Populismus-Vorwurf in der Architektur

  • Das entspricht nur nicht der Realität. Ich kenne hunderte Museumsmitarbeiter und Führungskräfte, arbeite seit gut 10 Jahren eng mit ihnen zusammen, habe mit den meisten von Ihnen sehr viel gemeinsame Zeit in Seminaren oder Kundengesprächen verbracht. Die Kulturszene an sich, aber auch ihre Mitarbeiter sind im überwiegenden Teil äußerst liberal eingestellt. Konservative oder gar rechte Tendenzen sind dagegen seltener.

    Leider reden wir aneinander vorbei. Ich schreibe von einer Art metaphysischen Ebene, Du von der des (tagesaktuellen) Bewusstseins. Das sind unterschiedliche Schuhe.


    Jemand kann sich als links oder liberal verstehen und so reden, kann aber in bestimmten Handlungen sehr konservativ sein. Ich halte auch einen Großteil der Wähler der Partei "Die Linke" für stark konservativ, zumindest in den östlichen Bundesländern. Ein Freund von mir war früher Punker und hat sich einst immer als eher links verstanden und auch entsprechende Sprüche geklopft. In seinen Lebensstrukturen agiert er aber ausgesprochen traditionell und konservativ. Und je älter er wurde, umso mehr. Ich verstand mich stets in der Gesamtheit als "rechts"/konservativ, in meinem realen Leben gibt es aber auch viele Dinge, die ich tue, die nach gängigem Verständnis sehr links und/oder liberal sind. Sprich: Ich bin im realen Leben viel "linker" als mein alter Punker-Freund oder sämtliche Bekannten, die "grün" wählen. Manche regt das schon fast wieder auf, dass ich eigentlich der Hippie-Typ bin, der sie in ihrer Jugend immer sein wollten. :lachentuerkis:


    Aber, ich höre besser auf. Ich möchte nicht zu sehr Verwirrung in diese Diskussion hineinbringen. Sonst entfernt sie sich vom eigentlichen Thema und wird off-topic. Also sorry.


    P.S.: Dass man sich in der Museumsarbeit (wie auch bei vielen anderen Arbeitsstellen) nicht in den Ruf bringen möchte, als "rechts" zu gelten, ist ja klar. Schließlich hängen die Museen und Posten stark vom Geld der staatlichen Stellen ab. Und jene wollen, dass das geliefert wird, was bestellt wurde. Explora ist eine Besonderheit gewesen, da ein Privatmuseum eines solventen Betreibers. Dass Gerhard Stief wegen einer kritischen Äußerung zur Flüchtlingspolitik angegangen wurde, zeigt nur, dass Leute im Bereich der Kulturinstitutionen besser die Klappe halten, wenn sie in ihrem Bereich weiterarbeiten wollen und nicht reiche Privatiers sind. Ich halte Stief eigentlich nicht für einen "Rechten", aber ich habe ihn auch nur einmal persönlich kennengelernt.
    Das Beispiel deutet aber auch darauf hin, dass es selbst in diesem Kulturbetrieb einige Leute geben kann, die möglichenfalls ganz anders denken, als sie offiziell reden. Zumindest sollte man das immer bedenken. Ich kenne selbst Leute im öffentlichen Apparat, die mir erzählen, dass sie immer brav mit dem Kopf nicken, aber hinter dem Rücken den Stinkefinger auspacken. :lachentuerkis:
    Aber, auch hier haben wir uns missverstanden. Ich habe nicht von der politischen Haltung von Museumsangestellten gesprochen, sondern davon, dass Museum selbst, wenn es als Sammlung von Artefakten der Vergangenheit verstanden wird, etwas "rechtes" an sich ist. "Links" ist hingegen teilweise eher die Museumspädagogik. Ein "reinrassiger Linker" wäre ein Futurist. Und die forderten schon am Anfang des 20. Jahrhunderts konsequent die Zerstörung von Bibliotheken, Museen und Akademien als Hort überlebter Anschauungen, die einer neuen Kultur im Wege stehen. Damals dachten die Leute eben sehr "rein", sehr radikal und konsequent. Ein weites Feld.

