Dresden - die Pirnaische Vorstadt

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    So soll der erste Abschnitt der neuen Lingnerstadt zur St. Petersburger Straße aussehen.
    © Gateway Real Estate


    Quote

    Nächster Auftritt für die Lingnerstadt-Pläne. Zum zweiten Mal war die Gateway Real Estate als Eigentümer und Investor des Areals zwischen Bürgerwiese, St. Petersburger und Grunaer Straße in die Dresdner Gestaltungskommission geladen. Beim ersten Mal mussten die Vertreter ordentlich Kritik einstecken. Von glattgestrichenen Fassaden war die Rede, die ewig gleichen Dachlandschaften wurden bemängelt, und als „investorengerecht geglättete und verbilligte Fassaden“ bezeichnete Linken-Stadtrat Tilo Witz die Entwürfe. Auf viel Zustimmung stieß indes der Plan, die Häuser in Holzbauweise zu errichten. 48 sollen allein im ersten Bauabschnitt entstehen.

    Nun gab es neue Fassadenentwürfe zu sehen. Die zeigten nicht nur unterschiedliche Farben, Materialien und die geforderten Vor- und Rücksprünge, sondern auch unterschiedliche Geschossigkeiten und heterogene Dächer. Man habe sich in der Umgebung umgeschaut und sich zum Beispiel für die Fenstergestaltung von Neumarkt-Gebäuden inspirieren lassen, sagt Jens Schumann vom beauftragten Architekturbüro Nokera in Leipzig. Um eine möglichst große Fassadenvielfalt zu erreichen, seien insgesamt fünf Büros einbezogen gewesen...


    ...

    Dass das Palais Oppenheim keinen Platz in den Plänen von Gateway hat, bekräftige mehrfach Jens Timm, der Projektleiter der Firma für die Dresdner Lingnerstadt....


    https://www.saechsische.de/dre…-estate-5532093-plus.html


    Palais Oppenheim wird vermutlich nicht kommen. Trotzdem gefallen die Fassaden.

  • Man müsste noch etwas mit den Geschosshöhen spielen, wirkt noch wie ein großer Block.

    Wenn nicht anders angegeben, sind alle Bilder von mir.

  • Das sieht ja genial aus! Und so etwas in Dresden?? Hey Leute, ich trinke zwar keinen Alkohol aber da würde ich ja fast nen Champagner aufmachen. Ehrlich, so etwas gutes hab ich in der City von DD an Nachwende-Bauten selten gesehen. Und falls mir jetzt wieder jemand unterstellt, ich würde banale Dinge "zu hoch loben" oder ähnliches, dann kleiner Tipp: Vielleicht einfach mal aufhören mit geschlossenen Augen durch die Stadt zu laufen und diese bitteschön einfach einmal zu öffnen. Kuben-Postplatz, Schiffscontainer in der Marienstrasse und Strichcode-Fenster in der "Altmarktgalerie" (aber garantiert "historischer" Grundriss) reichen Euch nicht? Jetzt im Ernst, es ist nicht übertrieben, dieses Projekt zu loben. Es ist sehr gut. Ganz einfach deswegen, weil es konventionelle Architektur ist, und Dresden braucht keine himmelstürmenden Dekonstruktivismus-Solitäre, sondern ganz normale, konventionelle Europäische Architektur. In der Dresdner Innenstadt fehlen keine Paläste , die meisten stehen wieder, aber es fehlen Strassen, Plätze, Wohn.- und Geschäftsviertel so wie in jeder europäischen Grossstadt. Und dies ist wirklich das erste Projekt in Dresden das ich sehe, dass diese Anforderungen erfüllt. In Dresden müssen ganze Stadtviertel gebaut werden. Und zwar zusammenhängend, nicht riesige, unpassende Fehlbauten wie diese Simmel-Passage am Bahnhof , hier eine Mall und dort ein Shopping Center von verschiedenen Bauherren die sich gegenseitig nicht kennen und sich nie abgesprochen haben. Manchmal habe ich den Eindruck, in Dresden wird gebaut ohne Sinn und Verstand. Einfach so, wie die Herren Investor*innen grade Lust haben, und niemand macht Ihnen Vorgaben.


    Aber das hier ist das erste mal, dass ein Projekt fähig erscheint, ganze Stadtteile zu generieren. Genau das braucht die Dresdner Innenstadt, die ja zum grossen Teil noch heute verschwunden ist.


    Ja, ich bin begeistert! Zumal ich weiss, wie tot und unschön dieses Viertel zur Zeit aussieht. Im Gegensatz zu der sozialistischen Wüste die jetzt dort steht, ist dieses Projekt ja fast traumhaft!


