Japan

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • In Japan laufen selbst Kinder teils noch mitten in der Nacht durch die Straßen und Gassen. Es gibt einfach kaum Kriminalität im öffentlichen Raum, ein tolles Sicherheitsgefühl.

      Was hat dich ausgerechnet nach Kushiro gezogen? Das ist ja ein sehr trostloser Ort.
    • erbse schrieb:

      In Japan laufen selbst Kinder teils noch mitten in der Nacht durch die Straßen und Gassen. Es gibt einfach kaum Kriminalität im öffentlichen Raum, ein tolles Sicherheitsgefühl.
      Was auch mit gewissen Umständen zu tun hat, die hierzulande zu thematisieren weder erwünscht noch sonderlich gut beleumdet ist. floet:)

      Danke für die Fotos. Schön ist etwas anderes. Dennoch ist es interessant. Architektonisch eine Art Mischung aus amerikanischen Groß- und Mittelstädten jenseits von Ost- und Westküste, einer übertrieben kitschigen Kommerzialisierung und japanischer Tradition in Lebensart und Schrift.
    • erbse schrieb:

      Was hat dich ausgerechnet nach Kushiro gezogen? Das ist ja ein sehr trostloser Ort.
      Der Zufall, Lonely Planet, Train Timetable der JR Hokkaido? Eigentlich wollten wir noch nach Wakkanai. Ich hätte vorher genauer auf die Fahrzeiten schauen sollen. Dann hätten wir aber sicher vier Wochen gebraucht. Auf Hokkaido fahren keine Shinkansen.


      Aber auch in der tiefen Provinz Japans versuchen die Menschen gut zu leben. Japan hat genauso Probleme mit der Zuwanderung. In der ehemaligen Kolonialmacht leben viele Koreaner. Kurioserweise lernen deren Kinder teilweise in Schulen, die Propaganda für Nordkorea predigen. Beschriftungen und Ansagen im öffentlichen Raum sind üblicherweise in Japanisch, Chinesisch und Koreanisch. Häufig dann auch in Englisch. In Chinarestaurants muss man damit rechnen, keine Speisekarte in Englisch zu bekommen. Auf Hakkaido hatte ich das Gefühl, dass dort Japan Probleme mit Russen hat.


      Am Kushiro river befindet sich neben Einkaufszentren, Hotels, Verwaltungsbauten auch ein Anleger für Kreuzfahrtschiffe. (2016)













      Eigene Fotos.
    • Stahlbauer schrieb:

      Japan hat genauso Probleme mit der Zuwanderung.
      Genauso?... Hier der prozentuale und herkunftsbezogene Vergleich zur BRD. (Wobei die Seite dafür wirbt, dass das "dringend" geändert gehört.) Die Probleme mit den Russen ergeben sich wiederum zum Teil durch den Streit um die Kurileninseln nordöstlich von Hokkaido. Die Russen halten diese seit dem zweiten Weltkrieg besetzt, die Japaner haben nie darauf verzichtet.

      Mich würde aber mal interessieren, wie Japaner eigentlich ihre Stadtbilder beurteilen. Wie stehen sie zu dem Bruch zwischen der traditionellen Baukultur, die in Traditionsinseln erhalten ist, und ihren modernistischen Großblocks? Und, gibt es eine Rekonstruktionsbewegung in Japan?
    • Heimdall schrieb:

      Wie stehen sie zu dem Bruch zwischen der traditionellen Baukultur, die in Traditionsinseln erhalten ist, und ihren modernistischen Großblocks?
      Ich habe mal gelesen, daß die japanische Mentalität durch die Niederlage im Zweiten Weltkrieg einen tiefgreifenden Wandel durchlebt hat. Nicht wie bei uns im Sinne von Schuld und Versöhnungssuche, sondern in der Ablehnung der eigenen Kultur, die sich als zu schwach erwiesen hatte und daher zu verwerfen sei. Die kleinen Traditionsinseln bilden noch die Brücke in die Vergangenheit, doch wurde ansonsten alles aus dem Westen (vorrangig aus den USA) ungeprüft als besser angesehen und übernommen.
      Daher verfolgte man sowohl in der Wirtschaft als auch in der Baukultur kompromisslos einen Kurs der Moderne und der Effizienz. Inzwischen hört man aus Japan aber durchaus wieder andere politische Töne und so könnte ich mir vorstellen, daß es auch im Bereich der Baukultur bal Retro-Bestrebungen geben wird.
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • Genauso heißt nicht, dass die Japaner dieselben Probleme haben wie wir in Europa. Schon weil Japan ein Inselstaat ist. Wenn es in Japan Probleme mit Ausländern gibt, werden gerne Hinweistafeln aufgestellt, auf denen erläutert wird, wie "man" sich korrekt verhält. An einigen Orten, auch auf Honshu, standen recht oft derartige Schilder mit Hinweisen auf Russisch (Bitte beachten Sie den Straßenverkehr!). Mit dem Kurilenstreit hat das nichts zu tun.