  • > " Wie kommt es, dass viele historische Stadtbilder in der DDR bewahrt werden konnten, wenn sowas angeblich rechts ist? " <


    Die Bausubstanz in der DDR verharrte 40 Jahre im Dornröschenschlaf , wegen Baustoffmangels und Teilweiser Ignoranz seitens des Staates - konnte man nichts Kaputtsanieren !

    Die extrem linke DDR war sogar außerordentlich rekonstruktionsfreudig, insbesondere wenn es es um die alten Arbeiterbezirke im Prenzlauer Berg ging. Allerdings fehlte es an Material und finanziellen Mitteln Gründerzeitler zu erhalten, wodurch ein großer Altbaubestand den Sprengmeistern zum Opfer fielen und durch billige Plattenbauten ersetzt wurden. Ich kann mich erinnern daß viele Altbauten aufgrund von Vernachlässigungen baufällig und unbewohnbar wurden - was noch irgendwie ging wurde mittels äußerst bescheidenen Mitteln so irgendwie wieder bewohnbar gemacht. In den 80iger Jahren kam man in der DDR auf die Idee Betonplatten in historisierender Form zu gießen um Neubauten wieder eine gewisse Ansehnlichkeit (insbesondere in der Innenstadt) zu verschaffen. Beste Beispiel hierfür sind ; Friedrichstadtpalast, Grand Hotel und die inzwischen wieder abgerissenen Friedrichstadtpassagen.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Kleine Anmerkung: Ich finde es ja immer wieder drollig, wie tegula sich gegen Pauschalisierungen des linken Spektrums wehrt, um dann in nahezu jedem Beitrag wieder zu betonen, wie wichtig das Engagement gegen rechts sei - ganz pauschal. So als gebe es keine Unterschiede zwischen einem gesetzestreuen rechtskonservativen Bürger und einem grölenden Neonazi. Lachhaft.

  • @"Rastrelli"


    Ich habe im vorangegangenen Post geschrieben, dass ich viele Vertreter der "Linken" in Teilen ihrer Mentalität für "rechts" halte. Sie sind vermutlich im realen Alltagsdenken weit "rechter" als ich. Insofern ist es überhaupt kein Widerspruch, dass die DDR sich für Museen und Denkmalpflege eingesetzt hat. Die DDR war schließlich kein radikal-futuristisch-suprematistischer Staat, sondern sie besaß ausgesprochen viele konservative Elemente. Mir wäre sie vermutlich zu "rechts" im negativen Sinne gewesen. :zwinkern:


    Über die Genderideologie möchte ich mich hier nicht austauschen. Der Gedanke des sozialen Konstrukts des Geschlechts und der 1000 Geschlechter wird meiner Einschätzung nach spätestens in zwei Generationen im Orkus der Geschichte gelandet sein. Dafür werden spätestens neue Gesellschaftsgruppen in diesem Land sorgen. Die feiern auf der Autobahn Hochzeit und zeigen jedem den Vogel, der nicht weiß, was Männlein und Weiblein ist. Mag man bedauern, ist aber so.


    Was ein Mensch ist, darüber kann man auch streiten. Zwischen Menschen gibt es genetische Unterschiede. Zwischen Mensch und Schimpanse betragen diese auch nur ca. 1,5 Prozent. Wenn Mensch das Haupt-, wenn nicht einzige Klassifizierungskriterium unserer Spezies ist, weshalb paarst Du Dich dann mit einem bestimmten Mensch? Warum nicht mit einem anderen? Egal ob Mann oder Frau? Sind doch nur Konstrukte? Warum nicht mit einer 13-Jährigen? Warum nicht mit einer 103-Jährigen? Warum bringst Du Deine eigenen Kinder zu Schule, statt sie dem Nachbarn zu schenken und dessen Kinder zur Schule zu bringen? Weshalb triffst Du Dich mit bestimmten Leuten, die Du "Freunde" nennst, und nicht mit irgendwelchen anderen Leuten? Weshalb fühlst Du Dich in einem bestimmten kulturellen Kontext wohl (z.B. unter Vodka trinkenden Museumsangestellten in Moskau), aber nicht so sehr unter anderen (z.B. Tee trinkenden Taliban in Afghanistan)? Ist doch egal, wir sind doch eigentlich das Gleiche: Menschen. :wink:


    So, jetzt aber genug von meiner Seite. Das wird zu off-topic. Und dann schreitet die Moderation ein.

