Abriss und andere schlechte Meldungen in Kurzfassung

  • Seebastian

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    Es wäre sehr nützlich, deine hochinteressanten Fotos vom Blockhaus dort zu haben. Stell das doch bitte da nochmal ein! Und nach Möglichkeit bei den angehängten Bildern die Option "Original einfügen" wählen, damit sie im passenden Format und Größe im Beitrag zu sehen sind. Danke!

  • Ich habe beim Bilder durchschauen noch ein paar Fotos entdeckt einer Villa in Bad Pyrmont, die etwa 2016 abgerissen wurde.


    Kurzgeschichte: Ältere Frau ohne Nachkommen stirbt, das Land erbt das Haus, Stadt nutzt Vorkaufsrecht, Haus wird plattgemacht für Baustellenzufahrt zum Schulneubau dahinter, heute stehen da Wellblechhütten für Fahrräder. Traurig, aber wahr.

  • Das zeigt wieder einmal, wie wichtig es ist, ein Testament zu machen, wenn man keine direkten Nachkommen hat. Dann doch lieber jemanden finden, der vertrauenswürdig ist, und dem man sein Vermögen vermacht. Oder es der Stadt vermachen, aber mit der Auflage, das Gebäude innerhalb von zwei Jahren zu sanieren und eine Nutzbarkeit zuzuführen (Abriss verboten), andernfalls geht das Erbe an eine andere Institution mit der selben Auflage...

  • Leider kam mir vor langen Jahren ein Fall in einer süddeutschen Großstadt zu Ohren, wo die Stadt als Erbin die Immobilie gegen den erklärten Villen des Erblassers, die Immobilie der Allgemeinheit zur Nutzung zuführen, sofort zur Verwertung gab. Der Höchstbietende Investor bekam den Zuschlag und riss das Villengebäude ganz selbstverständlich ab. Man sagte mir auf meine erstaunte Rückfrage, wer könnte den gegen die Stadt klagen, es sind doch keine Verwandten mehr am Leben und die Erblasserin könne sich höchstens im Grab herumdrehen, aber nichts dagegen tun. Außerdem bekomme das doch die Öffentlichkeit gar nicht mit und selbst wenn, ist es ihr egal. Man sagte mir, das sei allgemein so üblich und werde so gemacht. Da habe niemand bei der Stadt ein schlechtes Gewissen. Traurig aber vermutlich wahr.

  • Deshalb wäre es eben gut, einen zweiten Erben einzusetzen, der das Erbe bekommt, sollte die Stadt entgegen dem Willen des Verstorbenen handeln. Dann hat dieser bereits ein Interesse daran, gegen die Stadt bei Verstoß zu klagen.

  • Es gibt schon Möglichkeiten im Testament Regelungen zu treffen um das zu erschweren. So kann zB ein Testamentsvollstrecker eingesetzt werden und wie Heimdall schreibt, ein Ersatzerbe. Der Erhalt des Gebäudes oder die gewünschte Nutzung scheitern aber dann, wenn keiner der Erben das möchte oder wirtschaftlich überfordert ist. Der Erblasser sollte daher schon vor Seinem Tod genau überlegen und sich mit dem/der potentiellen Erben in Verbindung setzten.

  • Neubau Mittelbau Traube Tonbach

    Vergangene Nacht wurde der historische Teil, der 230-Jahre-alte Mittelbau des bekannten 3-Sterne-Restaurants Traube Tonbach, die sogenannte Schwarzwaldstube, ein Raub der Flammen.


    Quelle: https://www.schwarzwaelder-bot…32-bad8-08c065ec4173.html


    Wie also soll gebaut werden?

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    Bei der Frage holt die Seniorchefin erstmal weit aus, sie spricht von der Kargheit der traditionellen Architektur im Nordschwarzwald, vom Pietismus ("Die protestantische Architektur ist die schlichtere und gradlinigere"), schlägt den historischen Bogen zum Dreißigjährigen Krieg ...


