Berliner Schloss

  • Wobei das Hakenkreuz ja wieder zu den Weltkulturen passen würde, denn es ist ja ein beliebtes Glückssymbol im hinduistischen und buddhistischen Kulturkreis.


    P.S.: Man könnte aber auch ein paar Indianerfedern oben an die Kuppel hängen.

  • Das sind gewichtige Argumente für das Kreuz. Wie gesagt, ich bin für das Kreuz.


    Dennoch wirst Du auch erkennen, dass, wenn alles doch so unsichtbar wäre, es nie Kreuz und Spruchband gegeben hätte. Es ist wie eine Gravur.

    Warum haben die Nazis Hakenkreuze in das Gemäuer alter Kathedralen geritzt? Hoch oben, wo sie nicht gesehen werden? Weil das so harmlos war?


    Ich finde ja auch, dass man das Kreuz nicht reduzieren darf auf Verbrechen. Das Problem ist nunmal die Kombination mit dem Spruchband, der damalige Zeitgeist hatte KZs in Afrika zur Folge. Ich finde, dass ist doch die Chance, die christlichen Werte, die einst für Macht und Eroberung missbraucht worden sind, gezielt zu entkoppeln und alle Kulturen und Religionen als Freunde und Gäste im Humboldtforum zu beheimaten.

  • Werte Gemeinde!


    Beginnen möchte ich mit einem großen Dank an all jene, die diesen denkwürdigen Moment, das Aufsetzen der Laterne auf die Schlosskuppel, ausführlich dokumentiert, fotografisch festgehalten und geteilt haben.


    Dankeschön! 🙏🏻


    Ich werde mir bald Zeit nehmen und dafür fleißig Likes verteilen.

    Das ist mehr als verdient.


    Ich selbst war auch zugegen und habe es noch immer nicht so recht verdaut, dass ich das miterleben durfte.

    Welch erhabener Moment!


    An dieser Stelle möchte ich mich wieder einklinken, denn die Diskussion um das Kreuz und das Spruchband finde ich mittlerweile nur noch absurd, wenngleich ich ein großer Befürworter des Meinungsaustauschs bin.


    Ich wünschte mir vor allem für die Kritiker etwas mehr Entspannung in dieser Sache.

    Einfach mal den Allerwertesten locker machen und durchatmen.

    Das fördert zudem die Gesundheit.


    Unser freiheitlich-demokratisches Grundverständnis fällt oder steht ganz bestimmt nicht durch das was auf dem Spruchband steht oder der Schlosskuppel thront.

    Diese Dinge dürften von mir aus Hundert Meter höher und ungleich größer pranken - so what?

    Stört mich in keiner Weise.


    Ich bin weder ein Christ noch ein sonst wie gläubiger Mensch.

    Und ich darf das auch sein, noch immer - trotz Kreuz und Spruchband.

    Ich bin allerdings auch kein Atheist, und da ich mich in keine dieser Schubladen gesteckt habe, kann ich es mir gestatten, das Ganze recht leidenschaftslos zu betrachten.


    Das Spruchband und das Kreuz sind schlicht und ergreifend dazugehörende Details der Teilrekonstruktion des Berliner Schlosses.


    Und genau so betrachte ich diese Details - als Elemente eines historischen Gebäudes, das man zu großen Teilen rekonstruiert hat.

    Gott sei Dank! 😉


    Und man möge den Menschen bitte auch nicht ihre Mündigkeit absprechen.

    Ich denke, dass ein jeder, ob aus dem In - oder Ausland, der nach Berlin kommen und das Spruchband entziffern wird, dieses auch genau einzuordnen verstehen wird.

    Als ein Detail eines teilrekonstruierten historischen Gebäudes und nicht als aktuell richtungsweisend für unser gesellschaftliches Miteinander.


    Man möge doch bitte erst mal die Eröffnung abwarten und dem Humboldt-Forum im Berliner Schloss die Chance geben zu einer fabelhaften Erfolgsgeschichte zu werden - mit Kreuz und Spruchband!