  • @Heimdall
    Ich wollte noch anmerken, dass ich viele deiner Analysen, die man hier im Forum lesen kann, bewundere. Du bist eigentlich ein guter Denker und Beobachter, nur mit diesem Rechts-links-Schema kommen wir nicht weiter. Dein vorletzter Beitrag besagt eigentlich nur, dass Menschen widersprüchlich sind. "Rechts" und "links" werden aber zur Kennzeichnung politischer Strömungen verwendet. Wenn du die Begriffe außerhalb dieser politischen Sphäre gebrauchst, führt das dazu, dass die Leser das in die entsprechende politische Schublade einzusortieren suchen.


    In den sozialistischen Staaten vor 1989 waren die Begriffe "rechts" und "links" nicht üblich, weil sie eigentlich nichts aussagen. Da verwendete man definierbare Begriffe wie "kapitalistisch" und "sozialistisch". Ich habe vorhin so umfangreich geantwortet, weil viele Menschen sich falsche Vorstellungen von den sozialistischen Staaten des 20. Jahrhunderts machen. Wenn du dann praktisch die ganze Kultur "rechts" verortest, führt das vollends in die Irre.

  • Ich glaube, wir drehen uns hier mit diesen Begriffen nur im Kreis und jeder hat irgendwie recht.


    Es ist auch nicht dagegen, wenn einer links und einer rechts ist. Zu menschliche Koerper gehoert auch beides - eine linke Hand und eine rechte Hand. Wenn eine zwei linke Haende hat ist das auch nicht gut :-).


    Sehe auch nicht Problem, wenn T. mich als rechts sieht, weil ich es auch bin und das ist gut so und geht nicht anders, weil ich in linke Diktatur aufgewachsen. Andere hier sind links und soll auch gut sein. Nur extreme sind nicht gut, aber das sind wir hier alle nicht und das weiss auch T. und setzt bewusst rechts mit Nazi gleich, was dumm ist und fuer Lehrer wie er eigentlich billig. Demagoge T. will doch nur die Gesellschaft spalten und das soll ihm nicht gelingen. T. soll weitertrollen und nicht mehr unsere wertvolle Zeit rauben. Dieser T. ist doch unbedeutend und wir gebe ihm erst Buehne dazu.

  • Kleine Anmerkung: Ich finde es ja immer wieder drollig, wie tegula sich gegen Pauschalisierungen des linken Spektrums wehrt, um dann in nahezu jedem Beitrag wieder zu betonen, wie wichtig das Engagement gegen rechts sei - ganz pauschal. So als gebe es keine Unterschiede zwischen einem gesetzestreuen rechtskonservativen Bürger und einem grölenden Neonazi. Lachhaft.

    Ich finde deine Aussagen umso weniger drollig. Dann passt das schon wieder. Und wenn ich dich zum Lachen gebracht habe, ist das doch schön. Und natürlich betone ich, wie wichtig es ist, sich gegen eine nach rechts abdriftende Gesellschaft zu stellen. Und ich freue mich, dass viele Museen und die Kulturszene insgesamt diese gesellschaftliche Verantwortung ebenfalls erkannt habe. Es sind nämlich genau diese rechtskonservativen und gesetzestreuen Bürger, die damals und heute den grölenden (Neo)Nazi zur Macht verhelfen.


    Leider reden wir aneinander vorbei. Ich schreibe von einer Art metaphysischen Ebene, Du von der des (tagesaktuellen) Bewusstseins. Das sind unterschiedliche Schuhe.


    Jemand kann sich als links oder liberal verstehen und so reden, kann aber in bestimmten Handlungen sehr konservativ sein.

    Im letzteren Satz würde ich mich sogar explizit wiederfinden. Ich ging bisher davon aus, wir reden hier von einer gesellschaftlichen (meinetwegen auch politischen) Grundeinstellung.


