Populismus-Vorwurf in der Architektur

  • Ideologische Fanatiker und Geiferer kann man nur bekämpfen, indem man sie als solche entlarvt. Das setzt aber eine halbwegs intakte Gesellschaft voraus, die einsichts- und erkenntnisfähig ist. Leider ergibt sich unsere Gesellschaft derzeit aber auf verschiedenen Ebenen selber mehr und mehr der Hysterie und dem Fanatismus hin. Das erschwert die Aufklärung.

    Das setzt aber auch voraus, zu erkennen, dass wir uns in einem knallharten (Klassen-)Kampf befinden, in welchem seitens der Linken jedes, aber auch jedes Mittel erlaubt ist, die Nichtlinken zu diskreditieren. Daraus folgt, dass jedes Verständnis, Entgegenkommen oder auch nur den kleinen Finger reichen völlig fehl am Platz ist. Leider werden die linksfreundlichen 68er nun von den Pseudo-Klimarettern abgelöst, die natürlich auch in den blinden Kampf gegen alles Konservative einstimmen. Wir sollten deshalb einen klaren Kopf bewahren, aber Passivität ist keine Lösung.

  • Aha, wenns genehm ist, dann ist "unsere Gesellschaft" auch bei EUropa-Skeptikern EUropa. Wenns ungenehm ist, dann beschränkt sich die Sichtweise nur auf Deutschland.
    Soso, nun soll ich die Gesamt-EUropäischen Wahlausgänge betrachten. Außer Frankreich, Italien und Polen und Ungarn sehe ich da keine nennenswerten Erfolge für die rechten Grgner EUropas. Und ganz unerwartet waren die auch nicht. Ja ja, die frasst-draußen Klein-Briten auch.
    Reicht den Gegnern EUropas trotzdem für nix, außer stören.
    Luftpost

    Dann betrachte bitte mal die Wahlausgänge in den Neuen Bundesländern.

  • Und? Sachsen und leider auch große Teile Brandenburgs bilden eine unrühmliche Ausnahme. Und? Jetzt soll ich also auf die regionale Ebene zurück springen, weils gerade genehm ist? Immer mal schnell die Ausnahmen zur Regel erheben?


    PS. Ist leider aber auch sehr beschähmend, besonders als Brandenburger.

  • Jeder sieht's halt so wie er's gern hätte. ;) Damit bitte wieder zurück zum Thema.

    Sehe ich auch so. Zumal die Tendenz selbsterkannter linker Tugendwächter, ihre Intoleranz gegenüber politisch Andersdenkenden zum mutigen Bekenntnis für das Gute und zur moralischen Entrüstung hochzustilisieren, letztlich genau in dieselbe Richtung zielt wie die Polemik eines Herrn Trüby.

    Früher hieß es: "Der Geist weht, wo er will". Heute muss es heißen: "Der Zeitgeist tickt, wo er will".

  • Die Rechten haben ziemlich abgeloost. Und die Grünen gewonnen.

    Außer Frankreich, Italien und Polen und Ungarn sehe ich da keine nennenswerten Erfolge für die rechten Grgner EUropas.

    Dann freue Dich doch mal. Alles wird AEUsserst schön in Zukunft. Deine Homies sind winner und Du bist Mit-Sieger. Mache einen kleinen Sekt auf, setze Dich in Sonne. Und lass´ so den Blutdruck sinken.


    Ansonsten bezüglich der "Populismus"-Vorwerfer in der Architektur: Diese Leute kannst Du nicht überzeugen oder mit ihnen inhaltlich sinnvoll diskutieren. Aber Ignorieren wäre sehr kontraproduktiv. Sie besetzen Schaltstellen im Lehr- und Architekturapparat, sind gut vernetzt und werden gerne in den Medien von befreundeten Journalisten reproduziert. Wenn Du ihnen unwidersprochen freie Hand lässt, wird das in den Medien, in der Politik und beim Bürger so aufgefasst, dass diese Leute Recht haben, ihr Denken "Konsens" sei, weil ja niemand eine andere Meinung äußert. Das hätte behindernde Folgen für jeden Ansatz einer Architekturreform jenseits von Bauhaus, Brutalismus und Co. Und, Du solltest ihnen nicht defensiv (selbst verteidigend) gegenüber treten, da das ihre "Autorität" als "Ankläger" stärkt, sondern allein kritisch gegenüber deren Machtposition.