    Ich fand hier übrigens einen Artikel über das Palais Oppenheim, weiss nicht ob er noch aktuell ist:


    https://www.gottfriedsemperclu…20Oppenheim%20Mueller.pdf

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Ernstgemeinte Frage an euch: Wäre es denn wirklich so schlimm und unmöglich, das Oppenheim ein paar Meter südöstlicher, also transloziert, wiederaufzubauen? Dann stünde es ja trotzdem noch an der Bürgerwiese und alle wären relativ zufrieden.

  • Ich schließ mich hir den Beurteilungen größtentails an.

    Aber wieso immer diese billig wirkenden Gefängnisgitterbalkonzäune. Wieso machen die Designer so etwas?

    Gerade die bieten in einer Fassade doch Gestaltungsraum. Aber Nein, es wird ein Balkondesign überall in unveränderter oberflächlichkeit herangeklatscht. Meist erinnern diese an Freiheitsentzugsanstalten (Ich möchte nicht soeinen Gefängnisbalkon haben).

    Ganz allgemein fällt mir dies bei vielen auch gut gestalteten Neubauten negativ auf.

  • Ernstgemeinte Frage an euch: Wäre es denn wirklich so schlimm und unmöglich, das Oppenheim ein paar Meter südöstlicher, also transloziert, wiederaufzubauen? Dann stünde es ja trotzdem noch an der Bürgerwiese und alle wären relativ zufrieden.

    Nein, dieses Mal nichts dagegen einzuwenden. Ein paar Meter mag ok sein, solange das Gebäude nicht wie in MD durch die gesamte Stadt wandert.....

    Es kommt aber wie immer auf den Einzelfall und die gefundene Lösung an. Kannst du mal eine Darstellung dazu machen?

  • @"Neohist1"

    Im vor wenigen Jahren neu erbauten Andreasquartier in Düsseldorf hat man teils verzierte Balkongitter angebracht. Solches würde auch Dresden gut stehen.

    (Siehe hier oder hier.)

  • @"Neohist1"

    Im vor wenigen Jahren neu erbauten Andreasquartier in Düsseldorf hat man teils verzierte Balkongitter angebracht. Solches würde auch Dresden gut stehen.

    (Siehe hier oder hier.)

    ich denke diese Gitter sind sogar noch günstiger, da diese einfach einer Metallplatte geschnitten werden. So würde ich es machen.

  • Ich finde Translozierungen OK. In Berlin z.B. wurde ja nicht selten transloziert:


    Die Siegessäule stand früher vor dem Reichstag, die Kollonaden am Kleistpark (ich wohnte in den 80ern um die Ecke) standen früher auf der Schlossbrücke.


    15ebd093724c65.jpg


    Ich sage: lieber transloziert als gar nicht! Im Gegenteil, kann ja sogar die bessere Lösung sein?


    Die Siegessäule macht sich auf einem eigenen Platz auch sehr gut, und ich denke mal, die meisten wissen nicht einmal dass sie ursprünglich dort früher gar nicht stand. Stören tut es niemanden - ausser vermutlich einigen "Disneyland"-Schreihälsen, die dann ein weiteres Scheinargument haben um städtebauliche Schönheit, Stadtreparatur und Rückkehr zur Vernunft zu blockieren.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Man müsste noch etwas mit den Geschosshöhen spielen, wirkt noch wie ein großer Block.

    Das passiert eben, wenn alles durch einen Bauherrn geplant wird. Wenn die unterschiedlichen Geschosszahlen nicht im B-Plan vorgegeben wären, gäb's nichtmal die. Und selbst die in diesem Fall im B-Plan geforderten Vor- und Rücksprünge der Fassade und die Hofgebäude wurden ja vom Investor im ersten Entwurf als unwirtschaftlich ignoriert. Dass der B-Pan explizit Flachdächer fordert, erweist sich ebenfalls als Problem, weil so keine Dachzone kommen wird, mit der man gestalterisch ja auch noch variieren könnte. Ein Plattformdach mit Mansarde hätte fast genauso viel Nutzen bzgl. Dachbegrünung, die ja als Grund für Flachdächer genannt wird.


    Im Grunde ist es mal wieder eine optimierte Wohnmaschine, auf die unterschiedliche "Fassaden" gemalt werden, so wie an der Schweriner Straße oder am Altmarkt. Dass es plastische Gesimse und ein paar - was ist das eigentlich? - vertikale Strukturen gibt, ist ja auch nur der Gestaltungskommission zu verdanken, die den ersten Entwurf als "zu glatt" bezeichnete.