    Dass man sich in der Museumsarbeit (wie auch bei vielen anderen Arbeitsstellen) nicht in den Ruf bringen möchte, als "rechts" zu gelten, ist ja klar.

    Die liberale Einstellung ist nicht vorgespielt. Sie ist in aller Regel echt. Ich habe sieben Jahre lang Museumsmitarbeiter ausgebildet und habe sie über viele Monate eng begleitet. Mit vielen pflege ich bis heute privaten Kontakt.


    Dass Gerhard Stief wegen einer kritischen Äußerung zur Flüchtlingspolitik angegangen wurde, zeigt nur, dass Leute im Bereich der Kulturinstitutionen besser die Klappe halten, wenn sie in ihrem Bereich weiterarbeiten wollen und nicht reiche Privatiers sind. Ich halte Stief eigentlich nicht für einen "Rechten", aber ich habe ihn auch nur einmal persönlich kennengelernt.

    Wer fremdenfeindliche Äußerungen öffentlich von sich gibt, der muss sich gefallen lassen, als rechts(radikal) eingestuft zu werden.


    Aber, auch hier haben wir uns missverstanden. Ich habe nicht von der politischen Haltung von Museumsangestellten gesprochen, sondern davon, dass Museum selbst, wenn es als Sammlung von Artefakten der Vergangenheit verstanden wird, etwas "rechtes" an sich ist. "Links" ist hingegen teilweise eher die Museumspädagogik.

    Ich halte in diesem Kontext die Qualifizierung in rechts und links vollkommen unpassend. Sammlungstätigkeit ist eine der definierten Kriterien eines Museums. Entsprechend würde jedes Museum rechte Handlungen vornehmen. Sammeln ist aber weder rechts noch links, es ist ein Ausdruck eines gewissen Beziehungsgeflechts zu seiner Geschichte.

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  • Bitte tegula, höre endlich auf "rechts" und mit "rechtsradikal" oder "Nazi" gleichzusetzen. Das finde ich persönlich zutiefst verstörend und unseriös. Wenn Du Dich zB "links" zuordnest, dann willst Du sicherlich auch nicht, dass man Dich als "Linksradikalen" oder "Kommunisten" schimpft. Bitte sei so gut, wo Du doch so sehr auf Objektivität und Außenwirkung des Forums zu achten vorgibst. Gardone hat es eigentlich gut und verständlich zusammengefasst, gratiam habere.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








  • Bitte tegula, höre endlich auf "rechts" und mit "rechtsradikal" oder "Nazi" gleichzusetzen.

    An welcher Stelle tue ich das?


    In unserem Land herrscht leider die Situation vor, dass man als rechts eingestellte Person, die entsprechend wählt, Rechtsradikalität fördert. Es gibt hierzulande keine Partei des rechten Spektrums, die nicht zumindest in Teilen rechtsradikal ist. Wer dieses Problem verharmlost, hat aus der Geschichte nichts gelernt.


    Gardone hat es eigentlich gut und verständlich zusammengefasst, gratiam habere.

    Unseriös ist es, die Diskussion mit mehreren Accounts zu führen und damit den Eindruck zu erwecken, es würde hier einen großen Konsens geben. Für wie verblödet hält man das Publikum hier? Gardone ist nicht das, was er vorgibt zu sein.


    By the way: Es scheint mir, dass sich hier sehr viele Mitdiskutanten als rechts (nicht rechtsradikal!) einstufen. Wenn dies so sein sollte, was wäre dann an der Feststellung Trübys, es gebe rechte Räume in der Rekonstruktionsbewegung, falsch?

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  • By the way: Es scheint mir, dass sich hier sehr viele Mitdiskutanten als rechts (nicht rechtsradikal!) einstufen. Wenn dies so sein sollte, was wäre dann an der Feststellung Trübys, es gebe rechte Räume in der Rekonstruktionsbewegung, falsch?

    Sehen wir mal davon ab, dass ich die Feststellung gar nicht mal so falsch finde. Aber ich bin kein Maßstab, weil ich eben bisweilen etwas "quer" denke. (Siehe oben)


    Also, sie ist so falsch wie Deine (offenbar rhetorisch gemeinte) Frage, weil...


