Berliner Schloss

  • Das sind wohl eher Sicherungsgurte für die Industriekletterer. Es muß ja noch der Sockel der Laterne mit Kupferblech verkleidet werden. Aber am Fuß der Kuppel hängt noch ein Folienrest und an der rechten Westfassade am Gesims mehrere. Wurde ja schon festgestellt. Na ja, UV-Strahlung und Wind und das Zeug ist in ein paar Jahren zerbröselt ... .

  • Das Christentum an sich hat "im Sinne Gottes" Verbrechen begangen, die gekoppelt waren mit den Verantwortlichen, die für die Banderole gesorgt haben.

    Nein, genau andersherum. Das Christentum hat keine Verbrechen begangen. Dies ist dem Glauben des "Liebe deinen Nächsten" und "Liebet eure Feinde" schlichtweg unmöglich.


    Vielmehr haben Menschen, die wohl größtenteils keine Christen (im biblischen Sinne) waren, dreisterweise an ihre Verbrechen das Etikett "Christentum" gehängt.


    Mir muss man erst noch erläutern, wie man schuldig werden kann, indem der eigene Namen von jemand anderem für dessen Vergehen missbraucht wird. Das gilt für einzelne Menschen, und es gilt noch viel mehr für den Gott der Bibel.

    _______________________________________
    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Heute war ich auch vor Ort und habe ein paar Fotos gemacht.

    Ansicht von den Linden:


    Berliner Stadtschloss 6.6.20


    Dass die Engel der Laterne zu dunkel sind um Einzelheiten zu erkennen, kann ich nach meinen Eindrücken vor Ort - zumindest bei sonnigen Lichtverhältnissen - nicht bestätigen. Die Kombination aus dunkel und vergoldet sieht schon sehr edel aus.


    Berliner Stadtschloss 6.6.20


    Berliner Stadtschloss 6.6.20


    Berliner Stadtschloss 6.6.20


    Nördliches, bzw linkes Königswappen:


    Berliner Stadtschloss 6.6.20


    Südliches, bzw rechtes Königswappen:


    Berliner Stadtschloss 6.6.20


    Nun wird es nicht mehr lange dauern, bis auch das letzte Gerüst abgebaut wird...


    Berliner Stadtschloss 6.6.20

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Wenn man diese Bilder sieht verstehe ich immer noch nicht warum Walter Ulbricht (SED) das Stadtschloss hat sprengen lassen. Warum hat sich der ehemalige Staatslenker nie Gedanken gemacht, dieses Schloss wieder aufzubauen, wie in der damaligen Sowjetunion.


    Außen hätte man die Fassaden vereinfacht (ohne Gesims) herstellen können, natürlich mit der Kuppel. Beim Kaiser Nationaldenkmal hätte ich das Reiterstandbild mit Sockel entfernt und die komplette Figurengruppe. Der Lustgarten hätte als Aufmarschplatz für die drei Veranstaltungen im Jahr gereicht. Der Aufmarsch hätte auch unter den Linden stattfinden und am Stadtschloss vorbeigehen können. Aber Walter Ulbricht wollte in Berlin, Potsdam, Leipzig und Dresden die Städte nach sozialistischen Vorbild umgestalten und Kritik war wahrscheinlich nicht gestattet.

  • Snork

    Weiß nicht warum, aber auf deinen Bildern (2+3+4) schaut das Stadtschloss erstmals so richtig groß und mächtig wie auf alten Aufnahmen aus. Wahrscheinlich liegt das am Fernsehturm und überhaupt an den aktuellen weiten Raumverhältnissen.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Sehr schöne Fotos! Vielen Dank!

  • Wenn man diese Bilder sieht verstehe ich immer noch nicht warum Walter Ulbricht (SED) das Stadtschloss hat sprengen lassen.

    Abschließend lässt sich diese Frage womöglich nicht beantworten.

    Aber ein verklärter Blick hin zum Negativen unter dem Eindruck der kurz zuvor untergegangenen Schreckensherrschaft und dieses furchtbaren Krieges haben diese Abrisse sicher begünstigt.


    Für mich spielt diese Fassungslosigkeit ob dieser Entscheidung von damals keine große Rolle.

    Viel wichtiger finde ich, dass wir durch diese Rekonstruktion noch besser begreifen können, warum die Monotonie der Moderne keine dauerhaft befriedigende Lösung sein kann.


    Zumindest für mich nicht.


    Insofern verspreche ich mir vom Humboldt-Forum im rekonstruierten Berliner Stadtschloss nicht nur inhaltlich viel.


    Und man möge mir mein Pauschal-Urteil über die sog. Moderne nachsehen.

    Sollte sich daran jemand stoßen, werde ich diese Aussage detaillierter darlegen.



    Gruß aus Berlin.

  • (...)

    Dass die Engel der Laterne zu dunkel sind um Einzelheiten zu erkennen, kann ich nach meinen Eindrücken vor Ort - zumindest bei sonnigen Lichtverhältnissen - nicht bestätigen. Die Kombination aus dunkel und vergoldet sieht schon sehr edel aus.


    Berliner Stadtschloss 6.6.20


    Ist eigentlich in dieser Frage das Bild von Eduard von Gärtner (Schloßbrücke / Einzug der Königin Victoria von England) schon diskutiert worden:


    http://www.laits.utexas.edu/be…rtner_ThePalaceBridge.jpg


    Nach meiner Einschätzung war die Vergoldung der Engel entweder 1861 vorhanden oder zumindest angedacht - sonst hätte das der penibel schildernde von Gärtner doch kaum so dargestellt.

