Populismus-Vorwurf in der Architektur

  • Das hat schon eine gewisse Reichweite, Der Standard ist mW eines der größten Online-Magazine in Österreich (33% Reichweite im Land). Über 850 Kommentare unter dem Artikel (wofür man sich dort anmelden muss) sind auch eine Hausnummer. Die Bandbreite der Meinungen zeigt, dass die Leserschaft durchaus diffus ist, viele widersprechen dem Autor auch in zentralen Punkten.
    Einer der Top-Kommentare unter dem Artikel anhand der Reaktionen:
    "Fairerweise hätte man aber auch erwähnen können, dass den wenigsten Menschen der architektonische Neubau gefällt, vor allem im Wohnbau nicht. Dank gieriger Investoren wird zB in Wien seit Jahren das Biedermeier und die Gründerzeit abgerissen und durch gesichtslose Neubauten ersetzt. Einerseits gibt es Freude über mehr (teurere) Wohnungen, andererseits werden Stadtbilder zerstört und ähnlich wie beim Einzelhandel entsteht ein seelenloser Einheitsbrei. Das ist jedenfalls bedenklich und die Sorge kommt nicht nur von rechter Seite."

    Na ja, der Standard ist schon einschlägig genug, dass man einen solchen Artikel nach der Überschrift gar nicht weiterzulesen braucht. Rundfunkwerbung, heute erst gehört: "Im Standard lesen Sie, was Sie wissen müssen und nicht, was Sie glauben sollen. ... Der Standard - der Haltung gewidmet." Der Widersinn fällt denen wohl gar nicht mehr auf.

    Die Wiener Abrisse sind ein skandalöses Phänomen für sich und stoßen natürlich auch der Linken auf, die soziologisch sowieso der besseren bürgerlichen Reichshälfte entstammt und gewissen politische Feinheiten schon aufgrund innerer Zerrissenheit noch nicht ganz kapiert hat. Daraus ist keine Sympathie für Reko-Denken abzuleiten, im Gegenteil. Mit diesen Leuten ist kein Staat zu machen.


    Das Standard-Forum ist andererseits aufgrund seiner hohen Verbreitung auch so etwas wie Spielfeld einer organisierten konservativen vulgo "rechtspopulistischen" oder sonst was Gegenströmung. Bei politischen Kernthemen wird da augenscheinlich kräftig wegzensuriert, aber bei kulturellen Randthemen ist man liberaler.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.