de/2024/05/15/dok…humboldt-forum/
Einmal abgesehen von dem fragwürdigen Inhalt dieser "Replik" und der albernen Forderung, den Berliner Schlossbau nun äußerlich zu verändern, um "die verdrängten Teile deutscher Geschichte" sichtbar zu machen, finde ich es nicht in Ordnung, dass dieser Text auf einer Internetplattform der Universität Hamburg veröffentlicht wurde. Erstens geht es nicht um ein Hamburger Gebäude, und zweitens haben die meisten der Unterzeichner offensichtlich überhaupt keine Beziehung zur Universität Hamburg. Was soll das? Haben die keine anderen Publikationsmöglichkeiten? Warum darf Zimmerer eine letztlich steuerfinanzierte Hamburger Universitätsseite für seinen persönlichen Feldzug gegen die Stiftung Humboldtforum benutzen? Das wäre eigentlich ein Fall für eine Dienstaufsichtsbeschwerde.
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^ Die Wissenschaftsfreiheit erlaubt es einem mit Steuergeld finanzierten deutschen Professor seine Thesen ohne irgendwelche inhaltliche Prüfung in allen Medien, auch auf den Seiten der Hochschule, zu veröffentlichen. Sonst gäbe es keine Wissenschaftsfreiheit, denn wer sollte Beiträge prüfen?
Anders ist es natürlich wenn eine schreiende Meute vor der Tür steht: dann ist jeder Text zurückzunehmen.
Interessant ist allerdings die Liste der Unterstützer: Prof. Misselwitz vom Potsdamer Klimafolgenforschungsinstitut ist auch dabei.
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Noch einmal eine ganz andere Frage: Wie wurde diese Banner-Orgie denn eigentlich an der Fassade befestigt? Die haben doch nicht ernsthaft massenweise Löcher in den Sandstein gebohrt? Auf Mantikors Fotos kann ich das nicht eindeutig erkennen. Könnte vielleicht jemand vor Ort noch Detailfotos der Befestigungsrahmen machen? Ich wäre wirklich entsetzt, wenn dem so wäre...
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Noch einmal eine ganz andere Frage: Wie wurde diese Banner-Orgie denn eigentlich an der Fassade befestigt? Die haben doch nicht ernsthaft massenweise Löcher in den Sandstein gebohrt? Auf Mantikors Fotos kann ich das nicht eindeutig erkennen. Könnte vielleicht jemand vor Ort noch Detailfotos der Befestigungsrahmen machen? Ich wäre wirklich entsetzt, wenn dem so wäre...
Nicht in den Sandstein, aber in den Putz.
Und so wie das aussieht, fürchte ich, dass diese Banner nicht nur temporär gedacht sind, sondern permanent dort bleiben sollen und höchstens regelmäßig gegen neue Banner ausgetauscht werden.
Das Schlimme ist auch, wir wissen noch nicht einmal, ob nicht noch mehr Fassadenbereiche zugehangen werden. Ich hab mir schon mal den Rest der Fassade angeguckt und spekuliert, wo man in den Augen der Stiftung HF noch opportunen Werbeplatz sehen könnte... *seufz* -
In vielen Bauordnungen wird eine störende Anhäufung von Werbeanlagen untersagt. Auch dürfen Werbeanlagen nicht bauliche Anlagen verunstalten. Wäre in dem Fall nicht eine Prüfung sinnvoll?
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