    1. Kein Rückschluss zwischen Diskutanten in diesem Forum auf "Räume" gezogen werden kann.


    a. Erstens haben ja nicht nur diese Diskutanten besagte "Räume" geplant (wenn sie überhaupt an bestimmten Projekten beteiligt waren), sondern auch Leute, die sich selbst gar nicht "rechts" verorten.


    b. Zweitens ist es fraglich, inwiefern "Räume" überhaupt politisch sein können. Menschen können sich nach ihrem Selbstverständnis als "links" oder "rechts" verorten. Ob sie es dann auch wirklich sind, ist eine anderes Sache. (Siehe hierzu meine Bemerkungen weiter oben) "Räume" oder Häuser aber haben erst einmal kein eigenes Bewusstsein, keinen eigenen Willen. Ihre politische Verortung erfolgt durch die symbolische Zuschreibung von Menschen. Natürlich gibt es eine eindeutige politisch konzipierte Raumkultur, z.B. bestimmte Denkmalanlagen mit klaren Aussagen. (Etwa ein sowjetisches Ehrenmal) Häuser oder städtebauliche Zusammenhänge sind hingegen so vielschichtig, dass man sie nur schwerlich eindeutig als "links" oder "rechts" klassifizieren kann. Jedenfalls nach tagespolitischer Klassifizierung. Und von diesen Häusern und städtebaulichen Zusammenhängen reden wir hier zumeist.


    2. Trübys "Feststellung" ist ja gar keine. Er weiß selbst genau, dass er nicht in einem wissenschaftlich neutralen Raum agiert, sondern er setzt diese "Feststellung" als Zuschreibung ein. Die Absicht dahinter ist klar. Denn jeder weiß, dass heute die Zuschreibung als "rechts" mit zahlreichen Repressalien, mit sozialer Ächtung, mit beruflicher Schädigung, wenn nicht körperlichen Attacken einher geht. Wer das leugnet, der kann ja zum Beispiel mal mit der Zeitmaschine in die frühe Neuzeit fahren und dort von einem Ankläger "feststellen" lassen, dass er wohl ein "Hexe(r)" sei. Oder in der Zeit der französischen Revolution sachlich "feststellen" lassen, dass er dem Hochadel angehöre.
    Wer in einem Zeitgeist lebt und mit dessen Begriffen öffentlich agiert, weiß auch die Wirkung der Begriffe. Und er will damit nicht nur Einzelne treffen, die vielleicht mit der Schulter zucken und die Konsequenzen gezwungenermaßen in Kauf nehmen, sondern Macht über die Masse ausüben, die Angst vor dem Bannfluch hat. Sprich: Es geht um keine "Feststellung", sondern um die soziale Isolierung vieler Initiativen, bei denen auch viele Menschen mitwirken, die ihrem Selbstverständnis nach nicht "rechts" sind.

  • Sehen wir mal davon ab, dass ich die Feststellung gar nicht mal so falsch finde. Aber ich bin kein Maßstab, weil ich eben bisweilen etwas "quer" denke. (Siehe oben)

    Dann müssten wir beide ja darüber gar nicht diskutieren.


    Also, sie ist so falsch wie Deine (offenbar rhetorisch gemeinte) Frage, weil...

    Offenbar doch...


    1. Kein Rückschluss zwischen Diskutanten in diesem Forum auf "Räume" gezogen werden kann.

    Das wissen wir beide und auch die meisten hier im Forum. Einem Außenstehenden ist dies nicht bewusst, zumal das Forum die größte und aktivste öffentliche Bühne des Vereins ist. Dass die Vereinsverantwortlichen des Vereins hier praktisch gar nicht vorkommen und nur die wenigsten Foristen Mitglied im Verein sind, das wird zunächst nicht deutlich.


    a. Erstens haben ja nicht nur diese Diskutanten besagte "Räume" geplant (wenn sie überhaupt an bestimmten Projekten beteiligt waren), sondern auch Leute, die sich selbst gar nicht "rechts" verorten.