    Für den Rest der Lingnerstadt muss unbedingt kleinteilig parzelliert werden und die einzelnen Gebäude müssen individuell geplant werden, nicht nur die "Fassaden". Den Stadträten muss klar werden, dass ein Bebauungsplan alle möglichen Vorgaben bzgl. Gestaltung ausschöpfen muss. Die Zeit, in der Investoren mit möglichst wenig Einschränkungen gehalten werden müssen, ist definitiv vorbei. Die Stadtgesellschaft sollte klar vorgeben, wie gebaut werden soll. Von selber kommt das nicht, das sieht man ja in diesem Fall. Die Aussage des Investors bzgl. des Palais Oppenheim spricht hier ebenfalls Bände und das sollte ein Alarmzeichen für die Stadträte sein.

  • A propos Gestatungskommission:

    Ihr wisst aber schon, dass Prof. Jürg Sulzer, der dort für Qualität (ich meine dies im echten Wortsinne) dankenswerterweise hauptsächlich veranwortlich war, zu Ende des Jahres gehen wird?


    Es ist hinten den Kulissen bekannt, dass er durch eine Dame ersetzt werden wird, die eindeutig eine abstrakt-modernistische Architketurhaltung bevorzugt (und die beim Wettbewerb Neustädter Markt, wo sie ebenfalls für in die Dresden ach so beliebte und bewährte "Klötzchenarchitekur" eintrat, nur mit Müh' und Not überstimmt werden konnte?)


    Ich fürchte, dieser kurze, zarte "Architekturfrühling", den wir mit diesen (sicherlich nicht völlig optimalen) Entwürfen (siehe Flachdächer) vorfinden, wird ab nächstem Jahr wieder eingestampft werden und man kehrt zu der in Dresden bewährten Architektur zurück: Klötze, Klötze und nochmals Klötze mit verspringenden Liegefenstern und Flachdach.


    Endlich mal was Neues und wirklich Modernes!

  • Ist leider auch meine Vermutung, R. Sulzer war die wahre treibende Kraft, wenn es um die Verbesserung der Entwürfe ging. Mit der Neubestzung wird sich die GK äußerst rasch entbehrlich machen.

    "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia

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    So soll der erste Abschnitt der neuen Lingnerstadt zur St. Petersburger Straße aussehen.
    © Gateway Real Estate


    https://www.saechsische.de/dre…-estate-5532093-plus.html

    Die Entwürfe gehören ins obere Drittel von dem was so gebaut wird, aber dennoch wirken sie wie sechs identische Stockwerke phantasielos übereinander gestapelt ohne eine zugehörige Gliederung in Erdgeschoss, Mitte und Dach, welche diese Monotonie auflockern würde. Damit konterkariert es etwas die klassizistischen Fassadenelemente, die etwas unverstanden an der Fassade hängen.


    Beispiele, bei denen man mehr Wert auf diese Gliederung gelegt hat:


    dsc03301qldxk.jpg

    Potsdam Yorckstraße


    https://www.patzschke-architek…folio/kronprinzengaerten/


    https://www.ls3p.com/portfolio/hoffler-place/

  • Habe grade hier einen interessanten Artikel über Prof. Sulzer und die GHND gefunden........Herr Kulke ist einfach klasse! Hatte ihn früher mal bei einer Verstanstaltung im Rathaus live gesehen und fand, er war viel zu höflich und zurückhaltend gegenüber den Politikern......aber wie ich sehe, ist sein Ton jetzt etwas fordender geworden. Finde ich richtig so - klare Kante.


    Artikel ist von 2015 aber immer noch interessant, über Herrn Prof. Sulzer wusste ich wenig, in dem Artikel wird klar wie der Mann "drauf" war, schade dass er geht.

    https://www.saechsische.de/plu…-am-neumarkt-3151462.html


    PS: Die Fotos von Potsdam sind der Hammer! Es geht also offenbar auch anders als Postplatz-Wüste und Betonklotz-Kultur.

    Besonders das mittlere, schöne Weisse von Patzschkes, traumhaft! Das ist für mich echte Baukunst. Der brutale Container in der Marienstrasse ist es nicht.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Das sieht ja genial aus! Und so etwas in Dresden?? Hey Leute, ich trinke zwar keinen Alkohol aber da würde ich ja fast nen Champagner aufmachen.

    Lass ihn lieber noch zu, bis die Häuser stehen.