Berlin - Karstadt am Hermannplatz

  • “Kotzjunker”” ist eine Parole aus der DDR der fuenfzigerJahren wonach die Landenteignung kam fuer die. LPG,’s.

    ,,Fascho Benko Enteignen ,, auch so eine Parole aus DDR fuenfzigern.

    Nein, das stimmt nicht. "Kotzjunker" und "Fascho" sind Wörter, die es in der DDR nicht gab.


    "Kotzjunker" ist eine Ad-hoc-Bildung und kein Teil des deutschen Wortschatzes. Deine Anspielung bezieht sich auf die Bodenreform. Die war unmittelbar nach dem Krieg, also in der Sowjetischen Besatzungszone, und führte zur Bildung kleinbäuerlicher Betriebe. Die Parole war damals "Junkerland in Bauernhand". Der Zusammenschluss zu Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) erfolgte erst 5 bis 15 Jahre später.


    "Fascho" ist ein Wort aus dem westdeutschen Politjargon. Es gehört zu einer Gruppe ähnlich gebildeter Substantive (Realo, Normalo, Fundi, Sponti). Diese Wörter wurden mit dem Aufkommen der Grünen in Westdeutschland populär.


    Ich finde unpassende DDR-Vergleiche total nervig. Königsbau hatte bereits die richtigen Worte gefunden:

    Das ist halt das heutige Twitter-Niveau. Man diskutiert nicht mehr sondern versucht den Gegner mit Geschrei und verbaler Rohheit "auszuschalten".

    Und Twitter hat eben mit der DDR nichts zu tun.

  • Ein ganz aktueller Bericht aus der Berliner Morgenpost.


    https://www.morgenpost.de/berl…nnplatz-vorantreiben.html

    (...) Der Kaufhaus-Konzern Signa will die Karstadt-Filiale am Hermannplatz grundlegend umbauen. Bausenator Andreas Geisel ist dafür.


    Berlins neuer Bausenator Andreas Geisel (SPD) will den umstrittenen Umbau des Karstadt-Gebäudes am Hermannplatz zügig voranbringen. (...)

    Hört sich für mich ziemlich gut an. :daumenoben:

  • Auf mich macht der neue Senat einen wirklich guten Eindruck. Klare Kommunikation, klare Ziele, bislang fast alle Entscheidungen in die richtige Richtung. Dass dabei nicht alles und an jeder Stelle in "unserem" Sinne bleiben wird, ist auch klar. Es wird noch genug geben, über das wir uns aufregen können - aber trotzdem scheint Giffey eine recht klare Vorstellung davon zu haben, wie sich Berlin entwickeln soll.


    Sowohl, dass das Bauressort an die SPD gegangen ist als auch die Entscheidung für die neue Senatsbaudirektorin sprechen dafür, dass dieses Thema ihr wichtig ist und nicht -wie bislang viel zu lange- unter "Gedöns" abgeheftet wurde. Sie scheint zu wissen, was sie will. Das ist schonmal der erste, wichtige Schritt, auch wenn sich sicherlich nicht alle Erwartungen erfüllen werden.

  • Auf mich macht der neue Senat einen wirklich guten Eindruck. Klare Kommunikation, klare Ziele, bislang fast alle Entscheidungen in die richtige Richtung.

    Dabei beziehst du dich konkret auf den Themenbereich "Bauen", oder?

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    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Ein Artikel in der Morgenpost....der Bausenator will den Karstadt-Umbau vorantreiben und dazu noch den Hermannplatz umgestalten.

    "....es sei sinnvoll, „dort schnell einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen“. Und weiter: „Ich schlage dem Senat vor, das in den ersten 100 Tagen zu tun.“ Nachdem mehrere Jahre geredet wurde, sei man nun so weit, zu einer Entscheidung zu kommen, sagte Geisel, der zuletzt Innensenator war...."


    https://www.morgenpost.de/berl…nnplatz-vorantreiben.html

  • Ein vorhabenbezogener B-Plan benötigt vom Aufstellungsbeschloß bis zur Festsetzung, und damit der Grundlage für eine Beaugenehmigung, in Berlin in der Rehle 6-8 Jahre.