    Und bitte, die Welt ist weder leicht noch schwer.

    Sie ist das was wir aus ihr machen.



    Gruß aus Berlin.

  • Ich wünschte mir vor allem für die Kritiker etwas mehr Entspannung in dieser Sache.

    Einfach mal den Allerwertesten locker machen und durchatmen.

    Das fördert zudem die Gesundheit.

    Lieber Spree-Athener,


    in vielem stimme ich Dir zu, auch was unvoreingenommene Besucher fernab der jetzigen Diskussion in Zukunft denken werden. Das betrifft ja auch meine Ansicht, wenn es Infromationstafeln etc. zum Gebäude und zum Spruchband geben wird, die die Fragen beantworten werden, was überhaupt oben steht.

    Denn das wurde hier ja genannt, dass man den Spruch von unten nicht entziffern kann. Erst recht nicht, wenn man der Deutschen Sprache nicht mächtig ist.


    Auch was die Entspannung angeht, stimme ich Dir zu.

    Aber das betrifft auch viele hier.

    Manch einer ist sehr verbissen und emotional aufgeheizt. Und dann fehlt mir die Empathie und Offenheit für die Gefühle oder Meinung anderer. Anerkennung und Toleranz ist keine Einbahnstraße, jeder hat ein Recht darauf.

    Und daher ist die Welt doch oft kompliziert, weil manchmal beide Seiten einer Diskussion Recht oder nicht Unrecht haben.

    Man kann Recht haben, dass das Kreuz aufgestellt wird, aber Unrecht der Vergangenheit zu leugnen, heißt nicht, dass man dazu legitimiert ist, weil man in der Sache Recht hat.


    Ein jeder muss sich in der Diskussion selbst als Person zurücknehmen, die Argumente zählen.


    Argumente austauschen. Argumente anerkennen und dann gewichten. Das ist die Demokratie und die Meinungsfreiheit, in der wir leben, die es seit der Gründung der BRD gibt und immer gab. Und das korreiert m.E. mit der von Dir formulierten Weise, sich locker zu machen.


    Und bitte, bitte, das Thema Rekonstruktion von allen anderen politischen Themen entkoppeln. Es gibt nicht "DIE", egal wo und wann.

  • Zugegeben, das ist an dieser von dir zitierten Stelle eine recht saloppe Weise, mit der ich mich ausgedrückt habe.


    Allerdings auch bewusst, um zu verdeutlichen, für wie überzogen ich diese Diskussion teils halte.


    Allerdings stimme ich vollkommen mit dir überein, dass ich„die Kritiker"besser differenziert genannt hätte.


    Im Hinterkopf hatte ich dabei ein Interview von Frau Gesine L. und eines Verfassers eines Artikels dazu aus einem einschlägig bekannten Blatt, dessen Abdruck der Bär hinterläßt. 😉


    Ich bitte um Entschuldigung.



    Gruß aus Berlin.

  • Wenn ich den Wiederaufbau des Stadtschloss Berlin verfolge und die dazugehörigen Kommentare, inkl. der Krönung des Stadtschloss mit dem Kreuz, bin ich erstaunt das wir solche Debatten überhaupt führen.


    Im Jahr 2019 hat in Paris die Kathedrale Note Dame gebrannt und die französische Regierung hat sich sofort bereit erklärt innerhalb von 5 Jahren die Kathedrale wieder aufzubauen. Auch dort gab es Diskussionen ob man die Kathedrale zeitgenössisch wieder aufbaut oder ob man die Kathedrale rekonstruiert.


    Auf dieser Kathedrale gabe es sicher auch einige christliche Symbole und ich gehe davon aus diese kehren auch zurück werden, ohne dass große Diskussionen geführt werden. Warum schaffen wir es in Deutschland nicht manche Dinge einfach mal positiv zu sehen.