      Heimdall schrieb:

      Mich würde aber mal interessieren, wie Japaner eigentlich ihre Stadtbilder beurteilen. Wie stehen sie zu dem Bruch zwischen der traditionellen Baukultur, die in Traditionsinseln erhalten ist, und ihren modernistischen Großblocks? Und, gibt es eine Rekonstruktionsbewegung in Japan?
      Für Einzelobjekte gibt es das. Eine Stadtbildrekonstruktion ist den Japanern offensichtlich fremd. In keiner Stadt habe ich auch nur ansatzweise etwas gesehen, das als japanische "Altstadt" angesprochen werden könnte. Viertel, die von Weißen gebaut wurden, werden schon gepflegt. In der Literatur wird berichtet, dass Japaner, die nicht nach Europa reisen können, nach Kobe fahren, um ein Stadtviertel im europäischen Stil zu besuchen.

      Und "Großblocks" in Japan? Wenn du die Blockrandbebauung meinen solltest, muss ich sagen, dass ich mich an derartiges nicht erinnern kann. Typisch ist eher, dass die Minigrundstücke in japanischen Innenstädten dazu führen, dass schmale, hohe Häuser gebaut werden. Gleich daneben kann dann eine Hütte stehen. Die Japaner kommen nicht ohne Grund nach Paris oder Rothenburg.



      Rekonstruktionsinitiativen gibt es bei bestimmten historischen Orten, wie dem Tempel Higashi Hongan ji in Kyoto. Hier soll der größte in Holz errichtete Hallenbau Japans stehen. Eine ähnliche Zuordnung habe ich aber auch in Nara gesehen. Die Innenräume sind eher karg geschmückt, aber mit Tatamis ausgelegt. Die Schuhe muss man vor dem Gebäude ausziehen.

















      Eigene Fotos.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Stahlbauer ()

    • Im Fushimi-Inari-Schrein Kyotos kann man sich aktiv an dessen Rekonstruktion beteiligen. Da die Toriis überwiedend aus Holz gefertigt werden, müssen diese regelmäßig ausgetauscht werden. Auf dem gespendeten Torii wird dann der Name des Spenders eingraviert. Aber ist das "Rekonstruktion"?


      Ansonsten werden die historischen Burgen, Tempel und Schreine stark frequentiert und genutzt. Eine Ablehnung der eigenen Kultur konnte ich bei den Japanern nicht erkennen. Zwar lieben die Japaner Prada, Armani, Gucci, Rolex und wie die Luxusmarken des Westens auch heißen mögen, der Bereich, in dem sich die Japanerin einen Kimono anfertigen lassen kann, ist auch immer gut besucht. Billig ist ein Kimono nicht.















      Eigene Fotos.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Stahlbauer ()

    • Der untere, zentrale Bereich des Fushimi-Inari-Schreins ist stark besucht. Besuchergruppen und Schulklassen drängen sich durch die Torii-Gänge.





      Die Lehrer führen ihre Schützlinge in fast militärischer Manier durch die Anlagen.





      Ein Taifun im Sommer hat einige Bereiche der Schreinanlage und der Torii-Tunnel stark beschädigt. Die Aufräumarbeiten waren im Gange, Teile der Torii-Tunnel waren aber noch gesperrt.









      Eigene Fotos.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Stahlbauer ()

    • Lonely planet schreibt, dass sich ein 4 km langer Pfad am Fushimi-Inari-Schrein den Berg hinauf schlängen soll. Wir hatten wohl andere Wege genutzt. Apple zeigte am Ende des Tages 13 km Wegstrecke an.

      In einem hat Lonely planet aber recht: Das ist eine Welt für sich und eine mehr als beeindruckende Sehenswürdigkeit. Nicht nur für Kyoto.













      Der Fushimi-Inari-Schrein wurde im 8 Jahrhundert zu Ehren der Reis- und Sakegötter errichtet. Füchse gelten als Boten des Reiserntegottes Inari. Man findet sie in der ganzen Schreinanlage.







      Eigene Fotos.
    • Erstmal danke für die schönen und bedrückenden Ansichten aus Japan. Das Wetter war dir ja anscheindend leider nicht gerade wohlgesonnen. Zur japanischen Baukultur-Thematik:

      Heimdall schrieb:

      [...] Wie stehen sie zu dem Bruch zwischen der traditionellen Baukultur, die in Traditionsinseln erhalten ist, [...]

      Der Münchner schrieb:

      [...] Ich habe mal gelesen, daß die japanische Mentalität durch die Niederlage im Zweiten Weltkrieg einen tiefgreifenden Wandel durchlebt hat. Nicht wie bei uns im Sinne von Schuld und Versöhnungssuche, sondern in der Ablehnung der eigenen Kultur, die sich als zu schwach erwiesen hatte und daher zu verwerfen sei. [...]
      Der Grund weshalb japanische Städte so aussehen wie sie aussehen liegt meiner Meinung nach nicht im Ergebnis und in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und nur kaum in der japanischen Mentalität.

