Berliner Schloss

  • Da ich ein Infrarotfernthermometer besitze, werde ich mich im nächsten Sommer bei 35 Grad mal auf den Schlossplatz bewegen und die Temperatur auf dieser steinernen Ödnis messen !

  • Ich habe in den letzten Wochen und Monaten wirklich das gesamte Spektrum an Bericherstattung und Meinungen gelesen und gesehen. Vom Verriss bis zur Begeisterung mit meist guten Argumenten für beide Seiten (die Wahrheit liegt so häufig irgendwo in der Mitte).

    tegula

    Dann wären dir viele Forumer dankbar, wenn du die positiven oder aus deiner Sicht "mittigen" Berichte über das HuFo hier mal verlinken würdest. Das meiste, was hier in den letzten Tagen an Medienberichten verlinkt wurde war tendenziell oder deutlich negativ, bezüglich der Fassaden sowieso ("rückwärtsgewandt"), und natürlich auch in Bezug auf die zukünftigen Ausstellungen (alles "Raubkunst", etc.). Im Bereich der Printmedien hat eigentlich nur die Welt mit Rainer Haubrich das Schloss angemessen gewürdigt, die anderen Blätter haben - wie seit zwanzig Jahren - meist nur giftig rumgenörgelt. Ein Blick in Google-News bestätigt jedenfalls nicht deine These von einer insgesamt ausgewogenen Berichterstattung.

  • Einige Berichte und Meinungen, die ich für ausgewogen halte, weil sie sowohl die Kritik an als auch die Chancen des Humboldtforums thematisieren:


    https://www.welt.de/debatte/ko…arocke-Fassadenkunst.html

    https://www.zdf.de/nachrichten…erlin-eroeffnung-100.html

    https://www.bz-berlin.de/berli…s-glanz-bis-in-den-keller

    https://www.dw.com/de/humboldt-forum-kritik/a-55952173


    Im Übrigen meine ich, dass die Kritiker des Humboldtforums vielfach gute Argumente anführen, die ich teilweise nachvollziehen kann. Der Bau ist zurecht Gegenstand von Debatten. Kritik lässt sich leicht anbringen, weil das Gesamtkonzept tatsächlich in einigen Punkten Schwächen aufweist. Dennoch begrüße ich, dass das Projekt letztlich doch umgesetzt wurde. Man kann dabei über vieles diskutieren, aber ein Framing mit der Bezeichnung "Medienpropaganda" ist nicht Teil einer sachlichen Debatte, sondern dumpfe Stimmungsmache. Kritik darf man auch mal aushalten können, gerade auch wenn sie nicht ganz unberechtigt ist.

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • (...) ein Framing mit der Bezeichnung "Medienpropaganda" ist nicht Teil einer sachlichen Debatte, sondern dumpfe Stimmungsmache. (...)


    Welches Problem habe ich mit derartigen, "ausgewogenen" Berichten?


    Im Gegensatz zu polternder Meinungsmache, wie man sie in ausdrücklich manipulativen Printmedien wie der Frankfurter Rundschau oder dem Spiegel findet, werden in derartigen Artikeln rhetorische Mittel verwendet, deren Unlauterkeit Journalisten bereits in der Ausbildung gelernt haben dürften. Dazu gehört als Grundkonstrukt ein in sachlicher Form geschriebener Artikel, um diesem einen Chronisten-Charakter zu verleihen. Innerhalb des Artikels werden dann gezielt weitere journalistische No-Gos eingebaut:


    A) Das Betonen von Dingen, die sachlich richtig sind, aber durch Betonung an Gewicht gewinnen

    Ein schönes Beispiel ist die Überschrift des ZDF-Artikels: "Umstrittenes Humboldtforum eröffnet". KEIN Gebäude ist unumstritten. Damit ist die Attribuierung überflüssig. Es sei denn, man möchte dies extra betonen: Dieses Gebäude ist MEHR umstritten als andere.


    B) Das Weglassen relevanter Aspekte

    Der ZDF-Artikel schreibt "Zuletzt sorgte das Humboldt Forum für Kontroverse, weil ein Kreuz auf die historisch rekonstruierte Kuppel aufgesetzt wurde." Abgesehen davon, dass hier eine sachliche Information erst NACH der Bewertung (siehe A)) kommt, muss ein uninformierter Leser aus dieser Formulierung entnehmen, dass zwar die Kuppel historisch rekonstruiert wurde, aber das Kreuz hinzugefügt wurde.


