Leipziger Neuseenland

  • Ich finde diese billige Ferienarchitektur nicht doll, stehe mehr auf historisierende Gebäude immer und überall. Deswegen können diese Schachteln mich nich überzeugen.
    Die klassische Bäderarchitektur wie man sie überall in Deutschland findet gefällt mir besser.

  • Danke für den Film. Ja, es gab nach der Wende ein schweres Erbe und viele wirtschaftlich schmerzhafte Umstrukturierungen, die aus dem Erbe der DDR resultierten. Deshalb wird Helmut Kohl auch heute noch von interessierter Seite als Lügner dargestellt, weil er von "blühenden Landschaften" im Osten sprach. Sieht man aber die sanierten Innenstädte in den östlichen Bundesländern und die hier entstandenen Naturareale, kann ich nur sagen, dass die blühenden Landschaften in vielen Bereichen Realität geworden sind. Man muss ja im Auge behalten, wie der Stand 1990 war.

  • Ich bin jedenfalls gespannt, was für, wann und wieviele Früchte geerntet werden können. ;)


    Wenn man etwas im Netz herumsucht, kann man erstaunliches finden. Zum Beispiel einen Stahlbauer bei der Arbeit auf der Abraumförderbrücke 17. 8o

  • Zwenkau im Winter 2013


    Auch die StadtZwenkau sollte nach den Plänen der DDR-Oberen der Kohle weichen. Daraus wurde nichts.


    Die Stadt ist nicht gerade ein Schmuckstück.




    Hat aber Potential.






    Auch das Eichholz - der Stadtwald von Zwenkau- sollte verschwinden.



    Eigene Fotos.

  • Zwenkau Winter 2013


    Durch das Eichholz gelangte man früher zum Ort Eythra. Bis die Kohle kam. Heute besteht noch die historische Lindenallee. Die künstliche Ruine Trianon war bereits abgerissen und ausgelagert. Heute steht das Trianon wieder am alten Ort.






    Eigene Fotos.

  • Die klassische Bäderarchitektur wie man sie überall in Deutschland findet gefällt mir besser.

    Wie man sie überall in Deutschland findet? Es gibt die Bäderarchitektur doch in relevantem Ausmaß nur an der mecklenburgischen und pommerschen Ostseeküste, und vereinzelt in Schleswig-Holstein. Ableger der Kurarchitektur dann sporadisch im Binnenland, aber das ist ja nicht das selbe. Also keine Ahnung, was du damit aussagen wolltest.

  • Mir gefällt die klassische Bäderarchitektur auch besser - selbst wenn man sie nur sporadisch finden sollte.


    Zu den Tagebauopfern zählt das Schloss Eythra. Überlebt hat daraus im Leipziger Grassimuseum für Angewandte Kunst dieses schöne Interieur. Wenn man in dem Raum steht, ist es noch viel schöner als auf dem Foto. Man ist dann auf allen Seiten von den kostbaren Bildtapeten umgeben. Ich staune immer wieder, wie viel Schönheit es früher allüberall in Deutschland gegeben hat. Es ist so vieles verschwunden! Um so wertvoller sind die erhaltenen Reste.


    Die Tagebaufolgelandschaften, die Stahlbauer meisterlich im Lichtbild festhält, sind - wo die Renaturierung gelungen ist - in der Tat "gewöhnlich" und banal. In weiten Teilen Sachsen-Anhalts und Nordsachsens, die von den Tagebauen verschont blieben, finden wir dieses Landschaftsbild: weit und flach, dünn besiedelt und wenig Wald. Nur die großen Wasserflächen gibt es dort nicht.

  • Bäderarchitektur mit den typischen Wintergärten aus Holz findet man überall in deutschen Kurorten mal mehr mal weniger. Nicht nur an der Ostsee.
    Wenn Bildereinstellen hier nicht so nervig wäre würde ich für Erbse tolle Fotos hochladen. Dauert mir aber zu lange.
    Bad Salzelmen ist zb damit gesegnet.