      Es dürfte erstens zu einem gewissen Punkt mit der Geschichte des Landes zutun haben: Bis Mitte des 19.Jahrhunderts war Japan weitgehend isoliert von der restlichen Welt, erst militärische Gewalt der USA und Großbritanniens 1854 zwangen es zur Öffnung. Die dadurch ausgelösten innenpolitischen Verwerfungen führten 1868/69 letzlich zur Abschaffung des Bakufu (feudale Shōgun-Herrschaft) unter Kaiser Mutsuhito und dem Beginn der Meiji-Ära, in welcher sich Japan zur Großmacht in Verwaltung und Militär modernisierte. Das heutige Japan und damit vielleicht sogar die Mentalität fußt auf den Grundsätzen dieser Zeit. Was damals zunächst wirklich auf Ablehnung eigener Traditionen und dem absoluten Bruch mit selbigen hinaus lief, änderte sich schließlich jedoch in das Motto dieser Ära: Wakon yōsai - Japanischer Geist und westliches Wissen. Eine Abneigung der eigenen Kultur kann ich, wie Stahlbauer, bei den heutigen Japanern auch nicht feststellen.

      Der zweite und entscheidendere Grund dürfte aber die Geografie Japans sein. Die japanischen Inseln sind Teil des Pazifischen Feuerrings und die philippinische, pazifische und eurasische Kontinentalplatte treffen dort aufeinander. Erdbeben sind in Japan allgegenwärtig. Das hat zufolge das japanische Städte sogar bis zum Zweiten Weltkrieg überwiegend aus den typischen Holzhäusern bestanden, da diese den Erdstößen besser widerstehen können im Gegensatz zu starren Gebäuden aus Stein. Der Nachteil ist, wie wir ja leider wissen, dass solche Konstruktionen wunderbar brennen. Das wurde vielen Städten schon vor dem Krieg zum Verhängnis, wie zum Beispiel beim Großen Kantō-Erdbeben 1923, dem selbst Gebäude des Historismus nach westlichem Vorbild zum Opfer fielen.


      upload.wikimedia.org/wikipedia…fter_Kanto_Earthquake.jpg

      Wikipedia schrieb:

      [...] Die bei Erdbeben oft folgenden Großbrände wüteten aus mehreren Gründen hier besonders heftig: Zum Zeitpunkt des Bebens wurde in den meisten Haushalten gerade auf Holz- und Gasfeuerstellen das Mittagessen vorbereitet, die sehr dichte Bebauung mit traditionellen Holzhäusern begünstigte das Übergreifen des Feuers und starker Wind aufgrund eines nahenden Taifuns trieb die Feuer an.

      [...] Da das Erdbeben auch die Hauptwasserleitungen zerstört hatte, dauerte es fast zwei Tage, die Brände zu löschen. Weit mehr als die Hälfte aller Wohnhäuser fielen dem Feuer zum Opfer. Durch die Zerstörungen wurden etwa 1,9 Millionen Menschen obdachlos und die Gesamtschäden wurden auf die damals nahezu unvorstellbare Summe von über einer Milliarde US-Dollar geschätzt.

      Schockierend war, dass nicht nur traditionelle japanische Holzhäuser, sondern auch viele der neuen, im westlichen Stil erbauten Häuser zerstört wurden. Die Backsteinbauten waren zwar einigermaßen feuerresistent, hielten aber den Erdbebenstößen nicht stand. Einzig einige moderne Bauten aus Stahlbeton konnten der Katastrophe widerstehen, weswegen dieses Material auch zum dominierenden Baustoff in Japan werden sollte. [...]

      Zusammengefasst auf Deutschland bezogen wäre es also so, als ob bis 1850 hier nur Fachwerkhäuser gestanden hätten, Renaissance und Neuzeit (also Barock und Klassizismus) übersprungen, direkt Gründerzeithäuser und Historismusbauten errichtet und dann alles großflächig durch die Feuerstürme des Krieges zerstört worden wäre. Da bliebe nur unsere Nachkriegsarchitektur übrig.

      Weshalb...

      Stahlbauer schrieb:

      [...] Eine Stadtbildrekonstruktion ist den Japanern offensichtlich fremd [...]
      ...es ihnen weniger fremd, sondern einfach nicht möglich ist bzw keinen Sinn machen würde. Altstädte wie in Europa gab es in Japan wohl nie wirklich, zumindest nicht substanziell-architektonisch. Es bleiben nur die vielen Burgen, Tempel, Schreine, diverse kleinere historisch bedeutende Gebäude und die kaiserlichen Palastanlagen in Kyoto und Tokyo. Die Lösung für ein besseres Stadtbild kann für die Japaner meiner Ansicht nach nur eine Kombination aus japanischer Baukunst mit Stahl und Beton sein. Aber vielleicht sind sie da zu pragmatisch?
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.