    Mir geht es um den Widerspruch, dass sich selbst rechts verortende Rekonstrukionsfreunde darüber aufregen, wenn jemand Rekonstruktionen rechts verortet. Es müsste doch den eigenen Überzeugungen entsprechen. Darüber dürfte sich nur jemand beklagen, der sich selbst in der gesellschaftlichen Mitte oder weiter links sieht und in der rechten Zuordnung der Rekonstruktion etwas Diskreditierendes sieht.


    b. Zweitens ist es fraglich, inwiefern "Räume" überhaupt politisch sein können.

    Na ja, die Menschen, die in diesen Räumen agieren, können diesen ein Richtung und Gewichtung geben. In dem Sinne ist es zu verstehen.


    "Räume" oder Häuser aber haben erst einmal kein eigenes Bewusstsein, keinen eigenen Willen. Ihre politische Verortung erfolgt durch die symbolische Zuschreibung von Menschen. Natürlich gibt es eine eindeutig politische Raumkultur, z.B. bestimmte Denkmalanlagen mit klaren Aussagen. (Z.B. sowjetisches Ehrenmal) Häuser oder städtebauliche Zusammenhänge sind hingegen so vielschichtig, dass man sie nur schwerlich eindeutig als "links" oder "rechts" klassifizieren kann.

    Sehe ich ebenso. Ich habe es mal in einer Erwiderung auf Trübys Thesen ähnlich formuliert:


    Inwiefern die Wiedergewinnung eines historisch gewachsenen Stadtbildes den Versuch darstellt, rechtes Gedankengut in die Mitte der Gesellschaft zu treiben, erschließt sich mir aber nicht. Noch weniger kann ich nachvollziehen, wie dadurch politische Fakten geschaffen werden. In meinem Verständnis ist Architektur zunächst unpolitisch, es sei denn, sie trägt eine offensichtliche politische oder gesellschaftliche Symbolwirkung.

    Er weiß selbst genau, dass er nicht in einem wissenschaftlich neutralen Raum agiert, sondern er setzt diese "Feststellung" als Zuschreibung ein.

    Natürlich tut er das. Da sind wir ganz nah beieinander.

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  • In unserem Land herrscht leider die Situation vor, dass man als rechts eingestellte Person, die entsprechend wählt, Rechtsradikalität fördert. Es gibt hierzulande keine Partei des rechten Spektrums, die nicht zumindest in Teilen rechtsradikal ist. Wer dieses Problem verharmlost, hat aus der Geschichte nichts gelernt.


    By the way: Es scheint mir, dass sich hier sehr viele Mitdiskutanten als rechts (nicht rechtsradikal!) einstufen. Wenn dies so sein sollte, was wäre dann an der Feststellung Trübys, es gebe rechte Räume in der Rekonstruktionsbewegung, falsch?

    Doch, wir haben alle gelernt. Und als jemand, der hinter pseudosozialistische Kulissen blicken durfte, sage ich dir folgendes: Sozialistische Ideen lassen sich ohne stalinistische Unfreiheit nicht umsetzen. Deshalb beinhaltet die linke Demokratiedefinition stets auch einen Anteil an Diktatur gegen eine mehr oder weniger große Bevölkerungsgruppe, damals Klassenfeind genannt.
    Heute geht es genau so wieder los. Da die Klassen nicht mehr greifen, müssen erfundene Rechte herhalten. Und die gilt es, überall aufzuspüren. Ob über "ordentliche" Familien, zopftragende Kinder oder eben Reko-Freunde. Und die Maulkörbe werden immer enger geschnürt. Dabei gilt es hier nur, freie Ideen und Meinungen sagen zu dürfen, aber das wird immer mehr indirekt verboten. Und die übelsten Vertreter der alten DDR, die Spitzel, dürfen mit staatlicher Unterstützung wieder das Wort führen (bekannte Stiftung). Die Spaltung geht mitten durch die Gesellschaft. Und bald sind wir wieder in der übelsten Meinungsdiktatur. Du trägst dazu bei.
    Was die Rechtsextremen betrifft, so haben sie keinen Rückhalt in der Bevölkerung. Sie werden sich auch ohne Diktatur totlaufen. Wenn die Politiker die Zeichen der Zeit erkannt haben.