    C) Versteckte Lügen

    Der ZDF-Artikel schreibt "Insgesamt hat der Bau des Humboldt Forums 644 Millionen Euro gekostet. Einen Großteil davon, 532 Millionen, trägt der Bund. Weitere 32 Millionen Euro das Land Berlin. Der Rest wird ausschließlich durch private Spendengelder finanziert."

    Das klingt so, als seien nur 80 Millionen gespendet worden. Es darf aber als gesicherte Erkenntnis gelten, dass es sich um 105 Millionen handelt. Das Nicht-Nennen der Spendensumme versteckt diesen Fehler zusätzlich, Es erweckt zudem den Eindruck, dass es sich bei den zusammen 564 Millionen bereits um den Löwenanteil handelt und private Spender halt noch ein bisschen was dazu gegeben haben. Dass die GESAMTE historische Fassade, ohne die das Gebäude von geradezu atemberaubender Beliebigkeit wäre, gespendet wurde, ist aus diesem Artikel nicht ersichtlich.


    D) Suggerieren falscher Kausalität

    Der ZDF-Artikel behauptet: "(…) Abriss des Palastes der Republik, der als architektonisches Erbe der DDR für die Rekonstruktion eines barocken Gebäudes weichen musste. "

    Wer halbwegs der deutschen Sprache mächtig ist und die Geschichte nicht kennt, muss diesem Satz entnehmen, dass ein Entschluss gefasst wurde, den Palast der Republik abzureißen, WEIL er ein Erbe der DDR darstellt und DAMIT (irgend-)ein altes Gebäude wieder dahingestellt werden kann. Die Asbestbelastung spielt hier keine Rolle, und der unbedarfte Leser denkt, man hätte den Palast bloß stehenlassen müssen. Dass eine Sanierung des PdR ebenfalls Millionen gekostet hätte, bei weitaus geringerer Nutzfläche im Vergleich zur Schloss-Reko, erfährt der Leser ebenfalls nicht.


    E) Herabwürdigung durch Erzeugung von Zusammenhängen mit unabhängigen negativen Themen

    Im ZDF-Artikel heißt es:"Doch mit der Debatte ist auch eine allgemeinere, öffentliche Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialvergangenheit angestoßen worden." Diese Aussage ist unwahr. Eine derartige (durchaus berechtigte) Debatte ist schon früher, unabhängig vom Schloss-Neubau und außerdem europaweit angestoßen worden. Dass durch den Umzug von Dahlem auf die Museumsinsel kein einziges kritisiertes Ausstellungsstück hinzugekommen ist, sollte belegen, dass diese Debatte auch OHNE den Schloss-Neubau stattgefunden hätte. Aufgebläht wurde es lediglich von den ideologisch motivierten Schloss-Gegnern, die dieses Thema gerne als Steilvorlage missbraucht haben.


    Fazit: Die Lauterkeit eines Artikels bemisst sich daran, was am Ende beim Leser hängenbleibt, nicht an der vorgetäuschten Objektivität.


    Um die von Maecenas zurecht vorgebrachten Punkte zu belegen, bedarf es aber leider einer tieferen Analyse, wie ich sie hier in Ansätzen begonnen habe. Derartige Analysen der gesamten, zumeist öffentlich-rechtlichen Berichterstattung wären sicherlich ein Augenöffner für viele unbedarfte Medien-Konsumenten.


    Es würde deutlich werden, dass die beiden Prämissen dieser mittlerweile verbreiteten art der Berichterstattung lauten: "Wir haben keinen Informationsauftrag, sondern einen Erziehungsauftrag" und "der Zweck heiligt die Mittel".


    Wer angesichts dessen nicht besorgt ist, betrachte sich bitte als Teil des Problems.

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    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Dann versuche ich mal deine Vorwürfe zu entkräften:


    A) Das Betonen von Dingen, die sachlich richtig sind, aber durch Betonung an Gewicht gewinnen

    Ein schönes Beispiel ist die Überschrift des ZDF-Artikels: "Umstrittenes Humboldtforum eröffnet". KEIN Gebäude ist unumstritten. Damit ist die Attribuierung überflüssig. Es sei denn, man möchte dies extra betonen: Dieses Gebäude ist MEHR umstritten als andere.