  • Liebe Fabsina,


    es handelt sich um den sog. "Schweizerhaus Stil". Er zeichnet sich im Stil alpenländischer Bauernhäuser durch ein flachgeneigtes Dach, Balkone und andere Austritte mit schön ausgesägten Brüstungsbrettern, reichen Sägearbeiten und Brettschnitzereien im Giebel- und Dachbereich aus. Der Giebel ist meistens ein vorgesetzter Schwebegiebel. Die Dächer sind in aller Regel weit vorkragend. Oftmals sind diese Gebäude als Fachwerkhäuser mit Sichtfachwerk erstellt worden. Der Schweizerhaus Stil verbreitete sich etwa ab der Mitte des 19. Jh. in Deutschland, Österreich-Ungarn (dort nennt man den Stil Heimatstil), in Skandinavien und schließlich auch in der Schweiz. Dieser Baustil wurde bis ins 20. Jh. praktiziert, man kann sagen etwa bis zum I. Weltkrieg. In ab ca. 1900 errichte Häuser dieses Stils fanden mehr und mehr Elemente des Jugendstils Eingang. Die Villen im Schweizerhausstil waren sehr beliebt, nicht nur an Badeorten, sondern sie wurden, wie Fabsina zurecht bemerkt, überall in Deutschland und in den den oben genannten Ländern errichtet. Einerseits strahlten diese Gebäude eine gewisse ländliche und behäbige Anmut aus, gegenüber jenen Prachtvillen, welche ganz in Steinbauweise erstellt wurden. Andererseits waren die Baukosten ungleich günstiger als bei reinen Steinbauten, das Fachwerkgerüst war sehr schnell aufgestellt und die Ausmauerung kam wesentlich billiger als wenn man Villen mit dicken, massiven Steinmauern errichtet häte. Es war also auch die Bauzeit der Häuser im Schweizerhausstil sehr viel geringer. Wie ich gelesen habe, wurden solche Häuser oft in einem Zeitaum von zwei bis drei Monaten erbaut, wobei es freilich auch sehr von der Größe des Gebäudes abhing.

  • Hier Beispiele des Schweizerhausstils:


    Eine Villa im Schweizerhausstil in Bad Harzburg, aufgenommen an Pfingsten 1899 aus dem Fenster des Hotels mit "Blick nach dem Burgberg":




    Villa Vitarius in Lauda im Taubertal Aufnahme um 1900, Postkarte aber sehr viel später erst gelaufen:




    Quellen der nachfolgenden Beispiele


    Wikipedia:


    Schweizerhaus in Klein Glienicke



    buergerverein-wiehre:


    Freiburg i. Br. OT Wiehre



    merian.de
    Villa an der Starndpromenade von Binz auf Rügen

  • Die Vergleiche der Neubauten im Leipziger Neuseenland mit der klassischen Bäderarchitektur verwundern mich dann doch. So schlecht scheinen die Quaderneubauten wohl doch nicht zu sein.


    Zur Erinnerung mal wieder ein Foto der Gegend aus dem Jahr 1990.



    Bundesarchiv Bild 183-1990-0713B-021, Espenhain, Braunkohleveredelungswerk
    Bundesarchiv, Bild 183-1990-0713B-021 / Grubitzsch (geb. Raphael), Waltraud / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons


    Bereits zu Ostzeiten
    wurde für den Umweltschutz gekämpft. Im verlinkten Bericht wird die sozialistische Mär weitererzählt, dass die Faschisten schuld wären.



    Die Kommunisten haben dann eher Mauern gebaut. Die Braunkohleindustrie in Sachsen ist vom Freistaat Sachsen aufgebaut worden. Dafür wurde 1923 in Dresden die Aktiengesellschaft Sächsische Werke gegründet. Deren Technik lief dann bis in die 1990er-Jahre. So alt sah die dann auch aus.






    Langsam verändert sich die Gegend. Und es kommen auch Villen im Schweizerhausstil hinter Büschen wieder zum Vorschein. Wenn ich mal wieder vorbeifahre und Zeit habe...


  • Der Südraum Leipzig, in dem sich der größte Teil des Leipziger Neuseenland befindet, ist auch heute noch von der Industrie geprägt. Wenn Tagebaue bereits vor vielen Jahren renaturiert wurden, muss man heute schon genau hinsehen, um dies zu erkennen.


    Großdeuben ist so ein Ort. Dieses Foto ist nicht weit entfernt von Großdeuben entstanden. Großdeuben, die Fernstraßen 2 und 95, die Infrastruktur der Eisenbahn und der Fluß Pleiße wurden zwischen die Großtagebaue Böhlen (später Zwenkau genannt) Espenhain der AG Sächsische Werke, Dresden und deren Nachfolgeunternehmen gequetscht. Wer wollte schon im Bergbauschutzgebiet wohnen? Auch heute noch ist der Verfall allgegenwärtig. Aber es geht aufwärts.







    Eigene Fotos.