  • Der Tagesspiegel hat sich jetzt auch dem Thema angenommen.


    https://www.tagesspiegel.de/be…ndert-tagen/27959908.html

    (...) Berlins neuer Senator für Stadtentwicklung Andreas Geisel (SPD) will den umstrittenen Umbau des Karstadtgebäudes am Hermannplatz durch dessen Eigner Signa beschleunigen. Für die Entwicklung des Standorts sei es sinnvoll, schnell einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. (...)

    Folgend nochmal die Visualisierungen für das Haus. Die Bilder lassen sich durch Anklicken vergrößern.

    Wenn es tatsächlich in dieser Form und dieser Farbe realisiert wird, wäre das phantastisch.


    https://nichtohneeuch.berlin/w…ild01-bluehour-scaled.jpg


    https://nichtohneeuch.berlin/w…d03-hasenheide-scaled.jpg


    https://nichtohneeuch.berlin/w…klunkerkranich-scaled.jpg


    https://nichtohneeuch.berlin/w…terrasse-klein-scaled.jpg

  • Folgend nochmal die Visualisierungen für das Haus. Die Bilder lassen sich durch Anklicken vergrößern.

    Wenn es tatsächlich in dieser Form und dieser Farbe realisiert wird, wäre das phantastisch.

    Ich weiß nicht recht, irgendwie steht der Bau für zu vieles, was eine Stadt kaputt macht. Es ist ein gigantischer Klotz, der alles in seiner Umgebung verzwergt. Es ragt großflächig über die übliche maximale Bauhöhe hinaus und ist damit ein weiterer Baustein eine einheitliche Dächerlandschaft zu zersetzen. Seine herausstechende Rolle dabei im Stadtbild wird es jedoch in seiner Funktion nicht gerecht. Auch hat es für diese riesige Momumentalität im Vergleich doch wieder eine recht reizarme Fassade, die nur durch die Türme etwas aufgebrochen wird. Es nimmt kaum einen Bezug zur Umgebung und ist auch nicht besonders typisch für Berlin. Wo ist der Unterschied zu einem Bau der Moderne? Reicht es, sich auf einen Vorgängerbau zu stützen, dessen Reste man nun wieder sinnvoll einbindet? Meiner Meinung nach nicht.

  • Ich sehe das grundsätzlich so ähnlich wie Majorhantines, habe mit dem Bau aber inzwischen auch meinen Frieden gemacht.

    Ich sehe die Rekonstruktion inzwischen als einen Vertreter einer Art von nostalgischem "Retrofuturismus", der uns zeigt, wie man sich in den späten 20iger Jahren des 20. Jahrhunderts die Zukunft vorgestellt hat (https://de.wikipedia.org/wiki/Retro-Futurismus).

    Als solchen finde ich das Gebäude dann auch in Ordnung.

  • Ich schließe mich Chamfort an. Vor allem aber gefallen mir die großen Bäume auf dem Dach nicht. Sie stören die Illusion eines historischen Gebäudes und insbesondere seine markante Silhouette mit den beiden Türmen. Ich frage mich zudem, wo die Bäume wurzeln sollen. Sie bräuchten doch einen Trog mit verstärkter Unterkonstruktion, in dem sich der Boden befindet. In der Visualisierung scheint die Dachschicht über den Räumen des obersten Geschosses aber auch nicht stärker zu sein als bei anderen Gebäuden.


    In der Höhe würde ich bei Sturm auch größere Schäden erwarten. Da fegt der Wind doch ungehindert durch. Kennt sich jemand aus mit Dachwäldern?


    Und von der Nutzung: Innen wird es nicht das, was die Fassade verspricht. Eben kein spektakuläres Riesenkaufhaus, sondern einfach nur ein großvolumiges Investment mit Nutzungsmix.


