Berliner Schloss

  • Die Tafel vor der Toilette, die den historischen Ort im Schloss präsentiert, finde ich sehr spannend. Ist das nur dort oder finden sich solche historischen „Wegweiser“ auch in anderen Räumen?

  • Sehr interessant!

    Ich leide ganz gewiss nicht unter Erinnerungsstörungen. Auf dem Platz des künftigen Freiheits- und Einheitsdenkmals gab es 89 keine/kaum Demos oder Gorbi- Rufe, sondern auf der Uferseite des Marx- Engels- Forums. Dieses Denkmal wird von der großen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt, schon der Name ,, Einheitswippe'' spricht dafür. Wenn es schon nötig sein muss, dann bitte vor den Reichstag, äh Bundestag.

    Bin 64ger Baujahr, kann mich also gut an die ,, Wendezeit'' erinnern, war damals bei der NVA und habe die Auflösung der Strukturen der DDR miterlebt. Für mich war es unglaublich, wie sich mein Leben von heute auf morgen verändert.

    Wenn jetzt sogar halböffentlich die Rekonstruktion des Palastes der Republik ins Gespräch gebracht wird, bedeutet es doch ein Umdenken der Handlungsweise von damals, als der PdR verteufelt und dessen Abriss gefordert und verwirklicht wurde. Klar stand er auf dem Gelände des Schlosses, ich verurteile auch dessen Sprengung obwohl es mich damals noch gar nicht gab und ich nicht in dieser Zeit gelebt habe. (Wie sicher die meisten Teilnehmer dieses Forums). Ich war mehrfach im Palast und fand es immer atemberaubend schön.

    Zum Kreuz auf der Schlosskuppel: Warum sollte es nicht dorthin? Es war historisch dort oben und ohne würde diesem Schlossneubau etwas fehlen. Ich kenne die historischen Fotos vom Schloss eigentlich nur mit Kuppelkreuz. Für mich bedeutet Rekonstruktion nicht nur die äußere Hülle, sondern auch die mögliche Wiederherstellung bedeutender Innenräume. Das Dresdner Schloss ist für mich Vorbild, obgleich man da nicht Vergleiche ziehen kann - hier gab es wenigstens noch Außenmauern - da (Berlin) gab es nix.

    In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

  • Wenn es schon nötig sein muss, dann bitte vor den Reichstag, äh Bundestag.

    Das ist doch eine mittlerweile 1000 mal durchgeleierte Diskussion. Die Entscheidung ist doch längst getroffen, das Denkmal im Bau. Insofern interessiert sich kein Verantwortlicher mehr dafür, was der ein oder andere Forumsdiskutant hierzu immer noch mit den immer gleichen Argumenten nachzutragen hat. Ebenso ist der Palast der Republik längst weg und das Schlosskuppel-Kreuz längst aufgesetzt.


    Bitte nicht böse nehmen, aber wie oft sollen denn Schlachten der Vergangenheit wieder aufgewärmt werden? In Berlin stehen aktuell in der Mitte zwei Vorhaben immer noch im Raum, die nach Bürgerengagement rufen: Bauakademie und Areal Molkenmarkt/Klosterviertel. Eventuell auch noch 1, 2 Innenräume des Schlosses.

    Dazu würde es etwas bringen, Energie aufzuwenden, u.a. Leserbriefe, Demonstrationen, Youtube-Filmchen, Pressemitteilungen, zumindest Forumsbeiträge.

  • Also Rittersaal muss unbedingt kommen..... !!!


    Und eigentlich Weißer Saal - aber ich glaube der ist so anders verbaut da wird nichts draus.


    Somit hätte man einen musealen Prunkraum zum ansehen und ein Festsaal zum benutzen.

    Vom Rittersaal ist ja auch noch so viel da! Alle Stühle und auch die Thronstühle (Scherenstühle aus Silber) die zeitweise dort standen, das komplette vergoldete Silberbüffet welches schon ohne Raumrekonstruktion im Schloss Köpenick beeindruckend (weil riesig) ist!


    Wenn man sich näher damit beschäftigt ist noch SO VIEL Interieur erhalten: Bilder, Wandteppiche usw., dass auch schon allein diese Sachen an Ort und Stelle in der entsprechenden Raumkubatur ausgestellt (auch ohne vollständiger Raum Reko) eine große Freude wären.