  • By the way: Es scheint mir, dass sich hier sehr viele Mitdiskutanten als rechts (nicht rechtsradikal!) einstufen. Wenn dies so sein sollte, was wäre dann an der Feststellung Trübys, es gebe rechte Räume in der Rekonstruktionsbewegung, falsch?

    @tegula, wie definierst Du rechts, wie definieren Rechte(?) rechts und wie wird rechts im politischen Diskurs definiert?


    In unserem Land herrscht leider die Situation vor, dass man als rechts eingestellte Person, die entsprechend wählt, Rechtsradikalität fördert. Es gibt hierzulande keine Partei des rechten Spektrums, die nicht zumindest in Teilen rechtsradikal ist. Wer dieses Problem verharmlost, hat aus der Geschichte nichts gelernt.

    In unserem Land herrscht leider die Situation vor, dass man als links eingestellte Person, die entsprechend wählt, Linksradikalität fördert. Es gibt hierzulande keine Partei des linken Spektrums, die nicht zumindest in Teilen linksradikal ist. Wer dieses Problem verharmlost, hat aus der Geschichts nichts gelernt.


    Von welcher Geschichte genau sprichst Du und was hat das alles noch mit den Populismus-Vorwürfen zu tun? ;)

  • Und die Maulkörbe werden immer enger geschnürt.

    Was du mit Maulkorb meinst, ist in Wahrheit der Respekt vor anderen Menschen. Der Anstand und das soziale Miteinander sollten und dazu bringen, manche Dinge nicht auszusprechen. Wer anderer dagegen diskriminiert, muss sich nicht wundern aufgrund dessen selbst ausgegrenzt zu werden.


    Und die übelsten Vertreter der alten DDR, die Spitzel, dürfen mit staatlicher Unterstützung wieder das Wort führen (bekannte Stiftung).

    Nö, ist mir nicht bekannt, weil ich diese Denkmuster nicht kenne. Also, was sollen diese albernen Andeutungen? Welche Stiftung agiert wie ein DDR-Spitzel?


    Und bald sind wir wieder in der übelsten Meinungsdiktatur. Du trägst dazu bei.

    Wer sich zu Unrecht in die rechte Ecke gedrängt fühlt, sollte vielleicht darauf achten, kein rechtes Vokabular zu benutzen.


    Hattest du nicht mehrfach angekündigt, sich dazu nicht mehr äußern zu wollen?

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  • @tegula, wie definierst Du rechts, wie definieren Rechte(?) rechts und wie wird rechts im politischen Diskurs definiert?

    Das sollten vielleicht die beantworten, die sich hier immer wieder selbst als rechts oder rechtskonservativ bezeichnen.


    In unserem Land herrscht leider die Situation vor, dass man als links eingestellte Person, die entsprechend wählt, Linksradikalität fördert. Es gibt hierzulande keine Partei des linken Spektrums, die nicht zumindest in Teilen linksradikal ist. Wer dieses Problem verharmlost, hat aus der Geschichts nichts gelernt.

    Du würdest also in der SPD oder den Grünen linksradikale Tendenzen unterstellen? Interessant, Herr Maaßen hat dies in Bezug auf die SPD auch schon getan.

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  • Ich werde durch den unbefriedigenden Verlauf der Diskussion hier im Faden dazu genötigt.
    -wer diskriminiert hier andere?
    -Du hast noch nie etwas von der Vorgeschichte einer Vorsitzenden einer bekannten Stiftung gehört?
    -rechtes Vokabular wird heute von Linken bestimmt und geht über das bekannte "LTI" weit hinaus.

  • Das sollten vielleicht die beantworten, die sich hier immer wieder selbst als rechts oder rechtskonservativ bezeichnen.

    Du würdest also in der SPD oder den Grünen linksradikale Tendenzen unterstellen? Interessant, Herr Maaßen hat dies in Bezug auf die SPD auch schon getan.

    Er wird wissen, wovon er sprach. Es gibt keine Parteien links der Mitte ohne radikale Gedanken.

  • Ich werde durch den unbefriedigenden Verlauf der Diskussion hier im Faden dazu genötigt.

    Du wirst hier zu gar nichts genötigt. Du schreibst hier genauso frei wie ich es tue.