  • Weisst Du was Heimdall, wir sind da einer Meinung.


    PS. Blutdruckmessgerät gerade nicht zur Hand, Sektchen auch nicht. Aber ich stoss heute Abend auf Dich an.

  • Sie besetzen Schaltstellen

    Jetzt las ich doch tatsächlich Schadstellen - freudscher Verleser? ablachen:)

    Aber es ist leider eine traurige Wahrheit daß Menschen Positionen besetzen wo Leute von uns besser aufgehoben wären, schon ganz einfach aus dem Grunde daß wir noch ein realistisches Bild von Architektur haben wie solche zu gestalten wäre.

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Ja mein Gott, wir sind in eine Demokratie, es ist völlig in Ordnung, wenn die ihre Weltsicht kundtun, auch wenn diese aus unserer Sicht, völlig daneben liegt. Wenn ich mir so das Inhaltsverzeichnis der prallgefüllten Arch+-Ausgabe anschaue, dann wiederholen sich ständig die Themen Reko / Völkisch / angelblich rechte Gesinning der Fürsprecher historischer Bauten. Leider hatten die Macher der Ausgabe wohl nicht den Mut, die Verbindungen der Moderne zu den Protagonisten des 3. Reiches zu hinterfragen. Da gibt es einen Bauhaus-Macher, der auch am KZ-Bau beteiligt war, unglaublich viele Architekten und Stadtplaner der Nazizeit, die munter nach dem Krieg ihre Träume der Moderne umgesetzt haben und Nazis, die am liebsten die Altstädte platt gemacht hätten. Von daher ist mir die Ausgabe des Magazins zu sehr aus einer Perspektive gesehen, die zudem an der Wirklichkeit vorbeigeht.

    Dies sollte viel öfter zur Sprache kommen. Während heute noch KZ-Wächter und Verwaltungspersonal wegen Beihilfe zum Massenmord angeklagt werden, wird Herr Ertl, Bauhaus-Dplom-Architekt, heute schamhaft verschwiegen. Dabei hat er in Auschwitz Pferdeställe für Menschen ohne Fenster und Lüftung für den kurzzeitigen Aufenthalt unter niedrigsten Ansprüchen nach Bauhaus-Richtlinien projektiert und Krematorien als „Badeanstalten für Sonderaktionen“ im Besprechungsprotokoll bezeichnet. Seine Ausbildung erfolgte in der Stadt, aus der auch das Zyklon B ohne Warnstoff für die Massenvernichtung geliefert wurde. (Dieses Gift wurde hier in der DDR im gleichen Betrieb übrigens bis in den Fünfzigern produziert). Aber niemand versinkt vor Scham in den Boden. Es passt nicht ins linke Bild.

  • Nun ja, in einer Demokratie gibt es natürlich die verschiedensten Strömungen und faschistoide Richtungen sind da auch nicht soo selten - die einen wollen am liebsten alles verbieten, Diesel , Fleischverzehr usw. andere (zum Beispiel mehrfache Studienabrecher) sind für Enteignung von wirtschaftlich wichtigen Konzernen, wieder andere lügen den Menschen das Blaue vom Himmel, haben aber kein Plan wie es sich umsetzen ließe - ja, schwierig, mit Demokratie haben solche Kreise mitunter wenig am Hut.

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Das beste Beispiel hierfür ist Wilhelm von Boddien, der auch stetig übelst bestimpft wurde aber von seinem Weg nie abgekommen ist. Das hat sich ausgezahlt.

    Wilhelm von Boddien ist genau das Gegenbeispiel für das, was Königsbau sich vorstellt. Genauso wie alle anderen erfolgreichen(!) Reko-Initiativen, die sich nicht für Politik vereinnahmen ließen: GHND, Frankfurter Dom-Römer-Projekt, Nürnberger Altstadtfreunde, Potsdams Mitteschön, usw.usf.


    Natürlich müssen wir uns wehren. Aber eben nicht so, wie es die linken Provokateure am liebsten haben würden. Die würden nämlich am liebsten sehen, dass ihr Klischee der rechten Rekofreunde bestätigt wird. Und einige hier im Forum machen's denen dann auch sehr leicht, weil sie genau das tun - weil sie eben genau in diese politische Kategorie fallen. Das sind vielleicht 4-7% im gesamten Kontext, aber die stechen leider recht laut heraus. Schade, das beraubt uns regelmäßig der Deutungshoheit in diesem öffentlichen Disput. Einzelne Rekovereine haben das sehr viel cleverer angestellt.

  • Du vermengst zwei Ebenen. Zum Einene geht es um Rekonstruktionsinitiativen, zum Anderen geht es um einzelne Diskutanten in diesem Forum, deren Äußerungen Dir nicht politisch gefallen. Ob letztere überhaupt Mitglied in einer Initiativen vor Ort sind, ist völlig unbekannt.


    Dass eine Rekonstruktionsinitiative darum bemüht ist, sich nicht "für Politik vereinnahmen" zu lassen, ist logisch. Gleichwohl bewegt sie sich sich in einem politischen Umfeld. Und ohne Unterstützung von mit den Ideen sympathisierenden Politikern wird es nicht funktionieren. Dass ein Forumsdiskutant in einer politisch beeinflussten Sphäre im Rahmen einer Diskussion auch politische Äußerungen bzw. Einschätzungen von sich gibt, ist ebenfalls logisch, zumindest nicht völlig absurd.


    Hier geht es nicht um die Durchsetzung von Projekten, sondern um den Meinungsaustausch. Insofern ist das ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen.

  • Neuer Höhepunkt der Absurdität: Der Walter-Benjamin-Platz hat den Faschismus zurückgebracht. Der "Kampf gegen rechts" hat ein neues Betätigungsfeld entdeckt. Im Fadenkreuz steht natürlich ausschließlich klassische und traditionelle Architektur. Ich glaube, langsam brennen alle Sicherungen durch in diesem Land. :blink:


    https://www.spiegel.de/plus/berlin-haben-architekten-dafuer-gesorgt-dass-ein-rechter-geist-zurueckgekehrt-ist-a-00000000-0002-0001-0000-000164302384

    In dubio pro reko

  • Neuer Höhepunkt der Absurdität: Der Walter-Benjamin-Platz hat den Faschismus zurückgebracht. Der "Kampf gegen rechts" hat ein neues Betätigungsfeld entdeckt. Im Fadenkreuz steht natürlich ausschließlich klassische und traditionelle Architektur. Ich glaube, langsam brennen alle Sicherungen durch in diesem Land. :blink:


    https://www.spiegel.de/plus/berlin-haben-architekten-dafuer-gesorgt-dass-ein-rechter-geist-zurueckgekehrt-ist-a-00000000-0002-0001-0000-000164302384

    Wundert dich das? Tausende, für eine sinnvolle Arbeit unbrauchbare Linksextreme sind in ihrem Klassenkampfwahn rund um die Uhr im Einsatz, um Angriffspunkte gegen alles Nichtlinke aufzufinden und auszunutzen- Die Medien sind auf ihrer Seite, und das fehlende Boykottverhalten der Bevölkerung gegen solche Medien lässt sie ungestört gewähren. Aber die Zeiten der "anderen Wange hin zu halten, wenn man auf die eine geschlagen wird", sind vorbei. Leider haben das auch in diesem Forum längst nicht alle Teilnehmer begriffen.

  • könnten wir politisch vielleicht etwas neutraler agieren? Dieses Bashing gegen links und rechts bringt hier niemanden weiter

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Entschuldigung, wie soll man da neutral bleiben? Es ist offensichtlich, dass hier von linker Seite ein neues Gut-Böse-Szenario aufgebaut wird. Darauf muss man doch irgendwie reagieren. Etwa dahingehend, dass man anhand von Beispielen aufzeigt, dass auch zahlreichen "modernen" Bauten etwas von "faschistischer" Architektur anhaftet. Ich setze diese Adjektive in Anführungszeichen, weil sie gern willkürlich als Schlagworte eingesetzt werden.

    In dubio pro reko

  • wie soll man da neutral bleiben?

    Es ist doch offensichtlich, dass Henry das auf die allgemeinen Äußerungen zu "links" und "rechts" bezogen hat, die in einigen der vorangehenden Beiträgen getätigt wurden (siehe etwa den letzten Beitrag von Elbegeist), nicht auf die architekturspezifische Diskussion über die Thesen von Trüby&Co.
    Die können und müssen natürlich weiter diskutiert werden.