  • Der rbb bringt eine umfassende Doku zum Berliner Schloss und Humboldt Forum. In einer Stunde Sendezeit werden die verschiendensten Aspekte des Humboldt Forums beleuchtet. Zahlreiche Akteure kommen zu Wort. Sehr interessant.


    Das Humboldt Forum - rbb / ardmediathek.de (verfügbar bis 21. Juli 2022)

    Diese Doku lief bereits im Mai im ARD-Hauptprogramm und war damals auch hier im Forum besprochen worden.


    thommystyle™ hatte einen umfangreichen Text zu diesem Film hier im Strang veröffentlicht - bitte hier klicken!


    Das ist eine sehr gute Analyse von Thommy.


    Außerdem möchte ich allgemein empfehlen, die letzten Seiten im Strang zurückzublättern. Es gibt viele wunderbare Bilderstrecken. Das Schloss von außen aus den verschiedensten Blickwinkeln, der Schlüterhof und die Passage. Zu verschiedenen Tageszeiten und bei unterschiedlichem Wetter. Das Berliner Schloss in Farbe, im Hier und Heute. Es ist doch nochmal ein ganz anderes Erlebnis, als wenn man nur alte Fotos zur Verfügung hat. Ein wunderbares Erlebnis! Vielen Dank an all unsere Fotografen! Und vor allem Danke an Wilhelm von Boddien und Franco Stella, an die Planer, Ingenieure, Bauleute, an die Bildhauer und Spender . . . ! Danke an die vielen Menschen, die die Wiederauferstehung des Berliner Schlosses ermöglicht haben!


    (Das ist nicht neu, was ich da gerade geschrieben habe, aber man muss doch der in Deutschland vorherrschenden medialen Miesepetrigkeit in Bezug auf das Schloss immer wieder etwas entgegensetzen. Und, nebenbei: Die Diskussion um eine mögliche Reko des Palastes der Republik ist doch einfach nur peinlich. Aber dazu später noch mehr.)

  • Den Weißen Saal, der den Krieg (beschädigt) überlebt hatte, wird es in unserer Generation nicht mehr geben. Warum er zusammen mit der Schloßkapelle unter der Kuppel nicht für eine Rekonstruktion vorgesehen wurde, ist unverständlich. Diese beiden benachbarten Säle wären ideal für Konzerte und Ausstellungen gewesen. Die Achse vom Schweizer Saal über der Gigantentreppe bis zur Bildergalerie kann jedoch nach und nach rekonsruiert werden. Die Gigantentreppe und der Schweizer Saal sollten als erstes wiederkommen. Dann der prachvolle Rittersaal.

    Was kurzfristig gemacht werden könnte:

    Neben ein paar guten Fotos in jedem Raum die den Vorkriegszustand zeigen (sofort umsetzbar), könnten mittelfristig Probeachsen vom Boden bis zur Decke in besonderen Räumen rekonstruiert werden, so dass man wenigstens an dieser Stelle (z.B. eine Raumecke) den alten Zustand erleben könnte.

  • Sorry, ich glaube einfach nicht daran, dass wir in den nächsten 30 Jahren auch nur einen dieser extrem aufwendigen Räumer zu sehen bekommen werden.

    Aber ok, mit 85 will ich mich dann auch noch über irgendetwas freuen, und die meisten hier sind ja wohl erst von Anfang 20, da kommts dann hin....

    Schiebt mich dann im Rollstuhl oder mit dem Rollator hoch zum Rittersaal, ja? :thumbsup:

  • Keine Sorge...mein Vater hat 70 Jahre warten müssen, bis er die Reko des Schlosses erleben durfte und er freut sich wie ein Schneekönig! 30 Jahre wird es aber vielleicht tatsächlich noch dauern, aber Rom ist auch nicht an einem Tag gebaut worden und das Schloß schreit ja förmlich danach, dass es auch innen wieder Schloß werden darf (zumindest partiell, aber da mache ich mir berechtigte Hoffnungen für die Zukunft, wo die Hülle endlich steht).

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Wenn der Plan noch stimmt(von 2014), sollte der Weiße Saal doch kein Problem sein.

    Die Treppe könnte vielleicht etwas schwierig werden.

    Hat jemand zufällig aktuellere Fotos oder Pläne von diesem Raum?

    "Moderne Architektur heißt seit über 50 Jahren: Rechtwinklig, weiß, kahl, leer, gebaut von immer schwarzgekleideten Architekten."

