Populismus-Vorwurf in der Architektur

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    • Ja, das Absolute und Städte- und Wohnungsbau sehe ich auch nicht zusammengehen, davon sollte man mE Abstand halten. Stadt funktioniert besser nicht-totalitär, "gemischt".
      Ob es einen "Theoretiker der europäischen Stadt" geben kann? Ich weiß es nicht, habe aber gewisse Zweifel - das ist eine ganz praktische Sache, Theoretiker der Ehe gibt es auch nicht, gleichwohl gibt es seit Jahrtausenden mehr oder weniger funktionierende Ehen.
      Man kann in ideologischem Schwang den Städtebau streifen und auch so weit gehen, alle bisherigen Funktionen kaputtzumachen, aber damit sprengt man imgrunde die Architektur.
    • Also ehrlich gesagt kann ich diese pawlow'sche Reaktion auf das Wort "absolut" nicht nachvollziehen, zumal Erbse damit offenkundig nur so etwas wie "ganz richtig" gemeint hat.
      Daraus eine "Verabsolutierung" unserer Position herzuleiten finde ich, gelinde gesagt, abwegig.

      Auch verstehe ich die Aussage nicht, die typisch deutsche "Schuldkultur" sei nur in einer "verabsolutierten" Form falsch. Entweder ist es falsch, Schuld als etwas zu betrachten, das man neben Individuen auch Völkern oder Nationen zuschreiben kann oder richtig.

      Wenn es falsch ist, ist es eben falsch, egal ob "verabsolutiert" (ich verstehe nicht mal, was das in dem Zusammenhang heißen soll) oder nicht.
    • Es ist glaube ich nicht zielführend, uns selbst ständig zu hinterfragen. Das machen die "Gegner" auch nicht, dafür sind wir auch (noch) zu klein... Wobei die Stadtbild-Welle durch Deutschland zu rollen beginnt. Man sieht es u.a. an den ganzen Artikeln der letzten Tage/Wochen - "Vorbild Frankfurt: braucht unsere Stadt eine neue Altstadt?" o.ä. (selbst in Berlin und Hamburg sieht man das schon als vorbildlich an)

      Preschen wir erstmal mit unseren Forderungen vor und verschaffen uns wirklich Gehör.
    • Also wie ich jetzt im nachhinein erfuhr, wurde uns zur Last gelegt, wie es z.B. auf der Tagung (hier) passierte, dass wir erst über die richtige Gesinnung auf der Veranstaltung hätten streiten sollen, bevor man sich für die gute Sache engagiert.
      Da wir das nicht taten, war man automatisch im Einklang mit Rechtsradikalen und ist gleichzeitig Helfer, dass rechtsextremes Gedankengut in die Mitte der Gesellschaft Einzug hält.
      Sprich: Man ist aufgefordert, im Vorfeld Gesinnungsschnüffelei zu betreiben, um nicht in Verdacht zu geraten.
      Die andere Variante wäre, dass man selbst seine Gesinnung preis gibt, was auch getan wurde. SPD-Mitglieder waren empört und rechtfertigten sich.
      Da frage ich mich? Warum eigentlich?
      Meine Gesinnung geht Herrn Schulze, Trüby einen Dreck an. Tut mir leid, für die Wortwahl.
      Wenn jemand tatsächlich ein Extremist wäre, dann sollte es die Aufgabe der Staatsanwaltschaft sein, ihm das Handwerk zu legen und niemand sonst!
      Und dann die Frage, was ist heutzutage schon links und rechts?
      Was ist links?
      Die klassischen Linke war früher da, den einfachen Arbeiter, Angestellten, Selbstständigen vor Ausbeutung zu schützen und dass sich Nationen helfend die Hand reichen.
      Heutzutage hat sich unsere Gesellschaft so zersplittert, dass eine einfache politische Einordnung von Menschen gar nicht mehr möglich ist.
    • Weißt Du, ich begreife unser politische Vielfalt in unserer Sache als große Chance.
      Die Welt da draußen ist genug aufgeladen, deshalb freut es mich, wenn der Wunsch nach Schönheit uns wieder zusammenbringt, so unterschiedlich wir auch sein mögen.

      Die Modernisten wollen einen Keil zwischen uns treiben, indem wir uns bemüßigt fühlen uns rechtzufertigen. Ich bin der Meinung, dass wir dies nicht tun sollten. Solidarität und Mitgefühl soll unsere Antwort sein.
    • Ich kann @Franka nur beipflichten, glaube aber, dass es noch um etwas anderes geht, was zwischenzeitlich ja auch schon mehrfach debattiert wird. Eine Demokratie, das wussten schon die Griechen, läuft Gefahr, irgendwann in eine Ochlokratie (Pöbelherrschaft), eine Oligarchie (Herrschaft einer Oberschicht), eine Plutokratie (Herrschaft der Reichen) oder eine Tyrannis umzuschlagen. Denn es gibt immer Menschen, die die Mechanismen und Schwächen einer Staatsverfassung geschickt zu ihren Gunsten ausnutzen, um sich als eine neue Systemelite zu installieren.

      In diesem Sinne haben die 68er den Marsch durch die Institutionen angetreten: Sie haben sich mittlerweile in den Schaltstellen der Macht und der Meinungsbildung (Parteien, Stiftungen, Medien, Schulen, Universitäten, "Kultur") behaglich eingerichtet und zur Sicherung ihrer Herrschaft eine ideologisch und v.a. auch terminologisch unterfütterte Diskurshegemonie errichtet, die jeden, der gegen sie opponiert, entweder als dumm und ungebildet ("Stammtischniveau"), als rechtsradikal, als populistisch oder aber als pathologisch ("homophob", "xenophob", "islamophob") abqualifiziert.

      Nun aber merken diese Herrschaften, dass ihre Diskurshoheit mehr und mehr in Frage gestellt wird: weil sie den Bogen überspannt haben, weil die Leute kritischer und selbstbewusster werden und weil es mittlerweile Strömungen in Politik, Medien und Gesellschaft gibt, die eine Gegenposition beziehen. Diese Strömungen werden von den Linken dann gemeinhin unter dem Begriff "Neue Rechte" subsumiert.

      Da den Linken zusehends die Felle davonschwimmen, reagieren sie immer aggressiver, schwingen immer hysterischer die Nazi-Keule, führen Internetzensur ein, lassen die Antifa aufmarschieren und versuchen, Kritiker sozial zu ächten und beruflich zu ruinieren. Und über die Medien verbreiten sie jede Menge Fake News.

      Denn es geht um viel: um den Verlust von Macht und von sehr üppig fließender "Staatsknete". Und diejenigen aus der dritten Reihe der Systemeliten, die nicht wirklich etwas zu melden haben, dafür aber immerhin mit der Gewissheit der Hypermoral belohnt (bzw. abgespeist) werden, müssen nun auch fürchten, das Privileg des Besserseins zu verlieren.

      Der neue Kampfbegriff dieser Systemeliten, die längst ebenso reaktionär geworden sind wie es die Eliten des Ancièn Regime waren (nur dass sie nicht annähernd so viel hochwertige Kunst hervorbringen können) lautet "Populismus". Eigentlich ist dieser Vorwurf recht eigenartig für Leute, die sich selbst immer als Musterdemokraten gerieren, der breiten Bevölkerung aber des Recht auf Meinungsbildung und auf die Gestaltung öffentlicher Räume vorenthalten.

      Und genau hier muss man m. E. ansetzen. Man darf keinesfalls in einen Rechtfertigungs- oder gar Entschuldigungsmodus verfallen, sondern man muss in die Gegenoffensive gehen. Zeigen, wie borniert, antidemokratisch, reaktionär, selbstgefällig und intolerant diese Herrschaft sind und wie verheerend sich ihr derzeitiges Verhalten auf fast allen Feldern von Kultur und Politik auswirkt. Wer das Volk als populistisch diffamiert, ist demophob (um mal einen neuen Begriff einzuführen).

      Und ansonsten gilt: Wer keine Argumente hat, moralisiert. Wer keine Moral hat, diffamiert. Wer diffamiert, entlarvt sich selbst.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Seinsheim ()

    • Jedenfalls finde ich den "Populismus-Vorwurf" besonders bizarr.
      Er verweist darauf, daß sich die, die sowas vorbringen, als CIAM-Erziehungs-Eliten verstehen. Sie fühlen sich offenbar als Geschmackswarte und Vorzensoren des niederen Pöbels, der sich mit ihren hochgeistigen, in Tonnenideologie massenhaft aufbereiteten, nackten Rechtecken einfach nicht zufriedengeben will.
      Extra wiedersprüchlich finde ich auch, daß die Grünen den Autoverkehr immer mehr zurückdrängen wollen - am liebsten so wie in Pjöngjang -, andererseits aber in keiner Weise funktionierende Lösungen - Viertel mit z.T. schmaleren Straßen, in denen z.T. Fahrrad- und Fußgängerverkehr reicht - aufnehmen wollen.
    • Populus=Demos=Volk

      Antipopulisten=Antidemokraten

      (nur mal so aus der Hüfte)

      Politische Kampagnefähigkeit braucht die holzschnittartige Vereinfachung, um jene Diskurshegemonie in der Gesellschaft zu erzielen. Im Idealfall balancieren sich die politischen Strömungen damit gegenseitig aus - so ist es eigentlich gedacht. Doch seit über 20 Jahren haben die "Konservativen" - ganz im Gegensatz zu den "Linken" - eine eigenartige Beißhemmung entwickelt, einen vorauseilenden Gehorsam vor der "linken" Hegemonial- und Medienmacht eingeübt, der ein Vakuum hinterlassen und nun aber die AfD zur Folge hatte, welche die "linken" Parteien parlamentarisch in eine strukturelle Minderheitenposition gebracht hat. Im Grunde ist es erstaunlich, wie gut unsere Parteiendemokratie am Ende doch noch alles ausbalanciert.

      P.S. Vielleicht hatten die "Konservativen" das von langer Hand geplant und haben dann ihren nützlichen Idioten gefunden. :wink: Den "linken" Parteien konnte nichts Schlimmeres als Merkel passieren.

      Ein Vergleich:
      Der Erfolg des Bauhauses (der abstrakten Moderne insgesamt) ist vor dem Hintergrund des Historismus gut zu verstehen. Dieser Erfolg war aber in Deutschland durch die Zerstörungen und Flächenabrisse so total, dass die Vertreter der abstrakten Moderne ihrem traditionellen Sparringspartner von damals, der traditionellen Moderne, immer noch die Existenzberechtigung absprechen. Dieser Anti-Pluralismus, dieser undemokratisch hegemoniale, ja fast totalitäre Absolutheitsanspruch provoziert eine entsprechend harte Gegenreaktion, in Form des bürgerschaftlichen Rekonstruktionswunsches. Das ist das klassische Paradoxon: Man bringt durch das eigene Wirken erst das hervor, was man doch bekämpfen will!
    • Es wurde viel gesagt, aber ich möchte der Diskussion einige Ideen hinzufügen.
      Vor allem über den Dialog.
      Es wird allgemein angenommen, dass es im öffentlichen Diskurs darum geht, die andere Seite zu überzeugen. Es ist nicht. Es geht darum, die Umstehenden zu überzeugen, diejenigen, die es nebenbei lesen oder hören. Wenn nur eine Idee gesungen wird, und wenn es keine Opposition gibt, ist es die einzige, die gehört wird. Und es wird Realität, egal wie dumm oder unlogisch es ist. Sie sollten versuchen zu verstehen, wie die durchschnittliche Person denkt - und oft ist es nicht, wie die Architekturliebhaber denken. Der durchschnittliche Laie folgt der in den Medien vertretenen Mainstream-Meinung. Und wenn die Person dort nur einen Standpunkt hört, wird es zu seiner Sicht. Denken Sie daran, die durchschnittliche Person (vor allem in Deutschland) ist gehorsam. Solange die Regierung es mag, ist es in Ordnung.

      Politiker wurden bereits erwähnt, und wie sie sich auf die ideologische Basis und die Mainstream-Meinungen stützen, und ich denke, das ist sehr wahr. Erinnere dich, wie schwer es war, selbst sehr populäre Reko-Projekte durchzusetzen, weil die Politiker und Ideologen in gewisser Weise standen. Wenn du nicht die Unterstützung der Bevölkerung hättest, hättest du das nicht einmal gehabt.

      Aber bedeutet es, dass du jedes einzelne Stück Müll bekämpfen musst, das auf dich geworfen wird? Natürlich nicht. Aber Sie müssen sicherstellen, dass Ihre Position gehört wird, und das bedeutet aktiv nach Publikationen, Medien oder anderen Wegen suchen, um die Idee zu fördern. Das nennt man Marketing. Lassen Sie Ihre Feinde versuchen, Ihnen zu folgen, und lassen Sie sie nicht die Diskussion führen.

      Zweitens, über eine effektive Veränderung.
      Wiederum wurde bereits erwähnt, dass es nicht einmal darauf ankommt, wie viel nominelle Unterstützung Sie haben. Modernisten waren immer gegen die Meinung einer Mehrheit, und sie hinderten sie nicht daran, ihre Ziele zu erreichen. Daher ist es wichtig, ihren Beruf direkt zu beeinflussen. Viele jüngere Architekten möchten den traditionalistischen ästhetischen Ansatz nutzen, aber sie können dies nicht alleine tun, und so hören sie auf, es zu verfolgen. Aber wenn sie sehen, dass sie nicht alleine sind und es aktive Gruppen gibt, die sie innerhalb der Universitäten (in der Studentenschaft und von anderen Architekten) fördern, hätten sie keine Angst mehr. Eine Person wird nicht schreien, dass der König nackt ist. Wenn hundert das tun werden, werden auch die tausend.

      Von der politischen Seite halte ich das Argument auf beiden Seiten für fehlerhaft. Es ist offensichtlich, dass der aktuelle Stand der Politik spaltend und emotionsgeladen ist. Aber was lustig ist, ist, dass Architektur wirklich keinen Platz darin haben sollte. Tatsächlich glaube ich, dass es möglich ist, die Position einiger schwierigerer Gruppen (links) umzuleiten, indem man darauf hinweist, dass die traditionelle Architektur für die Bevölkerung sowohl aus psychologischer Sicht als auch weil sie die demokratischen Werte repräsentiert, besser ist. Greife nicht blindlings deine Gegner an - lenke und verlagere ihren Fokus, zwinge sie stattdessen, deine Verbündeten zu sein.

      Drittens über Metaphysik und radikale Ideologien.
      Diese ignorierst du. Oder spielen Sie das Spiel nicht nach ihren Regeln. In erster Linie aufhören, ihre Terminologie zu verwenden ("Disneyland", "Fake-oder Retro-Architektur", "Kitch", etc, oder "moderne \ zeitgenössische" Architektur - es ist die Modernismus, über die wir sprechen). Zweitens, versuchen Sie nicht, gegen hardcore und esoterische ideologische Konstrukte wie Adorno und Co zu argumentieren. Die radikalen Linken haben diese gigantischen und verdunkelnden Scharaden für viele Jahrzehnte geschaffen. Ihre Natur ist, ehrlich gesagt, surrealistisch. Sie haben überhaupt keine Verbindung zur Realität. Wenn eine intelligente Person diese hört, würden sie auf der Stelle ignoriert werden. Mehr im Falle einer durchschnittlichen Person. Was ich meine, ist, dass diese "Philosophien" harmlos sind, und die Anstrengung besser geschont würde, wenn man den Wert der traditionellen Ästhetik fördert.

      Abschließend noch einmal über Diskurse und Lösungen.
      Ich denke, es wäre möglich, die tatsächliche Gemeinsamkeit zwischen durchschnittlichen Architekten und Traditionalisten zu finden. Gibt es irgendwelche Vorteile in modernen Ansätzen für Architektur? Nun ja, wenn wir den ideologischen ästhetischen Ballast wegwerfen, können wir sehen, dass die moderne (nicht modernistische) Architektur (zumindest in der Theorie) versucht, die Anforderungen der Benutzer besser zu erfüllen. Wir können die Fortschritte der Innenplanung (nicht des ästhetischen Designs!) Und moderne Materialien und Ingenieurtechniken nutzen und sie mit den ästhetischen Prinzipien der Alten und der richtigen Stadtplanung kombinieren. In gewisser Weise würden wir nicht nur helfen, Rekonstruktionen zu unterstützen, sondern auch die falsche Behauptung widerlegen, dass traditionelle Architektur nicht mit der modernen Lebensweise und dem technologischen Fortschritt vereinbar ist.

      Ich denke, dass dies parallel zu einer kompletten Neugestaltung der Denkmalpflege und der Erstellung einer neuen Wiederaufbau-Charta gehen sollte. Wenn wir nur eine Richtung verfolgen, ist es vielleicht zu schwer. Ansonsten würden sich sowohl der Wiederaufbau als auch die neue traditionelle Konstruktion gegenseitig unterstützen.

      Sorry, wenn mein Deutsch zu trocken ist, ist es nicht wirklich meine Muttersprache.
    • Bezüglich dem Punkt "Dialog" sehe ich keinen Widerspruch zu meinen vorangegangenen Zeilen. Die harten Ideologen wird man nicht überzeugen können, aber die "Unentschlossenen". Von Relevanz sind dabei aber weniger die Normalbürger, die keine Entscheidungsgewalt haben. Sie sind vor allem als ein gewisses Druckmittel bei Wahlen und als Spender für Projekte interessant. Entscheidend sind aber diejenigen in Bauwesen, Politik und Medien, die sich heute noch nicht so recht aus der Deckung wagen. Das sehen wir ja durchaus ähnlich.

      Das leitet zum Punkt "Veränderung". Auch hier sehe ich in weiten Teilen Übereinstimmung. Wenn es gelingt, einige Linke für die Idee der traditionellen Architektur zu gewinnen, ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Gleichwohl darf man nicht die Realitäten aus den Augen verlieren. Und Kritik an bestimmten Realitäten und politischen Strukturen muss erlaubt sein. Sonst können rasch Illusionen entstehen, die wie Seifenblasen zerplatzen.

      Zum Punkt "Metaphysik". Die Rekonstruktionsfreunde verwenden doch gar nicht die Terminologie ihrer Gegner. Von "Disneyland" oder "Fake" sprechen sie in der Regel gar nicht, werden aber mit diesbezüglichen Vorwürfen konfrontiert. Dass auch modernistische Architektur "retro" sein kann bzw. manchmal ist, ist hingegen Realität. Da werden Gestaltungselemente der 60er Jahre als letzter hipper Schrei verkauft, diese sind aber fast 60 Jahre alt. Das ist retro.
      Ganz und gar nicht teile ich die Sicht, dass die Philosphie in der Nachfolge der neomarxistischen Frankfurter Schule "harmlos" sei. Das hieße sie völlig zu unterschätzen. Sie wird nur oft nicht erkannt, weil sie sich mit ihren Verästelungen in tiefste Schichten durchgräbt. Dass z.B. in Potsdam junge Linke so radikal für die FH oder das Rechenzentrum und gegen den Markt und die Garnisonkirche eintreten, hat durchaus etwas mit einer mentalen Geisteshaltung zu tun, die hier ihre Wurzeln hat. Auch wenn das dem Normalbürger nicht immer ganz klar und verständlich ist, und er dann nur hilflos von "Spinnern" oder "Chaoten" reden kann. Leute, die von dieser Philosophie stark beeinflusst sind (und in manchen Studiengängen ist diese sehr präsent), können, einmal in leitende Positionen gelangt, viel Schaden anrichten.

      Zuletzt zur Kombination von traditioneller Ästhetik und modernen Wohnanforderungen. Diese findet doch längst statt. Heutige Rekonstruktionen sind mit allem modernen Wohnkomfort ausgestattet. Und traditionelle Neubauten berücksichtigen selbstverständlich auch Benutzeranforderungen, wie z.B. Lichtverhältnisse, Barrierefreiheit, moderne Bäder usw.
    • Interessanter Diskurs. Was mich daran stört, ist, dass einige Schreiber es sich zum wiederholten Mal zu leicht machen mit den politischen Zuschreibung der Haltung gegenüber architektonischen Vorlieben. Damit begeht man den gleichen Fehler wie Trüby. Trüby schiebt Rekonstruktion in die rechte Ecke ohne zu differenzieren. Möglicherweise allerdings auch gar nicht aus Überzeugung, sondern Kalkül, weil ihm die sachbezogenen Argumente ausgehen.

      Wenn ich hier wiederholt lese, man müsste sich gegen linke Ideologien stemmen, dann ist mir das viel zu einfach gedacht und ohne Differenzierung. Ich erinnere daran, dass es die Grünen waren, die in Frankfurt die Rekonstruktion der Altstadt mit getragen haben. Und ich kenne genügend Menschen, die wie ich alles andere, nur nicht konservativ sind und sich durchaus anfreunden können mit dem, was dort in Frankfurt geschehen ist.

      Diese Schwarzweiß-Malerei "gegen Rekonstruktion=links" ist grundfalsch und spielt nur denjenigen in die Hände, die "Rekonstruktion=rechts" schreien.
    • Es gibt gewisse Tendenzen für Vorlieben, auch in der Rekonstruktionsbewegung. Zumeist sind darin Menschen mit einer wertkonservativen Grundhaltung zu finden (was nicht mit Parteipräferenzen gleichzusetzen ist). Dennoch, das ist richtig, soll nicht schwarz gemalt werden. Zum Beispiel "kaoru" ist ja ein anschauliches Beispiel dafür, dass auch sich (in ihrem Fall sogar sehr weit) links verstehende Menschen für Rekonstruktionen oder schöne Baukultur eintreten können. Ich kenne selbst einige eher linke Leute in meinem Bekanntenkreis, die das ähnlich empfinden. Und im Gegenzug (ich habe es gerade im Neu-Ulm-Strang erwähnt), gibt es z.B. CSU-Kommunalpolitiker, die sich völlig den Gewinnmaximierungsinteressen einiger Investoren und einer rücksichtslosen Wachstumsideologie verschrieben haben.
      Zugleich aber dürfen eben tieferliegende philosophische und sozialpsychologische Aspekte nicht unberücksichtigt bleiben. Aus diesem Grund halte ich die kritische Beschäftigung mit Adorno und der Frankfurter Schule schon für zielführend.

      P.S.: Dass die "Grünen" irgendeinen positiven Einfluss auf das Frankfurter Altstadt-Projekt genommen hätten, wäre mir neu. Vielleicht wollen sie das posthum so sehen. Da war meiner Erinnerung nach selbst die SPD offener. Olaf Cunitz will ich mal ausnehmen, da er ein sehr guter Kenner der Altstadt ist.
    • Ganz genau tegula. Zumal es gerade in den 60er, 70er und 80er Jahren vorwiegend linke Hausbesetzer und Denkmalschutz-Aktivisten waren, die bundesweit viele Altbauten gerettet haben.

      Damit sei weder linker Ideologie noch dem Hausbesetzertum das Wort geredet. Doch wir brauchen auch nicht überall Feinde sehen, wo keine sind. Agieren wir überparteilich und in der Sache vereint. Nur das wird zum langfristigen Erfolg führen. Wie wir es auch schon bei den erfolgreichen Rekonstruktionsvorhaben und städtebaulich guten Projekten sehen!