    Nebenbei: Chipperfield redet gern von Authentizität. Die sehe ich bei dem Retro-Karstadt gar nicht gegeben. Eigentlich passt der Bau nicht zu Chipperfields Philosophie. Auch weil die Architektur etwas Großspuriges hat.

  • Wenn das fertig ist, kann dort ja wieder ein neuer 20er-Jahre-Berlin-ARD-Mehrteiler gedreht werden...

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

  • Die großen Bäume sind auf der Visualisierung so groß, um das Projekt dem "grünen" Zeitgeist gefällig zu machen. In der Realität dürften sie nicht so groß werden. Man sollte sich also nicht so sehr von solchen Visualisierungen täuschen lassen, wir kennen doch die Architekten-Tricks. Aber, solche Bäume dürften ebenso bei jedem anderen Neubauprojekt an der Ecke zu erwarten sein. Klimawandel, Dachgrün, Bienen in der Stadt usw. Jeder Investor wird das bei einem Projekt dieser Größe berücksichtigen müssen, um den erwartbaren Berliner Gentrifizierungsanwürfen etwas den Wind aus den Segeln nehmen zu können.


    Und wenn wir jetzt mit Außen und Innen anfangen, also dass dort keine reine Super-Kaufhaus-Mall entsteht, dann sind wir auf der Argumentationslinie von Leuten, die sagen, dass im Berliner Schloss ja kein Monarch mehr wohnt, sondern ein Völkerkunde-Museum zu finden ist, somit die Barockfassaden nicht zur Nutzung passen, ergo: nie hätten gebaut werden dürfen.


    Ich sehe es so: Der Ist- Zustand ist schlechter. Jeder erwartbare andere Neubau in dieser Dimension dürfte nur uninteressanter und noch weniger an die Ecke passend werden, bestenfalls eine Front aus Rasterfassaden oder etwas a la Dresden Ferdinandplatz. Diese Rekonstruktion ist somit als Reminiszenz an die "goldenen 20er" Berlins zu verstehen, als eines der seltenen bekannten Beispiele von Art déco in Deutschland. Insofern passt sie schon. Und etwas Monumentalität kann eine Hauptstadt an einigen Stellen auch vertragen.


    Dass dieses Konzept nicht auf Rothenburg ob der Tauber übertragbar ist, versteht sich allerdings von selbst.

  • Ich sehe es so: Der Ist- Zustand ist schlechter. Jeder erwartbare andere Neubau in dieser Dimension dürfte nur uninteressanter und noch weniger an die Ecke passend werden, bestenfalls eine Front aus Rasterfassaden oder etwas a la Dresden Ferdinandplatz. Diese Rekonstruktion ist somit als Reminiszenz an die "goldenen 20er" Berlins zu verstehen, als eines der seltenen bekannten Beispiele von Art déco in Deutschland. Insofern passt sie schon. Und etwas Monumentalität kann eine Hauptstadt an einigen Stellen auch vertragen.


    Dass dieses Konzept nicht auf Rothenburg ob der Tauber übertragbar ist, versteht sich allerdings von selbst.

    Ich schließe mich vollumfänglich an. Wir müssen doch auch "kritische Rekonstruktionen" in diesem Land mit der Lupe suchen. Nicht nur ist das aktuelle Elend bedeutend größer, sondern auch alles Andere, Neue, was sonst an dieser Stelle vielleicht mal gebaut würde. Hinzu kommt (aber das ist natürlich Geschmackssache), dass ich ein großer Freund der Architektur der 20er Jahre bin und hier besonders dieser Übergangsstile zwischen auslaufendem Reform- und Jugendstil, Expressionismus und Art Deco und auch die Chicagoer Wolkenkratzerarchitektur aus der Zeit sehr mag.


    Insofern passt das für mich alles, und ich finde das Gebäude gerade WEGEN seiner Monumentalität grandios. Anders als bei der Nachkriegshochhaustristesse merkt man eigentlich jedem Hochhaus aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg an, dass es etwas Besonderes war. Und das gilt für dieses tolle Beispiel der Architektur der späten Zwanziger auch und ganz besonders. Von mir aus genau so bauen!