    Das Humboldtforum IST höchst umstritten. Wenn nicht dieser Bau, welcher sonst? Es ist simple Tatsache. Das beweisen ja auch die hier immer wieder angeführten kritischen Stimmen zum Humboldtforum.


    B) Das Weglassen relevanter Aspekte

    Der ZDF-Artikel schreibt "Zuletzt sorgte das Humboldt Forum für Kontroverse, weil ein Kreuz auf die historisch rekonstruierte Kuppel aufgesetzt wurde." Abgesehen davon, dass hier eine sachliche Information erst NACH der Bewertung (siehe A)) kommt, muss ein uninformierter Leser aus dieser Formulierung entnehmen, dass zwar die Kuppel historisch rekonstruiert wurde, aber das Kreuz hinzugefügt wurde.

    Das sollte wohl zum Ausdruck bringen, dass das Kreuz in den ursprünglichen Plänen nicht vorgesehen war. Will man hier mit aller Macht eine Manipulation sehen, dann kann man das natürlich auch so interpretieren wie du.


    C) Versteckte Lügen

    Der ZDF-Artikel schreibt "Insgesamt hat der Bau des Humboldt Forums 644 Millionen Euro gekostet. Einen Großteil davon, 532 Millionen, trägt der Bund. Weitere 32 Millionen Euro das Land Berlin. Der Rest wird ausschließlich durch private Spendengelder finanziert."

    Das klingt so, als seien nur 80 Millionen gespendet worden. Es darf aber als gesicherte Erkenntnis gelten, dass es sich um 105 Millionen handelt. Das Nicht-Nennen der Spendensumme versteckt diesen Fehler zusätzlich, Es erweckt zudem den Eindruck, dass es sich bei den zusammen 564 Millionen bereits um den Löwenanteil handelt und private Spender halt noch ein bisschen was dazu gegeben haben. Dass die GESAMTE historische Fassade, ohne die das Gebäude von geradezu atemberaubender Beliebigkeit wäre, gespendet wurde, ist aus diesem Artikel nicht ersichtlich.

    Die Zahlen stammen vom Humboldtforum selbst und sind keine Lüge: https://www.humboldtforum.org/de/faq/


    D) Suggerieren falscher Kausalität

    Der ZDF-Artikel behauptet: "(…) Abriss des Palastes der Republik, der als architektonisches Erbe der DDR für die Rekonstruktion eines barocken Gebäudes weichen musste. "

    Wer halbwegs der deutschen Sprache mächtig ist und die Geschichte nicht kennt, muss diesem Satz entnehmen, dass ein Entschluss gefasst wurde, den Palast der Republik abzureißen, WEIL er ein Erbe der DDR darstellt und DAMIT (irgend-)ein altes Gebäude wieder dahingestellt werden kann. Die Asbestbelastung spielt hier keine Rolle, und der unbedarfte Leser denkt, man hätte den Palast bloß stehenlassen müssen. Dass eine Sanierung des PdR ebenfalls Millionen gekostet hätte, bei weitaus geringerer Nutzfläche im Vergleich zur Schloss-Reko, erfährt der Leser ebenfalls nicht.

    Zugegeben: Es ist verkürzt dargestellt, aber im Ergebnis richtig.


    E) Herabwürdigung durch Erzeugung von Zusammenhängen mit unabhängigen negativen Themen

    Im ZDF-Artikel heißt es:"Doch mit der Debatte ist auch eine allgemeinere, öffentliche Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialvergangenheit angestoßen worden." Diese Aussage ist unwahr. Eine derartige (durchaus berechtigte) Debatte ist schon früher, unabhängig vom Schloss-Neubau und außerdem europaweit angestoßen worden. Dass durch den Umzug von Dahlem auf die Museumsinsel kein einziges kritisiertes Ausstellungsstück hinzugekommen ist, sollte belegen, dass diese Debatte auch OHNE den Schloss-Neubau stattgefunden hätte. Aufgebläht wurde es lediglich von den ideologisch motivierten Schloss-Gegnern, die dieses Thema gerne als Steilvorlage missbraucht haben.

    Hier wird doch eine positive Entwicklung hervorgehoben, die durch das Humboldtforum angestoßen wurde! Wie man dies ins Gegenteil verkehren kann, ist mir schleierhaft.