    Ich möchte die Diskussion um Deutschlandfahne und christliche Symbole nicht der "Neuen Rechten" überlassen, ich würde mich einfach mal freuen wenn manche Menschen sich einfach mal freuen würden über das Erreichte. Auch wenn Deutschland ein Einwanderungsland ist, sind wir immer noch ein Land mit christlicher Vergangenheit und jüdischen Wurzeln. Genau deswegen sehe ich das Kreuz an der Spitze der Kuppel.


    Wenn man in der Türkei eine Moschee baut, kommt auch die Halbsichel an die Spitze des Turms und keiner führt Diskussionen aber wir Deutschen, wir führen endlange Diskussionen, statt zu unserer Vergangenheit zu stehen.

  • Spree-Athener:


    Ach, kein Ding! :D


    Ja, das kann ich verstehen!

    Die Diskussion bei der rbb Abendschau fand ich recht amüsant. Aber auch gut, denn das ist doch die Demokratie, die unsere Vorfahren sich immer erhofft haben. Auch wenn man, subjektiv und objektiv, den einen oder anderen in der Politik kritisch sehen kann und muss.


    Hauptsache, das beste Argument gewinnt!


    Viele Grüße zurück!

  • Wenn es um eine Kirche ginge, hätte es keine Diskussion gegeben.


    Es ging und geht schlichtweg um die Funktion als Humboldtforum.


    Ich sage es mal so. Wenn die Monarchen in unserem Land human und pazifistisch gewesen wären, wäre so manches heute nicht im Raum, das zu Debatten führt.


    Ich stimme Dir übrigens sonst gänzlich zu. 2006 hatten sehr viele mit Schwarz-Rot-Gold kein Problem, seit 2015 ist das so eine Sache. Deshalb plädiere ich ja immer gegen Pauschalisierungen, Diskussion und Empathie. Ein jeder ist subjektiv.


    Vergleiche mit anderen Ländern sind oft schwierig. Denn oft wird von Ländern gesprochen, die nicht die Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit etabliert haben, wie es Deutschland geschafft hat. Da ist man schnell bei der so oft selbsternannten "bürgerlichen" Debatte, "wenn die nicht, dann wir auch nicht!" (welch' famose Logik!), obwohl man dabei das eigene Errungene (siehe Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit) komplett über den Haufen wirft, auch wenn die Realität einer heterogenen Gesellschaft den einen oder anderen gefühlt überrumpelt.

  • Lieber Wassermann!


    Jetzt bin ich mal kurz in mich gegangen und habe über deine Worte nachgedacht.

    Danke für deine besonnene Ausdrucksweise, mit der du mich erinnert hast. 🙏🏻


    Folgendes möchte ich doch noch gesagt haben: Was mich an der Diskussion neben der teils zumindest von mir ausgemachten unversöhnlichen Verbissenheit stört, ist, dass so vieles hineininterpretiert wird.

    Dinge, die so nicht sind und womöglich nie eintreten werden.


    Sei es drum, ich mach' mich jetzt locker, fahre nach Mitte und werde mich freuen.


    Danke noch mal.



    Gruß aus Berlin.

  • Lieber Wassermann,


    vielen Dank! :)


    Ja, da hast Du Recht, denn sobald ideologische Grundauffassungen aufeinanderprallen, feht das eine oder andere Mal eine fundierte Grundlage in der Argumentation.

    Manchmal steckt ein Trauma und Hysterie mit der dt. Geschichte drin, manchmal ein zu lascher Umgang mit ihr.

    Daher wie Du sagst: Locker machen! :D


    Ebenso danke und viel Spaß vor Ort!


    Ich kann 2023 schon kaum abwarten, wenn diese notwendigen, optisch und akkustisch aber elendigen Baustellen endlich weg sind!

  • Das wäre alles in Ordnung, wenn diese ‚Kritik‘ nicht ein unreflektierter Reflex wäre, der sich an allem, was mit abendländischer Kultur zu tun hat, festbeißt. Es waren bei den ‚Kritikern’ nicht Überlegungen, ob die Hohenzollerndynastie Unfrieden gestiftet hat und das Kreuz von ihnen womöglich (falsch) instrumentalisiert wurde. Sondern, ob man in der heutigen multikulturellen Zeit überhaupt ein Kreuz im öffentlichen Raum zeigen darf.