  • Darf ich mal anmerken, dass ein herausragendes Bauwerk von Unter den Linden meiner Meinung nach nicht genug Aufmerksamkeit und Wertschätzung erhält? Das ist die Schlossbrücke. Erst mal ist sie eine (wenn nicht sogar die) schönste klassizistische Brücke, die ich kenne. Ein richtiges, einmaliges Schmuckstück und obendrein ist es ein Wunder, dass sie uns komplett erhalten geblieben ist, mit ihren wunderschönen und kostbaren Carrara-Statuen.

    Ich hoffe es verschwinden endlich male die ganzen Baustellenbarrikaden, die alle Ansichten ruinieren. :/

  • Heute war ich auch vor Ort und habe ein paar Fotos gemacht.

    Ansicht von den Linden:


    Berliner Stadtschloss 6.6.20

    Einfach geniales Bild! Vor nicht soooo langer Zeit hätte man auf dem Foto noch zwei wirklich hässliche Bausünden gesehen...die Gott sei gedankt, durch die wie ganz selbstverständlch zurückgekehrten zwei Traumgebäude Unter den Linden wieder die richtige Fassung geben und das ist gut so.


    Man sieht und lernt, dass man sich mit scheinbar unwiederbringlichen Stadtbildverlusten nicht abfinden muss! Wo ein Wille, da ein Weg oder hollywoodmäßig ausgedrückt: Das Gute gewinnt am Schluß immer! Jetzt noch die überfällige Schinkelsche Bauakademie und Berlin sieht mich wieder :cool:!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • @ Meister Lampe: "Wenn man diese Bilder sieht verstehe ich immer noch nicht warum Walter Ulbricht (SED) das Stadtschloss hat sprengen lassen. Warum hat sich der ehemalige Staatslenker nie Gedanken gemacht, dieses Schloss wieder aufzubauen, wie in der damaligen Sowjetunion."


    Ich habe mich schon des öfteren gefragt, ob bei Walter Ulbricht neben den rein ideologischen Gründen, nach denen die Winterresidenzen der preußischen Könige in Berlin und Potsdam als Symbole des reaktionären, imperialistischen preußischen Militarismus zu betrachten waren, der als Steigbügelhalter des Faschismus gedient habe, nicht auch gewisse sächsische Ressentiments gegenüber Preußen vorlagen. Immerhin hatte Sachsen ja mehrfach unter dem nördlichen Nachbarn leiden müssen.

    Ein vergleichbares barbarisches Wüten gegen kostbare Zeugnisse der Vergangenheit hat Ulbricht in Sachsen meines Wissens nicht angeordnet. Die ähnlich schwer beschädigten Prunkbauten der Wettiner wurden jedenfalls nicht für viel Geld abgerissen.

    Nach dem Zeugnis von Wolfgang Leonhardt hatte Ulbricht allerdings ganz allgemein keinerlei Interesse für Kunst, Literatur, Musik oder Architektur.

  • Ein vergleichbares barbarisches Wüten gegen kostbare Zeugnisse der Vergangenheit hat Ulbricht in Sachsen meines Wissens nicht angeordnet. Die ähnlich schwer beschädigten Prunkbauten der Wettiner wurden jedenfalls nicht für viel Geld abgerissen.

    Sorry das stimmt nicht!


    Leipziger Universitätskirche mit Augusteum?

    Leipziger Gewandhaus?

    Sophienkirche Dresden?

    Rampische Str. Dresden?

    Ritterakademie Dresden?

    Neustädter Rathaus Dresden?

    Große Meißner Str. Dresden?


    Dresdner Schloss, Frauenkirche und andere Ruinen (Taschenbergpalais, Kurländer Palais) nur mit extrem viel Geschick und Einsatz der Dresdner (Hans Nadler!) gerettet.

    Zwinger mit Gemäldegalerie nur deshalb nicht abgerissen, da man Museumsräume für die aus der SU zurückgekehrten Kunstschätze benötigte...


    Diese Liste ist noch lange nicht vollständig.

  • Kurz gesagt, fast die gesamte Dresdner Innenstadt.

  • Korrekt!


    wobei man der historischen Richtigkeit halber sagen muss, dass die von direkt Ulbricht überlieferten Anweisungen eher "nur" die ganz großen und berühmten Bauten betrafen. Bei den "kleineren" Sachen handelten die entsprechenden "Unterteufel" (C.S. Lewis) vor Ort in vorauseilendem Gehorsam, aber vollkommen im Sinne Ulbrichts.

  • Es sei mal dahingestellt, ob das Gebäude noch zu retten war oder nicht.


    Man könnte das fortführen mit:


    Schloss Neustrelitz

    Schloss Monbijou


    Auch sind viele Bürgerhäuser in Mecklenburg Vorpommern zu DDR Zeiten einfach verfallen. Aber ein weiterer Grund warum Gebäude auch eingefallen sind, war das der DDR Handwerker und Geld gefehlt hat. Man hat lieber ein Wohngebiet gebaut, im Standartformat und die Altstadt wurde abgeräumt oder mit Industrieplatte angepasst.