  • So eine Haltung verärgert mich. Was wollt ihr denn für ein Stadtbild, wenn man auf der Ebene argumentiert, dass man halt ein Projekt durchwinkt oder sogar begrüßt, einzig weil die Alternativen mutmaßlich schlechter wären. Damit kann man ja alles rechtfertigen. Dann sind irgendwelche Kaufhausbetonklötze z.B. in der Regensburger Altstadt ein ,,Segen", weil der Ersatz bestimmt noch grausamer wäre, oder eine Ruine immer noch besser in einer Altstadt, als der Ersatzbau, den die Ruine verhindert. Das ist doch radikal. Ihr verkauft da Eure Seele an so ein Projekt, bloß weil es den Titel Reko hat, und geht munter darüber hinweg, dass man mit so einem Bau jeden Flachdach-Pseudogrün-Hochhausgigantismus rechtfertigen könnte.

    Fragt Euch lieber mal, warum der Investor so eine Liebe für Rekonstruktion an diesem Ort empfindet: Die Antwort wird lauten, er kann so deutlich dichter und wahrscheinlich sogar ohne besondere Anpassung seinen Neubau in Rasterfassade errichten, als wenn er im Gegensatz nahe den Ansprüchen des Vereins hier geblieben wäre, nämlich kleinteilig und mit eingepasster Gestaltung zu ergänzen. Wenn man dies sich vergegenwärtigt, so ist eine solche Reko eher ein Schritt weg von Rekonstruktionen, wie sie so geliebt werden. Die Investoren rekonstruieren hier Frühmoderne, weil es den heutigen bauwirtschaftlichen Mechanismen perfekt passt.

  • Ein 20-Jahren Reko ist also immer besser dann alles was die "Modernen" schaffen können........

    Wenn das wahr ist dann sollen wir noch einige 20-er wieder aufbauen......

  • Chamfort

    Das großstädtische Kreuzberg/Neukölln mit der Altstadt von Regensburg zu vergleichen, finde ich sehr kühn.

    Es geht darum, baulich/architektonisch den Vorkriegszustand wiederherzustellen.

    Wir sind hier in einer Millionenmetropole und ich für meinen Teil als gebürtiger und hier lebender Berliner wäre begeistert, wenn dieses imposante Stück des Vorkriegsberlin zurückkehrt. Und wenn man sich auf dem Bild

    https://nichtohneeuch.berlin/w…ild01-bluehour-scaled.jpg


    die Relationen zu den Nachbarhäusern ansieht, dann kann ich keinen wirklichen Hochhausgigantismus erkennen. Die Wirkung mag durch die beiden Türme entstehen, das Sockelgebäude hat aber, optisch am Umfeld geschätzt höchstens 8 oder 9 Stockwerke. Das hat jeder stinknormale Plattenbau zwischen Alexanderplatz und Ostbahnhof.

  • Das großstädtische Kreuzberg/Neukölln mit der Altstadt von Regensburg zu vergleichen, finde ich sehr kühn.

    Es geht darum, baulich/architektonisch den Vorkriegszustand wiederherzustellen.

    Scheinbar verstehst Du eben den Vergleich nicht. Ich sage nicht, dass die Altsubstanz einer mittelalterlichen Stadt mit Gründerzeitlern in Kreuzberg was zu tun hat. Ich ziehe den Vergleich, weil es genauso rücksichtslos hineingeklotzt wird und vergleichbar überdimensioniert wirkt. Darüber hinaus habe ich mit dem Beispiel mehr auf argumentative Parallelen verwiesen, als auf konkret örtliche.

    Baulich den Vorkriegszustand einer Stadt wiederherstellen zu wollen, das nenne ich kühn. Damit wirst Du kaum wen vor dem Ofen vor holen, außerhalb eines Teils des Forums. Aber Traumtänzerei ist ja auch viel schöner, als sich Qualität in der Stadt unabhängig, ob es nun ein Rückgriff ist oder nicht, zu erarbeiten.