    Das Kreuz wurde also als Beleidigung anderen Kulturen gegenüber gedeutet, unabhängig davon, was es im Kern repräsentiert und unabhängig davon, ob es an einem Schloss angebracht würde oder einem modernen Zweckbau.


    Und diese Diskussionen halte ich für mehr als nur problematisch. Weil sie keine Diskussion zulassen, sondern sie zu ersticken suchen. Die ‚Kritiker‘ sind an sachlichen Debatten nicht interessiert, weil Emotionen (vor allem Hass, in diesem Fall auf die eigene Identität) die Triebfeder ihrer ‚Kritik‘ sind.


    Wer widerspricht und das Kreuz als prägendes Symbol europäischer Kultur sieht, wird in den Ruch des Faschismus gedrängt (siehe die ängstliche Reaktion der Kirchenvertreter, die sich nun ebenfalls dazu genötigt fühlen, sich daran stören zu müssen).


    Deshalb sollten die ‚Kritiker‘ ehrlicher sein und sagen: „wir hassen das Christentum, wir hassen das Schloss, wir hassen alles, was eine westliche Deutungshoheit beinhaltet. Wir hassen Widerspruch. Wir hassen Diskussionen, da Argumente der Gegenseite unseren Standpunkt widerlegen könnten. Wir hassen Pluralismus, sofern er sich auf Themen bezieht, die nur eine (unsere) Deutung zulassen.“


    Damit könnte man immerhin arbeiten. Und das Traurige ist, dass unter diesen ehrlichen Voraussetzungen vermutlich eine konstruktivere Debatte stattfände, als es derzeit der Fall ist.

  • Das kann man allerdings nicht so stehen lassen. Denn es beruht auf Pauschalisierungen ohne Quelle, auch wenn Du vom "Kern" der Botschaft des Kreuzes sprichst. :)

    Die Kritiken sind einfach zu vielseitig und das hat nichts mit Hass ggü. dem Christentum zu tun, zumal manche eine falsche Vorstellung der Gesellschaft haben.


    Bevor die Christen in Deutschland und Europa waren, waren es Heiden und später Juden. Deren Wurzeln sind älter und wurden auch irgendwann immer mehr unterdrückt und vernichtet, insbesondere das Judentum; durch Christen und die katholische Kirche. Die Geschichte der kath. Kirche ist konträr zur christlichen Botschaft. Wenn so von der "abendländichen Kultur" gesprochen wird, muss man die Progrome und Kriege unter dem Kreuz sehr wohl mit einschließen (was wiederum nicht heißt, dass man die Errungenschaften Europas, die gegen die kath. Kirche errungen wurden durch die Aufklärung, leugnet oder nicht Christ oder Katholik sein kann und darf, im Gegenteil).


    Richtig ist natürlich, dass es sich hier schlichtweg um den Wiederbau eines historischen Baus handelt.


    Wie Du sagtest, ein öffentliches, nicht-christliches Gebäude in Neuform in den aufgeklärten Zeiten der Religionsfreiheit, mit dem Bewusstsein der Heterogenität, die es immer gab und die im Nationalismus ignoriert oder vernichtet wurde, und insbesondere in der größeren Heterogenität der Gegenwart, wäre schlichtweg was anderes und absurd.


    Wer mit den Menschen spricht und unvoreingenommen deren schriftlichen Ausführungen folgt, merkt aber auch, dass es nicht darum geht, dass Monarchien und Christentum das Land geprägt haben, sondern dass nicht nur die Gefahr besteht, dass beide Institutionen unkritisch reflektiert werden, sondern dass das schlicht weg manchmal der Fall ist.


    Viele dieser Kritiker haben doch selbst schon Schlösser besucht, die Pracht bestaunt, sehen aber einfach die Zeit, in der die Schlösser entstanden sind, kritisch.


    Ich denke, es besteht oft auch ein Kommunikationsproblem mit vielen Vorwürfen von beiden Seiten. Die einen sind Nazis und die anderen sind Kommunisten. Dazwischen gibt es nichts. Dass die Mehrheit politisch bodenständig ist und es in allen Lagern Befürworter und Gegner gibt und trotzdem auch Freundschaften im Privaten nicht zu Bruch gehen, wird dann einfach ignoriert.


    Dass es Leute gibt, auch in der Presse, die Du meinst, stimmt natürlich auch. Jedoch muss man da klar differenzieren. Nicht jeder Gegner hat den Ulbricht an der Wohnzimmerwand hängen. Nicht jeder kritische Beitrag ist tendenziös.

  • [...] Die ‚Kritiker‘ sind an sachlichen Debatten nicht interessiert, weil Emotionen (vor allem Hass, in diesem Fall auf die eigene Identität) die Triebfeder ihrer ‚Kritik‘ sind. [...]

    Hallo East_Clintwood,

    auf die eigene Identität? Eher auf diejenigen, die eine Identität haben, denn sie haben keine und spielen sich daher als Richter auf, denn ihre Identitätslosigkeit verwechseln sie mit Objektivität. Daher kommt auch das unerträglich autoritär-arrogante Gehabe, das diese "Kritiker" herauskehren.

    Wenn man sich nur mal die beiden jüngsten Ereignisse am Schloss (die Spatenstecherei mit den paar gedungenen Fotografen und die Kuppelkrönung, die spontanen Beifall der Zuschauer auslöste) ansieht, weiß man, dass sie stets in der Defensive stecken, denn eine demokratische Debatte würde sie endgültig wegfegen.

  • Ich gebe dir in vielen deiner Ausführungen recht. Mit dem Kern des Kreuzes meine ich die Botschaft Jesu, die immerhin den moralischen Kanon begründete, anhand dessen ironischerweise gerade die Kritiker des Christentums argumentieren und politisieren. Dass die Aufklärung in einem dialektischen Verhältnis zum Christentum steht, darf man auch nicht vergessen.


    Was die Presse betrifft: es wäre schön, wenn eine Repräsentation aller Stimmen mit gleicher Vehemenz vorhanden wäre. Zumal da, wie ein Vorredner schrieb, gefühlt 95% der Kommentierenden sich gegen die in den Medien geäußerten „Bedenken“ wenden. Zwischen Kritiklosigkeit und sich als Kritik gebendem Hass sollte es ein Mittelmaß geben. Und in vielen Kritiken sehe ich nunmal letzteres (mal subtiler, mal weniger subtil) als gegeben. Und da sich Entscheidungsträger in aller Regel an dem (relativ unausgewogenen) Medienklima orientieren und weniger am direkten Austausch mit der Bevölkerung, halte ich das nunmal für problematisch.


    Und richtig: es geht um die Rekonstruktion eines historischen Baus, um ein Kunstwerk (unabhängig davon, wer es in Auftrag gab und welchem Zwecke es diente: es spricht -als Kunstwerk- für sich selbst). Möchte man sich kritisch mit der Geschichte der Hohenzollern oder der christlich motivierten Pogrome beschäftigen, gibt es mehr als genug Fachliteratur. Aber architektonische Werke für pädagogische Zwecke zu missbrauchen und die Kunst in den Dienst der Tagespolitik zu stellen (und durch dieses Korsett vermeintlich ‚genießbarer‘ zu machen), halte ich für grundfalsch, zumal die Vorlage gut genug dokumentiert ist und daher keine Interpretationen zulässt. So wie man keine Partituren Wagners umschreibt oder unzeitgemäße Bücher schwärzt, so sollte man bei der Rekonstruktion eines historischen Gebäudes nichts hinzufügen oder weglassen. Und schon gar nicht aus Angst und in vorauseilendem Gehorsam. Für die „kritische Aufarbeitung“ der Geschichte des Gebäudes, gibt es die Regale im Museumsshop.

  • Hallo East_Clintwood,

    auf die eigene Identität? Eher auf diejenigen, die eine Identität haben, denn sie haben keine und spielen sich daher als Richter auf, denn ihre Identitätslosigkeit verwechseln sie mit Objektivität. Daher kommt auch das unerträglich autoritär-arrogante Gehabe, das diese "Kritiker" herauskehren.

    Wenn man sich nur mal die beiden jüngsten Ereignisse am Schloss (die Spatenstecherei mit den paar gedungenen Fotografen und die Kuppelkrönung, die spontanen Beifall der Zuschauer auslöste) ansieht, weiß man, dass sie stets in der Defensive stecken, denn eine demokratische Debatte würde sie endgültig wegfegen.

    Die Frage ist doch, was Identität ist?

    Wenn statt mit Argumenten eine Diskussion über Identität getragen wird, ist das am weitesten von einer Objektivität entfernt.

    Das ist das, was ich meinte.


    Gab es keine demokratische Debatte? Die hier so oft kritisierten Zeitungsartikel, die Äußerungen gegen das Schloss und Kreuz, die Äußerungen für das Schloss und Kreuz, auch in der Presse, sind ja Teil der Debatte.

    Gut wäre es, wenn es keine Vorwürfe gäbe und es eine richtige Diskussion gegen hätte.


    Wer ist mit "Kritikern" gemeint?

    Wenn das so allgemein gehalten wird, wird eine Mehrheit an moderaten, diskussionsfreudigen Kritikern, die sich auch im demokratischen Sinne überzeugen lassen, mit jenen in einen Topf geworfen, die du meinst.

  • Identität ist etwas zutiefst Subjektives, da gebe ich dir recht. Kulturelle Identität kann jedoch schon eine gewisse Faktizität für sich beanspruchen. Dennoch sollte die Debatte nicht von einem Hang zur Selbstverleugnung dominiert werden (der ebenso subjektiv geprägt ist), die sich in der Relativierung des Eigenen ergeht: unter peinlicher Wahrung der Rücksichtnahme auf das Fremde. Objektivität bedeutet zudem nicht, dass man keine Prinzipien mehr vertritt und zum Neutrum mutiert. Es bedeutet, dass man seine Argumentation sachlich vorträgt und die Voraussetzungen der Argumentation für den Anderen möglichst nachvollziehbar zu machen versucht. Letzteres vermisse ich großenteils in der gegenwärtigen (medialen) Debatte um das Kreuz.

  • Ich gebe dir in vielen deiner Ausführungen recht. Mit dem Kern des Kreuzes meine ich die Botschaft Jesu, die immerhin den moralischen Kanon begründete, anhand dessen ironischerweise gerade die Kritiker des Christentums argumentieren und politisieren. Dass die Aufklärung in einem dialektischen Verhältnis zum Christentum steht, darf man auch nicht vergessen.


    Was die Presse betrifft: es wäre schön, wenn eine Repräsentation aller Stimmen mit gleicher Vehemenz vorhanden wäre. Zumal da, wie ein Vorredner schrieb, gefühlt 95% der Kommentierenden sich gegen die in den Medien geäußerten „Bedenken“ wenden. Zwischen Kritiklosigkeit und sich als Kritik gebendem Hass sollte es ein Mittelmaß geben. Und in vielen Kritiken sehe ich nunmal letzteres (mal subtiler, mal weniger subtil) als gegeben. Und da sich Entscheidungsträger in aller Regel an dem (relativ unausgewogenen) Medienklima orientieren und weniger am direkten Austausch mit der Bevölkerung, halte ich das nunmal für problematisch.


    Und richtig: es geht um die Rekonstruktion eines historischen Baus, um ein Kunstwerk (unabhängig davon, wer es in Auftrag gab und welchem Zwecke es diente: es spricht -als Kunstwerk- für sich selbst). Möchte man sich kritisch mit der Geschichte der Hohenzollern oder der christlich motivierten Pogrome beschäftigen, gibt es mehr als genug Fachliteratur. Aber architektonische Werke für pädagogische Zwecke zu missbrauchen und die Kunst in den Dienst der Tagespolitik zu stellen (und durch dieses Korsett vermeintlich ‚genießbarer‘ zu machen), halte ich für grundfalsch, zumal die Vorlage gut genug dokumentiert ist und daher keine Interpretationen zulässt. So wie man keine Partituren Wagners umschreibt oder unzeitgemäße Bücher schwärzt, so sollte man bei der Rekonstruktion eines historischen Gebäudes nichts hinzufügen oder weglassen. Und schon gar nicht aus Angst und in vorauseilendem Gehorsam. Für die „kritische Aufarbeitung“ der Geschichte des Gebäudes, gibt es die Regale im Museumsshop.

    Da gebe ich Dir Recht.

    Repräsentative Umfragen gibt es leider nicht. Ich bin überzeugt, dass die Kommentare zwar recht repräsentativ sein mögen, aber natürlich schreiben dort vor allem die, die mit Leidenschaft in unserem Sinne sich solchen Bauten widmen.


    Dem Absatz zu den Entscheidungsträgern muss ich allerdings widersprechen. Ich kenne unzählige, die sich sehr wohl für die Belange der Bürger vor Ort kümmern. Was sein kann, ist, dass die Prioritätensetzung bisher anders war, also dass manche Entscheidungsträger, die sich nicht mit der Rekonstruktionsdebatte befassen, sich mit ihren wichtigen Themen (Wohnungsnot, Kita, Schule, etc.) befassen und sich dann eher leiten lassen.

    Was auch gegen die These spricht, ist, dass fernab der BILD, doch so viel zu Recht und objektiv kritisiert wird und Umfragwerte nicht korrelieren, teilweise im Gegenteil.


    Ich glaube, wir sind näher beieinander. Allerdings sind ja einige Kritiker wegen dieser Fachliteratur da. Wir brauchen nun die Verknüpfung, dass didaktisch aufbereitet, Maßnahmen wie das Schloss kein Widerspruch sein müssen, sondern Teil von Bildungsmaßnahmen im Einklang mit der Wiederbelebung von Schönheit in der Architektur und Identifikation mit einer Stadt. Schließlich lesen weniger Leute Fachliteratur zu Themen, die sie selbst nicht betreffen, als Informationstafeln und Broschüren in Museen.

    Ich meine also, dass man Kritik nicht abtun soll, weil sie lästig ist, sondern mitnehmen und integrieren sollte.

    Wenn z.B. eine plurale Diskussionsmöglichkeit und ein kritischer Umgang mit dem preußischen Erbe von vorne herein inbegriffen wäre, oder mehr im Mittelpunkt gestanden hätte, hätte es vielleicht weniger Kritiker gegeben. Ist nur eine These. :D

  • Identität ist etwas zutiefst Subjektives, da gebe ich dir recht. Kulturelle Identität kann jedoch schon eine gewisse Faktizität für sich beanspruchen. Dennoch sollte die Debatte nicht von einem Hang zur Selbstverleugnung dominiert werden (der ebenso subjektiv geprägt ist), die sich in der Relativierung des Eigenen ergeht: unter peinlicher Wahrung der Rücksichtnahme auf das Fremde. Objektivität bedeutet zudem nicht, dass man keine Prinzipien mehr vertritt und zum Neutrum mutiert. Es bedeutet, dass man seine Argumentation sachlich vorträgt und die Voraussetzungen der Argumentation für den Anderen möglichst nachvollziehbar zu machen versucht. Letzteres vermisse ich großenteils in der gegenwärtigen (medialen) Debatte um das Kreuz.

    Vollkommen richtig!

  • Kreuz und Spruchband: Nun sind sie halt da.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Kreuz und Spruchband: Nun sind sie halt da.

    ... und was uns da geschenkt wurde, ist wertvoller als Gold.

    Und wisst ihr was? Ich freu mich drauf!

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)