    ... Sie spricht vom "Murgtalbarock" und meint damit die überladenen, schnörkelreichen Holzeinrichtungen der 70er-Jahre, die es so nicht mehr geben werde. "Wir werden mit Sicherheit modern bauen, wir wollen ja kein Disneyland." Man wolle nichts nachbauen, was aus der Zeit gefallen ist. Es gelte, an der "Gradlinigkeit der Architektur des Nordschwarzwalds anzuknüpfen" ...


    ... "wir dürfen den alten Bauten nicht die Würde nehmen, indem wir da einen Prachtklotz hinsetzen". Drei einzelne Gebäude solle das "neue Stammhaus" umfassen, "drei Häuser, die nicht so wuchtig aussehen", zudem miteinander verbunden sind. "Alles sehr leicht, mit viel Glas

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    "Sicherlich, alles soll moderner gestaltet werden, aber auch mit herkömmlichen Elementen wie Holz." Leichter soll der Neubau werden, "ganz anders", aber er müsse sich zugleich auch "demütig in die Region einpassen". Moderne und Tradition eben. Auch müsse es einen "Wiedererkennungseffekt" für den Gast geben.

    Quelle: https://www.schwarzwaelder-bot…b4-ab8d-0e3cf0633614.html



    Nachdem ich "Alles sehr leicht, mit viel Glas" infolge des indoktrinierten wie abgedroschenen "Disneyland" las, wage ich auch mit Blick auf die Übergangsgaststätte "temporaire"zu sagen, dass hier weder etwas Regionaltypisches, Würdevolles noch Ästhetisches im Sinne des Ortsbildes entstehen wird. Vom "Murgtalbarock" hat man indes jahrelang sehr gut gelebt. Hauptsache den Gäste schmeckt's!

  • Zitat:

    "... Sie spricht vom "Murgtalbarock" und meint damit die überladenen, schnörkelreichen Holzeinrichtungen der 70er-Jahre, die es so nicht mehr geben werde."


    Sehr schade, denn ich kann diesem Einrichtungsstil durchaus schöne Seiten abgewinnen. Immerhin gibt es da etwas zu sehen. "Schnörkellosigkeit" und Glasfassaden habe ich in Frankfurt ausreichend.

  • Zitat:

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    Die vier Mietshäuser sollen als „Vorzeigeobjekt für nachhaltiges, ökologisches Bauen und Wohnen“ dienen. „Angestrebt ist unter anderem eine Zertifizierung des Projekts durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen mit Gold oder Platinstatus und gleichzeitiger TÜV-Zertifizierung.“

    Zimmermann erwartet, dass die Lebensdauer der Neubauten mindestens der eines „normalen“ Hauses entspricht. „Kostengünstiger als eine konventionelle Bauweise ist diese Art des Bauens aber nicht; im Gegenteil. Es geht vielmehr darum, den Aspekt der Nachhaltigkeit und der CO2-Neutralität zu verfolgen.

    Mir wäre neu, dass der Abriss offenbar intakter Häuser und die Erstellung eines Neubaus "nachhaltig", "ökologisch" und "CO2-neutral" ist.


    Zitat:

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    Müller (...) übernahm die bereits von den Urgroßeltern geführte Gaststätte: „Ich hänge emotional sehr an dem Gebäude.

    “Weshalb er das Gebäude auch an einen Investor verkaufte, der es umgehend abreißen lässt.


    :lachentuerkis:

  • Mir wäre neu, dass der Abriss offenbar intakter Häuser und die Erstellung eines Neubaus "nachhaltig", "ökologisch" und "CO2-neutral" ist.

    Genau mein Gedanke. Also wieder ein Projekt, das alles andere als nachhaltig ist. Nach ein paar Jahrzehnten wird dann sicher wieder abgebrochen. Für wieder was Neues und noch Nachhaltigeres.

  • Die Mogelpackung "okologisch" scheint noch immer zu funktionieren. Was bittschön ist ökologischer daran weitere Bäume zu fällen um seelenlose Holzkästen daherzusetzen, als den alten Holzbestand vorhandener Gebäude zu sanieren?