    -Gerhard Kocher

  • Die links-rot-grünen Berliner*innen (m, w, d) müssen erst diesen Schock verdauen, dass es wieder steht,

    Gib ihnen Zeit!

    Die links-grünen Berliner haben teils fleißig für das Schloss gespendet. So eine saudämliche Aussage wieder. Wahnsinn.

  • Die links-grünen Berliner haben teils fleißig für das Schloss gespendet.

    Gibt es eigentlich eine Statistik über die Herkunft der Spenden? Ich meine damit nicht die politische Einstellung der Spender, die man kaum herausfinden wird, sondern die räumliche Herkunft.

  • Gibt es eigentlich eine Statistik über die Herkunft der Spenden? Ich meine damit nicht die politische Einstellung der Spender, die man kaum herausfinden wird, sondern die räumliche Herkunft.

    Das weiß ich leider nicht. Ich spreche hier eher von meinem Freundes- und Bekanntenkreis. :wink:

  • Gibt es eigentlich eine Statistik über die Herkunft der Spenden? Ich meine damit nicht die politische Einstellung der Spender, die man kaum herausfinden wird, sondern die räumliche Herkunft.

    Ich glaube Wilhelm von Boddien sagte, dass die Zahl der Spenden aus Berlin inzwischen höher, als die Zahl der Spenden aus den restlichen Bundesländern läge. Dies schien zuvor noch nicht der Fall gewesen zu sein. Das Verhältnis könnte daher geschätzt bei 60% / 40% liegen.

    Genauere Zahlen finde ich auch keine.

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    -Gerhard Kocher

  • Ja das hatte ich auch im Hinterkopf, dass von Boddien mal erwähnt hat, dass es mit den Spenden aus Berlin recht zäh ist, und später sich eben gebessert hat. Für das Gesamtverhältnis müsste man mal schauen ob es dazu Quellen gibt. Dass es mehr Spender aus Berlin als aus dem Rest gibt, kann ich mir nicht vorstellen, schon allein wegen der Großspender. Es sei denn, diese haben über in Berlin ansässige Stiftungen gespendet.

  • thommystyle™ Ja, wir müssen hier natürlich in der Anzahl der Einzelspenden, der Höhe der Spenden sowie dem Verhältnis der gesamten Spendensumme unterscheiden. Es kann also durchaus sein, dass obwohl mehr Berliner als Gesamtdeutsche in den letzten Monaten gespendet haben, die Summe der gesamtdeutschen Spenden pro Monat höher war. Auch wie das Verhältnis auf die gesamte Spendensumme(Stand April: 117Mio.) ausfällt bleibt daher Spekulation.

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    -Gerhard Kocher

  • Wenn der Plan noch stimmt(von 2014), sollte der Weiße Saal doch kein Problem sein.

    Die Treppe könnte vielleicht etwas schwierig werden.

    Jein. Ja, weil die Kubatur des Weißen Saales vorhanden ist, nein, weil der Saal jetzt von einer Zwischendecke durchtrennt ist, so dass aus einem Stockwerk zwei wurden.

    Hier müsste also die Zwischendecke entfernt werden, bevor man anfangen kann, was gleich zwei Räume des Humboldt-Forums beansprucht, und zwar richtig große Räume. Bis dahin müssen noch sehr viele Artefakte zurückgegeben werden, bis man den Platz frei hat. Bie der Schlosskapelle hat man nur einen ungenutzten Hohlraum oben abgetrennt.

    Im HuFo stimmen sowieso einige Deckenhöhen nicht, zumindest unten. Der Keller war sicher höher als jetzt die Deckenhöhe. Das wird noch richtig kompliziert, das wieder hinzukriegen :(

    Aber beim Bau des ursprünglichen Weißen Salls war es genauso. Da musste vom Fundament bis zum Dach die Bausubstanz verändert werden.

  • Bis dahin müssen noch sehr viele Artefakte zurückgegeben werden, bis man den Platz frei hat.

    Das spricht eigentlich dafür, die Leutchen von den "decolonial studies" nach Kräften zu unterstützen. Ich finde auch, dass diese Art von "kultureller Appropriation", bei der geraubte Kunst aus Afrika und Asien im bösen Preußenschloss ausgestellt wird, ein ungeheuerlicher Skandal ist! Recht haben sie! :biggrin: