Berliner Schloss

  • Fertig, im Dunklen und erleuchtet sieht das doch gar nicht so schlecht aus. Ich freu mich von weitem, dass das Schloss wieder einen Weihnachtsmarkt beherbergt, viele Leute anzieht und neue Erinnerungen und Verbindungen schafft.

  • Zur Beleuchtung der Fassaden ist doch heute so viel möglich. Mir fällt da die Laser-Show zum 900. Stadtjubiläum in Plauen 2022 ein, als das Rathaus als Kulisse diente. Jetzt nicht von der Lichtstimmung, aber vom Konzept her. Man hatte tatsächlich den Eindruck, die Fassaden würden von sich aus leuchten.



  • Nicht nur viel "Bla Blah", sondern auch dreiste Unwahrheiten werden verbreitet.
    Ein Beispiel, das genannt wird, warum sich Rekonstruktionen nicht gehören würden: Weil dort teils auch viele Steuergelder aufgewendet würden.


    Quote

    Wie beim Schloss, wo man ja auch unter anderem weiß, dass die Fassade ja komplett aus Steuergeldern finanziert wurde.



    Wenn man Rekonstruktionen, wie das Schloss, so furchtbar findet, und das glaubt gut argumentieren zu können, warum muss man sich dazu noch an Unwahrheiten bedienen?
    Wenn es tatsächlich so schlimm ist, müssten doch allein die Fakten für sich sprechen, oder?
    Dass man noch dazu die Tatsachen bewusst verdreht, um das Ganze noch etwas mehr aufzubauschen und als noch empörender darzustellen, sagt mir nur, dass diese Leute eigentlich selbst wissen, dass ihre Argumentation nur fadenscheinig ist.

  • ... und selbst wenn man sagen würde - theoretisch - da würde gar kein Steuergeld drin hängen, müsste man sich fragen: Warum wollen wir diese wichtigen Orte privaten Investoren und privat Bauenden eigentlich in die Hände legen und sagen: Verwirklicht da mal eure privaten Ideen davon, wie es hier aussehen soll, an öffentlichen Plätzen?

    Das Berliner Schloss ist ja geradezu ein Paradebeispiel für das Gegenteil - ein im Bundestag gefasster Beschluss, mit anschließendem Bauleitplanverfahren, etc. pp. - die Rezensentin sollte sich das lieber mal bei modernistischen Investorenquartieren fragen. Das Berliner Schloss ist, wie die Frankfurter Neue Altstadt und der Dresdner Neumarkt, eben keine private Idee, sondern jeweils das Ergebnis demokratisch legitimierter Entscheidungen.

  • Muss mann denn auf jede Publikation, Interview, und und und... von Oswalt undbedingt reagieren? Jeder kennt sein Standpunkt, es besteht für mich kein Bedarf jede Gelegenheit zu nehmen um den Herr zu erwähnen. Langsam nervt es mich immer wieder das selbe zu lesen, nach dem Motto :

    -Forumist "Oswalt hat wieder was böses gesagt"

    -Andere Forumisten "buuhhh"

    Und sind wir irgendwie weitergekommen?

  • Das Benennen und Dokumentieren von Un- und Halbwahrheiten, die in dieser "Debatte" geäußert werden, finde ich schon wichtig. Das ist tatsächlich nervig, aber notwendig, wenn man in dieser öffentlichen Diskussion eine Rolle spielen will. Letztlich diskreditieren solche Aussagen sonst unwidersprochen unser Anliegen. In Diskussionen zum Thema Rekonstruktionen diese absurden Behauptungen und Thesen als solche entlarven zu können, setzt leider voraus, sich damit auseinandergesetzt zu haben. Wenn der Widerspruch dann endlich gehört wird (so wie Oswalt & Co. ja auch auf penetrante Präsenz setzen), sind wir vielleicht irgendwann weitergekommen.

  • Die Frage ist nicht ob, sondern wie man auf Antagonisten wie Oswalt reagiert. Und da erscheint mir ein Forum mir seinem Empörungspotenzial ein denkbar ungünstiger Ort zu sein. So etwas hat sachbezogen und nicht ad hominem zu geschehen. Gegenseitiger Respekt ist das mindeste, was man erwarten darf. Nur dann wird man ernst genommen in einem - wie ich finde - durchaus spannenden Diskurs.

    Kunsthistoriker, Historiker, Webdesigner und Fachreferent für Kulturtourismus und Kulturmarketing


    Mein Bezug zu Stadtbild Deutschland: Habe die Website des Vereins erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich. Meine Artikel zu den Themen des Vereins: Rekonstruktion / Denkmalschutz / Architektur / Kulturreisen

  • Nur dann wird man ernst genommen in einem - wie ich finde - durchaus spannenden Diskurs.

    Volle Zustimmung. Natürlich gehört die kritische (und natürlich bitte emotionsfreie) Diskussion über die bizarren Thesen von Oswalt und Co. in dieses Forum! Wo, wenn nicht hier sollte man sich sich damit auseinandersetzen?

    Ich würde nur empfehlen die Oswalt-Diskussion im Thread "Rekonstruktionen im Fadenkreuz" fortzuführen. Wenn man zusätzlich noch zwei Schloss-Threads thematisch damit befüllt ist keinem Leser gedient und Chaos ist vorprogrammiert.

  • Der Berliner Ortsverband von Stadtbild Deutschland hat eine Stellungnahme zu dem oben verlinkten Interview mit Oswalt herausgegeben:


    Zum Hörfunk-Interview mit Philipp Oswalt bei SWR2, 7.12.2023:


    Gute Rekonstruktionen gegen schlechte Rekonstruktionen? Der Architekt und Architekturtheoretiker Philipp Oswalt stellt in diesem Interview zu seinem neu erschienenen Buch „Bauen am nationalen Haus – Architektur als Identitätspolitik“ positiv zu bewertende Rekonstruktionen wie die Dessauer Meisterhäuser und die Frankfurter Paulskirche abzulehnenden Rekonstruktionen wie dem Berliner Schloss der Potsdamer Garnisonkirche gegenüber. Doch die Trennschärfe seiner Unterscheidungen ist gering, seine Argumentation daher nicht überzeugend.


    Oswalt lobt in dem Interview, dass die - als Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau teilweise von ihm selbst initiierten - Wiederaufbauten der Dessauer Meisterhäuser Erinnerungen an die Brüche der Geschichte zeigen würden. In Dessau habe man den Gropiusschen Entwurf vergegenwärtigt, aber man merke den Bauten trotzdem an, „dass zwischendurch etwas passiert ist und dass es ein neuer Bau ist“. Dies erlaube einerseits den Respekt vor dem kulturellen Erbe, aber zugleich auch das Bewussthalten der Geschichte. Bei Rekonstruktionsprojekten wie dem Berliner Schloss hingegen wolle man eine idealisierte Vergangenheit präsentieren und so tun, als sei nie etwas geschehen.

    Aber diese kontrastierende Gegenüberstellung der Dessauer Meisterhäuser und des Berliner Schlossbaus kann nicht überzeugen. Auch das wiederaufgebaute Berliner Schloss zeigt die Brüche der Geschichte – deutlicher noch als die Dessauer Meisterhäuser, die sowohl innerlich wie äußerlich im Sinne der Originale rekonstruiert wurden. Beim Berliner Schloss entsprechen nur drei von vier Seiten dem historischen Vorbild, die Ostseite ist modern. Bis auf die spendenfinanzierten historischen Fassaden und einen Teil des Schlüterhofs ist das Berliner Schloss ein zeitgenössisch gestalteter Neubau. In seinem modernen Inneren gibt es zahlreiche Erinnerungsstücke und Hinweise auf den Palast der Republik. In die rekonstruierten Fassaden wurden erhaltene Fassadenbauteile des historischen Schlosses wiedereingebaut. Durch die mit dem Wiederaufbau verbundenen archäologischen Grabungen sind heute ein Teil der historischen Kellergewölbe des Berliner Schlosses wieder erlebbar. Das Berliner Schloss ist ein Ort, der die Brüche der deutschen Geschichte vielfältig vergegenwärtigt und, wie man sieht, den gesellschaftlichen Diskurs hierüber belebt und erweitert hat.


    Oswalt kritisiert, dass man ab den 1980er Jahren „Nachkriegsbebauung abgeräumt“ habe, um ältere Architekturen zu rekonstruieren. Als Beispiel wird der Wiederaufbau des Berliner Schlosses genannt, für den der asbestbelastete Palast der Republik aus DDR-Zeiten abgerissen wurde. Aber auch für die von Oswalt selbst initiierte Rekonstruktion des Hauses Gropius in Dessau wurde 2011 ein Nachkriegsbau abgerissen, das 1956 errichtete Haus Emmer. Laut Oswalt seien Rekonstruktionen von der Sehnsucht nach einer anderen Vergangenheit geprägt. Die Brüche, die die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert ausmachen, würden überschrieben und ausgeblendet – in Dessau hat Oswalt selbst daran mitgewirkt.


    Im Gegensatz zu Philipp Oswalt vertritt Stadtbild Deutschland e.V. die Ansicht, dass Rekonstruktionen kulturgeschichtlich bedeutender Bauwerke möglichst vollständig und authentisch erfolgen sollten. Hierbei „Brüche“ einzufügen würde unseres Erachtens den baukünstlerischen Zeugniswert der wiederaufgebauten Architektur unnötig beeinträchtigen. Im Falle des Berliner Schlosses finden sich in der direkten Umgebung zahlreiche Spuren der Katastrophen und Verwerfungen des letzten Jahrhunderts, die die wechselhafte Geschichte der Stadt umfassend veranschaulichen.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Der Berliner Ortsverband von Stadtbild Deutschland hat eine Stellungnahme zu dem oben verlinkten Interview mit Oswalt herausgegeben

    Vorzüglich! Leider werden nur die Medien, die Oswalt jüngst die große Bühne boten (Kulturzeit, DLF, SWR2 etc.) niemals eine solche Gegenposition senden bzw. publizieren. Die Unausgewogenheit und Parteinahme in der Berichterstattung vieler Mainstreammedien ist eine eklatantes demokratisches Defizit mit manipulativem Charakter.

  • Warum nicht ebengenau den genannten Medien Publizität dieser Replik und damit Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit im Sinne des Diskurses und des öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrages anbieten, ggfs. auch einfordern?

  • Was wird das Jahr 2024 für das alt-neu rekonstruierte Berliner Schloss mit Humboldt-Forum Inhalt bringen?


    Noch fehlt Einiges: Die First-Figuren sind fertigzustellen, über den Portalen und auf der Kuppel zu positionieren. Die berühmte Gigantentreppe darf leider nicht wieder rekonstruiert und aufgebaut werden, obwohl dafür bereits 2/3 der Kosten als Spenden zugesagt waren. Auf dem Schloßplatz ist ein (modernes?) Brunnenkonzept auszuschreiben und herzustellen oder alternativ eine Entscheidung zu treffen über eine Neptunbrunnenkopie oder - sehr viel vernünftiger - über die Sanierung und Rückführung des Originals, die der Bund einst bereit war zu bezahlen. Büsche, Bäume, Grünfläche sind zu konzipieren und zu ergänzen. Die Rossebändiger werden nach Entscheidung des Senats leider nicht zurückversetzt, sondern in der Diaspora weiter verbleiben müssen. Das Drum herum dort soll deshalb etwas aufgehübscht werden. Eine tragische Entscheidung für das großartige Kunstwerk und für den ganzen Lustgarten. Das Einheits- und Freiheitsdenkmal muss endlich installiert werden und beweisen, dass es keine funktionale, bautechnische und ästhetische Fehlentscheidung war.

    Also Ihr Verantwortlichen: Pakt es an!!!

  • Nachdem alle Attikafiguren aufgestellt sind und hoffentlich der originale Schloßbrunnen wieder vor dem Schloß steht (wenn das mit dem Senat nicht geht, dann eben eine originalgetreue Kopie) sollte damit begonnen werden, durch steigenden Druck und penetranter Wiederholung die Rekonstruktion der Gigantentreppe und des Schweizer Saals zu ermöglichen. Es geht hier ja nicht um den fragwürdigen Verein "Humboldtforum" sondern um die Fertigstellung der Schloßfassaden, die im Bereich der Gigantentreppe logischerweise nach innen geleitet werden.

  • Bei Facebook wird das Schloss in Berlin besprochen: "Populistisch werden Zeiten vor 1918 idealisiert, Brüche negiert, gewachsene Identitäten überschrieben. Und immer wieder sind Rechtsradikale an diesen Projekten beteiligt, als Initiatoren oder Großspender"

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  • Ja, wenn diese beiden wichtigen Räume, die ja miteinander zusammenhängen, wiederkämen, wäre das supertoll. Man hätte mit dem Saal dann auch einen Ort für festliche Empfänge im Schloss, was sicher sinnvoll wäre. Hoffentlich bleiben von Boddien und der Verein dran!

  • Ich finde nicht das das Einheitsdenkmal aufgebaut werden muss. Das Planungsbüro soll mit dem Geld klar kommen was zur Verfügung steht. Und wenn es nicht funktioniert, dann wird die Wippe eingeschmolzen, die furchtbaren Halterungen aus dem Sockel entfernt und die Mosaike wieder dorthin versetzt.


    Das ist wahrscheinlich die beste Lösung.

  • Bei Facebook wird das Schloss in Berlin besprochen: "Populistisch werden Zeiten vor 1918 idealisiert, Brüche negiert, gewachsene Identitäten überschrieben. Und immer wieder sind Rechtsradikale an diesen Projekten beteiligt, als Initiatoren oder Großspender"

    https://www.facebook.com/ZZF.Potsdam


    Hier wird - wie so oft - der Architektur ein politisches Gewicht zugeschrieben, das für die meisten Verfechter von Rekonstruktionen gar keine Rolle spielt. Hinter dem Wiederaufbau des Berliner Schlosses versteckt sich ja nicht der heimliche Wunsch nach dem Wiederaufleben der Monarchie.


    Mir scheint, dass eher die Gegner von Rekonstruktionen eine politische Agenda haben, verbunden mit der Angst vor den "Dämonen der Vergangenheit". Die Reko-Befürworter dagegen vereint die Sehnsucht nach der schönen und lebenswerten Stadt, die zudem eine gewisse "historische Tiefe" aufweisen sollte. Natürlich begründet sich diese Sehnsucht auch in dem eklatanten Versagen der modernen Architektur und Stadtplanung.


    Und "gewachsene Identitäten" wurden doch eher durch die rigorose Tabula Rasa Mentalität nach dem 2.Weltkrieg überschrieben. Brüche gibt es in Berlin mehr als genug.


    Der Fehler war nicht der Wiederaufbau des Berliner Schlosses - der Fehler war der Verzicht auf eine Komplettrekonstruktion. Das heutige "Zwitterwesen" lässt viele Wünsche offen. Aber gut, da wären wir wieder beim Thema "Brüche".

  • Es geht es um eine Veranstaltung des Leibniz-Instituts Potsdam. Philipp Oswalt stellt sein neues Buch vor, in dem sich alles um seine Verschwörungstheorien um das Thema Rekonstruktion dreht.

    Bei Amazon hat Oswalts Buch schon drei Rezensionen bekommen, alle sind negativ. Bis auf Angehörige seiner Blase (Kulturzeit, Spiegel..) scheint kaum jemand seine schrägen Ansichten zu teilen.


    Der Leser "jwueste" schreibt über Oswalts Buch:

    Der Autor versucht wortgewaltig zu begründen, warum die Sehnsucht nach historischen Rekonstruktionen auf ein geschichtsrevisionistisches Denken aufbaut. Bevor man darüber ein Buch schreibt, hätte sich der Autor kurz mit einer viel einfacheren Erklärung beschäftigen können: Menschen finden alte Gebäude einfach schön. Wenn es den heutigen Architekten mit ihren Bauklötzen und Glaskästen nicht gelingt, dass die Leute es schön finden, bauen sie vielleicht einfach nicht gut. Auf den Gedanken, dass dies so sein könnte, kommen aber viele - und auch der Autor offenbar - nicht. Stattdessen ist der blöde Durchschnittsbürger mal wieder rechts und dumm. So einfach ist die Welt im akademischen Elfenbeinturm.