    Fazit: Von deiner angeblichen Manipulation ist nichts übrig gebleiben.

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  • Fazit: Von deiner angeblichen Manipulation ist nichts übrig gebleiben.

    Nach dem Lesen deiner Antwort fühle ich mich in meinen Argumenten sogar noch gestärkt. Aber wenigstens dürfen wir hier im Forum eine solche offene Diskussion haben, bei der alle ihre Meinungen vertreten dürfen! So etwas finde ich fast noch wichtiger.

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  • Martintre


    Wer meint, anderen Lügen über das Humboldtforum unterstellen zu müssen, obwohl sich dieselben Angaben offiziell auf der Website des Humboldtforums wiederfinden, der sollte zumindest den Anstand haben zuzugeben, sich verrannt zu haben. Medien-Bashing ist ja so einfach. Man muss es niemanden gegenüber verantworten, nicht?

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  • Die erstklassige Analyse von Martintre zeigt, dass es keineswegs immer reißerische Schlagzeilen sein müssen (wie z.B. beim Spiegel, "Das Gespensterschloss"), über die die Stimmungsmache gegen das Schloss transportiert wird, sondern dass dies vielmehr meist mit subtilen Formulierungen passiert.

    Und Tegula, der ja krampfhaft an seiner These einer angeblich überwiegend ausgewogenen Berichterstattung zum HuFo festhält konnte zum Beleg dieser These nicht einmal eine Hand voll Beispiele ranziehen.

  • Und Tegula, der ja krampfhaft an seiner These einer angeblich überwiegend ausgewogenen Berichterstattung zum HuFo festhält konnte zum Beleg dieser These nicht einmal eine Hand voll Beispiele ranziehen.

    Ab wie vielen Belegen hätte ich denn deine Zustimmung? Nur damit ich nächstes Mal noch ein paar mehr Beispiele in der Liste habe.


    Scherz beiseite: Eine ausgewogene Berichterstattung ist ein einem Land mit freier Presse übrigens der Normalzustand. Dafür bedarf es keiner ausgesprochenen These. Im Gegensatz dazu gehört schon etwas mehr als ein paar erdachte Vorwürfe, um das hier immer wieder angestimmte Lied der Lügenpresse am Laufen zu halten. Die Platte hat schon lange einen Sprung.

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    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Im Gegensatz dazu gehört schon etwas mehr als ein paar erdachte Vorwürfe, um das hier immer wieder angestimmte Lied der Lügenpresse am Laufen zu halten.

    Was soll denn jetzt bitte diese freche Behauptung?? Ich denke solche Polemik solltest du dir sparen, auch wenn du mit allen Mitteln den Mainstreamjournalismus (ja, in diesem Kontext kann man davon sprechen) verteidigen willst.

    Wir reden darüber, dass offensichtlich viele Forumsteilnehmer die Berichterstattung zum Humboldtforum der letzten Tage als einseitig bzw. tendenziell negativ wahrgenommen haben. Wie gesagt, ein kleiner Blick in Google News (Stichwort "Humboldtforum") und den Subtext der meisten Artikel lässt die Leser auch beim besten Willen wohl kaum zu der Einsicht gelangen, dass die Berichterstattung ausgewogen gewesen sein soll.

  • Das Problem der Medien ist die Einseitigkeit der Berichterstattung.

    deshalb fuer mich klein ARD, ZDF, F.A.Z, Spiegel uso. Meh

    Es schon in Voraus klar was geschrieben wird dass es kein Zweck mehr hat sich da noch ueberhaupt zu orientieren.

  • Also unter den vermeindlich "ausgewogenen" Berichten, die Tegula verlinkt hat ist eine Meldung des ZDF mit einer Minute Länge (ein sog. NIF, Nachricht im Fernsehen) und ein zweiminütiger Beitrag der Deutschen Welle, die kaum über nenneswerte Reichweite verfügt. Sonst gibt es bei Tegula noch die regionale Knallerzeitung BZ (mit einer Auflage von ca. 50.000 Exemplaren) und einen Bericht der WELT. Ich würde da im übrigen noch den wirklich guten Betrag von Hedwig Richter in der TAZ Auf zum Schloß! ergänzen.