    -wer diskriminiert hier andere?

    Diejenigen, die glauben, ihre Maulkörbe würden enger geschnürt.


    -Du hast noch nie etwas von der Vorgeschichte einer Vorsitzenden einer bekannten Stiftung gehört?

    Ross und Reiter sollten von denen kommen, die dazu etwas zu sagen haben.

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  • Herr Maaßen hat dies in Bezug auf die SPD auch schon getan.

    Was möchtest Du mit diesem Maaßen-Anhängsel implizieren? Dass ich eine Aussage tätige, die auch vom ehemaligen [nach meiner Auffassung zu unrecht] enlassenen Verfassungsschutzpräsidenten geäußert wurde?


    Auch über die Definition von Radikalismus sollte man sich mal Gedanken machen. Nach meiner Einschätzung wird er in der Deutungshoheit missbraucht und mit Extremismus auf eine Stufe gestellt. Selbst der Verfassungsschutz macht eine Gradwanderung, bezieht sich jedoch auf die Wortherkunft "radix" (von der Wurzel her): https://www.verfassungsschutz.…/extremismus-radikalismus


    Das sollten vielleicht die beantworten, die sich hier immer wieder selbst als rechts oder rechtskonservativ bezeichnen.

    Aus diesem Grund bat ich um die Aufzählung dreier Sichtweisen — Deine persönliche (da Du dich selbst dieser Begrifflichkeit bedienst), die im politischen Diskurs (was in meinen Augen unmöglich erscheint, da eben jeder etwas anderes darunter versteht) und die Betroffenen/Sich-selbst-als-rechts-Definierenden.


    Du würdest also in der SPD oder den Grünen linksradikale Tendenzen unterstellen?

    Wenn Du mir deine Definition von "links" schilderst, kann ich deine Frage auch guten Gewissens beantworten. ;)


    Und zu dem Wort "radikal" hatte ich eingangs Stellung bezogen.

  • Weil die Diskussion stockt, mache ich mal einen lustigen Versuch:
    Vielleicht sollte man nach langem unentschiedenen Streit mal ganz volkstümlich herangehen (Kindergartenmethode):
    Ein Linker im altherkömmlichen Sinne (also links von der Sozialdemokratie) ist ein Verfechter des Marxismus-Leninismus, ein Antikapitalist und Antimilitarist. Er steht für die Gleichheit aller Menschen unabhängig von Herkunft und Hautfarbe. In der Regel hat er ein klares Feindbild, sein Gegner ist jeder Andersdenkende. Sein Ziel ist der Sozialismus mit folgendem Kommunismus, erst in welchem das Feindbild infolge des neuen Menschen hinfällig wird.
    Ein Rechter im herkömmlichen Sinne (also rechts vom Konservativen) ist definitiv etwas verwaschener, (Problem National"sozialismus"), ist aber Militarist. Er kennt die Gleichheit der Menschen nicht an und ist deshalb stets Rassist. Er hat ebenfalls ein klares Feindbild, welches alle Andersdenkenden und dazu alle irgendwie Anders"artigen" umfasst. Dieses Feindbild bleibt auch nach der angestrebten "Weltherrschaft" bestehen, da der Großteil der Weltbevölkerung unterdrückt werden muss.
    Zwischen diesen Grundcharakteren gibt es alle möglichen Stärken, Mischungen und Schattierungen, wie wir hier im Forum gut sehen können. Die Extremisten beider Lager unterscheiden sich kaum in Fragen des Personenkults, der völligen Nichtachtung menschlichen Lebens und der entsprechenden Agitation. Eine Annäherung beider Standpunkte ist nicht möglich, ohne dass Hinterlist und Lüge im Spiel sind (Hitler-Stalin-Pakt). Nur zwischen den gemäßigten Vertretern beider Seiten ist eine pragmatische Annäherung möglich. So also auch in der Architektur.
    Abschließend sei gesagt, dass der linkserstrebte Kommunismus reine Utopie ist und die rechtserstrebte Weltherrschaft am Widerstand der Volksmassen scheitern wird.
    Und nun bitte eine situationsbezogene Definition für Erwachsene.