    Die übergroße Anzahl der halbwegs überregionalen Medien hingegen berichtet, als stünde die Frage der Rekonstruktion des Berliner Schlosses zur Entscheidung an und keineswegs die Eröffnung des Humboldtforums. Denn, die Rekonstruktion des Schlosses war "umstritten", der Kompromiß mit der modernen Fassade und der Nutzungsidee der Museen der außereuropäischen Kulturen augenscheinlich der Abstimmungsergebnisse dreier deutscher Bundestags keineswegs.


    Das hindert natürlich die Überzeugungstäter, für die jede Rekonstruktion deutscher Geschichte nahezu protofaschistoid ist (ausgenommen natürlich die Rekonstruktion von Bauten des Bauhauses), bei Eröffnung die alten Argumente gegen eine vollständige Rekonstruktion zu summieren als hätte 10 Jahre keine Debatte, keine zwei grotesk gescheiterten Architekenwettbewerbe für "moderne" Fassaden sowie keine sich gegenseitig ins Absurdeste steigernden Entwürfe internationeler Spitzenarchitekten für das Schloßareal gegeben. Die drei historischen Fassaden sind doch eine Reaktion auf dieses Scheitern der zeitgenösschischen Architektur, die kongenial unter den Teppich gekehrt wird. Man müßte dringend ein Sammelband mit diesem Panoptikum, ja dieser Geisterbahn an Zerrbildern herausgeben, der jeden Wankelmütigen zu einer Zustimung zu einer Rekonstruktion bringen würde.


    Ursächlich für dieses schiefe Bild in den Medien ist aber etwas anderes, ich hatte nicht auf Einsicht oder Kompromißfähigkeit der Ideologen gehofft - die geben erfahrungsgemäß nie auf und beginnen beim nächsten Projekt mit all den gleichen Vorwürfen und Kritikpunkten, die sich gerade als falsch herausgestellt hatten. Ursächlich ist das Fehlen der Bilder von Zehntausenden Berliner und Touristen, die unter normalen Umständen den Bau gestürmt hätten. Diese Bilder, die in der Regel bei der jeder guten Rekonstruktion die Abstmmung der Menschen mit den Füßen zeigen, waren durch die Lockdown-Einschränkungen nicht verfügbar und gaben so den Kritikern mit den bekannten Vorwürfen Raum. Unter solchen Umständigen kommt auch eine einfache Aussage des Botschafters von Benin in die Tagesschau, der sonst nur in der Taz, dem Neuen Deutschland und auf der Website der Architektenkammer zitiert worden wäre.


    Deshalb ist das alles ärgerlich aber erklärbar und ich bin guter Hoffnung, daß sich der Publikumserfolg nach der Chinesenseuche einstellen wird - mit allen Konsequenzen. Spiegel, Süddeutsche und FAZ werden dann völlig schamlos genau das Gegenteil berichten, weil nun die Positivmeldungen mehr Klicks und Werbekunden versprechen. Intellektuelle Konsistenz ist ja nicht mehr gefragt.


    Also schließe ich mit der TAZ: " Alles spricht dafür: Die Menschen werden wieder zum Schloss ziehen, und sie werden es lieben. Wahrscheinlich werden die Scharen mit großer Unbefangenheit die außereuropäischen Sammlungen bestaunen. Und wie bisher schon wird die neue Aufmerksamkeit auch die Aufarbeitung befördern. Viele werden die furchtbare Geschichte des Luf-Bootes zum ersten Mal hören, das von einem deutschen Überfall gegen eine Inselbevölkerung erzählt und vom tragischen Widerstand der indigenen Männer und Frauen. Sollten wir uns nicht frei machen und gestehen: Könnte es ein schöneres Symbol der bundesrepublikanischen Demokratie geben? Hier kulminiert all das rührend Streberhafte der Deutschen. Alles wollen sie richtig machen: die Fremden umarmen, den Kolonialismus verurteilen, die Bildung fördern, die Tradition befragen und bewahren, oben Kreuz und unten Wippe – und alles wird ein bisschen schief."

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Martintre


    Wer meint, anderen Lügen über das Humboldtforum unterstellen zu müssen, obwohl sich dieselben Angaben offiziell auf der Website des Humboldtforums wiederfinden, der sollte zumindest den Anstand haben zuzugeben, sich verrannt zu haben. Medien-Bashing ist ja so einfach. Man muss es niemanden gegenüber verantworten, nicht?

    Auch das diffizile Unterschlagen von Fakten kann zu einer Lüge kumulieren.

    So wird statt bei der vom Humboldtforum genannten Spendersumme 80 Mio, vom "Rest" gesprochen.

    Wer wissen möchte, wie groß der "Rest" ist, muss nachrechnen.

    Wer dazu keine Lust hat, behält den intuitiven Eindruck, daß ein Rest immer klein und vernachlässigbar ist.

    Man nähert sich der Goebbels`schen Infamie an.

  • So wird statt bei der vom Humboldtforum genannten Spendersumme 80 Mio, vom "Rest" gesprochen.

    Wie wäre es, wenn du meinem Link zur Quelle der Angaben folgst (das Humboldtforum daselbst): https://www.humboldtforum.org/de/faq/


    Man nähert sich der Goebbels`schen Infamie an.

    Ich wollte zunächst darauf irgendwas erwidern. Dieser Vergleich ist aber so dumm, dass ich es mir erspare.

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    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Baugeschehen ist ja nun bald größtenteils passé, daher noch einige Bildchen für hier...


    Die umstrittene Tiefgarageneinfahrt am Eckrondell.


    An der umstrittenen Ostfassade vorbeispaziert.


    Im Hintergrund ist der (auch in seiner Wiederaufbaugestalt) umstrittene Berliner Dom zu sehen.


    Hier gibt es Schutz bei Regen...


    ...und zweifelsohne unvergleichliche Ausblicke.


    Auf den Rampenmauern übrigens erhebliche Mengen Krähenkot - sollte man öfter mal fegen im Herbst/Winter.



    Die Handläufe der Rampen wirken gekonnt, stilsicher und unprätentiös.


    18. und 21. Jahrhundert in liebevoller Symbiose.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Wie wäre es, wenn du meinem Link zur Quelle der Angaben folgst (das Humboldtforum daselbst): https://www.humboldtforum.org/de/faq/

    Zitat von Martintre :

    Der ZDF-Artikel schreibt "Insgesamt hat der Bau des Humboldt Forums 644 Millionen Euro gekostet. Einen Großteil davon, 532 Millionen, trägt der Bund. Weitere 32 Millionen Euro das Land Berlin. Der Rest  wird ausschließlich durch private Spendengelder finanziert."


    Und hier der Originaltext aus der von tegula genannten WebSite:

    Der Bau des Humboldt Forums kostet 644 Mio. Euro, von denen der Bund 532 Mio. und das Land Berlin 32 Mio. Euro übernehmen. Die restlichen 80 Mio. Euro für die Rekonstruktion der barocken Fassaden werden ausschließlich durch Spenden privater Förder*innen finanziert.

  • Und wofür soll das als Beweis dienen, außer, dass sich die Zahlen des ZDF mit den offiziellen Angabe des Humboldtforums decken (und wahrscheinlich auch von dort stammen)?

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  • Soll es diese Außengastronomie an der Mauer der Ostseite tatsächlich geben? Oder ist das nur zur Auflockerung in die Visualisierungaufgenommen worden? Da bin ich jetzt leider nicht auf dem neusten Stand.


    Die Leute würden dann ja direkt neben den Fahrradbügeln/Fahrradständern sitzen. So könnte man sich nach dem ein oder anderen Bierchen direkt aufs Fahrrad schwingen und davon eiern.

  • Slogan und Bildmotiv für eine Werbekampagne:

    Hier gibt es Schutz bei Regen...



    Quote

    "Die Handläufe der Rampen wirken gekonnt, stilsicher und unprätentiös."


    Es gibt Menschen, die haben Schwierigkeiten mit sehr breiten Freitreppen. Das betrifft nicht nur Gehbehinderte, sondern auch Personen mit eingeschränktem Sehvermögen oder Beeinträchtigungen des Gleichgewichtssinns. Das Geländer in der Mitte der Freitreppe ist da eine große Hilfe. Es ist aber optisch zu dürr geraten. Und der Anstrich in Tarnfarbe konterkariert den Zweck. Allerdings bildet die schmalere Rampe daneben mit Handläufen an beiden Seitenwänden eine gute Alternative. Letztlich dürfte sich aber für viele Menschen überhaupt die Frage stellen, wozu sie da runtergehen sollten.